Teil 4: Die „Neue‐Welt‐Übersetzung“ – wei­te­re Themen

In die­sem Abschnitt geht es um Zita­te aus der NWÜ bzw. der Hei­li­gen Schrift zur Unsterb­lich­keit der See­le, der Höl­le und der Fra­ge, ob geglaubt wird oder der Glau­be aus­ge­übt wird. Wel­che Aus­drü­cke wer­den in der NWÜ ver­wen­det, wenn es um das Erken­nen, das Kreuz oder um „Parou­sía“ geht? Was schreibt die NWÜ zum Her­ren­mahl? Will Gott das Heil aller Men­schen oder „aller Arten von“ Menschen?

4.1 Zur Unsterb­lich­keit der Seele

Die Zeu­gen Jeho­vas schrei­ben in „Was lehrt die Bibel wirk­lich?, Kapi­tel 6:

Nach dem Tod lebt abso­lut nichts von uns weiter.
Wir haben kei­ne unsterb­li­che See­le und kei­nen unsterb­li­chen Geist.

Wenn vom Men­schen abso­lut nichts wei­ter­lebt, dann kann es kei­ne Auf­er­ste­hung geben. Nach der Leh­re der Wacht­turm­ge­sell­schaft bewahrt Gott das Wis­sen um den Men­schen in sei­nem Gedächt­nis und kann ihn so auch wie­der auf­er­we­cken. Wenn es aber kei­nen blei­ben­den Zusam­men­hang zwi­schen dem ver­stor­be­nen und dem auf­er­stan­de­nen Men­schen gibt, kön­nen wir auch nicht sagen, dass Gott die­sen Men­schen auf­er­weckt. Dann schafft Gott einen Men­schen neu, der Wesens­merk­ma­le des frü­he­ren Men­schen trägt, der aber nicht der­sel­be Mensch ist.

Auf dem Hin­ter­grund die­ser Leh­re wol­len wir uns fol­gen­de Stel­len aus der NWÜ näher anschauen:

Lukas 23,43:
NWÜ: Und er sprach zu ihm: „Wahr­lich, ich sage dir heu­te: Du wirst mit mir im Para­dies sein.“

ELB: Und er sprach zu ihm: Wahr­lich, ich sage dir: Heu­te wirst du mit mir im Para­dies sein.

Es geht um die Bedeu­tung des Wor­tes „heu­te“. Woll­te Jesus dem mit ihm gekreu­zig­ten Auf­stän­di­schen sagen, dass die­ser noch am sel­ben Tag mit Jesus im Para­dies sein wer­de, oder woll­te Jesus beto­nen, dass er am Tage sei­ner Kreu­zi­gung dem Mit­ge­kreu­zig­ten das Para­dies ver­heißt, mit dem er gemein­sam mit Jesus sein wer­de?[1] Wenn es kein Wei­ter­le­ben nach dem Tod gibt, kann es doch nicht sein, dass jemand schon vor dem Tag der Auf­er­we­ckung, noch am Tage sei­nes Todes, schon im Para­dies ist. Des­we­gen blieb den Über­set­zern der NWÜ gar kei­ne ande­re Wahl als so zu über­set­zen, wie sie es taten.

Die ältes­ten grie­chi­schen Hand­schrif­ten ken­nen kei­ne Satz­zei­chen. Daher ist die Set­zung von Satz­zei­chen eine Fra­ge der Inter­pre­ta­ti­on. Die For­mu­lie­rung „Wahr­lich, ich sage dir/euch […][2] kommt in den Evan­ge­li­en im Mun­de Jesu über­aus häu­fig vor. Kein ein­zi­ges Mal aller­dings mit einer Anga­be über den Zeit­punkt des Gesag­ten. Es legt sich daher nahe, so zu über­set­zen, wie es die Elber­fel­der Bibel und prak­tisch alle ande­ren Über­set­zun­gen auch tun.

Johan­nes 11,25:
NWÜ: Jesus sprach zu ihr: „Ich bin die Auf­er­ste­hung und das Leben. Wer Glau­ben an mich aus­übt, wird zum Leben kom­men, auch wenn er stirbt […]

KIT:Joh11_25

ELB: Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auf­er­ste­hung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestor­ben ist […]

Auch die KIT schreibt klar: „he will live“ („er wird leben“). Jesus spricht davon, dass der an ihn Glau­ben­de nach sei­nem Tode lebt, nicht, dass er irgend­wann zum Leben kom­men wird. Das wird auch durch Vers 26 bestä­tigt: […] und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht ster­ben in Ewig­keit. (ELB)

Mat­thä­us 27,52–53:
NWÜ: Und die Gedächt­nis­grüf­te wur­den geöff­net, und vie­le Lei­ber der ent­schla­fe­nen Hei­li­gen wur­den auf­ge­rich­tet (und Leu­te, die nach sei­ner Auf­er­we­ckung von den Gedächt­nis­grüf­ten her­ka­men, gin­gen in die hei­li­ge Stadt), und sie wur­den vie­len sichtbar.

KIT:Matt27_53

ELB: und die Grüf­te öff­ne­ten sich, und vie­le Lei­ber der ent­schla­fe­nen Hei­li­gen wur­den auf­er­weckt, und sie gin­gen nach sei­ner Auf­er­we­ckung aus den Grüf­ten und gin­gen in die hei­li­ge Stadt und erschie­nen vielen.

Wur­den die Lei­ber der ent­schla­fe­nen Hei­li­gen auf­er­weckt? Oder gab es ein inter­es­san­tes Phä­no­men, bei dem in Fol­ge eines Erd­be­bens Lei­chen auf­ge­rich­tet wur­den, die dann von den Men­schen, die an den Grä­bern vor­bei­gin­gen, gese­hen wur­den. Das grie­chi­sche Wort ege­i­ro hat im Zusam­men­hang mit Bau­wer­ken auch die Bedeu­tung „auf­rich­ten“, doch wenn es um ver­stor­be­ne Men­schen geht, hat es die Bedeu­tung „auf­er­we­cken“. Woll­te Mat­thä­us ein­fach ein gru­se­li­ges Detail im zeit­glei­chen Zusam­men­hang mit dem Kreu­zes­tod Jesu schil­dern oder woll­te er auf die heils­ge­schicht­li­che Bedeu­tung der Erlö­sungs­tat Jesu hin­wei­sen, durch die auch die Hei­li­gen des Alten Bun­des zur vol­len Erlö­sung und zum Leben kommen?

4.2 Zur Fra­ge der Hölle

Die Zeu­gen Jeho­vas leh­nen die Exis­tenz einer ewi­gen Höl­le ab. Das The­ma ist gewiss nicht ein­fach. Vie­le Men­schen ver­bin­den die Leh­re mit einem Got­tes­bild, dem­zu­fol­ge Gott den Men­schen wie ein Fol­ter­knecht durch alle Ewig­keit Qua­len zufügt. Die­ses Got­tes­bild wird berech­tig­ter­wei­se abge­lehnt. Aber heißt das, dass auch die Leh­re von der Höl­le abge­lehnt wer­den muss, wie es Jeho­vas Zeu­gen tun?

Man­che Bil­der der Bibel wur­den oft in die­se fal­sche Rich­tung inter­pre­tiert. Die Höl­le ist aber kei­ne Fol­ter­kam­mer, in der Men­schen auf dem Rost gebra­ten wer­den, son­dern ist die ewi­ge Fins­ter­nis, die sich die Men­schen, die Gott ableh­nen, selbst berei­tet haben. Wer das Licht ver­wirft, dem bleibt nur die Fins­ter­nis. Das Feu­er der Höl­le ist das Feu­er, das im Men­schen brennt, wenn er mit sei­ner eige­nen Schuld und Bos­heit kon­fron­tiert wird, die er nicht bereut hat und die er auch nicht sehen will, der er aber in aller Ewig­keit nicht aus­wei­chen kann. Die­se Qua­len der Höl­le sind eine Fol­ge der frei­en Ent­schei­dung des Men­schen gegen Gott, eine Kon­se­quenz sei­ner Bos­heit. Vor die­sem Hin­ter­grund sind die Stel­len zu ver­ste­hen, in denen die Bibel über die Höl­le spricht.

Doch nun zu eini­gen Stel­len der NWÜ zu die­sem Thema:

Mat­thä­us 25,46:
NWÜ: Und die­se wer­den in die ewi­ge Abschnei­dung weg­ge­hen, die Gerech­ten aber in das ewi­ge Leben.“

KIT:Matt25_46

ELB: Und die­se wer­den hin­ge­hen zur ewi­gen Stra­fe, die Gerech­ten aber in das ewi­ge Leben.

Die Fuß­no­te der NWÜ erklärt: „Beschnei­dung (Stut­zung)“. Gr.: kólasin. Die eng­li­sche Aus­ga­be von 2013 ergänzt in deren Fuß­no­te noch, dass es um die Abschnei­dung vom Leben geht (also um die ewi­ge Vernichtung).

Die NWÜ will mit ihrer Wie­der­ga­be „Abschnei­dung“ zei­gen, dass es kei­ne ewi­ge Stra­fe in dem Sin­ne gibt, dass jemand als ewig exis­tie­ren­de Per­son die Fol­gen sei­ner Sün­de zu tra­gen hat, son­dern dass es hier um eine ewi­ge Ver­nich­tung geht.

Nach Bau­ers Wör­ter­buch hat kólas­is die Bedeu­tung „Züch­ti­gung, Stra­fe“.[3] Eine even­tu­el­le Bedeu­tung „Abschnei­dung“ wird nicht ein­mal andeu­tungs­wei­se erwähnt. Zeu­gen Jeho­vas ver­wei­sen dar­auf, dass das Verb kolá­zo im klas­si­schen Grie­chisch „beschnei­den“ bedeu­te, was nicht bestrit­ten wer­den kann. Aller­dings kann man einer­seits die tat­säch­li­che Bedeu­tung eines Wor­tes nicht nur auf ety­mo­lo­gi­schem Wege erfas­sen, ande­rer­seits hat auch das Verb kolá­zo in neu­tes­ta­ment­li­cher Zeit die Bedeu­tung „stra­fen, züch­ti­gen“. Auch die­ses Verb hat nie die Bedeu­tung „abschnei­den“ im Sin­ne einer ewi­gen Ver­nich­tung. Der Zusam­men­hang mit Vers 41 zeigt auch, dass es sich beim Feu­er nicht um ein phy­si­sches Feu­er zur Ver­nich­tung der Mate­rie handelt:

Dann wird er sei­ner­seits zu denen zu sei­ner Lin­ken sagen: ‚Geht weg von mir, ihr, die ihr ver­flucht wor­den seid, in das ewi­ge Feu­er, das für den Teu­fel und sei­ne Engel berei­tet ist. (NWÜ)

Da Geist­we­sen wie der Teu­fel von einem mate­ri­el­len Feu­er kei­nen Scha­den erlei­den wer­den, kann hier nur die Qual der Got­tes­fer­ne und der Kon­fron­ta­ti­on mit der eige­nen Bos­heit gemeint sein.

2. Petrus 2,9:
NWÜ: Jeho­va weiß Men­schen von Gott­er­ge­ben­heit aus der Prü­fung zu befrei­en, Unge­rech­te aber für den Tag des Gerichts zu ihrer Abschnei­dung aufzubehalten.

