Teil 5: Über das Leben eini­ger Päpste

Themenbereiche: Das Papsttum

Wir wol­len im Fol­gen­den an den Bei­spie­len eini­ger Päps­te zei­gen, wie sehr man­che Bischö­fe von Rom in Leh­re und/oder Leben nicht Jesus Chris­tus nach­ge­folgt sind und so auch nicht Nach­fol­ger Petri sein kön­nen. In die­sem Zusam­men­hang sei auf eine Situa­ti­on im Leben Jesu hin­ge­wie­sen, in der die Geg­ner Jesu sich dar­auf berie­fen, Söh­ne Abra­hams zu sein. Die Ant­wort Jesu war: 

Wenn ihr Kin­der Abra­hams wärt, wür­det ihr so han­deln wie Abra­ham. (Johan­nes 8,39)

Wenn die Päps­te Nach­fol­ger Petri wären, wür­den sie han­deln wie Petrus.

Ein Gemälde von Jean-Paul Laurens aus dem Jahr 1870 über die sogenannte Leichensynode. Das Gemälde zeigt den Leichnam von Papst Formosus, der nach seinem Tod aus seinem Grab ausgegraben, in päpstliche Gewänder gekleidet und auf einen Stuhl gesetzt wurde, während Papst Stephan VI. ihn auf der 897 in Rom einberufenen Synode verurteilte.

5 Bei­spie­le aus der Geschichte

Es geht uns hier nicht um eine voll­stän­di­ge Papst­ge­schich­te, auch nicht um Bio­gra­fien der Päps­te, aber um ein­zel­ne kla­re Punk­te, die zei­gen, wie man­che die­ser Men­schen zu beur­tei­len sind. Gewiss haben Päps­te auch Gutes getan und gesagt. Aber die fol­gen­den von uns auf­ge­lis­te­ten Wor­te und Taten wären in einer christ­li­chen Gemein­de des 1. Jahr­hun­derts auch von einem ein­fa­chen Chris­ten nie­mals gedul­det wor­den. Wie könn­ten sol­che Män­ner dann Füh­rer der Chris­ten­heit sein, unfehl­ba­re Leh­rer, Stell­ver­tre­ter Jesu Chris­ti auf Erden?

Bei von der römisch‐katholischen Kir­che als Hei­li­ge ver­ehr­ten Päps­ten haben wir vor dem Namen ein (Hl.) eingefügt.

5.1 Aus der Anti­ke und dem Mittelalter

(Hl.) Vik­tor I (Bischof von Rom 189–199)

Wir zitie­ren den Katho­li­ken Nor­bert Brox:

[…] Der ers­te Fall war die Prä­ten­ti­on Vik­tors I. (189–198), der im dama­li­gen Streit um einen ein­heit­lich gesamt­kirch­li­chen Oster­ter­min die Kir­chen Klein­asi­ens und ande­re exkom­mu­ni­zier­te, als sie sich sei­nen Ver­ein­heit­li­chungs­vor­stel­lun­gen nicht füg­ten (Euseb, Kir­chen­gesch. V,23–24). „Nicht allen Bischö­fen gefiel die­ses Vor­ge­hen Vik­tors“, schrieb aber Euseb dazu, der auch sei­ne eige­ne Abnei­gung gegen sol­che auto­ri­tä­re Ambi­ti­on des römi­schen Bischofs noch 100 Jah­re spä­ter zu erken­nen gibt und vor allem vom Wider­stand auch nicht betrof­fe­ner Bischö­fe berich­te­te (V,24,9–17). Es wur­de wie eine Stö­rung des fried­li­chen Gefü­ges der Gemein­schaft der Bischofs­kir­chen emp­fun­den, dass ein ein­zel­ner Bischof den ande­ren sei­ne Vor­schrif­ten mach­te und Will­fäh­rig­keit ver­lang­te. […] Wir wis­sen […], dass sein Anspruch bei aller Sym­pa­thie für die Kir­che Roms (wie z. B. Ire­nä­us) vom Gesam­tepi­sko­pat nicht akzep­tiert wur­de. Es wur­de eigens notiert, dass dies ein neu­ar­ti­ges Ver­hal­ten im befremd­li­chen Sinn war (V,24,15–17; Irenäus‐Fragment).[1]

(Hl.) Calixt I (Bischof von Rom 217–222)

Sein Geg­ner, Hip­po­lyt (eben­falls als „Hei­li­ger“ ver­ehrt), schrieb über ihn:

[…] Er war eben ein Schwind­ler und ein Rän­ke­schmied und mit der Zeit zog er vie­le mit sich. Er trug sein Gift tief im Her­zen und hat­te lau­ter fal­sche Ansich­ten; zugleich scheu­te er sich, die Wahr­heit zu sagen; […]
Er war der Ansicht, dass ein Bischof nicht abge­setzt wer­den müs­se, wenn er sün­di­ge und sei es auch zum Tod. Von die­ser Zeit an begann man zwei‐ und drei­mal ver­hei­ra­te­te Bischö­fe, Pries­ter und Dia­ko­nen zu den Wei­hen zuzu­las­sen […] Ja auch die Para­bel vom Unkraut[2], sagt er, bezie­he sich hier­auf: „Lasst das Unkraut wach­sen mit dem Wei­zen“, das ist die Sün­der in der Kir­che. Ja er sag­te, auch die Arche Noah sei ein Gleich­nis für die Kir­che, in der sich Hun­de und Wöl­fe und Raben, alles Rei­ne und Unrei­ne fand, und so soll es in der Kir­che sein; was er noch in die­sem Betreff her­bei­brin­gen konn­te, hat er so aus­ge­legt, und sei­ne Hörer, denen die­se Ansich­ten gefal­len, fah­ren fort, sich selbst und vie­le (ande­re) zum Bes­ten zu haben, die scha­ren­wei­se zu die­ser Schu­le strö­men. Gera­de wegen der Lüs­te, die Chris­tus nicht erlaubt hat, nah­men sie immer zu, auf ihren Mas­sen­an­hang stolz. Chris­tum ver­ach­ten sie und hin­dern kei­ne Sün­de, indem sie auf­stel­len, er ver­zei­he denen, die guten Wil­lens sind. Auch hat er Frau­en vor­neh­men Stan­des, die unver­hei­ra­tet in noch jugend­li­chem Alter hei­ratsüch­tig waren, ihren Rang durch eine gesetz­mä­ßi­ge Ehe aber nicht ein­bü­ßen woll­ten, erlaubt, einen Bei­schlä­fer nach ihrer Wahl zu haben, sei es einen Skla­ven, sei es einen Frei­en, und die­sen, auch ohne recht­mä­ßi­ge Ehe, für ihren Mann anzu­se­hen. Und so began­nen soge­nann­te Chris­tin­nen, emp­fäng­nis­ver­hü­ten­de Mit­tel zu gebrau­chen und sich zu schnü­ren, um die Lei­bes­frucht abzu­trei­ben, weil sie wegen ihrer hohen Geburt und ihres Rie­sen­ver­mö­gens kein Kind von einem Skla­ven oder einem gewöhn­li­chen Mann haben woll­ten. Seht, wie weit der Ruch­lo­se in sei­ner Gott­lo­sig­keit gekom­men ist! Er lehrt Ehe­bruch und Mord zugleich. Und auf all das hin gehen die­se Aus­ge­schäm­ten dar­an, sich „katho­li­sche Kir­che“ zu nen­nen und man­che lau­fen ihnen zu, in der Mei­nung, recht zu han­deln. Um die­se Zeit wag­ten sie zuerst, eine zwei­te Tau­fe zu spen­den. Das hat der höchst merk­wür­di­ge Kal­lis­tus[3] getan, des­sen Schu­le wei­ter besteht und ihr Her­kom­men und ihre Über­lie­fe­rung hütet; ohne Urteil dar­über, mit wem man Gemein­schaft haben kann, bie­tet sie allen ohne Prü­fung Mit­glied­schaft an; von Kal­lis­tus haben sie auch ihren Bei­na­men erhal­ten und hei­ßen nach ihrem Grün­der Kal­lis­tia­ner. (Hip­po­ly­tus von Rom, Wider­le­gung aller Häre­si­en, Buch IX, Kapi­tel 12)[4]

