Teil 1: Das Argu­ment auf Grund der Existenz

Themenbereiche: Die Existenz Gottes

Mit­un­ter hören Kin­der nicht auf, Fra­gen zu stel­len; jede Ant­wort ruft gleich die nächs­te Fra­ge her­vor. Die­se Fra­gen rei­chen manch­mal bis zu einem Punkt, an dem wir etwas als eine Tat­sa­che betrach­ten, die wir nicht begrün­den kön­nen. Beim nächs­ten “War­um” wer­den wir ver­le­gen. Für das Kind ist jede Ant­wort wie das Errei­chen eines neu­en Zim­mers mit einer wei­te­ren Tür, die ein­lädt, wei­ter zu for­schen. Kei­ne Ant­wort deckt alles ab. Als wir klein waren, haben wir das bestimmt so erlebt, aber irgend­wann gewöhn­ten wir uns dar­an, irgend­wo auf­zu­hö­ren. Den­noch waren alle Din­ge oder Tat­sa­chen, die wir erfuh­ren, von sol­cher Art, dass sie ihrer­seits wie­der­um etwas oder jeman­den brau­chen, das oder der den Grund ihrer Exis­tenz, ihren Zweck und ihre Eigen­schaf­ten erklärt.

Beeindruckendes Foto des Sternenhimmels mit der Andromedagalaxie im Zentrum. Die Beobachtung der Sterne und Galaxien wirft die Frage auf, ob es einen Grund für ihre Existenz gibt.

Genau­ge­nom­men müss­te die abschlie­ßen­de Ant­wort ihre Erklä­rung in sich selbst fin­den, ohne wei­te­re geschlos­se­ne Türen, ohne Mau­ern. Es müss­te etwas oder jemand sein, der

Wir wer­den ver­su­chen, alle die­se Eigen­schaf­ten genau­er zu erklä­ren, um zu zei­gen, dass nur Gott sie alle erfüllt und er damit der letzt­end­li­che Grund dafür ist, dass es uns und das Uni­ver­sum gibt.

Unver­än­der­lich

In der jüdi­schen Tra­di­ti­on gibt es fol­gen­de Legen­de über die Kind­heit ihres Vor­va­ters Abraham:

(Der klei­ne Abra­ham) sah die hel­le Son­ne am Him­mel und dach­te, sie müs­se Gott sein, wel­cher Him­mel und Erde und auch ihn selbst erschaf­fen habe. Doch ging die Son­ne am Abend unter. Dafür aber ging der Mond auf, umge­ben von aber­tau­sen­den von Ster­nen. “Das muss Gott sein” sag­te er sich. Aber auch der Mond ver­schwand, und die Son­ne kam wie­der. So ent­schied Abra­ham, dass es den Einen geben müs­se, der Son­ne, Mond und Ster­ne, ja die gan­ze Welt erschaf­fen habe. (Midrash)

Das ist natür­lich nur eine Legen­de, die jedoch die Begrenzt­heit selbst gro­ßer Din­ge um uns her­um zeigt: Alles, selbst der Kos­mos, ist stän­di­ger Ver­än­de­rung unter­wor­fen. Vor lan­ger Zeit war er klein und heiß; mor­gen wird er anders als heu­te sein.

Aber wer bestimmt die Ver­än­de­run­gen? Der Kos­mos selbst? Hat er sei­nen eige­nen Wil­len? Oder gibt es Geset­ze, die das Uni­ver­sum steu­ern? Aber wer hat sie festgelegt …?

Wenn wir von Gott spre­chen, dann mei­nen wir den Einen, der weder Anfang noch Ende hat noch sich ver­än­dert. Sei­ne Exis­tenz ist völ­lig unab­hän­gig von allen ande­ren Dingen.

Jede gute Gabe und jedes voll­kom­me­ne Geschenk kommt von oben her­ab, von dem Vater der Lich­ter, bei dem kei­ne Ver­än­de­rung ist noch eines Wech­sels Schat­ten. (Jako­bus 1,17)

Voll­kom­men

Gott ist in allen sei­nen Eigen­schaf­ten voll­kom­men. Er ist voll­kom­me­ne Lie­be und Gerech­tig­keit, ja in allen Din­gen, die wir für wert­voll hal­ten, ist er voll­kom­men und abso­lut gut. Er gibt uns tie­fe und rei­ne Freu­de, die wir wirk­lich brau­chen. Es gibt kei­nen Man­gel in ihm. So sagt Mose über ihn:

“… voll­kom­men ist sein Tun; denn alle sei­ne Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gera­de ist er.” (Deu­te­ro­no­mi­um 32,4)

Unse­re Welt ist anders. Sie ist gut, aber nicht voll­kom­men im eben beschrie­be­nen Sinn. In einem Psalm lesen wir:

“Ich sah, dass alles Voll­kom­me­ne Gren­zen hat, doch dein Gebot kennt kei­ne Gren­zen.” (Psalm 119,96 Einheitsübersetzung)

Was nicht abso­lut voll­kom­men ist, kann auch nicht das Höchs­te sein. Nur das höchs­te Wesen kann die letz­te Ant­wort auf unse­re Fra­gen sein.

Unbe­grenzt

Gott ist nicht durch Raum und Zeit begrenzt, denn er hat die­se Dimen­sio­nen geschaf­fen. Er ist all­ge­gen­wär­tig und all­wis­send. “Gott ist grö­ßer als unser Herz und weiß alles.” (1. Johan­nes 3,20)

Aber nicht nur das. Er kann auch tun, was immer er will. Hiob sagte:

Ich habe erkannt, dass du alles ver­magst und dass kein Plan für unaus­führ­bar ist. (Hiob 42,2)

Das bedeu­tet jedoch nicht, dass Gott Sinn­lo­ses oder Schlech­tes oder Din­ge tut, die in sich wider­sprüch­lich wären oder sei­ner eige­nen Natur ent­ge­gen­stün­den. Sei­ne Unbe­grenzt­heit ist mit sei­ner Gut­heit und Lau­ter­keit verbunden.

Das Uni­ver­sum ist die Sum­me aller begrenz­ten Din­ge, die um uns her­um exis­tie­ren. Es muss daher selbst begrenzt sein. Auch Natur­wis­sen­schaft­ler sagen, dass die Anzahl der Ster­ne und die vor­han­de­ne Ener­gie im Uni­ver­sum, so groß sie auch sind, begrenzt sind und dass der Kos­mos einen Anfang hat.

Alle begrenz­ten Din­ge aber sind von etwas abhän­gig, das über ihnen steht und ihre Gren­zen bestimmt. Nichts außer dem All­mäch­ti­gen, dem ein­zi­gen Gott, kann völ­lig unab­hän­gig und über allem ste­hend sein. Salo­mo sagte:

“… Sie­he, die Him­mel und die Him­mel der Him­mel kön­nen dich nicht fas­sen …“ (1. Köni­ge 8,27)

Unver­ur­sacht

Alle Din­ge um uns her­um, alles, was wir sehen oder mes­sen kön­nen, ent­stand irgend­wann durch etwas oder jeman­den ande­ren, d. h., sie ver­dan­ken ihre Exis­tenz einer Sache oder Per­son außer­halb von sich selbst. Wir brau­chen nur an unser eige­nes Leben zu den­ken. Wir wur­den gezeugt und gebo­ren, irgend­wann ster­ben wir. Unser Leben hängt von vie­len Umstän­den ab, die wir nicht bestim­men kön­nen. Wir haben uns nicht ent­schie­den zu leben noch liegt es in unse­rer Hand, ob wir ster­ben wol­len oder nicht. Anders aus­ge­drückt: Wir selbst sind nicht der Grund dafür, dass wir exis­tie­ren. Fra­gen wir uns, war­um wir da sind, kann die Ant­wort nur außer­halb von uns selbst zu fin­den sein. Mit ande­ren Din­gen im Uni­ver­sum ist es ähn­lich. Bei man­chen sehen wir ihren Anfang und ihr Ende, ihr Wer­den und Ver­ge­hen. Bei lang­le­bi­ge­ren Din­gen beob­ach­ten wir zumin­dest, wie sie sich mit der Zeit ver­än­dern. Ver­schie­de­ne Pha­sen im Dasein begin­nen und enden. Alles aber, was der Ver­än­de­rung unter­wor­fen ist, kann nicht völ­lig unab­hän­gig in sei­ner Exis­tenz sein. Wir kön­nen dar­aus schlie­ßen, dass nicht nur wir Men­schen, son­dern über­haupt alle Din­ge in die­sem Uni­ver­sum letzt­lich ihre Exis­tenz von außer­halb erhal­ten haben. Es ist sozu­sa­gen eine Gabe. Wenn jemand anfängt, alles aus die­ser Per­spek­ti­ve zu sehen, wird er sehr dank­bar dafür wer­den und den wirk­lich Sinn finden.

