Teil 3: Die „Neue‐Welt‐Übersetzung“ – der Name Gottes

War­um ist der Wacht­um­ge­sell­schaft der Name Jeho­va so wich­tig, dass sie ihn an vie­len Stel­len des Neu­en Tes­ta­ments ver­wen­den, obwohl er in kei­ner der vor­han­de­nen grie­chi­schen Hand­schrif­ten auf­taucht? Was aber mein­te Jesus mit dem Aus­druck „Dein Name“?

3.1 Die „Wie­der­her­stel­lung“ des Namens Gottes

Da die meis­ten moder­nen Über­set­zun­gen den alt­tes­ta­ment­li­chen Got­tes­na­men יהוה (JHWH) mit „Herr“ wie­der­ge­ben (in vie­len Über­set­zun­gen wie Luther oder Elber­fel­der zur Unter­schei­dung von den „Herr“ bedeu­ten­den hebräi­schen Wör­tern adon oder adon­aj [1] mit Groß­buch­sta­ben HERR“ wie­der­ge­ge­ben), scheint die For­de­rung berech­tigt, auch in Über­set­zun­gen den ursprüng­li­chen Got­tes­na­men zu ver­wen­den. So fin­den wir auch in der Erst­aus­ga­be der Jeru­sa­le­mer Bibel im Alten Tes­ta­ment den alt­tes­ta­ment­li­chen Got­tes­na­men mit „Jah­we“ wie­der­ge­ge­ben. Dage­gen ist grund­sätz­lich auch nichts ein­zu­wen­den, auch wenn wir uns des­sen bewusst sein müs­sen, dass jede Wie­der­ga­be des Got­tes­na­mens nur eine Rekon­struk­ti­on dar­stellt und wir die tat­säch­li­che Aus­spra­che die­ses Namens nie mit Sicher­heit wis­sen werden.

Die Wie­der­ga­be des Got­tes­na­mens JHWH mit „HERR“ geht auf eine in den letz­ten Jahr­hun­der­ten vor Chris­tus ent­stan­de­ne jüdi­sche Tra­di­ti­on zurück und fin­det sich bereits in der seit dem 3. Jahr­hun­dert v. Chr. ent­stan­de­nen „Sep­tuag­in­ta“ genann­ten Über­set­zung ins Grie­chi­sche. Dort wird der Got­tes­na­me übli­cher­wei­se mit kyri­os („Herr“) wie­der­ge­ge­ben. Die­ser Pra­xis sind auch die inspi­rier­ten Schrei­ber des Neu­en Tes­ta­ments gefolgt.

Da die hebräi­sche Schrift ursprüng­lich nur aus Kon­so­nan­ten bestand, haben die Schrei­ber für den Namen Got­tes nur die Kon­so­nan­ten JHWH ver­wen­det. Erst die Maso­re­ten[2] füg­ten im 8.–10. Jahr­hun­dert n. Chr. die Vokal­zei­chen hin­zu. Da aber zu die­ser Zeit der Got­tes­na­me schon lan­ge nicht mehr aus­ge­spro­chen wur­de und statt­des­sen meis­tens adon­aj („Herr“) gesagt wur­de, wur­den die Kon­so­nan­ten JHWH mit den Voka­len a/e – o – a von adon­aj ver­bun­den. Men­schen, denen die­se Tat­sa­che nicht bewusst war, haben dar­aus das Kunst­wort „Jehova(h)“ geformt.[3] Aber auch die heu­te ver­brei­te­te Form „Jahwe(h)“ beruht nur auf einer Rekonstruktion.