KIT:2Pet2_9

ELB: der Herr weiß die Gott­se­li­gen aus der Ver­su­chung zu ret­ten, die Unge­rech­ten aber auf­zu­be­wah­ren für den Tag des Gerichts, wenn sie bestraft werden.

Petrus führt hier nicht aus, wel­cher Art die­se Stra­fe ist. Die Über­set­zung von kolá­zo mit „stra­fen“ wäre inso­fern für die Zeu­gen Jeho­vas kein Pro­blem. Nur um der inne­ren Logik ihrer Über­set­zung wil­len müs­sen sie auch hier das Wort „Abschnei­dung“ einführen.

In Apos­tel­ge­schich­te 4,21 bleibt aller­dings auch der NWÜ kei­ne ande­re Wahl, als mit „bestra­fen“ zu über­set­zen, der Zusam­men­hang erlaubt hier die Wie­der­ga­be mit „abschnei­den“ ein­fach nicht: Als man ihnen dann wei­ter gedroht hat­te, ließ man sie frei, weil man kei­nen Grund fand, aus dem man sie hät­te bestra­fen können […]

Mat­thä­us 24,50–51: NWÜ: […] wird der Herr jenes Skla­ven an einem Tag kom­men, an dem er es nicht erwar­tet, und in einer Stun­de, die er nicht kennt, und wird ihn mit der größ­ten Stren­ge bestra­fen und wird ihm sein Teil mit den Heuch­lern zuwei­sen. Dort wird [sein] Wei­nen und [sein] Zäh­ne­knir­schen sein.

KIT:Mat24_51

ELB: […] so wird der Herr jenes Knech­tes kom­men an einem Tag, an dem er es nicht erwar­tet, und in einer Stun­de, die er nicht weiß, und wird ihn ent­zwei­schnei­den und ihm sein Teil fest­set­zen bei den Heuch­lern; da wird das Wei­nen und das Zäh­ne­knir­schen sein.

Das grie­chi­sche Wort dicho­to­meo bedeu­tet laut Bau­er[4] „mit­ten ent­zwei­schnei­den“, nicht aber „mit der größ­ten Stren­ge bestra­fen“. Das Wort hat hier natür­lich nur eine bild­li­che Bedeu­tung. Das „Wei­nen und Zäh­ne­knir­schen“ weist auch dar­auf hin, dass die Stra­fe nicht die Ver­nich­tung ist. Ver­nich­te­te kön­nen nicht mehr weinen.

Offen­ba­rung 19,20:
NWÜ: Und das wil­de Tier wur­de gefaßt und mit ihm der fal­sche Pro­phet, der vor ihm die Zei­chen tat, durch die er die irre­führ­te, wel­che das Kenn­zei­chen des wil­den Tie­res emp­fin­gen, und die, die sei­nem Bild Anbe­tung dar­brin­gen. Noch leben­dig wur­den sie bei­de in den Feu­er­see geschleu­dert, der mit Schwe­fel brennt.

KIT:Off19_20

ELB: Und es wur­de ergrif­fen das Tier und der fal­sche Pro­phet – der mit ihm war und die Zei­chen vor ihm tat, durch die er die ver­führ­te, die das Mal­zei­chen des Tie­res annah­men und sein Bild anbe­te­ten -, leben­dig wur­den die zwei in den Feu­er­see gewor­fen, der mit Schwe­fel brennt.

Die NWÜ fügt vor dem Wort „leben­dig“ noch ein „noch“ ein, um damit ihre Ver­nich­tungs­theo­rie zu stüt­zen. Im Grie­chi­schen fin­det sich das Wort „noch“ nicht.

4.3 „Glau­ben“ oder „Glau­ben ausüben“?

Johan­nes 14,1:
NWÜ: „Euer Herz wer­de nicht beun­ru­higt. Übt Glau­ben aus an Gott, übt auch Glau­ben aus an mich […]

KIT:Joh14_1

ELB: Euer Herz wer­de nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich!

Wir haben die­se Stel­le nur als ein Bei­spiel unter etli­chen aus­ge­wählt, an denen die NWÜ das grie­chi­sche Wort pisteuo durch „Glau­ben aus­üben“ wie­der­gibt. Nun ist es ohne Zwei­fel wich­tig, nicht nur einen theo­re­ti­schen Glau­ben zu haben, da der Glau­be ohne Wer­ke nutz­los[5] ist (Jako­bus 2,20). Aber „Glau­be“ ist nicht nur das Aus­üben von Vor­schrif­ten und Gebo­ten. Glau­be ist zuerst ein­mal Ver­trau­en. Ein glau­ben­der Mensch ver­traut Gott sein gan­zes Leben an. In Johan­nes 14 woll­te Jesus in die­ser kon­kre­ten Situa­ti­on die Jün­ger dazu ermun­tern, ihm und dem Vater zu ver­trau­en. Auch wenn es äußer­lich schien, als ob Jesus geschei­tert wäre, soll­ten die Jün­ger in ihrem Ver­trau­en uner­schüt­ter­lich blei­ben. Die For­mu­lie­rung „Glau­ben aus­üben“ drückt das nicht aus.

Wenn Jesus in Lukas 8,50 zum Syn­ago­gen­vor­ste­her, des­sen Toch­ter gestor­ben war, sagt: Fürch­te dich nicht, glau­be nur! Und sie wird geret­tet wer­den (ELB), so ist das etwas ande­res als: „Fürch­te dich nicht, bekun­de nur Glau­ben, und sie wird geret­tet wer­den“ (NWÜ). Es geht hier nicht um die Äuße­run­gen des Syn­ago­gen­vor­ste­hers, son­dern um sei­ne Hal­tung Gott gegenüber.

Unser Glau­be an Gott besteht in ers­ter Linie aus einer ver­trau­ens­vol­len Bezie­hung. Aus die­ser Bezie­hung her­aus erwach­sen dann auch die Wer­ke. Ein „nicht aus­ge­üb­ter“ Glau­be ist ohne­hin kein Glaube.

4.4 „Erken­nen“ oder „Erkennt­nis in sich aufnehmen“?

Johan­nes 17,3:
NWÜ: Dies bedeu­tet ewi­ges Leben, daß sie fort­ge­setzt Erkennt­nis in sich auf­neh­men über dich, den allein wah­ren Gott, und über den, den du aus­ge­sandt hast, Jesus Chris­tus.[6]

KIT:Joh17_3

ELB: Dies aber ist das ewi­ge Leben, dass sie dich, den allein wah­ren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Chris­tus, erkennen.

Wie die Wacht­turm­ge­sell­schaft das ver­steht, wird in einem Arti­kel im Wacht­turm vom 1. Juni 2012 auf Sei­te 9 erklärt:

„Dies bedeu­tet ewi­ges Leben“

„Dies bedeu­tet ewi­ges Leben, dass sie fort­ge­setzt Erkennt­nis in sich auf­neh­men über dich, den allein wah­ren Gott, und über den, den du aus­ge­sandt hast, Jesus Chris­tus“ (JOHANNES 17:3)

WISSEN kann Leben ret­ten. Die Mut­ter des 10 Mona­te alten Nou­hou ist Gesund­heits­hel­fe­rin in einem Dorf im Niger. Als der Klei­ne krank wur­de, wuss­te sie, was sie zu tun hat­te. Sie berei­te­te eine Rehy­dra­ti­ons­lö­sung aus Zucker, Salz und sau­be­rem Was­ser vor und gab sie ihm zu trin­ken. Durch ihre „schnel­le Reak­ti­on und den Zugang zu medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung vor Ort hat­te ihr Kind die Krank­heit bald über­stan­den“, hieß es in einem Bericht der UNICEF.

Auch Bibel­wis­sen kann Leben retten. …

Bis hier­her haben wir gese­hen, dass die Bibel ein unver­gleich­li­ches Buch ist: Ihre Pro­phe­zei­un­gen sind zuver­läs­sig, sie ist his­to­risch und wis­sen­schaft­lich genau, in sich stim­mig und ein gutes Hand­buch fürs Leben. Das alles drückt ihr den Stem­pel der Ein­zig­ar­tig­keit auf. Wenn die­ses Buch nun von sich behaup­tet, uns den Weg zu einem län­ge­ren Leben — ja zu ewi­gem Leben — zu zei­gen, ver­dient es da nicht beson­de­re Aufmerksamkeit?

Wir möch­ten Ihnen ans Herz legen, sich ein­mal genau­er damit zu befas­sen, wie ein fun­dier­tes Bibel­wis­sen zu inne­rem Frie­den und einer glück­li­chen Zukunft füh­ren kann. Jeho­vas Zeu­gen zei­gen Ihnen gern, wie man sich die­ses Wis­sen aneignet.

In der Bibel geht es nicht nur um das Wis­sen. Es geht um eine Bezie­hung. Ewi­ges Leben besteht dar­in, dass wir den Vater und sei­nen ewi­gen Sohn ken­nen, eine tie­fe unge­stör­te Bezie­hung zu Gott haben. Wir wis­sen um den Wert fun­dier­ter Bibel­kennt­nis­se. Doch die­ses Wis­sen allein, auch wenn wir es „fort­wäh­rend in uns auf­neh­men“, ist nicht das ewi­ge Leben. Das ist viel­leicht eines der Haupt­pro­ble­me, das die Über­set­zer der NWÜ hat­ten. Da ihnen die­se tie­fe Bezie­hung zu Gott fehl­te, die in der Bibel durch das Wort „Erkennt­nis“ aus­ge­drückt wird, konn­te es ihnen nur mehr um äußer­li­ches intel­lek­tu­el­les Wis­sen gehen, das man sich durch Stu­di­um aneig­nen kann.

4.5 „In“ oder „in Ver­bin­dung mit“?

Die grie­chi­sche Prä­po­si­ti­on en wird von den meis­ten Über­set­zern mit dem deut­schen Äqui­va­lent „in“ wie­der­ge­ge­ben. Die­ses kur­ze grie­chi­sche Wort hat einen gro­ßen Bedeu­tungs­um­fang und wird des­halb an man­chen Stel­len anders wie­der­ge­ge­ben. Wir wol­len uns hier auf die beson­ders bei Johan­nes und Pau­lus häu­fig vor­kom­men­den Wen­dun­gen wie „im Vater“, „im Sohn“, „in Chris­tus“ beschrän­ken. Die Über­set­zer hat­ten eine Scheu, die­se Wen­dun­gen so ein­fach wie­der­zu­ge­ben und haben ver­sucht, das durch Umschrei­bun­gen wie „in Ver­bin­dung mit“ aus­zu­drü­cken, was aber zu einer Ver­kür­zung des­sen führt, was Jesus oder Pau­lus sagen woll­ten. Wir wer­den uns auf weni­ge Bei­spie­le beschränken.

Johan­nes 13,31:
NWÜ: Als er nun hin­aus­ge­gan­gen war, sprach Jesus: „Jetzt ist der Men­schen­sohn ver­herr­licht, und Gott ist in Ver­bin­dung mit ihm verherrlicht […]

KIT:Joh13_31

ELB: Als er nun hin­aus­ge­gan­gen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Sohn des Men­schen ver­herr­licht, und Gott ist ver­herr­licht in ihm.

