Got­tes Heils­weg, Teil 2: Der Sündenfall

Themenbereiche: Gottes Heilsweg

War­um war die Erlö­sung not­wen­dig? Woher kom­men das Böse und das Leid in der Welt? Was ist das grund­le­gen­de Pro­blem des Men­schen? Hat Gott einen Weg, Men­schen zu erlösen?

Die­ser Teil der Serie über Got­tes Heils­weg beleuch­tet das ers­te Buch Mose, in dem wir Ant­wor­ten auf sol­che Fra­gen finden.

Eine grüne Schlange symbolisiert Satan in der Geschichte vom Sündenfall.

1 Im Anfang …

Im Anfang schuf Gott den Him­mel und die Erde. […] Und Gott schuf den Men­schen nach sei­nem Bild, nach dem Bild Got­tes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. […] Und Gott sah alles, was er gemacht hat­te, und sie­he, es war sehr gut. Und es wur­de Abend, und es wur­de Mor­gen: der sechs­te Tag. (1. Mose 1:1.27.31)

Und Gott, der HERR, pflanz­te einen Gar­ten in Eden im Osten, und er setz­te dort­hin den Men­schen, den er gebil­det hat­te. Und Gott, der HERR, ließ aus dem Erd­bo­den aller­lei Bäu­me wach­sen, begeh­rens­wert anzu­se­hen und gut zur Nah­rung, und den Baum des Lebens in der Mit­te des Gar­tens, und den Baum der Erkennt­nis des Guten und Bösen. […] Und Gott, der HERR, gebot dem Men­schen und sprach: Von jedem Baum des Gar­tens darfst du essen; aber vom Baum der Erkennt­nis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du ster­ben! (1. Mose 2:8–9.16–17)

Die­se Ver­se wer­fen Licht auf den Anfang der Geschich­te der Welt und der Mensch­heit – nicht im Sin­ne eines natur­wis­sen­schaft­li­chen Berichts. Das war nicht die Absicht des inspi­rier­ten Autors. Gott will uns hier auf die geist­li­che Bot­schaft hin­wei­sen, die in der Schöp­fung liegt. Er tat es durch einen Men­schen, der unter den Bedin­gun­gen schrieb, die ihm durch sei­ne Zeit, sei­ne Kul­tur, sei­ne Spra­che und Gedan­ken­welt vor­ge­ge­ben waren. Doch die Wahr­heit, die wir dar­in aus­ge­drückt fin­den, ist für alle Men­schen aller Zei­ten erkenn­bar, ins­be­son­de­re wenn sie sich für das Wir­ken des Geis­tes Got­tes öff­nen.[1]

„Und Gott sah, dass alles, was er geschaf­fen hat­te, sehr gut war“ – also auch der Mensch.

Doch was geschah danach? Was stör­te die Schöp­fungs­ord­nung und zer­stör­te deren Harmonie?

2 Die Sün­de des Menschen

2.1 Die Versuchung

Fol­gen­de Zei­len geben eine Antwort:

Und die Schlan­ge war lis­ti­ger als alle Tie­re des Fel­des, die Gott, der HERR, gemacht hat­te; und sie sprach zu der Frau: Hat Gott wirk­lich gesagt: Von allen Bäu­men des Gar­tens dürft ihr nicht essen? Da sag­te die Frau zur Schlan­ge: Von den Früch­ten der Bäu­me des Gar­tens essen wir; aber von den Früch­ten des Bau­mes, der in der Mit­te des Gar­tens steht, hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen und sollt sie nicht berüh­ren, damit ihr nicht sterbt! Da sag­te die Schlan­ge zur Frau: Kei­nes­wegs wer­det ihr ster­ben! Son­dern Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen auf­ge­tan wer­den und ihr sein wer­det wie Gott, erken­nend Gutes und Böses. Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Spei­se und dass er eine Lust für die Augen und dass der Baum begeh­rens­wert war, Ein­sicht zu geben; und sie nahm von sei­ner Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß. Da wur­den ihrer bei­der Augen auf­ge­tan, und sie erkann­ten, dass sie nackt waren; und sie hef­te­ten Fei­gen­blät­ter zusam­men und mach­ten sich Schur­ze. Und sie hör­ten die Stim­me Got­tes, des HERRN, der im Gar­ten wan­del­te bei der Küh­le des Tages. Da ver­steck­ten sich der Mensch und sei­ne Frau vor dem Ange­sicht Got­tes, des HERRN, mit­ten zwi­schen den Bäu­men des Gar­tens. Und Gott, der HERR, rief den Men­schen und sprach zu ihm: Wo bist du? Da sag­te er: Ich hör­te dei­ne Stim­me im Gar­ten, und ich fürch­te­te mich, weil ich nackt bin, und ich ver­steck­te mich. Und er sprach: Wer hat dir erzählt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum geges­sen, von dem ich dir gebo­ten habe, du soll­test nicht davon essen? Da sag­te der Mensch: Die Frau, die du mir zur Sei­te gege­ben hast, sie gab mir von dem Baum, und ich aß. Und Gott, der HERR, sprach zur Frau: Was hast du da getan! Und die Frau sag­te: Die Schlan­ge hat mich getäuscht, da aß ich. Und Gott, der HERR, sprach zur Schlan­ge: Weil du das getan hast, sollst du ver­flucht sein unter allem Vieh und unter allen Tie­ren des Fel­des! Auf dei­nem Bauch sollst du krie­chen, und Staub sollst du fres­sen alle Tage dei­nes Lebens! Und ich wer­de Feind­schaft set­zen zwi­schen dir und der Frau, zwi­schen dei­nem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zer­mal­men, und du, du wirst ihm die Fer­se zer­mal­men. Zu der Frau sprach er: Ich wer­de sehr ver­meh­ren die Müh­sal dei­ner Schwan­ger­schaft, mit Schmer­zen sollst du Kin­der gebä­ren! Nach dei­nem Mann wird dein Ver­lan­gen sein, er aber wird über dich herr­schen! Und zu Adam sprach er: Weil du auf die Stim­me dei­ner Frau gehört und geges­sen hast von dem Baum, von dem ich dir gebo­ten habe: Du sollst davon nicht essen! – so sei der Erd­bo­den dei­net­we­gen ver­flucht: Mit Müh­sal sollst du davon essen alle Tage dei­nes Lebens; und Dor­nen und Dis­teln wird er dir spros­sen las­sen, und du wirst das Kraut des Fel­des essen! Im Schwei­ße dei­nes Ange­sichts wirst du dein Brot essen, bis du zurück­kehrst zum Erd­bo­den, denn von ihm bist du genom­men. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurück­keh­ren! Und der Mensch gab sei­ner Frau den Namen Eva, denn sie wur­de die Mut­ter aller Leben­den. Und Gott, der HERR, mach­te Adam und sei­ner Frau Leib­rö­cke aus Fell und beklei­de­te sie. Und Gott, der HERR, sprach: Sie­he, der Mensch ist gewor­den wie einer von uns, zu erken­nen Gutes und Böses. Und nun, dass er nicht etwa sei­ne Hand aus­stre­cke und auch noch von dem Baum des Lebens neh­me und esse und ewig lebe! Und Gott, der HERR, schick­te ihn aus dem Gar­ten Eden hin­aus, den Erd­bo­den zu bebau­en, von dem er genom­men war. Und er trieb den Men­schen aus und ließ öst­lich vom Gar­ten Eden die Che­ru­bim sich lagern und die Flam­me des zucken­den Schwer­tes, den Weg zum Baum des Lebens zu bewa­chen. (1. Mose 3,1–24)

