Teil 7: Got­tes Exis­tenz – Gül­tig­keit und Ziel der Argumente

Themenbereiche: Die Existenz Gottes

War­um sol­len wir uns über­haupt mit Argu­men­ten beschäf­ti­gen, wenn Got­tes Exis­tenz sowie­so nur eine Sache des Glau­bens ist?

Bei der Beschäf­ti­gung mit Argu­men­ten für Got­tes Exis­tenz erge­ben sich drei gro­ße Fragen:

Auf beiden Seiten der Waage steht ein Fragezeichen: In welche Richtung wird die Waage ausschlagen? Das Gewicht der Argumente hängt von der Freiheit und Aufrichtigkeit des Menschen ab.

1 Wie gül­tig sind die­se Beweise?

Alle erwähn­ten Bewei­se wur­den und wer­den auf unter­schied­lichs­te Wei­se von vie­len Phi­lo­so­phen bestrit­ten, wir aber sehen es genau wie Pau­lus, der tief von der Offen­sicht­lich­keit der Exis­tenz Got­tes über­zeugt war:

Denn was man von Gott erken­nen kann, ist unter ihnen offen­bar; denn Gott hat es ihnen offen­bart. Denn Got­tes unsicht­ba­res Wesen, das ist sei­ne ewi­ge Kraft und Gott­heit, wird seit der Schöp­fung der Welt erse­hen aus sei­nen Wer­ken, wenn man sie wahr­nimmt, so dass sie kei­ne Ent­schul­di­gung haben. (Römer 1,19–20)

Die­ser grund­sätz­li­che Gedan­ke von der Erkenn­bar­keit des Unsicht­ba­ren anhand der sicht­bar geschaf­fe­nen Welt ist in allen Kul­tu­ren zu fin­den, bei den Den­kern des Alter­tums genau­so wie bei moder­nen Wis­sen­schaft­lern. Wir behaup­ten nicht, Got­tes Exis­tenz mathe­ma­tisch her­lei­ten oder demons­trie­ren zu kön­nen, son­dern dass man sie aus dem Geschaf­fe­nen durch das natür­li­che Licht des mensch­li­chen Ver­stan­des mit Sicher­heit wis­sen kann.

Viel­leicht kön­nen wir sagen, dass die Bewei­se einen hohen Grad von Klar­heit besit­zen, der Zwei­fel aus­zu­räu­men ver­mag, selbst wenn deren anschau­li­che Her­lei­tung nicht logisch zwin­gend ist.

Die­se Bewei­se zwin­gen nie­man­den, sie anneh­men zu müs­sen, der freie Wil­le wird gewahrt. Mathematisch‐wissenschaftliche Bewei­se gehen immer von gewis­sen Axio­men und Pos­tu­la­ten aus, deren Logik durch einen all­ge­mei­nen Kon­sens unter den auf die­sem Gebiet arbei­ten­den Men­schen akzep­tiert wird.

Im Fal­le meta­phy­si­scher Beweis­füh­rung spie­len per­sön­li­che Bedin­gun­gen, einen Inhalt zu erfas­sen, wie auch das Ver­hält­nis zu den Bewei­sen selbst eine Rol­le. Des­halb hängt die Über­zeu­gungs­kraft der Argu­men­te sehr von der per­sön­li­chen Ein­stel­lung, der Men­ta­li­tät, den Nei­gun­gen und der Erzie­hung eines jeden ab.

Wich­tigs­te Bedin­gung aber ist die per­sön­li­che Offen­heit und Bereit­schaft, das eige­ne Den­ken und Leben zu prüfen.

2 Die Methoden

Von den ver­schie­de­nen Argu­men­ta­ti­ons­wei­sen ver­wen­de­ten wir nur den induk­ti­ven (a pos­te­rio­ri) Beweis, der von ver­schie­de­nen Aspek­ten des Seins aus­geht (der kon­tin­gen­ten Welt in ihrer Exis­tenz und ihren Eigen­schaf­ten oder von unse­rer mensch­li­chen Erfah­rung) und dann hin­auf zu Gott als ers­ter Ursa­che führt.

Nicht erwähnt wur­de bis­her die soge­nann­te deduk­ti­ve (a prio­ri) Metho­de, die von der Vor­stel­lung bzw. Ahnung über Gott aus­geht und auf sei­ne wirk­li­che Exis­tenz schließt (wie es bei­spiels­wei­se Anselm, Des­car­tes und Leib­nitz taten). Die­se Argu­men­ta­ti­ons­wei­se wird von vie­len abge­lehnt, hier hängt alles noch mehr davon ab, ob man eine gewis­se Vor­kennt­nis über Gott annimmt.

