Apos­to­li­sches Glaubensbekenntnis

Themenbereiche: Quellenangaben und Zitate
Schlagwörter: Glaubensbekenntnisse

Die Glau­bens­be­kennt­nis­se der ers­ten Jahr­hun­der­te (das Apos­to­li­sche, das Nicäno‐Konstantinopolitanische und das Atha­na­si­sche Glau­bens­be­kennt­nis) for­mu­lier­ten den Stand­punkt des Chris­ten­tums gegen­über ver­schie­de­nen Irr­leh­ren. Sie wur­den nicht ver­fasst, um den christ­li­chen Glau­ben all­um­fas­send wie­der­zu­ge­ben. Da der Glau­be eine Bezie­hung zum leben­di­gen Gott ist, die alle Berei­che des Lebens durch­dringt, lässt er sich ohne­hin nicht in weni­gen Punk­ten zusammenfassen.

Eine alte Schriftrolle, die auf einem Tisch mit einer brennenden Kerze und einigen anderen alten Büchern ausgerollt ist. Das Bild bringt die alten Glaubensinhalte zum Ausdruck, die im Apostolischen Glaubensbekenntnis enthalten sind.

Inhalt und Ent­ste­hung des Glaubensbekenntnisses

Das Apos­to­li­sche Glau­bens­be­kennt­nis erwähnt einer­seits vie­le wesent­li­che Punk­te des christ­li­chen Glau­bens wie die Drei­ein­heit, die jung­fräu­li­che Geburt Jesu, sei­nen Tod, sei­ne Auf­er­ste­hung und die Kir­che. Ande­rer­seits ist die Aus­wahl die­ser Punk­te und ihre kon­kre­te For­mu­lie­rung nach Ansicht eini­ger Gelehr­ter wahr­schein­lich teil­wei­se eine Reak­ti­on auf die Leh­ren des Gnos­ti­zis­mus.[1]

Die gnos­ti­schen Strö­mun­gen ver­tra­ten die Auf­fas­sung, dass ein gehei­mes, nicht jedem zugäng­li­ches Wis­sen (grie­chisch: gno­sis) eine erlö­sen­de Rol­le spie­le. Die mate­ri­el­le Welt, ein­schließ­lich des Kör­pers, betrach­te­ten sie als böse und als Gefäng­nis für den Geist. Aus die­sem Grund lehn­ten sie auch die mensch­li­che Natur Jesu, sein Lei­den, sei­nen Tod und sei­ne leib­li­che Auf­er­ste­hung ab.

Die frü­he Fas­sung des Apos­to­li­schen Glau­bens­be­kennt­nis­ses ent­stand ver­mut­lich im zwei­ten Jahr­hun­dert. Das Glau­bens­be­kennt­nis schöpft aus den Quel­len des frü­hen Chris­ten­tums, die zum Zeit­punkt sei­ner Abfas­sung all­ge­mein aner­kannt waren.

Inhalt­lich stim­men wir mit ihm über­ein. Gleich­zei­tig sind wir uns sei­ner Ent­ste­hungs­um­stän­de sowie des historisch‐politischen Hin­ter­grunds bewusst, mit denen wir uns nicht iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Säku­la­ri­sie­rung des Chris­ten­tums sowie für die for­ma­le Reli­gi­ons­aus­übung anstel­le eines ein­fa­chen und auf­rich­ti­gen christ­li­chen Lebens[2].

Der Text des Glaubensbekenntnisses

Ich glau­be an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöp­fer des Him­mels und der Erde,
und an Jesus Christus,
sei­nen ein­ge­bo­re­nen Sohn, unsern Herrn,
emp­fan­gen durch den Hei­li­gen Geist,
gebo­ren von der Jung­frau Maria,
gelit­ten unter Pon­ti­us Pilatus,
gekreu­zigt, gestor­ben und begraben,
hin­ab­ge­stie­gen in das Reich des Todes[3],
am drit­ten Tage auf­er­stan­den von den Toten,
auf­ge­fah­ren in den Himmel;
er sitzt zur Rech­ten Got­tes, des all­mäch­ti­gen Vaters;
von dort wird er kom­men, zu rich­ten die Leben­den und die Toten.
Ich glau­be an den Hei­li­gen Geist,
die hei­li­ge katho­li­sche[4] Kirche,
Gemein­schaft der Hei­li­gen[5],
Ver­ge­bung der Sünden,
Auf­er­ste­hung der Toten
und das ewi­ge Leben.

