Teil 3: Got­tes Heils­weg im Alten Bund

Themenbereiche: Gottes Heilsweg

Die Mensch­heit ist in Sün­de ver­strickt. Doch Gott fin­det immer wie­der jeman­den, der das Gute liebt und tun möch­te. Durch sol­che Men­schen kann er die Hoff­nung auf das Heil wei­ter­tra­gen: Noah, spä­ter Abra­ham, dann Josef, den Gott dazu aus­er­wählt hat, sei­ne Fami­lie zur Zeit einer Hun­gers­not am Leben zu erhal­ten. Als Erwähl­ter Got­tes hat er viel Zurück­wei­sung, Demü­ti­gung und Leid erfah­ren. In all die­sen Din­gen blieb er Gott treu, der ihn spä­ter erhöht hat.

Auch Mose, der das Volk Isra­el aus der Skla­ve­rei in Ägyp­ten befreit hat, um sie zum ver­hei­ße­nen Land zu füh­ren, wur­de mit ähn­li­chen Schwie­rig­kei­ten kon­fron­tiert. Ste­pha­nus, der ers­te christ­li­che Mär­ty­rer erwähnt Josef und Mose in sei­ner Ver­tei­di­gungs­re­de, als er sei­ne Anklä­ger damit kon­fron­tiert, dass sie auch Jesus – ähn­lich wie Josef und Mose – abge­wie­sen, ja sogar getö­tet haben. Ste­pha­nus hat sein Zeug­nis mit sei­nem Blut besiegelt: 

Wel­chen der Pro­phe­ten haben eure Väter nicht ver­folgt? Und sie haben die getö­tet, wel­che die Ankunft des Gerech­ten vor­her ver­kün­dig­ten, des­sen Ver­rä­ter und Mör­der ihr jetzt gewor­den seid … (Apos­tel­ge­schich­te 7,52)

Gott offen­bart auf die­sem Weg der Lei­den immer tie­fer sei­ne Lie­be zu uns Men­schen und das Heil, das er für uns berei­tet hat. So gelan­gen wir über die David geschenk­ten Ver­hei­ßun­gen bis zu den Pro­phe­ten­wor­ten, die über den lei­den­den Got­tes­knecht spre­chen. All die­se Ver­hei­ßun­gen sind in Jesus erfüllt.

Eine Baumallee mit einem idyllischen Weg, der zu einem sonnigen Ort führt, wie der Pfad Gottes, der zur Erlösung führt.

1 Vom Para­dies bis Ägypten

Gott erbarmt sich auch über den gefal­le­nen Men­schen. Selbst die Sün­de kann sei­ne sor­gen­de Lie­be nicht aus­lö­schen. Das drückt fol­gen­de Stel­le aus, die über die Situa­ti­on nach dem Sün­den­fall spricht:

Und Gott, der HERR, mach­te Adam und sei­ner Frau Leib­rö­cke aus Fell und beklei­de­te sie. (1. Mose 3,21)

Doch die Men­schen schät­zen die­se Lie­be nicht, son­dern haben mit ihren Sün­den die durch die ers­te Sün­de los­ge­tre­te­ne Lawi­ne noch vergrößert.

1.1 Noah – Trost nach der Flut

Trotz der rasch wach­sen­den Sün­de „fin­det“ Gott einen Men­schen: Noah, der in sei­nen Augen Gna­de fand:

Und der HERR sah, dass die Bos­heit des Men­schen auf der Erde groß war und alles Sin­nen der Gedan­ken sei­nes Her­zens nur böse den gan­zen Tag. Und es reu­te den HERRN, dass er den Men­schen auf der Erde gemacht hat­te, und es beküm­mer­te ihn in sein Herz hin­ein. Und der HERR sprach: Ich will den Men­schen, den ich geschaf­fen habe, von der Flä­che des Erd­bo­dens aus­lö­schen, vom Men­schen bis zum Vieh, bis zu den krie­chen­den Tie­ren und bis zu den Vögeln des Him­mels; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe. Noah aber fand Gunst in den Augen des HERRN. Dies ist die Gene­ra­tio­nen­fol­ge Noahs: Noah war ein gerech­ter Mann, unta­de­lig war er unter sei­nen Zeit­ge­nos­sen; Noah leb­te mit Gott. (1. Mose 6,5–9)

Wenn wir die Erzäh­lung über die Sint­flut mit den Augen des Glau­bens lesen, sehen wir dar­in Got­tes Bot­schaft, dass der Weg der Sün­de zur Zer­stö­rung führt. Aber Gott ist die Lie­be. Er nimmt auch das kleins­te Gute auf. Er „fin­det“ einen Men­schen, der got­tes­fürch­tig ist. So setzt sich die Erlö­sung auf dem schma­len Weg der Hoff­nung durch eine Hand­voll Men­schen in der Geschich­te fort. Gott schließt im Sym­bol des Regen­bo­gens einen Bund mit den Menschen.

Got­tes ers­te Ant­wort auf die Bos­heit der Men­schen war die Sint­flut. Als eine Fol­ge der Sün­de steht sie für alle Zei­ten als war­nen­des Zei­chen da. Dann hat Gott aber auch den Regen­bo­gen als Zei­chen des Bun­des und der Hoff­nung gesetzt:

Und ich, sie­he, ich rich­te mei­nen Bund mit euch auf und mit euren Nach­kom­men nach euch […] Wenn der Bogen in den Wol­ken steht, wer­de ich ihn anse­hen, um an den ewi­gen Bund zu den­ken zwi­schen Gott und jedem leben­den Wesen unter allem Fleisch, das auf Erden ist. Und Gott sprach zu Noah: Das ist das Zei­chen des Bun­des, den ich auf­ge­rich­tet habe zwi­schen mir und allem Fleisch, das auf Erden ist. (1. Mose 9,9.16–17)

1.2 Abra­ham – in dem die Völ­ker geseg­net sind

Die Hoff­nung bestand wei­ter. Wie­der „fand“ Gott einen Men­schen, an dem er Wohl­ge­fal­len hat­te, den er rief, um ihm eine neue Ver­hei­ßung der kom­men­den Befrei­ung zu schenken:

Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus dei­nem Land und aus dei­ner Ver­wandt­schaft und aus dem Haus dei­nes Vaters in das Land, das ich dir zei­gen wer­de! Und ich will dich zu einer gro­ßen Nati­on machen, und ich will dich seg­nen, und ich will dei­nen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein! Und ich will seg­nen, die dich seg­nen, und wer dir flucht, den wer­de ich ver­flu­chen; und in dir sol­len geseg­net wer­den alle Geschlech­ter der Erde! Und Abram ging hin, wie der HERR zu ihm gere­det hat­te […] (1. Mose 12,1–4)

Ja, da gab es einen Men­schen, der bereit war, sei­ne Ver­wandt­schaft, die „Sicher­heit“ hin­ter sich zu las­sen[1] und sich einer „unge­wis­sen“ Zukunft ent­ge­gen auf den Weg zu machen. Ein­fach des­we­gen, weil er Gott geglaubt und ver­traut hat. So hat der unfrucht­ba­re Abram[2] die Ver­hei­ßung emp­fan­gen, dass er zum Vater vie­ler Kin­der wer­den wür­de, dass er zum Abra­ham[3] wür­de (1. Mose 17,5).

Gott sprach zu ihm: Lebe vor mei­nem Ange­sicht, und sei unta­de­lig!“ (1. Mose 17,1). Dar­in drückt sich Abra­hams Glau­be aus. Die­ser Glau­be und die­se Lie­be wer­den auch dar­an sicht­bar, dass er bereit war, das Kost­bars­te, das er hat­te, den ihm ver­hei­ße­nen Sohn, sei­nen ein­zi­gen, den er lieb hat­te, Isaak, zu opfern.[4]

Und er (d. h. Gott) sprach: Stre­cke dei­ne Hand nicht aus nach dem Jun­gen, und tu ihm nichts! Denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürch­test, da du dei­nen Sohn, dei­nen ein­zi­gen, mir nicht vor­ent­hal­ten hast. (1. Mose 22,12)

Das ist die Gesin­nung, die Gott gefällt. Das ist ein Opfer zu sei­nem Wohl­ge­ruch! Des­we­gen hat Gott ihm auch die Ver­hei­ßung erneuert:

Und in dei­nem Samen wer­den sich seg­nen alle Natio­nen der Erde dafür, dass du mei­ner Stim­me gehorcht hast. (1. Mose 22,18)

Pau­lus erklärt, wer die­ser Same ist:

Dem Abra­ham aber wur­den die Ver­hei­ßun­gen zuge­sagt und sei­ner Nach­kom­men­schaft. Er spricht nicht: „und sei­nen Nach­kom­men“, wie bei vie­len, son­dern wie bei einem: „und dei­nem Nach­kom­men“, und der ist Chris­tus. (Gala­ter 3,16)

Die Abra­ham gege­be­ne Ver­hei­ßung schenkt uns schon einen Blick auf den, der bereit sein wird, sein Leben „als Schuld­op­fer ein­zu­set­zen“, damit er „Nach­kom­men sehe“ (Jesa­ja 53,10), so wie das Wei­zen­korn, das stirbt, vie­len neu­es Leben schenkt (Johan­nes 12,24–25). Ähn­lich wie beim Opfer Abra­hams sieht Gott auch bei Jesus in die­ser Hin­ga­be­be­reit­schaft, dem Ver­schen­ken sei­ner selbst, ein Opfer. Gott seg­net das und schenkt ihm vie­le Söh­ne, die er zur Herr­lich­keit führt.[5]

So wird Abra­ham zum Vater des Glau­bens für alle, die sich nicht nur auf ihn beru­fen,[6] son­dern auch sei­nen aus Glau­ben gewirk­ten Wer­ken folgen.

Abra­ham[7] konn­te in Isaak, dem Sohn der Ver­hei­ßung, den Beginn der Erfül­lung der Ver­hei­ßung sehen.