Wäh­rend die Wie­der­ga­be des Got­tes­na­mens in den hei­li­gen Schrif­ten Isra­els mit „Jah­we“ oder auch „Jeho­va“, wenn man sich der Gren­zen bewusst ist, eine Mög­lich­keit dar­stellt, gibt es die­se Mög­lich­keit für die Schrif­ten des Neu­en Bun­des nicht, da uns kein ein­zi­ges Manu­skript vor­liegt, das die Ver­wen­dung die­ses Namens bezeugt. Es gibt wohl eini­ge alte Frag­men­te der Sep­tuag­in­ta, die im grie­chi­schen Text das Tetra­gram­ma­ton[4] ver­wen­den, und JHWH nicht mit kyri­os wie­der­ge­ben. Die Exis­tenz sol­cher Frag­men­te beweist aber nicht, dass die Sep­tuag­in­ta ursprüng­lich JHWH hat­te, wo die heu­te erhal­te­nen Manu­skrip­te kyri­os schrei­ben.[5]

Wir kön­nen auch nicht wis­sen, wie die grie­chisch spre­chen­den Juden der dama­li­gen Zeit den Namen Got­tes aus­ge­spro­chen haben. Es ist durch­aus mög­lich, dass eini­ge zwar JHWH geschrie­ben, aber kyri­os gesagt haben. Auf kei­nen Fall beweist die Exis­tenz die­ser Frag­men­te, dass die Autoren der Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments an den in der NWÜ ange­führ­ten Stel­len nicht kyri­os geschrie­ben hät­ten, son­dern JHWH. Es hät­te einer sehr umfang­rei­chen nach­träg­li­chen Kor­rek­tur­tä­tig­keit unter den Chris­ten bedurft, um alle Hand­schrif­ten ent­spre­chend abzu­än­dern.[6]

Es müss­ten auch in der früh­christ­li­chen Lite­ra­tur Spu­ren einer nach­träg­li­chen Ände­rung zu fin­den sein, da der­ar­ti­ge Mani­pu­la­tio­nen nicht ohne Wider­stand durch­ge­führt wor­den wären. Auch aus dem anschlie­ßend ange­führ­ten Bei­spiel aus Römer 10, in dem Pau­lus kyri­os in einem Joel­zi­tat auf Jesus bezo­gen hat, zeigt, dass der Sep­tuag­in­ta­text, der Pau­lus vor­lag, an der Stel­le kyri­os hat­te und nicht JHWH.

Die Her­aus­ge­ber der NWÜ beru­fen sich auf Über­set­zun­gen der „Christ­li­chen Grie­chi­schen Schrif­ten“ ins Hebräi­sche, die das Tetra­gram­ma­ton JHWH ver­wen­de­ten, und füg­ten die­sen Namen an 237 Stel­len in den Text des Neu­en Tes­ta­ments ein, meist dort, wo im Grie­chi­schen kyri­os („Herr“) steht, an eini­gen weni­gen Stel­len auch anstel­le des Grie­chi­schen theós („Gott“). Mit­tel­al­ter­li­che bis neu­zeit­li­che Über­set­zun­gen ins Hebräi­sche sind nun aber kei­ne Text­ba­sis für eine sich auf den Urtext beru­fen­de Übersetzung.

An man­chen Stel­len wird durch die Ein­füh­rung des Namens „Jeho­va“ auch der Zusam­men­hang ver­schlei­ert und eine wich­ti­ge Lehr­aus­sa­ge der Apos­tel verdeckt.

Als Bei­spiel sei Römer 10,9–13 angeführt:
NWÜ: Denn wenn du die­ses ‘Wort in dei­nem eige­nen Mund’, daß Jesus Herr ist, öffent­lich ver­kün­digst und in dei­nem Her­zen Glau­ben übst, daß Gott ihn von den Toten auf­er­weckt hat, wirst du geret­tet wer­den. Denn mit dem Her­zen übt man Glau­ben zur Gerech­tig­keit, mit dem Mund aber legt man eine öffent­li­che Erklä­rung ab zur Ret­tung. Denn die Schrift sagt: „Kei­ner, der sei­nen Glau­ben auf ihn setzt, wird ent­täuscht wer­den.“ Denn da ist kein Unter­schied zwi­schen Jude und Grie­che, denn da ist der­sel­be Herr über alle, der reich ist gegen­über allen, die ihn anru­fen. Denn „jeder, der den Namen Jeho­vas anruft, wird geret­tet werden“.

