Ehe und Ehelosigkeit

Themenbereiche: Ehe, Scheidung und Reinheit

In die­sem Text möch­ten wir beschrei­ben, wie Gott sich die Bezie­hung zwi­schen Mann und Frau gedacht hat, und stel­len es dem ent­ar­te­ten Gebrauch der Sexua­li­tät in der heu­ti­gen Zeit gegen­über. Wir möch­ten auf den Wert der Ehe­lo­sig­keit um des Him­mel­rei­ches wil­len auf­merk­sam machen und zei­gen, was die Bibel über das Mit­ein­an­der von ver­hei­ra­te­ten und ledi­gen Men­schen in der christ­li­chen Gemein­de auf Grund­la­ge der Bru­der­lie­be sagt, die die Lie­be zwi­schen Mann und Frau übersteigt.

Goldene Eheringe symbolisieren eheliche Treue.

1 Ein­füh­ren­de Gedan­ken zum Wert der Ehelosigkeit

Im fol­gen­den Text möch­ten wir ein The­ma auf­grei­fen, das für das per­sön­li­che Leben eines Men­schen von weit­rei­chen­der Bedeu­tung ist. Für fast alle Men­schen ist es selbst­ver­ständ­lich, eine Part­ner­schaft ein­zu­ge­hen oder ein­ge­hen zu wol­len. Oft­mals sind dar­an gro­ße Erwar­tun­gen geknüpft. Dem­entspre­chend sind auch Ent­täu­schun­gen nicht sel­ten und zie­hen vie­le Men­schen in tie­fe Lebens­kri­sen, auch in reli­giö­sen Kreisen.

Im Unter­schied dazu gibt es fast nie­man­den, der sich frei­wil­lig und bewusst dafür ent­schei­det, auf Part­ner­schaft, Sexua­li­tät und Fami­li­en­le­ben zu ver­zich­ten und sein Leben einem ande­ren Ziel zu wid­men. Dem Neu­en Tes­ta­ment aller­dings ist die­ser Gedan­ke nicht fremd. Jesus und Pau­lus spre­chen davon. Auch aus den Schrif­ten des frü­hen Chris­ten­tums wis­sen wir, dass es nicht sel­ten war, dass Men­schen um Got­tes wil­len die Ent­schei­dung zur Ehe­lo­sig­keit getrof­fen haben.

Wir haben uns Gedan­ken gemacht, wel­chen Wert, wel­che Bedeu­tung sowohl die Ehe als auch die Ehe­lo­sig­keit in den Augen Got­tes haben, und was die Bibel dazu sagt. Wir rich­ten uns ins­be­son­de­re an Leser mit christ­li­chem Hin­ter­grund, da wir gern das Bewusst­sein dafür wecken möch­ten, dass die Hei­li­ge Schrift nicht nur von Ehe spricht, son­dern auch der Wert der Ehe­lo­sig­keit um des Rei­ches Got­tes wil­len eine Rea­li­tät in der Bibel ist, die lei­der oft über­le­sen wird.

Wir wol­len an die­ser Stel­le klar­stel­len, dass die Ent­schei­dung eines Chris­ten zur Ehe­lo­sig­keit nicht mit dem katho­li­schen Zöli­bat ver­wech­selt wer­den darf, zu dem sich Pries­ter und Ordens­leu­te ver­pflich­ten und das von der römisch‐katholischen Kir­che unbe­dingt gefor­dert ist, wenn man die­se soge­nann­ten geist­li­chen Beru­fe aus­üben will. Mehr dazu spä­ter im Text.

Wir sind uns des­sen bewusst, dass die­ses The­ma sehr umfas­send ist und wir uns nur auf das Wesent­li­che beschrän­ken kön­nen. Über tie­fer gehen­des Inter­es­se freu­en wir uns und möch­ten gern Gedan­ken, die wir hier nur anschnei­den konn­ten, im per­sön­li­chen Kon­takt genau­er erklären.

2 Ein Leben in der Nach­fol­ge Jesu

Jesus hat Men­schen ver­schie­de­nen Stan­des in sei­ne Nach­fol­ge geru­fen. Von Petrus z. B. wis­sen wir, dass er ver­hei­ra­tet war (Mar­kus 1,29–31). Ande­re, wie ver­mut­lich der Apos­tel Johan­nes, waren noch jung und daher ledig, als Jesus sie rief.

Ganz gleich, wie die per­sön­li­che Situa­ti­on des Ein­zel­nen war, an alle hat Jesus den glei­chen Anspruch gestellt:

Es gin­gen aber gro­ße Volks­men­gen mit ihm; und er wand­te sich um und sprach zu ihnen: Wenn jemand zu mir kommt und hasst[1] nicht sei­nen Vater und die Mut­ter und die Frau und die Kin­der und die Brü­der und die Schwes­tern, dazu aber auch sein eige­nes Leben, so kann er nicht mein Jün­ger sein; und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nach­kommt, kann nicht mein Jün­ger sein … So kann nun kei­ner von euch, der nicht allem ent­sagt, was er hat, mein Jün­ger sein. (Lukas 14,25–27.33)

Lukas schließt die­se Wor­te Jesu an das Gleich­nis vom gro­ßen Gast­mahl an:

Er (Jesus) aber sprach zu ihm: Ein Mensch mach­te ein gro­ßes Gast­mahl und lud vie­le ein. Und er sand­te sei­nen Knecht zur Stun­de des Gast­mahls, um den Ein­ge­la­de­nen zu sagen: Kommt! Denn schon ist alles bereit. Und sie fin­gen alle ohne Aus­nah­me an, sich zu ent­schul­di­gen. Der ers­te sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss unbe­dingt hin­aus­ge­hen und ihn bese­hen; ich bit­te dich, hal­te mich für ent­schul­digt. Und ein ande­rer sprach: Ich habe fünf Joch Och­sen gekauft, und ich gehe hin, sie zu erpro­ben; ich bit­te dich, hal­te mich für ent­schul­digt. Und ein ande­rer sprach: Ich habe eine Frau gehei­ra­tet, und dar­um kann ich nicht kom­men. Und der Knecht kam her­bei und berich­te­te dies sei­nem Herrn. Da wur­de der Haus­herr zor­nig und sprach zu sei­nem Knecht: Geh schnell hin­aus auf die Stra­ßen und Gas­sen der Stadt und brin­ge die Armen und Krüp­pel und Blin­den und Lah­men hier her­ein! Und der Knecht sprach: Herr, es ist gesche­hen, wie du befoh­len hast, und es ist noch Raum. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hin­aus auf die Wege und an die Zäu­ne und nöti­ge sie her­ein­zu­kom­men, dass mein Haus voll wer­de! Denn ich sage euch, dass nicht einer jener Män­ner, die ein­ge­la­den waren, mein Gast­mahl schme­cken wird. (Lukas 14,16–24)

Jesus führt ver­schie­de­ne Bei­spie­le dafür an, war­um Men­schen nicht bereit sind, Got­tes Ein­la­dung zu fol­gen. Auch die Hei­rat, die part­ner­schaft­li­che Bezie­hung, wird hier mit genannt. Jesus zeigt, dass selbst Ehe und Fami­lie der Nach­fol­ge unter­ge­ord­net wer­den müssen.

Die Apos­tel sind wäh­rend der Zeit des öffent­li­chen Wir­kens Jesu mit ihm umher­ge­zo­gen. Von Anfang an lern­ten sie am Vor­bild des Lebens ihres Meis­ters die Bereit­schaft, ihr pri­va­tes Leben hin­ter den Dienst für das Reich Got­tes zurück­zu­stel­len. Ohne die­se Bereit­schaft wären sie der Nach­fol­ge Jesu nicht wür­dig gewe­sen. Wir kön­nen von ihnen die rich­ti­gen Prio­ri­tä­ten ler­nen: Das Wich­tigs­te im Leben ist Gott und die Din­ge, die Got­tes Reich betref­fen, die von ewi­gem Wert sind. Alles ande­re, Ehe, Fami­lie, Berufs­le­ben, gehört zu die­ser ver­gäng­li­chen Welt. Auch wenn die­se Din­ge an sich gut sind, machen sie doch nicht das Leben aus, son­dern sol­len ihren unter­ge­ord­ne­ten Platz ein­neh­men, weil sie nicht von ewi­ger Dau­er sind.

Auch aus einer Aus­ein­an­der­set­zung Jesu mit den Sad­du­zä­ern wird das deutlich:

An jenem Tag kamen Sad­du­zä­er zu ihm, die da sagen, es gebe kei­ne Auf­er­ste­hung; und sie frag­ten ihn und spra­chen: Leh­rer, Mose hat gesagt: Wenn jemand stirbt und kei­ne Kin­der hat, so soll sein Bru­der sei­ne Frau hei­ra­ten und soll sei­nem Bru­der Nach­kom­men­schaft erwe­cken. Es waren aber bei uns sie­ben Brü­der. Und der ers­te ver­hei­ra­te­te sich und starb; und weil er kei­nen Nach­kom­men hat­te, hin­ter­ließ er sei­ne Frau sei­nem Bru­der. Eben­so auch der zwei­te und der drit­te, bis auf den sieb­ten. Zuletzt aber von allen starb auch die Frau. Wes­sen Frau von den sie­ben wird sie nun in der Auf­er­ste­hung sein? Denn alle hat­ten sie. Jesus aber ant­wor­te­te und sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr die Schrif­ten nicht kennt, noch die Kraft Got­tes; denn in der Auf­er­ste­hung hei­ra­ten sie nicht, noch wer­den sie ver­hei­ra­tet, son­dern sie sind wie Engel Got­tes im Him­mel. Was aber die Auf­er­ste­hung der Toten betrifft: Habt ihr nicht gele­sen, was zu euch gere­det ist von Gott, der da spricht: „Ich bin der Gott Abra­hams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Gott ist nicht ein Gott der Toten, son­dern der Leben­den.“ (Mat­thä­us 22,23 ff.)

Offen­sicht­lich gibt es im Him­mel kei­ne beson­de­re Bezie­hung zwi­schen Ehe­part­nern, sonst hät­te Jesus den Sad­du­zä­ern in ihrem „Pro­blem“ recht geben müssen.

Wenn also die Ehe eine Ein­rich­tung nur für die­se Welt ist, dür­fen wir dar­in nicht unser Lebens­glück suchen. Es gibt ein viel höhe­res Ziel – das der ewi­gen Gemein­schaft mit Gott. Dort spielt die ehe­li­che Bezie­hung kei­ne Rol­le mehr. Die Lie­be zu Gott erfüllt die Bezie­hun­gen zu allen Men­schen, mit denen man in der Ewig­keit Gemein­schaft hat, in glei­cher Wei­se. Zu die­sem Ziel kann ich gelan­gen, wenn ich Gott mehr als alles sonst lie­be, wenn nichts und nie­mand mich davon abhal­ten kann, Jesus nach­zu­fol­gen und sei­nen Gebo­ten gehor­sam zu sein.