Danach begeg­nen wir einer Situa­ti­on, in der der sou­ve­rä­ne Gott es für gut hält, dass sich der Heils­weg nicht dem Erst­ge­burts­recht ent­spre­chend über Esau, dem älte­ren Sohn Isaaks, fort­setzt, son­dern sein jün­ge­rer Bru­der Jakob der Erbe des Erst­ge­burts­se­gens sein soll­te.[8]

1.3 Josef – der ver­ach­te­te Befreier 

Auf dem Weg der Patri­ar­chen gelan­gen wir nach Ägyp­ten, wo uns die Geschich­te Josefs, eines der Söh­ne Jakobs, vie­les über Got­tes Lie­be lehrt. Der von Gott erwähl­te Josef (1. Mose 37,1–11; 5. Mose 33,16) wur­de von sei­nen Brü­dern gehasst. Als er sich im Auf­trag sei­nes Vaters auf­macht, sie zu besu­chen, pla­nen sie, ihn zu töten.[9]

Es hat Gott gefal­len, ihn zu ihrem Befrei­er zu machen, an den sie sich zur Zeit der Hun­gers­not in Ägyp­ten wen­den wür­den, um Lebens­mit­tel zu kau­fen. Josef, den sie zu töten beab­sich­ti­gen, war­tet dort auf sie als ihr Ret­ter. So ist Gott. Er wen­det das Böse zum Guten.

Ihr zwar, ihr hat­tet Böses gegen mich beab­sich­tigt; Gott aber hat­te beab­sich­tigt, es zum Guten zu wen­den, damit[10] er tue, wie es an die­sem Tag ist, ein gro­ßes Volk am Leben zu erhal­ten. (1. Mose 50,20)

Hier erscheint bereits eine tie­fe Wahr­heit, die in der Fül­le der Zei­ten ihre wah­re Bedeu­tung erlangt:

Josef, der Erwähl­te, macht sich auf, sei­ne Brü­der zu besu­chen. Sie sehen in ihm nicht den Erwähl­ten, sie erken­nen in ihm nicht den, der von Gott gesandt wur­de. Sie ver­wer­fen ihn und wol­len ihn töten. Trotz­dem ret­tet Gott sie durch ihn aus der Hun­gers­not. Es ist auch so, wenn das Licht zu den Sei­nen kommt, zu sei­nen Brü­dern dem Flei­sche nach, aber die Sei­nen ihn nicht anneh­men. Trotz­dem wird er denen, die ihn anneh­men, der Urhe­ber des Heils (Johan­nes 1,9–13; Hebrä­er 5,9). So wie der Stein, den die Bau­leu­te ver­war­fen, zum Eck­stein gewor­den ist, zum Fels des Heils denen, die glau­ben, aber zum Stein des Ansto­ßes für die Ungläu­bi­gen.[11]

Da konn­te Josef sich nicht mehr bezwin­gen vor all denen, die um ihn her stan­den, und er rief: Lasst jeder­mann von mir hin­aus­ge­hen! So stand nie­mand bei ihm, als Josef sich sei­nen Brü­dern zu erken­nen gab. Und er erhob sei­ne Stim­me mit Wei­nen, dass die Ägyp­ter es hör­ten, und auch das Haus des Pha­rao hör­te es. Und Josef sag­te zu sei­nen Brü­dern: Ich bin Josef. Lebt mein Vater noch? Sei­ne Brü­der aber konn­ten ihm nicht ant­wor­ten, denn sie waren bestürzt vor ihm. Da sag­te Josef zu sei­nen Brü­dern: Tre­tet doch zu mir her­an! Und sie tra­ten her­an. Und er sag­te: Ich bin Josef, euer Bru­der, den ihr nach Ägyp­ten ver­kauft habt. Und nun seid nicht beküm­mert, und wer­det nicht zor­nig auf euch selbst, dass ihr mich hier­her ver­kauft habt! Denn zur Erhal­tung des Lebens hat Gott mich vor euch her­ge­sandt. […] Doch Gott hat mich vor euch her­ge­sandt, um euch einen Rest zu set­zen auf Erden und euch am Leben zu erhal­ten für eine gro­ße Ret­tung. Und nun, nicht ihr habt mich hier­her gesandt, son­dern Gott; […] (1. Mose 45,1–8)

Wir fin­den hier eine inter­es­san­te Par­al­le­le, über die sich lohnt nach­zu­den­ken. Inter­es­sant des­halb, weil hier die Grund­wahr­heit aus­ge­drückt wird, dass Gott das Böse in Gutes wen­det (1. Mose 50,20). Es ist offen­sicht­lich, dass Gott das Böse nie­mals will!

[…] Gott kann nicht ver­sucht wer­den vom Bösen, er selbst aber ver­sucht nie­mand […] Irret euch nicht, mei­ne gelieb­ten Brü­der! Jede gute Gabe und jedes voll­kom­me­ne Geschenk kommt von oben her­ab, von dem Vater der Lich­ter, bei dem kei­ne Ver­än­de­rung ist noch eines Wech­sels Schat­ten. (Jako­bus 1,13.16–17)

Selbst der Schat­ten des Bösen ist weit weg von Gott. Dann ist auch klar, dass Gott nicht woll­te, dass sein Erwähl­ter, Josef, von sei­nen Brü­dern getö­tet oder ver­kauft wur­de. Denn das war Bos­heit. Trotz­dem drückt Josef selbst in der oben erwähn­ten Stel­le aus, dass es Gott war, der ihn nach Ägyp­ten gesandt hat.

Es ist, als ob wir hier lei­se die Wor­te von Petrus hören wür­den, der zu sei­ner Zeit aus­ru­fen wird:

Das gan­ze Haus Isra­el wis­se nun zuver­läs­sig, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Chris­tus gemacht hat, die­sen Jesus, den ihr gekreu­zigt habt. (Apos­tel­ge­schich­te 2,36)

Ihr aber habt den Hei­li­gen und Gerech­ten ver­leug­net und gebe­ten, dass euch ein Mör­der geschenkt wür­de; den Fürs­ten des Lebens aber habt ihr getö­tet, den Gott aus den Toten auf­er­weckt hat, wovon wir Zeu­gen sind. (Apos­tel­ge­schich­te 3,14–15)

Josef sag­te, dass es Gott so woll­te, und so ist es auch. Aber, was das bedeu­tet, ver­ste­hen wir durch die schon ange­führ­te Stel­le in 1. Mose 50,20: Gott aber hat­te beab­sich­tigt, es zum Guten zu wenden. 

Wie bereits erwähnt: Gott will das Böse nicht, er kann es aber zum Guten wen­den. Gott woll­te Jakob aus der Hun­gers­not ret­ten. Aber wie das geschah, hing auch von den Söh­nen Jakobs ab. Gott bezieht auch die Ent­schei­dun­gen sei­ner Geschöp­fe mit ein, die auf die­se Wei­se auf sei­nen Heils­plan Ein­fluss nehmen.

So durch­dringt Got­tes Gegen­wart auf unsicht­ba­re Wei­se und doch wirk­sam die Geschich­te. Er ist zugleich der sou­ve­rä­ne All­mäch­ti­ge und der demü­ti­ge Knecht. Er lässt sich „beein­flus­sen“, er „passt sich an“, das heißt, er respek­tiert den Wil­len sei­ner Geschöp­fe. Den­noch ist er fähig, sei­nen Wil­len zu erfül­len. Das ist ein Wun­der, das uns zu Ehr­furcht und Stau­nen führt, ein Wun­der, das öfter unser Ver­ste­hen über­steigt.[12]

Wel­che Tie­fe des Reich­tums, sowohl der Weis­heit als auch der Erkennt­nis Got­tes! Wie uner­forsch­lich sind sei­ne Gerich­te und unauf­spür­bar sei­ne Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mit­be­ra­ter gewe­sen? Oder wer hat ihm vor­her gege­ben, und es wird ihm ver­gol­ten wer­den? Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Din­ge! Ihm sei die Herr­lich­keit in Ewig­keit! Amen. (Römer 11,33–36)

In Ägyp­ten beginnt ein neu­er Abschnitt der Heils­ge­schich­te mit Mose bzw. dem von Gott erwähl­ten Volk.

2 Isra­el, das Volk des Bundes

2.1 Mose – die Befrei­ung aus Ägypten 

Horch auf, du Him­mel, ich will reden, und die Erde höre die Wor­te mei­nes Mun­des! […] Gebt Ehre unserm Gott! Der Fels; voll­kom­men ist sein Tun, denn alle sei­ne Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gera­de ist er! Es ver­sün­dig­te sich gegen ihn eine ver­kehr­te und ver­dreh­te Gene­ra­ti­on – nicht sei­ne Kin­der sind sie, son­dern ihr eige­ner Schand­fleck. Wollt ihr so dem HERRN ver­gel­ten, törich­tes und unwei­ses Volk? Ist er nicht dein Vater, der dich geschaf­fen hat? Er hat dich gemacht und dich berei­tet. […] Denn der Anteil des HERRN ist sein Volk, Jakob das Maß sei­nes Erb­teils. Er fand ihn im Land der Wüs­te und in der Öde, im Geheul der Wild­nis. Er umgab ihn, gab acht auf ihn, er behü­te­te ihn wie sei­nen Aug­ap­fel. Wie der Adler sein Nest auf­stört, über sei­nen Jun­gen schwebt, sei­ne Flü­gel aus­brei­tet, sie auf­nimmt, sie trägt auf sei­nen Schwin­gen, so lei­te­te ihn der HERR allein, und kein frem­der Gott war mit ihm. Er ließ ihn ein­her­fah­ren auf den Höhen der Erde, und er aß die Früch­te des Fel­des. […] (5. Mose 32,1–14)

Ein Lied über die Lie­be Got­tes zu sei­nem Volk. Er sorg­te für es, bewahr­te es wie sein Augen­licht, wie ein Adler, der schüt­zend über sei­nen Jun­gen schwebt. Aber zugleich klin­gen auch schmerz­haf­te Töne an:

Da wur­de Jeschu­run[13] fett und schlug aus. Du wur­dest fett, dick, feist! Und er ver­warf den Gott, der ihn gemacht, und ver­ach­te­te den Fels sei­ner Ret­tung. Sie reiz­ten ihn zur Eifer­sucht durch frem­de Göt­ter, durch Gräu­el kränk­ten sie ihn. Sie opfer­ten den Dämo­nen, die nicht Gott sind, Göt­tern, die sie nicht kann­ten, neu­en, die erst vor kur­zem auf­ge­kom­men waren, die eure Väter nicht ver­ehr­ten. Den Fel­sen, der dich gezeugt, täusch­test du und ver­ga­ßest den Gott, der dich gebo­ren. (5. Mose 32,15–18)

Wie­der müs­sen wir in der Geschich­te Isra­els das sehen, was auch für die Geschich­te der Mensch­heit cha­rak­te­ris­tisch ist.