Viel­leicht war es nur als eine „erklä­ren­de Über­set­zung“ gemeint. Es ist aber ein gro­ßer Unter­schied, ob Gott „in Ver­bin­dung mit“ Jesus ver­herr­licht ist, oder „in“ ihm. Jesus woll­te nicht nur sagen, dass Gott irgend­wie mit ihm ver­bun­den ist. Jesus war mit sei­nem gan­zen Sein IM Vater begrün­det, und alles, was er tat, war IN Gott getan. Hier drückt die­ses in“ eine Tie­fe der Bezie­hung aus, die durch die For­mu­lie­rung der NWÜ verflacht.

Johan­nes 14,11:
NWÜ: Glaubt mir, daß ich in Gemein­schaft mit dem Vater bin und der Vater in Gemein­schaft mit mir ist; sonst glaubt um der Wer­ke selbst willen.

KIT:Joh14_11

ELB: Glaubt mir, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber nicht, so glaubt um der Wer­ke selbst willen!

„Im Vater“ sein ist mehr als nur „in Gemein­schaft mit ihm“ sein!

Johan­nes 14,20:
NWÜ: An jenem Tag wer­det ihr erken­nen, daß ich in Gemein­schaft bin mit mei­nem Vater und ihr in Gemein­schaft seid mit mir und ich in Gemein­schaft bin mit euch.

KIT:Joh14_20

ELB: An jenem Tag wer­det ihr erken­nen, dass ich in mei­nem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.

Auch die Tie­fe der Gemein­schaft Jesu mit uns wird durch das Wort „in“ viel stär­ker aus­ge­drückt als mit der For­mu­lie­rung „in Gemein­schaft mit“. Jesus ist dem Chris­ten ganz nahe, so nahe, dass wir sagen kön­nen, dass er in uns ist.

Gala­ter 2,20:
NWÜ: […] Nicht mehr ich bin es, der lebt, son­dern Chris­tus ist es, der in Gemein­schaft mit mir lebt. Tat­säch­lich lebe ich das Leben, das ich jetzt im Flei­sche lebe, durch den Glau­ben gegen­über dem Sohn Got­tes, der mich geliebt und sich selbst für mich dahin­ge­ge­ben hat.

KIT:Gal2_20

ELB: […] und nicht mehr lebe ich, son­dern Chris­tus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glau­ben, und zwar im Glau­ben an den Sohn Got­tes, der mich geliebt und sich selbst für mich hin­ge­ge­ben hat.

Liegt es viel­leicht dar­an, dass Zeu­gen Jeho­vas die­se tie­fe direk­te Bezie­hung zu Jesus fehlt, dass sie zu die­ser ver­fla­chen­den Wie­der­ga­be kommen?

4.6 „Parou­sía“ – Kom­men oder Gegenwart?

Seit den Anfän­gen von Charles Taze Rus­sell, dem Grün­der der Bewe­gung der Bibel­for­scher, war für ihn die Wie­der­ga­be des grie­chi­schen Wor­tes parou­sía mit „Gegen­wart“ ein wich­ti­ger Grund­stein sei­ner Leh­re. Schon in sei­ner ers­ten Schrift The Object and Man­ner of Our Lord‚s Return im Jah­re 1877 war das eine wich­ti­ge Erkennt­nis (ab S. 51). Die­ser Punkt blieb bis heu­te für die Wacht­turm­ge­sell­schaft von grund­le­gen­der Bedeu­tung wie Appen­dix 5B aus der Stu­di­en­aus­ga­be der NWÜ und der Arti­kel „Gegen­wart“ in Ein­sich­ten über die Hei­li­ge Schrift, S. 832–836 zei­gen. Der Unter­schied zwi­schen Rus­sell und den Zeu­gen Jeho­vas[7] besteht nur dar­in, dass Rus­sell davon über­zeugt war, dass die Gegen­wart Jesu schon im Jah­re 1874 begon­nen hat­te und es 1914[8] „kei­ne Welt‐ oder Natio­nen­herr­schaft mehr geben wird“,[9] wäh­rend die spä­te­ren Zeu­gen Jeho­vas nach dem für Außen­ste­hen­de nicht über­ra­schen­den Aus­blei­ben der von Rus­sell errech­ne­ten Ereig­nis­se das Jahr 1914 als Anfangs­punkt der unsicht­ba­ren Gegen­wart Jesu anneh­men.[10]

Für die Wacht­turm­ge­sell­schaft ist die wich­tigs­te Stel­le in die­sem Zusammenhang
Mat­thä­us 24,3:
NWÜ: Als er auf dem Ölberg saß, tra­ten die Jün­ger allein zu ihm und spra­chen: „Sag uns: Wann wer­den die­se Din­ge gesche­hen, und was wird das Zei­chen dei­ner Gegen­wart und des Abschlus­ses des Sys­tems der Din­ge sein?“

ELB: Als er aber auf dem Ölberg saß, tra­ten sei­ne Jün­ger für sich allein zu ihm und spra­chen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zei­chen dei­ner Ankunft und der Voll­endung des Zeitalters?

Dass das Wort parou­sía die Bedeu­tung „Gegen­wart“ hat, steht außer Zwei­fel. Aber genau­so steht außer Zwei­fel, dass es sich auch auf das „Kom­men“ bezie­hen kann, mit dem eine „Gegen­wart“ beginnt.

So schreibt Pau­lus etwa in 2. Korin­ther 7,5–7:

Denn auch als wir nach Maze­do­ni­en kamen, hat­te unser Fleisch kei­ne Ruhe, son­dern in allem waren wir bedrängt; von außen Kämp­fe, von innen Ängs­te. Aber der die Nied­ri­gen trös­tet, Gott, trös­te­te uns durch die Ankunft des Titus; doch nicht nur durch sei­ne Ankunft, son­dern auch durch den Trost, womit er bei euch getrös­tet wor­den ist, denn er berich­te­te uns eure Sehn­sucht, euer Weh­kla­gen, euren Eifer für mich, so dass ich mich noch mehr freute.

Vor der Ankunft des Titus war Pau­lus unru­hig und bedrängt. Durch sei­ne Ankunft (und natür­lich auch sei­ne dar­auf fol­gen­de Gegen­wart) wur­de er dann getröstet.

Eben­so Phil­ip­per 1,26:

[…] damit euer Rüh­men über­reich wer­de in Chris­tus Jesus durch mich bei mei­ner Rück­kehr zu euch.

Für „Rück­kehr“ steht im Grie­chi­schen wört­lich: „Wieder‐Ankunft“. Durch die­se hoff­te Pau­lus, wie­der bei den Phil­ip­pern zu sein.

Was die Gegen­wart Jesu betrifft, so haben wir kla­re Ver­hei­ßun­gen Jesu, die nicht erst seit 1914 gelten:

Denn wo zwei oder drei in mei­nem Namen ver­sam­melt sind, da bin ich in ihrer Mit­te. (Mat­thä­us 18,20 NWÜ)

Und sie­he, ich bin bei euch alle Tage bis zum Abschluß des Sys­tems der Din­ge. (Mat­thä­us 28,20b NWÜ)[11]

Als Ant­wort sprach Jesus zu ihm: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort hal­ten, und mein Vater wird ihn lie­ben, und wir wer­den zu ihm kom­men und Woh­nung bei ihm neh­men. (Johan­nes 14,23 NWÜ)

Jesus und der Vater neh­men Woh­nung bei jedem, der Jesus liebt und sein Wort hält, nicht erst seit 1914.

Auch die fol­gen­den Aus­sa­gen der Hei­li­gen Schrift haben nur Sinn, wenn Jesus gegen­wär­tig ist:

Ich bin der Wein­stock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. (Johan­nes 15,5)

[…] und nicht mehr lebe ich, son­dern Chris­tus lebt in mir. (Gala­ter 2,20a)

Ihnen woll­te Gott zu erken­nen geben, was der Reich­tum der Herr­lich­keit die­ses Geheim­nis­ses unter den Natio­nen sei, und das ist: Chris­tus in euch, die Hoff­nung der Herr­lich­keit. (Kolos­ser 1,27)

Auch dass Jesus erst 1914 die Königs­herr­schaft ange­tre­ten habe, wider­spricht der Bibel:

[…] und nach­dem er eine Rei­ni­gung für unse­re Sün­den her­bei­ge­führt hat­te, setz­te er sich zur Rech­ten der Majes­tät in den Höhen. (Hebrä­er 1,3 NWÜ)

Die Rei­ni­gung für unse­re Sün­den war durch sei­nen Tod und sei­ne Auf­er­ste­hung, also schon im Jah­re 30 (oder 33 nach der Chro­no­lo­gie der Wacht­turm­ge­sell­schaft), nicht erst 1914.

Er hat uns von der Gewalt der Fins­ter­nis befreit und uns in das König­reich des Soh­nes sei­ner Lie­be ver­setzt, […] (Kolos­ser 1,13 NWÜ)

Die Chris­ten des ers­ten Jahr­hun­derts befan­den sich schon im König­reich Jesu, lan­ge vor 1914.

Wer siegt, dem will ich gewäh­ren, sich mit mir auf mei­nen Thron zu set­zen, so wie ich gesiegt und mich mit mei­nem Vater auf sei­nen Thron gesetzt habe. (Offen­ba­rung 3,21 NWÜ)

Die­se wer­den mit dem Lamm Krieg füh­ren, und das Lamm wird sie über­win­den; denn es ist Herr der Her­ren und König der Köni­ge, und die mit ihm sind, sind Beru­fe­ne und Aus­er­wähl­te und Treue. (Offen­ba­rung 17,14)[12]

Auch alle Stel­len, die über die Erhö­hung Jesu zum Vater spre­chen, bezeu­gen sei­ne könig­li­che Macht nicht erst seit 1914:

Nach­dem er nun durch die Rech­te Got­tes erhöht wor­den ist und die Ver­hei­ßung des Hei­li­gen Geis­tes vom Vater emp­fan­gen hat, hat er die­ses aus­ge­gos­sen, was ihr seht und hört. (Apos­tel­ge­schich­te 2,33)

Dar­um hat Gott ihn auch hoch erho­ben und ihm den Namen ver­lie­hen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beu­ge, der Himm­li­schen und Irdi­schen und Unter­ir­di­schen, und jede Zun­ge beken­ne, dass Jesus Chris­tus Herr ist, zur Ehre Got­tes, des Vaters. (Phil­ip­per 2,9–11)

Auch Satan wur­de nicht erst 1914 besiegt, son­dern bereits durch das öffent­li­che Wir­ken und den Tod und die Auf­er­ste­hung Jesu Christi:

Dar­auf sag­te er zu ihnen: „Ich sah den Satan wie einen Blitz bereits aus dem Him­mel gefal­len. (Lukas 10,18 NWÜ)

Wenn ich aber durch den Fin­ger Got­tes die Dämọ­nen aus­trei­be, so hat das König­reich Got­tes euch wirk­lich ein­ge­holt. Wenn ein star­ker, gut­be­waff­ne­ter Mann sei­nen Palast bewacht, bleibt sei­ne Habe in Frie­den. Wenn aber ein Stär­ke­rer als er gegen ihn her­an­kommt und ihn besiegt, nimmt er ihm sei­ne vol­le Rüs­tung weg, auf die er ver­trau­te, und er teilt die Din­ge aus, die er von ihm erbeu­tet hat. (Lukas 11,20–22 NWÜ)

Jetzt ergeht ein Gericht über die­se Welt; jetzt wird der Herr­scher die­ser Welt hin­aus­ge­wor­fen wer­den. (Johan­nes 12,31 NWÜ)

[…] dann hin­sicht­lich Gericht, weil der Herr­scher die­ser Welt gerich­tet wor­den ist. (Johan­nes 16,11 NWÜ)

Die Regie­run­gen und die Gewal­ten ent­blö­ßend, stell­te er sie als besiegt in der Öffent­lich­keit zur Schau und führ­te sie […] im Tri­umph­zug ein­her. (Kolos­ser 2,15 NWÜ)

Wenn nun Jesus nach dem Zeug­nis der Hei­li­gen Schrift bereits seit den Anfän­gen der Chris­ten­heit unsicht­bar unter uns gegen­wär­tig ist und wenn er den Satan durch sein Leben, sei­nen Tod und sei­ne Auf­er­we­ckung besiegt hat, wenn er schon mit sei­ner Erhö­hung nach sei­nem Tod sei­ne Königs­herr­schaft ange­tre­ten hat, was soll sich dann nach der Leh­re der Zeu­gen Jeho­vas im Jah­re 1914 zuge­tra­gen haben?

