Die Gemein­de im Neu­en Testament

Schlagwörter: Gemeinde/Kirche

Mehr denn je müs­sen wir uns die Fra­ge stel­len: War­um gibt es so vie­le unter­schied­li­che Kir­chen und Gemein­den? – denn das Neue Tes­ta­ment spricht nicht von katho­li­schen, ortho­do­xen, luthe­ri­schen, cal­vi­nis­ti­schen, bap­tis­ti­schen, adven­tis­ti­schen, pfingst­le­ri­schen etc. Kir­chen oder Gemein­den. Um eine zufrie­den­stel­len­de Ant­wort dafür fin­den zu kön­nen, ist es das Ers­te und Wich­tigs­te zu wis­sen, was das Neue Tes­ta­ment unter Kir­che ver­steht und wie die Gemein­de nach Got­tes Wil­len aus­se­hen soll.

Um Miss­ver­ständ­nis­se zu ver­mei­den: Wir ver­wen­den in unse­ren Aus­füh­run­gen die Begrif­fe Gemein­de und Kir­che aus­tausch­bar. Im Neu­en Tes­ta­ment gibt es dies­be­züg­lich kei­ne Unterscheidung.

Eine Mauer aus Steinen symbolisiert die aus lebendigen Steinen erbaute Kirche.

1 Der Begriff Gemein­de (Kir­che)

Die Gemein­de im Alten Tes­ta­ment war die Ver­samm­lung des von Gott erwähl­ten Vol­kes. In 5. Mose 7,6–8 lesen wir:

Denn du bist dem HERRN, dei­nem Gott, ein hei­li­ges Volk. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt, dass du ihm zum Volk sei­nes Eigen­tums wirst aus allen Völ­kern, die auf dem Erd­bo­den sind. Nicht weil ihr mehr wäret als alle Völ­ker, hat der HERR sich euch zuge­neigt und euch erwählt – ihr seid ja das gerings­te unter allen Völ­kern -, son­dern wegen der Lie­be des HERRN zu euch, und weil er den Eid hielt, den er euren Vätern geschwo­ren, hat der HERR euch mit star­ker Hand her­aus­ge­führt und dich erlöst aus dem Skla­ven­haus, aus der Hand des Pha­rao, des Königs von Ägypten.

Gott hat sich die Nach­kom­men Abra­hams, der sich dem einen Gott gläu­big anver­trau­te, als sein Volk erwählt. Es soll­te ein Volk sein, das sich von den ande­ren unter­schei­det, abge­son­dert von allem Göt­zen­dienst, von allem, was in Got­tes Augen unrein und unhei­lig ist. Mit gro­ßer Geduld hat er sein Volk geführt, hat Rich­ter und Pro­phe­ten gesandt, die bestän­dig zur Umkehr und zum Gehor­sam mahn­ten. Er hat es getra­gen bis die Zeit erfüllt war, den Mes­si­as zu sen­den, den Got­tes­knecht, der das Licht bis zu den Enden der Erde (den Hei­den) tra­gen sollte:

Und nun spricht der HERR, der mich von Mut­ter­leib an für sich zum Knecht gebil­det hat, um Jakob zu ihm zurück­zu­brin­gen und damit Isra­el zu ihm gesam­melt wer­de – und ich bin geehrt in den Augen des HERRN, und mein Gott ist mei­ne Stär­ke gewor­den -, ja, er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, um die Stäm­me Jakobs auf­zu­rich­ten und die Bewahr­ten Isra­els zurück­zu­brin­gen. So mache ich dich auch zum Licht der Natio­nen, dass mein Heil rei­che bis an die Enden der Erde. (Jesa­ja 49,5–6)

Die ers­ten Chris­ten sahen die­se Pro­phe­tie erfüllt. Sie ver­stan­den sich als das neue Volk Got­tes, in wel­ches Jesus Men­schen aus Hei­den und Juden kom­mend, in die Gemein­schaft mit sich und dem Vater zusam­men­führ­te. Jesus selbst sprach davon:

Und ich habe ande­re Scha­fe [Hei­den], die nicht aus die­sem Hof [Juden] sind ; auch die­se muss ich brin­gen, und sie wer­den mei­ne Stim­me hören, und es wird eine Her­de, ein Hir­te sein. (Johan­nes 10,16)

Der im Neu­en Tes­ta­ment übli­cher­wei­se für die Gemein­de ver­wen­de­te grie­chi­sche Begriff ist ekkle­sia. Er lei­tet sich ab von ek‐kaleo, was „her­aus­ru­fen“ oder „jeman­den aus ande­ren erwäh­len“ bedeu­tet.[1]

Gott möch­te jeden Men­schen in die ewi­ge Gemein­schaft mit sich selbst rufen. In Jesus ist die­ser Ruf an die Men­schen ergan­gen. Aus denen, die Ihn als den ver­hei­ße­nen Ret­ter annah­men und sei­nen Fuß­spu­ren fol­gen woll­ten, ent­stand und besteht die Gemein­de, die Gemein­schaft der von Gott aus der Welt her­aus beru­fe­nen und erwähl­ten Gläubigen.