Man­ches in die­sem Text erin­nert an die heu­ti­ge „katho­li­sche Kirche“.

(Hl.) Dama­sus I (Bischof von Rom 366–384)

Der His­to­ri­ker Bern­hard Schim­mel­p­fen­nig schreibt über die Zustän­de anläss­lich der Wahl von Dama­sus zum Bischof von Rom im Jah­re 366:

Der sieg­rei­che Kan­di­dat Dama­sus hat­te auf sei­ner Sei­te eine selt­sa­me Mischung aus durch­schnitt­li­chen Gemein­de­glie­dern, aus Künst­lern oder Toten­grä­bern […] und aus Gla­dia­to­ren. Die Durch­schlags­kraft die­ser Grup­pie­rung hat­te den ihr eige­nen Effekt, denn über hun­dert Anhän­ger des Gegen­kan­di­da­ten Ursi­nus muss­ten für ihren Ein­satz mit den Leben büßen: Sie wur­den von den Dama­sia­nern in einer von Libe­ri­us auf dem Esqui­lin erbau­ten Basi­li­ka ver­brannt.[5]

(Hl.) Leo I. (Papst 440–461)

Er war der ers­te, der den Titel „Pon­ti­fex Maxi­mus“, den die römi­schen Kai­ser ablehn­ten, trug, wenn­gleich er auch Chris­tus den wah­ren obers­ten Pon­ti­fex nannte.

(Hl.) Gre­gor I. (Papst 590–604)

Im Jahr 599 gab er die Anwei­sung, die Hei­den Sar­di­ni­ens zur Annah­me des Chris­ten­tums zu zwingen:

Wenn ihr fest­stellt, dass sie nicht gewillt sind, ihr Ver­hal­ten zu ändern, so befeh­len wir, dass ihr sie mit größ­tem Eifer ver­folgt. Sind sie unfrei, so züch­tigt sie mit Prü­geln und Fol­ter, um sie zur Bes­se­rung zu zwin­gen. Sind sie aber freie Men­schen, so sol­len sie durch strengs­te Ker­ker­haft zur Ein­sicht gebracht wer­den, wie es ange­mes­sen ist, damit jene, die sich wei­gern, die Wor­te der Erlö­sung anzu­neh­men, wel­che sie aus den Gefah­ren des Todes erret­ten kön­nen, durch kör­per­li­che Qual dem erwünsch­ten gesun­den Glau­ben zuge­führt wer­den. (Gre­gor, Epist. 9,204)[6]

Hono­ri­us I. (Papst 625–638)

Hono­ri­us ist der ein­zi­ge von einem Kon­zil, dem drit­ten Kon­zil von Kon­stan­ti­no­pel (680–681), und einem sei­ner Nach­fol­ger (Leo II. 682–683) als Häre­ti­ker ver­ur­teil­te Papst. Im „Mono­the­le­tis­mus­streit“ unter­stüt­ze er den Stand­punkt, dass Jesus Chris­tus nur „eine Wil­lens­kraft“ hat­te. Dadurch stell­te er die wah­re Mensch­heit Jesu infrage.

Sein Fall gewann auf dem 1. Vati­ka­ni­schen Kon­zil wie­der an Bedeu­tung. Wie kann ein als Häre­ti­ker ver­ur­teil­ter Papst unfehl­bar sein? Das Kon­zil ver­such­te das Pro­blem mit der For­mel ex cathe­dra zu lösen, d. h., dass ein Papst nur dann unfehl­bar ist, wenn er „in höchs­ter Lehr­ge­walt“ spricht. Hono­ri­us habe sei­ne Leh­re nicht als Dog­ma ver­kün­det. Aber sei­ne Zeit­ge­nos­sen haben sei­ne Betei­li­gung an die­ser Leh­re für so stark gehal­ten, dass sie es wert fan­den, ihn post­hum[7] als Irr­leh­rer zu verurteilen.

Ste­phan VI. (Papst 896–897)

Er ließ den ver­we­sen­den Leich­nam sei­nes Vor­vor­gän­gers For­mos­us (Papst 891–896) aus­gra­ben, die­sen in päpst­li­che Klei­der klei­den und mach­te ihm einen Pro­zess wegen angeb­li­cher Miss­bräu­che („Lei­chen­syn­ode“)[8]. For­mos­us wur­de nach­träg­lich abge­setzt und alle sei­ne Amts­hand­lun­gen und Wei­hen für ungül­tig erklärt. Anschlie­ßend wur­de sei­ne Lei­che zuerst ver­gra­ben, dann aber noch­mals exhu­miert und in den Tiber gewor­fen. Der Kurzzeit‐Nachfolger Ste­phans Roma­nus erklär­te die Lei­chen­syn­ode für nich­tig, der auf ihn fol­gen­de Papst Theo­dor II. (897 auch nur für 20 Tage Papst) reha­bi­li­tier­te Formosus.

Wie ist das mög­lich, dass ein angeb­li­cher Stell­ver­tre­ter Jesu Chris­ti sei­nen Vor­gän­ger in dem­sel­ben „unfehl­ba­ren“ Amt so behan­delt? Wer hat nun Jesus Chris­tus ver­tre­ten? Wer von all die­sen Päps­ten war nun unfehlbar?

Johan­nes XII. (Papst 955–963)

Das Lexi­kon für Theo­lo­gie und Kir­che[9] fasst sei­nen Lebens­wan­del mit den Worten

[…] leicht­sin­nig, aus­schwei­fend, ein Freund der Jagd und des Krieges […]

zusam­men.