Für uns gilt das­sel­be, was auch für die Chris­ten im 1. Jahr­hun­dert galt, was wir auch im Hebrä­er­brief aus­ge­drückt finden:

Denn indem er ihm alles unter­warf, ließ er nichts übrig, das ihm nicht unter­wor­fen wäre; jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unter­wor­fen. (Hebrä­er 2,8)

Wenn ihm dann bei sei­ner Wie­der­kunft alles unter­wor­fen sein wird, wird das unüber­seh­bar sein.

Im Appen­dix 5B der Stu­di­en­aus­ga­be der NWÜ fin­det sich auch fol­gen­der Absatz:

Eben­falls bestä­tigt Bau­er, Sp. 1249,[13] daß parou­sía „zum offiz[iellen] Aus­druck für den Besuch her­vor­ra­gen­der Amts­trä­ger, bes[onders] auch v[on] Köni­gen und Kai­sern in der Pro­vinz“, wur­de. In Mat 24:3, wie auch in ande­ren Tex­ten wie 1Th 3:13 und 2Th 2:1, bezieht sich das Wort parou­sía auf die könig­li­che Gegen­wart Jesu Chris­ti seit sei­ner Ein­set­zung als König in den letz­ten Tagen die­ses Sys­tems der Dinge.

Die­ses Zitat ist einer­seits kor­rekt, aber inso­fern irre­füh­rend, als nur der ers­te Satz ein Zitat aus Bau­ers Wör­ter­buch ist. Jeman­dem, der nicht genau auf die Anfüh­rungs­zei­chen ach­tet, wird der Ein­druck ver­mit­telt, dass auch die dar­auf­fol­gen­de Aus­füh­rung noch von Bau­er ist.

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber wol­len wir ergän­zen, was Bau­er in der­sel­ben Spal­te zum Stich­wort parou­sía noch schreibt:

v[on] Chris­tus, und zwar bei­na­he immer v[on] der mes­sia­ni­schen Ankunft des Ver­klär­ten zum Gericht am Ende die­ses Aeons: Mt 24,3, […] 1. Kor 15,23; 2 Th 2,8; 2 Pt 3,4; 1 J 2,28; […]

Wenn laut Bau­er parou­sía für den Besuch „her­vor­ra­gen­der Amts­trä­ger“ ver­wen­det wur­de, spricht das eher für die Über­set­zung mit „Kom­men“, „Ankunft“, da Staats­be­su­che in der Regel nur eine kur­ze Zeit dau­ern. Aller­dings hal­ten wir dar­an fest, dass, wenn Jesus sicht­bar kom­men wird, er für alle Ewig­keit bei den Sei­nen blei­ben wird bzw. die Sei­nen bei ihm.

Unse­res Wis­sens war Ben­ja­min Wil­son mit sei­ner Inter­li­ne­ar­aus­ga­be „Empha­tic Dia­glott“ aus 1864 der ers­te, der parou­sía kon­se­quent mit „pre­sence“ („Gegen­wart“) wie­der­ge­ge­ben hat. Alle Über­set­zer vor ihm haben die kon­kre­te Bedeu­tung des Wor­tes aus dem Zusam­men­hang erschlos­sen und in Mat­thä­us 24,3 mit „Ankunft“ oder „Kom­men“ übersetzt.

Zum Ver­ständ­nis von Mat­thä­us 24,3 ist es gut, auch die Par­al­le­le in Mar­kus 13 zu berück­sich­ti­gen, da bei­de Stel­len über das­sel­be kon­kre­te Gespräch Jesu mit vier sei­ner Jün­ger han­deln. In Mar­kus 13,4 lau­tet die Fra­ge die­ser Jün­ger, nach­dem Jesus die Zer­stö­rung des Tem­pels in Jeru­sa­lem ange­spro­chen hatte:

Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zei­chen, wann dies alles voll­endet wer­den soll?

Jesus spricht dann über ver­schie­de­ne Ereig­nis­se, die der Tem­pel­zer­stö­rung vor­aus­ge­hen soll­ten. Wir wol­len hier nicht auf die Details ein­ge­hen, sind aber ger­ne bereit, inter­es­sier­ten Lesern mehr dar­über zu schreiben.

Bedeut­sam sind dann noch die Ver­se Mar­kus 13,30–32:

Wahr­lich, ich sage euch: Die­ses Geschlecht wird nicht ver­ge­hen, bis alles dies gesche­hen ist. Der Him­mel und die Erde wer­den ver­ge­hen, mei­ne Wor­te aber wer­den nicht ver­ge­hen. Von jenem Tag aber oder der Stun­de weiß nie­mand, auch nicht die Engel im Him­mel, auch nicht der Sohn, son­dern nur der Vater.

Jesus macht hier einer­seits eine sehr kon­kre­te Aus­sa­ge, näm­lich, dass „alles dies“ inner­halb einer Gene­ra­ti­on gesche­hen wer­de, ande­rer­seits gibt er eine völ­lig offe­ne Erklä­rung zu „jenem Tag“ ab, näm­lich, dass nie­mand weiß, nicht ein­mal er selbst (als Mensch auf Erden), wann die­ser Tag sein wer­de. Der jüdi­sche Tem­pel in Jeru­sa­lem wur­de tat­säch­lich im Jah­re 70, vier­zig Jah­re nach­dem Jesus dies ange­kün­digt hat­te, zer­stört. Der Tag sei­ner Wie­der­kunft ist noch nicht gesche­hen. Kein Mensch weiß und kann es wis­sen, wann die­ser Tag sein wird.

Wenn wir von Mar­kus 13 wie­der zu Mat­thä­us 24 zurück­keh­ren, so müs­sen wir die Fra­ge der Jün­ger in Mat­thä­us 24,3 als Par­al­le­le zu Mar­kus 13,4 ver­ste­hen. Die Jün­ger woll­ten wis­sen, wann der Tem­pel zer­stört wer­den wür­de und was die Vor­zei­chen die­ses Ereig­nis­ses sein wer­den. Mit der Tem­pel­zer­stö­rung wur­de ein Zeit­al­ter abge­schlos­sen, das Zeit­al­ter des Geset­zes mit dem Tem­pel­kult, wie es auch in Hebrä­er 8,13 heißt:

Indem er von einem „neu­en“ Bund spricht, hat er den ers­ten für ver­al­tet erklärt; was aber ver­al­tet und sich über­lebt, ist dem Ver­schwin­den nahe.

Im direk­ten Zusam­men­hang spricht Mat­thä­us 24,3 also vom Kom­men Jesu, des Men­schen­soh­nes als Rich­ter über sein Volk. Die Zer­stö­rung des Tem­pels war das Gericht Got­tes, das durch die Hand der Römer aus­ge­führt wur­de. Es ist ein­ge­trof­fen, was in Malea­chi 3,24 als Befürch­tung geäu­ßert wurde:

Und er (Elia) wird das Herz der Väter zu den Söh­nen und das Herz der Söh­ne zu ihren Vätern umkeh­ren las­sen, damit ich nicht kom­me und das Land mit dem Bann schlage.

Da sich das Volk Isra­el weder durch Elia (in der Per­son Johan­nes des Täu­fers) noch durch den nach ihm kom­men­den Herrn (Jesus) zur Umkehr bewe­gen ließ, wur­de das Land in den Bann geschla­gen. Die Vor­zei­chen die­ses Kom­mens zum Gericht fin­den wir in Mat­thä­us 24,4–28.

Mat­thä­us 24 spricht aber auch von dem für alle sicht­ba­ren Kom­men Jesu am Ende der Zei­ten. Hier heißt es aber wie­der ganz klar:

Von jenem Tag aber und jener Stun­de weiß nie­mand, auch nicht die Engel in den Him­meln, auch nicht der Sohn, son­dern der Vater allein. (Mat­thä­us 24,36)

Damit schiebt Jesus jedem Ver­such, den Tag oder auch nur die unge­fäh­re Zeit sei­ner Wie­der­kunft (oder „Gegen­wart“) berech­nen zu wol­len, einen Rie­gel vor.[14]

Für alle, die sich die­sen Wor­ten Jesu wie­der­set­zen und mei­nen, trotz­dem „pro­phe­ti­sche“ Aus­sa­gen über den Tag Jesu tref­fen zu müs­sen, tref­fen die Wor­te aus 5. Mose 18,20–22 zu:

Doch der Pro­phet, der sich ver­mes­sen soll­te, in mei­nem Namen ein Wort zu reden, das ich ihm nicht befoh­len habe zu reden, oder der im Namen ande­rer Göt­ter reden wird: die­ser Pro­phet muss ster­ben. Und wenn du in dei­nem Her­zen sagst: „Wie sol­len wir das Wort erken­nen, das nicht der HERR gere­det hat?“, wenn der Pro­phet im Namen des HERRN redet, und das Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist das das Wort, das nicht der HERR gere­det hat. In Ver­mes­sen­heit hat der Pro­phet es gere­det; du brauchst dich nicht vor ihm zu fürchten.