KIT:Rom10_13

ELB: … dass, wenn du mit dei­nem Mund Jesus als Herrn beken­nen und in dei­nem Her­zen glau­ben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auf­er­weckt hat, du geret­tet wer­den wirst. Denn mit dem Her­zen wird geglaubt zur Gerech­tig­keit, und mit dem Mund wird bekannt zum Heil. Denn die Schrift sagt: „Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zuschan­den wer­den.“ Denn es ist kein Unter­schied zwi­schen Jude und Grie­che, denn er ist Herr über alle, und er ist reich für alle, die ihn anru­fen; „denn jeder, der den Namen des Herrn anru­fen wird, wird geret­tet werden“.

In Vers 9 wird das Bekennt­nis, dass Jesus der Herr sei, als Grund­la­ge der Ret­tung ange­se­hen. Als Begrün­dung dazu führt Pau­lus in Vers 13 ein Zitat aus Joel an, dass jeder, der den Namen des Herrn anru­fen wer­de, geret­tet wer­den wür­de. Nun steht im hebräi­schen Text tat­säch­lich JHWH. Also ist es doch gerecht­fer­tigt, die­ses Zitat im Römer­brief auch mit JHWH wie­der­zu­ge­ben? Pau­lus zitiert hier aber nach der grie­chi­schen Über­set­zung des Alten Tes­ta­ments, der soge­nann­ten Sep­tuag­in­ta, die JHWH mit kyri­os wie­der­ge­ge­ben hat. Pau­lus ver­wen­det die­ses Zitat auch, um dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Jesus die­ser Herr ist, durch den wir geret­tet wer­den. Wenn es Pau­lus nur dar­auf ange­kom­men wäre zu sagen, dass jeder, der JHWH anruft, geret­tet wird, dann hät­te er sich nicht so bemüht, den Juden Jesus als den Herrn zu verkündigen.
Indi­rekt sagt Pau­lus damit auch, dass Jesus JHWH ist. Die­se Bot­schaft ist nun der Leh­re der Wacht­turm­ge­sell­schaft völ­lig ent­ge­gen­ge­setzt. Durch die Ver­wen­dung zwei­er ver­schie­de­ner Wör­ter (Vers 9: Herr; Vers 13: Jeho­va) zur Wie­der­ga­be des grie­chi­schen Wor­tes kyri­os wird die­se Aus­sa­ge von Pau­lus verschleiert.

1. Korin­ther 4,4–5:
NWÜ: Denn mir ist nichts bewußt, was gegen mich [sprä­che]. Doch dadurch wer­de ich nicht als gerecht befun­den, der mich aber beur­teilt, ist Jeho­va. Rich­tet somit nichts vor der gege­be­nen Zeit, bis der Herr kommt, der sowohl die ver­bor­ge­nen Din­ge der Fins­ter­nis ans Licht brin­gen als auch die Rat­schlä­ge der Her­zen offen­bar machen wird, und dann wird jedem sein Lob von Gott zukommen.

KIT:1Kor4_4

ELB: Denn ich bin mir kei­ner Schuld bewusst, aber dadurch bin ich nicht gerecht­fer­tigt. Der mich aber beur­teilt, ist der Herr. So ver­ur­teilt nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das Ver­bor­ge­ne der Fins­ter­nis ans Licht brin­gen und die Absich­ten der Her­zen offen­ba­ren wird! Und dann wird jedem sein Lob wer­den von Gott.

Wenn aus Vers 5 ganz klar ist, dass der kom­men­de Herr nur Jesus sein kann, war­um wird dann im unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang damit in Vers 4 kyri­os mit „Jeho­va“ wiedergegeben?