Aus den ein­lei­tend zitier­ten Ver­sen aus 1. Mose 1 und 2 kön­nen wir ver­ste­hen, dass die Schöp­fung den frei­en Wil­len des Men­schen ein­schließt. Die­ser freie Wil­le bil­det die Vor­aus­set­zung für ein eigen­stän­di­ges Wesen und das Zwie­ge­spräch der Lie­be. Anders gesagt: Gott erschuf den Men­schen aus Lie­be und mit dem Ziel, dass er lie­ben kann. Aber damit das Wirk­lich­keit wer­den kann, muss der Mensch mit die­sem Geschenk der Schöp­fungs­ord­nung ent­spre­chend umge­hen. Das Geschenk des Lebens will mit Freu­de ange­nom­men wer­den, es will nicht wie eine geraub­te Beu­te, wie unser eige­ner Besitz behan­delt wer­den. Son­dern aus frei­em Wil­len dür­fen wir es als unse­re Ant­wort im Dia­log der Lie­be unse­rem Schöp­fer zurück­ge­ben. Nur in die­sem Ver­schen­ken sei­ner selbst, in die­sem Abhän­gig­sein vom Vater kann sich durch die Lie­be ein Ich ent­wi­ckeln, das so edel, so reich, so eigen­stän­dig ist, wie Gott es uns zuge­dacht hat.

So kann der Mensch in Har­mo­nie mit sei­nem Schöp­fer und sei­nen Mit­men­schen, sei­ner Umge­bung und mit sich selbst leben. Doch die Rea­li­tät sieht lei­der anders aus.

2.2 Die Auflehnung

Der Mensch erkann­te, dass er ein eige­nes Ich ist, das sich vom Schöp­fer unter­schei­det. Er hat sich von die­ser Erkennt­nis aber nicht dazu füh­ren las­sen, sich vor ihm als der Quel­le des Lebens, als sei­nem Herrn zu beu­gen. Er woll­te nicht dadurch „erwach­sen“ wer­den, dass er die Hand Got­tes, die ihn zu sich erhe­ben woll­te, als die Hand sei­nes Vaters ergriff. Er woll­te sein wie Gott, das heißt, er woll­te Gott sein. Er hör­te auf jeman­den, der sei­ne Auf­merk­sam­keit auf die „gro­ße Chan­ce“ rich­te­te, auf das, was eine Lust für die Augen und begeh­rens­wert war.

Da sag­te die Schlan­ge zur Frau: Kei­nes­wegs wer­det ihr ster­ben! Son­dern Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen auf­ge­tan wer­den und ihr sein wer­det wie Gott, erken­nend Gutes und Böses. (1. Mose 3,4–5)

Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Spei­se und dass er eine Lust für die Augen und dass der Baum begeh­rens­wert war, Ein­sicht zu geben; und sie nahm von sei­ner Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß. (1. Mose 3,6)

Ich muss „nur“ das tun, dass ich mich ent­schei­de, nicht auf Gott zu hören. – Was ist denn das für ein Gott, der uns das Wis­sen nei­disch vor­ent­hält, es uns ver­bie­tet? -

Aus­ge­spro­chen oder unaus­ge­spro­chen set­ze ich mich an die Stel­le Got­tes, wenn ich mich unab­hän­gig von ihm selbst ver­wirk­li­chen will.

Ich stel­le mich gegen ihn, wenn ich mei­nen eige­nen Wil­len zum abso­lu­ten Maß­stab von gut und böse mache. Mit die­ser Ent­schei­dung rebel­liert der Mensch (der ers­te Mensch genau so wie du und ich), er wen­det sich vom Leben ab, vom Glück. Er ver­steckt sich vor Gott und ver­schließt damit den Zugang zum Leben. Die Lawi­ne ist los­ge­tre­ten. Durch die Sün­de hat die Tra­gö­die des Men­schen begonnen.