Für die Sicht­bar­keit des Kom­mens Jesu am Ende der Zei­ten spricht nicht nur Mat­thä­us 24,30b:

und sie wer­den den Men­schen­sohn mit Macht und gro­ßer Herr­lich­keit auf den Wol­ken des Him­mels kom­men sehen (NWÜ)

son­dern auch fol­gen­de Stellen:

Wenn aber der Sohn des Men­schen kom­men wird in sei­ner Herr­lich­keit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf sei­nem Thron der Herr­lich­keit sit­zen; und vor ihm wer­den ver­sam­melt wer­den alle Natio­nen, und er wird sie von­ein­an­der schei­den, wie der Hir­te die Scha­fe von den Böcken schei­det. (Mat­thä­us 25,31–32)

[…] und sie spra­chen: „Män­ner von Galilạ̈a, war­um steht ihr da und schaut zum Him­mel empor? Die­ser Jesus, der von euch weg in den Him­mel auf­ge­nom­men wor­den ist, wird so kom­men, in der­sel­ben Wei­se, wie ihr ihn in den Him­mel habt gehen sehen.“ (Apos­tel­ge­schich­te 1,11 NWÜ)

[…] wenn er kommt, um an jenem Tag in sei­nen Hei­li­gen ver­herr­licht und in allen denen bewun­dert zu wer­den, die geglaubt haben; […] (2. Thes­sa­lo­ni­cher 1,10)

4.7 Zum Herrenmahl

Mat­thä­us 26,26–28:
NWÜ: Wäh­rend sie wei­ter­aßen, nahm Jesus ein Brot, und nach­dem er einen Segen gespro­chen hat­te, brach er es, gab es den Jün­gern und sag­te: „Nehmt, eßt! Dies bedeu­tet mei­nen Leib.“ Auch nahm er einen Becher, und nach­dem er Dank gesagt hat­te, gab er ihnen die­sen und sprach: „Trinkt dar­aus, ihr alle; denn dies bedeu­tet mein ‚Blut des Bun­des‘, das zuguns­ten vie­ler zur Ver­ge­bung der Sün­den ver­gos­sen wer­den wird.

KIT:Matt26_26

ELB: Wäh­rend sie aber aßen, nahm Jesus Brot und seg­ne­te, brach und gab es den Jün­gern und sprach: Nehmt, esst, dies ist mein Leib! Und er nahm einen Kelch und dank­te und gab ihnen den und sprach: Trinkt alle dar­aus! Denn dies ist mein Blut des Bun­des, das für vie­le ver­gos­sen wird zur Ver­ge­bung der Sünden.

Zeu­gen Jeho­vas haben ein sym­bo­li­sches Ver­ständ­nis des Her­ren­mah­les (bei ihnen „Gedächt­nis­mahl“ genannt). Wäh­rend ande­re Grup­pie­run­gen mit sym­bo­li­schem Abend­mahls­ver­ständ­nis bei der wört­li­chen Über­set­zung „Dies ist mein Leib“ (Vers 26) und „Dies ist mein Blut des Bun­des“ (Vers 28) blei­ben, lau­tet die Wie­der­ga­be der NWÜ: „Dies bedeu­tet mei­nen Leib“ bzw. „Dies bedeu­tet mein ‚Blut des Bun­des‘.“ Nun kann das grie­chi­sche Wort estin auch die Bedeu­tung „bedeu­tet“ haben. Es gibt auch Stel­len, wie etwa in Mat­thä­us 13,38, wo in der Erklä­rung vom Gleich­nis des Unkrauts im Acker man ohne Pro­ble­me statt mit: „Der Acker ist die Welt“ auch mit „Der Acker bedeu­tet die Welt“ über­set­zen könn­te. Inter­es­san­ter­wei­se lau­tet aber hier die NWÜ: „Das Feld ist die Welt.“

Den Über­set­zern der NWÜ war sicher nicht unbe­kannt, dass es in ver­schie­de­nen Kon­fes­sio­nen ver­schie­de­ne Aus­le­gun­gen des estin in Mt 26,26 gibt. Da sie nicht die Wie­der­ga­be „ist“ gewählt haben und so die Inter­pre­ta­ti­on dem Leser über­las­sen hät­ten, legt sich die Annah­me nahe, dass sie mit der von ihnen gewähl­ten Ver­si­on die Aus­le­gung der Wacht­turm­ge­sell­schaft unter­stüt­zen wollten.

Wir haben hier nur die Stel­le bei Mat­thä­us ange­führt. Der­sel­be Fall liegt auch bei den Par­al­le­len in Mar­kus 14,22–24; Lukas 22,19–20 und 1. Korin­ther 11,23–25 vor.

4.8 Kreuz oder Marterpfahl?

Für Leser her­kömm­li­cher Über­set­zun­gen wirkt die Ver­wen­dung des Wor­tes „Mar­ter­pfahl“ für das übli­cher­wei­se mit „Kreuz“ wie­der­ge­ge­be­ne grie­chi­sche Wort stau­rós auf den ers­ten Blick befremd­lich. Nun ist die Fra­ge nach der genau­en Hin­rich­tungs­art Jesu nicht beson­ders wesent­lich. Da die­se Fra­ge den Über­set­zern der NWÜ doch wich­tig war und sie ihre Über­set­zung im Appen­dix 5C der Stu­di­en­aus­ga­be der NWÜ begrün­den, wol­len wir uns auch mit die­ser Fra­ge beschäftigen.

Ein­lei­tend wol­len wir dar­an fest­hal­ten, dass für Charles Taze Rus­sell, den Begrün­der der Bibel­for­scher­be­we­gung, deren Haupt­zweig sich spä­ter „Zeu­gen Jeho­vas“ nann­te, die­se Fra­ge nicht exis­tier­te und dass jahr­zehn­te­lang das Zei­chen die­ser Bewe­gung das von einer Kro­ne umge­be­ne Kreuz war, wie fol­gen­de Abbil­dung aus dem Titel­blatt des Wacht­turms vom Janu­ar 1904 zeigt:

Logo Bibelforscher WT1904

Den Zeu­gen Jeho­vas ist zuzu­stim­men, dass das Wort stau­rós im klas­si­schen Grie­chisch seit Homer einen „auf­recht ste­hen­den spit­zen Pfahl“[15] bedeu­te­te. Da Jesus aber von einem römi­schen Gericht zum Tode ver­ur­teilt wur­de und die­ses Urteil durch römi­sche Sol­da­ten exe­ku­tiert wur­de, stellt sich die Fra­ge nicht so sehr nach dem klas­sisch grie­chi­schen Wort­ge­brauch, son­dern nach der römi­schen Hinrichtungspraxis.

Laut Wal­ter Bau­er erwähnt im 2. Jahr­hun­dert nach Chris­tus Artem­ido­ros 2,53, dass am obe­ren Ende des senk­rech­ten Pfahls häu­fig ein Quer­bal­ken befes­tigt war. Detail­lier­te Infor­ma­ti­on über den Vor­gang die­ser schreck­li­chen Todes­stra­fe fin­det man im Wikipedia‐Artikel zum The­ma Kreu­zi­gung und auch im Arti­kel Crux in Pau­lys Rea­len­cy­clo­pä­die der clas­si­schen Alter­tums­wis­sen­schaft. Auch der Fund eines Fer­sen­kno­chens eines im 1. Jahr­hun­dert in Paläs­ti­na (Giv‐at ha‐Mivtar) gekreu­zig­ten Juden spricht dafür, dass die Römer im ers­ten Jahr­hun­dert die Kreu­ze mit einem Quer­bal­ken ver­wen­det haben. Fer­ner zeigt das 1856 in Rom gefun­de­ne Spott­kru­zi­fix vom Pala­tin aus dem 2./3. Jahr­hun­dert, in dem ver­mut­lich der christ­li­che Skla­ve Alex­amenos dafür ver­spot­tet wird, dass er einen Gekreu­zig­ten, der hier mit einem Esel­s­kopf dar­ge­stellt wird, als Gott anbe­tet, dass es Kreu­ze mit Quer­bal­ken gab und Chris­ten für die Ver­eh­rung eines Gekreu­zig­ten ver­spot­tet wur­den.[16] Auch wenn die NWÜ eine aus einem Werk aus dem 17. Jahr­hun­dert stam­men­de Dar­stel­lung einer „crux sim­plex“ zeigt,[17] ist die Ansicht, dass Jesus an einem Mar­ter­pfahl hin­ge­rich­tet wur­de, his­to­risch und archäo­lo­gisch betrach­tet heu­te nicht mehr vertretbar.

Auch aus früh­christ­li­chen Schrif­ten geht ein­deu­tig her­vor, dass damals das Kreuz nicht als ein­fa­cher Bal­ken auf­ge­fasst wur­de. Bei­spie­le dafür fin­den sich in:
Bar­na­bas­brief 9,8: Hier wird das Kreuz mit dem grie­chi­schen Buch­sta­ben Tau verglichen.
Bar­na­bas­brief 12,2: Hier wird der die Arme aus­brei­ten­de Mose mit dem Kreuz verglichen.
Igna­ti­us an die Tral­lia­ner 11,2: Spricht von den „Ästen des Kreuzes“.
Jus­tin, 1. Apo­lo­gie 35: […] wohl aber hat Jesus Chris­tus sei­ne Hän­de aus­brei­ten müs­sen, als er von den Juden gekreu­zigt wur­de […]
Jus­tin, 1. Apo­lo­gie 60: Ver­gleicht das Kreuz mit einem Chi.
Wei­te­re Hin­wei­se, die wir hier nicht detail­liert anfüh­ren, fin­den sich auch in den Schrif­ten von Tertullian.

Auch die bibli­schen Berich­te unter­stüt­zen die Annah­me, dass Jesus an ein Kreuz geschla­gen wur­de und nicht an einen Marterpfahl.

Johan­nes 19,17 (eben­so die Par­al­le­len in den syn­op­ti­schen Evan­ge­li­en) spricht davon, dass Jesus sein Kreuz selbst getra­gen hat. Es legt sich hier nahe, dass Jesus nur den Quer­bal­ken, das soge­nann­te Pati­bu­lum, tra­gen muss­te, als den „Mar­ter­pfahl“, wie die NWÜ schreibt. Ein Pfahl, der so groß und trag­fä­hig sein muss­te, dass er einen Men­schen tra­gen kann, kann schon von einem gesun­den Men­schen nur mit Mühe getra­gen wer­den. Wie hät­te das der durch die Gei­ße­lung geschwäch­te Jesus auch nur ein klei­nes Stück weit schaf­fen sollen?

Mat­thä­us 27,37 (NWÜ): Auch brach­ten sie über sei­nem Haupt die Inschrift über die gegen ihn erho­be­ne Beschul­di­gung an: „Die­ser ist Jesus, der König der Juden.“

Wenn Jesus an einen Mar­ter­pfahl mit sei­nen Hän­den über sei­nem Haupt ange­na­gelt wor­den wäre, wür­de da nicht eher ste­hen, dass die Inschrift über sei­nen Hän­den ange­bracht wurde?

Johan­nes 20,25 (NWÜ): Infol­ge­des­sen sag­ten die ande­ren Jün­ger zu ihm: „Wir haben den Herrn gese­hen!“ Er aber sprach zu ihnen: „Wenn ich nicht in sei­nen Hän­den die Spur der Nägel sehe und mei­nen Fin­ger in die Spur der Nägel lege und mei­ne Hand in sei­ne Sei­te lege, will ich es bestimmt nicht glauben.“

Tho­mas spricht hier von der „Spur der Nägel“, nicht „des Nagels“. Wäre Jesus so, wie häu­fig in Publi­ka­tio­nen der Zeu­gen Jeho­vas dar­ge­stellt, mit bei­den Hän­den über sei­nem Haupt ange­na­gelt wor­den, wären bei­de Hän­de von einem ein­zi­gen Nagel durch­bohrt worden.

