Ist die Kir­che sicht­bar oder unsichtbar?

Vie­le Men­schen sind sich des­sen bewusst, dass nicht jeder, der am Sonn­tag zum Got­tes­dienst geht, wirk­lich Christ ist. Häu­fig wer­den die­se Men­schen als Namens­chris­ten bezeich­net, die kei­ne Bezie­hung mit Jesus haben. Die­se „Sonn­tags­chris­ten“ besu­chen gewöhn­lich die sonn­täg­li­chen Ver­samm­lun­gen. Sie beten, sin­gen und neh­men oft sogar gemein­sam mit den andern am Abend­mahl teil, obwohl sie mit ihrem Leben Jesus nicht nachfolgen.

Die­se Situa­ti­on wird von Ver­tre­tern der ver­schie­de­nen Deno­mi­na­tio­nen so erklärt: In den sicht­ba­ren Kir­chen sind zwar Chris­ten und Namens­chris­ten zusam­men, die ver­streu­ten wah­ren Gläu­bi­gen bil­den jedoch eine unsicht­ba­re Kir­che.

Doch was sagt das Neue Tes­ta­ment über die Gemein­de bzw. Kir­che[1]? Waren in der ers­ten Gemein­de Gläu­bi­ge und Ungläu­bi­ge zusam­men? Mit wel­chem Ziel hat Jesus die Kir­che ins Leben gerufen?

Ein Leuchtturm leuchtet auf der Spitze einer Klippe.

1 Die Leh­re von der sicht­ba­ren und unsicht­ba­ren Kirche

Was wird heut­zu­ta­ge im All­ge­mei­nen dar­un­ter verstanden?

Nach die­ser Leh­re besteht die sicht­ba­re Kir­che aus den ver­schie­de­nen Kir­chen und Deno­mi­na­tio­nen (z. B. römisch‐katholisch, evan­ge­lisch, bap­tis­tisch, metho­dis­tisch). Zu den sicht­ba­ren Kir­chen gehö­ren sowohl gläu­bi­ge Mit­glie­der (auch wie­der­ge­bo­re­ne Chris­ten genannt) als auch sol­che, die nicht wirk­lich glau­ben (Namens­chris­ten).

Die unsicht­ba­re Kir­che dage­gen wird als die eine wah­re Kir­che gese­hen, die alle wie­der­ge­bo­re­nen Glie­der der sicht­ba­ren Kir­chen der gan­zen Welt ver­ei­nigt. Sie ist kei­ne sicht­ba­re Orga­ni­sa­ti­on oder Deno­mi­na­ti­on. Ihre Glie­der sind durch den Glau­ben mit­ein­an­der ver­bun­den – ohne ein­an­der zu ken­nen oder eine per­sön­li­che Bezie­hung zuein­an­der zu haben. Die Anhän­ger die­ser Leh­re glau­ben, dass Jesus erst bei sei­ner Wie­der­kunft sicht­bar machen wird, wer tat­säch­lich zu ihm gehört. Eini­ge sehen es als ihre Auf­ga­be, die ungläu­bi­gen Mit­glie­der ihrer Orts­ge­mein­den zum Glau­ben zu füh­ren. Gott habe sie gera­de auch zum Zweck die­ser „inne­ren” Mis­si­on dort­hin gestellt.[2]

2 Die Gemein­de im ers­ten Jahrhundert

Über die ers­te Gemein­de in Jeru­sa­lem, die nach der Pfingst­pre­digt des Petrus ent­stan­den ist, kön­nen wir Fol­gen­des lesen:

Aber durch die Hän­de der Apos­tel gescha­hen vie­le Zei­chen und Wun­der unter dem Volk; und sie waren alle ein­mü­tig in der Säu­len­hal­le Salo­mos. Von den Übri­gen aber wag­te kei­ner, sich ihnen anzu­schlie­ßen, doch das Volk rühm­te sie. Aber umso mehr wur­den [sol­che], die an den Herrn glaub­ten, hin­zu­ge­tan, Scha­ren von Män­nern und auch Frau­en. (Apos­tel­ge­schich­te 5,12–14)

Die Wun­der, die unter den Chris­ten gesche­hen sind, aber vor allem ihre Hin­ga­be an Gott und ihre gegen­sei­ti­ge Lie­be, rie­fen bei den Juden Respekt und Ehr­furcht her­vor. Sie ver­stan­den, dass es nur mit der Hin­ga­be des gan­zen Lebens an Jesus mög­lich war, zur Gemein­de zu gehö­ren. Die Men­schen, die den Wunsch hat­ten, Gott aus gan­zem Her­zen zu lie­ben, glaub­ten an Jesus und schlos­sen sich der Gemein­de an. Die übri­gen Juden, die zu die­sem Leben nicht bereit waren, wag­ten nicht, sich den Jün­gern anzuschließen.

Wenn ein Ungläu­bi­ger zur Gemein­de kam, beur­teil­te sie das „Ver­bor­ge­ne sei­nes Herzens“:

Wenn nun die gan­ze Gemein­de zusam­men­kommt und alle in Spra­chen reden, und es kom­men Unkun­di­ge oder Ungläu­bi­ge her­ein, wer­den sie nicht sagen, dass ihr von Sin­nen seid? Wenn aber alle weis­sa­gen und irgend­ein Ungläu­bi­ger oder Unkun­di­ger kommt her­ein, so wird er von allen über­führt, von allen beur­teilt; das Ver­bor­ge­ne sei­nes Her­zens wird offen­bar, und so wird er auf sein Ange­sicht fal­len und wird Gott anbe­ten und ver­kün­di­gen, dass Gott wirk­lich unter euch ist. (1. Korin­ther 14,23–25)

Die gan­ze Gemein­de bemüh­te sich, einem Neu­an­kömm­ling zu hel­fen und zu ver­ste­hen, wovon er umkeh­ren muss. Manch­mal ver­stand jemand schnell, ein ande­rer brauch­te viel­leicht mehr Zeit. Wenn sich aber jemand nicht bekeh­ren woll­te, nach­dem er viel Hil­fe durch die Beur­tei­lung der Chris­ten erfah­ren hat­te, gab es kei­ne Grund­la­ge, ihn zu tau­fen. Er wur­de auch nicht in die Gemein­schaft der Gläu­bi­gen integriert.

Nun gab es aber Aus­nah­men, wie das Bei­spiel von einem Simon, dem Magi­er, der in die Gemein­de auf­ge­nom­men wur­de, nach­dem er das Evan­ge­li­um gehört hat­te. Als Phil­ip­pus in Sama­ria über Jesus sprach, wur­den vie­le Men­schen gläu­big und lie­ßen sich tau­fen – auch Simon, obwohl er sein Den­ken nicht geän­dert hat­te. Weil sich so vie­le Men­schen auf ein­mal bekehr­ten, war es nicht so ein­fach für Phil­ip­pus zu erken­nen, dass einer unter ihnen (Simon) nicht ehr­lich war. So war es die­sem gelun­gen, auch ande­re Chris­ten für eini­ge Zeit zu täu­schen. Bald aber kam die Wahr­heit über ihn ans Licht. Petrus, der zusam­men mit Johan­nes aus Jeru­sa­lem gekom­men war, wies ihn ent­schlos­sen ab:

