Ehe­schei­dung und Wie­der­hei­rat aus bibli­scher Sicht

Schlagwörter: Sexualität und Ehe

Wir wol­len uns in die­sem Text mit den Aus­sa­gen der Bibel zur Fra­ge der Ehe­schei­dung und Wie­der­hei­rat beschäf­ti­gen. Auch die übli­cher­wei­se mit „aus­ge­nom­men Unzucht“ wie­der­ge­ge­be­nen Wor­te Jesu im Mat­thä­us­evan­ge­li­um ste­hen nicht im Wider­spruch zur kla­ren Ableh­nung der Ehe­schei­dung in ande­ren Tex­ten des Neu­en Tes­ta­ments. Auch wenn das alt­tes­ta­ment­li­che Gesetz die Ehe­schei­dung auf­grund der Sünd­haf­tig­keit der Men­schen zuge­stan­den hat, war sie nie der Wil­le Got­tes. Jesus hat die­sen Wil­len Got­tes klar auf­ge­zeigt. Durch sein Erlö­sungs­werk ver­än­dert er unser Herz und befä­higt uns, nach dem Wil­len Got­tes die Treue zu bewah­ren, auch wenn es aus bestimm­ten Grün­den not­wen­dig sein kann, getrennt vom ungläu­bi­gen Part­ner zu leben. Abschlie­ßend schrei­ben wir noch eini­ge Gedan­ken, die für die Lösung heu­ti­ger oft ver­fah­re­ner Lebens­si­tua­tio­nen hilf­reich sein sollen.

Das Bild zeigt eine Mutter, die allein mit ihren beiden Kindern unterwegs ist – die schmerzhaften Folgen einer Scheidung.

1 Ist Schei­dung die Lösung?

Jeman­den zu lie­ben heißt, dass man das Bes­te für den ande­ren sucht, auch wenn es mit Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den ist. Auch Ver­hei­ra­te­te sind immer wie­der her­aus­ge­for­dert, sich selbst zu ver­leug­nen. Gera­de wenn es Pro­ble­me gibt, kann man ver­sucht sein, sich für den leich­te­ren Weg zu ent­schei­den und sich vom Part­ner schei­den zu las­sen oder wie­der zu hei­ra­ten, nach­dem mein Part­ner mich ver­las­sen hat. Eine Ehe ist aber eine Ent­schei­dung, die man nicht mehr rück­gän­gig machen kann, auch wenn sie unter Miss­ach­tung des eige­nen Gewis­sens getrof­fen wurde.

Des­halb wol­len wir alle, die eine Ehe­schei­dung und/oder Wie­der­hei­rat in Erwä­gung zie­hen, ermun­tern, sich ohne Angst für die Wor­te Jesu zu öff­nen. Jesus zeigt uns nicht nur den Weg, son­dern er hilft uns auch, ihn zu gehen, auch wenn wir uns das nicht vor­stel­len können.

Wir haben meh­re­re Bibel­stel­len zur The­ma­tik von Schei­dung und Wie­der­hei­rat ange­führt. Sie zei­gen, dass Jesus eine bedin­gungs­lo­se Treue zu einem ein­zi­gen Part­ner erwar­tet, die bis zum Tode währt. Nach den Bibel­stel­len fol­gen genaue­re Erklärungen.

2 Kla­re Bibel­stel­len zum The­ma Schei­dung und Wiederheirat

Eini­ge Wor­te des Neu­en Tes­ta­ments zei­gen uns, dass Got­tes Wil­le die Ein­ehe ist, das heißt, dass ein Mann und eine Frau ein­an­der bis zum Tod treu sind:

Jeder, der sei­ne Frau ent­lässt und eine ande­re hei­ra­tet, begeht Ehe­bruch; und jeder, der die von einem Mann Ent­las­se­ne hei­ra­tet, begeht Ehe­bruch. (Lukas 16,18)

Und es tra­ten Pha­ri­sä­er zu ihm und frag­ten ihn, um ihn zu ver­su­chen: Ist es einem Mann erlaubt, sei­ne Frau zu ent­las­sen? Er aber ant­wor­te­te und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose gebo­ten? Sie aber sag­ten: Mose hat gestat­tet, einen Schei­de­brief zu schrei­ben und zu ent­las­sen. Jesus aber sprach zu ihnen: Wegen eurer Her­zens­här­tig­keit hat er euch die­ses Gebot geschrie­ben; von Anfang der Schöp­fung an aber hat er sie als Mann und Frau geschaf­fen. „Dar­um wird ein Mensch sei­nen Vater und sei­ne Mut­ter ver­las­sen, und die zwei wer­den ein Fleisch sein“; daher sind sie nicht mehr zwei, son­dern ein Fleisch. Was nun Gott zusam­men­ge­fügt hat, soll der Mensch nicht schei­den. Und im Hau­se befrag­ten ihn die Jün­ger des­we­gen noch ein­mal. Und er spricht zu ihnen: Wer sei­ne Frau ent­lässt und eine ande­re hei­ra­tet, begeht Ehe­bruch gegen sie. Und wenn sie ihren Mann ent­lässt und einen ande­ren hei­ra­tet, begeht sie Ehe­bruch. (Mar­kus 10,2–12)

Den Ver­hei­ra­te­ten aber gebie­te nicht ich, son­dern der Herr, dass eine Frau sich nicht vom Mann schei­den las­sen soll – wenn sie aber doch geschie­den ist, so blei­be sie unver­hei­ra­tet oder ver­söh­ne sich mit dem Mann – und dass ein Mann sei­ne Frau nicht ent­las­se. (1. Korin­ther 7,10–11)

