Über das Lei­den der Men­schen und die Lie­be Gottes

Themenbereiche: Gott: Wer ist er?

Auch wenn es kein leich­tes The­ma ist, möch­ten wir ver­su­chen, eini­ge Gedan­ken dazu zu for­mu­lie­ren. Wir hof­fen, dass sie hilf­reich sind, mehr über das Leid und das Böse in der Welt zu ver­ste­hen. Sie sol­len auch Mut machen, einen guten Umgang mit dem Lei­den zu fin­den und am Glau­ben an unse­ren lie­be­vol­len Schöp­fer fest­zu­hal­ten oder einen neu­en Zugang zu Gott zu finden.

Ein trauriger Junge sitzt vor einer Mauer auf trockenem Laub.

1 Ein­lei­ten­de Gedanken

Vie­le Men­schen sind ent­setzt, wenn sie Berich­te sehen über das Leid und den Schmerz, der durch Krank­hei­ten oder Natur­ge­wal­ten oder auch mensch­li­che Bos­heit im Leben von Men­schen ver­ur­sacht wird. Wie kann Gott so etwas zulas­sen? Wenn es Gott gibt und wenn er ein Gott der Lie­be ist, war­um greift er nicht ein? War­um ver­hin­dert er zumin­dest unver­schul­de­tes Lei­den nicht? Sol­che oder ähn­li­che Fra­gen wer­den in sol­chen Zusam­men­hän­gen immer wie­der gestellt, und es sind kei­ne leich­ten Fra­gen. Auch gläu­bi­ge Men­schen in der Bibel haben sol­che Fra­gen beschäftigt.

Bevor wir kon­kre­te­re Gedan­ken über die Ursa­chen des Lei­des und dar­über, war­um Gott das zulässt, schrei­ben, soll es im fol­gen­den Abschnitt dar­um gehen, wie Gott zum Leid der Men­schen steht.

2 Wie ist Jesus dem Lei­den begegnet?

Der all­mäch­ti­ge Gott wur­de selbst Mensch in Jesus. An Jesus also kön­nen wir sehen, wel­che Hal­tung Gott dem Lei­den der Men­schen gegen­über ein­nimmt. Gott hat das Leid weder ver­ur­sacht noch ist er dem gegen­über gleich­gül­tig. Nein. Jesus zeigt uns, dass Gott uns hel­fen und uns auch durch alle schwe­ren Zei­ten hin­durch tra­gen will. Wir möch­ten eini­ge Bei­spie­le, die im Neu­en Tes­ta­ment berich­tet sind, herausgreifen.

Eini­ge Zeit spä­ter ging er (Jesus) in eine Stadt namens Naïn; sei­ne Jün­ger und eine gro­ße Men­schen­men­ge folg­ten ihm. Als er in die Nähe des Stadt­tors kam, trug man gera­de einen Toten her­aus. Es war der ein­zi­ge Sohn sei­ner Mut­ter, einer Wit­we. Und vie­le Leu­te aus der Stadt beglei­te­ten sie. Als der Herr (Jesus) die Frau sah, hat­te er Mit­leid mit ihr und sag­te zu ihr: Wei­ne nicht! Dann ging er zu der Bah­re hin und fass­te sie an. Die Trä­ger blie­ben ste­hen und er sag­te: Ich befeh­le dir, jun­ger Mann: Steh auf! Da rich­te­te sich der Tote auf und begann zu spre­chen und Jesus gab ihn sei­ner Mut­ter zurück. Alle wur­den von Furcht ergrif­fen; sie prie­sen Gott und sag­ten: Ein gro­ßer Pro­phet ist unter uns auf­ge­tre­ten: Gott hat sich sei­nes Vol­kes ange­nom­men. (Lukas 7,11–16 – Ein­heits­über­set­zung)[1].

Die Frau, deren ein­zi­ger Sohn gestor­ben war, war in einer sehr schwe­ren Situa­ti­on. Eine Wit­we ohne Kin­der war damals nicht nur ein­sam, son­dern auch ganz auf Almo­sen ange­wie­sen. Sie war mit­tel­los und hat­te wohl oft nie­man­den, der sich für ihr Recht ein­setz­te. Mit dem Tod ihres Soh­nes hat die­se Wit­we wahr­schein­lich ihre ein­zi­ge Stüt­ze ver­lo­ren. Jesus hat­te Mit­leid mit der trau­ern­den Mut­ter, ging zu ihr hin und sag­te: Wei­ne nicht! Ihre Not hat ihn berührt und er hat geholfen.

Ein ande­res Bei­spiel ist das Leben des blin­den Bett­lers Bar­ti­mä­us. Es hat sich durch die Hil­fe Jesu völ­lig ver­än­dert. Hier der Text:

Sie kamen nach Jeri­cho. Als er (Jesus) mit sei­nen Jün­gern und einer gro­ßen Men­schen­men­ge Jeri­cho wie­der ver­ließ, saß an der Stra­ße ein blin­der Bett­ler, Bar­ti­mä­us, der Sohn des Timä­us. Sobald er hör­te, dass es Jesus von Naza­ret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbar­men mit mir! Vie­le wur­den ärger­lich und befah­len ihm zu schwei­gen. Er aber schrie noch viel lau­ter: Sohn Davids, hab Erbar­men mit mir! Jesus blieb ste­hen und sag­te: Ruft ihn her! Sie rie­fen den Blin­den und sag­ten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er sei­nen Man­tel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus frag­te ihn: Was soll ich dir tun? Der Blin­de ant­wor­te­te: Rab­bu­ni, ich möch­te wie­der sehen kön­nen. Da sag­te Jesus zu ihm: Geh! Dein Glau­be hat dir gehol­fen. Im glei­chen Augen­blick konn­te er wie­der sehen, und er folg­te Jesus auf sei­nem Weg. (Mar­kus 10,46–52)

Wenn man nicht gera­de aus rei­chem Eltern­haus stamm­te, war Bet­teln für blin­de Men­schen damals wohl die ein­zi­ge Chan­ce zu über­le­ben. Es ist ver­ständ­lich, dass Bar­ti­mä­us um Hil­fe schrie so laut er konn­te, als er hör­te, dass Jesus in der Nähe war. Er hat­te schon von Jesus gehört und glaub­te, dass Jesus der von Gott gesand­te Ret­ter ist und ihm hel­fen kann. Und Jesus hat ihm sei­ne Hil­fe nicht verwehrt.