Als aber Simon sah, dass durch das Auf­le­gen der Hän­de der Apos­tel der Geist gege­ben wur­de, brach­te er ihnen Geld und sag­te: Gebt auch mir die­se Macht, dass der, dem ich die Hän­de auf­le­ge, den Hei­li­gen Geist emp­fan­ge. Petrus aber sprach zu ihm: Dein Geld fah­re mit dir ins Ver­der­ben, weil du gemeint hast, dass die Gabe Got­tes durch Geld zu erlan­gen sei! Du hast weder Teil noch Recht an die­ser Sache, denn dein Herz ist nicht auf­rich­tig vor Gott. Tue nun Buße über die­se dei­ne Bos­heit und bit­te den Herrn, ob dir etwa der Anschlag dei­nes Her­zens ver­ge­ben wer­de; denn ich sehe, dass du voll bit­te­rer Gal­le und in Ban­den der Unge­rech­tig­keit bist. Simon aber ant­wor­te­te und sprach: Bit­tet ihr für mich den Herrn, damit nichts über mich kom­me von dem, was ihr gesagt habt. (Apos­tel­ge­schich­te 8,18–24)

Wir sehen ein eben­so stren­ges Ver­hal­ten in kon­kre­ten Fäl­len, als sich eini­ge Män­ner in die Gemein­de ein­schli­chen, die anders leb­ten oder dach­ten, als Jesus und die Apos­tel es gelehrt hatten:

Denn gewis­se Men­schen haben sich heim­lich ein­ge­schli­chen, die längst zu die­sem Gericht vor­her auf­ge­zeich­net sind, Gott­lo­se, wel­che die Gna­de unse­res Got­tes in Aus­schwei­fung ver­keh­ren und den allei­ni­gen Gebie­ter und unse­ren Herrn Jesus Chris­tus ver­leug­nen. (Judas 4)

Judas’ Ziel war es aus­zu­drü­cken, dass die­se Män­ner kei­nen Platz in der Gemein­de hat­ten. Auch wenn es ihnen gelang, für kur­ze Zeit in der Gemein­de zu sein, bis die Gläu­bi­gen ver­stan­den, dass sie nicht wirk­lich ihre Brü­der waren, so war es ihnen doch nicht mög­lich, Teil der Gemein­de zu blei­ben. Wir fin­den auch ver­schie­de­ne ande­re Ermah­nun­gen im Neu­en Tes­ta­ment, in denen die Gemein­den auf­ge­for­dert wur­den, sol­che Men­schen auf­zu­de­cken und sich von ihnen zu distan­zie­ren: Apos­tel­ge­schich­te 20,29–31; Mat­thä­us 24,23–26; 1. Timo­theus 4,1–3 und 6,3–5; 2. Timo­theus 3,1–9; 1. Johan­nes 2,18–19.

3 Rein­heit und Hei­lig­keit der Gemeinde

Wenn ein Glied der Gemein­de auf eine Wei­se gesün­digt hat­te, dass er der Jün­ger­schaft unwür­dig wur­de, und wenn er sich trotz wie­der­hol­ter Hil­fe und Ermah­nun­gen nicht von sei­nen Sün­den abwen­den woll­te, dann been­de­te die Gemein­de die Gemein­schaft mit ihm: Sie schloss ihn aus. Der Aus­schluss basiert auf dem Gebot Jesu:

Wenn aber dein Bru­der sün­digt, so geh hin, über­füh­re ihn zwi­schen dir und ihm allein. Wenn er auf dich hört, so hast du dei­nen Bru­der gewon­nen. Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zwei­er oder drei­er Zeu­gen Mund jede Sache bestä­tigt wer­de. Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Gemein­de; wenn er aber auch auf die Gemein­de nicht hören wird, so sei er dir wie der Hei­de und der Zöll­ner. Wahr­lich, ich sage euch: Wenn ihr etwas auf der Erde bin­den wer­det, wird es im Him­mel gebun­den sein, und wenn ihr etwas auf der Erde lösen wer­det, wird es im Him­mel gelöst sein. (Mat­thä­us 18,15–18)

Bezüg­lich „so sei er dir wie der Hei­de oder der Zöll­ner“ soll bemerkt wer­den, dass die Juden kei­ne Gemein­schaft mit Hei­den hat­ten, weil sie sie für unrein hiel­ten (Apos­tel­ge­schich­te 10,28). Und die Zöll­ner, die zwar Juden waren, hielt man für geld­gie­rig und warf ihnen vor, Kom­pro­mis­se mit den Römern ein­zu­ge­hen (sie­he Mat­thä­us 9,10–11). Die­se kate­go­ri­sche Ableh­nung war nicht rich­tig, doch es war die jüdi­sche Pra­xis. Jesus bezog sich mit die­sen Wor­ten auf eben die­se Pra­xis. Er zeig­te aber, dass der Grund für die Abgren­zung nicht der sozia­le Sta­tus oder die Natio­na­li­tät des ande­ren sein soll, son­dern die Tat­sa­che, dass die­se Per­son viel Hil­fe und Kor­rek­tur, die sie von ihren Geschwis­tern bekommt, nicht annimmt und an Sün­den fest­hal­ten will.[3]

Ein kon­kre­tes Bei­spiel dafür fin­den wir im 1. Korintherbrief:

Über­haupt hört man, dass Unzucht unter euch sei, und [zwar] eine sol­che Unzucht, die selbst unter den Natio­nen nicht [statt­fin­det]: dass einer sei­nes Vaters Frau habe. Und ihr seid auf­ge­bla­sen und habt nicht viel­mehr Leid getra­gen, damit der, wel­cher die­se Tat began­gen hat, aus eurer Mit­te hin­weg getan wür­de! Denn ich, zwar dem Lei­be nach abwe­send, aber im Geis­te anwe­send, habe schon als anwe­send das Urteil gefällt über den, der die­ses so ver­übt hat, wenn ihr und mein Geist mit der Kraft unse­res Herrn Jesus ver­sam­melt seid – einen sol­chen im Namen unse­res Herrn Jesus dem Satan zu über­lie­fern zum Ver­der­ben des Flei­sches, damit der Geist erret­tet wer­de am Tage des Herrn. Euer Rüh­men ist nicht gut. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sau­er­teig den gan­zen Teig durch­säu­ert? Fegt den alten Sau­er­teig aus, damit ihr ein neu­er Teig seid, wie ihr ja bereits unge­säu­ert seid. Denn auch unser Pas­sah, Chris­tus, ist geschlach­tet. (1. Korin­ther 5,1–7)

Eini­ge Ver­se spä­ter fährt Pau­lus wie folgt fort:

Nun aber habe ich euch geschrie­ben, kei­nen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bru­der genannt wird, ein Unzüch­ti­ger ist oder ein Hab­süch­ti­ger oder ein Göt­zen­die­ner oder ein Läs­te­rer oder ein Trun­ken­bold oder ein Räu­ber, mit einem sol­chen nicht ein­mal zu essen. Denn was habe ich zu rich­ten, die drau­ßen sind? Rich­tet ihr nicht, die drin­nen sind? Die aber drau­ßen sind, rich­tet Gott. Tut den Bösen von euch selbst hin­aus! (1. Korin­ther 5,11–13)

Pau­lus zeigt hier, dass die Zuge­hö­rig­keit zur Gemein­de an kla­re Bedin­gun­gen geknüpft ist. Got­tes Gemein­de kann nicht Gemein­schaft haben mit jeman­dem, der an Sün­de fest­hält. Eine sol­che Per­son lehnt Gott ab und hat kei­ne Gemein­schaft mit ihm. Die Gemein­de wür­de die­sen Men­schen im Selbst­be­trug las­sen, wenn sie ihm die geist­li­che Rea­li­tät nicht durch den Aus­schluss zei­gen wür­de. Blie­be er in der Gemein­de, wür­de er ande­re wie „Sau­er­teig“ beein­flus­sen. Es wür­de eine gro­ße Gefahr bestehen, dass auch ande­re in der Gemein­de sol­che Sün­den nicht mehr klar beur­tei­len und sie dann auch in ihrem eige­nen Leben tole­rie­ren wür­den. Die hier beschrie­be­ne Abgren­zung (d. h. ein Aus­schluss aus der Gemein­de) ist hart und schmerz­haft, aber Pau­lus hat Hoff­nung, dass der Sün­der noch umkehrt (Vers 5[4]). Wenn der Aus­ge­schlos­se­ne spä­ter bereut, kann er mit einer neu­en Ent­schei­dung, dass er ein hei­li­ges, rei­nes Leben füh­ren will, zur Gemein­de zurückkehren.