Dar­um, wie durch einen Men­schen die Sün­de in die Welt gekom­men ist und durch die Sün­de der Tod und so der Tod zu allen Men­schen durch­ge­drun­gen ist, weil sie alle gesün­digt haben. (Römer 5,12)

3 Fol­gen des Sündenfalls

Die Begeg­nung im Gar­ten drückt die direk­te Nähe zwi­schen Gott und Mensch aus, die enge Bezie­hung zwi­schen ihnen. Das Leben des Men­schen hat ein Ziel und eine Beru­fung. Durch die Arbeit im Gar­ten soll­te er über alles, was ihm anver­traut war – im guten Sinn – herr­schen. Er soll­te über ihn wachen, soll­te an sei­nen Früch­ten teil­ha­ben, in dem er in Har­mo­nie mit sich selbst und sei­ner Umge­bung lebt und die Bezie­hung mit Gott pflegt.

3.1 Die Ent­frem­dung von Gott

Es ist die Fol­ge der ers­ten Sün­de, dass sich der Mensch vor Gott ver­steckt. Er ent­frem­det sich von ihm. Es packt ihn die Furcht, eine Furcht, die ihn nie­mand gelehrt hat­te. Woher kommt die­se Furcht? Ist sie ein eigen­ar­ti­ges Neben­pro­dukt der Mate­rie oder ein Spiel des Schick­sals? Nein. Sie ist eine natür­li­che Fol­ge der Schöp­fungs­ord­nung. Der Mensch „spürt“, dass er etwas gemacht hat, das böse ist! Aber weil sich nie­mand ger­ne fürch­tet oder sich selbst ein­ge­steht, böse zu sein, folgt so aus der einen Sün­de die nächs­te. Er sucht eine Erklä­rung für sei­ne Sün­de, er schiebt sie auf ande­re ab. Er gibt Gott oder ande­ren die Schuld.

Da sag­te der Mensch: Die Frau, die du mir zur Sei­te gege­ben hast, sie gab mir von dem Baum, und ich aß. Und Gott, der HERR, sprach zur Frau: Was hast du da getan! Und die Frau sag­te: Die Schlan­ge hat mich getäuscht, da aß ich. (1. Mose 3,12–13)

Manch­mal bemer­ken wir im Nach­hin­ein, dass wir uns selbst oder ande­re uns betro­gen haben, aber dann ist es lei­der oft zu spät.

3.2 Die Ent­frem­dung von Mit­men­schen und sich selbst

Durch die Sün­de ent­frem­det sich der Mensch auch noch von sei­nen Mit­men­schen. Er ernied­rigt sie zu Objek­ten sei­ner Zie­le und Interessen:

Nach dei­nem Mann wird dein Ver­lan­gen sein, er aber wird über dich herr­schen! (1. Mose 3,16b)

Indem der Mensch sei­nem Schöp­fer wider­spricht, wider­spricht er auch sei­nem eige­nen Wesen. Sei­ne ursprüng­li­che Natur ist gespal­ten. Was bedeu­tet die­se Spal­tung? In der Kraft sei­nes Geis­tes, den er von Gott emp­fan­gen hat, herrscht der Mensch im Ein­klang mit Gott in ver­nünf­ti­ger Wei­se über sich selbst. Dadurch wird die Ein­heit zwi­schen Geist und Kör­per in sei­ner Per­son bewahrt. Wenn wir unse­ren Wil­len hin­ge­gen nicht auf das unend­li­che Gute (auf Gott) hin aus­rich­ten, son­dern auf etwas End­li­ches (auf uns selbst) oder sons­ti­ge weni­ger wich­ti­ge Din­ge, dann wird unser Wil­le zum Skla­ven unse­rer eige­nen Göt­zen, anstatt Gott zu fin­den, der uns die Frei­heit der Lie­be anbie­ten will. Spä­tes­tens wenn wir ster­ben, ver­lie­ren wir alles. Dann bleibt für uns nur mehr das Nichts, unser aus­ge­beu­te­tes Selbst. Das ist die Hölle! 