Jesu Lie­be zu den suchen­den und hung­ri­gen Men­schen wird auch aus der fol­gen­den Bege­ben­heit deutlich:

Jesus sag­te zu ihnen (den Jün­gern): Kommt mit an einen ein­sa­men Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fan­den nicht ein­mal Zeit zum Essen, so zahl­reich waren die Leu­te, die kamen und gin­gen. Sie fuh­ren also mit dem Boot in eine ein­sa­me Gegend, um allein zu sein. Aber man sah sie abfah­ren und vie­le erfuh­ren davon; sie lie­fen zu Fuß aus allen Städ­ten dort­hin und kamen noch vor ihnen an. Als er aus­stieg und die vie­len Men­schen sah, hat­te er Mit­leid mit ihnen; denn sie waren wie Scha­fe, die kei­nen Hir­ten haben. Und er lehr­te sie lan­ge. Gegen Abend kamen sei­ne Jün­ger zu ihm und sag­ten: Der Ort ist abge­le­gen und es ist schon spät. Schick sie weg, damit sie in die umlie­gen­den Gehöf­te und Dör­fer gehen und sich etwas zu essen kau­fen kön­nen. Er erwi­der­te: Gebt ihr ihnen zu essen! […] Und sie setz­ten sich in Grup­pen zu hun­dert und zu fünf­zig. Dar­auf nahm er die fünf Bro­te und die zwei Fische, blick­te zum Him­mel auf, sprach den Lob­preis, brach die Bro­te und gab sie den Jün­gern, damit sie sie an die Leu­te aus­teil­ten. Auch die zwei Fische ließ er unter allen ver­tei­len. Und alle aßen und wur­den satt. (Mar­kus 6,31–42)

In die­sen und vie­len ande­ren Situa­tio­nen hat Jesus ein Wun­der gewirkt. Vie­le Men­schen wün­schen sich das auch heu­te, dass jemand auf wun­der­ba­re Wei­se in ihre Situa­ti­on ein­greift und alles in Ord­nung bringt.

Jesus ging es aber um mehr als dar­um, durch Wun­der die Not der Men­schen zu lin­dern. Als er in die Welt kam, woll­te er uns zei­gen, dass Gott jeden Men­schen liebt und auch den Lei­den­den zur Sei­te ste­hen will. Jesu Han­deln ist ein Aus­druck von Got­tes Erbar­men und sei­ner Zuwen­dung zum Men­schen in sei­nem Lei­den und sei­ner Not.

Dabei ist das Ziel der Lie­be Got­tes nicht in ers­ter Linie die Besei­ti­gung von Hun­ger und Krank­heit, denn die größ­te Not des Men­schen ist eine andere …

3 Wenn Gott alles gut gemacht hat …

Die Bibel sagt, dass Gott den Men­schen schuf und ihm auf Erden ein Para­dies als Hei­mat gab. Das Para­dies steht nicht nur für unver­sehr­te Natur, für Frie­den und Gesund­heit; es steht für die Har­mo­nie zwi­schen Gott und sei­ner Schöp­fung, für die Lie­be Got­tes, sei­nen Schutz, sei­ne Sor­ge und Güte gegen­über dem Men­schen. Es steht auch für auf­rich­ti­ge und lie­be­vol­le Bezie­hun­gen zwi­schen den Men­schen, die in ihrem Ver­hal­ten zuein­an­der vom lie­ben­den Wesen des Schöp­fers geprägt sein sollten.

Zur Lie­be Got­tes gehört, dass er dem Men­schen ein Gewis­sen gab. Die­se „inne­re Stim­me Got­tes“ soll­te den Men­schen in sei­nem Han­deln lei­ten, um eben das zu tun, was der Lie­be ent­spricht, und so im Frie­den mit Gott und Men­schen zu bleiben.

Das Leben im Para­dies war als Vor­be­rei­tung gedacht für die ewi­ge Gemein­schaft mit Gott, in die jeder Mensch am Ende sei­nes Daseins auf Erden „hin­über­ge­hen“ soll­te. Das ist das eigent­li­che Ziel unse­rer Exis­tenz. Ewig mit Gott zu sein – dazu war und ist der Mensch bestimmt.

4 … woher kommt dann das Leid?

Solan­ge der Mensch Gott ver­trau­te, konn­te Gott ihn behü­ten und ver­sor­gen. Erst mit der Abwen­dung des Men­schen von Gott kamen Leid und Tod in die Welt. Die Bibel beschreibt das in der Erzäh­lung vom Sün­den­fall (1. Mose 3). Obwohl der Mensch im Para­dies kei­ner­lei Man­gel oder Not litt, woll­te er sich unab­hän­gig machen von Gott, sich nicht mehr unter­ord­nen, woll­te selbst bestim­men, was gut und böse ist, was er tun und las­sen kann, und hat so das Para­dies verloren.

Damit war nicht nur die Har­mo­nie zwi­schen Gott und dem Men­schen zer­stört. Dass der Sün­den­fall auch auf das Mit­ein­an­der der Men­schen sehr schlech­te Aus­wir­kun­gen hat, zeigt die Geschich­te über den Bru­der­mord von Kain an Abel (1. Mose 4,1–16). Das Lei­den, das als Kon­se­quenz von Sün­de in die Welt kam, hat sich mit der Mensch­heit aus­ge­brei­tet. Auch das durch Krank­hei­ten ver­ur­sach­te Lei­den gehört dazu.

In den fol­gen­den Abschnit­ten wol­len wir kon­kre­ter dar­auf ein­ge­hen und auch eini­ge Gedan­ken zum Pro­blem der Natur­ge­wal­ten schrei­ben, die eine Bedro­hung für Men­schen dar­stel­len können.

5 Lei­den, das durch Men­schen ver­ur­sacht wird

Seit­dem der Mensch das Para­dies ver­lo­ren hat, ver­su­chen nun die meis­ten, unab­hän­gig von Gott ihr Glück zu fin­den. Heu­te suchen es vie­le im mate­ri­el­len Wohl­stand, im trau­ten Fami­li­en­le­ben oder in Bezie­hun­gen über­haupt, also in der Aner­ken­nung, im Ange­nom­men­sein von ande­ren Men­schen. Dabei wer­den oft Wege beschrit­ten, wo man sich nicht wirk­lich dar­um küm­mert, was das eige­ne Han­deln und Ver­hal­ten für ande­re bedeu­tet. Denn das Suchen nach dem eige­nen Vor­teil, der eige­nen Sicher­heit, den eige­nen „guten“ Gefüh­len ist der bestim­men­de Faktor.