1. Korin­ther 10,21:
NWÜ: Ihr könnt nicht den Becher Jeho­vas und den Becher der Dämọ­nen trin­ken; ihr könnt nicht am „Tisch Jeho­vas“ und am Tisch der Dämọ­nen teilhaben.

KIT:1Kor10_21

ELB: Ihr könnt nicht des Herrn Kelch trin­ken und der Dämo­nen Kelch; ihr könnt nicht am Tisch des Herrn teil­neh­men und am Tisch der Dämonen.

Im Zusam­men­hang geht es hier um das Her­ren­mahl. Pau­lus warnt, dass man als Christ nicht zugleich dem Herrn Jesus Chris­tus durch Teil­nah­me am Her­ren­mahl und den Göt­zen durch Teil­nah­me an heid­ni­schen Opfer­mahl­zei­ten die­nen kann. Der Herr, an den der Kelch des Herrn und der Tisch des Herrn erin­nern, ist der Herr Jesus Chris­tus. Wir Chris­ten beken­nen, dass im Herrn Jesus Gott Mensch gewor­den ist, dass in die­ser Wei­se der Herr Jesus auch JHWH ist. Aber das ist wohl nicht das, was die Über­set­zer der NWÜ zum Aus­druck brin­gen wollen.

1. Thes­sa­lo­ni­cher 4,15:
NWÜ: Denn dies sagen wir euch durch Jeho­vas Wort, daß wir, die Leben­den, die bis zur Gegen­wart[7]  des Herrn am Leben blei­ben, denen kei­nes­wegs zuvor­kom­men wer­den, die [im Tod] ent­schla­fen sind.

KIT:1Thes4_15

ELB: Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, dass wir, die Leben­den, die übrig blei­ben bis zur Ankunft des Herrn, den Ent­schla­fe­nen kei­nes­wegs zuvor­kom­men werden.

Hier wird inner­halb eines Ver­ses das Wort kyri­os ein­mal mit „Jeho­va“, ein­mal mit „Herr“ wie­der­ge­ge­ben. Wor­auf grün­det die­se Auswahl?

Apos­tel­ge­schich­te 7,59–60:
NWÜ: Und sie fuh­ren fort, Stẹ­pha­nus zu stei­ni­gen, wäh­rend er fleh­te[8] und sprach: „Herr Jesus, nimm mei­nen Geist auf.“ Dar­auf beug­te er sei­ne Knie und rief mit lau­ter Stim­me: „Jeho­va, rech­ne ihnen die­se Sün­de nicht zu!“ Und nach­dem er dies gesagt hat­te, ent­schlief er [im Tod].

KIT:Ap7_60

ELB: Und sie stei­nig­ten den Ste­pha­nus, der bete­te und sprach: Herr Jesus, nimm mei­nen Geist auf! Und nie­der­kniend rief er mit lau­ter Stim­me: Herr, rech­ne ihnen die­se Sün­de nicht zu! Und als er dies gesagt hat­te, ent­schlief er.

Hier ruft Ste­pha­nus zwei­mal den Herrn (grie­chisch kyri­os) an. Im ers­ten Fall ist ein­deu­tig Jesus damit gemeint. War­um soll­te dann im dar­auf­fol­gen­den Satz nicht Jesus gemeint sein? Es ist eine will­kür­li­che und ten­den­ziö­se Wie­der­ga­be, wenn in Vers 60 kyri­os durch „Jeho­va“ ersetzt wird, obwohl in Vers 59 Jesus gemeint ist. Wei­ters ist hier durch das Fak­tum, dass Ste­pha­nus zu Jesus gebe­tet hat, die gött­li­che Natur Jesu klar bezeugt. Auch hier ver­sucht die NWÜ durch die Wie­der­ga­be mit „fleh­te“ die­ses Fak­tum abzu­schwä­chen. Das grie­chi­sche Wort epi­ka­leo heißt nicht „fle­hen“, son­dern in Zusam­men­hän­gen wie die­sem „anru­fen“, wie es auch die NWÜ in 1. Korin­ther 1,2 kor­rekt wiedergibt:

[…] an die Ver­samm­lung Got­tes, die in Korinth ist, an euch, die in Gemein­schaft mit Chris­tus Jesus Gehei­lig­ten, zu Hei­li­gen Beru­fe­nen, samt allen, die den Namen unse­res Herrn Jesus Chris­tus, ihres Herrn und des unse­ren, über­all anrufen.