Denn die ver­hei­ra­te­te Frau ist durchs Gesetz an den Mann gebun­den, solan­ge er lebt; wenn aber der Mann gestor­ben ist, so ist sie los­ge­macht von dem Gesetz des Man­nes. So wird sie nun, wäh­rend der Mann lebt, eine Ehe­bre­che­rin genannt, wenn sie eines ande­ren Man­nes wird; wenn aber der Mann gestor­ben ist, ist sie frei vom Gesetz, sodass sie kei­ne Ehe­bre­che­rin ist, wenn sie eines ande­ren Man­nes wird. (Römer 7,2–3)

Bereits im Alten Tes­ta­ment lehnt Gott die Schei­dung klar ab:

Und zwei­tens tut ihr dies: Ihr bedeckt mit Trä­nen den Altar des HERRN, mit Wei­nen und Stöh­nen, weil er sich eurer Opfer­ga­be nicht mehr zuwen­det und sie nicht mehr mit Wohl­ge­fal­len aus eurer Hand annimmt. Ihr sagt: Wes­we­gen? Des­we­gen weil der HERR Zeu­ge gewe­sen ist zwi­schen dir und der Frau dei­ner Jugend, an der du treu­los gehan­delt hast, wo sie doch dei­ne Gefähr­tin ist und die Frau dei­nes Bun­des. Und hat er sie nicht zu Einem gemacht? Zu einem Fleisch, in dem Geist ist. Und was erstrebt das Eine? Nach­kom­men­schaft von Gott. So hütet euch bei eurem Leben! Und an der Frau dei­ner Jugend hand­le nicht treu­los! Denn ich has­se Schei­dung, spricht der HERR, der Gott Isra­els, eben­so wie wenn man sein Gewand mit Unrecht bedeckt, spricht der HERR der Heer­scha­ren. So hütet euch bei eurem Leben und han­delt nicht treu­los! (Malea­chi 2,13–16)

3 Aus­ge­nom­men Unzucht?

Im Mat­thä­us­evan­ge­li­um gibt es zwei Stel­len (Mat­thä­us 5,31–32; 19,1–12), in denen eine Aus­nah­me für den Fall von sexu­el­len Ver­feh­lun­gen („Hure­rei“) mög­lich zu sein scheint. War­um fin­den wir die­se so wich­ti­ge Aus­nah­me weder in den ande­ren Evan­ge­li­en noch in den Brie­fen des Neu­en Tes­ta­ments? Das Mat­thä­us­evan­ge­li­um wur­de für jüdi­sche Leser geschrie­ben. Im Fol­gen­den wol­len wir zei­gen, dass die Juden die­se Wor­te anders ver­stan­den haben, als die meis­ten heu­ti­gen Men­schen es tun. Lei­der hat das heu­te übli­che Ver­ständ­nis auch die Bibel­über­set­zun­gen beein­flusst, sodass wir uns hier auch mit Über­set­zungs­fra­gen beschäf­ti­gen müs­sen. Wir wol­len das aber so kurz wie mög­lich halten.

3.1 Mat­thä­us 5,32

Die Elber­fel­der Bibel über­setzt Mat­thä­us 5,31–32 so:

Es ist aber gesagt: Wer sei­ne Frau ent­las­sen will, gebe ihr einen Schei­de­brief. Ich aber sage euch: Jeder, der sei­ne Frau ent­las­sen wird, außer auf­grund von Hure­rei, macht, dass mit ihr Ehe­bruch began­gen wird; und wer eine Ent­las­se­ne hei­ra­tet, begeht Ehebruch.

Das grie­chi­sche Wort „parek­tos“, das hier mit „außer“ wie­der­ge­ge­ben wird, bedeu­tet wört­lich „etwas, das außer­halb ist, nicht erwähnt wird oder aus­ge­schlos­sen ist“. Zum Bei­spiel in 2. Korin­ther 11,26–28 über­setzt die Elber­fel­der Bibel die­ses Wort mit „dem Übri­gen“, die Ein­heits­über­set­zung mit „allem andern“. Es geht hier nicht um eine Aus­nah­me. Die Sor­ge um alle Gemein­den ergänzt die vor­her­ge­hen­de Auf­zäh­lung, sie gehört dazu. Man könn­te es auch fol­gen­der­ma­ßen über­set­zen: „ganz zu schwei­gen von dem, was täg­lich auf mich ein­dringt: die Sor­ge um alle Gemeinden“.

Eine mög­lichst text­na­he Über­set­zung wäre folgende:

Es ist aber gesagt: Wer sei­ne Frau ent­las­sen will, gebe ihr einen Schei­de­brief. Ich aber sage euch: Jeder, der sei­ne Frau ent­las­sen wird (die Begrün­dung mit Hure­rei ist aus­ge­schlos­sen), bewirkt, dass im Hin­blick auf sie die Ehe gebro­chen wird;[1] und wer eine Ent­las­se­ne hei­ra­tet, begeht Ehe­bruch.[2]

3.1.1 Unzucht war ein all­ge­mein aner­kann­ter Scheidungsgrund

Jesus bezieht sich im Zusam­men­hang von Mat­thä­us 5 auf das jüdi­sche Gesetz und jüdi­sche Tra­di­tio­nen. In den Ver­sen 31–32 bezieht er sich auf eine Stel­le in 5. Mose 24,1:

Wenn ein Mann eine Frau nimmt und sie hei­ra­tet und es geschieht, dass sie kei­ne Gunst in sei­nen Augen fin­det, weil er etwas Anstö­ßi­ges an ihr gefun­den hat und er ihr einen Schei­de­brief geschrie­ben, ihn in ihre Hand gege­ben und sie aus sei­nem Haus ent­las­sen hat, …

Der Aus­druck „etwas Anstö­ßi­ges“ wur­de von den rab­bi­ni­schen Schu­len der dama­li­gen Zeit auf sexu­el­le Ver­feh­lun­gen bezo­gen. Für vie­le Juden war das der ein­zi­ge erlaub­te Schei­dungs­grund.[3]

3.1.2 Jesus bringt etwas Neues

Jesus sagt: „Es ist aber gesagt: … Ich aber sage euch: …“ Offen­sicht­lich lehrt Jesus hier etwas Neu­es, etwas, das die Juden noch nie gehört haben. Im Zusam­men­hang der Berg­pre­digt (Mat­thä­us 5–7) ver­tieft Jesus Got­tes Gebo­te im Hin­blick auf Rein­heit und Lie­be. In Mat­thä­us 5,21–48 stellt Jesus alt­tes­ta­ment­li­chen Gebo­ten sein „Ich aber sage euch“ gegen­über, mit denen er durch sein Wort auf den ursprüng­li­chen kla­ren Wil­len Got­tes in die­sen Punk­ten hin­weist, z. B. in den Ver­sen 21–22:

Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird dem Gericht ver­fal­len sein. Ich aber sage euch, dass jeder, der sei­nem Bru­der zürnt, dem Gericht ver­fal­len sein wird; …

Wenn Jesus in Mat­thä­us 5,32 nur gemeint hät­te, dass er mit dem all­ge­mein aner­kann­ten Schei­dungs­grund über­ein­stimmt, wür­den sei­ne Aus­sa­gen über die Ehe­schei­dung nicht in die­sen Zusam­men­hang pas­sen. Er wür­de nichts Neu­es brin­gen. (Das von Jesus gebrach­te „Neue“ ist aber der „alte“, ewi­ge Wil­le Gottes.)

Jesus lehr­te klar, dass der von den Juden all­ge­mein aner­kann­te Schei­dungs­grund nicht mehr gilt. Jesus schließt mit den Wor­ten „die Begrün­dung mit Hure­rei ist aus­ge­schlos­sen“ die­sen Grund aus.

Das bedeu­tet aber nicht, dass jemand ver­pflich­tet ist, mit sei­nem Part­ner auf jeden Fall zusam­men­zu­blei­ben, sogar wenn die­ser sich sehr schlimm ver­hält. Es kann sogar not­wen­dig sein, sich auf­grund des schlech­ten Lebens­wan­dels des Part­ners von die­sem zu tren­nen. Die­se Tren­nung kann unter Umstän­den auch die recht­li­che Form einer Schei­dung haben. Doch bleibt in die­sem Fall das Ehe­band bestehen und damit auch die Ver­pflich­tung zur ehe­li­chen Treue. Das heißt, dass eine wei­te­re Ehe nicht mehr mög­lich ist. Eine Schei­dung, bei der das Ehe­band auf­ge­löst wür­de und bei­de Part­ner frei wären, wie­der zu hei­ra­ten, wur­de von Jesus abgelehnt.

3.2 Mat­thä­us 19,9

Bei Mat­thä­us 19,9 ist die Situa­ti­on ähn­lich zu Mat­thä­us 5. Die mög­lichst wort­ge­treue Über­set­zung der Elber­fel­der Bibel von 1905 lautet:

Und die Pha­ri­sä­er kamen zu ihm, ver­such­ten ihn und spra­chen: Ist es einem Man­ne erlaubt, aus jeder Ursa­che sein Weib zu ent­las­sen? Er aber ant­wor­te­te und sprach: Habt ihr nicht gele­sen, daß der, wel­cher sie schuf, von Anfang sie Mann und Weib schuf und sprach: „Um des­wil­len wird ein Mensch Vater und Mut­ter ver­las­sen und sei­nem Wei­be anhan­gen, und es wer­den die zwei ein Fleisch sein“; so daß sie nicht mehr zwei sind, son­dern ein Fleisch? Was nun Gott zusam­men­ge­fügt hat, soll der Mensch nicht schei­den. Sie sagen zu ihm: War­um hat denn Moses gebo­ten, einen Schei­de­brief zu geben und [sie] zu ent­las­sen? Er spricht zu ihnen: Moses hat wegen eurer Her­zens­här­tig­keit euch gestat­tet, eure Wei­ber zu ent­las­sen; von Anfang aber ist es nicht also gewe­sen. Ich sage euch aber, daß, wer irgend sein Weib ent­las­sen wird, nicht wegen Hure­rei, und eine ande­re hei­ra­ten wird, Ehe­bruch begeht; [und wer eine Ent­las­se­ne hei­ra­tet, begeht Ehe­bruch.] Sei­ne Jün­ger sagen zu ihm: Wenn die Sache des Man­nes mit dem Wei­be also steht, so ist es nicht rat­sam zu hei­ra­ten. (Mat­thä­us 19,3–10)

Im Grie­chi­schen kann das Wort „nicht“ durch zwei ver­schie­de­ne Wör­ter aus­ge­drückt wer­den. Das Wort „μὴ/me“, das in der Wen­dung „nicht wegen Hure­rei“ ver­wen­det wird, steht im Zusam­men­hang von Ver­bo­ten. Wir fin­den im Neu­en Tes­ta­ment eini­ge Bei­spie­le dafür, dass das Wort „me/nicht“ ohne erklä­ren­des Verb ver­wen­det wird und man aus dem Zusam­men­hang erschlie­ßen muss, was hier nicht getan wer­den soll.[4] Jesus drückt hier also aus, dass es im Fall von sexu­el­len Ver­feh­lun­gen eine bestimm­te Ver­hal­tens­wei­se nicht geben soll, wobei uns der Zusam­men­hang zeigt, dass die Ver­hal­tens­wei­se, die nicht gesche­hen soll, die Ehe­schei­dung ist. Gemeint ist also „nicht ein­mal bei Unzucht“.