Auf die­sen fal­schen Wegen geht die Zer­stö­rung des Men­schen und sei­ner Welt immer wei­ter. Die nega­ti­ven Fol­gen davon bekom­men alle direkt oder indi­rekt zu spü­ren; sie sind eben­so Rea­li­tät wie die Sün­den selbst.

In der Bibel sehen wir, wie Gott die Men­schen immer wie­der warnt nicht zu sün­di­gen, nicht gleich­gül­tig zu sein gegen­über Got­tes Wer­ten und Wil­len. Sün­de wider­spricht immer der Lie­be und zieht zwangs­läu­fig Lei­den nach sich.

Das äußert sich nicht erst in Krie­gen, Gewalt­ta­ten und Kri­mi­na­li­tät. In unse­rem All­tag sind wir stän­dig davon umge­ben. Wo Men­schen Gott nicht lie­ben, gel­ten sol­che Wer­te wie Lie­be, Demut, Rein­heit, Auf­rich­tig­keit, selbst­lo­ses Die­nen, Gerech­tig­keit … lei­der oft nur sehr wenig.

Statt­des­sen will man groß und wich­tig sein, will etwas errei­chen, etwas gel­ten, ande­re beherr­schen oder die eige­nen Begier­den befrie­di­gen. Es gibt viel Kon­kur­renz­kampf, Stolz und Neid, Unauf­rich­tig­keit, Heu­che­lei, Ego­is­mus und Ehr­sucht. Das sind oft Ursa­chen dafür, dass Men­schen lei­den. Wer den Ansprü­chen sei­ner Umwelt nicht ent­spricht, fühlt sich min­der­wer­tig, unge­liebt, fehl am Platz. Krampf­haft ver­su­chen Men­schen, von ande­ren Beach­tung zu fin­den. Wenn sie ver­sa­gen, wer­den sie oft ohne Erbar­men fal­len gelas­sen und fal­len selbst in Ver­zweif­lung und Depressionen.

Was die glo­ba­le sozia­le Unge­rech­tig­keit betrifft, ist es ganz all­ge­mein vie­len Men­schen zwar irgend­wie bewusst, dass der Reich­tum der rei­chen Län­der für die Armut der armen Län­der sehr wesent­lich ver­ant­wort­lich ist. Aber wo sind Men­schen bereit, etwas an ihrem Lebens­stil zu ver­än­dern und sich selbst nur das zu neh­men, was sie tat­säch­lich brau­chen? Wie vie­le Men­schen schau­en sich in den Medi­en Doku­men­ta­tio­nen über die Unge­rech­tig­keit oder das Elend in der Welt an, schüt­teln den Kopf und fra­gen, wie Gott so etwas zulas­sen kann, kom­men aber nicht auf den Gedan­ken, das, was sie haben, zu teilen …

Es ist zum Bei­spiel weit­hin bekannt, unter was für kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen Nähe­rin­nen und Näher in Asi­en arbei­ten müs­sen und dass vie­le Arbei­ter in den Näh­fa­bri­ken ihr Leben oder ihre Arbeits­fä­hig­keit durch Brand­ka­ta­stro­phen und der­glei­chen ver­lo­ren haben, weil den gro­ßen Kon­zer­nen am Schutz und am Wohl­erge­hen ihrer Arbei­ter nicht viel liegt. Trotz­dem wol­len in unse­rer Gesell­schaft vie­le nicht dar­auf ver­zich­ten, immer wie­der neue bil­li­ge Klei­dung zu kau­fen (obwohl der Klei­der­schrank voll ist), um mit jedem neu­en Mode­trend mitzuhalten.

Jeder, der das tut, ist auch mit ver­ant­wort­lich für die Aus­beu­tung und Unge­rech­tig­keit, die aus Pro­fit­gier an ande­ren Men­schen ver­übt wird.

Und wie steht Gott dazu? Er räumt nicht ein­fach unse­re Bank­kon­ten gegen unse­ren Wil­len und ver­teilt das Geld an die Armen. Er zwingt uns nicht zum Guten, aber er hat uns Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und ein Gewis­sen gege­ben, das uns zeigt, was wir tun sol­len, das uns auf­ruft, der Lie­be ent­spre­chend zu han­deln und uns aus frei­er Ent­schei­dung ande­ren in ihrer Not zuzuwenden.

Erzwun­ge­ne gute Taten sind nicht wirk­lich gut und haben (nicht nur) in Got­tes Augen kei­nen Wert. Gott möch­te, dass wir wirk­lich gute und ver­ant­wort­li­che Men­schen sind, die ger­ne Lie­be üben und sich gegen­über dem Lei­den ande­rer nicht verschließen.

6 Lei­den, ver­ur­sacht durch Krankheiten

„Gesund­heit ist das höchs­te Gut!“ – sol­che oder ähn­li­che Wor­te hört man oft aus dem Mund von Men­schen, die von Krank­hei­ten betrof­fen sind. Eine schwe­re Krank­heit ist sicher ein schwe­res Kapi­tel im Leben eines Men­schen, vor allem wenn sie mit quä­len­den Schmer­zen ver­bun­den und unheil­bar ist. Und sie wird noch uner­träg­li­cher, wenn der Mensch dar­in allein gelas­sen wird, wenn Ange­hö­ri­ge oder Freun­de sich zurück­zie­hen, weil sie nichts haben, womit sie den ande­ren in sei­ner Not auf­fan­gen kön­nen, weil sie mer­ken, dass alles Mut­ma­chen („Es wird schon wie­der!“) lee­re Wor­te sind.

Wir ver­ste­hen Krank­hei­ten im All­ge­mei­nen als eine wei­te­re Fol­ge des Sün­den­falls, also des­sen, dass die Mensch­heit ohne Gott im Lau­fe ihrer Geschich­te vie­le fal­sche Wege gegan­gen ist und sich aus dem Schutz Got­tes her­aus­be­ge­ben hat. Gott hat die Mensch­heit als eine Gemein­schaft geschaf­fen, wo der ein­zel­ne Mensch Gebor­gen­heit in Gott, aber auch die Sor­ge der ande­ren erfah­ren soll­te. Wo das fehlt, hat es natür­lich nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen, und zwar wohl vor allem auf sol­che Men­schen, die in irgend­ei­ner Wei­se schwä­cher sind als ande­re, und nicht unbe­dingt auf die­je­ni­gen mit der grö­ße­ren Schuld.