In der Apos­tel­ge­schich­te (7,17–53) kön­nen wir lesen, wie Ste­pha­nus mehr als tau­send Jah­re spä­ter das, was im Lied des Mose vor­weg­ge­nom­men wur­de, mit den Augen des Glau­bens beur­teilt. Wir wol­len hier her­aus­grei­fen, was er in den Ver­sen 25 und 35 über Mose sagte:

Er mein­te aber, sei­ne Brü­der wür­den ver­ste­hen, dass Gott ihnen durch sei­ne Hand Ret­tung gebe; sie aber ver­stan­den es nicht. (Apos­tel­ge­schich­te 7,25)

Die­sen Mose, den sie ver­leug­ne­ten, indem sie sag­ten: „Wer hat dich als Obers­ten und Rich­ter ein­ge­setzt?“, den hat Gott als Obers­ten und Ret­ter gesandt durch die Hand des Engels, der ihm in dem Dorn­busch erschien. (Apos­tel­ge­schich­te 7,35)

In Vers 35 fin­den wir das bestä­tigt, was wir bereits in der Josefs­ge­schich­te gese­hen haben: Ihn, den sei­ne Brü­der ver­wor­fen haben, hat Gott als Obers­ten und Ret­ter gesandt“. Ste­pha­nus zieht hier in sei­ner Rede eine offen­sicht­li­che Par­al­le­le zwi­schen Mose und Jesus: Mose ist also nicht des­we­gen gekom­men, um ver­wor­fen zu wer­den, son­dern, damit sie auf ihn hören. Was er ihnen ver­kün­det, ist Got­tes Wort zu ihrem Guten.

Mose war das Vor­bild des kom­men­den Mes­si­as, auf den er hinwies:

Einen Pro­phe­ten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus dei­ner Mit­te, aus dei­nen Brü­dern, erste­hen las­sen. Auf ihn sollt ihr hören! (5. Mose 18,15; Apos­tel­ge­schich­te 3,22–26)

Lei­der haben sie nicht auf ihn gehört.

Keh­ren wir zu zurück zu den Wor­ten des Ste­pha­nus über Mose:

Die­ser führ­te sie her­aus, indem er Wun­der und Zei­chen tat im Land Ägyp­ten und im Roten Meer und in der Wüs­te, vier­zig Jah­re. (Apos­tel­ge­schich­te 7,36)

Gott hat sei­ne Macht offen­bar gemacht.[14] So hol­te Gott sein Volk aus der Knecht­schaft, ohne dass er jeman­dem ein Löse­geld für es bezahlt hät­te oder dass er es sich selbst schul­dig gewe­sen wäre. Gott hat das umsonst, aus sei­ner Gna­de her­aus getan, weil er die Lie­be ist. Das ist die ein­zi­ge Grund­la­ge der Erlö­sung.[15]

Gott führ­te sein Volk in die Wüs­te und schloss einen Bund mit ihnen.

Er hat Isra­el des­we­gen aus­er­wählt und beru­fen, er hat für sie gesorgt und sie bewahrt, weil das zum Guten aller Men­schen war. In und mit Isra­el hat er den Weg des Heils berei­tet. Er tat das mit viel Kampf und durch Schmerz hin­durch für alle Men­schen! Gott woll­te, dass sie ein König­reich von Pries­tern und ein hei­li­ges Volk sei­en. Durch sie soll­ten alle Völ­ker Gott ken­nen­ler­nen.[16]

Mose aber stieg hin­auf zu Gott. Und der HERR rief ihm vom Berg aus zu: So sollst du zum Haus Jakob sagen und den Söh­nen Isra­el mit­tei­len: Ihr habt gese­hen, was ich den Ägyp­tern ange­tan und wie ich euch auf Adler­flü­geln getra­gen und euch zu mir gebracht habe. Und nun, wenn ihr wil­lig auf mei­ne Stim­me hören und mei­nen Bund hal­ten wer­det, dann sollt ihr aus allen Völ­kern mein Eigen­tum sein; denn mir gehört die gan­ze Erde. Und ihr sollt mir ein König­reich von Pries­tern und eine hei­li­ge Nati­on sein. Das sind die Wor­te, die du zu den Söh­nen Isra­el reden sollst. (2. Mose 19,3–6)

Doch so ist es nicht gekom­men. Gott hat eine edle Rebe gepflanzt. Die­se jedoch brach­te nur schlech­te Beeren:

Sin­gen will ich von mei­nem Freund, das Lied mei­nes Liebs­ten von sei­nem Wein­berg: Einen Wein­berg hat­te mein Freund auf einem fet­ten Hügel. Und er grub ihn um und säu­ber­te ihn von Stei­nen und bepflanz­te ihn mit Edel­re­ben. Er bau­te einen Turm in sei­ne Mit­te und hieb auch eine Kel­t­er­ku­fe dar­in aus. Dann erwar­te­te er, dass er Trau­ben brin­ge. Doch er brach­te schlech­te Bee­ren. (Jesa­ja 5,1–2)

Sie haben aller Pfle­ge zum Trotz so wie Adam gehan­delt, weil sie ihrem eige­nen Wil­len und nicht Got­tes Wil­len gefolgt sind.

2.2 David – der König und Hir­te Israels

Aber Gott ist barm­her­zig und gedul­dig. Er trug sein Volk in der Wüs­te und wäh­rend der Zeit der Rich­ter. Dann ver­lang­te das Volk einen König (1. Samu­el 8,4–7). Sie woll­ten nicht, dass Jah­we ihr König sei. Trotz ihrer Ableh­nung blieb Gott treu.

Hier kön­nen wir wie­der Got­tes unend­li­che Demut sehen. Er hat sich „ange­passt“.

Und das gan­ze Volk sag­te zu Samu­el: Bit­te den HERRN, dei­nen Gott, für dei­ne Knech­te, dass wir nicht ster­ben! Denn zu all unsern Sün­den haben wir das Böse began­gen, einen König für uns zu erbit­ten. Samu­el aber sag­te zum Volk: Fürch­tet euch nicht! Ihr habt zwar all die­ses Böse began­gen, doch hört nicht auf, dem HERRN nach­zu­fol­gen, und dient dem HERRN mit eurem gan­zen Her­zen! […] Denn der HERR wird sein Volk um sei­nes gro­ßen Namens wil­len nicht ver­las­sen. Denn es hat dem HERRN gefal­len, euch zu sei­nem Volk zu machen. (1. Samu­el 12,19–20.22)

Und Gott „fin­det“ David, der Gna­de vor Gott fand (Apos­tel­ge­schich­te 7,46), der mit sei­nem Glau­ben in die Fuß­stap­fen Abra­hams trat, indem er sei­ne Kraft und sei­ne Sie­ge nicht sich selbst, son­dern Gott zuschrieb (1. Samu­el 17,37.45).

Der Psal­mist nann­te ihn den Hir­ten sei­nes Volkes:

Er erwähl­te David, sei­nen Knecht, und nahm ihn weg von den Hür­den der Scha­fe. Von den Mut­ter­tie­ren weg hol­te er ihn, dass er Jakob, sein Volk, wei­de­te und Isra­el, sein Erb­teil. Und er wei­de­te sie nach der Lau­ter­keit sei­nes Her­zens, und mit der Geschick­lich­keit sei­ner Hän­de lei­te­te er sie. (Psalm 78,70–72)[17]

Er ist das Vor­bild jenes Guten Hir­ten, der kom­men soll­te, als die Zeit erfüllt war. In ihm wür­de das pro­phe­ti­sche Wort sei­nen vol­len Sinn erhal­ten. Gott selbst kommt zu sei­ner Herde!

Denn so spricht der Herr, HERR: Sie­he, ich bin es, und ich will nach mei­nen Scha­fen fra­gen und mich ihrer anneh­men. […] Ich selbst will mei­ne Scha­fe wei­den, und ich selbst will sie lagern, spricht der Herr, HERR. Das Ver­lo­re­ne will ich suchen und das Ver­spreng­te zurück­brin­gen, und das Gebro­che­ne will ich ver­bin­den, und das Kran­ke will ich stär­ken; das Fet­te aber und das Star­ke wer­de ich aus­til­gen; mit mei­nem Recht wer­de ich sie wei­den. (Hese­kiel 34,11.15–16)

Der wird kom­men, der als Nach­kom­me Davids aus einer Jung­frau gebo­ren wer­den wird, des­sen Name Imma­nu­el ist, d. h. Gott ist mit uns (Jesa­ja 7,14).

