Hat Jesus das Sakrament der Beichte eingesetzt?
Sünde entfernt uns von Gott und unseren Mitmenschen. Sie belastet das Gewissen und verursacht Schuldgefühle. Damit zerstören wir auch uns selbst. Wer Gott sucht oder bereits eine Beziehung zu ihm hat, weiß, was das bedeutet. Aber was tun mit dieser Last? Aus der Bibel geht klar hervor, dass Gott gerne bereit ist zu vergeben – doch wie sieht sein Weg zur Vergebung aus?
Was lehrt die Heilige Schrift über die Sündenvergebung? Wie sollen wir die katholische Lehre über das Sakrament der Beichte sehen?

1 Gott vergibt
Gott ist bereit zu vergeben. Die einzige Bedingung ist, dass der Mensch seine Sünde aufrichtig bereut und ihn um Vergebung bittet. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Gebet Davids im Psalm 51:
Für den Chormeister. Ein Psalm Davids. Als der Prophet Natan zu ihm kam, nachdem er zu Batseba gegangen war. Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen! Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde! Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen. Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was böse ist in deinen Augen. So behältst du recht mit deinem Urteilsspruch, lauter stehst du da als Richter. […] Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden, tilge alle Schuld, mit der ich beladen bin! Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und einen festen Geist erneuere in meinem Innern! Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! Gib mir wieder die Freude deines Heils, rüste mich aus mit dem Geist der Großmut! […] Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen. (Psalm 51,1–6.11–14.19 – Einheitsübersetzung)
2 Reicht es aus, wenn wir Gott unsere Sünden bekennen?
Die Bibel lehrt uns, unsere Sünden auch einander zu bekennen.
Ist einer von euch bedrückt? Dann soll er beten. Ist jemand guten Mutes? Dann soll er ein Loblied singen. Ist einer unter euch krank, dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben. Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten. Elija war ein Mensch wie wir; er betete inständig, es solle nicht regnen, und es regnete drei Jahre und sechs Monate nicht auf der Erde. Und wiederum betete er; da gab der Himmel Regen und die Erde brachte ihre Früchte hervor. (Jakobus 5,13–18 – Einheitsübersetzung)
Wenn wir unsere Sünden unseren Brüdern und Schwestern im Glauben bekennen, hilft uns Gott, von der Last der Sünde frei zu werden. Wir können ihnen vertrauen, weil wir wissen, dass auch sie nach einem gehorsamen Leben vor Gott streben. Sie können uns helfen, die Sünde tiefer zu beurteilen und zu einer tiefen Reue zu finden. So können wir mit gereinigtem Herzen und befreitem Gewissen den Weg mit Gott weitergehen. Wir wissen auch, dass unsere Brüder und Schwestern uns im Gebet beistehen und uns weiterhin helfen werden, falls wir fallen. Gott möchte, dass Christen die Lasten gemeinsam tragen:
Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt wird, so bringt ihr, die Geistlichen, einen solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht. Und dabei gib auf dich selbst acht, dass nicht auch du versucht wirst! Einer trage des anderen Lasten, und so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen.
Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch sich zu einer Verfehlung hinreißen lässt, so sollt ihr, die ihr vom Geist erfüllt seid, ihn im Geist der Sanftmut zurechtweisen. Doch gib Acht, dass du nicht selbst in Versuchung gerätst! Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.(Galater 6,1–2 – Einheitsübersetzung)
Christ sein heißt auch, im Licht zu wandeln. Das bedeutet, dass wir unsere Sünden und Schwächen nicht nur vor Gott aufrichtig offenlegen, sondern auch vor unseren Glaubensgeschwistern. Der Apostel Johannes verknüpft in seinem Brief den Wandel im Licht mit der Gemeinschaft untereinander und dem Erfahren der Vergebung Jesu:
Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben und doch in der Finsternis wandeln, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde. Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. (1. Johannes 1,5–9 – Einheitsübersetzung)
3 Gegenseitiges Bekennen unserer Sünden oder Ohrenbeichte?
Aus den bereits genannten Bibelstellen geht hervor, dass Gott die Christen zu einem Leben in lebendigen, geschwisterlichen Beziehungen in der Gemeinde berufen hat:
[…] Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem benachteiligten Glied umso mehr Ehre zukommen ließ, damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm. (1. Korinther 12,24–27 – Einheitsübersetzung)
Das Sündenbekenntnis ist ein natürlicher Teil dieser Beziehungen. Die katholische Beichte kann jemandem zwar Erleichterung verschaffen, der alleine mit seinen Sünden kämpft, da das bloße Aussprechen seiner Sünden gegenüber einer anderen Person die seelische Last bereits verringern kann. Aber passen die Institution der Beichte und die damit verbundenen katholischen Lehren wirklich zur Bibel? Vermitteln sie tatsächlich Gottes Vergebung? Bringen sie die Beziehung zu Gott in Ordnung?
Nach der Lehre der katholischen Kirche gibt es einen Unterschied zwischen lässlichen Sünden und Todsünden. Anders als bei lässlichen Sünden, die nicht gebeichtet werden müssen, ist bei sogenannten Todsünden die Lossprechung durch einen geweihten Priester notwendig. Außerdem legt der Priester dem Beichtenden ein Bußwerk auf, z. B. das Wiederholen bestimmter Gebete oder andere religiöse Handlungen. Der persönliche Gehorsam des Priesters spielt dabei keine Rolle. Er selbst mag in einer Todsünde leben[1], doch kraft seines priesterlichen Amtes ist die von ihm erteilte Lossprechung gültig.
Wo liegt hier das Problem? Ein aufrichtiger Gläubiger wird seine Sünden nicht kategorisieren, sondern weiß, dass jede Sünde von Gott trennt. Er strebt danach, alles mit ihm zu bereinigen und steht auch vor seinen Glaubensgeschwistern zu seinen Schwächen.
