„Athanasisches“ Glaubensbekenntnis
Die Glaubensbekenntnisse der ersten Jahrhunderte (das Apostolische, das Nicäno‐Konstantinopolitanische und das Athanasische Glaubensbekenntnis) formulierten den Standpunkt des Christentums gegenüber verschiedenen Irrlehren. Sie wurden nicht verfasst, um den christlichen Glauben allumfassend wiederzugeben. Da der Glaube eine Beziehung zum lebendigen Gott ist, die alle Bereiche des Lebens durchdringt, lässt er sich ohnehin nicht in wenigen Punkten zusammenfassen.

Inhalt und Entstehung des Glaubensbekenntnisses
Das sogenannte Athanasische Glaubensbekenntnis (lateinisch: Quicumque) fasst die Ergebnisse ausführlicher Auseinandersetzungen und Konzile über die Dreieinheit und das Wesen Jesu zusammen. Sein Wert liegt darin, dass es das Thema einfach und prägnant behandelt und falsche Ansichten über die Heilige Dreifaltigkeit klar ausschließt.
Das Glaubensbekenntnis wurde Athanasius (ca. 298–373 n. Chr.), dem Bischof von Alexandria, zugeschrieben, der einer der bedeutendsten Gegner der Lehren des alexandrinischen Presbyters Arius (ca. 250–336 n. Chr.) war. Arius stellte die Gottheit Jesu und damit auch die biblische Lehre der Dreieinheit grundlegend infrage.
Das Athanasische Glaubensbekenntnis entstand um 500 n. Chr. Auch die Mehrheit der Protestanten erkennt es aufgrund seines alten Ursprungs und seines Inhalts an. Es schöpft aus den Quellen des frühen Christentums, die zum Zeitpunkt seiner Abfassung allgemein anerkannt waren.
Inhaltlich stimmen wir ihm zu. Gleichzeitig sind wir uns der Umstände der Entstehung des Glaubensbekenntnisses sowie des historisch‐politischen Hintergrunds bewusst, mit denen wir uns nicht identifizieren können. Dies gilt insbesondere für die Erhebung des Christentums zur Staatsreligion, seine Säkularisierung sowie die formale Religionsausübung anstelle eines einfachen und aufrichtigen christlichen Lebens[1].
Der Text des Glaubensbekenntnisses
Wer da selig werden will, der muss vor allem den katholischen[2] Glauben festhalten;
wer diesen nicht in seinem ganzen Umfange und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel ewig verloren gehen.
Dies ist aber der katholische Glaube:
Über die Dreifaltigkeit
Wir verehren den einen Gott in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit,
ohne Vermengung der Personen und ohne Trennung der Wesenheit[3].
Eine andere nämlich ist die Person des Vaters,
eine andere die des Sohnes,
eine andere die des Heiligen Geistes.
Aber Vater und Sohn und Heiliger Geist haben nur
Eine Gottheit, gleiche Herrlichkeit, gleich ewige Majestät.
Wie der Vater, so der Sohn, so der Heilige Geist.
Unerschaffen ist der Vater, unerschaffen der Sohn, unerschaffen der Heilige Geist. Unermesslich ist der Vater, unermesslich der Sohn, unermesslich der Heilige Geist.
Ewig ist der Vater, ewig der Sohn, ewig der Heilige Geist.
Und doch sind nicht drei Ewige, sondern Ein Ewiger,
wie auch nicht drei Unerschaffene und nicht drei Unermessliche,
sondern Ein Unerschaffener und Ein Unermesslicher.
Ebenso ist allmächtig der Vater, allmächtig der Sohn, allmächtig der Heilige Geist,
und doch sind es nicht drei Allmächtige, sondern Ein Allmächtiger.
So ist der Vater Gott, der Sohn Gott, der Heilige Geist Gott,
und doch sind es nicht drei Götter, sondern es ist nur Ein Gott.