Das Licht kommt zu denen, die im Dun­kel und Todes­schat­ten wohnen:

Das Volk, das im Dun­kel lebt, sieht ein gro­ßes Licht. Die im Land der Fins­ter­nis woh­nen, Licht leuch­tet über ihnen. […] Denn ein Kind ist uns gebo­ren, ein Sohn uns gege­ben, und die Herr­schaft ruht auf sei­ner Schul­ter; und man nennt sei­nen Namen: Wun­der­ba­rer Rat­ge­ber, star­ker Gott, Vater der Ewig­keit, des Frie­dens. Groß ist die Herr­schaft, und der Frie­de wird kein Ende haben auf dem Thron Davids und über sei­nem König­reich, es zu fes­ti­gen und zu stüt­zen durch Recht und Gerech­tig­keit von nun an bis in Ewig­keit. Der Eifer des HERRN der Heer­scha­ren wird dies tun. (Jesa­ja 9,1.5–6)

Der, auf dem der Geist des Herrn ruht, wird kommen:

Und ein Spross wird her­vor­ge­hen aus dem Stumpf Isais, und ein Schöss­ling aus sei­nen Wur­zeln wird Frucht brin­gen. Und auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weis­heit und des Ver­stan­des, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkennt­nis und Furcht des HERRN; und er wird sein Wohl­ge­fal­len haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht rich­ten nach dem, was sei­ne Augen sehen, und nicht zurecht­wei­sen nach dem, was sei­ne Ohren hören, son­dern er wird die Gerin­gen rich­ten in Gerech­tig­keit und die Elen­den des Lan­des zurecht­wei­sen in Gerad­heit. Und er wird den Gewalt­tä­ti­gen schla­gen mit dem Stab sei­nes Mun­des und mit dem Hauch sei­ner Lip­pen den Gott­lo­sen töten. Gerech­tig­keit wird der Schurz sei­ner Hüf­ten sein und die Treue der Schurz sei­ner Len­den. (Jesa­ja 11,1–5)

Auf dem Thron Davids wird der kom­men, der den Tem­pel des Herrn bau­en wird und des­sen Herr­schaft ohne Ende sein wird:

Wenn dei­ne Tage erfüllt sind und du dich zu dei­nen Vätern gelegt hast, dann wer­de ich dei­nen Nach­kom­men, der aus dei­nem Leib kommt, nach dir auf­ste­hen las­sen und wer­de sein König­tum fes­ti­gen. Der wird mei­nem Namen ein Haus bau­en. Und ich wer­de den Thron sei­nes König­tums fes­ti­gen für ewig. (2. Samu­el 7,12–13)

Auch wenn hier zunächst ein­mal von Salo­mo, dem unmit­tel­ba­ren Nach­kom­men Davids, die Rede ist, der den Tem­pel in Jeru­sa­lem bau­en soll­te, weist die­se Weis­sa­gung Nathans in wei­te­rer Fol­ge auf den „Sohn Davids“ hin. Aus der Sicht des Neu­en Tes­ta­ments sehen wir, dass der Mes­si­as für Gott ein ande­res, ewi­ges Haus gebaut hat, das eben­so wie sein König­tum ewi­gen Bestand haben wird.

Wisst ihr nicht, dass ihr Got­tes Tem­pel seid und der Geist Got­tes in euch wohnt? (1. Korin­ther 3,16)

Sein Haus sind wir, wenn wir die Frei­mü­tig­keit und den Ruhm der Hoff­nung bis zum Ende stand­haft fest­hal­ten. (Hebrä­er 3,6)

Gott geht es nicht um Tem­pel, Kathe­dra­len, Basi­li­ken, Gebets­häu­ser, König­reichs­sä­le … die aus Stein, nicht aber aus Lie­be gebaut wer­den. Das Haus Got­tes ist der Tem­pel, den die Schrift auch den Leib Chris­ti,[18] die Gemein­schaft der Chris­ten, die auf ihren Bräu­ti­gam war­ten­de Braut[19] nennt. Denn das ist das Ziel der Erlö­sung: Gemein­schaft mit Gott und unter­ein­an­der in Hei­lig­keit und Lie­be. Die­se Gemein­schaft beginnt schon hier auf Erden.

Doch keh­ren wir zu David bzw. zu Ste­pha­nus zurück. Ste­pha­nus geht in sei­ner Rede beson­ders auf den Tem­pel ein. Damit hat er einen heik­len Punkt berührt und die Ereig­nis­se beschleu­ni­gen sich. Aber wir befin­den uns noch ein Jahr­tau­send vor der Erfül­lung der David gege­be­nen Ver­hei­ßung, das heißt, dass der Mes­si­as sein Nach­kom­me sein wer­de (wes­we­gen Jesus auch öfter Sohn Davids genannt wird).

Was wäh­rend die­ser tau­send Jah­re gesche­hen ist, kön­nen wir im Lied des Mose bzw. in der Rede des Ste­pha­nus sehen.

Der Pro­phet Hosea hat das schön zusammengefasst:

Als Isra­el jung war, gewann ich es lieb, und aus Ägyp­ten habe ich mei­nen Sohn geru­fen. Sooft ich sie rief, gin­gen sie von mei­nem Ange­sicht weg. Den Baa­lim opfer­ten sie, und den Got­tes­bil­dern brach­ten sie Rauch­op­fer dar. Und ich, ich lehr­te Ephra­im lau­fen – ich nahm sie immer wie­der auf mei­ne Arme -, aber sie erkann­ten nicht, dass ich sie heil­te. Mit mensch­li­chen Tau­en zog ich sie, mit Sei­len der Lie­be, und ich war ihnen wie sol­che, die das Joch auf ihren Kinn­ba­cken anhe­ben, und sanft zu ihm gab ich ihm zu essen. Es wird nicht ins Land Ägyp­ten zurück­keh­ren. Aber Assur, der wird sein König sein, denn sie wei­gern sich umzu­keh­ren. Und das Schwert wird krei­sen in sei­nen Städ­ten und sei­nen Schwät­zern ein Ende machen, und es wird fres­sen wegen ihrer Rat­schlä­ge. Aber mein Volk bleibt ver­strickt in die Abkehr von mir. Und ruft man es nach oben, bringt man es doch ins­ge­samt nicht dazu, sich zu erhe­ben. Wie soll­te ich dich preis­ge­ben, Ephra­im, wie soll­te ich dich aus­lie­fern, Isra­el? Wie könn­te ich dich preis­ge­ben wie Adma, dich Zebo­jim gleich­ma­chen? Mein Herz kehrt sich in mir um, ganz und gar erregt ist all mein Mit­leid. Nicht aus­füh­ren will ich die Glut mei­nes Zor­nes, will nicht noch ein­mal Ephra­im ver­nich­ten. Denn Gott bin ich und nicht ein Mensch, in dei­ner Mit­te der Hei­li­ge; ich will nicht in Zorn­glut kom­men. (Hosea 11,1–9)

2.3 Die Zeit der Pro­phe­ten – Licht in der Finsternis

Wäh­rend der Jahr­hun­der­te der Königs­zeit, als die meis­ten Köni­ge nach David nicht mit Gott wan­del­ten, hat das Volk sei­ne Untreue, sei­ne vie­ler­lei Sün­den, sei­nen Göt­zen­dienst unter der Füh­rung sei­ner poli­ti­schen und reli­giö­sen Vor­ste­her fort­ge­setzt. Gleich­zei­tig mit die­sem Göt­zen­dienst wer­den die Got­tes­diens­te fort­ge­setzt, fließt das Blut der Opfer in Strö­men und Fes­te wer­den gefei­ert. Gott ermahn­te die Men­schen durch die Wor­te der Pro­phe­ten, er rief sein Volk ohne Unter­lass zur Umkehr:

Ein Rind kennt sei­nen Besit­zer und ein Esel die Krip­pe sei­nes Herrn. Isra­el aber hat kei­ne Erkennt­nis, mein Volk hat kei­ne Ein­sicht. … Hört das Wort des HERRN, ihr Anfüh­rer von Sodom! Horcht auf die Wei­sung unse­res Got­tes, Volk von Gomor­ra! Wozu soll mir die Men­ge eurer Schlacht­op­fer die­nen?, spricht der HERR. Ich habe die Brand­op­fer von Wid­dern und das Fett der Mast­käl­ber satt, und am Blut von Stie­ren, Läm­mern und jun­gen Böcken habe ich kein Gefal­len. Wenn ihr kommt, um vor mei­nem Ange­sicht zu erschei­nen – wer hat das von eurer Hand gefor­dert, mei­ne Vor­hö­fe zu zer­tre­ten? Bringt nicht län­ger nich­ti­ge Speis­op­fer! Das Räu­cher­werk ist mir ein Gräu­el. Neu­mond und Sab­bat, das Ein­be­ru­fen von Ver­samm­lun­gen: Sün­de und Fest­ver­samm­lung ertra­ge ich nicht. Eure Neu­mon­de und eure Fes­te hasst mei­ne See­le. Sie sind mir zur Last gewor­den, ich bin es müde, sie zu ertra­gen. Und wenn ihr eure Hän­de aus­brei­tet, ver­hül­le ich mei­ne Augen vor euch. Auch wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht – eure Hän­de sind voll Blut. Wascht euch, rei­nigt euch! Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen, hört auf, Böses zu tun! Lernt Gutes tun, fragt nach dem Recht, weist den Unter­drü­cker zurecht! Schafft Recht der Wai­se, führt den Rechts­streit der Wit­we! (Jesa­ja 1,3.10–17)

Denn von ihrem Kleins­ten bis zu ihrem Größ­ten machen sie alle unrech­ten Gewinn. Und vom Pro­phe­ten bis zum Pries­ter üben alle Falsch­heit, und sie hei­len den Bruch der Toch­ter mei­nes Vol­kes ober­fläch­lich und sagen: Frie­de, Frie­de! – und da ist doch kein Frie­de. Sie wer­den zuschan­den, weil sie Gräu­el ver­übt haben. Doch sie schä­men sich kei­nes­wegs, ja, Scham ken­nen sie nicht. Dar­um wer­den sie fal­len, wenn alles fällt. Zur Zeit, da ich sie heim­su­che, wer­den sie stür­zen, spricht der HERR. So spricht der HERR: Tre­tet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfa­den der Vor­zeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn! So wer­det ihr Ruhe fin­den für eure See­len. Aber sie sagen: Wir wol­len ihn nicht gehen. (Jere­mia 6,13–16)