In die­ser Hin­sicht kann das Uni­ver­sum nicht mehr sein als die Sum­me aller Din­ge, die es for­men. Wenn alles im All sein Dasein erhal­ten hat, wie könn­te man dann über das All selbst etwas ande­res behaupten?

Gott ist von sei­nem Wesen her ganz anders. Auf­grund der oben beschrie­be­nen Eigen­schaf­ten hängt er von nichts und nie­man­dem ab. Sei­ne Exis­tenz liegt in sei­nem Wesen begrün­det, denn weil er selbst unbe­grenzt ist und außer­halb von Raum und Zeit steht, braucht er nie­man­den, der ihn erschafft. Alle begrenz­ten Din­ge brau­chen eine Her­kunft, Gott hin­ge­gen ist der Eine, der Dasein und Leben gibt. Er schuf das All aus dem Nichts durch sein Wort:

“Der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was dar­in ist, er der Herr des Him­mels und der Erde, wohnt nicht in Tem­peln, die mit Hän­den gemacht sind, noch wird er von Men­schen­hän­den bedient, als wenn er noch etwas nötig hät­te, da er selbst allen Leben und Odem und alles gibt.” (Apos­tel­ge­schich­te 17,24–25)

“Ich bin das Alpha und das Ome­ga”, spricht der Herr, Gott, der ist und der war und der kommt, der All­mäch­ti­ge.” (Offen­ba­rung 1,8)

So spricht der HERR, der König Isra­els und sein Erlö­ser, der Herr der Heer­scha­ren: “Ich bin der Ers­te und bin der Letz­te und außer mir gibt es kei­nen Gott.” (Jesa­ja 44,6)

War­um wir einen frei­en Wil­len haben und so auch fähig sind zu lieben

Wenn wir dar­über nach­den­ken, war­um das Uni­ver­sum exis­tiert, blei­ben letzt­lich zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der es ent­stand durch blin­de, ziel­lo­se Kräf­te oder durch die freie Ent­schei­dung eines höchs­ten Wesens. Nur die letzt­ge­nann­te Opti­on lie­fert uns eine ech­te Erklä­rung für die erstaun­li­che Tat­sa­che, dass wir Men­schen ent­schei­den kön­nen, was wir den­ken und tun wol­len. Wir pla­nen und über­le­gen. Wir sind fähig, ande­ren Gutes zu tun, auch wenn es uns selbst kei­ner­lei Vor­teil bringt. Men­schen, die Got­tes Exis­tenz ableh­nen, behaup­ten oft, dass dahin­ter immer ein selbst­zen­trier­tes Motiv läge, um sol­ches Ver­hal­ten irgend­wie in Ein­klang mit evo­lu­tio­nis­ti­schen Trieb­kräf­ten zu brin­gen. Doch ist die Selbst­lo­sig­keit eine gut bezeug­te Tat­sa­che. Beden­ken wir die mög­li­chen Fol­gen unse­res Han­delns für ande­re Men­schen nicht (z. B. wenn wir im betrun­ke­nen Zustand Auto fah­ren), so wis­sen wir doch, dass es schlecht ist. Pla­nen oder tun wir gar Böses, wol­len wir es übli­cher­wei­se ver­ber­gen. All das zeigt, dass wir uns der Ver­ant­wor­tung für unse­re Ent­schei­dun­gen bewusst sind. Aber wem gegen­über sind wir letzt­lich ver­ant­wort­lich? Und wie soll­te es mög­lich sein, dass wir fähig sind, Gutes oder Böses zu tun, wenn der Ursprung unse­re Exis­tenz blin­de, unge­rich­te­te Kräf­te wären, die gar nichts ent­schei­den kön­nen? Es ist eine ganz logi­sche Schluss­fol­ge­rung, dass die Per­son oder die Sache, die letzt­lich der Grund allen Daseins ist, uns (und über­haupt alle her­vor­ge­brach­ten Din­ge) in allen Eigen­schaf­ten weit über­tref­fen muss.