Mar­kus 10,12 zeigt uns, dass das auch für den umge­kehr­ten Fall gilt, wenn eine Frau ihren Mann entlässt.

Mar­kus 10,1–12 ist der Par­al­lel­be­richt zu Mat­thä­us 19,1–12 und spricht über die­sel­be Situa­ti­on. Auf die Fra­ge der Pha­ri­sä­er, ob es dem Men­schen erlaubt sei, sei­ne Frau aus jedem Grund zu ent­las­sen,[5] ver­weist Jesus auf die Schöp­fungs­ord­nung, dass Mann und Frau ein Fleisch sind, und dass, was Gott zusam­men­ge­fügt hat, der Mensch nicht schei­den soll. Der Schei­de­brief, den Mose ange­ord­net hat, ist nur wegen der Her­zens­här­tig­keit gestat­tet wor­den. Der ursprüng­li­che Wil­le Got­tes war anders. Jesus „kor­ri­giert“ hier das Gesetz. Der unauf­lös­li­che Cha­rak­ter des Ehe­bun­des hat sei­nen Grund in der Schöpfungsordnung.

Auch die Reak­ti­on der Jün­ger in Mat­thä­us 19,10[6] zeigt uns, dass die Leh­re Jesu in die­sem Punkt für sie völ­lig neu war. Das jüdi­sche Gesetz erlaub­te Schei­dung und Wie­der­hei­rat, etwa im Fall sexu­el­ler Sün­den der Frau (nach Rab­bi Scham­mai). Die Jün­ger ver­stan­den aus den Wor­ten Jesu, dass nach Got­tes Wil­len der Ehe­bund nicht auf­ge­ho­ben wer­den kann, nicht ein­mal bei sexu­el­len Ver­ge­hen der Frau. Dar­auf­hin fra­gen sich die Jün­ger, ob es über­haupt rat­sam ist zu hei­ra­ten. So zeigt uns auch die­se Reak­ti­on, dass Jesus etwas ganz Neu­es gebracht hat. Hät­te Jesus gelehrt, dass der Ehe­mann nach einer Schei­dung wegen Ehe­bruch wie­der hei­ra­ten dür­fe, hät­te er das­sel­be gelehrt wie vie­le ande­re Juden auch und nicht die­se erstaun­te Reak­ti­on der Jün­ger hervorgerufen.

3.3 Zu bei­den Stellen

Sowohl in Mat­thä­us 5,32 als auch in Mat­thä­us 19,9 sehen wir, dass das mosai­sche Gesetz des Schei­de­brie­fes (5. Mose 24,1) im Hin­ter­grund steht. Jesus drückt in bei­den Stel­len aus, dass die Begrün­dung der Ehe­schei­dung mit Unzucht nicht der Wil­le Got­tes ist. Da die Fra­ge nach der Aus­le­gung von 5. Mose 24,1 vor allem für die aus dem Juden­tum kom­men­den Chris­ten wich­tig war, ist es nicht erstaun­lich, dass wir die­se bei­den Ver­se, in denen Jesus sagt, dass nicht ein­mal Unzucht ein Grund für Ehe­schei­dung (mit der Mög­lich­keit, wie­der zu hei­ra­ten) sein kann, nur in Mat­thä­us zu fin­den sind.[7] Mar­kus und Lukas woll­ten ihre zu einem Groß­teil aus dem Hei­den­tum kom­men­den Leser mit der Fra­ge nach dem Ver­ständ­nis des in 5. Mose 24,1 genann­ten Schei­dungs­grun­des nicht beschäf­ti­gen und haben daher die­se an Juden gerich­te­ten Wor­te Jesu ausgelassen.

Mat­thä­us 5,32 und 19,9 sind daher in Ein­heit mit allen ande­ren Wor­ten des Neu­en Tes­ta­ments und spre­chen nicht über einen mög­li­chen Schei­dungs­grund, son­dern sagen im Gegen­teil, dass die von Juden akzep­tier­ten Schei­dungs­grün­de nicht gül­tig sind.

4 War­um war Schei­dung im Alten Tes­ta­ment erlaubt, nach den Wor­ten Jesu aber nicht mehr?

Schei­dung war nie Got­tes Wil­le. Mose hat die Schei­dung wegen des Unge­hor­sams des Vol­kes zuge­las­sen, da es lei­der eine trau­ri­ge Tat­sa­che war, dass im jüdi­schen Gottesvolk/Gottesstaat immer nur ganz weni­ge wirk­lich nach dem Wil­len Got­tes leben woll­ten, die Mas­se aber meis­tens sehr unge­hor­sam war. Des­halb hat Gott im Alten Tes­ta­ment Schei­dung und Wie­der­hei­rat zuge­las­sen, da sonst Men­schen unter den Sün­den ande­rer sehr lei­den hät­ten müs­sen. Aus sozia­len Grün­den war es für eine ent­las­se­ne Frau fast zwin­gend not­wen­dig, wie­der zu hei­ra­ten, da sie sonst mate­ri­ell nicht ver­sorgt war und auch kei­ne Mög­lich­keit einer Alters­ver­sor­gung durch Kin­der hat­te. Des­halb gebot Mose dem Mann, der sei­ne Frau ent­lässt, ihr einen Schei­de­brief zu geben. Die­ser Schei­de­brief war ein wich­ti­ger Schutz für die Frau, der Beweis, dass die Frau kei­ne Hure ist oder unehe­li­chen Geschlechts­ver­kehr hat­te (wor­auf die Todes­stra­fe stand), son­dern dass sie ent­las­sen wur­de und recht­mä­ßig wie­der hei­ra­ten kann.