Die ers­ten christ­li­chen Gemein­den bewahr­ten auf die­se Wei­se ihre Rein­heit, sodass Men­schen, die nicht wirk­lich umge­kehrt waren, nicht unter ihnen blei­ben konn­ten. Wenn es nicht so gewe­sen wäre, wie hät­te Pau­lus sei­ne Adres­sa­ten Hei­li­ge nen­nen kön­nen (z. B. 1. Korin­ther 1,1–3; 2. Korin­ther 1,1–2)?[5]

Im Neu­en Tes­ta­ment bedeu­tet „Hei­li­ger“ das glei­che wie „Christ“ (Apos­tel­ge­schich­te 9,13; Ephe­ser 5,3; Phil­ip­per 4,21–22; Hebrä­er 3,1). Alle Chris­ten sind Hei­li­ge und nur die­je­ni­gen kön­nen zur Kir­che gehö­ren, die sich hei­li­gen und Gott in ihrem Leben regie­ren las­sen (Hebrä­er 12,14, Ephe­ser 5,5, Gala­ter 5,19–21). Es sind hier nicht sünd­lo­se Men­schen gemeint (das wird beson­ders in den Brie­fen an die Korin­ther deut­lich), son­dern die Men­schen, „die gehei­ligt sind in Chris­tus“ (1.Korinther 1,2), die Jesu Ver­ge­bung und Erlö­sung ange­nom­men haben. Auch wenn sie sün­di­gen und strau­cheln, so wer­den sie auf Ermah­nung ihrer Glau­bens­ge­schwis­ter hören und sich ändern wol­len. Die gan­ze Kir­che und jedes Glied der Kir­che kämpft gegen Sün­de. Ein Christ kann kein Dop­pel­le­ben füh­ren. Er kann nicht Gott die­nen, wäh­rend sein Herz in der Welt ist (sie­he Mat­thä­us 6,24 und 10,38–39; Johan­nes 12,25–26, Jako­bus 4,4; 1. Johan­nes 2,4–6 und Ver­se 15–17; mehr dazu in unse­rem Arti­kel Was heißt es, ein Christ zu sein?).

Wenn Chris­ten Gemein­schaft mit Men­schen hät­ten, die die Welt lie­ben, wür­den sie sie täu­schen. Sie wür­den ihnen den Ein­druck geben, sie sei­en Brü­der und Schwes­tern in Chris­tus, obwohl dies nicht der Wahr­heit ent­spricht. Damit wür­den sie auch Außen­ste­hen­den ein fal­sches Bild von dem, was Kir­che ist, vermitteln.

Geht nicht unter fremd­ar­ti­gem Joch mit Ungläu­bi­gen! Denn wel­che Ver­bin­dung haben Gerech­tig­keit und Gesetz­lo­sig­keit? Oder wel­che Gemein­schaft Licht mit Fins­ter­nis? Und wel­che Über­ein­stim­mung Chris­tus mit Beli­al? Oder wel­ches Teil ein Gläu­bi­ger mit einem Ungläu­bi­gen? Und wel­chen Zusam­men­hang der Tem­pel Got­tes mit Göt­zen­bil­dern? Denn wir sind der Tem­pel des leben­di­gen Got­tes; wie Gott gesagt hat: „Ich will unter ihnen woh­nen und wan­deln, und ich wer­de ihr Gott sein, und sie wer­den mein Volk sein. Dar­um geht aus ihrer Mit­te hin­aus und son­dert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unrei­nes nicht an, und ich wer­de euch anneh­men und wer­de euch ein Vater sein, und ihr wer­det mir Söh­ne und Töch­ter sein, spricht der Herr, der All­mäch­ti­ge. (2. Korin­ther 6,14–18)

Das grie­chi­sche Wort εκκλήσια [eccle­sia] bedeu­tet Ver­samm­lung, wört­lich: die Her­aus­ge­ru­fe­nen. Hin­ter­grund ist der Brauch im anti­ken Grie­chen­land, dass Boten die Bür­ger für öffent­li­che Ver­samm­lun­gen aus ihren Häu­sern her­aus­rie­fen. So rufen auch die Boten des Evan­ge­li­ums Men­schen, die Gott lie­ben wol­len, aus der Welt her­aus, hin­ein in die Gemein­de. Chris­ten leben wei­ter­hin in die­ser Welt und unter Ungläu­bi­gen, aber sie haben kei­ne geist­li­che Gemein­schaft mit ihnen.[6]

Wir kön­nen von dem bereits Erwähn­ten sehen, dass die Pra­xis der ers­ten christ­li­chen Gemein­den völ­lig anders war als die der heu­ti­gen Deno­mi­na­tio­nen. Heu­te kann jeder ein Mit­glied einer „Kir­che“ wer­den (nach eini­gen For­ma­li­tä­ten) und übli­cher­wei­se wird Aus­schluss auch nicht prak­ti­ziert. Um wirk­lich unter­schei­den zu kön­nen, wer zur Kir­che gehört und wer nicht, wäre eine inten­si­ve Gemein­schaft, Lie­be und Hin­ga­be not­wen­dig: Sie müss­ten mehr Zeit mit­ein­an­der ver­brin­gen und ein­an­der mehr Auf­merk­sam­keit schen­ken, um am geist­li­chen Leben von­ein­an­der teil­neh­men zu kön­nen. Ohne die­se Hin­ga­be, die Geschwis­ter auf dem Weg der Hei­li­gung zu unter­stüt­zen, kann das Gebot Jesu nicht erfüllt und damit die Rein­heit der Gemein­de nicht bewahrt wer­den, was letzt­lich ihre Exis­tenz gefährdet.

4 Das Gleich­nis vom Unkraut im Wei­zen (Mat­thä­us 13,24–30, 36–43)

Die fal­sche Pra­xis begann nicht erst in unse­rer Zeit. Bereits im 5. Jh., als Augus­ti­nus gegen die Dona­tis­ten stritt,[7] argu­men­tier­te er mit dem Gleich­nis vom Unkraut und Wei­zen, um zu zei­gen, dass es Ungläu­bi­ge in der „Kir­che“ gebe. Er behaup­te­te auf Grund­la­ge die­ses Gleich­nis­ses, „dass die Gemein­de ein „gemisch­ter Leib“ sei“ (cor­pus per­mix­t­um), in dem die Bösen zusam­men mit den Gerech­ten seien.