Aus­führ­li­che Gedan­ken dazu fin­dest du in den The­men Umkehr und Wer ist Christ?

3 Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei … – Gedan­ken zu Ehe und Sexualität

In der Schöp­fungs­ge­schich­te lesen wir:

Und Gott, der HERR, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hil­fe machen, die ihm ent­spricht … und Gott, der HERR, bau­te die Rip­pe, die er von dem Men­schen genom­men hat­te, zu einer Frau, und er brach­te sie zum Men­schen. Da sag­te der Mensch: Die­se end­lich ist Gebein von mei­nem Gebein und Fleisch von mei­nem Fleisch; die­se soll Män­nin hei­ßen, denn vom Mann ist sie genom­men. Dar­um wird ein Mann sei­nen Vater und sei­ne Mut­ter ver­las­sen und sei­ner Frau anhän­gen, und sie wer­den zu einem Fleisch wer­den. Und sie waren bei­de nackt, der Mensch und sei­ne Frau, und sie schäm­ten sich nicht. (1. Mose 2,18.21–25)

Gott schuf die Frau als Hel­fe­rin des Man­nes. Bei­de sol­len sich gegen­sei­tig stüt­zen und ergän­zen in allen Berei­chen des Lebens. Wenn sie die Ehe mit­ein­an­der ein­ge­hen, so wer­den sie „ein Fleisch“, d. h., dass vor Gott eine in die­ser Welt unauf­lös­li­che Bin­dung ent­steht. Sie haben sich ein­an­der tief anver­traut, was sie zur gegen­sei­ti­gen Treue verpflichtet.

Das Ver­trau­en, das Men­schen durch eine Ehe­schlie­ßung ein­an­der ent­ge­gen brin­gen, ist ver­bun­den mit einer gro­ßen gemein­sa­men Ver­ant­wor­tung. Sie besteht im Teil­ha­ben an der Schöp­fung durch das Zeu­gen von Nach­kom­men und in der Erzie­hung der Kin­der zur Lie­be zu Gott und zur Ehr­furcht vor ihm und sei­nen Ordnungen.

„Ein Fleisch“ kann man nicht mehr tren­nen. Auch wenn es im Alten Tes­ta­ment Bei­spie­le für Poly­ga­mie gibt, zeigt der Aus­druck „ein Fleisch“ doch, dass in die­sen Fäl­len der ursprüng­li­che Schöp­fungs­plan Got­tes ver­las­sen wur­de und die Ein­ehe das ist, was dem Wil­len Got­tes ent­spricht. Ein Mann kann nicht mehr­mals Vater und Mut­ter ver­las­sen und sei­ner Frau anhän­gen. Ehe­part­ner sol­len ein­an­der treu sein, bis dass der Tod sie scheidet.

Auch wenn es Situa­tio­nen geben kann, wo eine Tren­nung von Ehe­part­nern unum­gäng­lich ist, heißt das nicht, dass der Ehe­bund, die­ses „Ein‐Fleisch‐Sein“, auf­ge­löst wird und eine neue Ehe­schlie­ßung mög­lich ist. Nur wenn einer der Ehe­part­ner stirbt, ist der ande­re frei, wie­der zu heiraten.

Wir wol­len an die­ser Stel­le nicht noch genau­er dar­auf ein­ge­hen. Zur Fra­ge der Ehe­schei­dung fin­dest du einen aus­führ­li­chen Arti­kel auf die­ser Website.

Wei­ter lesen wir in der Erzäh­lung vom Sündenfall:

Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Spei­se und dass er eine Lust für die Augen und dass der Baum begeh­rens­wert war, Ein­sicht zu geben; und sie nahm von sei­ner Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß. Da wur­den ihrer bei­der Augen auf­ge­tan, und sie erkann­ten, dass sie nackt waren; und sie hef­te­ten Fei­gen­blät­ter zusam­men und mach­ten sich Schur­ze. … Und Gott, der HERR, rief den Men­schen und sprach zu ihm: Wo bist du? Da sag­te er: Ich hör­te dei­ne Stim­me im Gar­ten, und ich fürch­te­te mich, weil ich nackt bin, und ich ver­steck­te mich. Und er sprach: Wer hat dir erzählt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum geges­sen, von dem ich dir gebo­ten habe, du soll­test nicht davon essen? Da sag­te der Mensch: Die Frau, die du mir zur Sei­te gege­ben hast, sie gab mir von dem Baum, und ich aß. Und Gott, der HERR, sprach zur Frau: Was hast du da getan! Und die Frau sag­te: Die Schlan­ge hat mich getäuscht, da aß ich. … Zu der Frau sprach er (Gott): Ich wer­de sehr ver­meh­ren die Müh­sal dei­ner Schwan­ger­schaft, mit Schmer­zen sollst du Kin­der gebä­ren! Nach dei­nem Mann wird dein Ver­lan­gen sein, er aber wird über dich herr­schen! (1. Mose 3,6–7.9–12.16)

Durch den Sün­den­fall hat sich vie­les in die­ser Welt zum Schlech­ten ver­än­dert. Der Mensch hat Gott den Rücken zuge­wandt. Er hat die ver­trau­ens­vol­le Lie­bes­be­zie­hung mit sei­nem Schöp­fer auf­ge­ge­ben, was auch für die Bezie­hung der Geschlech­ter eine fun­da­men­ta­le Ver­än­de­rung mit sich brach­te. Wir lesen, dass Adam und sei­ner Frau die Augen auf­ge­tan wur­den und sie erkann­ten, dass sie nackt waren. Vor­her schäm­ten sie sich vor­ein­an­der nicht, jetzt ver­ber­gen sie sich vor Gott und suchen ihr Nackt‐Sein zu bede­cken. Die rei­ne, natür­li­che und unge­trüb­te Bezie­hung, die Gott mit dem Men­schen und sei­ner Frau woll­te und die er auch ihnen unter­ein­an­der zuge­dacht hat­te, war zerstört.

Die Frau sucht sich nun­mehr beim Mann anzu­leh­nen und bei ihm Sicher­heit zu fin­den, da ihr die ursprüng­li­che Gebor­gen­heit in Gott ver­lo­ren gegan­gen ist. Der Mann, der Gott als Haupt und Herr­scher über sich abge­lehnt hat, ver­än­dert sei­ne Hal­tung gegen­über der Frau von der des brü­der­lich für­sor­gen­den Beschüt­zers zu der eines Herrschers.

In der uns umge­ben­den Welt sehen wir, dass der Bereich der Bezie­hung zwi­schen den Geschlech­tern ein star­kes Poten­zi­al an Ver­su­chun­gen und Sün­den in sich trägt. Gera­de der Bereich des Sexu­el­len bringt viel Leid, Ent­ar­tung und Zer­rüt­tung in das Leben der Men­schen. Auch wenn aus der gesam­ten Mensch­heits­ge­schich­te sol­che Sün­den hin­rei­chend bekannt sind, hat doch der Miss­brauch der Sexua­li­tät wohl zu kei­ner Zeit ein der­ar­ti­ges Aus­maß erreicht wie heu­te. Ein Bei­spiel nur: Sta­tis­tisch gese­hen sind 35 % des Daten­ver­kehrs im Inter­net por­no­gra­fi­schen Ursprungs. Jede vier­te Anfra­ge im Inter­net ist eine Suche nach por­no­gra­fi­schen Web­sites …[2] Und was dort zu fin­den ist, ist unvor­stell­bar widerwärtig.

Wie ver­dor­ben muss der Cha­rak­ter eines Men­schen sein, wenn er dar­an Gefal­len fin­det, anstatt sich ange­wi­dert davon abzu­wen­den. Wie wenig Emp­fin­den haben Men­schen heu­te dafür, dass das gar nichts mit Lie­be zu tun hat, son­dern Aus­druck tiefs­ter Ent­wür­di­gung des Men­schen ist.

Lei­der bege­ben sich die meis­ten jun­gen Men­schen oft schon sehr früh in der­ar­ti­ge Sün­den hin­ein und wer­den davon ver­sklavt. Das geht ein­her mit einer Abstump­fung des Gewis­sens und dem Ver­lust der Ach­tung gegen­über dem Men­schen im ande­ren Geschlecht. Es zer­stört das Emp­fin­den für Treue und die Fähig­keit zur rei­nen, selbst­lo­sen Lie­be, wovon wech­seln­de Part­ner­schaf­ten, Ehe­schei­dun­gen, „Patchwork“-Familien, die zum All­tags­bild unse­rer Gesell­schaft gehö­ren, zeu­gen. Wo Sexua­li­tät zur Selbst‐Befriedigung miss­braucht wird oder der ande­re zum Objekt wird, das der Befrie­di­gung mei­ner Begier­den dient, herrscht eine häss­li­che und für Cha­rak­ter und Gewis­sen beson­ders fol­gen­schwe­re Form des Ego­is­mus. Und weil die­se Selbst­sucht dem Men­schen nie­mals das geben kann, was ihn erfüllt, setzt es sich fort in so per­ver­sen For­men wie sexu­el­ler Gewalt in und außer­halb der Ehe, Pro­sti­tu­ti­on, Pädophilie …

Auch die prak­ti­zier­te Homo­se­xua­li­tät, also gleich­ge­schlecht­li­che sexu­el­le Bezie­hun­gen, gehört in den Bereich der miss­brauch­ten Sexua­li­tät. Der Geschlechts­trieb ist den Men­schen gege­ben, um sich zu ver­meh­ren und das Men­schen­ge­schlecht zu erhal­ten. Da das in homo­se­xu­el­len Bezie­hun­gen nicht mög­lich ist, steht offen­sicht­lich die eige­ne Lust‐Befriedigung im Mit­tel­punkt. In der Hei­li­gen Schrift wer­den der­ar­ti­ge Prak­ti­ken als Resul­tat der Abwen­dung des Men­schen von sei­nem Schöp­fer und sei­ner dar­aus fol­gen­den hoch­mü­ti­gen Selbst‐Verherrlichung verurteilt:

Denn es wird geof­fen­bart Got­tes Zorn vom Him­mel her über alle Gott­lo­sig­keit und Unge­rech­tig­keit der Men­schen, wel­che die Wahr­heit durch Unge­rech­tig­keit nie­der­hal­ten, weil das von Gott Erkenn­ba­re unter ihnen offen­bar ist, denn Gott hat es ihnen geof­fen­bart. Denn sein unsicht­ba­res [Wesen], sowohl sei­ne ewi­ge Kraft als auch sei­ne Gött­lich­keit, wird von Erschaf­fung der Welt an in dem Gemach­ten wahr­ge­nom­men und geschaut, damit sie ohne Ent­schul­di­gung sei­en; weil sie Gott kann­ten, ihn aber weder als Gott ver­herr­lich­ten noch ihm Dank dar­brach­ten, son­dern in ihren Über­le­gun­gen in Tor­heit ver­fie­len und ihr unver­stän­di­ges Herz ver­fins­tert wur­de. Indem sie sich für Wei­se aus­ga­ben, sind sie zu Nar­ren gewor­den und haben die Herr­lich­keit des unver­wes­li­chen Got­tes ver­wan­delt in das Gleich­nis eines Bil­des vom ver­wes­li­chen Men­schen und von Vögeln und von vier­fü­ßi­gen und krie­chen­den Tie­ren. Dar­um hat Gott sie dahin­ge­ge­ben in den Begier­den ihrer Her­zen in Unrein­heit, ihre Lei­ber unter­ein­an­der zu schän­den, sie, wel­che die Wahr­heit Got­tes in die Lüge ver­wan­delt und dem Geschöpf Ver­eh­rung und Dienst dar­ge­bracht haben statt dem Schöp­fer, der geprie­sen ist in Ewig­keit. Amen. Des­we­gen hat Gott sie dahin­ge­ge­ben in schänd­li­che Lei­den­schaf­ten. Denn ihre Frau­en haben den natür­li­chen Ver­kehr in den unna­tür­li­chen ver­wan­delt, und eben­so haben auch die Män­ner den natür­li­chen Ver­kehr mit der Frau ver­las­sen, sind in ihrer Wol­lust zuein­an­der ent­brannt, indem sie Män­ner mit Män­nern Schan­de trie­ben, und emp­fin­gen den gebüh­ren­den Lohn ihrer Ver­ir­rung an sich selbst. (Römer 1,18–27)

Im unver­dor­be­nen Men­schen wehrt sich ein tie­fes Scham­ge­fühl dage­gen, die Sexua­li­tät zu einem Selbst­zweck zu machen und von lebens­lan­ger Treue los­zu­rei­ßen, eben vom Ehe­bund, der der geschlecht­li­chen Ver­ei­ni­gung Schutz und Wür­de gibt.

Jun­ge Mäd­chen und Frau­en, die sich in „frei­er Lie­be“ Män­nern in wür­de­lo­ser Hin­ga­be zur Ver­fü­gung stel­len, zer­stö­ren auch den ihnen inne­woh­nen­den Geist der Müt­ter­lich­keit. Sicht­bar wird das unter ande­rem an Mil­lio­nen[3] Frau­en, die ihre wehr­lo­sen Kin­der töten, noch ehe sie das Licht der Welt erbli­cken, was ein Ver­bre­chen uner­träg­li­chen Aus­ma­ßes ist. Hier zeigt der Ego­is­mus beson­ders klar sei­nen Leben zer­stö­ren­den Cha­rak­ter. Hin­zu kom­men die von Kin­der­feind­lich­keit zeu­gen­den ver­schie­de­nen künst­li­chen Ver­hü­tungs­me­tho­den. Vie­le wis­sen viel­leicht nicht, dass z. B. die Anti­ba­by­pil­le für Frau­en schwe­re gesund­heit­li­che Fol­gen mit sich brin­gen kann. Das weit­aus grö­ße­re mora­li­sche Pro­blem besteht aller­dings dar­in, dass auch die Anti­ba­by­pil­le abtrei­bend wirkt. Sie soll näm­lich nicht nur eine Befruch­tung ver­hin­dern. Auch im Fall einer Befruch­tung soll sie den eben erst ent­stan­de­nen Men­schen dar­an hin­dern, in der Gebär­mut­ter den lebens­not­wen­di­gen Unter­schlupf zu fin­den und er muss sterben.

Gegen die Kri­tik der Abtrei­bung und der künst­li­chen Emp­fäng­nis­ver­hü­tung wird oft der Ein­wand der Bevöl­ke­rungs­explo­si­on vor­ge­bracht. Aus christ­li­cher Sicht kön­nen wir die­sen Ein­wand nicht gel­ten las­sen, schon gar nicht für die west­li­che Welt, wo trotz nied­ri­ger Gebur­ten­zah­len vie­le Abtrei­bun­gen vor­ge­nom­men werden.

Die eigent­li­che Ursa­che der Pro­ble­me der Mensch­heit liegt doch dar­in, dass die aller­meis­ten Men­schen nicht danach fra­gen, wie unser Schöp­fer sich das Leben hier gedacht hat. Vie­le Men­schen, die im Rah­men ihrer Mög­lich­kei­ten etwas in die­ser Welt ver­än­dern könn­ten, sind von der Sucht nach dem eige­nen Vor­teil gelei­tet. Sie leben gewissen‐ oder gedan­ken­los und unver­ant­wort­lich im Hin­blick auf die Not ande­rer. Der dar­aus resul­tie­ren­den sozia­len Unge­rech­tig­keit sowie dem ver­ant­wor­tungs­lo­sen Umgang mit der Sexua­li­tät kann und darf nicht mit men­schen­ver­ach­ten­den und lebens­feind­li­chen Mit­teln begeg­net wer­den. Damit wird Unrecht über Unrecht gehäuft.

Die ein­zig wirk­li­che Lösung ist die Rück­kehr zu Got­tes guten Ord­nun­gen, wie wir sie aus der Bibel ler­nen kön­nen, zur selbst­lo­sen Nächs­ten­lie­be, die statt des eige­nen Vor­teils das Gute für alle sucht.

Wir sind uns des­sen bewusst, dass die meis­ten Men­schen zu die­ser Lie­be nicht bereit sind und wir daher kei­ne welt­um­fas­sen­de Ver­än­de­rung erwar­ten kön­nen. Trotz­dem gibt es für die Men­schen, die mit gutem Gewis­sen vor Gott und Men­schen leben wol­len, kei­nen ande­ren Weg. Lei­der war es in der Mensch­heits­ge­schich­te übli­cher­wei­se so, dass die Mas­se nicht nach der Wahr­heit und nach dem Guten gefragt hat. Des­halb dür­fen wir uns gera­de in die­sen wich­ti­gen Fra­gen nicht von den Ansich­ten der Mas­se lei­ten lassen.

Die Selbst­lo­sig­keit der Lie­be, das Sich‐verschenken‐Wollen inner­halb der Ord­nun­gen und Gren­zen des Lebens­bun­des der Ehe ist das ein­zi­ge, was eine Bezie­hung  zwi­schen Mann und Frau wirk­lich gedei­hen las­sen kann. Es ist Gott selbst, der uns die­se Lie­be lehrt. Des­halb dür­fen auch Ehe­part­ner nicht auf­ein­an­der aus­ge­rich­tet sein, son­dern gemein­sam und jeder per­sön­lich auf Gott. Wenn man vom Ehe­part­ner Erfül­lung erwar­tet, bür­det man ihm eine untrag­ba­re Last auf. Vie­le Bezie­hun­gen gehen an die­sen fal­schen Erwar­tun­gen zugrun­de, die nur Gott erfül­len kann. ER allein ist es, der das Wich­tigs­te im Leben eines Men­schen und Ziel sei­ner Aus­rich­tung sein muss. Nur wer aus der Bezie­hung mit Gott lebt, wird fähig, sich ohne selbst­süch­ti­ge Moti­ve zu ver­schen­ken. Wo in einer Ehe die­se selbst­lo­se Lie­be herrscht, steht weder der Part­ner noch die Sexua­li­tät im Mit­tel­punkt. Sie zeich­net sich aus durch ein erns­tes Emp­fin­den für die von Gott gewoll­te Rein­heit und Hei­lig­keit, die die Bezie­hung zwi­schen Mann und Frau tra­gen soll, aus dem Bewusst­sein der hohen Ver­ant­wor­tung, die sich mit der geschlecht­li­chen Ver­ei­ni­gung als Teil­ha­be an Got­tes Schöp­fung verbindet.

Des­halb sind dem Men­schen beson­ders auf die­sem Gebiet von Gott sehr kla­re Ord­nun­gen gege­ben wor­den, an die in der heu­ti­gen Zeit lei­der die wenigs­ten Men­schen den­ken: EIN Mann und EINE Frau gehö­ren zusam­men bis an ihr Lebens­en­de. Die Sexua­li­tät gehört in die Ehe und NUR dort hin. Damit ver­bin­det sich auch die Offen­heit für Kin­der, wie Gott sie schenkt. Für uns als Chris­ten ist die sexu­el­le Ent­halt­sam­keit das ein­zig wirk­lich mög­li­che Mit­tel zur Emp­fäng­nis­ver­hü­tung, wenn es von Gott her gese­hen Grün­de dafür geben soll­te. Als mora­lisch ver­tret­bar kann aber auch die „Natür­li­che Familien‐Planung“ ein­ge­stuft wer­den. Nur dort, wo die­se Ord­nun­gen aner­kannt und hei­lig gehal­ten wer­den, wird dem Ehe­bund der Wert gege­ben, den er von Gott her haben soll.

Noch ein Gedan­ke zu ehe­ähn­li­chen Bezie­hun­gen: Der feh­len­de Trau­schein ist vor Gott kein Frei­brief dafür, dass man den Part­ner wech­seln kann, wie man will. Wo sich Mann und Frau zum Zusam­men­le­ben ent­schlie­ßen und prak­tisch die Ehe voll­zie­hen, sind sie für den Rest ihres Lebens anein­an­der gebun­den, wie wenn sie gehei­ra­tet hät­ten. Trotz­dem sind sol­che „frei­en“ Bezie­hun­gen kei­ne legi­ti­men Ehen, da das öffent­li­che Bekennt­nis zum Part­ner dazu­ge­hört (in unse­rer Gesell­schaft der Gang zum Standesamt).

4 Zur Fra­ge der Reinheit

… gibt es auch einen eige­nen Bei­trag auf die­ser Web­site. Wir wol­len an die­ser Stel­le Gedan­ken ins­be­son­de­re zum The­ma Rein­heit in der Ehe zufügen.

Es gibt Men­schen, die mei­nen, man kön­ne Pro­ble­me mit der Rein­heit auf sexu­el­lem Gebiet lösen, indem man hei­ra­tet. Manch­mal wird dafür 1. Korin­ther 7,8.9 angeführt:

Ich sage aber den Unver­hei­ra­te­ten und den Wit­wen: es ist gut für sie, wenn sie blei­ben wie ich. Wenn sie sich aber nicht ent­hal­ten kön­nen, so sol­len sie hei­ra­ten, denn es ist bes­ser, zu hei­ra­ten, als zu brennen.