Das Volk hat aber nicht auf die Pro­phe­ten gehört und des­we­gen haben sie das Gericht ange­kün­digt. Die Ermah­nung hilft aber nur für kur­ze Zeit. Die Pro­phe­ten muss­ten ihnen erklä­ren, dass es wegen ihrer Sün­den ist, wenn sie geschla­gen und unter­jocht wer­den, wenn sie in die Ver­ban­nung zie­hen müs­sen. Nicht weil Gott schwach wäre, auch nicht wegen der Sün­den ihrer Vor­fah­ren, son­dern weil sie selbst den Spu­ren ihrer Väter nach­ge­folgt sind![20]

Gott führt durch die Pro­phe­ten für sein Volk einen Kampf um Leben und Tod: Blei­ben sie sein Volk oder wer­den sie alle Göt­zen­die­ner? Wäh­rend so einer dunk­len Zeit wur­de selbst der uner­schüt­ter­li­che Pro­phet Elia erschüttert:

Da fürch­te­te er sich; und er mach­te sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beersch­eba, das zu Juda gehört; und er ließ sei­nen Die­ner dort zurück. Er selbst aber ging in die Wüs­te eine Tage­rei­se weit und kam und ließ sich unter einem ein­zel­nen Gins­ter­strauch nie­der. Da wünsch­te er sich, ster­ben zu kön­nen, und sag­te: Es ist genug. Nun, HERR, nimm mein Leben hin! Denn ich bin nicht bes­ser als mei­ne Väter. […] Dort ging er in die Höh­le und über­nach­te­te da. Und sie­he, das Wort des HERRN geschah zu ihm, und er sprach zu ihm: Was tust du hier, Elia? Und er sag­te: Ich habe sehr geei­fert für den HERRN, den Gott der Heer­scha­ren. Dei­nen Bund haben die Söh­ne Isra­el ver­las­sen, haben dei­ne Altä­re nie­der­ge­ris­sen und dei­ne Pro­phe­ten mit dem Schwert umge­bracht! Und ich allein bin übrig geblie­ben, ich allein, und nun trach­ten sie danach, auch mir das Leben zu neh­men. (1. Köni­ge 19,3–4.9–10)

Und was macht Gott?

Da sprach er: Geh hin­aus und stell dich auf den Berg vor den HERRN! Und sie­he, der HERR ging vor­über. Da kam ein Wind, groß und stark, der die Ber­ge zer­riss und die Fel­sen zer­schmet­ter­te vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht in dem Wind. Und nach dem Wind ein Erd­be­ben; der HERR aber war nicht in dem Erd­be­ben. Und nach dem Erd­be­ben ein Feu­er, der HERR aber war nicht in dem Feu­er. Und nach dem Feu­er der Ton eines lei­sen Wehens. Und es geschah, als Elia das hör­te, ver­hüll­te er sein Gesicht mit sei­nem Man­tel, ging hin­aus und stell­te sich in den Ein­gang der Höh­le. Und sie­he, eine Stim­me geschah zu ihm: Was tust du hier, Elia? […] Aber ich habe 7000 in Isra­el übrig gelas­sen, alle die Knie, die sich nicht vor dem Baal gebeugt haben, und jeden Mund, der ihn nicht geküsst hat. (1. Köni­ge 19,11–13.18)

Er spricht und trös­tet mit lei­ser, sanf­ter Stim­me: Elia, du bist nicht allein. Es gibt einen klei­nen Rest von Men­schen, die treu geblie­ben sind. Durch sie geht der Weg des Heils weiter.

Gott spricht sanft zu denen, die zu ihm rufen, die mit gequäl­ter See­le die vie­len Sün­den und Unge­rech­tig­keit sehen. Aber für die, die Gott nur mit ihrem Mund ver­eh­ren, deren Herz aber weit weg von Gott ist (Jesa­ja 29,13; Mat­thä­us 15,7–9), gibt es einen Wind, der Ber­ge zer­reißt und Fel­sen zer­schmet­tert, Erd­be­ben und Feu­er als Zei­chen für das kom­men­de Gericht.

Die­ser dunk­le Zeit­ab­schnitt war auch für die Pro­phe­ten eine gro­ße Her­aus­for­de­rung, so wie es im Lauf der Geschich­te immer wie­der dunk­le, her­aus­for­dern­de Zeit­ab­schnit­te gab, wie auch heu­te im „christ­li­chen Abend­land“, wo die Sün­de ihren Lauf nimmt und auch das Fei­ern, die Gottesdienste …

In die­se Dun­kel­heit hin­ein erging das Pro­phe­ten­wort wie ein Blitz­schlag: Es wird nicht immer dun­kel bleiben!

Das Volk, das im Dun­kel lebt, sieht ein gro­ßes Licht. Die im Land der Fins­ter­nis woh­nen, Licht leuch­tet über ihnen. (Jesa­ja 9,1)

Denn der ver­hei­ße­ne Ret­ter kommt! – Wer er sein wird, wann er kom­men wird, wie er sein wird, das war ein Geheim­nis, dem die Pro­phe­ten mit gro­ßer Sehn­sucht nachgingen:

Im Hin­blick auf die­se Ret­tung such­ten und forsch­ten Pro­phe­ten, die über die an euch erwie­se­ne Gna­de weis­sag­ten. Sie forsch­ten, auf wel­che oder auf was für eine Zeit der Geist Chris­ti, der in ihnen war, hin­deu­te­te, als er die Lei­den, die auf Chris­tus kom­men soll­ten, und die Herr­lich­kei­ten danach vor­her bezeug­te. (1. Petrus 1,10–11)

Aber sie haben das, was ihnen gege­ben wur­de, bekannt­ge­macht. Das Wort der Pro­phe­ten ist das Werk­zeug des Heils­we­ges. Aber die Zeit war noch nicht gekommen.

Sie­he, die Jung­frau wird schwan­ger wer­den und einen Sohn gebä­ren und wird sei­nen Namen Imma­nu­el (Gott mit uns) nen­nen. (Jesa­ja 7,14)

Wer hät­te zu den­ken gewagt, dass in ihm, in dem die­se Ver­hei­ßung ihre vol­le Erfül­lung fin­det, der wah­re Gott zu uns kom­men wird!

Er, der kom­men wird, wird nicht nach dem Augen­schein, son­dern in Gerech­tig­keit rich­ten (Jesa­ja 11,1–5). Er ist der König, der Spross aus dem Stamm Davids, der in den Mär­chen und Legen­den der Völ­ker der Welt – ohne wirk­li­che Hoff­nung auf Erfül­lung die­ses Wun­sches – ersehnt wird (es zeigt sich, dass es tief im Her­zen der Men­schen ein ver­schwom­me­nes Bild eines gerech­ten Königs gibt).

Aber hier spricht ein Pro­phet des Vol­kes Isra­el, ein Kün­der des Wor­tes Got­tes! Höret ihr Völ­ker! Er wird nicht nur der Erlö­ser Isra­els sein!

Ja, er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, um die Stäm­me Jakobs auf­zu­rich­ten und die Bewahr­ten Isra­els zurück­zu­brin­gen. So mache ich dich auch zum Licht der Natio­nen, dass mein Heil rei­che bis an die Enden der Erde. (Jesa­ja 49,6)

Er wird kom­men, über den der Herr gespro­chen hat:

„Mein Sohn bist du, ich habe dich heu­te gezeugt.“ (Psalm 2,7)

Er wird kom­men, den sie Sohn Davids nen­nen wer­den, der aber den­noch der Herr Davids sein wird.[21]

Doch wie soll das gesche­hen? Im jüdi­schen Den­ken kann nicht der Nach­kom­me der Herr des Vor­fah­ren sein. Dar­über wur­de auch zur Zeit Jesu nach­ge­dacht (Mat­thä­us 22,41–46). So bleibt die Gestalt des Mes­si­as ver­bor­gen, aber man kann ver­mu­ten, dass er grö­ßer sein wer­de als David.[22]

Und wenn er dann wirk­lich als König kommt, wird er dann die Völ­ker sofort rich­ten? Einem König, der mit Macht kommt, wird man umso leich­ter gehorchen!

So wur­de es erwar­tet, doch es kam nicht so.

2.4 Die Weis­sa­gun­gen über den Knecht Gottes

Ein Knecht ist gekom­men, oder bes­ser gesagt: Ein König kam, um zu die­nen! Es ent­spricht Got­tes Wesen, dass er sei­ne Macht zuerst in sei­ner Lie­be zeigt.

Es war auch nicht ver­bor­gen. Die Pro­phe­ten haben dar­über gesprochen.

Aber wer­den die Men­schen im Knecht den König erken­nen? Wer­den die Wein­gärt­ner den Sohn des Besit­zers des Wein­bergs aner­ken­nen?[23] Oder wer­den sie so mit ihm umge­hen wie mit den zuvor gesand­ten Die­nern, den Pro­phe­ten?[24]

Das sind bedrän­gen­de Fra­gen, über die die Pro­phe­ten gespro­chen haben. Zur Zeit ihrer Erfül­lung wer­den alle, die Ohren haben, um zu hören, ver­ste­hen und glauben.