Zu den Glie­dern der Kir­che gehö­ren alle, die von Gott in „sein Reich und sei­ne Herr­lich­keit“ beru­fen wer­den (1. Thes­sa­lo­ni­cher 2,12). Durch das Evan­ge­li­um sind sie Teil­ha­ber der „Herr­lich­keit unse­res Herrn Jesus Chris­tus“ (2. Thes­sa­lo­ni­cher 2,14). Petrus beschreibt sie als „ein aus­er­wähl­tes Geschlecht, ein könig­li­ches Pries­ter­tum, eine hei­li­ge Nati­on, ein Volk zum Besitz­tum, damit ihr die Tugen­den des­sen ver­kün­digt, der euch aus der Fins­ter­nis zu sei­nem wun­der­ba­ren Licht beru­fen hat“ (1. Petrus 2,9).

Die­se Wor­te zei­gen, wie sehr sich Petrus und Pau­lus und ihre Glau­bens­brü­der der hohen Beru­fung bewusst waren, die all jenen Men­schen zuteil wird, die durch die Nach­fol­ge Jesu Got­tes Kin­der wer­den und so sein Volk, die Gemein­de, bilden.

2 Was zeich­net die Gemein­de aus?

Und alles hat er [der Vater] sei­nen [Jesu] Füßen unter­wor­fen und ihn als Haupt über alles der Gemein­de gege­ben, die sein Leib ist, die Fül­le des­sen, der alles in allen erfüllt. (Ephe­ser 1,22–23)

Im Neu­en Tes­ta­ment lesen wir von der Gemein­de als vom Leib Chris­ti. Da in Jesus Chris­tus Gott Mensch gewor­den ist und die Gemein­de sein Leib ist, spie­gelt sie in ihren Eigen­schaf­ten das Wesen Got­tes wider: Wie Er hei­lig ist, soll auch sie hei­lig sein. Da Er Einer ist, ist auch sie ein­zig und einig. Weil Er die Lie­be ist, ist auch sie auf der Lie­be auf­ge­baut. Da Gott die Quel­le der Wahr­heit ist, ist auch die Gemein­de Säu­le und Grund­fes­te der Wahr­heit und muss an der ein für alle­mal von den Apos­teln über­lie­fer­ten Leh­re festhalten.

Die Schrift sagt auch, dass Gott Licht ist (1. Johan­nes­brief 1,5). So soll auch die Gemein­de das Licht der Welt sein und einer Stadt auf dem Berg glei­chen, deren Licht den Men­schen nicht ver­bor­gen bleibt, wie Jesus zu sei­nen Jün­gern gesagt hat:

Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht ver­bor­gen sein. … So soll euer Licht leuch­ten vor den Men­schen, damit sie eure guten Wer­ke sehen und euren Vater, der in den Him­meln ist, ver­herr­li­chen. (Mat­thä­us 5,14.16)

Die Gemein­de ist das sicht­ba­re Zeug­nis der zur Lie­be befrei­en­den Gna­de Got­tes, wel­che alle die Men­schen für die Ewig­keit tief mit­ein­an­der ver­bin­det, die sich Ihm in Demut mit ihrem gan­zen Leben anver­trau­en. Wir wol­len auf die ein­zel­nen Punk­te nun genau­er eingehen.

2.1 Die Gemein­de ist heilig

In 1. Petrus 1,14–16 schreibt Petrus:

Als Kin­der des Gehor­sams passt euch nicht den Begier­den an, die frü­her in eurer Unwis­sen­heit herrsch­ten, son­dern wie der, wel­cher euch beru­fen hat, hei­lig ist, seid auch ihr im gan­zen Wan­del hei­lig! Denn es steht geschrie­ben: „Seid hei­lig, denn ich bin heilig“.

Die­se Wor­te zei­gen, was die Chris­ten mit Hei­li­gung ver­bun­den haben: das alte Leben, das beherrscht war von Begier­den, wird abge­legt, und ein neu­es Leben im Gehor­sam gegen­über Got­tes Wil­len beginnt. Die Hei­lig­keit der Gemein­de ergibt sich aus dem Wunsch jedes ein­zel­nen Chris­ten nach die­sem Gehor­sam. Auch Jesu Lebens­hin­ga­be hat­te das Ziel einer rei­nen und hei­li­gen Gemein­de, wie Pau­lus in Ephe­ser 5,25–27 schreibt:

… wie auch der Chris­tus die Gemein­de geliebt und sich selbst für sie hin­ge­ge­ben hat, um sie zu hei­li­gen, sie rei­ni­gend durch das Was­ser­bad im Wort, damit er die Gemein­de sich selbst ver­herr­licht dar­stell­te, die nicht Fle­cken oder Run­zel oder etwas der­glei­chen habe, son­dern dass sie hei­lig und tadel­los sei.

Wie sehr Gott über die Hei­lig­keit der Kir­che wacht und wie ver­ant­wor­tungs­voll es ist, die Kir­che zu bau­en, kommt in 1. Korin­ther 3,16–17 zum Ausdruck:

Wisst ihr nicht, dass ihr Got­tes Tem­pel seid und der Geist Got­tes in euch wohnt? Wenn jemand den Tem­pel Got­tes ver­dirbt, den wird Gott ver­der­ben; denn der Tem­pel Got­tes ist hei­lig, und der seid ihr.