Die „römi­sche Oppo­si­ti­on“ des Paps­tes beklag­te sich „über das ungeist­li­che, sit­ten­lo­se Leben ihres jun­gen Ober­hir­ten, über des­sen Wei­be­r­af­fä­ren und Trink­ge­la­ge, über sein gott­lo­ses Flu­chen und über sei­ne are­li­giö­sen Äuße­run­gen.“[10] Der katho­li­sche Kir­chen­his­to­ri­ker August Fran­zen nann­te ihn den „schlimms­ten Feind der Kir­che“.[11]

Die katho­li­sche Enzy­klo­pä­die Kath­pe­dia schreibt über ihn:

[…] Johan­nes führ­te ein aus­schwei­fen­des Leben und soll, zeit­ge­nös­si­schen Berich­ten zufol­ge, den Late­ran in ein Bor­dell ver­wan­delt haben. Unter ihm war die soge­nann­te Por­no­kra­tie am Höhe­punkt ange­langt. Den­noch war Johan­nes ein Mann, der die Auto­ri­tät des Papst­tums fes­tig­te […][12]

Ein Papst, der zugleich der „schlimms­te Feind der Kir­che“ war, ande­rer­seits aber „die Auto­ri­tät des Papst­tums fes­tig­te“. Wor­auf baut die­se Auto­ri­tät auf?

(Hl.) Gre­gor VII. (Papst 1073–1085)

In sei­nem 1075 abge­fass­ten „Dic­ta­tus Papae“[13] heißt es unter anderem:

8 Dass er allein die kai­ser­li­chen Herr­schafts­zei­chen ver­wen­den kann.

9 Dass alle Fürs­ten nur des Paps­tes Füße küssen.

10 Dass in den Kir­chen allein sein Name genannt wird.

11 Dass die­ser Name ein­zig­ar­tig ist auf der Welt.

17 Dass kein Rechts­satz und kein Buch ohne sei­ne Auto­ri­sie­rung für kano­nisch gilt.

18 Dass sein Urteils­spruch von nie­man­dem wider­ru­fen wer­den darf und er selbst als ein­zi­ger die Urtei­le aller wider­ru­fen kann.

22 Dass die römi­sche Kir­che nie­mals in Irr­tum ver­fal­len ist und nach dem Zeug­nis der Schrift nie­mals irren wird.

23 Dass der römi­sche Bischof, falls er kano­nisch ein­ge­setzt ist, durch die Ver­diens­te des hei­li­gen Petrus unzwei­fel­haft hei­lig wird […]

Der „Dic­ta­tus papae“ war kein kir­chen­recht­lich gül­ti­ges Doku­ment, zeigt aber viel dar­über, wie die­ser „Die­ner der Die­ner Got­tes“ sein Amt als Papst ver­stan­den hat.

(Seli­ger) Urban II. (Papst 1088–1099)

Er rief im Jahr 1095 zum ers­ten Kreuz­zug auf.

Luci­us III. (Papst 1181–1185)

In der Dekre­ta­le „Ad abo­len­dam“ (1184) wur­de die Grund­la­ge für die Häre­ti­ker­be­kämp­fung gelegt. Häre­ti­ker soll­ten nicht nur exkom­mu­ni­ziert wer­den, son­dern auch dem „welt­li­chen Arm“ zur „geschul­de­ten Stra­fe“ über­ge­ben werden.

Inno­zenz III. (Papst 1198–1216)

1199 schrieb er im Brief „Cum ex ini­unc­to“ gegen das Lesen der Bibel in der Muttersprache.

Der Jesu­it Fried­rich Kempf schreibt über sei­nen Kampf gegen die gnos­ti­schen Albi­gen­ser und die ein Leben in bibli­scher Armut und Ein­fach­heit anstre­ben­den Waldenser:

Inno­zenz trat die­ser Gefahr (der Häre­ti­ker) mit aller Ener­gie ent­ge­gen. Bereits im März 1199 erließ er schar­fe Straf­maß­nah­men, sand­te sodann Visi­ta­to­ren in die Lom­bar­dei, Lega­ten und Pre­di­ger nach Süd­frank­reich, ent­fes­sel­te dort 1209, da nichts gefruch­tet hat­te, den Albi­gen­ser­kreuz­zug, der unter der fana­ti­schen Lei­tung des Abt­le­ga­ten Arnauld von Siteaux und des Heer­füh­rers Simon von Mont­fort einen schreck­li­chen Ver­lauf neh­men soll­te, und ver­fes­tig­te schließ­lich auf dem Vier­ten Late­r­an­kon­zil die Abwehr durch ein umfas­sen­des, gegen die Ket­zer gerich­te­tes Dekret (c.3). Da wird sorg­fäl­tig unter­schie­den zwi­schen noto­ri­schen Ket­zern, der Häre­sie Ver­däch­ti­gen, Sym­pa­thi­san­ten oder Hel­fern und für jede der drei Grup­pen genau bestimmt, wie gegen sie vor­zu­ge­hen sei. Des Wei­te­ren wer­den die geist­li­chen und welt­li­chen Gewal­ten zur Aus­rot­tung der Häre­sie ver­pflich­tet. Säu­mi­ge Bischö­fe ver­lie­ren ihr Amt, säu­mi­ge Fürs­ten ver­fal­len dem Bann und, wenn sie inner­halb eines Jah­res nicht Genug­tu­ung leis­ten, der Infa­mie[14]. Der Papst kann dann ihre Vasal­len vom Treu­eid lösen und ihr Land recht­gläu­bi­gen Her­ren zur Erobe­rung preis­ge­ben.[15]

Inno­zenz hat somit ein aus­ge­feil­tes Unter­drü­ckungs­sys­tem auf­ge­baut und auch die Grund­la­gen der Inqui­si­ti­on gelegt.

In einem Brief an Ymber­tus, den Bischof von Arles, schrieb er im Zusam­men­hang mit der Frei­wil­lig­keit der Taufe:

[…] Wer durch Schreck­mit­tel und Stra­fen gewalt­sam dazu gebracht wird, das Taufsa­kra­ment zu emp­fan­gen, um kei­nen Scha­den zu lei­den, der emp­fängt – wie übri­gens auch einer, der heuch­le­risch zur Tau­fe tritt – das Merk­mal des Chris­ten­tums ein­ge­prägt, und er muss auch zur Beob­ach­tung des christ­li­chen Glau­bens gehal­ten wer­den, da er ja unter die­sen Bedin­gun­gen, wenn auch nicht bedin­gungs­los, ein­ver­stan­den war […] Wer aber nie­mals sei­ne Zustim­mung gibt, son­dern ganz und gar wider­spricht, der emp­fängt weder die Wir­kung noch das Merk­mal des Sakra­ments. Denn aus­drück­lich wider­spre­chen ist mehr als eine Zustim­mung ver­wei­gern. […][16]

Gre­gor IX. (Papst 1227–1241)