Zusam­men­fas­send kön­nen wir fest­stel­len, dass weder die Bibel noch außer­bi­bli­sche Zeug­nis­se für die Auf­fas­sung der Zeu­gen Jeho­vas spre­chen, dass Jesus an einem Mar­ter­pfahl gestor­ben sei und dass wir daher ande­re Grün­de im Hin­ter­grund ver­mu­ten dür­fen, wenn die NWÜ stau­rós mit „Mar­ter­pfahl“ wie­der­gibt. Die­se Wie­der­ga­be kann nicht durch den von ihnen ange­führ­ten Grund „Wir möch­ten dem geschrie­be­nen Wort Got­tes nichts hin­zu­fü­gen, indem wir den heid­ni­schen Begriff „Kreuz“ in die inspi­rier­ten Schrif­ten auf­neh­men wür­den […]“ gerecht­fer­tigt wer­den, son­dern ent­sprang viel­leicht dem Wunsch, sich durch etwas Beson­de­res von allen ande­ren sich christ­lich nen­nen­de Grup­pie­run­gen zu unter­schei­den. In heid­ni­schen Reli­gio­nen fin­den wir nicht nur das Kreuz als Sym­bol. Es wur­den in heid­ni­schen Kul­ten auch ein­fa­che auf­recht ste­hen­de Pfäh­le ver­wen­det.[18]

4.9 Will Gott das Heil aller oder „aller Arten von“ Menschen?

Johan­nes 1,7.9:
NWÜ: Die­ser kam zu einem Zeug­nis, um Zeug­nis von dem Licht abzu­le­gen, damit durch ihn Men­schen von allen Arten zum Glau­ben kämen. […] 9 Das wah­re Licht, das jeder Art von Men­schen Licht gibt, war im Begriff, in die Welt zu kommen.

KIT:Joh1_79

ELB: Die­ser kam zum Zeug­nis, dass er zeug­te von dem Licht, damit alle durch ihn glaub­ten. […] 9 Das war das wahr­haf­ti­ge Licht, das, in die Welt kom­mend, jeden Men­schen erleuchtet.

Johan­nes 12,32:
NWÜ: Und doch wer­de ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, Men­schen von allen Arten zu mir ziehen.

KIT:Joh12_32

ELB: Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, wer­de alle zu mir ziehen.

1. Timo­theus 2,4:
NWÜ: […] des­sen Wil­le es ist, daß alle Arten von Men­schen geret­tet wer­den und zu einer genau­en Erkennt­nis der Wahr­heit kommen.

KIT:1Tim2_4

ELB: […] wel­cher will, dass alle Men­schen geret­tet wer­den und zur Erkennt­nis der Wahr­heit kommen.

Wei­te­re Stel­len mit der­sel­ben Wie­der­ga­be: 1. Timo­theus 2,1; 4,10; Titus 2,11.

Ein Blick auf die KIT zeigt, dass das grie­chi­sche Wort pás (hier in den For­men pán­tes, pán­ta und pán­tas) im Inter­li­ne­ar­text mit „all“ und „every“ wie­der­ge­ge­ben wird, was auch der Elber­fel­der Über­set­zung „alle“ und „jeder“ ent­spricht, von der NWÜ sowohl im Eng­li­schen als auch im Deut­schen ganz anders wie­der­ge­ge­ben wird. Aus „allen“ wird „alle Arten von“.

Nun kann die­ses Wort im gege­be­nen Zusam­men­hang auch die Bedeu­tung “alle Arten von” haben, wie etwa in Lukas 11,42 “alles Kraut” im Sin­ne von “allen Arten von Kräu­tern”. In den drei oben ange­führ­ten Stel­len geht es aber um die Uni­ver­sa­li­tät des Rufes Jesu und des Wir­kens sei­ner Erlö­sungs­tat auf alle Men­schen. Wenn Gott nicht alle Men­schen ret­ten will, son­dern nur “alle Arten von Men­schen”, so führt das zu einer völ­lig ande­ren Aus­sa­ge über Gott. Des­we­gen hat bereits Augus­ti­nus in Ver­tei­di­gung sei­ner Prä­de­sti­na­ti­ons­leh­re 1. Timo­theus 2,4 als von “allen Arten von Men­schen” spre­chend ver­stan­den.[19]

Nach unse­rem Wis­sen ver­tritt die Wacht­turm­ge­sell­schaft die Leh­re der Prä­de­sti­na­ti­on nicht. Den­noch wird aus der trau­ri­gen Tat­sa­che, dass nicht alle Men­schen das Heils­an­ge­bot Got­tes anneh­men, der Schluss gezo­gen, dass es nicht „Got­tes Wil­le oder Absicht ist, dass alle Men­schen geret­tet wer­den“.[20]

4.10 Sons­ti­ges

Mat­thä­us 5,3:
NWÜ: Glück­lich sind die, die sich ihrer geis­ti­gen Bedürf­nis­se bewußt sind, da das König­reich der Him­mel ihnen gehört.

KIT:Matt5_3

ELB: Glück­se­lig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.

Der Aus­druck „Arme im Geist“ drückt auch aus, dass wir uns „unse­rer geistlichen Bedürf­nis­se“ bewusst sein sol­len.[21] Es ist sehr wich­tig, dass wir uns ganz bewusst sind, wie sehr wir von Gott abhän­gen. Aber es geht Jesus um mehr. Es geht ihm dar­um, dass wir, vom Hei­li­gen Geist geführt, bewusst arm leben, dass wir uns nicht die Schät­ze die­ser Erde ansam­meln, son­dern ganz frei für Gott sind. Die­ser wich­ti­ge Aspekt geht in der inter­pre­tie­ren­den Wie­der­ga­be der NWÜ verloren.

1. Korin­ther 7,36–38:
NWÜ: Wenn aber jemand denkt, er ver­hal­te sich gegen­über sei­ner Jung­fräu­lich­keit unge­hö­rig, wenn die­se über die Blü­te der Jugend hin­aus­geht, und es auf die­se Wei­se gesche­hen soll­te, so tue er, was er will; er sün­digt nicht. Sie mögen hei­ra­ten. Wenn jemand aber in sei­nem Her­zen fest­steht, indem er kei­ne Not­wen­dig­keit emp­fin­det, son­dern über sei­nen eige­nen Wil­len Gewalt hat und die­se Ent­schei­dung in sei­nem eige­nen Her­zen getrof­fen hat, sei­ne Jung­fräu­lich­keit zu bewah­ren, wird er gut tun. Folg­lich tut auch der gut, der sei­ne Jung­fräu­lich­keit in den Ehe­stand gibt, wer sie aber nicht in den Ehe­stand gibt, wird bes­ser tun.

KIT:1Kor7_36

ELB: Wenn aber jemand denkt, er hand­le unge­zie­mend mit sei­ner Jung­frau, wenn er in der Voll­kraft steht, und es muss so gesche­hen, so tue er, was er will; er sün­digt nicht; sie sol­len hei­ra­ten. Wer aber im Her­zen fest­steht und kei­ne Not, son­dern Macht hat über sei­nen eige­nen Wil­len und dies in sei­nem Her­zen beschlos­sen hat, sei­ne Jung­frau zu bewah­ren, der han­delt gut. Also, wer sei­ne Jung­frau hei­ra­tet, han­delt gut, und wer sie nicht hei­ra­tet, wird bes­ser handeln.

Die­se Stel­le ist sicher nicht leicht zu ver­ste­hen.[22] Aber das recht­fer­tigt noch nicht die Abän­de­rung des Wor­tes „Jung­frau“ in „Jung­fräu­lich­keit“. Das grie­chi­sche Wort par­the­nos heißt „Jung­frau“.

5 Zum Abschluss

Wie bereits ein­gangs erwähnt, ist das Über­set­zen der Hei­li­gen Schrift kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be und mit einer gro­ßen Ver­ant­wor­tung ver­bun­den. Jeder auf­rich­ti­ge Über­set­zer ist in sei­ner Arbeit allein an den Text gebun­den. Es ist sei­ne Auf­ga­be, den Text unab­hän­gig von dog­ma­ti­schen Vor­ga­ben zu über­set­zen. Das Wort Got­tes soll die Basis der Leh­re sein, nicht umgekehrt.

Ich lege vor jeder­mann Zeug­nis ab, der die Wor­te der Pro­phe­zei­ung die­ser Buchrol­le hört: Wenn jemand einen Zusatz zu die­sen Din­gen macht, wird Gott ihm die Pla­gen hin­zu­fü­gen, die in die­ser Buchrol­le geschrie­ben ste­hen; und wenn jemand irgend etwas von den Wor­ten der Buchrol­le die­ser Pro­phe­zei­ung weg­nimmt, wird Gott des­sen Teil von den Bäu­men des Lebens und aus der hei­li­gen Stadt weg­neh­men, Din­ge, die in die­ser Buchrol­le geschrie­ben ste­hen. (Offen­ba­rung 22,18–19 NWÜ)

Lei­der haben die Über­set­zer der NWÜ die­se War­nung nicht immer ernst genommen.

Wir wol­len daher alle Men­schen, die auf­rich­tig nach der Wahr­heit suchen, dazu ermun­tern, jede reli­giö­se Grup­pie­rung nach dem Wort Got­tes zu beurteilen.

Jün­ger Jesu han­deln nach fol­gen­dem Grund­satz, den Pau­lus an die Korin­ther geschrie­ben hat. Sie sind bereit, sich von jeder­mann durch das Gewis­sen vor Gott prü­fen zu lassen:

Dar­um, da wir die­sen Dienst haben, weil wir ja Erbar­men gefun­den haben, ermat­ten wir nicht; son­dern wir haben den gehei­men Din­gen, deren man sich schä­men muss, ent­sagt und wan­deln nicht in Arg­list, noch ver­fäl­schen wir das Wort Got­tes, son­dern durch die Offen­ba­rung der Wahr­heit emp­feh­len wir uns jedem Gewis­sen der Men­schen vor Gott. (2. Korin­ther 4,1–2)