Wir wol­len uns anschau­en, was Jesus in die­sem Gleich­nis und sei­ner Deu­tung tat­säch­lich sagte:

Jesus gab den Men­schen ein wei­te­res Gleich­nis und sprach: „Mit dem Reich der Him­mel ist es wie mit einem Men­schen, der guten Samen auf sei­nen Acker säte. Wäh­rend aber die Men­schen schlie­fen, kam sein Feind und säte Unkraut mit­ten unter den Wei­zen und ging weg. Als aber die Saat auf­spross­te und Frucht brach­te, da erschien auch das Unkraut. Es kamen aber die Knech­te des Haus­herrn hin­zu und spra­chen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf dei­nen Acker gesät? Woher hat er denn Unkraut? Er aber sprach zu ihnen: Ein feind­se­li­ger Mensch hat dies getan. Die Knech­te aber spra­chen zu ihm: Willst du denn, daß wir hin­ge­hen und es zusam­men­le­sen? Er aber sprach: Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusam­men­le­sen des Unkrauts zugleich mit ihm den Wei­zen aus­rauft. Laßt bei­des zusam­men wach­sen bis zur Ern­te, und zur Zeit der Ern­te wer­de ich den Schnit­tern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusam­men, und bin­det es in Bün­del, um es zu ver­bren­nen; den Wei­zen aber sam­melt in mei­ne Scheu­ne! (Mat­thä­us 13,24–30)

Dann ent­ließ er die Volks­men­gen und kam in das Haus; und sei­ne Jün­ger tra­ten zu ihm und spra­chen: deu­te uns das Gleich­nis vom Unkraut des Ackers. Er aber ant­wor­te­te und sprach: der den guten Samen sät, ist der Sohn des Men­schen, der Acker aber ist die Welt; der gute Same aber sind die Söh­ne des Rei­ches, das Unkraut aber sind die Söh­ne des Bösen; der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teu­fel; die Ern­te aber ist die Voll­endung des Zeit­al­ters, die Schnit­ter aber sind Engel. Wie nun das Unkraut zusam­men­ge­le­sen und im Feu­er ver­brannt wird, so wird es in der Voll­endung des Zeit­al­ters sein. Der Sohn des Men­schen wird sei­ne Engel aus­sen­den, und sie wer­den aus sei­nem Reich alle Ärger­nis­se zusam­men­le­sen und die, die Gesetz­lo­ses tun; und sie wer­den sie in den Feu­er­ofen wer­fen: da wird das Wei­nen und das Zäh­ne­knir­schen sein. Dann wer­den die Gerech­ten leuch­ten wie die Son­ne in dem Reich ihres Vaters. Wer Ohren hat, der höre! (Mat­thä­us 13,36–43)

Gemäß Vers 38 ist der Acker iden­tisch mit der Welt und nicht mit der Gemein­de. Die Gemein­de scheint als Licht in der Welt, des­halb kann sie nicht mit der Welt selbst iden­tisch sein! Eben dazu schreibt Pau­lus an die Gemein­de von Phil­ip­pi Folgendes:

… damit ihr tadel­los und lau­ter seid, unbe­schol­te­ne Kin­der Got­tes inmit­ten eines ver­dreh­ten und ver­kehr­ten Geschlechts, unter dem ihr leuch­tet wie Him­mels­lich­ter in der Welt, indem ihr das Wort des Lebens fest­hal­tet. (Phil­ip­per 2,15–16)

Jesus woll­te mit dem oben genann­ten Gleich­nis den Juden hel­fen, ihre Vor­stel­lung über den Mes­si­as zu kor­ri­gie­ren. Die­se erwar­te­ten vom Mes­si­as, dass er als glor­rei­cher König und gerech­ter Rich­ter han­deln wer­de: dass er sein Volk von den gott­lo­sen Unter­drü­ckern befreie und alle Bösen im Land aus­lö­sche. Jesus woll­te die­ses Den­ken berich­ti­gen: Er war nicht gekom­men, um als irdi­scher König zu regie­ren oder um Gericht zu hal­ten. Das Gericht wird am letz­ten Tag sein und bis dahin müs­sen Gute und Böse zusam­men in der Welt exis­tie­ren. Sein Reich ist ein geist­li­ches, das die Welt auf geist­li­che Wei­se über­wun­den hat:

Dies habe ich zu euch gere­det, damit ihr in mir Frie­den habt. In der Welt habt ihr Drang­sal; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt über­wun­den. (Johan­nes 16,33)

Wenn in Mat­thä­us 13,41 der Sohn des Men­schen die Bösen aus sei­nem Reich sam­melt, dann bezieht Jesus hier – wenn man die oben genann­ten Tat­sa­chen berück­sich­tigt – das Reich des Soh­nes des Men­schen nicht auf die Kir­che, son­dern auf die geschaf­fe­ne Welt. Jesus wird bei sei­nem zwei­ten Kom­men als Herr der gesam­ten Schöp­fung erschei­nen und die Herr­schaft über sie als Mes­si­as antreten:

Und der sie­ben­te Engel posaun­te; und es gescha­hen lau­te Stim­men im Him­mel, die spra­chen: Das Reich der Welt ist unse­res Herrn und sei­nes Chris­tus gewor­den, und er wird herr­schen von Ewig­keit zu Ewig­keit. (Offen­ba­rung 11,15)

In ähn­li­cher Wei­se bezieht sich auch das Gleich­nis vom Netz nicht auf die Gemeinde:

Wie­der­um gleicht das Reich der Him­mel einem Netz, das ins Meer gewor­fen wur­de und von jeder Gat­tung zusam­men­brach­te, das sie dann, als es voll war, ans Ufer her­auf­ge­zo­gen hat­ten; und sie setz­ten sich nie­der und lasen die Guten in Gefä­ße zusam­men, aber die Fau­len war­fen sie aus. So wird es in der Voll­endung des Zeit­al­ters sein: die Engel wer­den aus­ge­hen und die Bösen aus der Mit­te der Gerech­ten aus­son­dern und sie in den Feu­er­ofen wer­fen: da wird das Wei­nen und das Zäh­ne­knir­schen sein. (Mat­thä­us 13,47–50)

Aus dem, dass Jesus das König­reich der Him­mel mit dem Netz ver­gleicht, folgt nicht not­wen­di­ger­wei­se, dass mit dem Netz die Gemein­de gemeint ist. In ande­ren Gleich­nis­sen ver­gleicht er das Him­mel­reich mit einem König[8], einem Händ­ler[9] usw. Natür­lich denkt nie­mand, dass der König oder der Händ­ler die Gemein­de sym­bo­li­sie­ren sol­len. Jesus ver­wen­de­te den Aus­druck „Reich der Him­mel“, wenn er etwas bezüg­lich des König­rei­ches Got­tes erklä­ren woll­te. „Reich Got­tes“ (in Mat­thä­us: „Reich der Him­mel“) bedeu­te­te für die Juden das Reich des Mes­si­as. Jesus woll­te mit sol­chen Gleich­nis­sen haupt­säch­lich die irdi­schen Vor­stel­lun­gen dar­über korrigieren.