Das Buch Jesa­ja zeigt uns den Mes­si­as als den Knecht Got­tes, der so wie die Pro­phe­ten, die sein Kom­men ange­kün­digt haben, abge­lehnt wer­den wird – er wird sogar lei­den und sterben:

Sie­he, mein Knecht, den ich hal­te, mein Aus­er­wähl­ter, an dem mei­ne See­le Wohl­ge­fal­len hat: Ich habe mei­nen Geist auf ihn gelegt, er wird das Recht zu den Natio­nen hin­aus­brin­gen. Er wird nicht schrei­en und [die Stim­me] nicht erhe­ben und sei­ne Stim­me nicht hören las­sen auf der Stra­ße. Das geknick­te Rohr wird er nicht zer­bre­chen, und den glim­men­den Docht wird er nicht aus­lö­schen. In Treue bringt er das Recht hin­aus. Er wird nicht ver­za­gen noch zusam­men­bre­chen, bis er das Recht auf Erden auf­ge­rich­tet hat. Und die Inseln war­ten auf sei­ne Wei­sung. — (Jesa­ja 42:1–4)

Ich aber sag­te: Umsonst habe ich mich abge­müht, ver­geb­lich und für nichts mei­ne Kraft ver­braucht. Doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei mei­nem Gott. — […] So spricht der HERR, der Erlö­ser Isra­els, sein Hei­li­ger, zu dem ganz und gar Ver­ach­te­ten, zu dem Ver­ab­scheu­ten der Nati­on, zu dem Knecht der Herr­scher: Köni­ge wer­den es sehen und auf­ste­hen, [auch] Obers­te, und sie wer­den sich nie­der­wer­fen um des HERRN wil­len, der treu ist, [um] des Hei­li­gen Isra­els [wil­len], der dich erwählt hat. (Jesa­ja 49,4.7)

Der Herr, HERR, hat mir das Ohr geöff­net, und ich, ich bin nicht wider­spens­tig gewe­sen, bin nicht zurück­ge­wi­chen. Ich bot mei­nen Rücken den Schla­gen­den und mei­ne Wan­gen den Rau­fen­den, mein Ange­sicht ver­barg ich nicht vor Schmä­hun­gen und Spei­chel. Aber der Herr, HERR, hilft mir. Dar­um bin ich nicht zuschan­den gewor­den, dar­um habe ich mein Gesicht [hart] wie Kie­sel­stein gemacht. Ich habe erkannt, daß ich nicht beschämt wer­de. (Jesa­ja 50:5–7)

Sie­he, mein Knecht wird ein­sich­tig han­deln. Er wird erho­ben und erhöht wer­den und sehr hoch sein. Wie sich vie­le über dich ent­setzt haben – so ent­stellt war sein Aus­se­hen, mehr als das irgend­ei­nes Man­nes, und sei­ne Gestalt mehr als die der Men­schen­kin­der –, […] Er ist wie ein Trieb vor ihm auf­ge­schos­sen und wie ein Wur­zel­spross aus dür­rem Erd­reich. Er hat­te kei­ne Gestalt und kei­ne Pracht. Und als wir ihn sahen, da hat­te er kein Aus­se­hen, dass wir Gefal­len an ihm gefun­den hät­ten. Er war ver­ach­tet und von den Men­schen ver­las­sen, ein Mann der Schmer­zen und mit Lei­den ver­traut, wie einer, vor dem man das Gesicht ver­birgt. Er war ver­ach­tet, und wir haben ihn nicht geach­tet. […] Er wur­de miss­han­delt, aber er beug­te sich und tat sei­nen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlach­tung geführt wird und wie ein Schaf, das stumm ist vor sei­nen Sche­rern; und er tat sei­nen Mund nicht auf. […] Um der Müh­sal sei­ner See­le wil­len wird er Frucht sehen, er wird sich sät­ti­gen. Durch sei­ne Erkennt­nis wird der Gerech­te, mein Knecht, den Vie­len zur Gerech­tig­keit ver­hel­fen, […] (aus Jesa­ja 52,13–53,12)

Viel­leicht ist es auch kein Zufall, dass die­se pro­phe­ti­schen Wor­te zu einer Zeit gespro­chen wur­den, als Isra­el, anstatt über die Völ­ker zu herr­schen, in der baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft sitzt. Ihr Tem­pel ist zer­stört, Jeru­sa­lem ver­wüs­tet. Mit ihren Sün­den hat­ten sie den Tem­pel Got­tes zer­stört.[25] Die Gefan­gen­schaft lehr­te sie, ihre Göt­zen zu ver­las­sen. Sie konn­ten dar­aus aber auch ler­nen, dass in die­ser wegen der Sün­de gefal­le­nen Welt etwas Neu­es, Rei­nes und Gutes nur auf dem Weg der Über­win­dung und des Lei­des zum Sieg gelangt.[26] Aber das ist nicht des­we­gen so, weil Gott es von Anfang an nur so gewollt hat.

Auf die­se Wor­te der Pro­phe­ten fol­gen lan­ge Jahr­hun­der­te des War­tens. Es hat­te wohl nie­mand einen grö­ße­ren Wunsch nach dem Kom­men des Erlö­sers als Gott selbst. Trotz­dem hat er mit Geduld gewar­tet, bis die Zeit gekom­men ist.

Nur wir Men­schen eilen dahin, für uns muss es immer schnell gehen. Wo ist er nun? Was macht Gott? War­um kommt er nicht? War­um han­delt er nicht? So haben auch zur Zeit Jesu vie­le gedacht. Man muss han­deln, mit Waf­fen­ge­walt das Kom­men des Rei­ches Got­tes beschleu­ni­gen. So dach­ten die Zelo­ten. Sie haben ihrer eige­nen Klug­heit ver­traut.[27]

Wir wol­len uns noch zwei Wor­ten aus dem letz­ten Buch des Alten Tes­ta­ments zuwenden:

Sie­he, ich sen­de mei­nen Boten, damit er den Weg vor mir her berei­te. Und plötz­lich kommt zu sei­nem Tem­pel der Herr, den ihr sucht, und der Engel des Bun­des, den ihr her­bei­wünscht, sie­he, er kommt, spricht der HERR der Heer­scha­ren. Wer aber kann den Tag sei­nes Kom­mens ertra­gen, und wer wird bestehen bei sei­nem Erschei­nen? Denn er wird wie das Feu­er eines Schmel­zers und wie das Lau­gen­salz von Wäschern sein. (Malea­chi 3,1–2)

Sie­he, ich sen­de euch den Pro­phe­ten Elia, bevor der Tag des HERRN kommt, der gro­ße und furcht­ba­re. Und er wird das Herz der Väter zu den Söh­nen und das Herz der Söh­ne zu ihren Vätern umkeh­ren las­sen, damit ich nicht kom­me und das Land mit dem Bann schla­ge. (Malea­chi 3,23–24)

Auch dar­in hilft Gott, dass er unmit­tel­bar vor dem Erlö­ser sei­nen Gesand­ten schickt. Gott sand­te Johan­nes den Täu­fer, damit die Men­schen durch ihn erken­nen soll­ten, dass die Ankunft eines Gro­ßen nahe ist, der bedeu­ten­der ist als Johannes.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. […] Und das Wort wur­de Fleisch und wohn­te unter uns, und wir haben sei­ne Herr­lich­keit ange­schaut, eine Herr­lich­keit als eines Ein­ge­bo­re­nen vom Vater, vol­ler Gna­de und Wahr­heit. (Johan­nes 1,1.14)

Einen König, der als Knecht auf dem Rücken eines Esels daher­kommt, wird man nicht so leicht erken­nen wie einen, der auf einem Thron getra­gen wird und sei­ne Vor­läu­fer vor­an­schickt. Das Ziel ist klar, nur die Ver­wirk­li­chung ent­spricht nicht unse­ren Vor­stel­lun­gen, beson­ders, wenn auch der Vor­läu­fer als ein Knecht in ärm­li­cher Klei­dung auf­tritt. Aber ist es nicht gera­de das, was der Mensch braucht, um zu ver­ste­hen, dass wenn der König in der Gestalt eines Knechts kommt, dass er selbst nicht über sich selbst und ande­re herr­schen darf? Gott ruft uns zur Demut und zum Dienst an den Menschen.

Denn auch der Sohn des Men­schen ist nicht gekom­men, um bedient zu wer­den, son­dern um zu die­nen und sein Leben zu geben als Löse­geld für vie­le. (Mar­kus 10,45)

So lehrt uns Gott!

Doch die­se Unter­wei­sung kann man weder mit der Gesin­nung eines Zelo­ten noch der eines Pha­ri­sä­ers oder schrift­ge­lehr­ten Theo­lo­gen noch mit der eines Hohen­pries­ters verstehen.

In die­ser Stun­de jubel­te Jesus im Geist und sprach: Ich prei­se dich, Vater, Herr des Him­mels und der Erde, dass du dies vor Wei­sen und Ver­stän­di­gen ver­bor­gen hast und hast es Unmün­di­gen offen­bart. Ja, Vater, denn so war es wohl­ge­fäl­lig vor dir. (Lukas 10,21)

Unser Weg quer durch das Alte Tes­ta­ment, in dem Gott das Kom­men des Erlö­sers vor­be­rei­tet hat, ist ans Ende gelangt. Es kann uns nur bruch­stück­haft gelin­gen, die Lie­be, Freu­de, Geduld, das Bemü­hen und den Schmerz dar­zu­stel­len, womit Gott durch lan­ge Jahr­hun­der­te hin­durch das Wun­der der Erlö­sung vor­be­rei­tet hat. Er tat es, indem er die Men­schen mit ihren Schwä­chen und Sün­den ein­be­zo­gen hat.

Viel­leicht wur­de aus dem Bis­he­ri­gen auch klar, dass man das Alte und das Neue Tes­ta­ment nicht von­ein­an­der tren­nen kann. Wie eine Blu­me aus der tro­cke­nen Erde her­vor­kommt, wie ein Spross aus dem schon tot erschei­nen­den Baum­stumpf her­vor­bricht, so blüh­te aus dem Boden des Alten Tes­ta­ments der Neue Bund durch unse­ren Herrn Jesus Chris­tus auf.

Und ein Spross wird her­vor­ge­hen aus dem Stumpf Isais, und ein Schöss­ling aus sei­nen Wur­zeln wird Frucht brin­gen. (Jesa­ja 11,1)

Es ist Got­tes Werk, das er vor ewi­gen Zei­ten als ein­ma­li­ges und unwie­der­hol­ba­res Wun­der vor­be­rei­tet hat:

Gott wur­de Mensch.