Aller­dings sind bis zu einem gewis­sen Grad in unse­ren Aus­füh­run­gen bei­de Metho­den mit­ein­an­der ver­bun­den, indem wir eini­ge Got­tes­vor­stel­lun­gen vor­weg­neh­men, um dann sein Dasein induk­tiv zu bewei­sen. Wir kön­nen ja nicht nach dem suchen, was uns völ­lig unbe­kannt ist. Ande­rer­seits besteht natür­lich die Gefahr, das zu bewei­sen, was man bereits vor­aus­ge­setzt hat.

3 Wor­in besteht das Ziel der Argumente?

Wozu brau­chen wir die­se Argu­men­te über­haupt und wofür wol­len wir sie ver­wen­den? Wel­chen Gewinn tra­gen wir bei die­sen geis­tig so auf­wen­di­gen und viel­leicht auch anstren­gen­den Metho­den davon?

Tat­säch­lich lie­fern sie uns weder die gan­ze noch die höchs­te Erkennt­nis Got­tes. Um gläu­big zu wer­den, muss man nicht fähig sein, einen Beweis füh­ren zu kön­nen, noch viel weni­ger ist es nötig, Wis­sen­schaft­ler oder Phi­lo­soph zu sein, um Got­tes Exis­tenz zu ver­ste­hen. Wir ver­wen­den jedoch eini­ge ratio­na­le Erklä­run­gen, um ver­ständ­lich zu machen, dass unser Glau­be nicht im Wider­spruch zu wis­sen­schaft­li­chen oder phi­lo­so­phi­schen Her­an­ge­hens­wei­sen auf die­sem Gebiet steht.

In der Aus­ein­an­der­set­zung mit den ver­schie­de­nen Welt­an­schau­un­gen ist es sehr hilf­reich, hier klar Stel­lung zu bezie­hen. Wir grün­den daher unse­ren Glau­ben nicht auf wis­sen­schaft­li­che oder meta­phy­si­sche Kennt­nis, wol­len aber unse­ren Ver­stand und unse­re intel­lek­tu­el­len Fähig­kei­ten bei der Suche nach Ant­wor­ten bezüg­lich der Exis­tenz und des Wesens unse­res Schöp­fers nutzen.

Wenn wir also sei­ne Spu­ren in der Natur und sein Bild im Men­schen fin­den, so hilft uns das, ihn bes­ser ken­nen­zu­ler­nen und die Bezie­hung zu ihm zu stärken.

Denn als ich umher­ging und eure Hei­lig­tü­mer betrach­te­te, fand ich auch einen Altar, an dem die Auf­schrift war: Einem unbe­kann­ten Gott.
Was ihr nun, ohne es zu ken­nen, ver­ehrt, das ver­kün­di­ge ich euch. Der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was dar­in ist, er, der Herr des Him­mels und der Erde, wohnt nicht in Tem­peln, die mit Hän­den gemacht sind, noch wird er von Men­schen­hän­den bedient, als wenn er noch etwas nötig hät­te, da er selbst allen Leben und Odem und alles gibt.
Und er hat aus Einem jede Nati­on der Men­schen gemacht, dass sie auf dem gan­zen Erd­bo­den woh­nen, indem er fest­ge­setz­te Zei­ten und die Gren­zen ihrer Woh­nung bestimmt hat, dass sie Gott suchen, ob sie ihn wohl tas­tend füh­len und fin­den möch­ten, obgleich er nicht fern ist von jedem von uns.
Denn in ihm leben und weben und sind wir, wie auch eini­ge eurer Dich­ter gesagt haben: ‚Denn wir sind auch sein Geschlecht.‘
Da wir nun Got­tes Geschlecht sind, sol­len wir nicht mei­nen, dass das Gött­li­che dem Gold und Sil­ber oder Stein, einem Gebil­de der Kunst und der Erfin­dung des Men­schen, gleich sei.
Nach­dem nun Gott die Zei­ten der Unwis­sen­heit über­se­hen hat, gebie­tet er jetzt den Men­schen, dass sie alle über­all Buße tun sol­len, weil er einen Tag gesetzt hat, an dem er den Erd­kreis rich­ten wird in Gerech­tig­keit durch einen Mann, den er [dazu] bestimmt hat, und er hat allen dadurch den Beweis gege­ben, dass er ihn auf­er­weckt hat aus den Toten. (Apos­tel­ge­schich­te 17,23–31)