5 Wei­te­re häu­fig ver­wen­de­te Bibelstellen

5.1 Ein Haus mit ver­schie­de­nen Gefä­ßen (2. Timo­theus 2,16–21)

Die unhei­li­gen, lee­ren Geschwät­ze aber ver­mei­de; denn sie wer­den zu wei­te­rer Gott­lo­sig­keit fort­schrei­ten, und ihr Wort wird um sich fres­sen wie Krebs. Dazu gehö­ren Hymenä­us und Phi­le­tus, die von der Wahr­heit abge­irrt sind, indem sie sagen, dass die Auf­er­ste­hung schon gesche­hen sei, und den Glau­ben man­cher zer­stö­ren. Doch der fes­te Grund Got­tes steht und hat die­ses Sie­gel: Der Herr kennt, die sein sind; und: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, ste­he ab von der Unge­rech­tig­keit! In einem gro­ßen Haus aber sind nicht allein gol­de­ne und sil­ber­ne Gefä­ße, son­dern auch höl­zer­ne und irde­ne, und die einen zur Ehre, die ande­ren aber zur Uneh­re. Wenn nun jemand sich von die­sen rei­nigt, wird er ein Gefäß zur Ehre sein, gehei­ligt, nütz­lich dem Haus­herrn, zu jedem guten Werk bereitet.

Von Ver­tre­tern der Leh­re von der „unsicht­ba­ren Kir­che“ wird das Haus, das Pau­lus in Vers 20 erwähnt, mit der Kir­che iden­ti­fi­ziert und die Gefä­ße zur Ehre und zur Uneh­re wer­den fälsch­li­cher­wei­se auf die Gläu­bi­gen und Ungläu­bi­gen bezo­gen, die zusam­men in der Gemein­de seien.

Es ist rich­tig, das Haus auf die Kir­che zu bezie­hen, da es auch im Zusam­men­hang um das Leben der Gemein­de geht. Aller­dings bezie­hen sich die Gefä­ße zur Ehre und Uneh­re  nicht auf die gläu­bi­gen und ungläu­bi­gen Mit­glie­der der Gemein­de, son­dern ent­spre­chend des Zusam­men­hangs einer­seits auf die Brü­der und Schwes­tern, die im Glau­ben und in der Leh­re fest ste­hen, und ande­rer­seits auf die, die schwä­cher sind und leich­ter durch fal­sche Leh­rer beein­flusst wer­den kön­nen. Es gab gnos­ti­sche Irr­leh­rer, von denen man sich klar fern­hal­ten soll­te, da ihre Leh­re wie Krebs um sich fraß und sie bereits den Glau­ben von vie­len durch­ein­an­der­ge­bracht hat­ten. Des­halb bezieht sich „von die­sen“ nicht auf Gefä­ße der Uneh­re, son­dern auf die fal­schen Leh­ren und Leh­rer. Die Gefä­ße zur Uneh­re haben viel­leicht begon­nen, sich von den gnos­ti­schen Ver­füh­rern beein­flus­sen zu las­sen, aber wenn sie sich von ihnen abson­dern, wer­den sie „ein Gefäß zur Ehre sein, gehei­ligt, nütz­lich dem Haus­herrn, zu jedem guten Werk bereitet“.

5.2 In Unwis­sen­heit über Gott (1. Korin­ther 15,34)

Wer­det recht­schaf­fen nüch­tern und sün­digt nicht, denn man­che sind in Unwis­sen­heit über Gott; zur Beschä­mung sage ich es euch.

Im Zusam­men­hang die­ses Ver­ses geht es um das rich­ti­ge Ver­ständ­nis von der Auf­er­ste­hung. Eini­ge Chris­ten in Korinth, die von den grie­chi­schen Jen­seits­vor­stel­lun­gen beein­flusst waren, wur­den unsi­cher, was mit ihrem Leib nach dem Tod gesche­hen wür­de. Sie began­nen, die Auf­er­ste­hung des Lei­bes anzu­zwei­feln. Im All­ge­mei­nen glaub­ten die Grie­chen zwar an die Unsterb­lich­keit der See­le, aber die leib­li­che Auf­er­ste­hung war für sie unvor­stell­bar. Hier erklärt Pau­lus einer­seits sehr gründ­lich die rich­ti­ge Vor­stel­lung von der Auf­er­ste­hung, ande­rer­seits aber ermahnt er die­je­ni­gen in der Gemein­de, die dar­an zwei­fel­ten, weil sie dadurch Got­tes Kraft in Fra­ge stell­ten, mit der er uns vom Tod zum Leben erweckt. Dass man­che in Unwis­sen­heit über Gott sind, bedeu­tet nicht, dass sie ungläu­big und damit kei­ne Chris­ten sei­en, son­dern dass sie Got­tes Kraft nicht wirk­lich anneh­men, wenn sie mei­nen, dass es für Gott zu schwie­rig wäre, unse­re ver­gäng­li­chen Lei­ber zum Leben zu erwe­cken. Schon am Anfang des Brie­fes kön­nen wir sehen, dass er alle als Hei­li­ge sieht:

… an die Gemein­de Got­tes, die in Korinth ist, den Gehei­lig­ten in Chris­tus Jesus, den beru­fe­nen Hei­li­gen, samt allen, die an jedem Ort den Namen unse­res Herrn Jesus Chris­tus anru­fen, ihres und unse­res Herrn. (1. Korin­ther 1,2)

5.3 Gleich­nis von den zehn Jung­frau­en (Mat­thä­us 25,1–13)

Dann wird es mit dem Reich der Him­mel sein wie mit zehn Jung­frau­en, die ihre Lam­pen nah­men und aus­gin­gen, dem Bräu­ti­gam ent­ge­gen. Fünf aber von ihnen waren klug und fünf töricht. Die, wel­che töricht waren, nah­men ihre Lam­pen und nah­men kein Öl mit sich; die Klu­gen aber nah­men Öl in ihren Gefä­ßen samt ihren Lam­pen. Als aber der Bräu­ti­gam auf sich war­ten ließ, wur­den sie alle schläf­rig und schlie­fen ein. Um Mit­ter­nacht aber ent­stand ein Geschrei: Sie­he, der Bräu­ti­gam! Geht aus, ihm ent­ge­gen! Da stan­den alle jene Jung­frau­en auf und schmück­ten ihre Lam­pen. Die Törich­ten aber spra­chen zu den Klu­gen: Gebt uns von eurem Öl, denn unse­re Lam­pen erlö­schen. Die Klu­gen aber ant­wor­te­ten und sag­ten: Nein, damit es nicht etwa für uns und euch nicht aus­rei­che; geht lie­ber hin zu den Ver­käu­fern und kauft für euch selbst. Als sie aber hin gin­gen, zu kau­fen, kam der Bräu­ti­gam, und die bereit waren, gin­gen mit ihm ein zur Hoch­zeit; und die Tür wur­de ver­schlos­sen. Spä­ter aber kom­men auch die übri­gen Jung­frau­en und sagen: Herr, Herr, tue uns auf! Er aber ant­wor­te­te und sprach: Wahr­lich, ich sage euch, ich ken­ne euch nicht. So wacht nun, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Die­ses Gleich­nis ist eine Mah­nung für die Gläu­bi­gen, dass sie bis zum Ende aus­har­ren und sogar für eine län­ge­re War­te­zeit – bis Jesus wie­der­kommt – vor­be­rei­tet sein müs­sen. Den Gläu­bi­gen, die nicht bis zum Ende aus­har­ren (die nicht aus­rei­chend Öl haben), wird der Ein­tritt in das himm­li­sche Reich (die Hoch­zeit) nicht gewährt wer­den. Wenn sich jemand ent­schei­det, Jesus zu fol­gen, und somit ein Glied am Leib Chris­ti wird, jedoch spä­ter sei­nen Glau­ben auf­gibt, wird er sein ewi­ges Leben ver­lie­ren.[10] Wir soll­ten uns immer der Gren­zen eines Gleich­nis­ses bewusst sein. Jesus woll­te zur Beharr­lich­keit ermun­tern und dazu, immer auf sein Kom­men vor­be­rei­tet zu sein, also nicht wie die törich­ten Jung­frau­en zu han­deln. Es geht hier nicht um eine Beschrei­bung des Gemein­de­le­bens (sonst wäre z. B. die Fra­ge berech­tigt, war­um die Klu­gen den Törich­ten nicht schon vor­her gehol­fen haben) noch um eine Vor­her­sa­ge, dass es ca. 50 % Schein­chris­ten in der Gemein­de geben wird. Das Gleich­nis kann also nicht als Argu­ment gegen die Not­wen­dig­keit der Tren­nung zwi­schen Gläu­bi­gen und Ungläu­bi­gen ver­wen­det werden.