Das ist so, wie wenn jemand in eine könig­li­che Fami­lie hin­ein­ge­bo­ren wird. Es ist nicht sein Ver­dienst. Er ist der Erbe des Königs. Und dann sagt er, als ob es nichts Natür­li­che­res gäbe: „Gib mir mein Erbe! Es gehört ja mir. Ich mache damit, was ich will. Dann zei­ge ich dir, wie man damit umgeht.“ So wie im Gleich­nis vom ver­lo­re­nen Sohn:

Er sprach aber: Ein Mensch hat­te zwei Söh­ne; und der jün­ge­re von ihnen sprach zu dem Vater: Vater, gib mir den Teil des Ver­mö­gens, der mir zufällt! Und er teil­te ihnen die Habe. Und nach nicht vie­len Tagen brach­te der jün­ge­re Sohn alles zusam­men und reis­te weg in ein fer­nes Land, und dort ver­geu­de­te er sein Ver­mö­gen, indem er ver­schwen­de­risch leb­te. Als er aber alles ver­zehrt hat­te, kam eine gewal­ti­ge Hun­gers­not über jenes Land, und er selbst fing an, Man­gel zu lei­den. Und er ging hin und häng­te sich an einen der Bür­ger jenes Lan­des, der schick­te ihn auf sei­ne Äcker, Schwei­ne zu hüten. Und er begehr­te sei­nen Bauch zu fül­len mit den Scho­ten, die die Schwei­ne fra­ßen; und nie­mand gab sie ihm. Als er aber zu sich kam, sprach er: Wie vie­le Tage­löh­ner mei­nes Vaters haben Über­fluss an Brot, ich aber kom­me hier um vor Hun­ger. Ich will mich auf­ma­chen und zu mei­nem Vater gehen und will zu ihm sagen: Vater, ich habe gesün­digt gegen den Him­mel und vor dir; ich bin nicht mehr wür­dig, dein Sohn zu hei­ßen! Mach mich wie einen dei­ner Tage­löh­ner! Und er mach­te sich auf und ging zu sei­nem Vater. Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und wur­de inner­lich bewegt und lief hin und fiel ihm um sei­nen Hals und küss­te ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesün­digt gegen den Him­mel und vor dir; ich bin nicht mehr wür­dig, dein Sohn zu hei­ßen. Der Vater aber sprach zu sei­nen Skla­ven: Bringt schnell das bes­te Gewand her­aus und zieht es ihm an und tut einen Ring an sei­ne Hand und San­da­len an sei­ne Füße; und bringt das gemäs­te­te Kalb her und schlach­tet es, und lasst uns essen und fröh­lich sein! Denn die­ser mein Sohn war tot und ist wie­der leben­dig gewor­den, war ver­lo­ren und ist gefun­den wor­den. Und sie fin­gen an, fröh­lich zu sein. (Lukas 15,11–24)

Ja, er hat es geschafft, beim Trog der Schwei­ne zu enden, weil er sei­nen eige­nen Kopf durch­ge­setzt hat. Bei uns ist es nicht anders. In der Schrift wird es ein­mal so ausgedrückt:

Wir alle irr­ten umher wie Scha­fe, wir wand­ten uns jeder auf sei­nen ‹eige­nen› Weg … (Jesa­ja 53,6)

Das ist nicht das Schick­sal, das Gott für uns woll­te. Das haben wir uns selbst zuzuschreiben.

3.3 Die Ent­frem­dung vom Umfeld

Der Mensch ver­steht sich oft als „Abso­lu­tum“ und erhebt sei­ne eige­nen Inter­es­sen zum obers­ten Ziel, anstatt zu sehen, dass er als Geschöpf von sei­nem Schöp­fer abhän­gig ist. So ent­frem­det er sich von sei­ner Umwelt, denn er betrach­tet auch die von Gott gege­be­nen Güter der Erde in ers­ter Linie durch den Blick­win­kel sei­ner ego­is­ti­schen Inter­es­sen. Er lebt also nicht in Har­mo­nie mit sei­ner Umge­bung. Got­tes ursprüng­li­cher Plan war es, dass der Mensch die Natur auf ver­nünf­ti­ge Wei­se nut­zen soll­te, aber er beu­tet sie oft herrsch­süch­tig aus oder zer­stört sie.