Sehr irre­füh­rend ist der Text in der Ein­heits­über­set­zung: „Es ist bes­ser zu hei­ra­ten, als sich in Begier­de zu verzehren …“

Es ist eine Ent­wer­tung der Ehe, wenn sie die Lösung dafür sein soll, dass jemand sein sexu­el­les Trieb­le­ben nicht beherr­schen kann. Sol­che Lösungs­vor­schlä­ge offen­ba­ren ein nied­ri­ges mora­li­sches Niveau, das Pau­lus sicher nicht unter­stüt­zen wür­de. Er spricht an vie­len Stel­len gegen sexu­el­le Sün­den und davon, dass im Leben eines Chris­ten der Geist herrscht und nicht das Fleisch (z. B. Gala­ter 5,16). Je tie­fer der Wunsch und die Ent­schlos­sen­heit eines Chris­ten ist, Gott zu die­nen und die Brü­der zu lie­ben, umso weni­ger Raum wer­den fleisch­li­che Wün­sche in sei­nem Leben haben. Wie soll­te Pau­lus so einen Rat geben, unbe­herrsch­te sexu­el­le Begier­den in einer Ehe qua­si lega­li­siert aus­le­ben zu sollen?!

In 1. Korin­ther 6,13.17–20 schreibt er:

Die Spei­sen [sind] für den Bauch und der Bauch für die Spei­sen; Gott aber wird sowohl die­sen als jene zunich­te machen. Der Leib aber [ist] nicht für die Hure­rei, son­dern für den Herrn und der Herr für den Leib … Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist [mit ihm]. Flieht die Unzucht! Jede Sün­de, die ein Mensch bege­hen mag, ist außer­halb des Lei­bes; wer aber Unzucht treibt, sün­digt gegen den eige­nen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tem­pel des Hei­li­gen Geis­tes in euch ist, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid um einen Preis erkauft wor­den; ver­herr­licht nun Gott mit eurem Leib …

4.1 Wie sol­len wir nun das „Bren­nen“ in 1. Korin­ther 7,9 verstehen?

Pau­lus kann für einen Chris­ten die Hei­rat nur dann als mög­lich sehen, wenn die Grün­de und Moti­ve dafür gut sind vor Gott. Er denkt wohl an sol­che, die sich mit der Lebens­form der Ehe, ver­bun­den mit einem kon­kre­ten Men­schen, inner­lich schon tief iden­ti­fi­ziert haben, die „ent­flammt“ sind für die väter­li­che und müt­ter­li­che Für­sor­ge für eine Fami­lie, die ihre Ver­ant­wor­tung dar­in sehen, Kin­der in den Wegen Got­tes zu erzie­hen und sich dem Ehe­part­ner in rei­ner Lie­be zu schen­ken als von Gott gewoll­te Stüt­ze und Hil­fe.[4]

Es ist gut, sich den kla­ren Anspruch Jesu bezüg­lich Rein­heit vor Augen zu stel­len. In Mat­thä­us 5,27.28 sagt er:

Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehe­bre­chen. Ich aber sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begeh­ren, schon Ehe­bruch mit ihr began­gen hat in sei­nem Herzen.

Sün­de beginnt im Her­zen, in den Gedan­ken und Wün­schen. Schon dort muss die Rei­ni­gung erfol­gen. Jesus zeigt in den fol­gen­den Ver­sen auch den Weg zu die­sem Ziel:

Wenn aber dein rech­tes Auge dir Anlass zur Sün­de gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist dir bes­ser, dass eins dei­ner Glie­der umkommt und nicht dein gan­zer Leib in die Höl­le gewor­fen wird. Und wenn dei­ne rech­te Hand dir Anlass zur Sün­de gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir; denn es ist dir bes­ser, dass eins dei­ner Glie­der umkommt und nicht dein gan­zer Leib in die Höl­le gewor­fen wird. (Ver­se 29.30)

Wer eine kla­re Ent­schlos­sen­heit hat, der Sün­de kei­nen Raum in sei­nen Gedan­ken zu geben und sich von allem zu tren­nen, was zur Sün­de rei­zen könn­te, dem wird Jesus Frei­heit von aller Unrein­heit schenken.

Über die ehe­li­che Bezie­hung schreibt Pau­lus in 1. Korin­ther 7,1–6:

Was aber das betrifft, wovon ihr mir geschrie­ben habt, so ist es gut für einen Men­schen, kei­ne Frau zu berüh­ren. Aber um der Unzucht wil­len habe jeder sei­ne eige­ne Frau, und jede habe ihren eige­nen Mann. Der Mann leis­te der Frau die [ehe­li­che] Pflicht, eben­so aber auch die Frau dem Mann. Die Frau ver­fügt nicht über ihren eige­nen Leib, son­dern der Mann; eben­so aber ver­fügt auch der Mann nicht über sei­nen eige­nen Leib, son­dern die Frau. Ent­zieht euch ein­an­der nicht, es sei denn nach Über­ein­kunft eine Zeit lang, damit ihr euch dem Gebet wid­met und dann wie­der zusam­men seid, damit der Satan euch nicht ver­su­che, weil ihr euch nicht ent­hal­ten könnt. Dies aber sage ich als Zuge­ständ­nis, nicht als Befehl.

Pau­lus ant­wor­tet hier auf eine Anfra­ge, deren Inhalt wir nicht genau ken­nen. In den Ver­sen 2–6 spricht er über die Ver­hei­ra­te­ten unter den Chris­ten. Obwohl er in Vers 1 sagt, dass es gut ist für einen Mann, kei­ne Frau zu berüh­ren,[5] rät er den Ver­hei­ra­te­ten aber, sich ein­an­der nicht zu ent­zie­hen. Er betont, dass der Ehe­part­ner nicht mehr nur sich selbst gehört, son­dern auch dem ande­ren. Des­halb wäre es auch nicht in der Lie­be, wenn einer der Part­ner ohne die Über­ein­stim­mung des ande­ren den ehe­li­chen Umgang auf­ge­ben möch­te. Pau­lus sieht die Gefahr von Ver­su­chun­gen für den­je­ni­gen der bei­den Part­ner, der der sexu­el­len Ent­halt­sam­keit nicht von Her­zen zustimmt, und warnt davor.

Den­noch ist es einer ehe­li­chen Bezie­hung dien­lich, wenn sich die Part­ner dazu ent­schlie­ßen, sich für eine bestimm­te Zeit von­ein­an­der zu ent­hal­ten, um sich bewusst Zeit fürs Gebet, für die Aus­rich­tung auf Gott zu neh­men und so die rich­ti­gen Prio­ri­tä­ten zu bewahren.

In 1. Thes­sa­lo­ni­cher 4,3–5 lesen wir:

Denn dies ist Got­tes Wil­le: eure Hei­li­gung, dass ihr euch von der Unzucht fern­hal­tet, dass jeder von euch sich sein eige­nes Gefäß in Hei­lig­keit und Ehr­bar­keit zu gewin­nen wis­se, nicht in Lei­den­schaft der Lust wie die Natio­nen, die Gott nicht kennen …

Nach unse­rer Ansicht steht das Wort „Gefäß“ hier für die Ehe­frau.[6] Hei­lig und ehr­bar soll der Umgang des Man­nes mit sei­ner Frau sein, anders als es unter Ungläu­bi­gen üblich ist. Die­se kla­re War­nung zeigt, dass die Ehe kein Schutz vor sexu­el­len Sün­den ist. Auch dort, wo die Sexua­li­tät gelebt wird, ist die Her­aus­for­de­rung groß, Begier­den in die Schran­ken zu wei­sen, statt sich davon lei­ten zu lassen.

Petrus schreibt zu die­sem Thema:

Ihr Män­ner eben­so, wohnt bei ihnen mit Ein­sicht als bei einem schwä­che­ren Gefäß, als dem weib­li­chen, und gebt [ihnen] Ehre als [sol­chen], die auch Mit­er­ben der Gna­de des Lebens sind, damit eure Gebe­te nicht ver­hin­dert wer­den. (1. Petrus 3,7)

Auch hier wer­den Ehe­män­ner zu rück­sichts­vol­lem und ehr­ba­rem Umgang mit ihren Frau­en auf­ge­ru­fen. Wo die­se Ehr­bar­keit im ehe­li­chen Umgang nicht da ist, wird auch die Hin­wen­dung zu Gott gestört.

Einen wei­te­ren Vers fin­den wir in Hebrä­er 13,4:

Die Ehe sei ehr­bar in allem, und das Ehe­bett unbe­fleckt; denn Unzüch­ti­ge und Ehe­bre­cher wird Gott richten.

Das Rin­gen um Rein­heit muss jedem Chris­ten ein fun­da­men­ta­les Anlie­gen sein, egal ob er ver­hei­ra­tet ist oder nicht.

Denn Gott hat uns nicht zur Unrein­heit beru­fen, son­dern in Hei­li­gung. Des­halb nun, wer [dies] ver­wirft, ver­wirft nicht einen Men­schen, son­dern Gott, der auch sei­nen Hei­li­gen Geist in euch gibt. (1. Thes­sa­lo­ni­cher 4,7.8)

5 Zur Fra­ge der Ehelosigkeit

Jesus hat dadurch, dass er die Ehe­schei­dung ver­warf und die Ein­ehe als ursprüng­li­chen Schöp­fungs­plan Got­tes bewies, Wert und Wür­de der Ehe deut­lich gemacht.

Aber er zeigt sei­nen Jün­gern einen Weg, der dar­über hin­aus geht und den er selbst gegan­gen ist: um des Him­mel­rei­ches wil­len auf die Ehe zu ver­zich­ten und die Erfül­lung ganz und allein in Gott und im Dienst für ihn zu finden:

Sei­ne Jün­ger sagen zu ihm: Wenn die Sache des Man­nes mit der Frau so steht, so ist es nicht rat­sam zu hei­ra­ten. Er aber sprach zu ihnen: Nicht alle fas­sen die­ses Wort, son­dern denen es gege­ben ist; denn es gibt Ver­schnit­te­ne, die von Mut­ter­leib so gebo­ren sind; und es gibt Ver­schnit­te­ne, die von den Men­schen ver­schnit­ten wor­den sind; und es gibt Ver­schnit­te­ne, die sich selbst ver­schnit­ten haben um des Rei­ches der Him­mel wil­len. Wer es fas­sen kann, der fas­se es. (Mat­thä­us 19,10–12)

Sich selbst zu ver­schnei­den um des Rei­ches Got­tes wil­len heißt eine freie Ent­schei­dung zum Ver­zicht auf die Ehe zu tref­fen. „Nicht alle fas­sen die­ses Wort …“ Für die Men­schen damals wie heu­te, die Got­tes Kraft nicht ken­nen und deren Den­ken auf die irdi­sche Wirk­lich­keit aus­ge­rich­tet ist, ist es unver­ständ­lich, einen so gro­ßen Ver­zicht zu üben. Wer aber sei­nen Blick auf die Ewig­keit rich­tet und auch die Ver­lo­ren­heit der Welt aus die­ser Per­spek­ti­ve vor Augen hat, dem wird es „gege­ben“ zu ver­ste­hen, dass es bes­ser ist, frei zu sein für den Dienst in Got­tes Reich.