(Text lt. Got­tes­lob, Kath. Gebet‐ und Gesangbuch)


Fußnoten

  1. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Hin­ter­grund des Glau­bens­be­kennt­nis­ses sind zu fin­den in John N. D. Kel­ly: Ear­ly Chris­ti­an Creeds. New York, Con­tin­u­üm Inter­na­tio­nal Publi­shing Group, 2011, sowie bei Jay Rogers: Why Creeds and Con­fes­si­ons? Ver­ei­nig­te Staa­ten von Ame­ri­ka, Media House Inter­na­tio­nal, 2016.
  2. Mehr dazu kannst du im Arti­kel über das Leben der ers­ten Chris­ten lesen.
  3. Nach einer ande­ren Über­set­zung „stieg er hin­ab in die Höl­le“. Das Wort „Höl­le“ kommt im Quell­text jedoch nicht vor; die­ser lau­tet wört­lich: „Er stieg hin­ab in die unters­ten [Orte]“ (grie­chisch: kato­ta­ta). Dies könn­te auf 1. Petrus 3,18–20 bzw. 4,5–6 ver­wei­sen, wonach Chris­tus nach sei­nem Tod den Ver­stor­be­nen der alt­tes­ta­ment­li­chen Zeit das Evan­ge­li­um ver­kün­de­te. Chris­tus ist somit der Erlö­ser aller Men­schen, die je gelebt haben. Eine ande­re, wahr­schein­li­che­re Aus­le­gung besagt, dass der Text ledig­lich den tat­säch­li­chen Tod Chris­ti beto­nen will: Er stieg hin­ab zu den Toten und ist auch wie­der von ihnen auf­er­stan­den. Die drit­te Erklä­rung, wonach Chris­tus nach sei­nem Tod die Qua­len der Höl­le erlit­ten habe, ist eine spä­te­re, aus der Zeit der Refor­ma­ti­on stam­men­de Auf­fas­sung, die im Wider­spruch zur Leh­re der Bibel steht.
  4. Wir ver­wen­den den Begriff „katho­lisch“ nicht im kon­fes­sio­nel­len Sinn, son­dern in der ursprüng­li­chen Bedeu­tung des Wor­tes: all­ge­mein, uni­ver­sell. Es gibt nur eine Kir­che Jesu Chris­ti, die Gemein­schaft derer, die an dem den Hei­li­gen ein für alle­mal über­lie­fer­ten Glau­ben (Judas 3) festhält.
  5. Die „Gemein­schaft der Hei­li­gen“ (grie­chisch: hagi­on koin­ó­nia) unter­streicht die Bedeu­tung der Gemein­schaft unter den Jün­gern Chris­ti sowie das hei­li­ge Leben, das die Vor­aus­set­zung für die Teil­nah­me an die­ser Gemein­schaft ist (1. Petrus­brief 1,15–16). Das Neue Tes­ta­ment bezeich­net alle Chris­ten als Hei­li­ge (z. B. Römer 1,7; Phil­ip­per 4,21–22; Kolos­ser 3,12; Hebrä­er 2,1–2 usw.). Die „Gemein­schaft der Hei­li­gen“ kann auch bedeu­ten, dass im Leib Chris­ti sowohl die Gerech­ten des Alten Tes­ta­ments als auch die bereits ver­stor­be­nen, die jetzt leben­den und die in Zukunft leben­den Chris­ten zusam­men­ge­hö­ren (Hebrä­er 12,22–24; Ephe­ser 2,19–22 usw.). Was das Glau­bens­be­kennt­nis jedoch mit Sicher­heit nicht zum Aus­druck brin­gen woll­te, ist das Gebet für die Ver­stor­be­nen bzw. die von Katho­li­ken und Ortho­do­xen ver­tre­te­ne Vor­stel­lung von der Für­spra­che der Hei­li­gen, die sich erst spä­ter entwickelte.


Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Hin­ter­grund des Glau­bens­be­kennt­nis­ses sind zu fin­den in John N. D. Kel­ly: Ear­ly Chris­ti­an Creeds. New York, Con­tin­u­üm Inter­na­tio­nal Publi­shing Group, 2011, sowie bei Jay Rogers: Why Creeds and Con­fes­si­ons? Ver­ei­nig­te Staa­ten von Ame­ri­ka, Media House Inter­na­tio­nal, 2016.

Mehr dazu kannst du im Arti­kel über das Leben der ers­ten Chris­ten lesen.

Nach einer ande­ren Über­set­zung „stieg er hin­ab in die Höl­le“. Das Wort „Höl­le“ kommt im Quell­text jedoch nicht vor; die­ser lau­tet wört­lich: „Er stieg hin­ab in die unters­ten [Orte]“ (grie­chisch: kato­ta­ta). Dies könn­te auf 1. Petrus 3,18–20 bzw. 4,5–6 ver­wei­sen, wonach Chris­tus nach sei­nem Tod den Ver­stor­be­nen der alt­tes­ta­ment­li­chen Zeit das Evan­ge­li­um ver­kün­de­te. Chris­tus ist somit der Erlö­ser aller Men­schen, die je gelebt haben. Eine ande­re, wahr­schein­li­che­re Aus­le­gung besagt, dass der Text ledig­lich den tat­säch­li­chen Tod Chris­ti beto­nen will: Er stieg hin­ab zu den Toten und ist auch wie­der von ihnen auf­er­stan­den. Die drit­te Erklä­rung, wonach Chris­tus nach sei­nem Tod die Qua­len der Höl­le erlit­ten habe, ist eine spä­te­re, aus der Zeit der Refor­ma­ti­on stam­men­de Auf­fas­sung, die im Wider­spruch zur Leh­re der Bibel steht.

Wir ver­wen­den den Begriff „katho­lisch“ nicht im kon­fes­sio­nel­len Sinn, son­dern in der ursprüng­li­chen Bedeu­tung des Wor­tes: all­ge­mein, uni­ver­sell. Es gibt nur eine Kir­che Jesu Chris­ti, die Gemein­schaft derer, die an dem den Hei­li­gen ein für alle­mal über­lie­fer­ten Glau­ben (Judas 3) festhält.

Die „Gemein­schaft der Hei­li­gen“ (grie­chisch: hagi­on koin­ó­nia) unter­streicht die Bedeu­tung der Gemein­schaft unter den Jün­gern Chris­ti sowie das hei­li­ge Leben, das die Vor­aus­set­zung für die Teil­nah­me an die­ser Gemein­schaft ist (1. Petrus­brief 1,15–16). Das Neue Tes­ta­ment bezeich­net alle Chris­ten als Hei­li­ge (z. B. Römer 1,7; Phil­ip­per 4,21–22; Kolos­ser 3,12; Hebrä­er 2,1–2 usw.). Die „Gemein­schaft der Hei­li­gen“ kann auch bedeu­ten, dass im Leib Chris­ti sowohl die Gerech­ten des Alten Tes­ta­ments als auch die bereits ver­stor­be­nen, die jetzt leben­den und die in Zukunft leben­den Chris­ten zusam­men­ge­hö­ren (Hebrä­er 12,22–24; Ephe­ser 2,19–22 usw.). Was das Glau­bens­be­kennt­nis jedoch mit Sicher­heit nicht zum Aus­druck brin­gen woll­te, ist das Gebet für die Ver­stor­be­nen bzw. die von Katho­li­ken und Ortho­do­xen ver­tre­te­ne Vor­stel­lung von der Für­spra­che der Hei­li­gen, die sich erst spä­ter entwickelte.