Gre­gor IX. ent­wi­ckel­te die Ket­zer­ge­setz­ge­bung der Kurie wei­ter. […] und arbei­te­te sie Febru­ar 1231 in die eige­ne Kon­sti­tu­ti­on „Excom­mu­ni­ca­mus“ ein, sodass von nun an im kano­ni­schen Recht „animadver­sio debi­ta“[17] gleich­be­deu­tend wur­de mit Todes­stra­fe durch den Schei­ter­hau­fen. […] Öffent­li­che und pri­va­te Glau­bens­ge­sprä­che unter Lai­en wur­den ver­bo­ten […] Die Mau­er (das heißt lebens­läng­li­che Ker­ker­stra­fe für reu­ige Ket­zer), Ver­bot jeg­li­cher Beru­fung an wei­te­re Instan­zen, Unter­sa­gung jedes gericht­li­chen Bei­stan­des für die Ange­klag­ten und schließ­lich der gesell­schaft­li­che Boy­kott gegen­über den Nach­kom­men der Ver­ur­teil­ten […] gehör­ten zu den wesent­li­chen Bestand­tei­len die­ser Gesetz­ge­bung.[18]

Inno­zenz IV. (Papst 1243–1254)

Er leg­te in der Dekre­ta­le „Ad extir­pan­da“ (1252) die Grund­la­ge für die Anwen­dung der Fol­ter in Inquisitionsprozessen.

Boni­faz VIII. (Papst 1294–1303)

Er ist der Autor der unter 1.1 zitier­ten Bul­le „Unam Sanctam“.

Alex­an­der VI. (Papst 1492–1503)

Wir wol­len hier nicht auf den all­ge­mein bekann­ten unmo­ra­li­schen Lebens­stil die­ses Paps­tes ein­ge­hen, „denn man muss sich schä­men, von dem, was sie heim­lich tun auch nur zu reden“ (Ephe­ser 5,12). Girola­mo Savo­na­ro­la,[19] der den unmo­ra­li­schen Lebens­stil des Paps­tes offen kri­ti­sier­te, wur­de von die­sem als „Häre­ti­ker, Schis­ma­ti­ker und Ver­äch­ter des Hei­li­gen Stuhls“ exkom­mu­ni­ziert. Der Papst stand auch hin­ter sei­ner Ver­haf­tung und Hin­rich­tung 1498.

5.2 Aus der Neuzeit

Leo X. (Papst 1513–1521)

Der katho­li­sche Kir­chen­his­to­ri­ker Erwin Iser­loh schrieb über ihn:

[…] Neben sei­nen Ver­gnü­gun­gen, Jag­den, Komö­di­en, Ban­ket­ten und dem Sam­meln alter Hand­schrif­ten war er voll damit beschäf­tigt, die bei sei­ner Ver­schwen­dungs­sucht erfor­der­li­chen Gel­der zu beschaf­fen […][20]

[…] Nach einem Bericht des vene­zia­ni­schen Gesand­ten in Rom soll Leo X. nach sei­ner Wahl sei­nem Bru­der gegen­über gesagt haben: „Las­set uns das Papst­tum genie­ßen, da Gott es uns ver­lie­hen hat.“ Nichts cha­rak­te­ri­siert die fri­vo­le Welt­lich­keit und die leicht­fer­ti­ge Sorg­lo­sig­keit des Paps­tes aus dem Hau­se Medi­ci mehr als die­ses Wort.[21]

Wäh­rend die­se Cha­rak­te­ri­sie­rung „nur“ zeigt, wie weit die­ser Mensch sich von den grund­sätz­li­chen Maß­stä­ben eines christ­li­chen Lebens ent­fernt hat, zeigt die Tat­sa­che, dass er in sei­ner gegen Luther gerich­te­ten Bul­le „Exsur­ge Domi­ne“ fol­gen­den Satz Luthers ver­ur­teil­te, wie men­schen­feind­lich die­ser Papst und die von ihm geführ­te Kir­che war:

33. Dass Häre­ti­ker ver­brannt wer­den, ist gegen den Wil­len des Geis­tes.[22]

Für Leo X. ent­sprach also das Ver­bren­nen von Häre­ti­kern dem Wil­len des Hei­li­gen Geistes.

Paul IV. (Papst 1555–1559)

Sei­ne beson­de­re Auf­merk­sam­keit wid­me­te Paul IV. der Inqui­si­ti­on. Stand er als Kar­di­nal seit 1542 an ihrer Spit­ze, dann war sie für ihn als Papst sei­ne Lieb­lings­be­hör­de. […] Dem Cha­rak­ter des Paps­tes ent­sprach es, dass die bis­her ver­hält­nis­mä­ßig maß­voll und mil­de ange­wand­ten Stra­fen in aller Stren­ge voll­zo­gen wur­den.[23]

In sei­ner Bul­le „Cum nimis absur­dum“ (1555) wur­den die Juden Roms zum Leben im Ghet­to verpflichtet.

(Hl.) Pius V. (Papst 1566–1572)

Vor sei­ner Wahl zum Papst war er als Groß­in­qui­si­tor ver­ant­wort­lich für den Tod zahl­rei­cher „Häre­ti­ker“. Als Papst erließ er zahl­rei­che repres­si­ve Maß­nah­men gegen Juden.

Wie sein Vor­bild Paul IV. nahm er mit Vor­lie­be per­sön­lich an den Sit­zun­gen der Inqui­si­ti­on teil, die mit furcht­ba­rer Här­te ihres Amtes zu wal­ten hat­te. In sei­nem Auf­trag schritt die­se Behör­de über­all mit äußers­ter Stren­ge ein, wo „die Pest der Irr­leh­re“ zu ver­mu­ten stand. So wur­den alle pro­tes­tan­ti­schen Regun­gen in Ita­li­en rück­sichts­los und mit här­tes­ten Gewalt­mit­teln ver­folgt, mit Ker­ker­stra­fen und Hin­rich­tun­gen.[24]

Gre­gor XIII. (Papst 1572–1585)

Er begrüß­te aus­drück­lich die Mas­sa­ker der „Bar­tho­lo­mä­us­nacht“, bei denen in der Nacht vom 23. zum 24. August 1572 in Frank­reich zwi­schen 5.000 und 15.000 Huge­not­ten (Pro­tes­tan­ten) umge­bracht wur­den.[25]

Kle­mens XI. (Papst 1700–1721)

In der Kon­sti­tu­ti­on „Uni­ge­ni­tus Dei Fili­us“ (1713) ver­ur­teil­te er unter ande­rem fol­gen­de Sät­ze:[26]

74. Die Kir­che bzw. der voll­stän­di­ge Chris­tus hat das fleisch­ge­wor­de­ne Wort als Haupt, alle Hei­li­gen aber als Glieder.