Die Sün­de hat vie­les zer­stört, sowohl was unse­re Umwelt, unse­re Lebens­um­stän­de, als auch was das inne­re Leben des Men­schen, Kör­per und See­le, betrifft. Inso­fern gehö­ren schwe­re Krank­hei­ten zu dem durch Men­schen ver­ur­sach­ten Leid. Es gibt Erkran­kun­gen, die direkt mit dem Lebens­wan­del der betrof­fe­nen Per­son zusam­men­hän­gen. Dort ist die Fra­ge danach, war­um Gott das zulässt, fehl am Platz. Aber Krank­hei­ten kön­nen auch Men­schen tref­fen, die per­sön­lich kei­ne Schuld dar­an tragen.

Die Bibel erzählt uns von einem Mann namens Hiob. Er war gerecht, aber sehr krank und ver­stand die Ursa­che sei­nes Lei­dens nicht. Nach einem schwe­ren inne­ren Kampf hat er es ange­nom­men, dass wir Men­schen Gren­zen haben dar­in, den Lauf der Din­ge zu durch­schau­en und zu ver­ste­hen, dass uns der Über­blick fehlt, den nur Gott hat. Hiob sagt:

Ich hab erkannt, dass du alles ver­magst; kein Vor­ha­ben ist dir ver­wehrt. Wer ist es, der ohne Ein­sicht den Rat ver­dun­kelt? So habe ich denn im Unver­stand gere­det über Din­ge, die zu wun­der­bar für mich und unbe­greif­lich sind. (Hiob 42,2–3)

Die­se Erkennt­nis half Hiob, nicht mehr ankla­gend zu sein, son­dern den Trost dar­in zu fin­den, dass Gott alles in der Hand hält, dass er sich ihm anver­trau­en kann und dass er eines Tages sei­nen Erlö­ser schau­en wird, der gerecht ist und Gerech­tig­keit schaf­fen wird (Hiob 19,25).

Auch heu­te wird es für einen von schwe­rer Krank­heit betrof­fe­nen Men­schen nicht nütz­lich sein, bei der Fra­ge nach der Ursa­che sei­nes Lei­dens ste­hen zu blei­ben. Es ist viel wich­ti­ger, ver­ste­hen zu wol­len, was ich aus mei­nem Lei­den ler­nen soll und wohin Gott mich auf die­sem Weg füh­ren will. Die­sen tie­fe­ren Sinn des per­sön­li­chen Lei­dens wird jeder Mensch selbst nur durch eine auf­rich­ti­ge Hin­wen­dung zu Gott begrei­fen können.

Dafür ist es wich­tig, das eige­ne Leben in Got­tes Licht zu stel­len: Bin ich mir des­sen bewusst, dass mein Leben ein kost­ba­res Geschenk ist? Wie wich­tig ist mir der Lebens­ge­ber? Wie sehr suche ich ihn? Habe ich ihm für mein Leben gedankt und ihn gefragt, wie ich ihm mei­ne Dank­bar­keit aus­drü­cken kann? Oder habe ich eher nur die selbst­ver­ständ­li­che Erwar­tung gehabt, dass ich ein gesun­des, lan­ges Leben ohne grö­ße­re Pro­ble­me genie­ßen werde …?

Gesund­heit ist ein hohes Gut, aber nicht das höchs­te. Eine Krank­heit kann einen Men­schen sehr rei­fen lassen.

Sie kann uns vor Augen stel­len, wie zer­brech­lich wir sind, wie ver­gäng­lich unser irdi­sches Dasein ist. Durch eine Krank­heit kön­nen wir im Mit­ge­fühl für unse­ren Nächs­ten wach­sen und Barm­her­zig­keit ler­nen mit denen, die in Not sind. Krank­heit kann uns dahin füh­ren, in Gott unse­ren Halt zu fin­den, anstatt in unse­rer eige­nen Kraft und in dem, was wir leis­ten. Durch eine Krank­heit kön­nen wir ver­ste­hen ler­nen, dass unser Wert nicht von unse­rer Pro­duk­ti­vi­tät abhängt. Unser Wert liegt dar­in, dass Gott uns liebt, egal ob wir gesund oder krank sind, und dass er uns zum ewi­gen Leben in sei­ner Nähe geschaf­fen hat.

Die Ein­la­dung zum ewi­gen Leben gilt jedem – und auch eine Krank­heit kann hilf­reich sein, um zu begrei­fen, dass wir auf die­ses ewi­ge Leben hin leben und den Weg dahin suchen sol­len. Das ewi­ge Leben ist die Hoff­nung aller Gläu­bi­gen und sie gibt auch für Lei­dens­we­ge die nöti­ge Kraft.

Brü­der, wir wol­len euch über die Ver­stor­be­nen nicht in Unkennt­nis las­sen, damit ihr nicht trau­ert wie die ande­ren, die kei­ne Hoff­nung haben. Wenn Jesus – und das ist unser Glau­be – gestor­ben und auf­er­stan­den ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Ver­stor­be­nen zusam­men mit ihm zur Herr­lich­keit füh­ren. (Pau­lus in 1. Thes­sa­lo­ni­cher 4,13–14)

7 Noch ein Wort zu „Behin­de­run­gen“

In unse­rer Gesell­schaft, wo es immer viel um Leis­tung geht, ver­bin­den vie­le Men­schen eine Behin­de­rung mit Lei­den. Es herrscht die Ansicht, das Leben eines Men­schen mit z. B. Down­syn­drom sei nicht lebens­wert, weil so ein Mensch immer auf ande­re ange­wie­sen ist. Die grau­sa­me Schluss­fol­ge­rung des­sen ist, dass es bes­ser sei, sol­che Men­schen abzu­trei­ben – die Abtrei­bung ist in sol­chen Fäl­len bis zur Geburt straffrei!

Heut­zu­ta­ge begeg­nen wir nicht mehr vie­len Men­schen mit einem Down­syn­drom oder ande­ren Beein­träch­ti­gun­gen, weil durch Unter­su­chun­gen wäh­rend der Schwan­ger­schaft die­se Men­schen her­aus­ge­fil­tert wer­den und kaum einer von ihnen die Chan­ce zu leben bekommt.