5.4 Zwei Schaf­her­den (Johan­nes 10,14–16)

Ich bin der gute Hir­te; und ich ken­ne die Mei­nen und bin gekannt von den Mei­nen, wie der Vater mich kennt und ich den Vater ken­ne; und ich las­se mein Leben für die Scha­fe. Und ich habe ande­re Scha­fe, die nicht aus die­sem Hof sind; auch die­se muss ich brin­gen, und sie wer­den mei­ne Stim­me hören, und es wird eine Her­de, ein Hir­te sein.

Jesus spricht über die eine Her­de in der Zeit­form der Zukunft. Das ist der Grund, war­um vie­le Men­schen unter der Her­de die Gläu­bi­gen ver­ste­hen, die Jesus aus ver­schie­de­nen sicht­ba­ren christ­li­chen Glau­bens­ge­mein­schaf­ten am letz­ten Tag zusam­men­sam­meln wird: Dann wer­den die Gläu­bi­gen, die in vie­len ver­schie­den Her­den ver­streut sind, in einer Her­de ver­eint. Aber war­um soll­ten wir die­ses zukünf­ti­ge Ereig­nis auf die Wie­der­kunft bezie­hen? Es kann jedes ande­re spä­te­re Ereig­nis mei­nen. Jesus spricht über die einen, die „aus die­sem Schaf­stall“ sind, und die ande­ren, die nicht dar­aus sind. Aus dem ers­ten Schaf­stall hat er bereits die Scha­fe geru­fen und die ande­ren Scha­fe wird er spä­ter rufen. Jene Scha­fe, die auf die Stim­me des guten Hir­ten hören, wer­den eine Her­de bil­den. In Vers 16 ver­wen­det er das spe­zi­el­le Demons­tra­tiv­pro­no­men „die­ser“: „aus die­sem Schaf­stall“. Die­ser Schaf­stall muss Isra­el sym­bo­li­sie­ren, da Jesus die Söh­ne Isra­els wäh­rend sei­nes irdi­schen Diens­tes geru­fen hat.

Die­se zwölf sand­te Jesus aus und befahl ihnen und sprach: Geht nicht auf einen Weg der Natio­nen, und geht nicht in eine Stadt der Sama­ri­ter; geht aber viel­mehr zu den ver­lo­re­nen Scha­fen des Hau­ses Isra­el. Wenn ihr aber hin­geht, pre­digt und sprecht: Das Reich der Him­mel ist nahe gekom­men. (Mat­thä­us 10,5–7)

Jesus woll­te mit sei­ner Aus­sa­ge über die „ande­ren Scha­fe“ dar­auf hin­wei­sen, dass es auch Men­schen unter den Hei­den gab, die sei­nem Ruf fol­gen wür­den. Eini­ge Jah­re spä­ter konn­ten die Jün­ger die­ses gro­ße Ereig­nis der Ver­ei­ni­gung von Juden und Hei­den tat­säch­lich in der Gemein­de erle­ben. Die­se Erfah­rung ist von Pau­lus im Brief an die Ephe­ser zusammengefasst:

Des­halb denkt dar­an, dass ihr, einst [aus den] Natio­nen dem Fleisch nach – ‚Unbe­schnit­te­ne‘ genannt von der soge­nann­ten ‚Beschnei­dung‘, die im Fleisch mit Hän­den geschieht –, zu jener Zeit ohne Chris­tus wart, aus­ge­schlos­sen vom Bür­ger­recht Isra­els und Fremd­lin­ge hin­sicht­lich der Bünd­nis­se der Ver­hei­ßung; und ihr hat­tet kei­ne Hoff­nung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber, in Chris­tus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Chris­tus nahe gewor­den. Denn er ist unser Frie­de. Er hat aus bei­den eins gemacht und die Zwi­schen­wand der Umzäu­nung abge­bro­chen. In sei­nem Fleisch hat er die Feind­schaft, das Gesetz der Gebo­te in Sat­zun­gen, besei­tigt, um die zwei – Frie­den stif­tend – in sich selbst zu einem neu­en Men­schen zu schaf­fen und die bei­den in einem Leib mit Gott zu ver­söh­nen durch das Kreuz, durch das er die Feind­schaft getö­tet hat. Und er kam und hat Frie­den ver­kün­digt euch, den Fer­nen, und Frie­den den Nahen. Denn durch ihn haben wir bei­de durch einen Geist den Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Frem­de und Nicht­bür­ger, son­dern ihr seid Mit­bür­ger der Hei­li­gen und Got­tes Haus­ge­nos­sen. (Ephe­ser 2,11–19)

Folg­lich hat die Ver­ei­ni­gung der Scha­fe der bei­den Schaf­stäl­le bereits zu jener Zeit im ers­ten Jahr­hun­dert statt­ge­fun­den, als Juden‐ und Hei­den­chris­ten in der Gemein­de zu einer Her­de zusam­men­ge­fügt wurden.

6 Zusam­men­fas­sung

Die Leh­re von der „unsicht­ba­ren Kir­che“ kommt in der Bibel nicht vor. Auch wenn es Unter­schie­de unter den Glie­dern der christ­li­chen Kir­che in Bezug auf Rei­fe im Glau­ben oder Gehor­sam gibt, so sind doch in einem Punkt alle Glie­der gleich: Jedes hat eine Bezie­hung mit dem Haupt, Chris­tus (1. Korin­ther 12,12–27; Ephe­ser 4,15–16). Die Kir­che wird von der Welt gesehen:

Ein neu­es Gebot gebe ich euch, dass ihr ein­an­der liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr ein­an­der liebt. Dar­an wer­den alle erken­nen, dass ihr mei­ne Jün­ger seid, wenn ihr Lie­be unter­ein­an­der habt. (Johan­nes 13,34–35)

… – ich in ihnen und du in mir –, dass sie in eins voll­endet sei­en, damit die Welt erken­ne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast. (Johan­nes 17,23)

Es muss für die Welt mög­lich sein, die Gemein­de zu erken­nen. Die Gemein­schaft der Chris­ten muss sich die­ser Ver­ant­wor­tung immer bewusst sein. Eine „Gemein­de“, die als ein „gemisch­ter Leib“ lebt, ist nicht der Leib Chris­ti und erfüllt nicht die Pflicht, die Jesus sei­ner Kir­che anver­traut hat. Chris­ten leben in tie­fer Gemein­schaft mit­ein­an­der, die ihre Grund­la­ge in der Leh­re Jesu hat. Nur auf die­se Wei­se kann ihr Zeug­nis für die Lie­be, Rein­heit und Hei­lig­keit Chris­ti glaub­wür­dig vor der Welt sein.