77. Wer kein Leben führt, das eines Soh­nes Got­tes und eines Glie­des Chris­ti wür­dig ist, hört auf, inner­lich Gott als Vater und Chris­tus als Haupt zu haben.

79. Zu jeder Zeit, an jedem Ort und für jeden Per­so­nen­kreis ist es nütz­lich und not­wen­dig, den Geist, die Fröm­mig­keit und die Geheim­nis­se der Hei­li­gen Schrift zu stu­die­ren und kennenzulernen.

80. Die Lek­tü­re der Hei­li­gen Schrift ist für alle.

81. Die hei­li­ge Dun­kel­heit des Wor­tes Got­tes ist für Lai­en kein Grund, sich selbst von sei­ner Lek­tü­re zu dispensieren.

82. Der Sonn­tag muss von Chris­ten durch from­me Lesun­gen, und zwar vor allem der hei­li­gen Schrif­ten, gehei­ligt wer­den. Es ist schäd­lich, einen Chris­ten von die­ser Lek­tü­re abhal­ten zu wollen.

84. Den Hän­den von Chris­ten das Neue Tes­ta­ment zu ent­rei­ßen, bzw. es ihnen ver­schlos­sen zu hal­ten, indem man ihnen die Mög­lich­keit nimmt, es zu ver­ste­hen, heißt, ihnen den Mund Chris­ti zu verstopfen.

85. Chris­ten die Lek­tü­re der Hei­li­gen Schrift, vor allem des Evan­ge­li­ums, zu unter­sa­gen, heißt, den Söh­nen des Lich­tes den Gebrauch des Lich­tes zu unter­sa­gen und zu bewir­ken, dass sie eine Art Exkom­mu­ni­ka­ti­on erleiden.

Pius VI. (Papst 1775–1799)

In sei­nem Bre­ve „Quod ali­quan­tum“ (1791) wand­te er sich gegen die fran­zö­si­sche Erklä­rung der Menschen‐ und Bür­ger­rech­te und die dar­in aus­ge­drück­te Frei­heit und Gleich­heit aller.

Gre­gor XVI. (Papst 1831–1846)

In der Enzy­kli­ka „Mira­ri Vos“ (15.8.1832) ver­ur­teil­te Gre­gor […] auch die Gewis­sens­frei­heit. Er bezeich­ne­te sie als „ganz ver­derb­li­chen Irr­tum“ und als Fol­ge der sich aus­brei­ten­den, für Kir­che und Staat gleich gefähr­li­chen Mei­nungs­frei­heit. Die Annah­me, dass aus die­ser Frei­heit ein Nut­zen für die Reli­gi­on ent­ste­hen kön­ne, wur­de ohne Begrün­dung als „höchs­te Unver­schämt­heit“ zurück­ge­wie­sen. Eben­so ver­ur­teil­te der Papst die Tren­nung von Kir­che und Staat sowie die Frei­heit der Bücher­ver­brei­tung […][27]

Im Jah­re 1844 schrieb er die Enzy­kli­ka „Inter Prae­ci­pu­as“ gegen die Bibel­ge­sell­schaf­ten, die sich bemüh­ten den Men­schen in ver­schie­dens­ten Volks­spra­chen einen Zugang zur Hei­li­gen Schrift anzu­bie­ten. Für den Papst war das ein Anschlag auf die katho­li­sche Wahr­heit.[28]

(Seli­ger) Pius IX. (Papst 1846–1878)

Er war der letz­te Papst, der zugleich Fürst des Kir­chen­staa­tes war.

Er ließ im Jah­re 1858 von der päpst­li­chen Poli­zei den sechs­jäh­ri­gen Juden Edgar­do Mortara, der von einem katho­li­schen Dienst­mäd­chen heim­lich getauft wor­den war, ent­füh­ren. Durch die heim­li­che Tau­fe wur­de nach katho­li­schem Ver­ständ­nis das jüdi­sche Kind zu einem Chris­ten. Und des­we­gen durf­te nicht zuge­las­sen wer­den, dass Juden einen Katho­li­ken erzie­hen. Daher ließ der Papst durch die Poli­zei den Eltern ihr eige­nes Kind wegnehmen.

Im „Syl­labus errorum“[29] ver­ur­teil­te er unter ande­rem fol­gen­de Sätze:

24. Die Kir­che hat nicht die Macht, Gewalt­mit­tel anzu­wen­den, noch irgend eine direc­te oder indi­rec­te zeit­li­che Gewalt.

77. In unse­rer Zeit ist es nicht mehr nütz­lich, daß die katho­li­sche Reli­gi­on unter Aus­schluß aller andern Cul­te als ein­zi­ge Staats­re­li­gi­on gelte.

78. Es ist daher zu loben, daß in gewis­sen katho­li­schen Län­dern gesetz­lich ver­ord­net ist, daß den Ein­wan­de­rern die öffent­li­che Aus­übung ihres Cul­tes, wel­cher er auch sei, gestat­tet sein solle.

Auf sein Betrei­ben hin wur­de das Ers­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil ein­be­ru­fen, das die Unfehl­bar­keit des Paps­tes verkündete.

(Hl.) Johan­nes Paul II. (Papst 1978–2005)

Am 14. Mai 1999 küss­te er den Koran, ein Buch, das ganz offen­sicht­lich gegen das Chris­ten­tum gerich­te­te Aus­sa­gen ent­hält.[30] Gut zehn Mona­te spä­ter, am 21. März 2000 bete­te er am Jor­dan öffent­lich: „Möge der Hei­li­ge Johan­nes der Täu­fer […] den Islam beschüt­zen und das gan­ze Volk von Jor­da­ni­en!“[31]

Er rief auch die „Welt­ge­bets­tref­fen für den Frie­den“ ins Leben, in denen er gemein­sam (erst­mals 1986) mit den Ver­tre­tern ande­rer Reli­gio­nen um den Frie­den bete­te. Auch wenn die­se Gebe­te nicht „gemein­sa­me“ Gebe­te in dem Sinn waren, dass die Ver­tre­ter der ver­schie­de­nen Reli­gio­nen den­sel­ben Ritus voll­zo­gen hät­ten, so wur­den bei die­sen Tref­fen doch die Gren­zen zwi­schen den Reli­gio­nen ver­wischt. Frie­den ohne Wahr­heit kann es nicht geben. Respekt vor der Über­zeu­gung ande­rer heißt nicht, alles bei ihnen gutzuheißen.

Eine tat­säch­li­che Teil­nah­me an einem heid­ni­schen Kult gab es im August 1985 in Togo, als er an ani­mis­ti­schen Ritua­len teilnahm.