Des­halb ist es auch die Ver­ant­wor­tung der Gemein­de, dar­über zu wachen, dass jedes ein­zel­ne Glied zur Ehre Got­tes leben möch­te. Zual­ler­erst geschieht das durch die brü­der­li­che Lie­be, die all­täg­li­che gegen­sei­ti­ge Hil­fe und Hin­ga­be für­ein­an­der, die Gemein­schaft und die dar­aus ent­ste­hen­de tie­fe Verbundenheit:

Seht zu, Brü­der, dass nicht etwa in jeman­dem von euch ein böses Herz des Unglau­bens sei, im Abfall vom leben­di­gen Gott, son­dern ermun­tert ein­an­der jeden Tag, solan­ge es „heu­te“ heißt, damit nie­mand von euch ver­här­tet wer­de durch Betrug der Sün­de! (Hebrä­er 3,12–13)

Wer den­noch an Sün­den fest­hal­ten will, zer­stört die Grund­la­ge des Zusam­men­seins, denn es zeigt, dass sein Leben nicht mehr von der Lie­be zu Gott und den Brü­dern bestimmt ist. Jesus hat der Gemein­de die Ver­ant­wor­tung gege­ben, in einem sol­chen Fall die Gemein­schaft nicht fort­zu­set­zen, damit die betrof­fe­ne Per­son sich nicht gänz­lich in der Sün­de und im Selbst­be­trug ver­här­tet, son­dern noch zur Besin­nung kommt und umkehrt:

Wenn aber dein Bru­der sün­digt, so geh hin, über­füh­re ihn zwi­schen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du dei­nen Bru­der gewon­nen. Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zwei­er oder drei­er Zeu­gen Mund jede Sache bestä­tigt wer­de! Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Gemein­de; wenn er aber auch auf die Gemein­de nicht hören wird, so sei er dir wie der Hei­de und der Zöll­ner! (Mat­thä­us 18,15–17)

Wenn die Gemein­de in Über­ein­stim­mung mit dem Wil­len Got­tes eine sol­che Ent­schei­dung trifft, dann geschieht das auch mit dem Ziel, dass sie Gemein­de bleibt. Denn wenn Sün­de gedul­det wird, brei­tet sie sich aus wie Sau­er­teig. Davor warnt uns auch Pau­lus im 1. Korin­ther­brief 5,6:

Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sau­er­teig den gan­zen Teig durchsäuert?

Es ist kei­ne Barm­her­zig­keit, son­dern es ist Gleich­gül­tig­keit, wenn man den Sün­der, der nicht umkeh­ren will, nicht aus der Gemein­de aus­schließt, denn so schaut man zu, wie er sich mehr und mehr von Gott entfernt.

Auch Hebrä­er 12,14–15 warnt vor dem schlech­ten Ein­fluss der Sün­de in der Gemeinde:

Jagt dem Frie­den mit allen nach und der Hei­li­gung, ohne die nie­mand den Herrn schau­en wird; und ach­tet dar­auf, dass nicht jemand an der Gna­de Got­tes Man­gel lei­de, dass nicht irgend­ei­ne Wur­zel der Bit­ter­keit auf­spros­se und euch zur Last wer­de und durch sie vie­le ver­un­rei­nigt werden …

Gott aber möch­te ein rei­nes Volk, wel­ches sich, von sei­ner Gna­de gelei­tet, in guten Wer­ken üben und so sei­nen Herrn und Ret­ter ver­herr­li­chen will und sei­ne Wie­der­kunft erwartet:

Denn die Gna­de Got­tes ist erschie­nen, heil­brin­gend allen Men­schen, und unter­weist uns, damit wir die Gott­lo­sig­keit und die welt­li­chen Begier­den ver­leug­nen und beson­nen und gerecht und got­tes­fürch­tig leben in dem jet­zi­gen Zeit­lauf, indem wir die glück­se­li­ge Hoff­nung und Erschei­nung der Herr­lich­keit unse­res gro­ßen Got­tes und Ret­ters Jesus Chris­tus erwar­ten. Der hat sich selbst für uns gege­ben, damit er uns los­kauf­te von aller Gesetz­lo­sig­keit und sich selbst ein Eigen­tums­volk rei­nig­te, das eif­rig sei in guten Wer­ken. (Titus 2,11–14)

2.2 Die Ein­heit der Gläu­bi­gen in der Gemeinde

Aber nicht für die­se allein bit­te ich, son­dern auch für die, wel­che durch ihr Wort an mich glau­ben, damit sie alle eins sei­en, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins sei­en, damit die Welt glau­be, dass du mich gesandt hast. Und die Herr­lich­keit, die du mir gege­ben hast, habe ich ihnen gege­ben, dass sie eins sei­en, wie wir eins sind – ich in ihnen und du in mir –, dass sie in eins voll­endet sei­en, damit die Welt erken­ne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast. (Johan­nes 17,20–23)

Die­ser Aus­zug aus dem Gebet Jesu stellt uns klar vor Augen, wie sehr ihm die Ein­heit nicht nur unter den Apos­teln, son­dern auch unter all denen, die durch sie Chris­ten wer­den, am Her­zen lag. Wir kön­nen hier auch den Weg sehen, der zu die­ser Ein­heit führt: Er gibt uns Anteil an sei­ner Bezie­hung mit dem Vater. So kön­nen wir, gelei­tet von Sei­nem Geist, in den ver­schie­de­nen Fra­gen, die unse­ren Glau­ben und unser Leben betref­fen, den Wil­len Got­tes erken­nen. Vor­aus­ge­setzt ist, dass jeder Gläu­bi­ge sich in allem gern Gott unter­ord­nen möch­te. Dar­um muss jeder bestän­dig rin­gen, wenn die Gemein­de bestehen soll.