Was im Volk Isra­el nie mög­lich war, dass alle in Gehor­sam, Lie­be und tie­fer Ein­heit zusam­men­le­ben, das hat Jesus in der Gemein­de erfüllt. In ihr gibt es kei­ne Ungläu­bi­gen,[8] son­dern jeder Ein­zel­ne hat sich ent­schie­den, ohne Kom­pro­mis­se Jesus nach­zu­fol­gen. So hat er durch den Hei­li­gen Geist die Kraft zu die­sem Leben in Hei­li­gung, Hin­ga­be, Lie­be und Gehor­sam. Nur wenn man Jesu Gebot der Bru­der­lie­be wirk­lich ver­steht und leben will, kann man auch sei­nen Anspruch ver­ste­hen, dass es vor Gott kei­ne Schei­dung gibt und dass dies für Chris­ten auch leb­bar ist. Vor Gott gilt jede Ehe so lan­ge, bis einer der Ehe­part­ner stirbt. In dem Fall, dass einer der Ehe­part­ner ungläu­big ist und sich vom Chris­ten tren­nen will, lässt Pau­lus dies zu (sie­he Abschnitt 5). Es gilt vor Gott aber nicht als Schei­dung, die zu einer Wie­der­hei­rat berech­ti­gen wür­de, son­dern vor Gott sind die bei­den ver­hei­ra­tet, kön­nen aber getrennt leben.

Die Ehe ist ein Bund vor Gott, zu dem man in Treue ste­hen soll, auch wenn der ande­re Ehe­part­ner die­sen Bund bricht. Trennt sich der ungläu­bi­ge Ehe­part­ner vom Chris­ten – egal aus wel­chem Grund – und der Christ wür­de wie­der hei­ra­ten, so wür­de er nicht nur sei­ne Ehe bre­chen, son­dern zieht auch sei­nen „neu­en“ Part­ner tief in die Sün­de der Unzucht und des Ehe­bruchs mit hinein.

Da Chris­ten als Aus­druck ihrer Bru­der­lie­be in Güter­ge­mein­schaft leben (Apos­tel­ge­schich­te 2,44–47; 4,32–37) ist auch die sozia­le Ver­sor­gung der christ­li­chen Frau, deren ungläu­bi­ger Mann sich von ihr getrennt hat, gewähr­leis­tet. Sie wird auch nicht ein­sam sein, da Gott jedem Chris­ten täg­lich durch die Bru­der­lie­be und Ein­heit unter­ein­an­der tie­fe Erfül­lung und Freu­de gibt.

5 Wie sind Ehen aus dem „alten Leben“ (vor dem Christ­wer­den) zu beurteilen?

Daher, wenn jemand in Chris­tus ist, so ist er eine neue Schöp­fung; das Alte ist ver­gan­gen, sie­he, Neu­es ist gewor­den. (2. Korin­ther 5,17)

Die­ses sehr wich­ti­ge Pau­lus­wort, das uns zeigt, welch grund­sätz­li­che Ände­rung das Christ­wer­den dar­stellt, besagt aber nicht, dass alle unse­re Ver­pflich­tun­gen aus dem Leben vor dem Christ­wer­den nicht mehr gelten.

Es sei aber eure Rede: Ja, ja! Nein, nein! (Mat­thä­us 5,37)

Ganz beson­ders gilt das für das Ehe­ver­spre­chen. Jesus hat, wie in Abschnitt 3.2 bereits aus­ge­führt wur­de, die Unauf­lös­lich­keit der Ehe mit der Schöp­fungs­ord­nung begrün­det. Der Gedan­ke, dass vor dem Christ­wer­den geschlos­se­ne Ehen nicht gül­tig sei­en und daher auch geschie­den wer­den kön­nen, da mit dem Christ­wer­den ein neu­es Leben begon­nen habe, ist eine Irr­leh­re und Miss­ach­tung der Wor­te Jesu.

In 1. Korin­ther 7,12–15 geht Pau­lus auf Ehen ein, die vor der Bekeh­rung geschlos­sen wurden:

Den Übri­gen aber sage ich, nicht der Herr: Wenn ein Bru­der eine ungläu­bi­ge Frau hat und sie wil­ligt ein, bei ihm zu woh­nen, so ent­las­se er sie nicht. Und eine Frau, die einen ungläu­bi­gen Mann hat, und der wil­ligt ein, bei ihr zu woh­nen, ent­las­se den Mann nicht. Denn der ungläu­bi­ge Mann ist durch die Frau gehei­ligt, und die ungläu­bi­ge Frau ist durch den Bru­der gehei­ligt; sonst wären ja eure Kin­der unrein, nun aber sind sie hei­lig. Wenn aber der Ungläu­bi­ge sich schei­det, so schei­de er sich. Der Bru­der oder die Schwes­ter ist in sol­chen Fäl­len nicht gebun­den; zum Frie­den hat uns Gott doch berufen.