Und wer die Mög­lich­keit dazu hat, den ermun­tert Jesus, sie auch zu ergreifen.

Wenn Jesus der Ehe­lo­sig­keit um des Rei­ches Got­tes wil­len den Vor­rang gab, dann geschah das nicht auf­grund einer Gering­schät­zung der Ehe, wie es bei den Gnos­ti­kern der Fall war.

Der Geist aber sagt aus­drück­lich, dass in spä­te­ren Zei­ten man­che vom Glau­ben abfal­len wer­den, indem sie auf betrü­ge­ri­sche Geis­ter und Leh­ren von Dämo­nen ach­ten, durch die Heu­che­lei von Lügen­red­nern, die in ihrem eige­nen Gewis­sen gebrand­markt sind, die ver­bie­ten, zu hei­ra­ten, und [gebie­ten], sich von Spei­sen zu ent­hal­ten, die Gott geschaf­fen hat zur Annah­me mit Dank­sa­gung für die, wel­che glau­ben und die Wahr­heit erken­nen. (1. Timo­theus 4,1–3)

Die Ideo­lo­gie der Gnos­ti­ker war gekenn­zeich­net von Leib­feind­lich­keit und der Ver­wer­fung der Mate­rie als in sich schlecht. Des­halb for­der­ten man­che gnos­ti­sche Strö­mun­gen stren­ge Aske­se und ver­bo­ten z. B. zu hei­ra­ten, damit nicht, nach ihrem Den­ken, durch die Zeu­gung von Nach­kom­men wei­te­re See­len im Leib als dem Gefäng­nis der Mate­rie ein­ge­schlos­sen würden.

Vor die­sem Hin­ter­grund wird auch 1. Timo­theus 2,15 ver­ständ­lich: „Sie (die Frau) wird aber durch das Kin­der­ge­bä­ren[7] geret­tet wer­den, wenn sie blei­ben in Glau­ben und Lie­be und Hei­lig­keit mit Sitt­sam­keit.“ Wenn die ver­hei­ra­te­te Frau ihre Stel­lung als Ehe­frau und Mut­ter an‐ und ernst nahm und auch Kin­der zur Welt brach­te, zeig­te das ihre Absa­ge an die Irr­leh­re der Gno­sis – und das war für ihr Heil so unab­ding­bar wie Glau­be, Lie­be, Hei­lig­keit, Sittsamkeit.

Wenn sich Chris­ten zur Ehe­lo­sig­keit ent­schlie­ßen, dann des­halb, weil sie aus Lie­be zu Gott und Dank­bar­keit für die Erlö­sung statt etwas Gutem das Bes­se­re wählen.

Gott sag­te zu den ers­ten Men­schen: „Seid frucht­bar und meh­ret euch.“ In unse­rer heu­ti­gen Welt gibt es nun sehr vie­le Men­schen, die Gott nicht ken­nen und die sich in fal­schen Phi­lo­so­phien und reli­giö­sen Ansich­ten ver­irrt haben. Im Gegen­satz dazu sind nicht vie­le bereit, Jesus von gan­zem Her­zen zu fol­gen und das Licht des Evan­ge­li­ums in die Welt zu tragen.

Die Lie­be zu den ver­lo­re­nen Men­schen hat Pau­lus dazu moti­viert, uner­müd­lich sein Leben für deren Heil ein­zu­set­zen. Das ist es auch, was vie­le Chris­ten nach ihm und was auch uns dazu moti­viert, mög­lichst unge­hin­dert von den irdi­schen Ver­pflich­tun­gen und Sor­gen, die eine Ehe mit sich bringt, vie­len Men­schen geist­lich die­nen zu können.

In 1. Korin­ther 7 wie­der­holt Pau­lus drei Mal den Grund­satz, dass jeder in dem Stand blei­ben soll, in dem er beru­fen wur­de (Ver­se 17.20.24). Er will die Gläu­bi­gen dazu ermun­tern, sich ganz auf die kom­men­de unver­gäng­li­che Welt auszurichten.

Für den­je­ni­gen, der ledig war, als er Christ wur­de, bedeu­tet das im Nor­mal­fall, dass er auch ledig blei­ben soll:

Bist du an eine Frau gebun­den, so suche nicht los zu wer­den; bist du frei von einer Frau, so suche kei­ne Frau. (1. Korin­ther 7,27)

Durch die­se Ermun­te­rung woll­te Pau­lus die Mög­lich­keit einer Ehe nicht aus­schlie­ßen. Doch soll jeder ein­zel­ne Fall auf­rich­tig vor Gott geprüft werden.

So einen Aus­nah­me­fall behan­delt er in den Ver­sen 36–38:

Wenn aber jemand denkt, er hand­le unge­zie­mend mit sei­ner Jung­frau, wenn er in der Voll­kraft steht, und es muss so gesche­hen, so tue er, was er will; er sün­digt nicht; sie sol­len heiraten.

Der Aus­druck „sei­ne Jung­frau“ macht deut­lich, dass es um zwei Men­schen geht, die ein­an­der ver­spro­chen waren, als sie Chris­ten wur­den[8] und sich schon auf das gemein­sa­me ehe­li­che Leben ein­ge­stellt haben.[9] Pau­lus’ Mei­nung, dass sie hei­ra­ten kön­nen, ist aller­dings im Sin­ne eines Zuge­ständ­nis­ses zu ver­ste­hen, denn er sagt weiter:

Wer aber im Her­zen fest­steht und kei­ne Not, son­dern Macht hat über sei­nen eige­nen Wil­len und dies in sei­nem Her­zen beschlos­sen hat, sei­ne Jung­frau zu bewah­ren, der han­delt gut. Also, wer sei­ne Jung­frau hei­ra­tet, han­delt gut, und wer [sie] nicht hei­ra­tet, wird bes­ser handeln.

Auch der ver­hei­ra­te­te Christ kann viel die­nen, wovon auch neu­tes­ta­ment­li­che Bei­spie­le zeu­gen. Den­noch ist er auf­grund der ver­schie­de­nen Auf­ga­ben, die sich natür­li­cher­wei­se mit einem Fami­li­en­le­ben ver­bin­den, geteilt (Ver­se 33.34). Das ist es wohl auch, was Pau­lus im Sinn hat­te, als er von der „Bedräng­nis für das Fleisch“ sprach (Vers 28). Auch wenn es eine gute und wich­ti­ge Auf­ga­be ist, sich um Kin­der zu küm­mern und sie zu erzie­hen, ver­bin­den sich damit doch Pro­ble­me, Schwie­rig­kei­ten und Sor­gen, vor denen Pau­lus die Chris­ten ange­sichts der Ein­schrän­kung, die das für die vie­len geist­li­chen Auf­ga­ben bedeu­tet, ver­scho­nen möchte.

Viel­leicht haben man­che Chris­ten in Korinth ihr Ehe­le­ben nicht mehr fort­set­zen wol­len, um frei­er für geist­li­che Auf­ga­ben zu sein. Dem ent­geg­net Pau­lus, dass er zwar wünscht, alle wären unver­hei­ra­tet wie er, dass aber auch der Bru­der im Stand der Ehe von Gott mit Gaben geseg­net ist, mit denen er die­nen kann (Vers 7), und er nicht danach suchen soll, sich vom Part­ner zu lösen (Vers 27).

Ande­rer­seits mahnt er auch in die­sem Kapi­tel die ver­hei­ra­te­ten Chris­ten, sich des ver­gäng­li­chen Cha­rak­ters der Ehe bewusst zu sein und das ehe­li­che Leben hin­ter die Din­ge zurück­zu­stel­len, die mit der unver­gäng­li­chen Welt ver­bun­den sind:

Dies aber sage ich, Brü­der: Die Zeit ist begrenzt: dass künf­tig die, die Frau­en haben, sei­en, als hät­ten sie kei­ne … und die die Welt Nut­zen­den, als benutz­ten sie sie nicht; denn die Gestalt die­ser Welt ver­geht. (Ver­se 29.31)

Es gibt die Ansicht, Pau­lus habe des­halb für den Stand der Ehe­lo­sig­keit appel­liert, weil er das Welt­ende nahe bevor­ste­hen sah. Dafür wer­den Ver­se 26 und 29 angeführt:

Ich mei­ne nun, dass dies um der gegen­wär­ti­gen Not wil­len gut ist, dass es für einen Men­schen gut ist, so zu sein. … Dies aber sage ich, Brü­der: Die Zeit ist begrenzt…

Aus dem, was Pau­lus zu die­sem The­ma an die Thes­sa­lo­ni­cher schreibt, kön­nen wir die­se Deu­tung ausschließen:

Wir bit­ten euch aber, Brü­der, wegen der Ankunft unse­res Herrn Jesus Chris­tus und unse­rer Ver­ei­ni­gung mit ihm, dass ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüt­tern lasst noch erschreckt wer­det, weder durch Geist, noch durch Wort, noch durch Brief, als [sei­en sie] von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. Lasst euch von nie­mand auf irgend­ei­ne Wei­se ver­füh­ren … (2. Thes­sa­lo­ni­cher 2,1–3a)

Pau­lus hat­te kei­ne Nah­erwar­tung. Die gegen­wär­ti­ge Not, von der er schreibt, ist wohl viel mehr die geist­li­che Not, die in der Welt herrscht. Es ist daher „Not am Mann“, denn der Arbei­ter sind weni­ge. Jesus war uner­müd­lich in sei­nem Ein­satz für das ewi­ge Leben der Men­schen; er sah, dass sie wie Scha­fe waren, die kei­nen Hir­ten haben. Vie­le Men­schen irren im Leben umher und ken­nen den Weg zum wah­ren Leben nicht. Die­ser Not kön­nen wir als Chris­ten abhel­fen und dafür ist es gut, so frei und ver­füg­bar wie mög­lich zu sein. Daher ermun­tert Pau­lus sei­ne unver­hei­ra­te­ten Geschwis­ter, in die­sem Stand zu bleiben.