Aber ist das eigent­li­che Lei­den der „Über­le­ben­den“ nicht das, wo ihnen Gering­schät­zung und Unver­ständ­nis ent­ge­gen­ge­bracht wird, wo man „mit­lei­dig“ auf sie her­ab­schaut und ihnen  indi­rekt ver­mit­telt, sie sei­en kei­ne nor­ma­len Men­schen, ihr Leben sei nicht lebens­wert und es wäre bes­ser gewe­sen, sie hät­ten nie das Licht der Welt erblickt?!

Wir sind sehr froh, dass es kör­per­lich oder geis­tig beein­träch­tig­te Men­schen gibt, die von ihren Fami­li­en oder ihrem sons­ti­gen Umfeld ange­nom­men und umsorgt wer­den und sich trotz ihrer Ein­schrän­kun­gen am Leben freu­en können.

8 Lei­den, ver­ur­sacht durch Naturkatastrophen

Vie­le Men­schen erfreu­en sich an der Natur und Gläu­bi­ge erle­ben sie als einen star­ken Aus­druck der Macht, Intel­li­genz, Krea­ti­vi­tät und Lie­be des Schöp­fers. Ande­rer­seits ist die Erde nicht ein Ort ohne Gefah­ren. Immer wie­der gibt es Erd­be­ben, Vul­kan­aus­brü­che, Tsu­na­mis, Dür­re, Über­schwem­mun­gen, Stür­me … Sol­che Natur­er­eig­nis­se wer­den dort zu Kata­stro­phen, wo sie auf Men­schen und ihre Lebens­wei­se ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen haben.

Dar­aus erge­ben sich min­des­tens zwei Fra­gen: 1) War­um hat Gott die­se Erde nicht ohne all die Gefah­ren für den Men­schen geschaf­fen? 2) Wie soll­te der Mensch nach Got­tes Plan mit die­sen Gefah­ren umgehen?

Viel­leicht ist es für die Beant­wor­tung der ers­ten Fra­ge hilf­reich, sich zuerst mit der zwei­ten Fra­ge aus­ein­an­der­zu­set­zen. Dazu wol­len wir je ein Bei­spiel aus dem Alten und dem Neu­en Tes­ta­ment herausgreifen.

Zuerst ein Text aus dem Alten Tes­ta­ment, wo Gott durch Mose zu sei­nem Volk Isra­el gespro­chen hat, kurz bevor es nach Kana­an ein­zog, in das Land, das Gott ihnen als Wohn­stät­te geben woll­te, nach­dem sie aus der Skla­ve­rei in Ägyp­ten aus­ge­zo­gen waren:

… Denn das Land, in das du hin­ein­ziehst, um es in Besitz zu neh­men, ist nicht wie das Land Ägyp­ten, aus dem ihr aus­ge­zo­gen seid. Dort muss­test du, wenn der Same gesät war, den Boden künst­lich bewäs­sern wie in einem Gemü­se­gar­ten. Das Land, in das ihr jetzt hin­über­zieht, um es in Besitz zu neh­men, ist ein Land mit Ber­gen und Tälern und es trinkt das Was­ser, das als Regen vom Him­mel fällt. Es ist ein Land, um das der Herr, dein Gott, sich küm­mert. Stets ruhen auf ihm die Augen des Herrn, dei­nes Got­tes, vom Anfang des Jah­res bis zum Ende des Jah­res. Und wenn ihr auf mei­ne Gebo­te hört, auf die ich euch heu­te ver­pflich­te, wenn ihr also den Herrn, euren Gott, liebt und ihm mit gan­zem Her­zen und mit gan­zer See­le dient, dann gebe ich eurem Land sei­nen Regen zur rech­ten Zeit, den Regen im Herbst und den Regen im Früh­jahr, und du kannst Korn, Most und Öl ern­ten, dann gebe ich dei­nem Vieh sein Gras auf dem Feld und du kannst essen und satt wer­den. Aber nehmt euch in Acht! Lasst euer Herz nicht ver­füh­ren, weicht nicht vom Weg ab, dient nicht ande­ren Göt­tern und werft euch nicht vor ihnen nie­der! Sonst wird der Zorn des Herrn gegen euch ent­bren­nen; er wird den Him­mel zuschlie­ßen, es wird kein Regen fal­len, der Acker wird kei­nen Ertrag bringen …

Gott ist Lie­be und sucht die Bezie­hung mit sei­nen Geschöp­fen, um ihnen sei­ne Güte zu erwei­sen. In die­sem Text aus 5. Mose 11 kön­nen wir das sehen. Denn hier sagt Gott sei­nem Volk, dass er es beschüt­zen und mit Regen und Ertrag seg­nen wird, wenn sie ihn lie­ben und auf sei­nen Wegen gehen. Aber wenn sie Gott ver­las­sen, ver­las­sen sie auch sei­nen Schutz und wer­den die Kon­se­quen­zen des­sen tra­gen müssen.

Im Neu­en Tes­ta­ment fin­den wir in der Apos­tel­ge­schich­te 11,27–30 fol­gen­den kur­zen Bericht über eine Hun­gers­not unter Kai­ser Klau­di­us (regier­te 41–54 n. Chr.):

In jenen Tagen kamen von Jeru­sa­lem Pro­phe­ten nach Antio­chia hin­ab. Einer von ihnen namens Aga­bus trat auf und weis­sag­te durch den Geist, eine gro­ße Hun­gers­not wer­de über die gan­ze Erde kom­men. Sie brach dann unter Klau­di­us aus. Man beschloss, jeder von den Jün­gern sol­le nach sei­nem Ver­mö­gen den Brü­dern in Judäa etwas zur Unter­stüt­zung sen­den. Das taten sie auch und schick­ten ihre Gaben durch Bar­na­bas und Sau­lus an die Ältesten.

Hier sehen wir bei­spiel­haft, wie Gott die, die auf ihn hören und mit ihm ver­bun­den leben, vor Gefah­ren war­nen kann. Für die Gläu­bi­gen, die vom Hun­ger nicht so betrof­fen waren, war es selbst­ver­ständ­lich, ande­ren in die­ser Not­si­tua­ti­on zu hel­fen. So wur­den die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen der Hun­gers­not durch die Lie­be der Chris­ten eingedämmt.