Wenn es nur dar­auf ankommt, ob man glaubt und zur unsicht­ba­ren „Kir­che“ der ein­zel­nen Gläu­bi­gen gehört, die über alle Kon­fes­sio­nen ver­streut sind, dann wäre es egal, zu wel­cher Grup­pie­rung man gehört oder ob man über­haupt zu einer gehört. Auf die­se Wei­se ist das, was Jesus im Hin­blick auf die Kir­che gesagt hat, näm­lich brü­der­li­che Lie­be, gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung und Ein­heit als Zeug­nis für die Welt, unmög­lich umzu­set­zen. Men­schen wer­den auch gleich­gül­tig dem gegen­über, die Kir­che vor Sün­de und unbi­bli­schen Leh­ren zu schüt­zen. Das, wor­um die ers­ten Chris­ten gekämpft haben, hat dann kei­ne Bedeu­tung mehr.

Ist die Kir­che aber nicht nur dann der Leib Jesu, wenn sie auf das hört, was ER gesagt hat?

Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht ver­bor­gen sein. (Mat­thä­us 5,14)


Fußnoten

  1. „Gemein­de“ und „Kir­che“ sind zwei Über­set­zungs­va­ri­an­ten des glei­chen grie­chi­schen Wor­tes ekkle­sia. Wir ver­wen­den sie austauschbar.
  2. Der bekann­te Refor­ma­tor Cal­vin hat die Leh­re der unsicht­ba­ren Kir­che so for­mu­liert: „Wir sag­ten näm­lich, dass die hei­li­ge Schrift über die Kir­che in zwei­fa­cher Wei­se spricht. (1) Wenn sie von der Kir­che redet, so ver­steht sie dar­un­ter zuwei­len jene Kir­che, die in Wahr­heit vor Gott Kir­che ist, jene Kir­che, in wel­che nur die auf­ge­nom­men wer­den, die durch die Gna­de der Auf­nah­me in die Kind­schaft Got­tes Kin­der und die durch die Hei­li­gung des Geis­tes wah­re Glie­der Chris­ti sind. Und zwar umfasst die Kir­che dann nicht allein die Hei­li­gen, die auf Erden woh­nen, son­dern alle Aus­er­wähl­ten, die seit Anbe­ginn der Welt gewe­sen sind. (2) Oft aber bezeich­net die Schrift mit dem Aus­druck „Kir­che“ die gesam­te, in der Welt ver­streu­te Schar der Men­schen, die da bekennt, dass sie den einen Gott und Chris­tus ver­ehrt, die durch die Tau­fe in den Glau­ben an ihn ein­ge­wie­sen wird, durch die Teil­nah­me am Abend­mahl ihre Ein­heit in der wah­ren Leh­re und der Lie­be bezeugt, ein­hel­lig ist im Wor­te des Herrn und zu des­sen Pre­digt das von Chris­tus ein­ge­setz­te Amt auf­recht­erhält. Unter die­se Schar sind nun aber sehr vie­le Heuch­ler gemischt, die von Chris­tus nichts haben als den Namen und den Anschein, dazu auch sehr vie­le Ehr­süch­ti­ge, Gei­zi­ge, Nei­di­sche, sehr vie­le Läs­te­rer, auch Leu­te von unsau­be­rem Lebens­wan­del, die eine Zeit­lang ertra­gen wer­den, ent­we­der, weil man sie nicht mit recht­mä­ßi­gem Urteil über­füh­ren kann, oder weil auch nicht immer jene Stren­ge der Zucht herrscht, die eigent­lich sein soll­te. Eben­so also, wie es für uns von­nö­ten ist, jene unsicht­ba­re, allein für Got­tes Augen wahr­nehm­ba­re Kir­che zu glau­ben, wird es uns auch auf­ge­tra­gen, die­se Kir­che, die im Blick auf die Anschau­ung der Men­schen Kir­che heißt, hoch­zu­hal­ten und die Gemein­schaft mit ihr zu pfle­gen.“ – Cal­vin Jean, Unter­richt in der christ­li­chen Reli­gi­on, IV, 1, 7.
  3. Wei­te­re Gedan­ken zum gegen­sei­ti­gen Hel­fen fin­dest du in unse­rem Arti­kel über das Rich­ten und Beur­tei­len.
  4. „ …zum Ver­der­ben des Flei­sches, damit der Geist erret­tet wer­de am Tage des HERRN“ (1. Korin­ther 5,5)
  5. Ähn­lich wer­den die Emp­fän­ger auch in ande­ren Brie­fen ange­spro­chen: Römer 1,1–7; Phil­ip­per 1,1; Kolos­ser 1,1–4; 2. Petrus 1,1–4.
  6. Sie­he auch die Pfingst­pre­digt des Petrus: Apos­tel­ge­schich­te 2,40: „Lasst euch erret­ten aus die­sem ver­kehr­ten Geschlecht.“
  7. Die Dona­tis­ten – ihr Name lei­tet sich von ihrem Füh­rer Dona­tus, Bischof von Kar­tha­go, ab – hiel­ten dar­an fest, dass die Kir­che eine Kir­che der „Hei­li­gen“, nicht der „Sün­der“ sein soll und dass Sakra­men­te wie die Tau­fe, die von Bischö­fen gespen­det wur­den, die den Glau­ben wäh­rend der Chris­ten­ver­fol­gung durch den Römi­schen Kai­ser Dio­kle­ti­an ver­leug­net haben, ungül­tig sei­en. Augus­ti­nus wider­sprach die­ser Lehr­mei­nung und war ihr glü­hen­der Geg­ner. Hier ist ein Aus­zug aus einem sei­ner Wer­ke: „Am meis­ten aber muss ein jeder sich in acht neh­men, dass er nicht durch Men­schen ver­sucht und irre­ge­lei­tet wird, die sich inner­halb der katho­li­schen Kir­che befin­den, durch Leu­te, wel­che die Kir­che gleich der Spreu bei sich dul­det bis zum Zeit­punkt des Wor­felns, wo Spreu und Wei­zen getrennt wer­den. … Du wirst also Trin­kern in gro­ßer Zahl begeg­nen, Hab­gie­ri­gen, Betrü­gern, Glücks­spie­lern, Ehe­bre­chern, Unzüch­ti­gen, Trä­gern von gott­lo­sen Amu­let­ten, Men­schen, die sich Zau­be­rern, Stern­deu­tern und sons­ti­gen Ver­tre­tern ruch­lo­ser Wahr­sa­ge­küns­te aus­ge­lie­fert haben. Du wirst auch fest­stel­len, dass die­sel­ben Mas­sen an den Fei­er­ta­gen der Chris­ten die Kir­chen fül­len, die an den Fest­ta­gen der Hei­den die Thea­ter fül­len. Und wenn du dies sehen wirst, wirst du ver­sucht sein, sie nach­zu­ah­men. Doch was sage ich »wenn du dies sehen wirst«, denn dies alles ist dir natür­lich schon jetzt bekannt. Du weißt ja ganz genau, dass vie­le, die man Chris­ten nennt, all die­se Übel­ta­ten, die ich kurz erwähnt habe, wirk­lich bege­hen. Und es ist dir eben­so bekannt, dass Men­schen, von denen du weißt, dass sie Chris­ten genannt wer­den, viel­leicht noch um eini­ges schlim­me­re Taten bege­hen. (Augus­ti­nus, De cate­chi­zan­dis rudi­bus / Vom ers­ten kate­che­ti­schen Unter­richt, 2. Teil, Kap. 25, Abschnitt 48; über­setzt von Wer­ner Stein­mann, bear­bei­tet von Otto Wer­me­lin­ger (Wer­ke der Kir­chen­vä­ter 7), Mün­chen 1985, 13–94. 1985).
  8. Mat­thä­us 18,23.
  9. Mat­thä­us 13,45–46.
  10. Sie­he dazu z. B. Hebrä­er 6,4–8 und 10,24–31 und wei­te­re Bibel­stel­len, die in unse­rem Arti­kel über den Abfall vom Glau­ben erwähnt sind.