[…] die ers­te Ges­te, die Johan­nes Paul gleich nach sei­ner Ankunft in Togo­ville aus­führ­te, war wirk­lich eine Hul­di­gung an die Ahnen. Man brach­te ihm einen getrock­ne­ten Kür­bis, gefüllt mit Was­ser und Mais­mehl. Der Papst nahm ihn in sei­ne Hän­de, mach­te zuerst eine leich­te Ver­nei­gung und ver­goß dann das Was­ser rings­her­um. Die­sel­be Ges­te hat­te er auch schon am Mor­gen vor dem Zele­brie­ren der Mes­se aus­ge­führt […][32]

Viel­fach wird es als Posi­ti­vum gese­hen, dass Johan­nes Paul II. am 12. März 2000 für die Sün­den von „Men­schen der Kir­che“ um Ver­ge­bung gebe­ten hat. Bei nähe­rer Betrach­tung ist aber lei­der fest­zu­stel­len, dass die­se „Bit­ten um Ver­ge­bung“ nicht so posi­tiv zu sehen sind. Wir zitie­ren hier als Bei­spiel das „Bekennt­nis der Schuld im Dienst der Wahr­heit“:[33]

Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger:[34]
Lass jeden von uns zur Ein­sicht gelan­gen, dass auch Men­schen der Kir­che im Namen des Glau­bens und der Moral in ihrem not­wen­di­gen Ein­satz zum Schutz der Wahr­heit mit­un­ter auf Metho­den zurück­ge­grif­fen haben, die dem Evan­ge­li­um nicht ent­spre­chen. Hilf uns, Jesus Chris­tus nach­zu­ah­men, der mild ist und von Her­zen demütig.

Papst Johan­nes Paul II.:
Herr, du bist der Gott aller Men­schen. In man­chen Zei­ten der Geschich­te haben die Chris­ten bis­wei­len Metho­den der Into­le­ranz zuge­las­sen. Indem sie dem gro­ßen Gebot der Lie­be nicht folg­ten, haben sie das Ant­litz der Kir­che, dei­ner Braut, ent­stellt. Erbar­me dich dei­ner sün­di­gen Kin­der und nimm unse­ren Vor­satz an, der Wahr­heit in der Mil­de der Lie­be zu die­nen und sich dabei bewusst zu blei­ben, dass sich die Wahr­heit nur mit der Kraft der Wahr­heit selbst durch­setzt. Dar­um bit­ten wir durch Chris­tus unse­ren Herrn.

„Dass auch Men­schen der Kir­che im Namen des Glau­bens und der Moral in ihrem not­wen­di­gen Ein­satz zum Schutz der Wahr­heit mit­un­ter auf Metho­den zurück­ge­grif­fen haben, die dem Evan­ge­li­um nicht ent­spre­chen“: Ist damit die Inqui­si­ti­on gemeint, die Jahr­hun­der­te hin­durch nicht „mit­un­ter“, son­dern ganz sys­te­ma­tisch die Unter­drü­ckung Anders­den­ken­der betrie­ben hat? Es geht hier nicht um Fehl­trit­te ein­zel­ner „Men­schen der Kir­che“, es war auch nicht so, dass „die Chris­ten Metho­den der Into­le­ranz zuge­las­sen haben“, son­dern die höchs­ten Spit­zen der römisch‐katholischen Orga­ni­sa­ti­on haben die blu­ti­ge Ver­fol­gung Anders­den­ken­der auf­grund ihrer angeb­lich von Gott geschenk­ten Auto­ri­tät ange­ord­net. Wer nicht „into­le­rant“ sein woll­te, wur­de selbst als Ket­zer betrach­tet und war sei­nes Lebens nicht mehr sicher.

Wäre es dem Papst wirk­lich ernst gewe­sen mit der Bit­te um Ver­ge­bung, dann hät­te er auch dafür sor­gen müs­sen, dass als „Hei­li­ge“ ver­ehr­te Inqui­si­to­ren (wie etwa Papst Pius V. und der Juden­has­ser Johan­nes Capis­tra­nus) als das bezeich­net wer­den, was sie waren: mör­de­ri­sche Ver­bre­cher. Er hät­te dafür gesorgt, dass die­se nicht mehr als Hei­li­ge ver­ehrt wer­den.[35] Das ist aber nicht gesche­hen. Im Gegen­teil: Am 3. Sep­tem­ber 2000, also ein knap­pes hal­bes Jahr nach der „Ver­ge­bungs­bit­te“, hat Johan­nes Paul II. den Kin­des­ent­füh­rer Pius IX. seliggesprochen.

Es wäre auch zu erwar­ten, dass alle päpst­li­chen und sons­ti­gen lehr­amt­li­chen Doku­men­te, die zur Ver­fol­gung und Unter­drü­ckung Anders­den­ken­der auf­ge­ru­fen haben, nament­lich genannt und offi­zi­ell wider­ru­fen wer­den. Kon­zils­do­ku­men­te in die­ser Rich­tung (wie etwa der Auf­ruf zur Ket­zer­ver­fol­gung am 4. Late­r­an­kon­zil) müss­ten durch ein Kon­zil als nich­tig erklärt wer­den. Nichts davon ist gesche­hen.[36]

Fran­zis­kus (Papst 2013–2025)

Am 9. Juni 2014 bete­te Fran­zis­kus gemein­sam mit einem jüdi­schen und einem mus­li­mi­schen Poli­ti­ker um Frie­den. Er setz­te damit die Linie sei­nes Vor­vor­gän­gers fort.

Auch am 6. Juni 2015 stell­te er den Gott der Mus­li­me auf eine Stu­fe mit dem christ­li­chen Gott, als er anläss­lich eines Besuchs in Sara­je­vo fol­gen­des Gebet sprach:

[…] Wir, die Nach­kom­men Abra­hams nach dem Glau­ben an dich, den einen Gott, Juden, Chris­ten und Mus­li­me, ste­hen in Demut vor dir […][37]

Das Bemü­hen um ein fried­li­ches Zusam­men­le­ben von Mit­glie­dern ver­schie­de­ner Reli­gio­nen ist auf jeden Fall begrü­ßens­wert. Aber der Gott und Vater Jesu Chris­ti kann nicht gleich­ge­setzt wer­den mit dem Gott, von dem der Koran sagt, dass er weder gezeugt hat, noch gezeugt wor­den ist. Fried­li­ches, ach­tungs­vol­les Zusam­men­le­ben ist etwas ande­res als Synkretismus!