So ist der Vater Herr, der Sohn Herr, der Heilige Geist Herr,
und doch sind es nicht drei Herren, sondern es ist nur Ein Herr.
Denn wie wir nach der christlichen Wahrheit jede Person einzeln als Gott und Herrn bekennen,
so verbietet uns doch auch der katholische Glaube, drei Götter oder Herren anzunehmen. Der Vater ist von niemand gemacht, noch geschaffen, noch gezeugt.
Der Sohn ist vom Vater allein, nicht gemacht, nicht geschaffen, sondern gezeugt.
Der Heilige Geist ist vom Vater und vom Sohn, nicht gemacht, noch geschaffen, noch gezeugt, sondern hervorgehend.
Es ist also Ein Vater, nicht drei Väter.
Ein Sohn, nicht drei Söhne.
Ein Heiliger Geist, nicht drei Heilige Geister
Und in dieser Dreieinigkeit ist nichts früher oder später,
nichts größer oder kleiner,
sondern alle drei Personen sind gleich ewig und gleich groß,
so dass in allem, wie bereits vorhin gesagt wurde,
sowohl die Einheit in der Dreifaltigkeit
als auch die Dreifaltigkeit in der Einheit zu verehren ist.
Wer daher selig werden will, muss dies von der heiligsten Dreifaltigkeit glauben.
Über Jesus Christus
Aber zum ewigen Heil ist es ferner notwendig,
treu auch an die Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus zu glauben.
Das ist nun der rechte Glaube:
Wir müssen glauben und bekennen, dass unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, Gott und Mensch ist.
Gott ist er aus der Wesenheit[4] des Vaters von Ewigkeit gezeugt, und Mensch ist er aus der Wesenheit der Mutter in der Zeit geboren.
Vollkommener Gott, vollkommener Mensch,
bestehend aus einer vernünftigen[5] Seele und einem menschlichen Leibe.
Dem Vater gleich der Gottheit nach,
geringer als der Vater der Menschheit nach.
Da er nun Gott ist und Mensch zugleich,
so sind doch nicht zwei, sondern nur Ein Christus.
Einer aber, nicht als ob die Gottheit in Fleisch verwandelt worden wäre,
sondern weil Gott die Menschheit angenommen hat.[6]
Einer ganz und gar,
nicht durch Vermengung der Wesenheit,
sondern durch die Einheit der Person.
Denn wie die vernünftige Seele und der Leib nur Einen Menschen ausmachen,
so ist auch Gott und Mensch nur Ein Christus.
Der gelitten hat um unseres Heiles willen,
abgestiegen ist zur Unterwelt,
am dritten Tage wiederauferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel,
sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebendigen und die Toten.
Bei seiner Ankunft werden alle Menschen in ihren Leibern auferstehen
und Rechenschaft ablegen über ihre eigenen Handlungen.
Und die, welche Gutes getan haben, werden eingehen zum ewigen Leben,
die aber Böses getan haben, ins ewige Feuer.
Dies ist der katholische Glaube.
Wer ihn nicht treu und fest umfasst, kann nicht selig werden.
(Text lt. Neuner‐Roos, Der Glaube der Kirche)
Fußnoten
- Mehr darüber schreiben wir im Artikel über das Leben der ersten Christen.
- Wir verwenden den Begriff „katholisch“ nicht im konfessionellen Sinn, sondern in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes: allgemein, universell. Es gibt nur eine Kirche Jesu Christi, die Gemeinschaft derer, die an dem den Heiligen ein für allemal überlieferten Glauben (Judas 3) festhält.
- „Wesenheit“: lateinisch, Bedeutung: das Wesen, der Kern, die Natur von etwas oder jemandem.
- „Wesenheit“: lateinisch, Bedeutung: das Wesen, der Kern, die Natur von etwas oder jemandem.
- „Vernünftig“: besonnen.
- „in Fleisch verwandelt“: d. h. Mensch geworden, vgl. Johannesevangelium 1,14.