In der Apos­tel­ge­schich­te setzt die NWÜ an zwei wei­te­ren Stel­len „Jeho­va“, wo aus dem Zusam­men­hang klar her­vor­geht, dass mit dem kyri­os Jesus gemeint ist. Wir erwäh­nen die­se bei­den Stel­len nur kurz: Apos­tel­ge­schich­te 16,15, wo die got­tes­fürch­ti­ge, also bereits zuvor an den Gott Isra­els glau­ben­de Lydia zum Glau­ben an den Herrn Jesus kam, und Apos­tel­ge­schich­te 18,25, wo es heißt, dass der Jude Apol­los über den Weg des Herrn (Jesus) münd­lich unter­wie­sen wor­den war. Hier ist die NWÜ offen­sicht­lich falsch.

3.2 Was mein­te Jesus mit dem Ausdruck„Dein Name“?

Jeho­vas Zeu­gen ver­wen­den eini­ge Stel­len aus dem Mun­de Jesu, um zu zei­gen, dass es für Jesus ein oder das zen­tra­le Anlie­gen war, den Namen „Jeho­va“ zu ver­kün­den. Wir wol­len uns des­halb auch mit die­sen Stel­len beschäftigen.

Ihr sollt daher auf fol­gen­de Wei­se beten: ‚Unser Vater in den Him­meln, dein Name wer­de gehei­ligt. (Mat­thä­us 6,9 NWÜ)

Wodurch hal­ten wir den Namen Got­tes hei­lig? Dadurch, dass wir ihn aus­spre­chen oder durch ein Leben nach sei­nem Wil­len, in dem wir der Sün­de kei­nen Raum geben und Got­tes Wil­le auch unser Wil­le ist? Im nächs­ten Vers lehrt uns Jesus ja auch, so zu beten:

Dein Wil­le gesche­he wie im Him­mel so auch auf der Erde. (Mat­thä­us 6,10b NWÜ)

Jere­mia warn­te vor Pro­phe­ten, die im Namen JHWHs geweis­sagt, aber gelo­gen haben:

Und der HERR sprach zu mir: Die Pro­phe­ten weis­sa­gen Lüge in mei­nem Namen. Ich habe sie nicht gesandt und sie nicht beauf­tragt – auch nicht zu ihnen gere­det. Sie weis­sa­gen euch Lügen­vi­si­on, Wahr­sa­ge­rei, Nich­ti­ges und den Trug ihres Her­zens. (Jere­mia 14,14)

Die Ver­wen­dung des Namens Got­tes war offen­sicht­lich nicht das Pro­blem die­ser „Pro­phe­ten“, son­dern ihre lügen­haf­ten Wor­te, die auch mit einem Leben des Unge­hor­sams ver­bun­den waren.

Wei­te­re von Jeho­vas Zeu­gen ange­führ­te Stellen:

Jetzt ist mei­ne See­le beun­ru­higt, und was soll ich sagen? Vater, ret­te mich aus die­ser Stun­de. Doch des­we­gen bin ich in die­se Stun­de gekom­men. Vater, ver­herr­li­che dei­nen Namen.“ Dar­um kam eine Stim­me vom Him­mel: „Ich habe [ihn] ver­herr­licht und will [ihn] wie­der ver­herr­li­chen.“ (Johan­nes 12,27–28 NWÜ)

