Glaubensbekenntnis von Nizäa‐Konstantinopel
Die Glaubensbekenntnisse der ersten Jahrhunderte (das Apostolische, das Nicäno‐Konstantinopolitanische und das Athanasische Glaubensbekenntnis) formulierten den Standpunkt des Christentums gegenüber verschiedenen Irrlehren. Sie wurden nicht verfasst, um den christlichen Glauben allumfassend wiederzugeben. Da der Glaube eine Beziehung zum lebendigen Gott ist, die alle Bereiche des Lebens durchdringt, lässt er sich ohnehin nicht in wenigen Punkten zusammenfassen.

Inhalt und Entstehung des Glaubensbekenntnisses
Das sogenannte Nicäno‐Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis stellt größtenteils eine Antwort auf die Lehren von Arius (um 250–336 n. Chr.) dar, einem ehemaligen Bischof von Alexandria.
Diese Tatsache soll bei einzelnen Punkten des Glaubensbekenntnisses berücksichtigt werden, zu denen wir Erklärungen in Fußnoten geschrieben haben.
Nach der Lehre des Arius war der Sohn (der in Jesus Mensch wurde) das erste Geschöpf Gottes; es gab also eine Zeit, in der er nicht existierte. Damit stellte Arius die Göttlichkeit Jesu und die biblische Lehre von der Dreifaltigkeit grundlegend infrage. Einer der bedeutendsten Gegner seiner Lehren war Athanasius (ca. 298–373 n. Chr.), Bischof von Alexandria, dem das sogenannte Athanasische Glaubensbekenntnis zugeschrieben wird.
Das Nicäno‐Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis wurde im Jahr 381 n. Chr. auf dem Ersten Konzil von Konstantinopel verfasst, als die Lehren des Arius weiterhin eine ernsthafte Gefahr für den Fortbestand der Lehre der Dreifaltigkeit darstellten. Das Konzil erweiterte den Text des kürzeren, auf dem Konzil von Nicäa (im Jahr 325 n. Chr.) formulierten Nicänischen Glaubensbekenntnisses beispielsweise um Präzisierungen bezüglich des Heiligen Geistes. Dies wurde durch die Lehre des Konstantinopeler Bischofs Makedonios notwendig, der der Ansicht war, der Heilige Geist sei lediglich ein Geschöpf. Sowohl das Nicänische als auch das Nicäno‐Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis bauen auf dem Apostolischen Glaubensbekenntnis auf.
Das Glaubensbekenntnis schöpft aus den Quellen des frühen Christentums, die zum Zeitpunkt seiner Abfassung allgemein anerkannt waren.
Inhaltlich stimmen wir mit ihm überein. Gleichzeitig sind wir uns der Entstehungsumstände des Glaubensbekenntnisses sowie des historisch‐politischen Hintergrunds bewusst, mit denen wir uns nicht identifizieren können. Dies gilt insbesondere für die Erhebung des Christentums zur Staatsreligion, seine Säkularisierung sowie die formale Religionsausübung anstelle eines einfachen und aufrichtigen christlichen Lebens[1].
Der Text des Glaubensbekenntnisses
Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserem Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen
durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt
unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,[2]
der mit dem Vater und dem Sohn
angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, katholische[3] und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.[4]
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
(Text lt. Gotteslob, Kath. Gebet‐ und Gesangbuch)
Fußnoten
- Mehr über das Leben der ersten Christen kannst du hier lesen.
- „der aus dem Vater hervorgeht“ – Die katholische und die protestantische Tradition fügen hinzu: „und durch den Sohn“ (lateinisch: filioque). Die früheste Fassung des Glaubensbekenntnisses, die diesen Ausdruck enthält, stammt aus dem Jahr 589 n. Chr.
- Wir verwenden den Begriff „katholisch“ nicht im konfessionellen Sinn, sondern in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes: allgemein, universell. Es gibt nur eine Kirche Jesu Christi, die Gemeinschaft derer, die an dem den Heiligen ein für allemal überlieferten Glauben (Judas 3) festhält.
- „die eine Taufe zur Vergebung der Sünden“ – Dieser Ausdruck stammt aus der Apostelgeschichte 2,38: „Petrus antwortete: Kehrt um und lasst euch alle im Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden, dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ Nicht die Taufe tilgt die Sünden, sondern die aus dem Glauben hervorgehende Umkehr, die sich in der Nachfolge der Lehre Christi zeigt (vgl. Matthäus 28,19–20; Römer 6,3–11).