Fußnoten

  1. Es stellt sich hier auf dem Hin­ter­grund der von den Zeu­gen Jeho­vas gelehr­ten unter­schied­li­chen Jen­seits­hoff­nun­gen die Fra­ge, wo Jesus denn nun sein wer­de, im Him­mel oder im Para­dies auf der Erde.
  2. Bei Johan­nes: „Wahr­lich, wahr­lich ich sage dir/euch […]“
  3. Bau­er, Sp. 896.
  4. Bau­er, Sp. 403.
  5. Die Ver­si­on der NWÜ „daß der Glau­be ohne Wer­ke untä­tig ist“ ist eine Tau­to­lo­gie. Die eng­li­sche Ver­si­on von 2013 hat daher abge­än­dert auf: „use­l­ess“ („nutz­los“).
  6. Die neue eng­li­sche Ver­si­on von 2013 hat hier die Tra­di­ti­on gebro­chen und über­setzt: […] their coming to know you […]
  7. Die­ser Name wur­de erst 1931, also 15 Jah­re nach Rus­sells Tod angenommen.
  8. Die Berech­nung die­ses Jah­res aus Dani­el 4 geht auf Rus­sell zurück, so auch im Wacht­turm vom Janu­ar 1904. Rus­sell hat das aber nicht als Beginn der Gegen­wart Jesu betrach­tet, son­dern als Ende der Herr­schaft der Natio­nen. Die heu­te übli­che Berech­nung des Jah­res 1914 wird etwa im Kapi­tel „1914 — ein bedeut­sa­mes Jahr in der bibli­schen Pro­phe­tie“ des 2005 erschie­nen Büch­leins „Was lehrt die Bibel wirk­lich“, S. 216–218 dar­ge­legt. Die dort vor­ge­stell­te Berech­nung weist fol­gen­de Män­gel auf: 1. Apos­tel­ge­schich­te 1,7: Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zei­ten oder Zeit­punk­te zu wis­sen, die der Vater in sei­ner eige­nen Voll­macht fest­ge­setzt hat. Die­ses Wort Jesu soll­te Grund genug sein, jede Art von Berech­nung abzu­leh­nen. Der Voll­stän­dig­keit hal­ber sei­en noch fol­gen­de wei­te­re Grün­de genannt: 2. In Dani­el 4 geht es nicht um die Wie­der­kunft oder Gegen­wart Jesu, son­dern um die Ernied­ri­gung und Erhö­hung Nebu­kad­nez­zars. Das Argu­ment, dass Bäu­me in der Bibel oft ein Sinn­bild für Herr­schaft sind, bedeu­tet noch lan­ge nicht, dass es hier um die Herr­schaft der Köni­ge von Isra­el geht. Der Zusam­men­hang spricht ja von der Herr­schaft Nebu­kad­nez­zars. 3. Im Rah­men von Dani­el 4 sind die „sie­ben Zei­ten“ auf sie­ben Jah­re Nebu­kad­nez­zars zu bezie­hen. Es gibt kei­ne stich­hal­ti­ge Begrün­dung, dass mit den „sie­ben Zei­ten“ von Dani­el 4,16 genau die dop­pel­te Men­ge von Offen­ba­rung 12,6.14 gemeint sein soll. 4. Wenn man schon Offen­ba­rung 12,6.14 her­an­zieht, dann geht es dort um drei­ein­halb Jah­re einer Ver­fol­gung. Die Regel „ein Tag für ein Jahr“, die Jeho­vas Zeu­gen aus den völ­lig ande­ren Zusam­men­hän­gen von 4. Mose 14,34 bzw. Eze­chi­el 4,6 ent­neh­men, wird hier nur auf­grund einer will­kür­li­chen Annah­me ver­wen­det. 5. Der Aus­gangs­punkt der Berech­nung, näm­lich die Annah­me der Zer­stö­rung Jeru­sa­lems durch Nebu­kad­nez­zar im Jah­re 607 v. Chr., ist unhis­to­risch. Nach Annah­me aller nam­haf­ter Exper­ten wur­de Jeru­sa­lem nicht 607, son­dern 587 oder 586 von den Baby­lo­ni­ern zer­stört. Für die Zer­stö­rung Jeru­sa­lems im Jah­re 607 v. Chr. gibt es weder in der Bibel noch in außer­bi­bli­schen Schrif­ten ernst­haf­te Argu­men­te. An die­ser schon an sich dem Wil­len Got­tes wider­spre­chen­den Aus­le­gung ist also alles falsch, was nur falsch sein kann.
  9. So in der deutsch­spra­chi­gen Aus­ga­be des Wacht­turms vom Janu­ar 1904, Sei­te 8.
  10. Inzwi­schen sind noch eini­ge wei­te­re Ter­mi­ne (1925, 1975) ver­flos­sen. 1995 wur­de die jahr­zehn­te­lang ver­kün­de­te Erwar­tung, dass das irdi­sche Para­dies inner­halb einer Gene­ra­ti­on nach 1914 sicht­bar wer­de, not­ge­drun­gen auf­ge­ge­ben. Die Stu­di­en­aus­ga­be des Wacht­turms vom Janu­ar 2014 stellt trotz­dem vol­ler Zweck­op­ti­mis­mus fest: Die begeis­tern­den Ereig­nis­se in den 100 Jah­ren König­reichs­herr­schaft sind ein Beweis dafür, dass Jeho­va alles im Griff hat und sein Vor­ha­ben mit der Erde ver­wirk­licht. Blei­ben wir ihm treu unter­tan und ver­kün­den wir den König und sein König­reich. Ver­trau­en wir dabei völ­lig dar­auf, dass Jeho­va unse­re auf­rich­ti­ge Bit­te erhört: „Dein König­reich komme“!  Gott hat tat­säch­lich alles im Griff. Aber meint der Wacht­turm mit den „begeis­tern­den Ereig­nis­sen“ die Serie von nicht ein­ge­trof­fe­nen Berechnungen?
  11. Rus­sell führ­te in sei­nem oben erwähn­ten Erst­lings­buch die­se Stel­le noch mit der For­mu­lie­rung „Lo, I am with you always, even unto the end of the world.“ (Sie­he, ich bin immer bei euch, bis zum Ende der Welt) als Argu­ment dafür an, dass Chris­tus immer mit sei­nem Geist anwe­send war, dass sei­ne unsicht­ba­re Gegen­wart aber mit sei­nem geist­li­chen Leib sein wer­de. Da für Rus­sell der auf­er­stan­de­ne Jesus aber nicht mehr Mensch war, son­dern ein Geist­we­sen, stellt sich die Fra­ge, wor­in der Unter­schied zwi­schen dem geist­li­chen Leib Chris­ti und sei­nem Geist besteht.
  12. Die prä­sen­ti­sche For­mu­lie­rung zeigt, dass das Lamm schon zur Zeit der Nie­der­schrift des Buches König war, nicht erst seit 1914.
  13. In der 6. Auf­la­ge in Spal­te 1272.
  14. Inter­es­sant ist die Bemer­kung von Charles T. Rus­sell im deut­schen Wacht­turm vom Janu­ar 1904 zur Par­al­lel­stel­le in Mar­kus 13,32: […] wenn die­se Stel­le sagen soll, dass kein Mensch je die Zeit und die Stun­de wis­sen wer­de, so muß sie gleich­falls bedeu­ten, daß es kein Engel je wis­sen wird und auch der Sohn selbst nicht. Das wäre offen­bar eine alber­ne Aus­le­gung die­ser Stel­le. Wohl hat der Sohn Got­tes nicht die Zeit gewußt, als er die­sen Aus­spruch tat, noch irgend ein Engel oder Mensch; aber sicher­lich muß­te der Sohn die Zeit und Stun­de sei­nes eige­nen zwei­ten Adven­tes wenigs­tens eine kur­ze Zeit vor dem Statt­fin­den des­sel­ben wis­sen, und eben­so die Engel. Und die wah­ren Kin­der Got­tes sol­len, wie wir oben gese­hen, wachen, damit auch sie zu sei­ner Zeit „wis­sen“ mögen und nicht mit der Welt im Fins­tern, in Unwis­sen­heit sei­en. Jesus wuss­te den Zeit­punkt sei­nes zwei­ten Kom­mens nicht erst „wenigs­tens eine kur­ze Zeit vor dem Statt­fin­den des­sel­ben“, son­dern bei sei­ner Ver­herr­li­chung nach sei­ner Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt. Herr Rus­sell wuss­te es jeden­falls nicht, auch wenn er sich sei­ner Berech­nun­gen ganz sicher war. Kei­ner der heu­ti­gen Zeu­gen Jeho­vas glaubt sei­nem Datum des Beginns der unsicht­ba­ren Gegen­wart Jesu im Jah­re 1874. Rus­sell schreibt im sel­ben Wacht­turm: Nach unse­rem Ver­ständ­nis gibt es star­ke Bewei­se dafür, dass die Paru­sia des Herrn im Herbst 1874 begann. Mit dem natür­li­chen Auge haben wir davon nichts gese­hen; nur mit dem Auge des Ver­ständ­nis­ses, und auch das nur im Licht des „fes­ten pro­phe­ti­schen Wor­tes“, dem wir auf­rich­tig glau­ben und vertrauen. […]
  15. So auch nach Bau­ers Wör­ter­buch zum Neu­en Tes­ta­ment, Sp. 1527.
  16. Die­se Dar­stel­lung beweist natür­lich nicht, dass im 2./3. Jahr­hun­dert Kreu­ze als Gegen­stän­de reli­giö­ser Ver­eh­rung ver­wen­det wur­den. Sie zeigt nur, wie im heid­ni­schen Umfeld das Chris­ten­tum ver­stan­den wur­de, näm­lich dass die Chris­ten einen Gekreu­zig­ten gött­lich ver­eh­ren, was die Hei­den auf einer Stu­fe mit der Ver­eh­rung eines Esels gese­hen haben.
  17. Es ist aber dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Jus­tus Lip­si­us in sei­nem Werk „De Cruce Libri Tres“ in der von den Zeu­gen Jeho­vas wie­der­ge­ge­be­nen Abbil­dung der „crux sim­plex“ NICHT die Kreu­zi­gung Jesu dar­stel­len woll­te. Das latei­nisch ver­fass­te Werk ist im Inter­net abruf­bar. Dort, wo es um die Kreu­zi­gung Jesu geht, bleibt auch Lip­si­us bei der übli­chen Kreuz­form. Lei­der kann sich Lip­si­us im Nach­hin­ein gegen den Miss­brauch sei­nes Wer­kes nicht mehr wehren.
  18. Sie­he dazu den Arti­kel „Hei­li­ger Pfahl“ in der Publi­ka­ti­on Ein­sich­ten in die Hei­li­ge Schrift, Band 1, S. 1106–1107.
  19. Augus­ti­nus, De cor­rep­tio­ne et gra­tia, 14,44.
  20. Aus einem Schrei­ben von Jeho­vas Zeu­gen, Zweig­bü­ro Zen­tral­eu­ro­pa vom 22.10.2015: Obwohl Jeho­va wün­schen mag, dass alle Men­schen zu einer genau­en Erkennt­nis der Wahr­heit kom­men und erret­tet wer­den, so weiß er den­noch, dass dies nicht der Fall sein wird […] In 1. Timo­theus 2:4 ist somit nicht gemeint, dass es Got­tes Wil­le oder Absicht ist, dass alle Men­schen geret­tet werden.
  21. Geistige Bedürf­nis­se bezie­hen sich doch wohl eher auf die intel­lek­tu­el­len Bedürf­nis­se, die wir haben. Jesus will doch nicht sagen, dass wir uns wei­ter­bil­den sol­len. Hier lag der Feh­ler aber beim Über­set­zer ins Deut­sche. Das Eng­li­sche hat kor­rekt „spi­ri­tu­al“.
  22. Wir beschäf­ti­gen uns in unse­rer Aus­ar­bei­tung über „Ehe und Ehe­lo­sig­keit“ beson­ders auch in den Fuß­no­ten 8 und 9 näher mit die­ser Stelle.


Es stellt sich hier auf dem Hin­ter­grund der von den Zeu­gen Jeho­vas gelehr­ten unter­schied­li­chen Jen­seits­hoff­nun­gen die Fra­ge, wo Jesus denn nun sein wer­de, im Him­mel oder im Para­dies auf der Erde.

Bei Johan­nes: „Wahr­lich, wahr­lich ich sage dir/euch […]“

Bau­er, Sp. 896.

Bau­er, Sp. 403.

Die Ver­si­on der NWÜ „daß der Glau­be ohne Wer­ke untä­tig ist“ ist eine Tau­to­lo­gie. Die eng­li­sche Ver­si­on von 2013 hat daher abge­än­dert auf: „use­l­ess“ („nutz­los“).