Die Anwei­sung von Pau­lus in 1. Timo­theus 5,11–15, dass jün­ge­re Wit­wen hei­ra­ten sol­len, steht in kei­nem Wider­spruch zu sei­nen Gedan­ken in 1. Korin­ther 7. Er gibt auch hier der Ehe nicht den Vor­zug vor der Ehe­lo­sig­keit, son­dern vor zwei­fel­haf­ten und schäd­li­chen Akti­vi­tä­ten, wie in Vers 13 beschrie­ben. Sicher waren nicht alle jün­ge­ren Wit­wen gleich (sehr vie­le wird es davon auch nicht gege­ben haben), aber offen­sicht­lich gab es sol­che Fäl­le, wo deren Ver­sor­gung durch die Gemein­de in einem unor­dent­li­chen Lebens­wan­del bis hin zur Abwen­dung von Chris­tus ende­te. In die­se kon­kre­te Situa­ti­on hin­ein schreibt Pau­lus die Gedan­ken, dass es für sol­che bes­ser ist, noch ein­mal zu hei­ra­ten und sich den Pflich­ten einer Haus­frau und Mut­ter zu wid­men, was ja auch ihre ursprüng­li­che Lebens­ent­schei­dung war.

6 Zeug­nis­se aus der früh­christ­li­chen Literatur

In der früh­christ­li­chen Lite­ra­tur fin­den wir Hin­wei­se dar­auf, dass eine gro­ße Anzahl von Chris­ten Gott durch ein ehe­lo­ses Leben gedient haben:

Jus­tin, Apo­lo­gie I, 15,7: „… Und vie­le Män­ner und Frau­en, die von Jugend auf Schü­ler Chris­ti gewe­sen sind, blei­ben mit sech­zig oder sieb­zig Jah­ren keusch; und ich traue mir zu, sol­che in allen Klas­sen auf­zu­zei­gen, ganz zu schwei­gen von der unzäh­li­gen Men­ge derer, die sich von einem zügel­lo­sen Leben abge­wandt und die­se Grund­sät­ze ange­nom­men haben.“

7 Zur Fra­ge des Zölibates

Wir sehen es als nicht der mensch­li­chen Natur ent­spre­chend, wenn in Klös­tern nur gleich­ge­schlecht­li­che Ehe­lo­se zusam­men sind und durch ein stark von For­ma­lis­men gepräg­tes Leben ihre Trie­be beherr­schen wol­len. Für die­se Lebens­form gibt es auch kei­ne Grund­la­ge in der Schrift.

Es ist auch sehr pro­ble­ma­tisch, von Pries­tern, die doch in gewis­ser Wei­se von ihren „Gemein­den“ abge­ho­ben sind, ein ehe­lo­ses Leben zu ver­lan­gen, da sie der geschwis­ter­li­chen Zuwen­dung, die Chris­ten in ihren Gemein­den erfah­ren, ent­beh­ren müs­sen. Die­se unbi­bli­sche und wider­na­tür­li­che Lebens­form ergibt sich dadurch, dass das Stre­ben nach einer christ­li­chen Tugend mit einer nicht­christ­li­chen Kir­chen­struk­tur ver­knüpft wird, und hat lei­der unter Kle­ri­kern oft zu Heu­che­lei und tie­fen Sün­den geführt.

Aller­dings war der Haupt­grund für das Ver­bot von Pries­ter­ehen nicht das Stre­ben nach christ­li­chen Tugen­den. Die Ein­füh­rung des Zöli­bats im 11. Jahr­hun­dert war viel­mehr eine kir­chen­po­li­ti­sche Maß­nah­me. Es soll­te sicher­ge­stellt wer­den, dass das Kir­chen­ei­gen­tum in der Hand der römisch‐katholischen Kir­che bleibt, anstatt auf die Kin­der der Pries­ter auf­ge­teilt zu wer­den. Die römisch‐katholische Kir­che woll­te ihre Macht­po­si­ti­on als größ­ter Groß­grund­be­sit­zer nicht verlieren.

8 Wie brü­der­li­che Lie­be auch Fami­li­en verändert

Und es kom­men sei­ne Mut­ter und sei­ne Brü­der; und sie stan­den drau­ßen, sand­ten zu ihm und rie­fen ihn. Und eine Volks­men­ge saß um ihn her; sie sag­ten aber zu ihm: Sie­he, dei­ne Mut­ter und dei­ne Brü­der und dei­ne Schwes­tern drau­ßen suchen dich. Und er ant­wor­te­te ihnen und spricht: Wer sind mei­ne Mut­ter und mei­ne Brü­der? Und er blick­te umher auf die um ihn im Krei­se Sit­zen­den und spricht: Sie­he, mei­ne Mut­ter und mei­ne Brü­der! Wer den Wil­len Got­tes tut, der ist mir Bru­der und Schwes­ter und Mut­ter. (Mar­kus 3,31–35)

Lei­der fin­den wir in unse­rer Gesell­schaft eine häu­fi­ge Erschei­nung, die wir als Fami­li­en­ego­is­mus bezeich­nen müs­sen.[10] Das „Wohl“ der eige­nen (Klein-)Familie ist dort obers­tes Gebot. Es besteht eine sehr gerin­ge Bereit­schaft, sich nach außen hin zu öff­nen, damit man sich mög­lichst inten­siv den eige­nen engs­ten Ange­hö­ri­gen wid­men kön­ne, um den Fami­li­en­zu­sam­men­halt zu sichern.

Dabei wächst eine Fami­lie enger zusam­men, wenn sie gemein­sam all denen Anteil­nah­me und Hil­fe gewährt, die es brau­chen, unab­hän­gig vom Ver­wandt­schafts­grad und davon, wann und wie oft das nötig sein soll­te. Der Fami­li­en­ego­is­mus hat auch kei­ne guten Aus­wir­kun­gen auf die Ent­wick­lung von Kin­dern. Sie wer­den dahin­ge­hend geformt, auf das Eige­ne aus­ge­rich­tet zu sein, statt selbst­lo­se Lie­be zu üben. Sie ler­nen kaum, sich für Rech­te ande­rer zu öff­nen sowie frem­des Leid und frem­de Freu­de zu teilen.

Auch von reli­giö­sen Men­schen hören wir oft, dass es nicht mög­lich sei, sich öfter als 1–2 Mal in der Woche mit Glau­bens­ge­schwis­tern zu tref­fen, weil mehr Gemein­schaft dem eige­nen Fami­li­en­le­ben scha­den wür­de. Damit tun sie das, was Jesus im Gleich­nis vom gro­ßen Gast­mahl kri­ti­siert. Die eige­ne Fami­lie bzw. das Pri­vat­le­ben wird prak­tisch an obers­te Stel­le gerückt und somit die ewi­gen Din­ge den ver­gäng­li­chen unter­ge­ord­net. Das trau­ri­ge Resul­tat ist, dass sich das heu­ti­ge „Gemeinde“-Leben im Wesent­li­chen auf das Besu­chen von Ver­an­stal­tun­gen beschränkt, die vom Pri­vat­le­ben getrennt werden.

Jesus hat uns gelehrt, dass die geist­li­che Ver­bun­den­heit unter denen, die ihm nach­fol­gen und den Wil­len Got­tes tun, einen höhe­ren Stel­len­wert hat als die fami­liä­re Abstam­mung (sie­he oben zitier­te Bibel­stel­le). In der reli­giö­sen Welt wird das weit­ge­hend igno­riert. Auch wenn man sich offi­zi­ell „Brü­der und Schwes­tern“ nennt, wird doch die brü­der­li­che Lie­be nicht gelebt. Man geht nach den Ver­an­stal­tun­gen in sei­nen Pri­vat­be­reich zurück. Kaum einer weiß vom ande­ren, was in sei­nem Her­zen ist, was er glaubt, wie er sei­ne Zeit ver­bringt. Das eige­ne feh­len­de Rin­gen um ein hei­li­ges Leben bie­tet auch kei­ne Basis, dem ande­ren dar­in zu hel­fen. Gleich­gül­tig­keit und Lieb­lo­sig­keit wer­den damit gerecht­fer­tigt, dass jeder selbst wis­sen muss, was er tut, man will sich nicht in das Leben ande­rer einmischen …

In neu­tes­ta­ment­li­cher Zeit waren täg­li­che Gemein­schaft und das Tei­len der mate­ri­el­len Güter unter Chris­ten das Normale:

… Sie ver­harr­ten aber in der Leh­re der Apos­tel und in der Gemein­schaft, im Bre­chen des Bro­tes und in den Gebe­ten. Es kam aber über jede See­le Furcht, und es gescha­hen vie­le Wun­der und Zei­chen durch die Apos­tel. Alle Gläu­big­ge­wor­de­nen aber waren bei­sam­men und hat­ten alles gemein­sam; und sie ver­kauf­ten die Güter und die Habe und ver­teil­ten sie an alle, je nach­dem einer bedürf­tig war. Täg­lich ver­harr­ten sie ein­mü­tig im Tem­pel und bra­chen zu Hau­se das Brot, nah­men Spei­se mit Froh­lo­cken und Schlicht­heit des Her­zens, lob­ten Gott und hat­ten Gunst beim gan­zen Volk. Der Herr aber tat täg­lich hin­zu, die geret­tet wer­den soll­ten… (Apos­tel­ge­schich­te 2,42–47)

Als sie ver­stan­den, dass Jesus sein Leben für die Erlö­sung von uns Men­schen gege­ben hat, wur­de ihnen auch klar, dass eben die­se lie­ben­de selbst­lo­se Hin­ga­be, das Tei­len des Lebens, der Weg ist, zu dem er uns befreit hat.

Hier­an haben wir die Lie­be erkannt, dass er für uns sein Leben hin­ge­ge­ben hat; auch wir sind schul­dig, für die Brü­der das Leben hin­zu­ge­ben. (1. Johan­nes 3,16)

Ver­trau­en und Offen­heit kann dort ent­ste­hen, wo man Ein­blick in das Leben des Bru­ders bekommt und sieht, dass er nicht sein eige­nes Gutes, son­dern den Wil­len Got­tes sucht.

Durch das täg­li­che Zusam­men­sein lern­ten die Chris­ten ein­an­der tief ken­nen und konn­ten sich gegen­sei­tig durch Ermun­te­rung, Ermah­nung und Trost hel­fen, auf dem schma­len Weg zu blei­ben. Auch beim Besitz hör­te die Bereit­schaft zu tei­len nicht auf. Die­se Lie­be konn­ten die Men­schen in ihrem Umfeld als ein kla­res Zei­chen dafür erken­nen, dass dort ein ande­rer Geist herrsch­te, dass Got­tes Lie­be die Grund­la­ge für das Zusam­men­le­ben bildete.