Die Sünden einseitig im Rahmen eines vorgeschriebenen Ritus einem (vielleicht völlig fremden) kirchlichen Würdenträger zu bekennen, der einem selbst nie seine Sünden bekennt und möglicherweise kein vorbildliches Leben führt, passt eher zu einer Organisation als zu Beziehungen wie zwischen Brüdern und Schwestern.
4 Hat der Priester die Vollmacht zur Lossprechung?
Nur Gott hat die Macht, Sünden zu vergeben. Als Christen können wir uns gegenseitig helfen, diese Sündenvergebung zu finden, und uns ermutigen, sie anzunehmen. Die katholische Kirche behauptet hingegen, Jesus habe den Aposteln (und nur ihnen!) die Vollmacht zur Lossprechung gegeben, die diese dann an spätere kirchliche Vorsteher weitergegeben hätten. Zur Untermauerung werden neben der kirchlichen Tradition auch einige Bibelstellen angeführt. Als Hauptargument dienen die Worte Jesu am Ende des Johannesevangeliums.
4.1 „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“
Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. (Johannes 20,19–23 – Einheitsübersetzung)
Auf den ersten Blick könnte es tatsächlich so scheinen, als habe Jesus hier das Sakrament der Beichte eingesetzt. Der Zusammenhang legt jedoch eine andere Bedeutung nahe. Laut Vers 21 sendet Jesus seine Jünger aus (lateinisch: missio), so wie ihn der Vater gesandt hat, um das Evangelium und die Vergebung der Sünden zu verkündigen (vgl. Lukas 4,16–19). Mit dem Anhauchen deutet er das Kommen des Heiligen Geistes zu Pfingsten an. Durch ihn werden die Jünger Kraft empfangen, allen Menschen Jesu Botschaft zu verkündigen und sie zur Nachfolge zu rufen. Das ist die Aufgabe eines jeden Christen (Matthäus 28,18–20; 1. Petrus 2,9). Wer die Botschaft von Jesus hört und annimmt, dem kann die Gemeinde die Vergebung seiner Sünden zusprechen. Wer sie ablehnt, dessen Sünden werden nicht vergeben.
Übrigens berichtet auch der Evangelist Lukas von derselben Erscheinung Jesu nach der Auferstehung. Der Text in Lukas 24,33–36.46–49 bekräftigt diese Deutung. An jenem Abend setzte Jesus also nicht das Sakrament der Beichte ein, sondern gab all seinen Jüngern (und damit auch allen späteren Christen) den Auftrag zur Verkündigung der Sündenvergebung durch den Glauben an das Evangelium.
4.2 Der Dienst der Versöhnung
Über diesen Auftrag spricht nicht nur der Apostel Johannes, sondern auch Paulus:
Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben. Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde. […] Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat. Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er ihnen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und unter uns das Wort von der Versöhnung aufgerichtet hat. Wir sind also Gesandte an Christi statt und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! (2. Korinther 5,14–15.18–20 – Einheitsübersetzung)
Die Liebe Christi bewegt jeden Gläubigen dazu, die frohe Botschaft mit anderen zu teilen und so auch andere zur Versöhnung mit Gott einzuladen – und zwar nicht nur Nicht‐Gläubige, sondern auch die, die bereits glauben, deren Beziehung zu Gott aber durch Sünde geschwächt wurde.
Die katholische Kirche sieht diesen „Dienst der Versöhnung“ in den Händen der Priester. Das geht aus dieser Stelle jedoch nicht hervor.
4.3 „Was immer ihr auf Erden gebunden habt, wird im Himmel gebunden sein …“
Schließlich möchten wir noch auf eine oft zitierte Bibelstelle eingehen, mit der die katholische Kirche ebenfalls die Vollmacht zur Lossprechung zu begründen versucht:
Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Matthäus 18,15–20 – Einheitsübersetzung)
Man darf Vers 18 (fett) nicht aus dem Zusammenhang reißen: Wenn in einer christlichen Gemeinde ein Bruder sündigt, ist es wichtig, ihm zu helfen, seine Sünde zu bereuen und davon umzukehren. Wenn er auf persönliche Ermahnungen nicht hört, versucht die ganze Gemeinde, ihm zur Umkehr zu helfen. Will er auch dann nicht hören, schließt die Gemeinde ihn aus ihrer Gemeinschaft aus. Dies ist die „Vollmacht“ des Bindens, die Jesus der Gemeinde (und nicht einem Priester) gegeben hat. Bereut die betreffende Person später doch noch ihre Sünde, nimmt die Gemeinde sie wieder auf. Das ist es, was mit dem „Lösen“ gemeint ist. Es ist offensichtlich, dass dieser Abschnitt nichts mit dem Beichtritus oder mit priesterlicher Vollmacht zu tun hat.
5 Zusammenfassung
Gott wünscht sich eine tiefe Beziehung zu uns, in der wir uns vertrauensvoll an ihn wenden können wie an einen liebenden Vater, der gerne vergibt:
Sucht den HERRN, er lässt sich finden, / ruft ihn an, er ist nah! Der Frevler soll seinen Weg verlassen, / der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum HERRN, / damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; / denn er ist groß im Verzeihen. (Jesaja 55,6–7 – Einheitsübersetzung)
Die Gemeinde als lebendige Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern im Glauben ist ein Geschenk Gottes. Dort helfen sich Christen als Glieder am Leib Jesu gegenseitig im Kampf gegen die Sünde. Deshalb bekennen sie einander ihre Sünden, um Gottes Vergebung und die nötige Hilfe durch die anderen zu erfahren.
Fußnoten
- Siehe hierzu den Artikel über Priester in Sünde.