 

Ein Wort aus dem Römer­brief, mit dem Pau­lus die heuch­le­ri­schen reli­giö­sen Füh­rer sei­ner Zeit kri­ti­sier­te, cha­rak­te­ri­siert die Ein­stel­lung die­ser (und auch ande­rer in die­ser Lis­te nicht vor­kom­men­der) Päps­te und weist auch auf den geist­li­chen Scha­den hin, den das Chris­ten­tum durch die­se unwür­di­gen Men­schen erlit­ten hat:

Du nennst dich zwar Jude und ver­lässt dich auf das Gesetz, du rühmst dich dei­nes Got­tes, du kennst sei­nen Wil­len und du willst, aus dem Gesetz belehrt, beur­tei­len, wor­auf es ankommt; du traust dir zu, Füh­rer zu sein für Blin­de, Licht für die in der Fins­ter­nis, Erzie­her der Unver­stän­di­gen, Leh­rer der Unmün­di­gen, einer, für den im Gesetz Erkennt­nis und Wahr­heit fes­te Gestalt besit­zen. Du belehrst ande­re Men­schen, dich selbst aber belehrst du nicht. Du pre­digst: Du sollst nicht steh­len!, und stiehlst. Du sagst: Du sollst die Ehe nicht bre­chen!, und brichst die Ehe. Du ver­ab­scheust die Göt­zen­bil­der, begehst aber Tem­pel­raub. Du rühmst dich des Geset­zes, ent­ehrst aber Gott durch Über­tre­ten des Geset­zes. Denn in der Schrift steht: Euret­we­gen wird unter den Hei­den der Name Got­tes geläs­tert. (Römer 2,17–24)


Fußnoten

  1. Nor­bert Brox, Das Papst­tum in den ers­ten drei Jahr­hun­der­ten, S. 33.
  2. Mat­thä­us 13,24–30.47–50. In unse­rem Arti­kel „Ist die Kir­che sicht­bar oder unsicht­bar?“ gibt es hier­zu ein Kapi­tel über das Gleich­nis vom Unkraut und Wei­zen.
  3. Vari­an­te des Namens Calixt.
  4. Zitiert nach: Hip­po­ly­tus von Rom († um 235) – Wider­le­gung aller Häre­si­en (Refu­ta­tio omni­um hae­re­si­um).
  5. Bern­hard Schim­mel­p­fen­nig, Das Papst­tum, 4. Auf­la­ge, Darm­stadt 1996, S. 23.
  6. Zitiert nach: Wiki­pe­dia: Gre­gor der Gro­ße.
  7. Nach sei­nem Tode.
  8. Die­se schreck­li­che Sze­ne ist in dem Gemäl­de von Jean‐Paul Lau­rens von 1870 zu Beginn die­ses Arti­kels dargestellt.
  9. Lexi­kon für Theo­lo­gie und Kir­che, fünf­ter Band, 1933, Spal­te 470.
  10. Harald Zim­mer­mann, Die Päps­te des „dunk­len Jahr­hun­derts“: Das Papst­tum I, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 1984, S. 133.
  11. August Fran­zen, Klei­ne Kir­chen­ge­schich­te, Frei­burg 1988, S. 166.
  12. Kath­pe­dia: Johannes_XII., abge­ru­fen am 25.06.2015.
  13. Zitiert nach: Wiki­pe­dia: Dic­ta­tus Papae, abge­ru­fen am 04.01.2026.
  14. D. h. Ver­lust des Rechts­schut­zes und der Rechtsfähigkeit.
  15. Fried­rich Kempf SJ, Inno­zenz III.: Das Papst­tum I, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 1984, S. 202.
  16. Neuner‐Roos, Nr. 526.
  17. D. h. die „geschul­de­te Stra­fe“, mit der der „welt­li­che Arm“ die Häre­ti­ker bestra­fen sollte.
  18. Hans Wol­ter SJ, Der Kampf der Kurie um die Füh­rung im Abend­land: Hand­buch der Kir­chen­ge­schich­te, Her­aus­ge­ge­ben von Hubert Jedin, III/2, Frei­burg 1968, S. 271.
  19. Johan­nes Paul II. setz­te im Jah­re 1998 ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren für Savo­na­ro­la in Gang.
  20. Erwin Iser­loh, Die Päps­te im Zeit­al­ter der Refor­ma­ti­on und des Kon­zils von Tri­ent: Das Papst­tum II, Her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 985, S. 56.
  21. Iser­loh, S. 60.
  22. Denzinger‐Hünermann, Nr. 1483.
  23. Iser­loh, S. 72–73.
  24. Georg Schwai­ger, Die Päps­te der Katho­li­schen Reform und Gegen­re­for­ma­ti­on: Das Papst­tum II, Her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 985, S. 83–84.
  25. Georg Schwai­ger, Die Päps­te der Katho­li­schen Reform und Gegen­re­for­ma­ti­on: Das Papst­tum II, Her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 985, S. 93.
  26. Denzinger‐Hünermann, Nr. 2474, 2477, 2479, 2480, 2481, 2482, 2484, 2485, S. 678–679.
  27. Rudolf Lill, Das Zeit­al­ter der Restau­ra­ti­on von Leo XII. bis Gre­gor XVI.: Das Papst­tum II, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 1985, S. 176.
  28. Der eng­li­sche Text die­ser Enzy­kli­ka kann hier gele­sen wer­den: Gre­go­ry XVI. Inter Prae­ci­pu­as.
  29. Wir zitie­ren nach: Wiki­pe­dia: Syl­labus errorum, abge­ru­fen am 05.01.2026.
  30. Z. B. Sure 9,30: Die Juden sagen: „Uzayr ist Got­tes Sohn.“ Und die Chris­ten sagen: „Chris­tus ist Got­tes Sohn.“ Das ist ihre Rede aus ihrem eige­nen Mun­de. Damit reden sie wie die, die vor­her ungläu­big waren. Gott bekämp­fe sie! Wie leicht las­sen sie sich doch abwenden!
  31. La docu­men­ta­ti­on catho­li­que Nr. 2224/2000, S. 362, zitiert nach: Man­fred Pot­hoff, Das Ende des katho­li­schen Glau­bens, Ber­lin, 2014, S. 83. Pot­hoffs Buch erwähnt auf den Sei­ten 82–83 wei­te­re Bei­spie­le sei­nes Syn­kre­tis­mus, wie die Teil­nah­me an ani­mis­ti­schen (9. August 1985 in Togo) und hin­du­is­ti­schen Riten (2. und 5. Febru­ar 1986).
  32. Osser­va­to­re Roma­no vom 11. August 1985, zitiert nach: Rund­brief an unse­re Pries­ter­freun­de im deut­schen Sprach­raum, Nr. 21, Novem­ber / Dezem­ber 2008, S. 19–20.
  33. Wir zitie­ren nach: Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz: Ver­ge­bungs­bit­te von Papst Johan­nes Paul II., abge­ru­fen am 05.01.2026.
  34. Der spä­te­re Papst Bene­dikt XVI.
  35. Das wäre als Maß­nah­me inner­halb des katho­li­schen Dog­men­ge­bäu­des zu sehen. Biblisch betrach­tet ist der Hei­li­gen­kult nicht zu rechtfertigen.
  36. Papst Fran­zis­kus hat am 22. Juni 2015 etwas kla­re­re Wor­te gefun­den, als er das Vor­ge­hen der katho­li­schen Kir­che gegen die Wal­den­ser unchrist­lich und unmensch­lich nann­te und die Wal­den­ser um Ver­ge­bung dafür bat. Von einer öffent­li­chen Ver­ur­tei­lung der lehr­amt­li­chen Doku­men­te, die zur Ver­fol­gung der Wal­den­ser geführt haben, war aber auch hier kei­ne Rede. Die Rede von Papst Fran­zis­kus ist (auf Eng­lisch) hier zu fin­den: Pas­to­ral visit of His Holi­ne­ss Pope Fran­cis to Turin, abge­ru­fen am 09.07.2015.
  37. Apos­to­li­sche Rei­se von Papst Fran­zis­kus nach Sara­je­vo (Bosnien‐Herzegowona), abge­ru­fen am 09.07.2015.