Auch in den neu­tes­ta­ment­li­chen Brie­fen wer­den die Gläu­bi­gen zur Ein­heit auf­ge­ru­fen, z. B. in 1. Korin­ther 1,10:

Ich ermah­ne euch aber, Brü­der, durch den Namen unse­res Herrn Jesus Chris­tus, dass ihr alle ein­mü­tig redet und nicht Spal­tun­gen unter euch sei­en, son­dern dass ihr in dem­sel­ben Sinn und in der­sel­ben Mei­nung völ­lig zusam­men­ge­fügt seid.

Die von Pau­lus hier ver­wen­de­ten Wor­te machen deut­lich, dass sich die Ein­heit nicht nur auf ganz grund­le­gen­de Punk­te der christ­li­chen Leh­re bezie­hen soll, wie z. B. dass alle an Jesus als den Erlö­ser glau­ben. Das Leben und die Leh­re der Chris­ten soll in jedem Punkt von der geist­ge­wirk­ten Ein­heit durch­zo­gen sein, wie auch Ephe­ser 4,1–6 ausdrückt:

Ich ermah­ne euch nun, ich, der Gefan­ge­ne im Herrn: Wan­delt wür­dig der Beru­fung, mit der ihr beru­fen wor­den seid, mit aller Demut und Sanft­mut, mit Lang­mut, ein­an­der in Lie­be ertra­gend! Beflei­ßigt euch, die Ein­heit des Geis­tes zu bewah­ren durch das Band des Frie­dens: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch beru­fen wor­den seid in einer Hoff­nung eurer Beru­fung! Ein Herr, ein Glau­be, eine Tau­fe, ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist.

Unter Chris­ten wird die Ein­heit des Geis­tes vor­aus­ge­setzt und soll bewahrt wer­den. Sie war und ist eine Rea­li­tät schon hier auf Erden, sonst könn­te sie kein Zei­chen für die Welt sein.

Die Umkehr hat bei jedem Chris­ten zu einer grund­le­gen­den Gesin­nungs­än­de­rung geführt, näm­lich sich nicht mehr vom Fleisch, das heißt von selbst­süch­ti­gen, sünd­haf­ten Wün­schen lei­ten zu las­sen, son­dern von Got­tes Geist, der uns den Wil­len Got­tes zeigt. Er ist es, der die Ein­heit schafft. Wenn sie unter Men­schen, die sich Chris­ten nen­nen, nicht vor­han­den ist, dann ist das aller­dings auch ein Zeichen …

Es gibt auch ein Wachs­tum in der Ein­heit, wie aus den Ver­sen in Ephe­ser 4,11–14 sicht­bar wird:

Und er hat die einen als Apos­tel gege­ben und ande­re als Pro­phe­ten, ande­re als Evan­ge­lis­ten, ande­re als Hir­ten und Leh­rer, zur Aus­rüs­tung der Hei­li­gen für das Werk des Diens­tes, für die Erbau­ung des Lei­bes Chris­ti, bis wir alle hin­ge­lan­gen zur Ein­heit des Glau­bens und der Erkennt­nis des Soh­nes Got­tes, zur vol­len Man­nes­rei­fe, zum Maß der vol­len Rei­fe Chris­ti. Denn wir sol­len nicht mehr Unmün­di­ge sein, hin‐ und her­ge­wor­fen und umher­ge­trie­ben von jedem Wind der Leh­re durch die Betrü­ge­rei der Men­schen, durch ihre Ver­schla­gen­heit zu lis­tig erson­ne­nem Irrtum …

Die Ein­heit, zu der alle hin­ge­lan­gen sol­len, ist nicht etwas, was erst im Him­mel Wirk­lich­keit wird. Hier geht es viel­mehr dar­um, dass jun­ge Chris­ten Unter­wei­sung brau­chen für ihr geist­li­ches Rei­fen. Dafür hat Jesus der Gemein­de Gaben gege­ben, die die Gläu­bi­gen für ihren Dienst aus­rüs­ten sol­len. Ins­be­son­de­re sol­len sie fest wer­den in der rich­ti­gen Leh­re, damit sie Irr­leh­ren durch­schau­en und wider­le­gen kön­nen und so zur Ein­heit mit allen ande­ren Chris­ten gelangen.

2.3 Die Lie­be unter den Christen

Ein neu­es Gebot gebe ich euch, dass ihr ein­an­der liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr ein­an­der liebt. Dar­an wer­den alle erken­nen, dass ihr mei­ne Jün­ger seid, wenn ihr Lie­be unter­ein­an­der habt. (Johan­nes 13,34–35)

Jesus gab der Lie­be unter den Chris­ten eine zen­tra­le Bedeu­tung. Sie wer­den als sei­ne Jün­ger erkannt, wenn sie sei­nem Bei­spiel der Lie­be folgen.