Fußnoten

  1. Weil sie Göt­zen­die­ner waren; sie­he Josua 24,1–2.
  2. Das heißt „Mein Vater ist erhaben“.
  3. Das heißt „Vater einer Menge“.
  4. 1. Mose 22,1–18.
  5. Hebrä­er 2,10.
  6. Es gab und gibt vie­le, die sich dar­auf beru­fen, Abra­hams leib­li­che oder geist­li­che Kin­der zu sein, Juden, Mus­li­me und Men­schen, die sich Chris­ten nen­nen. Unter den Letz­te­ren gibt es sol­che, die unter Beru­fung auf Abra­hams Glau­ben leh­ren, dass der Mensch allein durch Glau­ben ohne Wer­ke geret­tet wer­de. Ande­re hin­gen beru­fen sich auf Petrus und betrach­ten sich selbst als des­sen Nach­fol­ger. Weil sich auch zur Zeit Jesu Men­schen in die­ser Wei­se ger­ne als Abra­hams Kin­der bezeich­net haben, hat Jesus klar gesagt, dass die Abra­hams Kin­der sind, die Abra­hams Wer­ke tun (Johan­nes 8,39). Die, die sich nur auf Abra­ham beru­fen, nann­te er Kin­der eines ande­ren Vaters (Johan­nes 8,31–47). Jesus wür­de auch denen, die sich auf Petrus beru­fen, Ähn­li­ches sagen. Auch Pau­lus hat, vom Geist gelei­tet, etwas Ähn­li­ches aus­ge­drückt: „Du nennst dich zwar Jude (Christ) …“ (Römer 2,17–29). Mehr dazu hier: Glau­be und Wer­ke und Was heißt es, ein Christ zu sein?
  7. 1. Mose 18,19 – Abra­ham woll­te auch nicht, dass Isaak zu sei­ner Ver­wandt­schaft zurück­kehrt, die den Göt­zen dien­te, son­dern dass er sich von der Gott­lo­sig­keit abgrenz­te – 1. Mose 24,6–8.
  8. Hier kön­nen wir etwas von dem Geheim­nis erah­nen, wie Gott in die Geschich­te ein­greift. Er lässt dem Men­schen den frei­en Wil­len. Den­noch ist Gott es, der mit sei­nem all­mäch­ti­gen Wil­len die Geschich­te wei­ter­führt. Hier dadurch, dass er Jakob erwählt. Er macht das nicht auf Grund sei­ner Ver­diens­te, son­dern nach sei­nem sou­ve­rä­nen Wil­len. Es geht nicht dar­um, dass Jakob zum Heil und Esau zur Ver­damm­nis erwählt wur­de. Nein, er hat Jakob dazu beru­fen, den Platz in der Heils­ge­schich­te ein­zu­neh­men, den ihm Gott sei­nem Wil­len ent­spre­chend zuge­dacht hat. Hier sehen wir die Sou­ve­rä­ni­tät Got­tes, der nicht nach mensch­li­chen Erwar­tun­gen han­delt. Lei­der wur­de Römer 9,10–13 in extre­mer Wei­se miss­ver­stan­den. Das führt zu einer Ver­dre­hung der Wahr­heit und zu einer Irr­leh­re. Mehr dazu: Prä­de­sti­na­ti­on.
  9. 1. Mose 37,12–18.
  10. In der Josefs­ge­schich­te kön­nen wir schon etwas von dem erah­nen, was so oft im Neu­en Tes­ta­ment oder im Mun­de Jesu anklingt: „Das ist gesche­hen, damit sich die Schrift erfül­le.“ Wenn wir nur die­ses eine Bei­spiel ver­ste­hen, so kön­nen wir sehen, dass wenn Jesus oder die Apos­tel in die­ser Wei­se über die Schrift gespro­chen haben, sie die Schrift nicht wie ein Dreh­buch ver­stan­den haben. Wie die bibli­schen Autoren die­ses Sich‐Erfüllen der Schrift ver­stan­den haben, das wer­den die wei­te­ren Ereig­nis­se zei­gen. (Eines ist auf jeden Fall sicher: Gott ver­birgt die­se Din­ge vor den Wei­sen und Ver­stän­di­gen, aber offen­bart sie den Klei­nen – vgl. Mat­thä­us 11,25). Daher brau­chen wir die Ereig­nis­se nicht an die Schrift anpas­sen, son­dern wir sol­len die wirk­li­chen Ereig­nis­se der Geschich­te mit den Augen des Glau­bens sehen und dadurch erken­nen, wie Gott in der Geschich­te wirkt.
  11. Mat­thä­us 21,42–44.
  12. Es gibt lei­der Men­schen, die in ihrer Sor­ge um Got­tes Sou­ve­rä­ni­tät den frei­en Wil­len des Men­schen bestrei­ten. Aber Got­tes Macht ist viel bes­ser erkenn­bar, wenn der Mensch einen frei­en Wil­len hat. Was ist die grö­ße­re Ehre? Einen Feind, den man mit Fes­seln gebun­den hat, zu beherr­schen oder einen Men­schen in vol­ler Kampf­aus­rüs­tung durch die Lie­be zu über­win­den? Auch Got­tes Sou­ve­rä­ni­tät lässt sich nur im Lich­te sei­ner Lie­be rich­tig verstehen.
  13. „Jeschu­run“ ist ein dich­te­ri­scher Name für das Volk Israel.
  14. Das ist auch ein Teil der Geschich­te. Wie macht Gott das? So, dass gewis­se natür­li­che Abläu­fe gera­de dann und dort gesche­hen (natür­lich nach Got­tes Wil­len), oder durch über­na­tür­li­che Abläu­fe? Das bleibt meis­tens ver­bor­gen. Es ist zu befürch­ten, dass die, die dar­über strei­ten, das Ziel ver­feh­len. Das ist nicht die wesent­li­che Fra­ge, son­dern es geht dar­um, dass der Gläu­bi­ge hin­ter dem Ereig­nis den wir­ken­den Gott sieht. Denn wer nicht glaubt, dem hilft auch das Wun­der nicht. Jesus drück­te es so aus: Er wird auch nicht glau­ben, wenn jemand von den Toten auf­er­steht (Lukas 16,31). Gott hat eine rea­le Welt geschaf­fen, in der Natur­ge­set­ze wir­ken. Er hat das nicht des­we­gen gemacht, um die­se stän­dig zu ändern. Denn das Wun­der ist ein über­na­tür­li­ches sel­te­nes Ereig­nis. Gott hat sol­che Wun­der als bestä­ti­gen­de Zei­chen zu heils­ge­schicht­lich bedeut­sa­men Zei­ten gege­ben. Ins­be­son­de­re in der Geschich­te Isra­els ist das wich­tig. Denn die Erfah­rung, dass Gott sein Volk mit mäch­ti­ger Hand aus Ägyp­ten befreit hat und einen Bund mit ihm geschlos­sen hat, bleibt für das Volk ein Zei­chen für immer. Dar­auf beru­fen die Israe­li­ten sich Jahr­hun­der­te hin­durch und geben es auch zu Zei­ten, zu denen kei­ne Wun­der gesche­hen, an ihre Kin­der wei­ter. Ihre got­tes­fürch­ti­gen Kin­der glau­ben das. Viel­leicht kön­nen wir hier auch eine Par­al­le­le zum Got­tes­volk des Neu­en Bun­des erah­nen, als zur Zeit des Bun­des­schlus­ses vor allem durch Jesus und die Apos­tel vie­le Wun­der gesche­hen sind. Die­se wur­den nie­der­ge­schrie­ben, damit wir glau­ben. Die­se Wun­der brau­chen sich nicht zu wie­der­ho­len, damit wir wis­sen, dass Gott jetzt und für immer der­sel­be treue, mäch­ti­ge und star­ke Gott ist.
  15. Sie­he Jesa­ja 43,25: Ich, ich bin es, der um mei­net­wil­len dei­ne Ver­ge­hen aus­löscht, ich den­ke nicht mehr an dei­ne Sün­den (Ein­heits­über­set­zung).
  16. „So mache ich dich auch zum Licht der Natio­nen, dass mein Heil rei­che bis an die Enden der Erde“, Jesa­ja 49,6, zitiert in Apos­tel­ge­schich­te 13,47.
  17. Sie­he auch Hese­kiel 37,24.
  18. 1. Korin­ther 12.
  19. Ver­glei­che 2. Korin­ther 11,2.
  20. Ver­glei­che Jesa­ja 59,1–2: Sie­he, die Hand des HERRN ist nicht zu kurz, um zu ret­ten, und sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören; son­dern eure Ver­ge­hen sind es, die eine Schei­dung gemacht haben zwi­schen euch und eurem Gott, und eure Sün­den haben sein Ange­sicht vor euch ver­hüllt, dass er nicht hört.
  21. Spruch des HERRN für mei­nen Herrn … (Psalm 110,1; ver­glei­che Lukas 20,41–44).
  22. Noch mehr wird das durch den geheim­nis­vol­len Men­schen­sohn des Buches Dani­el bestä­tigt (Dani­el 7,13–14).
  23. Ver­glei­che Mat­thä­us 21,33–46.
  24. Ver­glei­che Mat­thä­us 23,34–35.
  25. Ver­glei­che dazu die Wor­te Jesu in Johan­nes 2,19–21.
  26. In gewis­sen Fäl­len führt das Lei­den durch den Tod. Sie­he etwa Sokra­tes’ Kampf um Tugend, als er wegen sei­ner Leh­re zum Tod ver­ur­teilt wur­de. Wenn er flieht, ver­liert sei­ne Leh­re ihren Ernst, wenn er sie nicht mit sei­nem Leben besiegelt.
  27. Seit damals, auch heu­te, sind vie­le unge­dul­dig und ungläu­big. Sie ver­kün­den, dass zu die­sem oder jenem Zeit­punkt Jesus wie­der­kom­men wer­de und mit ihm das Ende der Welt. Er ste­he schon vor der Tür. Sie beschrei­ben auch, wie alles genau sein wird. Aber lei­der ver­ges­sen vie­le eines: so zu leben, als ob Jesus heu­te kom­men würde.


Weil sie Göt­zen­die­ner waren; sie­he Josua 24,1–2.

Das heißt „Mein Vater ist erhaben“.

Das heißt „Vater einer Menge“.

1. Mose 22,1–18.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben liebt, verliert es; und wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen Leben bewahren. (Johannes 12,24–25)

Hebrä­er 2,10.