Nor­bert Brox, Das Papst­tum in den ers­ten drei Jahr­hun­der­ten, S. 33.

Mat­thä­us 13,24–30.47–50. In unse­rem Arti­kel „Ist die Kir­che sicht­bar oder unsicht­bar?“ gibt es hier­zu ein Kapi­tel über das Gleich­nis vom Unkraut und Wei­zen.

Vari­an­te des Namens Calixt.

Zitiert nach: Hip­po­ly­tus von Rom († um 235) – Wider­le­gung aller Häre­si­en (Refu­ta­tio omni­um hae­re­si­um).

Bern­hard Schim­mel­p­fen­nig, Das Papst­tum, 4. Auf­la­ge, Darm­stadt 1996, S. 23.

Zitiert nach: Wiki­pe­dia: Gre­gor der Gro­ße.

Nach sei­nem Tode.

Die­se schreck­li­che Sze­ne ist in dem Gemäl­de von Jean‐Paul Lau­rens von 1870 zu Beginn die­ses Arti­kels dargestellt.

Lexi­kon für Theo­lo­gie und Kir­che, fünf­ter Band, 1933, Spal­te 470.

Harald Zim­mer­mann, Die Päps­te des „dunk­len Jahr­hun­derts“: Das Papst­tum I, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 1984, S. 133.

August Fran­zen, Klei­ne Kir­chen­ge­schich­te, Frei­burg 1988, S. 166.

Kath­pe­dia: Johannes_XII., abge­ru­fen am 25.06.2015.

Zitiert nach: Wiki­pe­dia: Dic­ta­tus Papae, abge­ru­fen am 04.01.2026.

D. h. Ver­lust des Rechts­schut­zes und der Rechtsfähigkeit.

Fried­rich Kempf SJ, Inno­zenz III.: Das Papst­tum I, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 1984, S. 202.

Neuner‐Roos, Nr. 526.

D. h. die „geschul­de­te Stra­fe“, mit der der „welt­li­che Arm“ die Häre­ti­ker bestra­fen sollte.

Hans Wol­ter SJ, Der Kampf der Kurie um die Füh­rung im Abend­land: Hand­buch der Kir­chen­ge­schich­te, Her­aus­ge­ge­ben von Hubert Jedin, III/2, Frei­burg 1968, S. 271.

Johan­nes Paul II. setz­te im Jah­re 1998 ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren für Savo­na­ro­la in Gang.

Erwin Iser­loh, Die Päps­te im Zeit­al­ter der Refor­ma­ti­on und des Kon­zils von Tri­ent: Das Papst­tum II, Her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 985, S. 56.

Iser­loh, S. 60.

Denzinger‐Hünermann, Nr. 1483.

Iser­loh, S. 72–73.

Georg Schwai­ger, Die Päps­te der Katho­li­schen Reform und Gegen­re­for­ma­ti­on: Das Papst­tum II, Her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 985, S. 83–84.

Georg Schwai­ger, Die Päps­te der Katho­li­schen Reform und Gegen­re­for­ma­ti­on: Das Papst­tum II, Her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 985, S. 93.

Denzinger‐Hünermann, Nr. 2474, 2477, 2479, 2480, 2481, 2482, 2484, 2485, S. 678–679.

Rudolf Lill, Das Zeit­al­ter der Restau­ra­ti­on von Leo XII. bis Gre­gor XVI.: Das Papst­tum II, her­aus­ge­ge­ben von Mar­tin Gre­schat, Stutt­gart 1985, S. 176.

Der eng­li­sche Text die­ser Enzy­kli­ka kann hier gele­sen wer­den: Gre­go­ry XVI. Inter Prae­ci­pu­as.

Wir zitie­ren nach: Wiki­pe­dia: Syl­labus errorum, abge­ru­fen am 05.01.2026.

Z. B. Sure 9,30: Die Juden sagen: „Uzayr ist Got­tes Sohn.“ Und die Chris­ten sagen: „Chris­tus ist Got­tes Sohn.“ Das ist ihre Rede aus ihrem eige­nen Mun­de. Damit reden sie wie die, die vor­her ungläu­big waren. Gott bekämp­fe sie! Wie leicht las­sen sie sich doch abwenden!

La docu­men­ta­ti­on catho­li­que Nr. 2224/2000, S. 362, zitiert nach: Man­fred Pot­hoff, Das Ende des katho­li­schen Glau­bens, Ber­lin, 2014, S. 83. Pot­hoffs Buch erwähnt auf den Sei­ten 82–83 wei­te­re Bei­spie­le sei­nes Syn­kre­tis­mus, wie die Teil­nah­me an ani­mis­ti­schen (9. August 1985 in Togo) und hin­du­is­ti­schen Riten (2. und 5. Febru­ar 1986).

Osser­va­to­re Roma­no vom 11. August 1985, zitiert nach: Rund­brief an unse­re Pries­ter­freun­de im deut­schen Sprach­raum, Nr. 21, Novem­ber / Dezem­ber 2008, S. 19–20.

Wir zitie­ren nach: Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz: Ver­ge­bungs­bit­te von Papst Johan­nes Paul II., abge­ru­fen am 05.01.2026.

Der spä­te­re Papst Bene­dikt XVI.

Das wäre als Maß­nah­me inner­halb des katho­li­schen Dog­men­ge­bäu­des zu sehen. Biblisch betrach­tet ist der Hei­li­gen­kult nicht zu rechtfertigen.

Papst Fran­zis­kus hat am 22. Juni 2015 etwas kla­re­re Wor­te gefun­den, als er das Vor­ge­hen der katho­li­schen Kir­che gegen die Wal­den­ser unchrist­lich und unmensch­lich nann­te und die Wal­den­ser um Ver­ge­bung dafür bat. Von einer öffent­li­chen Ver­ur­tei­lung der lehr­amt­li­chen Doku­men­te, die zur Ver­fol­gung der Wal­den­ser geführt haben, war aber auch hier kei­ne Rede. Die Rede von Papst Fran­zis­kus ist (auf Eng­lisch) hier zu fin­den: Pas­to­ral visit of His Holi­ne­ss Pope Fran­cis to Turin, abge­ru­fen am 09.07.2015.

Apos­to­li­sche Rei­se von Papst Fran­zis­kus nach Sara­je­vo (Bosnien‐Herzegowona), abge­ru­fen am 09.07.2015.