Sein Prin­zip ist, dass, sofern der Ungläu­bi­ge das neue Leben des Chris­ten wohl­wol­lend akzep­tiert, sie nicht aus­ein­an­der­ge­hen sol­len. Falls es doch zur Tren­nung kommt (Vers 15), muss Pau­lus nicht das, was er in Vers 11[9] bereits geschrie­ben hat, wie­der­ho­len, näm­lich, dass der Christ ent­we­der allei­ne blei­ben oder sich mit dem Ehe­part­ner ver­söh­nen soll.

Des Wei­te­ren sei an die­ser Stel­le noch ein­mal auf Römer 7,2–3 hin­ge­wie­sen. Hier wer­den von Pau­lus grund­sätz­li­che Aus­sa­gen über die Ehe getrof­fen, ganz unab­hän­gig davon, ob Men­schen gläu­big (Chris­ten) sind oder nicht. Der Mensch ist an den Part­ner gebun­den, solan­ge die­ser lebt. Nur wenn er gestor­ben ist, besteht die Mög­lich­keit, einen neu­en Ehe­bund einzugehen.

6 Eini­ge Gedan­ken zur heu­ti­gen Situation

Heu­te leben wir lei­der in einer Situa­ti­on, in der der von Gott gewoll­te „Nor­mal­fall“ einer Ehe, dass zwei Part­ner ihr Leben in gegen­sei­ti­ger Treue bis zum Lebens­en­de mit­ein­an­der tei­len, wie sie es ein­an­der bei der Ehe­schlie­ßung ver­spro­chen haben, schon sehr sel­ten gewor­den ist. „Patch­work­fa­mi­li­en“ wer­den mehr und mehr der Nor­mal­fall. Das hat dann auch sei­ne Aus­wir­kung auf die Leh­re und Pra­xis der ver­schie­de­nen „Kir­chen“ und reli­giö­sen Gruppierungen.

Zum Ver­ständ­nis der kla­ren Ableh­nung von Ehe­schei­dung mit dem Recht zur Wie­der­hei­rat ist es gut, dass wir uns auch den posi­ti­ven Wert der Ehe im Schöp­fungs­plan Got­tes vor Augen hal­ten. Mehr dazu in unse­rem The­ma über Ehe und Ehe­lo­sig­keit. Es ist auch wich­tig, immer kon­kret nach­zu­den­ken, wie eine grund­sätz­li­che Leh­re der Bibel in der beson­de­ren Situa­ti­on, in der ein Mensch steht, umzu­set­zen ist.

Jesus hat in die­ser Fra­ge die ursprüng­li­che Klar­heit wie­der ans Licht gebracht, sodass sogar sei­ne Jün­ger, die die alt­tes­ta­ment­li­che Pra­xis der Ehe­schei­dung und Wie­der­hei­rat kann­ten, dar­über erschro­cken waren.

Es gab unter den ers­ten Chris­ten gewiss sol­che, die aus dem Juden­tum bzw. Hei­den­tum kom­mend, in zwei­ter Ehe ver­hei­ra­tet waren. Wir ent­neh­men der Hei­li­gen Schrift nicht, dass alle die­se Men­schen ihre zwei­te Ehe auf­lö­sen muss­ten, da sie ihre Ehe ja nicht in dem Bewusst­sein geschlos­sen hat­ten, etwas von Gott abso­lut Ver­bo­te­nes zu tun, auch wenn zumin­dest den aus dem Juden­tum kom­men­den Gläu­bi­gen klar sein muss­te, dass Gott die Schei­dung nicht als etwas Gutes sieht.

Wenn Pau­lus an Timo­theus schreibt, dass ein Ältes­ter einer Gemein­de nur Mann einer ein­zi­gen Frau sein durf­te (1. Timo­theus 3,2), so zeigt uns das, dass (vor dem Christ­wer­den) wie­der­ver­hei­ra­te­te Men­schen nicht Ältes­te wer­den konn­ten, aber dass sie durch­aus in der Gemein­de ange­nom­men wur­den. Wir kön­nen die­se Pra­xis (dass Men­schen ihre zwei­te Ehe in der Gemein­de fort­füh­ren kön­nen) für unse­re Zeit aber nur bedingt über­neh­men, da heu­te das Neue Tes­ta­ment bekannt ist und somit auch die kla­re Stel­lung Jesu in die­ser Fra­ge. (Vie­le ken­nen auch den zumin­dest in der Theo­rie noch rela­tiv kla­ren Stand­punkt der katho­li­schen “Kir­che” zu die­ser The­ma­tik.) Dadurch ist die Unrich­tig­keit einer zwei­ten Ehe vie­len Men­schen stär­ker bewusst als zur Zeit der ers­ten Chris­ten. Es hängt sicher vie­les davon ab, in wel­chem Bewusst­sein jemand die zwei­te Ehe ein­ge­gan­gen ist. Wenn jemand die zwei­te Ehe mit dem Wis­sen geschlos­sen hat, dass das dem Wil­len Got­tes wider­spricht, kann die­se Ehe nicht als Ehe im Wil­len Got­tes gese­hen wer­den. Das Pro­blem liegt ja oft schon viel tie­fer, etwa, wenn beim Schlie­ßen der ers­ten Ehe die geist­li­chen Fra­gen, vor allem, wie der Part­ner zu Gott steht, außer Acht gelas­sen wurden.