Die­se Hun­gers­not unter Klau­di­us wird in der Bibel nicht mit Sün­den von Men­schen ver­bun­den. Sie wird ein­fach als eine Tat­sa­che erwähnt, so wie es eben Tat­sa­che ist, dass wir Men­schen in unse­rem Leben auf die­ser Erde in schwie­ri­ge Umstän­de kom­men kön­nen. Durch sol­che Situa­tio­nen dür­fen wir aber an der Hand unse­res Schöp­fers hin­durch­ge­hen und sind auch her­aus­ge­for­dert, ein­an­der dar­in zur Sei­te zu stehen.

Gott will uns ver­ste­hen las­sen, wie wir mit den Gefah­ren die­ser Erde umge­hen sol­len und wie wir ein­an­der dar­in hel­fen kön­nen, vor­aus­ge­setzt dass wir ihn fra­gen und uns von ihm lei­ten las­sen. Glo­bal gese­hen wird das lei­der nicht ein­tre­ten, denn die meis­ten Men­schen wol­len sich Gott nicht unterordnen.

Wo Men­schen von Hoch­mut und Macht­gier gelei­tet wer­den und Gren­zen nicht akzep­tie­ren wol­len, wen­den sie sich von Gott ab und wer­den unver­nünf­tig, leicht­sin­nig oder blind für Gefah­ren. Und wenn dann Mega­städ­te in Erd­be­ben­zen­tren gebaut wer­den und immer mehr Men­schen unge­ach­tet der Gefah­ren dort­hin zie­hen, weil sie nach Kar­rie­re, Erfolg, Wohl­stand … suchen, ist die Kata­stro­phe qua­si von uns Men­schen vorprogrammiert.

Wenn Men­schen von einer Natur­ka­ta­stro­phe betrof­fen wer­den, zeigt das nicht, dass sie schul­di­ger sind als ande­re. Als eine direk­te Stra­fe von Gott kann man sol­che Ereig­nis­se daher in der Regel auch nicht sehen. Aber als einen Auf­ruf zu einem ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit unse­rem Leben und der Natur und vor allem zur Umkehr zu Gott sol­len wir sie den­noch verstehen.

Letzt­lich geht es doch um viel mehr als um Wohl­stand und ein unbe­sorg­tes, siche­res Leben auf Erden. Denn wir wer­den alle ein­mal vor Gott ste­hen und dann zäh­len ganz ande­re Din­ge. Jesus zeigt, dass wir vor allem um unser ewi­ges Leben besorgt sein sollen:

Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Hab­gier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht dar­in, dass ein Mensch auf­grund sei­nes gro­ßen Ver­mö­gens im Über­fluss lebt. Und er (Jesus) erzähl­te ihnen fol­gen­des Bei­spiel: Auf den Fel­dern eines rei­chen Man­nes stand eine gute Ern­te. Da über­leg­te er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich mei­ne Ern­te unter­brin­gen soll. Schließ­lich sag­te er: So will ich es machen: Ich wer­de mei­ne Scheu­nen abrei­ßen und grö­ße­re bau­en; dort wer­de ich mein gan­zes Getrei­de und mei­ne Vor­rä­te unter­brin­gen. Dann kann ich zu mir sel­ber sagen: Nun hast du einen gro­ßen Vor­rat, der für vie­le Jah­re reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in die­ser Nacht wird man dein Leben von dir zurück­for­dern. Wem wird dann all das gehö­ren, was du ange­häuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schät­ze sam­melt, aber vor Gott nicht reich ist. (Lukas 12,15–21)

Die Bibel zeigt uns aber auch sehr deut­lich, dass Got­tes Sor­ge und Güte nicht nur denen gilt, die ihn lie­ben. Das Leben auf Erden ist zwar von Gefah­ren beglei­tet, in denen Gott die, die sich von ihm abge­wandt haben, nicht so schüt­zen kann, wie sie es bräuch­ten. Trotz­dem schenkt er in sei­ner Lie­be allen Men­schen so viel Gutes, des­sen sich vie­le nicht bewusst sind und wofür sie ihm auch nicht dan­ken. Jesus sagt:

Ich aber sage euch: Liebt eure Fein­de und betet für die, die euch ver­fol­gen, damit ihr Söh­ne eures Vaters im Him­mel wer­det; denn er lässt sei­ne Son­ne auf­ge­hen über Bösen und Guten, und er lässt reg­nen über Gerech­te und Unge­rech­te. (Mat­thä­us 5,44–45)

Viel­leicht hat Gott gera­de des­we­gen die Erde nicht als einen Ort ohne jeg­li­che Gefah­ren geschaf­fen, damit wir inmit­ten die­ser Gefah­ren sei­nen Schutz und sei­ne Hil­fe erle­ben kön­nen, damit wir uns unse­res Schöp­fers und unse­rer Abhän­gig­keit von ihm bewusst blei­ben und nicht über­heb­lich und selbst­si­cher wer­den, weil wir mei­nen, alles in der Hand zu haben. Dar­in kön­nen wir eine Ant­wort auf die ers­te Fra­ge sehen.

9 Wie Jesus Lei­den getra­gen hat und wie er uns dar­in hel­fen will …

Jesus hat sich mit sei­nem Kom­men in die­se Welt ganz in unse­re zer­stör­te Situa­ti­on hin­ein­ge­stellt. Obwohl er vie­len Lei­den­den gehol­fen hat, hat er selbst die Fol­gen mensch­li­cher Bos­heit am eige­nen Leib zu spü­ren bekom­men. Er hat es auf sich genom­men, gequält und sogar gekreu­zigt zu wer­den, um uns Men­schen zu zei­gen, was unser eigent­li­ches Pro­blem ist und was wir ver­än­dern müssen.

Jesus hat die Men­schen dazu auf­ge­ru­fen, Gott wie­der an die ers­te Stel­le in ihrem Leben zu set­zen. Sei­ne Bot­schaft und sein Leben waren den Men­schen ein Spie­gel für ihr Gewis­sen. Sie konn­ten dadurch ver­ste­hen, wo sie sün­di­gen und was sie von Gott trennt. Die reli­giö­sen Füh­rer, deren Heu­che­lei Jesus auf­deck­te, haben ihn gehasst. Vie­le ande­re blie­ben gleich­gül­tig und sind sei­nem Ruf zur Abkehr von ihren Sün­den lei­der nicht gefolgt. Des­halb wur­de Jesus, der nie etwas Schlech­tes getan hat, unge­rech­ter­wei­se wie ein Ver­bre­cher hin­ge­rich­tet. Wie hat er das ertragen?