In sei­ner Sün­de stellt sich der Mensch gegen Gott und sei­nen Wil­len. Dadurch ver­ur­sacht er sei­ne eige­ne Tragödie.

3.4 Die Unab­hän­gig­keit des Menschen

Aber war­um hat Gott die­se Tra­gö­die nicht ver­hin­dert? War­um hat er nichts getan? Doch er hat etwas getan!

… aber vom Baum der Erkennt­nis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du ster­ben! (1. Mose 2,17)

Wir alle haben das oft in unse­rem Leben erfah­ren, dass uns wenigs­tens die Stim­me unse­res Gewis­sens im Vor­hin­ein gewarnt hat: „Tu das nicht!“ Trotz­dem haben wir es getan. Nicht des­we­gen, weil es Adam getan hät­te. Nicht des­we­gen, weil uns ande­re ver­führt haben. Wir sind gewiss beein­flusst. Aber ich sün­di­ge nicht, weil ich sün­di­gen muss. Ich sün­di­ge, weil ich es so will. 

Die Unab­hän­gig­keit wider­spricht der Schöp­fungs­ord­nung. Ein Geschöpf kann nur in der Abhän­gig­keit von sei­nem Schöp­fer ein erfüll­tes Leben leben, so wie ein klei­nes Kind von sei­nen Eltern abhän­gig ist.

Das Stre­ben nach die­ser fal­schen Unab­hän­gig­keit von Gott wird durch jede ein­zel­ne Sün­de aus­ge­drückt und bestätigt.

So ist es gesche­hen, dass sich die Sün­de im Lau­fe der Geschich­te aus­ge­brei­tet hat (Römer 5,12–21). Es ent­stand eine von der Sün­de gepräg­te Umge­bung, die jeden beein­flusst und in der sich die Men­schen gegen­sei­tig in ihren sünd­haf­ten Absich­ten bestär­ken. Die Sün­de wur­de zu einer geschichts­prä­gen­den Kraft.

3.5 Exkurs: Sind wir nicht in der Lage, das Gute zu tun?

Wir wol­len uns hier nicht ein­ge­hend mit der Irr­leh­re der völ­li­gen Ver­derbt­heit des Men­schen beschäf­ti­gen, die besagt, dass der Mensch völ­lig unfä­hig zum Guten sei. Wenn auch die ers­te Sün­de den Men­schen zer­stört hat, hat sie doch nicht sei­nen frei­en Wil­len ver­nich­tet, durch den wir, wenn auch in abge­schwäch­ter Wei­se, fähig sind, das Gute zu wäh­len. Das ist auch die ein­zi­ge Grund­la­ge unse­rer mora­li­schen Ver­ant­wor­tung. Das Bei­spiel Kains soll hier aus­rei­chen: „Wenn du aber nicht recht tust, lagert die Sün­de vor der Tür. Und nach dir wird ihr Ver­lan­gen sein, du aber sollst über sie herr­schen“ (1. Mose 4,7). Gott lügt nicht, wenn er das dem Men­schen nach dem Sün­den­fall sagt. Er konn­te das Gute tun. Kain hat gesün­digt, weil er es wollte.

Aber dass man das Gute wol­len kann, ein Gott gefäl­li­ges Leben leben kann (was noch nicht Sün­den­lo­sig­keit heißt, aber zeigt, dass der Mensch nicht völ­lig böse ist), zei­gen die Bei­spie­le von Henoch (1. Mose 5,22–24), Noach (1. Mose 6,8–9), Abra­ham, Mose, die Bei­spie­le der Pro­phe­ten (Hebrä­er 11), das zei­gen Eli­sa­beth und Zacha­ri­as (Lukas 1,5–6) und zahl­rei­che wei­te­re Bei­spie­le zur Genüge.