Jesus woll­te in allem, was er tat, den Namen sei­nes Vaters ver­herr­li­chen. Er tat es dadurch, dass er Gott bis in den Tod hin­ein treu blieb. Jesu Lie­be und Treue, sei­ne voll­kom­me­ne Hei­lig­keit auch in der schwers­ten Anfech­tung haben dem Namen, d. h. der Per­son des Vaters, die Ehre gege­ben. So hat er ihn ver­herr­licht, ohne den Namen JHWH aus­zu­spre­chen. In der Lie­be Jesu wur­de die Lie­be des Vaters zu uns sichtbar:

Ich habe dei­nen Namen den Men­schen offen­bar gemacht, die du mir aus der Welt gege­ben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gege­ben, und sie haben dein Wort gehal­ten. (Johan­nes 17,6 NWÜ)

Und ich habe ihnen dei­nen Namen kund­ge­tan und wer­de ihn kund­tun, damit die Lie­be, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen. (Johan­nes 17,26)

Wie hat Jesus den Namen sei­nes Vaters offen­bar gemacht oder kund­ge­tan? Dadurch, dass er sei­ne Jün­ger gelehrt hat, ihn mög­lichst oft aus­zu­spre­chen? Es ist offen­sicht­lich, dass gera­de im Johan­nes­evan­ge­li­um, in dem wir die tiefs­ten Wor­te Jesu fin­den, wir auch in der NWÜ die wenigs­ten Erwäh­nun­gen von „Jeho­va“ fin­den, nur fünf­mal und nur in Zita­ten aus dem Alten Tes­ta­ment. Das Anlie­gen Jesu war offen­sicht­lich nicht, den Namen „Jeho­va“ zu pro­kla­mie­ren, der mit einer ande­ren Aus­spra­che den Juden ohne­hin bekannt war. Jesus hat den Namen sei­nes Vaters durch sei­ne gan­ze Per­son kund­ge­tan. Sein gan­zes Leben war eine ein­zi­ge Offen­ba­rung des Wesens des Vaters:

Jesus sprach zu ihm: „So lan­ge Zeit bin ich bei euch gewe­sen, und den­noch hast du mich nicht ken­nen­ge­lernt, Philịp­pus? Wer mich gese­hen hat, hat [auch] den Vater gese­hen. Wie kommt es, daß du sagst: ‚Zei­ge uns den Vater.‘?“ (Johan­nes 14,9 NWÜ)

Kein Mensch hat GOTT jemals gese­hen; der ein­zig­ge­zeug­te Gott, der am Busen[platz] beim Vater ist, der hat über ihn Auf­schluß gege­ben. (Johan­nes 1,18 NWÜ)

Jesus war in sei­nem gan­zen Wesen die Offen­ba­rung des Vaters. In Jesu Wesen kön­nen wir Got­tes Wesen ken­nen­ler­nen. Dadurch wird in denen, die ihm fol­gen, die Lie­be Got­tes, die in Jesus tiefs­te Wirk­lich­keit wur­de, zur lebens­be­stim­men­den Rea­li­tät. Dadurch wird der Name Got­tes, der für sei­ne Per­son steht, gehei­ligt und verherrlicht.

Dass es nicht das Ziel Jesu war, sich dafür ein­zu­set­zen, dass die Men­schen den Namen Got­tes aus­spre­chen, zeigt auch die Tat­sa­che, dass er auf die zu sei­ner Zeit übli­che Scheu der Juden, den Namen Got­tes aus­zu­spre­chen, Rück­sicht genom­men hat:

[…] Wie­der begann der Hohe­pries­ter ihn zu befra­gen und sag­te zu ihm: „Bist du der Chris­tus, der Sohn des Geseg­ne­ten?“ Da sprach Jesus: „Ich bin es; und ihr wer­det den Men­schen­sohn zur Rech­ten der Macht sit­zen und mit den Wol­ken des Him­mels kom­men sehen.“ (Mar­kus 14,61–62 NWÜ)

Der Hohe­pries­ter ver­wen­de­te statt „Gott“ oder „JHWH“ das Wort „Geseg­ne­ter“. In sei­ner Ant­wort sprach auch Jesus nicht von „JHWH“, son­dern er sprach von der „Macht“. Jesus hat­te gewiss kein pan­the­is­ti­sches Got­tes­ver­ständ­nis. Aber es war für ihn kein Pro­blem, aus Rück­sicht auf die Juden eine Umschrei­bung statt des Namens Got­tes zu verwenden.