„Gemein­de“ und „Kir­che“ sind zwei Über­set­zungs­va­ri­an­ten des glei­chen grie­chi­schen Wor­tes ekkle­sia. Wir ver­wen­den sie austauschbar.

Der bekann­te Refor­ma­tor Cal­vin hat die Leh­re der unsicht­ba­ren Kir­che so for­mu­liert: „Wir sag­ten näm­lich, dass die hei­li­ge Schrift über die Kir­che in zwei­fa­cher Wei­se spricht. (1) Wenn sie von der Kir­che redet, so ver­steht sie dar­un­ter zuwei­len jene Kir­che, die in Wahr­heit vor Gott Kir­che ist, jene Kir­che, in wel­che nur die auf­ge­nom­men wer­den, die durch die Gna­de der Auf­nah­me in die Kind­schaft Got­tes Kin­der und die durch die Hei­li­gung des Geis­tes wah­re Glie­der Chris­ti sind. Und zwar umfasst die Kir­che dann nicht allein die Hei­li­gen, die auf Erden woh­nen, son­dern alle Aus­er­wähl­ten, die seit Anbe­ginn der Welt gewe­sen sind. (2) Oft aber bezeich­net die Schrift mit dem Aus­druck „Kir­che“ die gesam­te, in der Welt ver­streu­te Schar der Men­schen, die da bekennt, dass sie den einen Gott und Chris­tus ver­ehrt, die durch die Tau­fe in den Glau­ben an ihn ein­ge­wie­sen wird, durch die Teil­nah­me am Abend­mahl ihre Ein­heit in der wah­ren Leh­re und der Lie­be bezeugt, ein­hel­lig ist im Wor­te des Herrn und zu des­sen Pre­digt das von Chris­tus ein­ge­setz­te Amt auf­recht­erhält. Unter die­se Schar sind nun aber sehr vie­le Heuch­ler gemischt, die von Chris­tus nichts haben als den Namen und den Anschein, dazu auch sehr vie­le Ehr­süch­ti­ge, Gei­zi­ge, Nei­di­sche, sehr vie­le Läs­te­rer, auch Leu­te von unsau­be­rem Lebens­wan­del, die eine Zeit­lang ertra­gen wer­den, ent­we­der, weil man sie nicht mit recht­mä­ßi­gem Urteil über­füh­ren kann, oder weil auch nicht immer jene Stren­ge der Zucht herrscht, die eigent­lich sein sollte.
Eben­so also, wie es für uns von­nö­ten ist, jene unsicht­ba­re, allein für Got­tes Augen wahr­nehm­ba­re Kir­che zu glau­ben, wird es uns auch auf­ge­tra­gen, die­se Kir­che, die im Blick auf die Anschau­ung der Men­schen Kir­che heißt, hoch­zu­hal­ten und die Gemein­schaft mit ihr zu pfle­gen.“ – Cal­vin Jean, Unter­richt in der christ­li­chen Reli­gi­on, IV, 1, 7.

Wei­te­re Gedan­ken zum gegen­sei­ti­gen Hel­fen fin­dest du in unse­rem Arti­kel über das Rich­ten und Beur­tei­len.

„ …zum Ver­der­ben des Flei­sches, damit der Geist erret­tet wer­de am Tage des HERRN“ (1. Korin­ther 5,5)

Ähn­lich wer­den die Emp­fän­ger auch in ande­ren Brie­fen ange­spro­chen: Römer 1,1–7; Phil­ip­per 1,1; Kolos­ser 1,1–4; 2. Petrus 1,1–4.

Sie­he auch die Pfingst­pre­digt des Petrus: Apos­tel­ge­schich­te 2,40: „Lasst euch erret­ten aus die­sem ver­kehr­ten Geschlecht.“

Die Dona­tis­ten – ihr Name lei­tet sich von ihrem Füh­rer Dona­tus, Bischof von Kar­tha­go, ab – hiel­ten dar­an fest, dass die Kir­che eine Kir­che der „Hei­li­gen“, nicht der „Sün­der“ sein soll und dass Sakra­men­te wie die Tau­fe, die von Bischö­fen gespen­det wur­den, die den Glau­ben wäh­rend der Chris­ten­ver­fol­gung durch den Römi­schen Kai­ser Dio­kle­ti­an ver­leug­net haben, ungül­tig sei­en. Augus­ti­nus wider­sprach die­ser Lehr­mei­nung und war ihr glü­hen­der Geg­ner. Hier ist ein Aus­zug aus einem sei­ner Wer­ke: „Am meis­ten aber muss ein jeder sich in acht neh­men, dass er nicht durch Men­schen ver­sucht und irre­ge­lei­tet wird, die sich inner­halb der katho­li­schen Kir­che befin­den, durch Leu­te, wel­che die Kir­che gleich der Spreu bei sich dul­det bis zum Zeit­punkt des Wor­felns, wo Spreu und Wei­zen getrennt wer­den. … Du wirst also Trin­kern in gro­ßer Zahl begeg­nen, Hab­gie­ri­gen, Betrü­gern, Glücks­spie­lern, Ehe­bre­chern, Unzüch­ti­gen, Trä­gern von gott­lo­sen Amu­let­ten, Men­schen, die sich Zau­be­rern, Stern­deu­tern und sons­ti­gen Ver­tre­tern ruch­lo­ser Wahr­sa­ge­küns­te aus­ge­lie­fert haben. Du wirst auch fest­stel­len, dass die­sel­ben Mas­sen an den Fei­er­ta­gen der Chris­ten die Kir­chen fül­len, die an den Fest­ta­gen der Hei­den die Thea­ter fül­len. Und wenn du dies sehen wirst, wirst du ver­sucht sein, sie nach­zu­ah­men. Doch was sage ich »wenn du dies sehen wirst«, denn dies alles ist dir natür­lich schon jetzt bekannt. Du weißt ja ganz genau, dass vie­le, die man Chris­ten nennt, all die­se Übel­ta­ten, die ich kurz erwähnt habe, wirk­lich bege­hen. Und es ist dir eben­so bekannt, dass Men­schen, von denen du weißt, dass sie Chris­ten genannt wer­den, viel­leicht noch um eini­ges schlim­me­re Taten bege­hen. (Augus­ti­nus, De cate­chi­zan­dis rudi­bus / Vom ers­ten kate­che­ti­schen Unter­richt, 2. Teil, Kap. 25, Abschnitt 48; über­setzt von Wer­ner Stein­mann, bear­bei­tet von Otto Wer­me­lin­ger (Wer­ke der Kir­chen­vä­ter 7), Mün­chen 1985, 13–94. 1985).

Mat­thä­us 18,23.

Mat­thä­us 13,45–46.

Sie­he dazu z. B. Hebrä­er 6,4–8 und 10,24–31 und wei­te­re Bibel­stel­len, die in unse­rem Arti­kel über den Abfall vom Glau­ben erwähnt sind.