4 Der Weg zurück zu Gott

4.1 Die Kon­fron­ta­ti­on mit der Wahrheit

Aber war­um beschäf­ti­gen wir uns hier mit die­ser dunk­len Tra­gö­die, mit dem Tod, mit der Lawi­ne, die durch die Sün­de ins Rol­len gekom­men ist, wenn doch jeder das Glück und die Selig­keit sucht? Wenn wir das wirk­li­che Glück fin­den wol­len, müs­sen wir zuerst die Tie­fe und Schwe­re unse­rer Sün­den ver­ste­hen. Wir müs­sen unse­re Sün­de ver­ab­scheu­en, um anfan­gen zu kön­nen, uns nach dem Ret­ter zu seh­nen. Wenn wir erle­ben, in welch schwie­ri­ge Lagen uns­re Sün­den uns gebracht haben, dann begin­nen zumin­dest eini­ge ver­zwei­felt, etwas in ihrem Leben zu ver­än­dern. Dann erfah­ren wir jedoch, wie schwach wir sind, auch wenn wir es schaf­fen, man­ches zu ver­bes­sern. Wir seufzen:

Ich elen­der Mensch! Wer wird mich ret­ten von die­sem Lei­be des Todes? (Römer 7,24)

Wo ist nun der Ret­ter, war­um kommt er so spät? Nicht jeder wür­de es so aus­drü­cken, wohl aber ein got­tes­fürch­ti­ger Jude. Ein Athe­ist wür­de die unaus­ge­spro­che­ne Suche nach Gott als Suche nach dem Sinn des Lebens, als Sehn­sucht nach dem Guten bezeich­nen. Ande­re hin­ge­gen suchen trotz der Unge­wiss­heit ihrer Exis­tenz inmit­ten der dunk­len Käl­te des unend­li­chen Uni­ver­sums nach dem Ziel und Sinn ihres Lebens.

Etwas Schwe­res beginnt: die Kon­fron­ta­ti­on mit der Wahr­heit. Lau­fe ich weg oder will ich der Wahr­heit wei­ter­hin ins Auge sehen? Die Über­bleib­sel mei­nes Gewis­sens wer­den durch die Sehn­sucht nach dem Guten gestärkt und bezeugen:

Ich kann mei­ne Sün­den nicht unge­sche­hen machen.

Ein bedrü­cken­des Ergeb­nis. (Natür­lich suchen und „fin­den“ wir annehm­ba­re Erklä­run­gen für unse­re Sün­den und gewäh­ren uns selbst „gütig“ Ver­ge­bung. Wir unter­drü­cken unser Gewis­sen und wün­schen uns einen fal­schen Frie­den. Doch ist das NIEMALS das­sel­be wie der Frie­de, den wir durch die von Gott kom­men­de Ver­ge­bung erlangen.)

4.2 Ver­ge­bung

Ich füh­le, dass etwas gesche­hen ist, das ich nicht mehr gut machen kann, wie sehr ich mich auch bemü­he. Wenn ich in einer ver­trau­ens­vol­len Bezie­hung zu einem Freund des­sen Ver­trau­en ver­lo­ren habe, kann ich durch noch so hel­den­haf­tes Bemü­hen das ver­lo­re­ne Ver­trau­en nicht zurück­for­dern. Alles hängt am guten Wil­len mei­nes Freun­des. Das wird auch im oben erwähn­ten Gleich­nis des ver­lo­re­nen Soh­nes anschau­lich dar­ge­stellt. Nur der Vater kann den Sohn wie­der auf­neh­men und ihm sei­ne Rech­te wie­der schen­ken. Um wie viel mehr ist das so bei Gott. Vor ihm kann ich nie eine Aus­re­de vor­brin­gen, wie ich es einem Freund gegen­über noch tun könn­te, dass er sich selbst auch etwas prü­fen könn­te. Aber was könn­te ich dem himm­li­schen Vater sagen, der mich wie einen eigen­sin­ni­gen, ver­lo­re­nen Sohn stän­dig zurück­er­war­tet (Lukas 15)? Was könn­te ich ihm sagen? Er ist ja voll­kom­men gut. Er selbst ist die Liebe.