Es ist wich­tig, sich vor Augen zu füh­ren, was das prak­tisch bedeu­tet: nicht star­ke Pre­dig­ten, Wun­der, Dämo­nen­aus­trei­bun­gen etc. kenn­zeich­nen die Chris­ten. Wer sei­ne Zuge­hö­rig­keit zu Jesus an sol­chen Din­gen fest­ma­chen will, sei an fol­gen­des Wort Jesu erinnert:

Vie­le wer­den an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch dei­nen Namen geweis­sagt und durch dei­nen Namen Dämo­nen aus­ge­trie­ben und durch dei­nen Namen vie­le Wun­der­wer­ke getan? Und dann wer­de ich ihnen beken­nen: Ich habe euch nie­mals gekannt. Weicht von mir, ihr Übel­tä­ter! (Mat­thä­us 7,22–23)

Wer also nicht die Bereit­schaft hat, sein Leben für die Brü­der hin­zu­ge­ben, ist kein Jün­ger Jesu, denn die Bru­der­lie­be ist ein Kenn­zei­chen all jener Men­schen, die die Erlö­sung ange­nom­men haben. Sie ist eine Frucht der Lebens­hin­ga­be Jesu für uns, wie auch Johan­nes schreibt:

Wir wis­sen, dass wir aus dem Tod in das Leben hin­über­ge­gan­gen sind, weil wir die Brü­der lie­ben; wer nicht liebt, bleibt im Tod. Jeder, der sei­nen Bru­der hasst, ist ein Men­schen­mör­der, und ihr wisst, dass kein Men­schen­mör­der ewi­ges Leben blei­bend in sich hat. Hier­an haben wir die Lie­be erkannt, dass er für uns sein Leben hin­ge­ge­ben hat; auch wir sind schul­dig, für die Brü­der das Leben hin­zu­ge­ben. (1. Johan­nes 3,14–16)

Die Lebens­hin­ga­be Jesu wird sicher an sei­ner Bereit­schaft zum Tod am Kreuz am deut­lichs­ten. Aber sie schließt sein gan­zes Lebens­werk ein. Wäh­rend sei­nes Diens­tes war er immer für sei­ne Jün­ger und die Men­schen, die ihn hören woll­ten, da.

Eine Bege­ben­heit im Mar­kus­evan­ge­li­um gibt uns Ein­blick in sei­ne Hingabebereitschaft:

Und er sprach zu ihnen: Kommt, ihr selbst allein, an einen öden Ort und ruht ein wenig aus! Denn die­je­ni­gen, die kamen und gin­gen, waren vie­le, und sie fan­den nicht ein­mal Zeit, um zu essen. Und sie fuh­ren in einem Boot allein an einen öden Ort; und vie­le sahen sie weg­fah­ren und erkann­ten sie und lie­fen zu Fuß von allen Städ­ten dort­hin zusam­men und kamen ihnen zuvor. Und als Jesus aus dem Boot trat, sah er eine gro­ße Volks­men­ge und wur­de inner­lich bewegt über sie; denn sie waren wie Scha­fe, die kei­nen Hir­ten haben. Und er fing an, sie vie­les zu leh­ren. (Mar­kus 6,31–34)

Die Jün­ger haben erlebt, wie selbst­los Jesus lieb­te, wie er sei­ner Hin­ga­be kei­ne Gren­zen setz­te, son­dern in allem auf das Heil der Men­schen aus­ge­rich­tet war. Die­sem Bei­spiel in der Hin­ga­be fol­gend fin­gen die Chris­ten nach Pfings­ten an, ihr Leben mit­ein­an­der zu tei­len und so ganz prak­tisch und all­täg­lich die Bru­der­lie­be zu leben. Eine genaue­re Beschrei­bung des­sen ist in den ers­ten Kapi­teln der Apos­tel­ge­schich­te bzw. in einem The­ma über das Leben der ers­ten Chris­ten zu finden.

Was wir in den heu­ti­gen soge­nann­ten Kir­chen erle­ben, ist von die­ser Lebens­hin­ga­be weit ent­fernt. Wo die Bereit­schaft zur „Gemein­schaft“ über das Besu­chen von Ver­an­stal­tun­gen und ein paar gemein­sa­men Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten nicht hin­aus geht, kann von Lie­be nicht gespro­chen wer­den. Johan­nes sagt klar: „Wer nicht liebt, bleibt im Tod“ und weiter:

Gelieb­te, lasst uns ein­an­der lie­ben! Denn die Lie­be ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott gebo­ren und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Lie­be. (1. Johan­nes 4,7–8)

2.4 Die Kir­che ist sichtbar

Eine in reli­giö­sen Krei­sen ver­brei­te­te Ansicht ist die Irr­leh­re der „unsicht­ba­ren Kir­che“. Sie besagt (ganz grob erklärt), dass es in den ver­schie­de­nen reli­giö­sen Orga­ni­sa­tio­nen ver­streut Chris­ten gibt, „wirk­li­che“ Gläu­bi­ge. Sie bil­den die unsicht­ba­re Kir­che, die erst wenn Jesus wie­der­kommt, von ihm als sicht­ba­re Gemein­de in den Him­mel ver­sam­melt wer­den. Es wird vor­aus­ge­setzt, dass es auf Erden die „per­fek­te Gemein­de“ sowie­so nicht geben könne.