In der Nacht vor sei­ner Kreu­zi­gung hat er zu den Jün­gern Fol­gen­des gesagt:

Die Stun­de kommt und sie ist schon da, in der ihr ver­sprengt wer­det, jeder in sein Haus, und mich wer­det ihr allein las­sen. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frie­den habt. In der Welt seid ihr in Bedräng­nis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt. (Johan­nes 16,32–33)

Für Jesus war es das Wich­tigs­te, immer den Wil­len des Vaters zu tun. So blieb er ganz mit Gott ver­bun­den. Das gab ihm die Kraft, das unge­rech­te Lei­den zu tra­gen, ohne zu ver­bit­tern, ohne zu has­sen, ohne sich gegen sei­ne Situa­ti­on auf­zu­leh­nen. Er hat sich dem Vater wei­ter­hin anver­traut und die Men­schen trotz­dem geliebt. Sein irdi­sches Leben wur­de gewalt­sam been­det, aber das ewi­ge Leben konn­ten ihm die Men­schen nicht nehmen.

Pau­lus beschreibt, wie er und ande­re Chris­ten auch von Jesus die Kraft emp­fan­gen haben, Schwe­res zu tra­gen und im Lei­den nicht zu ver­zwei­feln, son­dern aus der Hoff­nung auf das ewi­ge Leben die inne­re Freu­de zu bewahren:

Die­sen Schatz tra­gen wir in zer­brech­li­chen Gefä­ßen; so wird deut­lich, dass das Über­maß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Sei­ten wer­den wir in die Enge getrie­ben und fin­den doch noch Raum; wir wis­sen weder aus noch ein und ver­zwei­feln den­noch nicht; wir wer­den gehetzt und sind doch nicht ver­las­sen; wir wer­den nie­der­ge­streckt und doch nicht ver­nich­tet (…) Denn wir wis­sen, dass der, wel­cher Jesus, den Herrn, auf­er­weckt hat, auch uns mit Jesus auf­er­we­cken und uns zusam­men mit euch (vor sein Ange­sicht) stel­len wird. Alles tun wir euret­we­gen, damit immer mehr Men­schen auf­grund der über­reich gewor­de­nen Gna­de den Dank ver­viel­fa­chen, Gott zur Ehre. Dar­um wer­den wir nicht müde; wenn auch unser äuße­rer Mensch auf­ge­rie­ben wird, der inne­re wird Tag für Tag erneu­ert. Denn die klei­ne Last unse­rer gegen­wär­ti­gen Not schafft uns in maß­lo­sem Über­maß ein ewi­ges Gewicht an Herr­lich­keit, uns, die wir nicht auf das Sicht­ba­re star­ren, son­dern nach dem Unsicht­ba­ren aus­bli­cken; denn das Sicht­ba­re ist ver­gäng­lich, das Unsicht­ba­re ist ewig. (2. Korin­ther 4,7–18)

Auch wenn wir jetzt man­chem Lei­den wie macht­los gegen­über­ste­hen, kön­nen wir gewiss sein, dass Gott alles sieht und weiß. In der unsicht­ba­ren ewi­gen Welt herrscht Gerech­tig­keit, weil Gott Gerech­tig­keit schafft, indem er jedem Men­schen nach sei­nen Taten ver­gilt. Wer an Unge­rech­tig­keit Gefal­len hat­te oder unge­rech­tem Han­deln gegen­über gleich­gül­tig geblie­ben ist, wird an der Freu­de des ewi­gen Lebens kei­nen Anteil haben.

Dann sah ich einen neu­en Him­mel und eine neue Erde; denn der ers­te Him­mel und die ers­te Erde sind ver­gan­gen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die hei­li­ge Stadt, das neue Jeru­sa­lem, von Gott her aus dem Him­mel her­ab­kom­men; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hör­te ich eine lau­te Stim­me vom Thron her rufen: Seht, die Woh­nung Got­tes unter den Men­schen! Er wird in ihrer Mit­te woh­nen, und sie wer­den sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Trä­nen von ihren Augen abwi­schen: Der Tod wird nicht mehr sein, kei­ne Trau­er, kei­ne Kla­ge, kei­ne Müh­sal. Denn was frü­her war, ist ver­gan­gen. (Offen­ba­rung 21,1–4)

Jesus will uns auch jetzt schon hel­fen, Got­tes Nähe zu erfah­ren und aus sei­ner Kraft zu leben. Wenn wir sei­ne Lie­be mit Dank­bar­keit beant­wor­ten und uns in unse­rem Han­deln von ihm füh­ren las­sen, emp­fan­gen wir Frie­den, Freu­de und Hoff­nung, die von äuße­ren Umstän­den nicht zer­stört wer­den kön­nen. Jesus spricht dar­über in Mat­thä­us 11,27–30:

Mir ist von mei­nem Vater alles über­ge­ben wor­den; nie­mand kennt den Sohn, nur der Vater, und nie­mand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offen­ba­ren will. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwe­re Las­ten zu tra­gen habt. Ich wer­de euch Ruhe ver­schaf­fen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Her­zen demü­tig; so wer­det ihr Ruhe fin­den für eure See­le. Denn mein Joch drückt nicht und mei­ne Last ist leicht.

10 Zusam­men­fas­sen­de Gedanken

Gott hat uns Men­schen mit der Frei­heit der Ver­ant­wort­lich­keit geschaf­fen. Das bedeu­tet, dass wir einer­seits die Frei­heit haben, mora­li­sche Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, ande­rer­seits aber auch für die Kon­se­quen­zen unse­res Han­delns ver­ant­wort­lich sind. Das ist der wesent­lichs­te Unter­schied zwi­schen dem Men­schen und der übri­gen Schöpfung.

Unse­re mensch­li­che Wür­de liegt also dar­in, dass wir uns frei für das Gute, für die Lie­be zu Gott und Men­schen, für das Erbar­men, für Ehr­lich­keit, Treue etc. ent­schei­den kön­nen. Und weil die­se mora­li­sche Frei­heit ganz tief zum Wesen des Men­schen gehört, nimmt Gott sie uns auch dann nicht ein­fach weg, wenn wir sie miss­brau­chen, wenn wir gleich­gül­tig, ego­is­tisch, unbarm­her­zig … wer­den und dadurch uns selbst scha­den oder zur Ursa­che für das Lei­den ande­rer Men­schen werden.