Ich kann hier nichts ande­res tun, als mich zu beu­gen und zu sagen: „Vater, ich habe gegen dich gesündigt.“

4.3 Der Erlö­ser befreit

Nur er, gegen den ich gesün­digt habe, von des­sen Lie­be ich mich abge­wandt habe, von dem ich mich ent­frem­det habe, nur er kann mich befrei­en, nur er kann die Bezie­hung, das Ver­trau­en, die Sohn­schaft wie­der­her­stel­len. Er selbst wird der Ret­ter sein.

Wir fin­den die­ses Ver­spre­chen schon in der Geschich­te des Sündenfalls:

Und ich wer­de Feind­schaft set­zen zwi­schen dir und der Frau, zwi­schen dei­nem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zer­mal­men, und du, du wirst ihm die Fer­se zer­mal­men. (1. Mose 3,15)

Der Samen der Frau, der letz­te Adam, der den Kopf der Schlan­ge zer­malmt, ist der Same, der aus der Wur­zel Davids her­vor­wächst (Jesa­ja 11,1–2!). Er wird eine klei­ne Blu­me sein, ein klei­ner Spröss­ling. Er wird die Lawi­ne der Sün­de durch sei­ne Sün­den­lo­sig­keit auf­hal­ten kön­nen. Er wird den Sta­chel der Sün­de durch sei­nen Gehor­sam bis zum Tod her­aus­rei­ßen. Er wird uns das ewi­ge Leben brin­gen, er wird das wie­der­her­stel­len, was die Sün­de zer­stört hat: die voll­kom­me­ne Selig­keit, die Har­mo­nie mit Gott, mit uns selbst, mit anderen …

Jesus Chris­tus hat das getan.

Der ers­te Mensch hat ver­lo­ren, was Gott ihm geschenkt hat, weil er wie Gott sein woll­te. Der letz­te Adam, Jesus Chris­tus, wur­de der Anfang, die Erst­lings­frucht einer neu­en Mensch­heit, der Urhe­ber neu­en Lebens, dadurch, dass er dar­auf ver­zich­tet hat, Gott gleich zu sein, dass er sich selbst ent­äu­ßert hat …

… der in Gestalt Got­tes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er mach­te sich selbst zu nichts und nahm Knechts­ge­stalt an, indem er den Men­schen gleich gewor­den ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befun­den, ernied­rig­te er sich selbst und wur­de gehor­sam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Dar­um hat Gott ihn auch hoch erho­ben und ihm den Namen ver­lie­hen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beu­ge, der Himm­li­schen und Irdi­schen und Unter­ir­di­schen, und jede Zun­ge beken­ne, dass Jesus Chris­tus Herr ist, zur Ehre Got­tes, des Vaters. (Phil­ip­per 2,6–11)

Nur auf die­sem Weg der Demut kön­nen wir Jesus zum ewi­gen Leben folgen.

Bis zu sei­nem Kom­men muss­te in der Geschich­te jedoch noch vie­les vor­be­rei­tet wer­den. Dar­um geht es im nächs­ten Arti­kel die­ser Serie, der den Weg der Erlö­sung im Alten Tes­ta­ment beschreibt.


Fußnoten

  1. Wir hal­ten daher Dis­kus­sio­nen über das Wie der Ent­ste­hung des Men­schen, den Ort des Para­die­ses etc. in die­sem Zusam­men­hang nicht für zielführend.


Wir hal­ten daher Dis­kus­sio­nen über das Wie der Ent­ste­hung des Men­schen, den Ort des Para­die­ses etc. in die­sem Zusam­men­hang nicht für zielführend.