Aus dem Neu­en Tes­ta­ment sehen wir, dass die Gemein­de ein sicht­ba­res Zeug­nis für die Welt war und sein soll. Dabei ging es nicht um Per­fek­ti­on. Damals gab es ver­schie­de­ne Pro­ble­me und Her­aus­for­de­run­gen, denen sich die Gemein­de mit Got­tes Hil­fe, Kraft und Füh­rung stel­len muss­te. Den­noch war sie nicht eine Mischung aus weni­gen Gläu­bi­gen und vie­len Namens­chris­ten. In Apos­tel­ge­schich­te 2,44–47 lesen wir:

Alle gläu­big gewor­de­nen aber waren bei­sam­men und hat­ten alles gemein­sam; und sie ver­kauf­ten die Güter und die Habe und ver­teil­ten sie an alle, je nach­dem einer bedürf­tig war. Täg­lich ver­harr­ten sie ein­mü­tig im Tem­pel und bra­chen zu Hau­se das Brot, nah­men Spei­se mit Jubel und Schlicht­heit des Her­zens, lob­ten Gott und hat­ten Gunst beim gan­zen Volk. Der Herr aber tat täg­lich hin­zu, die geret­tet wer­den sollten.

Und wei­ter:

Aber durch die Hän­de der Apos­tel gescha­hen vie­le Zei­chen und Wun­der unter dem Volk; und sie waren alle ein­mü­tig in der Säu­len­hal­le Salo­mos. Von den Übri­gen aber wag­te kei­ner, sich ihnen anzu­schlie­ßen, doch das Volk rühm­te sie. Aber umso mehr wur­den sol­che, die an den Herrn glaub­ten, hin­zu­ge­tan, Scha­ren von Män­nern und auch Frau­en … (Apos­tel­ge­schich­te 5,12–14)

„An den Herrn zu glau­ben“ bedeu­te­te damals nicht, als Baby getauft wor­den zu sein, Sonn­tags den „Got­tes­dienst“ zu besu­chen und sich mehr oder weni­ger an christ­li­che Wer­te zu hal­ten. Es bedeu­te­te eine tief grei­fen­de Ände­rung des Lebens und der Über­zeu­gun­gen ent­spre­chend der Leh­re Jesu, die dann auch nach außen hin deut­lich sicht­bar war. Wer die­se Über­zeu­gun­gen nicht teil­te, wag­te nicht, sich der Gemein­de anzuschließen.

Auch Pau­lus bestä­tig­te die kla­re Unter­schei­dung und Gren­ze, die zwi­schen den Chris­ten und allen ande­ren bestehen soll:

Geht nicht unter fremd­ar­ti­gem Joch mit Ungläu­bi­gen! Denn wel­che Ver­bin­dung haben Gerech­tig­keit und Gesetz­lo­sig­keit? Oder wel­che Gemein­schaft Licht mit Fins­ter­nis? Und wel­che Über­ein­stim­mung Chris­tus mit Beli­al? Oder wel­ches Teil ein Gläu­bi­ger mit einem Ungläu­bi­gen? Und wel­chen Zusam­men­hang der Tem­pel Got­tes mit Göt­zen­bil­dern? Denn wir sind der Tem­pel des leben­di­gen Got­tes; wie Gott gesagt hat: „Ich will unter ihnen woh­nen und wan­deln, und ich wer­de ihr Gott sein, und sie wer­den mein Volk sein.“ Dar­um geht aus ihrer Mit­te hin­aus und son­dert euch ab!, spricht der Herr. Und rührt Unrei­nes nicht an! Und ich wer­de euch anneh­men und wer­de euch Vater sein, und ihr wer­det mir Söh­ne und Töch­ter sein, spricht der Herr, der All­mäch­ti­ge. (2. Korin­ther 6,14–18)

Die Kir­che ist eine Zuver­sicht für alle, die Gott suchen und lie­ben. Sie wird das auch nur blei­ben, wenn es zwi­schen Licht und Fins­ter­nis, zwi­schen rich­ti­ger und fal­scher Leh­re, zwi­schen Glau­ben und Reli­giö­si­tät, zwi­schen Gehor­sam und Ver­harm­lo­sung von Sün­de etc. eine kla­re Tren­nung gibt. Des­halb ermun­tert Pau­lus dazu, sich abzu­son­dern und nichts Unrei­nes anzu­rüh­ren, damit Gott ihr Vater sein kann.

Dazu gehört auch die Bereit­schaft, sich von Men­schen zu tren­nen, die trotz vie­ler Hil­fe von Gott und der Gemein­de an der Sün­de fest­hal­ten wollen:

Ich habe euch in dem Brief geschrie­ben, nicht mit Unzüch­ti­gen Umgang zu haben; nicht über­haupt mit den Unzüch­ti­gen die­ser Welt oder den Hab­süch­ti­gen und Räu­bern oder Göt­zen­die­nern, sonst müss­tet ihr ja aus der Welt hin­aus­ge­hen. Nun aber habe ich euch geschrie­ben, kei­nen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bru­der genannt wird, ein Unzüch­ti­ger ist oder ein Hab­süch­ti­ger oder ein Göt­zen­die­ner oder ein Läs­te­rer oder ein Trun­ken­bold oder ein Räu­ber; mit einem sol­chen nicht ein­mal zu essen. Denn was habe ich zu rich­ten, die drau­ßen sind? Rich­tet ihr nicht, die drin­nen sind? Die aber drau­ßen sind, rich­tet Gott. Tut den Bösen von euch selbst hin­aus! (1. Korin­ther 5,9–13)

Wir kön­nen und sol­len nicht aus der Welt hin­aus­ge­hen. In der Schu­le oder Arbeit etc. sind wir umge­ben von Men­schen, die unse­ren Glau­ben nicht tei­len und denen Gott nichts bedeu­tet. Ihnen sol­len wir Licht sein (Mat­thä­us 5,14–16). An unse­ren Wor­ten und Taten sol­len sie sehen, wer und wie unser Herr ist.