Es gab und gibt vie­le, die sich dar­auf beru­fen, Abra­hams leib­li­che oder geist­li­che Kin­der zu sein, Juden, Mus­li­me und Men­schen, die sich Chris­ten nen­nen. Unter den Letz­te­ren gibt es sol­che, die unter Beru­fung auf Abra­hams Glau­ben leh­ren, dass der Mensch allein durch Glau­ben ohne Wer­ke geret­tet wer­de. Ande­re hin­gen beru­fen sich auf Petrus und betrach­ten sich selbst als des­sen Nach­fol­ger. Weil sich auch zur Zeit Jesu Men­schen in die­ser Wei­se ger­ne als Abra­hams Kin­der bezeich­net haben, hat Jesus klar gesagt, dass die Abra­hams Kin­der sind, die Abra­hams Wer­ke tun (Johan­nes 8,39). Die, die sich nur auf Abra­ham beru­fen, nann­te er Kin­der eines ande­ren Vaters (Johan­nes 8,31–47). Jesus wür­de auch denen, die sich auf Petrus beru­fen, Ähn­li­ches sagen. Auch Pau­lus hat, vom Geist gelei­tet, etwas Ähn­li­ches aus­ge­drückt: „Du nennst dich zwar Jude (Christ) …“ (Römer 2,17–29). Mehr dazu hier: Glau­be und Wer­ke und Was heißt es, ein Christ zu sein?

1. Mose 18,19 – Abra­ham woll­te auch nicht, dass Isaak zu sei­ner Ver­wandt­schaft zurück­kehrt, die den Göt­zen dien­te, son­dern dass er sich von der Gott­lo­sig­keit abgrenz­te – 1. Mose 24,6–8.

Hier kön­nen wir etwas von dem Geheim­nis erah­nen, wie Gott in die Geschich­te ein­greift. Er lässt dem Men­schen den frei­en Wil­len. Den­noch ist Gott es, der mit sei­nem all­mäch­ti­gen Wil­len die Geschich­te wei­ter­führt. Hier dadurch, dass er Jakob erwählt. Er macht das nicht auf Grund sei­ner Ver­diens­te, son­dern nach sei­nem sou­ve­rä­nen Wil­len. Es geht nicht dar­um, dass Jakob zum Heil und Esau zur Ver­damm­nis erwählt wur­de. Nein, er hat Jakob dazu beru­fen, den Platz in der Heils­ge­schich­te ein­zu­neh­men, den ihm Gott sei­nem Wil­len ent­spre­chend zuge­dacht hat. Hier sehen wir die Sou­ve­rä­ni­tät Got­tes, der nicht nach mensch­li­chen Erwar­tun­gen han­delt. Lei­der wur­de Römer 9,10–13 in extre­mer Wei­se miss­ver­stan­den. Das führt zu einer Ver­dre­hung der Wahr­heit und zu einer Irr­leh­re. Mehr dazu: Prä­de­sti­na­ti­on.

... und vom Köstlichsten der Erde und ihrer Fülle und das Wohlgefallen dessen, der im Dornbusch wohnt, ‹all das› komme auf das Haupt Josefs und auf den Scheitel des Abgesonderten unter seinen Brüdern! (5. Mose 33,16)

1. Mose 37,12–18.

In der Josefs­ge­schich­te kön­nen wir schon etwas von dem erah­nen, was so oft im Neu­en Tes­ta­ment oder im Mun­de Jesu anklingt: „Das ist gesche­hen, damit sich die Schrift erfül­le.“ Wenn wir nur die­ses eine Bei­spiel ver­ste­hen, so kön­nen wir sehen, dass wenn Jesus oder die Apos­tel in die­ser Wei­se über die Schrift gespro­chen haben, sie die Schrift nicht wie ein Dreh­buch ver­stan­den haben. Wie die bibli­schen Autoren die­ses Sich‐Erfüllen der Schrift ver­stan­den haben, das wer­den die wei­te­ren Ereig­nis­se zei­gen. (Eines ist auf jeden Fall sicher: Gott ver­birgt die­se Din­ge vor den Wei­sen und Ver­stän­di­gen, aber offen­bart sie den Klei­nen – vgl. Mat­thä­us 11,25). Daher brau­chen wir die Ereig­nis­se nicht an die Schrift anpas­sen, son­dern wir sol­len die wirk­li­chen Ereig­nis­se der Geschich­te mit den Augen des Glau­bens sehen und dadurch erken­nen, wie Gott in der Geschich­te wirkt.

Das war das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet. Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn nicht. Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an; so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. (Johannes 1,9–13)

und vollendet ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden, (Hebräer 5,9)

Mat­thä­us 21,42–44.

Es gibt lei­der Men­schen, die in ihrer Sor­ge um Got­tes Sou­ve­rä­ni­tät den frei­en Wil­len des Men­schen bestrei­ten. Aber Got­tes Macht ist viel bes­ser erkenn­bar, wenn der Mensch einen frei­en Wil­len hat. Was ist die grö­ße­re Ehre? Einen Feind, den man mit Fes­seln gebun­den hat, zu beherr­schen oder einen Men­schen in vol­ler Kampf­aus­rüs­tung durch die Lie­be zu über­win­den? Auch Got­tes Sou­ve­rä­ni­tät lässt sich nur im Lich­te sei­ner Lie­be rich­tig verstehen.

„Jeschu­run“ ist ein dich­te­ri­scher Name für das Volk Israel.

Das ist auch ein Teil der Geschich­te. Wie macht Gott das? So, dass gewis­se natür­li­che Abläu­fe gera­de dann und dort gesche­hen (natür­lich nach Got­tes Wil­len), oder durch über­na­tür­li­che Abläu­fe? Das bleibt meis­tens ver­bor­gen. Es ist zu befürch­ten, dass die, die dar­über strei­ten, das Ziel ver­feh­len. Das ist nicht die wesent­li­che Fra­ge, son­dern es geht dar­um, dass der Gläu­bi­ge hin­ter dem Ereig­nis den wir­ken­den Gott sieht. Denn wer nicht glaubt, dem hilft auch das Wun­der nicht. Jesus drück­te es so aus: Er wird auch nicht glau­ben, wenn jemand von den Toten auf­er­steht (Lukas 16,31). Gott hat eine rea­le Welt geschaf­fen, in der Natur­ge­set­ze wir­ken. Er hat das nicht des­we­gen gemacht, um die­se stän­dig zu ändern. Denn das Wun­der ist ein über­na­tür­li­ches sel­te­nes Ereig­nis. Gott hat sol­che Wun­der als bestä­ti­gen­de Zei­chen zu heils­ge­schicht­lich bedeut­sa­men Zei­ten gege­ben. Ins­be­son­de­re in der Geschich­te Isra­els ist das wich­tig. Denn die Erfah­rung, dass Gott sein Volk mit mäch­ti­ger Hand aus Ägyp­ten befreit hat und einen Bund mit ihm geschlos­sen hat, bleibt für das Volk ein Zei­chen für immer. Dar­auf beru­fen die Israe­li­ten sich Jahr­hun­der­te hin­durch und geben es auch zu Zei­ten, zu denen kei­ne Wun­der gesche­hen, an ihre Kin­der wei­ter. Ihre got­tes­fürch­ti­gen Kin­der glau­ben das. Viel­leicht kön­nen wir hier auch eine Par­al­le­le zum Got­tes­volk des Neu­en Bun­des erah­nen, als zur Zeit des Bun­des­schlus­ses vor allem durch Jesus und die Apos­tel vie­le Wun­der gesche­hen sind. Die­se wur­den nie­der­ge­schrie­ben, damit wir glau­ben. Die­se Wun­der brau­chen sich nicht zu wie­der­ho­len, damit wir wis­sen, dass Gott jetzt und für immer der­sel­be treue, mäch­ti­ge und star­ke Gott ist.

Sie­he Jesa­ja 43,25: Ich, ich bin es, der um mei­net­wil­len dei­ne Ver­ge­hen aus­löscht, ich den­ke nicht mehr an dei­ne Sün­den (Ein­heits­über­set­zung).

„So mache ich dich auch zum Licht der Natio­nen, dass mein Heil rei­che bis an die Enden der Erde“, Jesa­ja 49,6, zitiert in Apos­tel­ge­schich­te 13,47.

Sie­he auch Hese­kiel 37,24.

1. Korin­ther 12.

Ver­glei­che 2. Korin­ther 11,2.

Ver­glei­che Jesa­ja 59,1–2: Sie­he, die Hand des HERRN ist nicht zu kurz, um zu ret­ten, und sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören; son­dern eure Ver­ge­hen sind es, die eine Schei­dung gemacht haben zwi­schen euch und eurem Gott, und eure Sün­den haben sein Ange­sicht vor euch ver­hüllt, dass er nicht hört.

Spruch des HERRN für mei­nen Herrn … (Psalm 110,1; ver­glei­che Lukas 20,41–44).

Noch mehr wird das durch den geheim­nis­vol­len Men­schen­sohn des Buches Dani­el bestä­tigt (Dani­el 7,13–14).

Ver­glei­che Mat­thä­us 21,33–46.

Ver­glei­che Mat­thä­us 23,34–35.

Ver­glei­che dazu die Wor­te Jesu in Johan­nes 2,19–21.

In gewis­sen Fäl­len führt das Lei­den durch den Tod. Sie­he etwa Sokra­tes’ Kampf um Tugend, als er wegen sei­ner Leh­re zum Tod ver­ur­teilt wur­de. Wenn er flieht, ver­liert sei­ne Leh­re ihren Ernst, wenn er sie nicht mit sei­nem Leben besiegelt.

Seit damals, auch heu­te, sind vie­le unge­dul­dig und ungläu­big. Sie ver­kün­den, dass zu die­sem oder jenem Zeit­punkt Jesus wie­der­kom­men wer­de und mit ihm das Ende der Welt. Er ste­he schon vor der Tür. Sie beschrei­ben auch, wie alles genau sein wird. Aber lei­der ver­ges­sen vie­le eines: so zu leben, als ob Jesus heu­te kom­men würde.