Die Men­ge derer aber, die gläu­big gewor­den, war ein Herz und eine See­le; und auch nicht einer sag­te, dass etwas von sei­ner Habe sein eigen sei, son­dern es war ihnen alles gemein­sam. Und mit gro­ßer Kraft leg­ten die Apos­tel das Zeug­nis von der Auf­er­ste­hung des Herrn Jesus ab; und gro­ße Gna­de war auf ihnen allen. (Apos­tel­ge­schich­te 4,32.33)

Wir kön­nen davon aus­ge­hen, dass ein Groß­teil unter den Tau­sen­den, die sich damals in Jeru­sa­lem bekehr­ten, ver­hei­ra­tet war. Die christ­li­chen Fami­li­en haben also gemein­sam mit allen ande­ren Gläu­bi­gen die­ses Gemein­de­le­ben gelebt. So war nie­mand allein oder mit sei­nen geist­li­chen, fami­liä­ren oder finan­zi­el­len Sor­gen nur auf sich gestellt. Lei­der wer­den Jesu Wor­te in Mat­thä­us 18,20 heu­te manch­mal als eine Art Defi­ni­ti­on von Gemein­de­le­ben ange­führt. Damals dach­te nie­mand, dass das Zusam­men­sein von 2 oder 3 Fami­li­en­mit­glie­dern schon Gemein­de­le­ben ist. Im Neu­en Tes­ta­ment erfah­ren wir von einer Anzahl „Haus­ge­mein­den“, wo eine Gemein­de sich im Haus einer bestimm­ten gläu­bi­gen Per­son bzw. Fami­lie ver­sam­mel­te.[11]

Für die Ent­wick­lung von Kin­dern ist es ein Segen, in so einem Umfeld auf­zu­wach­sen. So kön­nen sie von Anfang an ler­nen, weder sich selbst im Mit­tel­punkt zu haben noch von den Eltern oder Groß­el­tern in den Mit­tel­punkt gestellt zu wer­den. Sie wer­den dazu erzo­gen, sich unter­zu­ord­nen, beschei­den und groß­her­zig zu sein. Damit wer­den sie in bes­ter Wei­se dar­auf vor­be­rei­tet, in die­nen­der Gesin­nung den Wil­len Got­tes zu tun, je mehr sie imstan­de sind, eige­ne Ent­schei­dun­gen zu treffen.

Der Gedan­ke an eine Ent­schei­dung zur Ehe­lo­sig­keit mag den Men­schen in den Volks‐ oder Frei­kir­chen auch des­halb so fern lie­gen, weil die geschwis­ter­li­che Lie­be als Kenn­zei­chen der Chris­ten im All­ge­mei­nen dort nicht zu fin­den ist. Die Kon­se­quenz davon ist, dass allein­ste­hen­de Men­schen letzt­lich ein­sam blei­ben. Eine „Lösung“ wird dann viel­leicht in „Single‐Treffs“ ange­bo­ten, meist auch mit dem Ziel, dass doch noch ein paar Sin­gles einen Part­ner fin­den. Es wer­den also prak­tisch „Gemeinde“-Aktivitäten zu Part­ner­ver­mitt­lungs­zwe­cken orga­ni­siert, was den welt­li­chen Cha­rak­ter die­ser „Kir­chen“ ein­mal mehr belegt.

Wir sehen das als bil­li­ge Gewis­sens­be­ru­hi­gung, die der eigent­li­chen Lösung aus dem Weg geht, näm­lich das eige­ne Leben aus Lie­be für jeden Bru­der und jede Schwes­ter zu öff­nen und so zum Vor­bild des bibli­schen Gemein­de­le­bens zurückzukehren.

Eine christ­li­che Gemein­de ist vom Geist der Lie­be und Hin­ga­be Jesu Chris­ti gelei­tet. Als Chris­ten stel­len wir uns mit dem, was wir sind und haben, in den Dienst der Brü­der und Schwes­tern. Auf die­se Wei­se kann jeder die Hil­fe emp­fan­gen, die er auf sei­nem Weg zu Gott braucht. Auch die irdi­schen Sor­gen und Nöte tra­gen wir gemein­sam. Selbst wenn wir kei­ne gläu­bi­gen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen haben oder unver­hei­ra­tet sind, ist jeder in das täg­li­che Mit‐ und Für­ein­an­der unse­rer gro­ßen Glaubens‐Familie, der Gemein­de, inte­griert und nimmt teil am gegen­sei­ti­gen Schen­ken und Emp­fan­gen. So erfah­ren wir die Erfül­lung des­sen, was Jesus sei­nen Jün­gern ver­hei­ßen hat:

Petrus aber sprach: Sie­he, wir haben alles ver­las­sen und sind dir nach­ge­folgt. Er aber sprach zu ihnen: Wahr­lich, ich sage euch: Es ist nie­mand, der Haus oder Eltern oder Brü­der oder Frau oder Kin­der ver­las­sen hat um des Rei­ches Got­tes wil­len, der nicht Viel­fäl­ti­ges emp­fan­gen wird in die­ser Zeit und in dem kom­men­den Zeit­al­ter ewi­ges Leben. (Lukas 18,28–30)

Das Stre­ben nach glei­cher brü­der­li­cher Lie­be allen gegen­über kenn­zeich­net uns als Glau­bens­ge­schwis­ter (1. Korin­ther 12,25). Wir erfah­ren tie­fe geist­li­che Bezie­hun­gen, die dadurch ent­ste­hen, dass Gott in und unter uns wirkt. So ist es trotz man­chen Kamp­fes viel leich­ter, sich für den Weg der Ehe­lo­sig­keit zu ent­schei­den, dar­in treu zu blei­ben und sich somit frei und unge­hin­dert dem Dienst für das ewi­ge Leben der Men­schen wid­men zu kön­nen. Es stärkt uns und macht uns dank­bar zu sehen, wie Gott den Ver­zicht in Segen wandelt.

Aus unse­rem eige­nen Leben wis­sen wir sehr gut, dass die­se Ent­schei­dung kei­ne leich­te Ent­schei­dung ist, nicht zuletzt weil unse­re Gesell­schaft voll ist von der Ver­herr­li­chung des Geschlechts­trie­bes und ver­spricht, in der sexu­el­len Bezie­hung die höchs­te Erfül­lung zu fin­den. Die­sem Ein­fluss ist der Mensch lei­der oft schon von Kind­heit an aus­ge­setzt und es ist schwer, sich dem zu entziehen.

Umso mehr möch­ten wir jeden Men­schen dazu ein­la­den, die Alter­na­ti­ve ken­nen­zu­ler­nen, die Jesus uns in sei­ner Kir­che schenkt. Wie anders die Gemein­de ist als die Welt und wie tief Jesus sich mit ihr ver­bin­det und iden­ti­fi­ziert, bringt Ephe­ser 5,25–32 zum Ausdruck:

Ihr Män­ner, liebt eure Frau­en, wie auch der Chris­tus die Gemein­de geliebt und sich selbst für sie hin­ge­ge­ben hat, um sie zu hei­li­gen, [sie] rei­ni­gend durch das Was­ser­bad im Wort, damit er die Gemein­de sich selbst ver­herr­licht dar­stell­te, die nicht Fle­cken oder Run­zel oder etwas der­glei­chen habe, son­dern dass sie hei­lig und tadel­los sei. … Denn nie­mand hat jemals sein eige­nes Fleisch gehasst, son­dern er nährt und pflegt es, wie auch der Chris­tus die Gemein­de. Denn wir sind Glie­der sei­nes Lei­bes. Des­we­gen wird ein Mensch Vater und Mut­ter ver­las­sen und sei­ner Frau anhän­gen, und die zwei wer­den ein Fleisch sein. Die­ses Geheim­nis ist groß, ich aber deu­te es auf Chris­tus und die Gemeinde.