Aber in der Gemein­de kann es auf Dau­er nie­man­den geben, der in der Sün­de leben oder an unbi­bli­schen Leh­ren fest­hal­ten will, damit sie von allem ande­ren, was es in der Welt gibt, unter­schie­den wer­den kann. Sie soll als der Ort erkannt wer­den, wo die Lie­be und Dank­bar­keit Gott gegen­über alles bestimmt und wohin Gott jeden Men­schen füh­ren kann, der die Wahr­heit und Ihn selbst sucht.

2.5 Die Apos­to­li­zi­tät der Kirche

Ihr seid auf­ge­baut auf der Grund­la­ge der Apos­tel und Pro­phe­ten, wobei Chris­tus Jesus selbst Eck­stein ist. In ihm zusam­men­ge­fügt, wächst der gan­ze Bau zu einem hei­li­gen Tem­pel im Herrn, … (Ephe­ser 2,20–21)

Wenn wir von der Apos­to­li­zi­tät der Kir­che spre­chen, dann mei­nen wir damit, dass die Kir­che in ihren Leh­ren und in ihrem Leben treu an der Leh­re und dem Vor­bild des Lebens der Apos­tel, wie wir es aus dem Neu­en Tes­ta­ment ken­nen, fest­hält. Jesus hat sei­ne Leh­re den Apos­teln, sei­nen Jün­gern, anver­traut. Von ihnen emp­fin­gen wir die apos­to­li­sche Tra­di­ti­on, die Leh­re des Chris­tus. Sie ist im Neu­en Tes­ta­ment nie­der­ge­schrie­ben und alles, was davon abweicht, müs­sen wir klar abweisen.

Jeder, der wei­ter­geht und nicht in der Leh­re des Chris­tus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Leh­re bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und die­se Leh­re nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht! Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an sei­nen bösen Wer­ken. (2. Johan­nes­brief 9–11)

Über die ers­te Gemein­de lesen wir, dass sie in der Leh­re der Apos­tel ver­harr­te (Apos­tel­ge­schich­te 2,42). Den Chris­ten damals war bewusst, dass die Apos­tel die­je­ni­gen waren, die von Jesus die Auto­ri­tät bekom­men haben, sei­ne Leh­re in die Welt hin­aus zu tra­gen, denn er sagte:

Geht nun hin und macht alle Natio­nen zu Jün­gern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes, und lehrt sie alles zu bewah­ren, was ich euch gebo­ten habe! (Mat­thä­us 28,19–20)

Die Apos­tel haben die­sen Auf­trag aus­ge­führt und Men­schen zu Jün­gern gemacht, die dann ihrer­seits wie­der­um ande­re in die Nach­fol­ge rufen konn­ten. Der Sen­dungs­auf­trag gilt für alle Chris­ten, aber die Apos­tel leg­ten mit der Wei­ter­ga­be der Leh­re Jesu, die sie im Unter­schied zu allen ande­ren Chris­ten direkt von ihm emp­fin­gen, die Grund­la­ge dafür.

Auch Pau­lus, der in der Bibel zu den Apos­teln gezählt wird, war stark dar­um bemüht, dass die ursprüng­li­che apos­to­li­sche Leh­re bewahrt bleibt. An Timo­theus schrieb er, dass treue Men­schen das Gehör­te wei­ter­ge­ben sollen:

Du nun, mein Kind, sei stark in der Gna­de, die in Chris­tus Jesus ist; und was du von mir in Gegen­wart vie­ler Zeu­gen gehört hast, das ver­traue treu­en Men­schen an, die tüch­tig sein wer­den, auch ande­re zu leh­ren! (2. Timo­theus 2,1–2)

Auch aus dem Gala­ter­brief sehen wir, wie klar er jedes Abwei­chen vom Evan­ge­li­um, wie es die Chris­ten von den Apos­teln emp­fan­gen haben, verurteilt:

Ich wun­de­re mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch durch die Gna­de Chris­ti beru­fen hat, abwen­det zu einem ande­ren Evan­ge­li­um, wo es doch kein ande­res gibt; eini­ge ver­wir­ren euch nur und wol­len das Evan­ge­li­um des Chris­tus umkeh­ren. Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Him­mel euch etwas als Evan­ge­li­um ent­ge­gen dem ver­kün­dig­ten, was wir euch als Evan­ge­li­um ver­kün­digt haben: Er sei ver­flucht! (Gala­ter 1,6–8)

Die­se Wor­te gel­ten für uns heu­te eben­so, auch wenn 2000 Jah­re ver­gan­gen sind. Was damals als die eine wah­re Leh­re ver­kün­det wur­de, ist auch heu­te die wah­re Leh­re. Denn eben­so wenig wie Gott sich ver­än­dert, ändert sich die Wahr­heit. Wenn die Gemein­de des leben­di­gen Got­tes Säu­le und Grund­fes­te der Wahr­heit ist (1. Timo­theus 3, 15), dann zeigt das, wel­che gro­ße Bedeu­tung die Kir­che in die­ser Hin­sicht hat. Des­halb müs­sen wir mit gro­ßem Eifer um das Fest­hal­ten an der ein für alle Mal über­lie­fer­ten apos­to­li­schen Leh­re rin­gen. In Judas 3 wer­den wir dazu ermuntert:

Gelieb­te, da ich allen Fleiß anwand­te, euch über unser gemein­sa­mes Heil zu schrei­ben, war ich genö­tigt, euch zu schrei­ben und zu ermah­nen, für den ein für alle Mal den Hei­li­gen über­lie­fer­ten Glau­ben zu kämpfen.