Die Ursa­che für das Lei­den Unschul­di­ger liegt also nicht bei Gott, son­dern dar­in, dass Men­schen ihre Frei­heit und ihre guten Gaben nicht im Sin­ne Got­tes verwenden.

Wir alle erfah­ren in unse­rem Leben, dass fal­sche Ent­schei­dun­gen schlech­te Kon­se­quen­zen haben. Der Mensch soll dar­aus ler­nen, rich­ti­ge Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, die gute Aus­wir­kun­gen haben.

Eben­so ist es mit den Kon­se­quen­zen von Sün­den. Wir kön­nen nicht erwar­ten, dass lieb­lo­ses, ego­is­ti­sches oder gleich­gül­ti­ges Ver­hal­ten kei­ne schlech­ten Fol­gen haben wird. Das durch Sün­den ver­ur­sach­te Lei­den soll dem Men­schen zei­gen, dass der Weg ohne Gott zu nichts Gutem führt. Er soll die­sen fal­schen Weg so schnell wie mög­lich ver­las­sen, damit er kein Leid mehr ver­ur­sacht und mit Gott und Men­schen in Frie­den leben kann.

Oft­mals zwei­feln Men­schen an der Exis­tenz oder Lie­be Got­tes, wenn sie Lei­den erfah­ren. Sie ver­ste­hen nicht, war­um Gott, wenn er Lie­be ist, nicht ein­fach ein­greift und dem Lei­den in der Welt ein Ende setzt.

Gott aber kämpft auf ande­re Wei­se dar­um, dass der Mensch kei­ne schlech­ten Ent­schei­dun­gen trifft, z. B. durch Gewis­sens­nö­te oder eben auch dadurch, dass der Mensch mit den Kon­se­quen­zen von Sün­den kon­fron­tiert wird und dadurch anfängt, nach­zu­den­ken und umzudenken.

Im Gleich­nis Jesu vom ver­lo­re­nen Sohn wird die­se Hal­tung Got­tes uns Men­schen gegen­über deut­lich (Lukas 15,11–24):

Wei­ter sag­te Jesus: Ein Mann hat­te zwei Söh­ne. Der jün­ge­re von ihnen sag­te zu sei­nem Vater: Vater, gib mir das Erb­teil, das mir zusteht. Da teil­te der Vater das Ver­mö­gen auf. Nach weni­gen Tagen pack­te der jün­ge­re Sohn alles zusam­men und zog in ein fer­nes Land. Dort führ­te er ein zügel­lo­ses Leben und ver­schleu­der­te sein Ver­mö­gen. Als er alles durch­ge­bracht hat­te, kam eine gro­ße Hun­gers­not über das Land und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bür­ger des Lan­des und dräng­te sich ihm auf; der schick­te ihn aufs Feld zum Schwei­ne­hü­ten. Er hät­te gern sei­nen Hun­ger mit den Fut­ter­scho­ten gestillt, die die Schwei­ne fra­ßen; aber nie­mand gab ihm davon. Da ging er in sich und sag­te: Wie vie­le Tage­löh­ner mei­nes Vaters haben mehr als genug zu essen und ich kom­me hier vor Hun­ger um. Ich will auf­bre­chen und zu mei­nem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Him­mel und gegen dich ver­sün­digt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem dei­ner Tage­löh­ner. Dann brach er auf und ging zu sei­nem Vater. Der Vater sah ihn schon von wei­tem kom­men und er hat­te Mit­leid mit ihm. Er lief dem Sohn ent­ge­gen, fiel ihm um den Hals und küss­te ihn. Da sag­te der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Him­mel und gegen dich ver­sün­digt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sag­te zu sei­nen Knech­ten: Holt schnell das bes­te Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schu­he an. Bringt das Mast­kalb her und schlach­tet es; wir wol­len essen und fröh­lich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wie­der; er war ver­lo­ren und ist wie­der­ge­fun­den wor­den. Und sie began­nen, ein fröh­li­ches Fest zu feiern.

Weil Gott Lie­be ist, möch­te er uns Men­schen zu die­sem Nach­den­ken und Umden­ken nicht zwin­gen. Er wirbt um die Lie­be des Men­schen, er war­tet gedul­dig, dass wir uns der Stim­me Got­tes öff­nen. Gott möch­te eine ech­te Bezie­hung mit uns, die nur auf Grund­la­ge von Frei­heit, nicht durch Zwang, ent­ste­hen kann. Auf der Grund­la­ge die­ser Bezie­hung kann und will er uns sei­ne Hil­fe, sei­ne Kraft, sei­nen Schutz in allen Gefah­ren und Schwie­rig­kei­ten des Lebens auf die­ser Erde und vor allem die Freu­de des ewi­gen Lebens mit ihm schenken.

* * *

Wir wis­sen nicht, aus wel­chem Grund du die­sen Arti­kel gele­sen hast. Hast du selbst Lei­den erfah­ren oder kennst du jeman­den, der lei­det? Oder hast du dich gefragt, wo denn das vie­le Leid in der Welt her­kommt und was du dage­gen tun kannst?

Es ist eine Tat­sa­che, dass wir in einer Welt leben, die Got­tes Schutz ver­lo­ren hat. Gott gibt den Men­schen Frei­heit zu ent­schei­den, auch wenn die­se Ent­schei­dun­gen nega­ti­ve Fol­gen haben. Die Kon­fron­ta­ti­on mit dem Leid kann uns aber auch hel­fen, unse­re Gren­zen zu erken­nen und zu begrei­fen, wor­um es in unse­rem Leben wirk­lich geht.

Wir sind froh, dass wir bei Jesus und in der Bibel kla­re Ant­wor­ten auf wich­ti­ge Fra­gen fin­den und möch­ten ande­ren hel­fen, zu Gott zu fin­den. Er ist es, der das Herz jedes Men­schen rei­ni­gen und ver­än­dern und uns so zur Lie­be fähig machen kann. Wenn du den Wunsch hast, Gott ken­nen­zu­ler­nen, mit ihm zu leben und ande­re zu lie­ben, oder wenn du Gedan­ken oder Fra­gen zum Text hast, wür­den wir uns über eine E‑Mail von dir freuen.


Fußnoten

  1. Sämt­li­che Bibel­stel­len in die­sem Arti­kel wer­den aus der Ein­heits­über­set­zung zitiert.


Sämt­li­che Bibel­stel­len in die­sem Arti­kel wer­den aus der Ein­heits­über­set­zung zitiert.