Es ist aber immer not­wen­dig, den kon­kre­ten Fall genau zu prü­fen und so ehr­lich nach Got­tes Wil­len zu suchen. Auch in dem Fall, dass das Ergeb­nis die­ser ehr­li­chen Prü­fung ist, dass die zwei­te Ehe nicht fort­ge­führt wer­den kann, sind ver­schie­de­ne ande­re Gesichts­punk­te zu berück­sich­ti­gen. Vor allem, wenn bei­de Part­ner Chris­ten sind, wird die Kon­se­quenz wohl nicht eine völ­li­ge Tren­nung sein. Es gibt ja oft auch vie­le gemein­sa­me Auf­ga­ben, vor allem in der Erzie­hung der Kin­der. Es ist für die Kin­der sicher nicht hilf­reich, wenn sie sehen, dass die Eltern getrennt sind. Aber die sexu­el­le Bezie­hung wird in die­sem Fall (wenn man zum Schluss gelangt ist, dass die zwei­te Ehe nicht fort­ge­führt wer­den kann) in die­ser Bezie­hung kei­nen Platz mehr haben.

7 Zusam­men­fas­sung und Ermunterung

Jesus betont die Ein­ehe als Wil­len Got­tes, was man auch aus der Argu­men­ta­ti­on mit dem Ein‐Fleisch‐Werden sehen kann, und dass der Mann sei­ne Frau nicht ent­las­sen soll. Wenn aus irgend­ei­nem Grund der Mann sei­ne Frau ent­lässt, oder die Frau sich von dem Mann schei­det, dann dür­fen er und sie, solan­ge der geschie­de­ne Part­ner lebt, kei­ne neue Bin­dung ein­ge­hen, da der ers­te Bund gilt, solan­ge bei­de leben. Geht er oder sie trotz­dem eine neue Bin­dung ein, ist das Ehe­bruch. Vor Gott gibt es kei­ne Schei­dung, jede Ehe ist gül­tig, solan­ge bei­de Part­ner leben. Jesus macht in all die­sen Bibel­stel­len kei­nen Unter­schied, ob jemand schuld­haft ent­las­sen wird oder unschuldig.

Da Jesus in Mar­kus und Lukas kei­ne Aus­nah­men macht, kann er auch in Mat­thä­us kei­ne Aus­nah­men gemeint haben. Die Reak­ti­on der Jün­ger zeigt auch, dass es bei der Fra­ge der Ehe­schei­dung kei­ne Aus­nah­me gibt. Eine Wie­der­hei­rat ist nicht mög­lich, solan­ge der Part­ner lebt.

Pau­lus geht in 1. Korin­ther 7 noch detail­lier­ter auf bestimm­te Fäl­le ein:

Ist jemand schon geschie­den, wenn er Christ wird, dann soll er ohne Ehe blei­ben oder sich mit sei­nem Part­ner ver­söh­nen. Will der ungläu­bi­ge Part­ner sich vom Chris­ten schei­den, soll der Christ das zulas­sen – „Der Bru­der oder die Schwes­ter ist in sol­chen Fäl­len nicht gebun­den (wört­lich ver­sklavt); zum Frie­den hat uns Gott doch berufen.“

Dass der Bru­der oder die Schwes­ter in sol­chen Fäl­len nicht „ver­sklavt“ ist, bedeu­tet, dass er nicht zu einem gemein­sa­men Leben mit einem Ungläu­bi­gen in Unfrie­den und Pro­ble­men ver­ur­teilt ist. Er kann sich tren­nen – und ohne Ehe bleiben.

Was für vie­le unvor­stell­bar ist, ist aber kei­ne uner­träg­li­che Last. Ein Christ hat durch Jesus Chris­tus eine neue Bezie­hung zu Gott. Dadurch wer­den wir viel stär­ker mit den Anfor­de­run­gen kon­fron­tiert, die Got­tes Hei­lig­keit an uns stellt. Es ist eine höhe­re Anfor­de­rung als an die Gläu­bi­gen des Alten Bun­des. Wir wer­den uns dadurch auch unse­rer eige­nen Schwä­chen und Sün­den stär­ker bewusst, und Gott lehrt uns, aus die­ser engen Bezie­hung zu ihm Kraft zu schöp­fen für das, was unse­re Kräf­te übersteigt.

Mit ihm und durch ihn wird das „Unmög­li­che“ mög­lich. Gott hilft auch durch die Gemein­schaft mit Geschwis­tern, die jeder Christ sehr braucht, die Gemein­schaft mit denen, die auf Got­tes Wor­te hören und sie auch tun. Sie sind unse­re Brü­der und Schwes­tern in Chris­tus, unse­re geist­li­che Fami­lie, die bis in die Ewig­keit bestehen bleibt. So ist auch ohne Ehe­part­ner ein Christ nie allein.