Was noch in die­se Rich­tung weist, ist, dass wir nicht durch ein schlech­tes Gewis­sen belas­tet sind, wenn wir aus guten Moti­ven han­deln. Wir sind fähig, ande­re selbst­los zu lie­ben, und die Freu­de dar­über ist rein. Wenn die Bibel sagt, dass Gott Lie­be ist (1. Johan­nes 4,8), bedeu­tet das, dass die Lie­be sein Cha­rak­ter ist, dass er das nicht ver­leug­nen kann. Sei­ne Lie­be ist nie­mals selbst­süch­tig, er braucht auch nichts von uns. Er liebt uns um unse­ret­wil­len. Das ist auch der Grund unse­rer Exis­tenz. Und er befä­higt uns auch, die glei­che Gesin­nung zu haben. Wenn Men­schen das von ihm ler­nen, wer­den sie ein leben­di­ges Zeug­nis sei­nes Wir­kens sein – ein Beweis, dass wir weit mehr sind als Pro­duk­te des blin­den Zufalls, die ums Über­le­ben kämpfen.

Jesus ruft uns auf, auch unse­re Fein­de zu lieben:

Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben und dei­nen Feind has­sen. Ich aber sage euch: Liebt eure Fein­de, und betet für die, die euch ver­fol­gen, damit ihr Söh­ne eures Vaters seid, der in den Him­meln ist! Denn er lässt sei­ne Son­ne auf­ge­hen über Böse und Gute und lässt reg­nen über Gerech­te und Unge­rech­te. Denn wenn ihr liebt, die euch lie­ben, wel­chen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöll­ner das­sel­be? Und wenn ihr allein eure Brü­der grüßt, was tut ihr Beson­de­res? Tun nicht auch die von den Natio­nen das­sel­be? Ihr nun sollt voll­kom­men sein, wie euer himm­li­scher Vater voll­kom­men ist. (Mat­thä­us 5,43–48)

Wir sind fähig, das Bes­te für ande­re zu suchen, auch wenn es nicht um uns selbst, unse­re Ver­wand­ten oder um die geht, die wir mögen. Mit Got­tes Hil­fe kön­nen wir sogar unse­re Fein­de lie­ben. Dafür gibt es vie­le Bei­spie­le in der Bibel. Das Bes­te davon ist Jesus selbst. Er hat sein Leben lang selbst­los gedient. Er tat es nicht, um davon zu pro­fi­tie­ren oder von ande­ren bestaunt zu wer­den. Selbst im Lei­den bewahr­te er sei­ne Demut und die Lie­be zu allen Men­schen. Wer hat ihn dazu befähigt?

Wen­den wir uns Gott zu, kann er auch unser Leben völ­lig ver­än­dern. Er wird uns befä­hi­gen, wahr­haf­tig und in selbst­lo­ser Lie­be zu leben. Vie­le, die Jesus begeg­ne­ten, erfuh­ren die­sen Wan­del. Er lädt auch uns ein, die­se Ver­än­de­rung zu erfah­ren, die wir nicht aus eige­ner Kraft her­vor­zu­ru­fen vermögen.

Schluss­fol­ge­rung

Gott ist die hin­rei­chen­de Ant­wort für unse­re Exis­tenz und die tie­fen Fra­gen unse­rer See­le. Obwohl wir auf­grund unse­rer Begrenzt­heit nicht alles über ihn erfas­sen kön­nen, hilft er uns zu ver­ste­hen, was nötig ist, um ihn zu fin­den. In sei­ner Lie­be zeigt er sich auf vie­ler­lei Wei­sen. Er hilft uns, die rich­ti­gen Schlüs­se aus dem zu zie­hen, was wir in der Welt und in unse­rem Leben erfahren.

Gott ist nicht nur der theo­re­ti­sche Grund für unse­re Exis­tenz. Wenn wir ihn fin­den, kön­nen wir in eine Bezie­hung mit ihm tre­ten. Gott ist dann nicht ein­fach nur Ant­wort für unse­ren Intel­lekt, son­dern unser gan­zes Wesen ist betrof­fen. Denn in einer rein intel­lek­tu­el­len Ant­wort auf die Fra­ge nach unse­rer Exis­tenz fin­den wir nicht Frie­den und Ruhe. Fin­den wir Gott, erken­nen wir nicht nur den Grund unse­res Daseins, son­dern auch des­sen Ziel.

Wir wis­sen nicht alles über Gott, aber doch, dass er unab­hän­gig von allem ist. Das ist ein gro­ßer Unter­schied zu allen phy­si­schen Din­gen. Gott braucht das Uni­ver­sum nicht, aber das Uni­ver­sum kann nicht ohne ihn exis­tie­ren – sie­he Das Argu­ment von der all­ge­mei­nen Kau­sa­li­tät (Kon­tin­genz).