Ein wei­te­res Bei­spiel für die Umschrei­bung des Namens Got­tes fin­den wir im Gleich­nis vom ver­lo­re­nen Sohn, in dem der reu­mü­ti­ge Sohn zu sei­nem Vater spricht:

Vater, ich habe gegen den Him­mel und gegen dich gesün­digt. […] (Lukas 15,21 NWÜ)

Mit „gegen den Him­mel“ ist ganz offen­sicht­lich „gegen Gott“ gemeint.

Das Kund­tun des Namens Got­tes hat­te für Jesus offen­sicht­lich nichts mit dem Tetra­gram­ma­ton zu tun. Jesus hat sei­ne Jün­ger „in sei­nem (= Got­tes) Namen bewahrt“ (Johan­nes 17,11), dadurch, dass er sie zu einer Bezie­hung zum Vater geführt hat. In die­ser Bezie­hung waren sie durch Got­tes Lie­be bewahrt.

Geht nun hin und macht alle Natio­nen zu Jün­gern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes, […] (Mat­thä­us 28,19)

Es heißt hier nicht: „auf die Namen […]“ in der Mehr­zahl, son­dern „auf den Namen […]“. Der Vater, der Sohn und der Hei­li­ge Geist haben teil am sel­ben Namen. Die Tau­fe auf (wört­lich: „in, hin­ein“) den Namen des Vaters, des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes drückt aus, dass jeder, der umkehrt und sich als Zei­chen der Umkehr tau­fen lässt, in eine Bezie­hung zu Gott hin­ein­ge­führt wird, die sein Leben prägt. Der „Name“ steht hier für das Wesen Got­tes, des Vaters, des Soh­nes und des Hei­li­gen Geistes.


Fußnoten

  1. Die Form adon­aj wur­de nur für Gott ver­wen­det, wäh­rend adon das all­ge­mei­ne­re Wort für „Herr“ war und sich auch auf ande­re bezie­hen konnte.
  2. Jüdi­sche Gelehrte.
  3. Die Form „Jeho­va“ wird auf den Domi­ni­ka­ner Ray­mun­dus Mar­ti­nus (1220–1285) zurückgeführt.
  4. Die vier Buch­sta­ben JHWH.
  5. Ver­glei­che dazu: Albert Pie­ters­ma, “Kyri­os or Tetra­gram: A Rene­wed Quest for the Ori­gi­nal Sep­tuag­int” in De Sep­tuag­in­ta. Stu­dies in Honour of John W. Wevers on His Sixty‐Fifth Bir­th­day, ed. Albert Pie­ters­ma and Clau­de Cox (Mis­sissau­ga: Ben­ben Publishers, 1984), 85–101. Der Autor bringt Argu­men­te, dass die Exis­tenz von Septuaginta‐Handschriften, in denen der Got­tes­na­me mit hebräi­schen Buch­sta­ben ein­ge­fügt wur­de, nicht bedeu­tet, dass es auch in der ursprüng­li­chen Sep­tuag­in­ta so war. Er geht auf die Frag­men­te im Detail ein und beschäf­tigt sich mit der Art, wie kyri­os in den Sep­tuag­in­ta­tex­ten ver­wen­det wird.
  6. Im Anhang ihrer Stu­di­en­bi­bel heißt es: Irgend­wann wäh­rend des zwei­ten oder drit­ten Jahr­hun­derts u. Z. ent­fern­ten die Abschrei­ber das Tetra­gram­ma­ton sowohl aus der Sep­tuag­in­ta als auch aus den Christ­li­chen Grie­chi­schen Schrif­ten und ersetz­ten es durch Kýri­os, „Herr“, oder Theós, „Gott“. – Nun gibt es aber aus die­sem Zeit­raum sowohl Hand­schrif­ten mit neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­ten als auch außer­bi­bli­sche Tex­te von Autoren, die das Neue Tes­ta­ment zitie­ren. Papy­rus 66 stammt aus dem zwei­ten Jahr­hun­dert und ent­hält fast das kom­plet­te Johan­nes­evan­ge­li­um, Papy­rus 46 ver­mut­lich auch noch aus dem zwei­ten Jahr­hun­dert ent­hält fast alle Pau­lus­brie­fe. In kei­ner die­ser Hand­schrif­ten fin­det sich auch nur eine Spur von „Jeho­va“.
  7. Sie­he dazu Punkt 7.6 die­ses Artikels.
  8. Fuß­no­te in der NWÜ: Od.: „anrief“, „bete­te“.