Fußnoten

  1. Die­se Über­set­zung soll im Gegen­satz zu der seit der Vul­ga­ta übli­chen Über­set­zung “macht, dass mit ihr Ehe­bruch began­gen wird” dar­auf hin­wei­sen, dass die ehe­bre­che­ri­sche Hand­lung vom Ehe­mann, der sei­ne Frau ent­lässt, durch­ge­führt wird. Es han­delt sich noch nicht um Ehe­bruch im stärks­ten Sinn (einer geschlecht­li­chen Bezie­hung zu einer ande­ren Frau), doch wird auch bereits die Ent­las­sung der Frau als ehe­bre­che­ri­scher Akt gesehen.
  2. Eine ein­ge­hen­de Erklä­rung die­ser vor­ge­schla­ge­nen Über­set­zung ist zu fin­den in: Karl Sta­ab, Die Unauf­lös­lich­keit der Ehe und die sog. „Ehe­bruchs­klau­seln“ bei Mt 5,32 und 19,9: Fest­schrift für E. Eich­mann, Pader­born 1940, 435–452.
  3. Es gab aller­dings auch eine ande­re Aus­le­gung (in der Schu­le des Rab­bi Hil­lel), der­zu­fol­ge die Ehe­schei­dung aus vie­len, sogar ganz gering­fü­gi­gen Grün­den erlaubt war.
  4. So sag­ten die jüdi­schen Füh­rer in Mat­thä­us 26,5: „Nicht an dem Fest, damit nicht ein Auf­ruhr unter dem Volk ent­ste­he.“ In die­sem Satz fehlt das Verb. Aus dem Zusam­men­hang wird deut­lich, dass die Füh­rer woll­ten, dass Jesus nicht wäh­rend des Fes­tes ver­haf­tet wer­den soll­te (son­dern bereits vor­her). Der voll­stän­di­ge Satz wür­de lau­ten: „Nicht an dem Fest (soll er ver­haf­tet wer­den), damit nicht ein Auf­ruhr unter dem Volk entstehe.“
  5. Es geht hier – ähn­lich wie bei Mat­thä­us 5,32 – um die Aus­le­gung von 5. Mose 24,1.
  6. Sei­ne Jün­ger sagen zu ihm: Wenn die Sache des Man­nes mit der Frau so steht, so ist es nicht rat­sam zu heiraten.
  7. Bereits die ältes­ten Zeug­nis­se über das Mat­thä­us­evan­ge­li­um (Papi­as, Ire­nä­us, Ori­gi­nes) sehen die­ses als an aus dem Juden­tum kom­men­de Leser gerich­tet. Auch inne­re Kri­te­ri­en (zahl­rei­che Bezü­ge zum Alten Tes­ta­ment) wei­sen in die­se Richtung.
  8. Mehr dazu unter fol­gen­dem Link: Die Gemein­de im Neu­en Tes­ta­ment.
  9. … wenn sie aber doch geschie­den ist, so blei­be sie unver­hei­ra­tet oder ver­söh­ne sich mit dem Mann …


[Ich war] oft auf Reisen, in Gefahren von Flüssen, in Gefahren von Räubern, in Gefahren von ‹meinem› Volk, in Gefahren von den Nationen, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern; in Mühe und Beschwerde, in Wachen oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße; außer dem Übrigen ‹noch› das, was täglich auf mich eindringt: die Sorge um alle Gemeinden. (2. Korinther 11,26–28)

Die­se Über­set­zung soll im Gegen­satz zu der seit der Vul­ga­ta übli­chen Über­set­zung “macht, dass mit ihr Ehe­bruch began­gen wird” dar­auf hin­wei­sen, dass die ehe­bre­che­ri­sche Hand­lung vom Ehe­mann, der sei­ne Frau ent­lässt, durch­ge­führt wird. Es han­delt sich noch nicht um Ehe­bruch im stärks­ten Sinn (einer geschlecht­li­chen Bezie­hung zu einer ande­ren Frau), doch wird auch bereits die Ent­las­sung der Frau als ehe­bre­che­ri­scher Akt gesehen.

Eine ein­ge­hen­de Erklä­rung die­ser vor­ge­schla­ge­nen Über­set­zung ist zu fin­den in: Karl Sta­ab, Die Unauf­lös­lich­keit der Ehe und die sog. „Ehe­bruchs­klau­seln“ bei Mt 5,32 und 19,9: Fest­schrift für E. Eich­mann, Pader­born 1940, 435–452.

Es gab aller­dings auch eine ande­re Aus­le­gung (in der Schu­le des Rab­bi Hil­lel), der­zu­fol­ge die Ehe­schei­dung aus vie­len, sogar ganz gering­fü­gi­gen Grün­den erlaubt war.

So sag­ten die jüdi­schen Füh­rer in Mat­thä­us 26,5: „Nicht an dem Fest, damit nicht ein Auf­ruhr unter dem Volk ent­ste­he.“ In die­sem Satz fehlt das Verb. Aus dem Zusam­men­hang wird deut­lich, dass die Füh­rer woll­ten, dass Jesus nicht wäh­rend des Fes­tes ver­haf­tet wer­den soll­te (son­dern bereits vor­her). Der voll­stän­di­ge Satz wür­de lau­ten: „Nicht an dem Fest (soll er ver­haf­tet wer­den), damit nicht ein Auf­ruhr unter dem Volk entstehe.“

Es geht hier – ähn­lich wie bei Mat­thä­us 5,32 – um die Aus­le­gung von 5. Mose 24,1.

Sei­ne Jün­ger sagen zu ihm: Wenn die Sache des Man­nes mit der Frau so steht, so ist es nicht rat­sam zu heiraten.

Bereits die ältes­ten Zeug­nis­se über das Mat­thä­us­evan­ge­li­um (Papi­as, Ire­nä­us, Ori­gi­nes) sehen die­ses als an aus dem Juden­tum kom­men­de Leser gerich­tet. Auch inne­re Kri­te­ri­en (zahl­rei­che Bezü­ge zum Alten Tes­ta­ment) wei­sen in die­se Richtung.

Mehr dazu unter fol­gen­dem Link: Die Gemein­de im Neu­en Tes­ta­ment.

… wenn sie aber doch geschie­den ist, so blei­be sie unver­hei­ra­tet oder ver­söh­ne sich mit dem Mann …