Fußnoten

  1. Aus der Par­al­lel­stel­le in Mat­thä­us 10,37+38 erklärt sich, in wel­chem Sinn Jesus das Wort „has­sen“ ver­wen­det: die engs­ten Ange­hö­ri­gen und selbst das eige­ne Leben dür­fen uns nicht wich­ti­ger sein als Er.
  2. Quel­le: Netz­sie­ger.
  3. Sie­he: Gutt­ma­cher Insti­tu­te: Indu­ced Abor­ti­on.
  4. Das grie­chi­sche Wort für „Bren­nen“ (pyroō) erscheint mehr als 20 Mal in der Bibel, aber nir­gends im Sin­ne von geschlecht­li­cher Lei­den­schaft. Im über­tra­ge­nen Sinn ver­wen­det Pau­lus es noch ein­mal in 2. Korin­ther 11,29, wo es ein Aus­druck ist für sein Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein, die Sor­ge und das Mit­ge­fühl für sei­ne Glaubensgeschwister.
  5. Man­che Über­set­zun­gen sehen in die­ser Aus­sa­ge ein Zitat aus dem Brief der Korin­ther an Pau­lus. Aber auch bei die­sem Ver­ständ­nis bestä­tigt Pau­lus die­sen Satz.
  6. Man­che bezie­hen es auch auf den eige­nen Leib. Wir fin­den es nicht so pas­send, dass jemand sich den eige­nen Leib zu gewin­nen wis­sen soll.
  7. Anmer­kung der Elber­fel­der Bibel: „hin­durch“.
  8. Fol­gen­de Grün­de wei­sen dar­auf hin, dass sich bei­de bereits vor ihrem Christ­wer­den ver­lobt hat­ten: a) Die Art wie Pau­lus auf die Fra­ge­stel­lung in den Ver­sen 36–38 ein­geht, setzt vor­aus, dass die Ver­lob­ten sich in einer Situa­ti­on befan­den, in der es für sie nicht klar war, wie sie sich ent­schei­den sol­len: Sol­len sie hei­ra­ten oder sol­len sie ihre Hei­rats­plä­ne auf­ge­ben? Übli­cher­wei­se folgt die Ehe­schlie­ßung rasch auf die Ver­lo­bung. Es muss­te daher einen beson­de­ren Grund gege­ben haben, war­um sie ihre bereits geplan­te Hoch­zeit wie­der infra­ge stell­ten. Die­sen Grund fin­den wir in dem Ruf Jesu, ihm nach­zu­fol­gen, dem sie bereit­wil­lig gefolgt sind. Sie woll­ten nun bewusst nach Got­tes Wil­len für ihr Leben fra­gen. b) Es ist nicht wahr­schein­lich, dass die­se Ver­se über Ver­lo­bun­gen spre­chen, die nach einer gewis­sen Zeit des Lebens als Chris­ten geschlos­sen wur­den. Chris­ten wür­den sich schon vor der Ver­lo­bung ernst­haft über­legt haben, in dem Stand, in dem sie geru­fen wur­den, also ehe­los, zu blei­ben. In sol­chen Fäl­len wür­de Pau­lus die Fra­ge­stel­lung nicht wie­der neu auf­rol­len, da ohne­hin schon alles vor Gott durch­dacht wor­den ist.
  9. Im Lau­fe der Geschich­te wur­den grund­sätz­lich drei ver­schie­de­ne Deu­tun­gen die­ser Ver­se ver­tre­ten: a) Es geht um einen Vater, der dar­über ent­schei­det, ob er sei­ne Toch­ter zur Ehe gibt oder nicht. b) Es geht um eine soge­nann­te “geist­li­che Ehe”, in der die Jung­fräu­lich­keit einer christ­li­chen Frau durch einen gläu­bi­gen Mann beschützt wird, indem bei­de in einem gemein­sa­men Haus­halt woh­nen. Die­se Sit­te ist aber erst ab dem drit­ten Jahr­hun­dert bezeugt, und Pau­lus wür­de es auch nicht so ein­fach gut­hei­ßen, wenn ein Mann eine Frau, deren Jung­fräu­lich­keit er beschüt­zen soll­te, hei­ra­ten wür­de. c) Die heu­te ver­brei­te­te und auch von uns vor­ge­schla­ge­ne Lösung, dass es sich um Ver­lob­te han­delt. Als Ein­wand gegen die­se Lösung wur­de vor­ge­bracht, dass das grie­chi­sche Verb “gami­zo” in Vers 38 nicht “hei­ra­ten” hie­ße, son­dern “ver­hei­ra­ten”, dass der Text also lau­te: “Wer sei­ne Jung­frau ver­hei­ra­tet, han­delt gut, und wer sie nicht ver­hei­ra­tet, wird bes­ser han­deln.” Die­se Vari­an­te wür­de nur zu Lösung a) pas­sen. Das Wort “gami­zo” ist aller­dings ein sehr sel­te­nes Wort, das in der grie­chi­schen Lite­ra­tur außer­halb des Neu­en Tes­ta­ments nur ein­mal vor­kommt (in der Bedeu­tung “ver­hei­ra­ten”). Im Neu­en Tes­ta­ment fin­den sich sonst die Bedeu­tun­gen “gehei­ra­tet wer­den” (Mt 22,30
  10. In dem Buch „Lebens­füh­rung“ von Fr. W. Foers­ter, geschrie­ben schon am Anfang des 20. Jahr­hun­derts, fin­den wir dazu fol­gen­de Gedan­ken: „Das Fami­li­en­le­ben trägt nicht nur gro­ße bil­den­de Kräf­te, son­dern auch gro­ße Gefah­ren für den inne­ren Fort­schritt des Men­schen in sich … Das Fami­li­en­le­ben kann eine Erzie­hung zu aller höhe­ren Ver­ant­wort­lich­keit sein – für Men­schen aber, die sich kei­ne höhe­ren Zie­le gesteckt haben, bedeu­tet sie häu­fig nur eine neue Nah­rung für den alles zusam­men­raf­fen­den Ego­is­mus und für das naï­ve Sich­auf­blä­hen und Sich­be­spie­geln in der eige­nen Nach­kom­men­schaft … Die Selbst­ver­göt­te­rung, die dem maß­lo­sen Kul­tus des Eige­nen zugrun­de liegt, teilt sich unbe­wusst den Kin­dern mit und ver­gif­tet ihr gan­zes See­len­le­ben durch Selbst­ge­fäl­lig­keit und tötet die Beschei­den­heit, ohne die es kein tie­fe­res Gewis­sens­le­ben … geben kann.“ (Aus­ga­be von 1922, S. 86).
  11. Sie­he Römer 16,3–6,10+11+14+15; Kolos­ser 4,15; Phi­le­mon 2.


Aus der Par­al­lel­stel­le in Mat­thä­us 10,37+38 erklärt sich, in wel­chem Sinn Jesus das Wort „has­sen“ ver­wen­det: die engs­ten Ange­hö­ri­gen und selbst das eige­ne Leben dür­fen uns nicht wich­ti­ger sein als Er.

Quel­le: Netz­sie­ger.

Sie­he: Gutt­ma­cher Insti­tu­te: Indu­ced Abor­ti­on.

Das grie­chi­sche Wort für „Bren­nen“ (pyroō) erscheint mehr als 20 Mal in der Bibel, aber nir­gends im Sin­ne von geschlecht­li­cher Lei­den­schaft. Im über­tra­ge­nen Sinn ver­wen­det Pau­lus es noch ein­mal in 2. Korin­ther 11,29, wo es ein Aus­druck ist für sein Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein, die Sor­ge und das Mit­ge­fühl für sei­ne Glaubensgeschwister.

Man­che Über­set­zun­gen sehen in die­ser Aus­sa­ge ein Zitat aus dem Brief der Korin­ther an Pau­lus. Aber auch bei die­sem Ver­ständ­nis bestä­tigt Pau­lus die­sen Satz.

Man­che bezie­hen es auch auf den eige­nen Leib. Wir fin­den es nicht so pas­send, dass jemand sich den eige­nen Leib zu gewin­nen wis­sen soll.

Anmer­kung der Elber­fel­der Bibel: „hin­durch“.

Fol­gen­de Grün­de wei­sen dar­auf hin, dass sich bei­de bereits vor ihrem Christ­wer­den ver­lobt hatten:
a) Die Art wie Pau­lus auf die Fra­ge­stel­lung in den Ver­sen 36–38 ein­geht, setzt vor­aus, dass die Ver­lob­ten sich in einer Situa­ti­on befan­den, in der es für sie nicht klar war, wie sie sich ent­schei­den sol­len: Sol­len sie hei­ra­ten oder sol­len sie ihre Hei­rats­plä­ne auf­ge­ben? Übli­cher­wei­se folgt die Ehe­schlie­ßung rasch auf die Ver­lo­bung. Es muss­te daher einen beson­de­ren Grund gege­ben haben, war­um sie ihre bereits geplan­te Hoch­zeit wie­der infra­ge stell­ten. Die­sen Grund fin­den wir in dem Ruf Jesu, ihm nach­zu­fol­gen, dem sie bereit­wil­lig gefolgt sind. Sie woll­ten nun bewusst nach Got­tes Wil­len für ihr Leben fragen.
b) Es ist nicht wahr­schein­lich, dass die­se Ver­se über Ver­lo­bun­gen spre­chen, die nach einer gewis­sen Zeit des Lebens als Chris­ten geschlos­sen wur­den. Chris­ten wür­den sich schon vor der Ver­lo­bung ernst­haft über­legt haben, in dem Stand, in dem sie geru­fen wur­den, also ehe­los, zu blei­ben. In sol­chen Fäl­len wür­de Pau­lus die Fra­ge­stel­lung nicht wie­der neu auf­rol­len, da ohne­hin schon alles vor Gott durch­dacht wor­den ist.

Im Lau­fe der Geschich­te wur­den grund­sätz­lich drei ver­schie­de­ne Deu­tun­gen die­ser Ver­se vertreten:
a) Es geht um einen Vater, der dar­über ent­schei­det, ob er sei­ne Toch­ter zur Ehe gibt oder nicht.
b) Es geht um eine soge­nann­te “geist­li­che Ehe”, in der die Jung­fräu­lich­keit einer christ­li­chen Frau durch einen gläu­bi­gen Mann beschützt wird, indem bei­de in einem gemein­sa­men Haus­halt woh­nen. Die­se Sit­te ist aber erst ab dem drit­ten Jahr­hun­dert bezeugt, und Pau­lus wür­de es auch nicht so ein­fach gut­hei­ßen, wenn ein Mann eine Frau, deren Jung­fräu­lich­keit er beschüt­zen soll­te, hei­ra­ten würde.
c) Die heu­te ver­brei­te­te und auch von uns vor­ge­schla­ge­ne Lösung, dass es sich um Ver­lob­te handelt.
Als Ein­wand gegen die­se Lösung wur­de vor­ge­bracht, dass das grie­chi­sche Verb “gami­zo” in Vers 38 nicht “hei­ra­ten” hie­ße, son­dern “ver­hei­ra­ten”, dass der Text also lau­te: “Wer sei­ne Jung­frau ver­hei­ra­tet, han­delt gut, und wer sie nicht ver­hei­ra­tet, wird bes­ser han­deln.” Die­se Vari­an­te wür­de nur zu Lösung a) pas­sen. Das Wort “gami­zo” ist aller­dings ein sehr sel­te­nes Wort, das in der grie­chi­schen Lite­ra­tur außer­halb des Neu­en Tes­ta­ments nur ein­mal vor­kommt (in der Bedeu­tung “ver­hei­ra­ten”). Im Neu­en Tes­ta­ment fin­den sich sonst die Bedeu­tun­gen “gehei­ra­tet wer­den” (Mt 22,30

In dem Buch „Lebens­füh­rung“ von Fr. W. Foers­ter, geschrie­ben schon am Anfang des 20. Jahr­hun­derts, fin­den wir dazu fol­gen­de Gedan­ken: „Das Fami­li­en­le­ben trägt nicht nur gro­ße bil­den­de Kräf­te, son­dern auch gro­ße Gefah­ren für den inne­ren Fort­schritt des Men­schen in sich … Das Fami­li­en­le­ben kann eine Erzie­hung zu aller höhe­ren Ver­ant­wort­lich­keit sein – für Men­schen aber, die sich kei­ne höhe­ren Zie­le gesteckt haben, bedeu­tet sie häu­fig nur eine neue Nah­rung für den alles zusam­men­raf­fen­den Ego­is­mus und für das naï­ve Sich­auf­blä­hen und Sich­be­spie­geln in der eige­nen Nach­kom­men­schaft … Die Selbst­ver­göt­te­rung, die dem maß­lo­sen Kul­tus des Eige­nen zugrun­de liegt, teilt sich unbe­wusst den Kin­dern mit und ver­gif­tet ihr gan­zes See­len­le­ben durch Selbst­ge­fäl­lig­keit und tötet die Beschei­den­heit, ohne die es kein tie­fe­res Gewis­sens­le­ben … geben kann.“ (Aus­ga­be von 1922, S. 86).

Sie­he Römer 16,3–6,10+11+14+15; Kolos­ser 4,15; Phi­le­mon 2.