Teil 6: Einwände gegen Gottes Existenz
In diesem Artikel wollen wir auf ein paar häufig zitierte Einwände gegen die Existenz Gottes eingehen. Sind das wirklich berechtigte Gründe, nicht darüber nachzudenken, ob es Gott doch geben könnte?

1 Wer ist Gott?
Viele Menschen lehnen ein primitives Verständnis Gottes ab, demzufolge Gott als ein alter Mann mit langem weißem Bart auf einer Wolke sitze. Dieses Bild hat sich durch zahlreiche Bilder, Gemälde und Statuen, die den „Glauben“ einfach und greifbar machen sollten, in die Vorstellung der Menschen eingebrannt.
Auch wir lehnen dieses falsche Gottesbild ab. Dies löst aber nicht die Frage nach Gottes Existenz. Jesu Lehre zeigt uns eine völlig andere Vorstellung von Gott, nämlich die der geistlichen und unsichtbaren Gottheit, die weder materiell noch durch menschliche Kunst vorstellbar ist.
„Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.“ (Johannes 4,23–24)
2 Die Wissenschaft und Gott
Viele Menschen suchen wissenschaftliche Beweise für Gottes Existenz.
Wenn wir über Gott sprechen, müssen wir den Unterschied zwischen dem Wesen der Dinge der materiellen Welt und dem Wesen des Einen, der über diesen Dingen steht, beachten. Die Wissenschaft kann nur die Dinge untersuchen und erklären, die sich innerhalb des Rahmens des existierenden Universums befinden.
Wenden wir den Begriff „Gott“ richtig an, setzen wir ihn als den Schöpfer aller Dinge voraus. Wir können ihn dann aber nicht als unseren eigenen Grenzen unterworfen betrachten, wenn er doch selbst diese Grenzen bestimmt hat. Deshalb werden diejenigen, die Gottes Existenz durch wissenschaftliche Methoden beweisen oder auch widerlegen wollen, nie eine endgültige Antwort erhalten, wenngleich die Ergebnisse der Wissenschaft viel eher für den Glauben an Gott als für den Materialismus sprechen.
3 „Ich glaube nur, was ich sehe!“
Vielleicht sagt jemand auch: „Ich würde ja glauben, wenn Gott sich mir zeigen würde.“ Wie kann derjenige sicher sein, dass er dann glauben würde? Wenn jemand etwas nicht akzeptieren möchte, überzeugt ihn auch das klarste Zeichen nicht.
Nur zur Veranschaulichung: Jeder konnte schon erfahren, dass man die Wahrheit leugnen kann. Wenn man nur einmal in seinem Leben lügt – und wer hat das nicht getan – hat man zumindest einmal die Wahrheit (über eine bestimmte Situation), die man doch kannte, geleugnet. Somit ist es eben möglich, dass jemand sieht, was richtig ist, es jedoch nicht annimmt. Es ist also nicht genug, dass die Wahrheit offenbart wird; auch die Annahme derselben ist notwendig.
Würde sich der allmächtige Gott jedoch mit seiner gesamten Kraft und Größe zeigen, wäre der Mensch allerdings gezwungen, an ihn zu „glauben“. Er wäre nicht mehr frei, sich selbst für ein Leben gemäß den Geboten Gottes zu entscheiden.
Unser Ziel hier ist aber gerade, darauf hinzuweisen, dass sich Gott in Wirklichkeit bereits in mannigfacher Weise den Menschen gezeigt hat und zeigt, ja dass er noch mehr zeigt, sofern Willen und Offenheit vorhanden sind.
Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eines. Ich glaube an Letzteres. (Albert Einstein)
4 Das Problem des Leidens
Viele Menschen können wegen des Bösen, das geschieht, nicht glauben. Sie sagen: „Gäbe es tatsächlich einen allmächtigen und liebenden Gott, warum sollte Leid und Böses noch existieren?“
Eine ganz ausführliche Erklärung dieses Themas würde den hier angestrebten Rahmen sprengen, aber als grundsätzlichen Ausgangspunkt können wir sagen: In den allermeisten Fällen ist es leicht erkennbar, dass der Grund für Leid und Böses in unserer Welt die Entscheidung der Menschen eben für Böses ist.
Gemäß dem christlichen Verständnis wollte Gott nie irgend etwas Schlechtes für die Menschen. Er schuf eine vollkommene Welt, in die er den Menschen, ausgestattet mit dem freien Willen, hineinstellte. Gott respektiert die Würde des Menschen, was gerade an der Akzeptanz der schlechten Entscheidungen besonders deutlich wird.
Diese Freiheit verdiente ihren Namen nicht, wenn Gott beispielsweise nur die guten Entschlüsse akzeptierte, die keine negativen Auswirkungen hätten. Nun aber lässt Gott auch Böses zu, ansonsten wäre der Mensch eher als Puppe zu betrachten.
Es ist leider traurige Realität, dass sehr viele Menschen ihren freien Willen nicht in guter Weise gebrauchen; sie denken nicht an andere, sondern fast ausschließlich an sich selbst. Viele Leiden könnten leicht vermieden werden, wenn Menschen einander helfen und nach dem Prinzip handeln würden: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Sogar viele Krankheiten werden durch die Unverantwortlichkeit der Menschen verursacht. Auch wenn es nicht immer so offensichtlich ist, so beeinflussen wir einander in vielfältiger Weise.
Natürlich gibt es auch andere Ereignisse wie Unwetter, Überflutungen, Erdbeben u. a., die nicht oder nicht direkt von der Menschheit verursacht werden, jedoch auch Leiden verursachen. Wir müssen uns aber bewusst machen, dass wir mit Intelligenz und vielen Fähigkeiten ausgestattet wurden, die uns helfen können, viele schlechte Konsequenzen solcher Naturphänomene zu verhindern. Der Einsatz unseres Wissens und der Erkenntnis in vernünftiger und eben nicht in egoistischer Weise könnte uns oft besser schützen, als es heutzutage oft der Fall ist. Ein erster Schritt wäre beispielsweise, dass Menschen nicht gerade in stark gefährdeten Regionen leben sollten.
Trotzdem müssen wir zugeben, dass diese Frage sicherlich eine der schwierigsten überhaupt ist. Wir wollen auch unser Mitleid mit denen ausdrücken, die, von schwerem Leid getroffen, diese Frage stellen.
Andererseits wollen wir aber auch darauf hinweisen, dass der Mensch gerade durch Leid zu einem tieferen Verständnis des Lebens und des Zieles seiner Existenz hindurchdringen kann, denn es fordert ihn förmlich dazu heraus, über den Sinn des Lebens nachzudenken. So sind sich leidende Menschen viel eher der relativen Unwichtigkeit materieller Dinge und somit der Notwendigkeit einer besseren Basis in ihrem Leben bewusst als gesunde.