Die Form adon­aj wur­de nur für Gott ver­wen­det, wäh­rend adon das all­ge­mei­ne­re Wort für „Herr“ war und sich auch auf ande­re bezie­hen konnte.

Jüdi­sche Gelehrte.

Die Form „Jeho­va“ wird auf den Domi­ni­ka­ner Ray­mun­dus Mar­ti­nus (1220–1285) zurückgeführt.

Die vier Buch­sta­ben JHWH.

Ver­glei­che dazu: Albert Pie­ters­ma, “Kyri­os or Tetra­gram: A Rene­wed Quest for the Ori­gi­nal Sep­tuag­int” in De Sep­tuag­in­ta. Stu­dies in Honour of John W. Wevers on His Sixty‐Fifth Bir­th­day, ed. Albert Pie­ters­ma and Clau­de Cox (Mis­sissau­ga: Ben­ben Publishers, 1984), 85–101. Der Autor bringt Argu­men­te, dass die Exis­tenz von Septuaginta‐Handschriften, in denen der Got­tes­na­me mit hebräi­schen Buch­sta­ben ein­ge­fügt wur­de, nicht bedeu­tet, dass es auch in der ursprüng­li­chen Sep­tuag­in­ta so war. Er geht auf die Frag­men­te im Detail ein und beschäf­tigt sich mit der Art, wie kyri­os in den Sep­tuag­in­ta­tex­ten ver­wen­det wird.

Im Anhang ihrer Stu­di­en­bi­bel heißt es: Irgend­wann wäh­rend des zwei­ten oder drit­ten Jahr­hun­derts u. Z. ent­fern­ten die Abschrei­ber das Tetra­gram­ma­ton sowohl aus der Sep­tuag­in­ta als auch aus den Christ­li­chen Grie­chi­schen Schrif­ten und ersetz­ten es durch Kýri­os, „Herr“, oder Theós, „Gott“. – Nun gibt es aber aus die­sem Zeit­raum sowohl Hand­schrif­ten mit neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­ten als auch außer­bi­bli­sche Tex­te von Autoren, die das Neue Tes­ta­ment zitie­ren. Papy­rus 66 stammt aus dem zwei­ten Jahr­hun­dert und ent­hält fast das kom­plet­te Johan­nes­evan­ge­li­um, Papy­rus 46 ver­mut­lich auch noch aus dem zwei­ten Jahr­hun­dert ent­hält fast alle Pau­lus­brie­fe. In kei­ner die­ser Hand­schrif­ten fin­det sich auch nur eine Spur von „Jeho­va“.

Sie­he dazu Punkt 7.6 die­ses Artikels.

Fuß­no­te in der NWÜ: Od.: „anrief“, „bete­te“.