Die neue eng­li­sche Ver­si­on von 2013 hat hier die Tra­di­ti­on gebro­chen und über­setzt: […] their coming to know you […]

Die­ser Name wur­de erst 1931, also 15 Jah­re nach Rus­sells Tod angenommen.

Die Berech­nung die­ses Jah­res aus Dani­el 4 geht auf Rus­sell zurück, so auch im Wacht­turm vom Janu­ar 1904. Rus­sell hat das aber nicht als Beginn der Gegen­wart Jesu betrach­tet, son­dern als Ende der Herr­schaft der Natio­nen. Die heu­te übli­che Berech­nung des Jah­res 1914 wird etwa im Kapi­tel „1914 — ein bedeut­sa­mes Jahr in der bibli­schen Pro­phe­tie“ des 2005 erschie­nen Büch­leins „Was lehrt die Bibel wirk­lich“, S. 216–218 dar­ge­legt. Die dort vor­ge­stell­te Berech­nung weist fol­gen­de Män­gel auf:
1. Apos­tel­ge­schich­te 1,7: Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zei­ten oder Zeit­punk­te zu wis­sen, die der Vater in sei­ner eige­nen Voll­macht fest­ge­setzt hat. Die­ses Wort Jesu soll­te Grund genug sein, jede Art von Berech­nung abzu­leh­nen. Der Voll­stän­dig­keit hal­ber sei­en noch fol­gen­de wei­te­re Grün­de genannt:
2. In Dani­el 4 geht es nicht um die Wie­der­kunft oder Gegen­wart Jesu, son­dern um die Ernied­ri­gung und Erhö­hung Nebu­kad­nez­zars. Das Argu­ment, dass Bäu­me in der Bibel oft ein Sinn­bild für Herr­schaft sind, bedeu­tet noch lan­ge nicht, dass es hier um die Herr­schaft der Köni­ge von Isra­el geht. Der Zusam­men­hang spricht ja von der Herr­schaft Nebukadnezzars.
3. Im Rah­men von Dani­el 4 sind die „sie­ben Zei­ten“ auf sie­ben Jah­re Nebu­kad­nez­zars zu bezie­hen. Es gibt kei­ne stich­hal­ti­ge Begrün­dung, dass mit den „sie­ben Zei­ten“ von Dani­el 4,16 genau die dop­pel­te Men­ge von Offen­ba­rung 12,6.14 gemeint sein soll.
4. Wenn man schon Offen­ba­rung 12,6.14 her­an­zieht, dann geht es dort um drei­ein­halb Jah­re einer Ver­fol­gung. Die Regel „ein Tag für ein Jahr“, die Jeho­vas Zeu­gen aus den völ­lig ande­ren Zusam­men­hän­gen von 4. Mose 14,34 bzw. Eze­chi­el 4,6 ent­neh­men, wird hier nur auf­grund einer will­kür­li­chen Annah­me verwendet.
5. Der Aus­gangs­punkt der Berech­nung, näm­lich die Annah­me der Zer­stö­rung Jeru­sa­lems durch Nebu­kad­nez­zar im Jah­re 607 v. Chr., ist unhis­to­risch. Nach Annah­me aller nam­haf­ter Exper­ten wur­de Jeru­sa­lem nicht 607, son­dern 587 oder 586 von den Baby­lo­ni­ern zer­stört. Für die Zer­stö­rung Jeru­sa­lems im Jah­re 607 v. Chr. gibt es weder in der Bibel noch in außer­bi­bli­schen Schrif­ten ernst­haf­te Argumente.
An die­ser schon an sich dem Wil­len Got­tes wider­spre­chen­den Aus­le­gung ist also alles falsch, was nur falsch sein kann.

So in der deutsch­spra­chi­gen Aus­ga­be des Wacht­turms vom Janu­ar 1904, Sei­te 8.

Inzwi­schen sind noch eini­ge wei­te­re Ter­mi­ne (1925, 1975) ver­flos­sen. 1995 wur­de die jahr­zehn­te­lang ver­kün­de­te Erwar­tung, dass das irdi­sche Para­dies inner­halb einer Gene­ra­ti­on nach 1914 sicht­bar wer­de, not­ge­drun­gen auf­ge­ge­ben. Die Stu­di­en­aus­ga­be des Wacht­turms vom Janu­ar 2014 stellt trotz­dem vol­ler Zweck­op­ti­mis­mus fest: Die begeis­tern­den Ereig­nis­se in den 100 Jah­ren König­reichs­herr­schaft sind ein Beweis dafür, dass Jeho­va alles im Griff hat und sein Vor­ha­ben mit der Erde ver­wirk­licht. Blei­ben wir ihm treu unter­tan und ver­kün­den wir den König und sein König­reich. Ver­trau­en wir dabei völ­lig dar­auf, dass Jeho­va unse­re auf­rich­ti­ge Bit­te erhört: „Dein König­reich komme“! 
Gott hat tat­säch­lich alles im Griff. Aber meint der Wacht­turm mit den „begeis­tern­den Ereig­nis­sen“ die Serie von nicht ein­ge­trof­fe­nen Berechnungen?

Rus­sell führ­te in sei­nem oben erwähn­ten Erst­lings­buch die­se Stel­le noch mit der For­mu­lie­rung „Lo, I am with you always, even unto the end of the world.“ (Sie­he, ich bin immer bei euch, bis zum Ende der Welt) als Argu­ment dafür an, dass Chris­tus immer mit sei­nem Geist anwe­send war, dass sei­ne unsicht­ba­re Gegen­wart aber mit sei­nem geist­li­chen Leib sein wer­de. Da für Rus­sell der auf­er­stan­de­ne Jesus aber nicht mehr Mensch war, son­dern ein Geist­we­sen, stellt sich die Fra­ge, wor­in der Unter­schied zwi­schen dem geist­li­chen Leib Chris­ti und sei­nem Geist besteht.

Die prä­sen­ti­sche For­mu­lie­rung zeigt, dass das Lamm schon zur Zeit der Nie­der­schrift des Buches König war, nicht erst seit 1914.

In der 6. Auf­la­ge in Spal­te 1272.

Inter­es­sant ist die Bemer­kung von Charles T. Rus­sell im deut­schen Wacht­turm vom Janu­ar 1904 zur Par­al­lel­stel­le in Mar­kus 13,32: […] wenn die­se Stel­le sagen soll, dass kein Mensch je die Zeit und die Stun­de wis­sen wer­de, so muß sie gleich­falls bedeu­ten, daß es kein Engel je wis­sen wird und auch der Sohn selbst nicht. Das wäre offen­bar eine alber­ne Aus­le­gung die­ser Stel­le. Wohl hat der Sohn Got­tes nicht die Zeit gewußt, als er die­sen Aus­spruch tat, noch irgend ein Engel oder Mensch; aber sicher­lich muß­te der Sohn die Zeit und Stun­de sei­nes eige­nen zwei­ten Adven­tes wenigs­tens eine kur­ze Zeit vor dem Statt­fin­den des­sel­ben wis­sen, und eben­so die Engel. Und die wah­ren Kin­der Got­tes sol­len, wie wir oben gese­hen, wachen, damit auch sie zu sei­ner Zeit „wis­sen“ mögen und nicht mit der Welt im Fins­tern, in Unwis­sen­heit seien.
Jesus wuss­te den Zeit­punkt sei­nes zwei­ten Kom­mens nicht erst „wenigs­tens eine kur­ze Zeit vor dem Statt­fin­den des­sel­ben“, son­dern bei sei­ner Ver­herr­li­chung nach sei­ner Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt. Herr Rus­sell wuss­te es jeden­falls nicht, auch wenn er sich sei­ner Berech­nun­gen ganz sicher war. Kei­ner der heu­ti­gen Zeu­gen Jeho­vas glaubt sei­nem Datum des Beginns der unsicht­ba­ren Gegen­wart Jesu im Jah­re 1874. Rus­sell schreibt im sel­ben Wacht­turm: Nach unse­rem Ver­ständ­nis gibt es star­ke Bewei­se dafür, dass die Paru­sia des Herrn im Herbst 1874 begann. Mit dem natür­li­chen Auge haben wir davon nichts gese­hen; nur mit dem Auge des Ver­ständ­nis­ses, und auch das nur im Licht des „fes­ten pro­phe­ti­schen Wor­tes“, dem wir auf­rich­tig glau­ben und ver­trau­en. […]

So auch nach Bau­ers Wör­ter­buch zum Neu­en Tes­ta­ment, Sp. 1527.

Die­se Dar­stel­lung beweist natür­lich nicht, dass im 2./3. Jahr­hun­dert Kreu­ze als Gegen­stän­de reli­giö­ser Ver­eh­rung ver­wen­det wur­den. Sie zeigt nur, wie im heid­ni­schen Umfeld das Chris­ten­tum ver­stan­den wur­de, näm­lich dass die Chris­ten einen Gekreu­zig­ten gött­lich ver­eh­ren, was die Hei­den auf einer Stu­fe mit der Ver­eh­rung eines Esels gese­hen haben.

Es ist aber dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Jus­tus Lip­si­us in sei­nem Werk „De Cruce Libri Tres“ in der von den Zeu­gen Jeho­vas wie­der­ge­ge­be­nen Abbil­dung der „crux sim­plex“ NICHT die Kreu­zi­gung Jesu dar­stel­len woll­te. Das latei­nisch ver­fass­te Werk ist im Inter­net abruf­bar. Dort, wo es um die Kreu­zi­gung Jesu geht, bleibt auch Lip­si­us bei der übli­chen Kreuz­form. Lei­der kann sich Lip­si­us im Nach­hin­ein gegen den Miss­brauch sei­nes Wer­kes nicht mehr wehren.

Sie­he dazu den Arti­kel „Hei­li­ger Pfahl“ in der Publi­ka­ti­on Ein­sich­ten in die Hei­li­ge Schrift, Band 1, S. 1106–1107.

Augus­ti­nus, De cor­rep­tio­ne et gra­tia, 14,44.

Aus einem Schrei­ben von Jeho­vas Zeu­gen, Zweig­bü­ro Zen­tral­eu­ro­pa vom 22.10.2015: Obwohl Jeho­va wün­schen mag, dass alle Men­schen zu einer genau­en Erkennt­nis der Wahr­heit kom­men und erret­tet wer­den, so weiß er den­noch, dass dies nicht der Fall sein wird […] In 1. Timo­theus 2:4 ist somit nicht gemeint, dass es Got­tes Wil­le oder Absicht ist, dass alle Men­schen geret­tet werden.

Geistige Bedürf­nis­se bezie­hen sich doch wohl eher auf die intel­lek­tu­el­len Bedürf­nis­se, die wir haben. Jesus will doch nicht sagen, dass wir uns wei­ter­bil­den sol­len. Hier lag der Feh­ler aber beim Über­set­zer ins Deut­sche. Das Eng­li­sche hat kor­rekt „spi­ri­tu­al“.

Wir beschäf­ti­gen uns in unse­rer Aus­ar­bei­tung über „Ehe und Ehe­lo­sig­keit“ beson­ders auch in den Fuß­no­ten 8 und 9 näher mit die­ser Stelle.