Kurz wol­len wir noch auf den Anspruch der Katho­li­schen Kir­che auf die so genann­te Apos­to­li­sche Suk­zes­si­on ein­ge­hen. Die­ser Aus­druck besagt, dass der römi­sche Bischof als Ober­haupt der Römisch‐Katholischen Kir­che (Papst) durch eine unun­ter­bro­che­ne Linie von Bischö­fen in der direk­ten Nach­fol­ge des angeb­lich ers­ten römi­schen Bischofs, näm­lich des Apos­tels Petrus selbst steht.

Dazu schreibt der katho­li­sche Kir­chen­ge­schicht­ler Brox in sei­nem Buch „Kir­chen­ge­schich­te des Altertums“:

Und was schließ­lich die über­lie­fer­te Rei­he aller römi­schen Bischö­fe seit Petrus betrifft, so gibt es zwar (bei Ire­nä­us, Adv. haere­ses III 3,3) eine Lis­te ihrer Namen, aber sie ist erst im spä­ten 2. Jahr­hun­dert auf­ge­stellt wor­den und beruht auf theo­lo­gi­schen Vor­stel­lun­gen, nicht auf his­to­ri­schen Recher­chen.[2]

In der apos­to­li­schen Tra­di­ti­on ste­hen wir nicht auf­grund zwei­fel­haf­ter Bischofs­lis­ten, son­dern nur, wenn wir in unse­ren Glau­bens­in­hal­ten mit der bibli­schen Leh­re übereinstimmen.

2.6 Die Kir­che ist katho­lisch (uni­ver­sell)

Der Begriff „katho­lisch“ fin­det sich nicht in den Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments. Da aber sowohl das Apos­to­li­sche als auch das Nizäno‐konstantinopolitanische Glau­bens­be­kennt­nis die­sen Ter­mi­nus ver­wen­den, wol­len auch wir uns mit die­sem oft genann­ten Merk­mal der Kir­che beschäftigen.

Seit dem frü­hen 2. Jahr­hun­dert wird die Kir­che „katho­lisch“ genannt. Die­ses Wort kommt aus dem Grie­chi­schen (katho­li­ke) und bedeu­tet „all­ge­mein­gül­tig“ oder „uni­ver­sell“. Das ent­spricht den Wor­ten Jesu in Mat­thä­us 28,18–20:

Mir ist alle Macht gege­ben im Him­mel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Natio­nen zu Jün­gern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes, und lehrt sie alles zu bewah­ren, was ich euch gebo­ten habe! Und sie­he, ich bin bei euch alle Tage bis zur Voll­endung des Zeitalters.

Alle Natio­nen wer­den geru­fen, alle Wor­te Jesu zu hal­ten. Auch Jako­bus sprach beim „Apos­tel­kon­zil“ von einem „Volk aus den Natio­nen“ (Apos­tel­ge­schich­te 15,14).

Da die Kir­che aus Men­schen besteht, die durch Jesus ein neu­es Leben emp­fan­gen haben, ist in ihr Wirk­lich­keit, was Pau­lus in Kolos­ser 3,11 und Gala­ter 3,28 ausdrückt:

Da ist weder Grie­che noch Jude, Beschnei­dung noch Unbe­schnit­ten­sein, Bar­bar, Sky­the, Skla­ve, Frei­er, son­dern Chris­tus alles und in allen. (Kolos­ser 3,11)

Da ist nicht Jude noch Grie­che, da ist nicht Skla­ve noch Frei­er, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Chris­tus Jesus. (Gala­ter 3,28)

Da Chris­tus alles und in allen ist, ist die­se „katho­li­sche“ Kir­che eins. Zu allen Zei­ten von den Apos­teln bis hin zur Wie­der­kunft des Herrn, an allen Orten von Jeru­sa­lem bis zu den ent­fern­tes­ten Win­keln des Erd­balls glaubt die Kir­che an die­sel­be Leh­re und lebt in der sel­ben Liebe.

Das ent­spricht auch der bekann­ten Defi­ni­ti­on des Begriffs „katho­lisch“ durch Vin­zenz von Lérins (gestor­ben vor 450):

Des­glei­chen ist in der katho­li­schen Kir­che selbst ent­schie­den dafür Sor­ge zu tra­gen, dass wir das fest­hal­ten, was über­all, was immer und was von allen geglaubt wur­de; denn das ist im wah­ren und eigent­li­chen Sin­ne katho­lisch. (Com­mo­ni­to­ri­um 2)

Wenn also eine sich Kir­che nen­nen­de Grup­pie­rung Leh­ren hat, die nicht über­all, immer und von allen geglaubt wur­den, d. h. Leh­ren, die die Kir­che nicht von Anfang an hat­te, so ist die­se Grup­pie­rung nach die­ser Defi­ni­ti­on nicht katho­lisch, mag sie die­se Bezeich­nung auch in ihrem offi­zi­el­len Namen führen.

Die Uni­ver­sa­li­tät der Kir­che wird nicht durch ein welt­wei­tes hier­ar­chi­sches Sys­tem gewähr­leis­tet, son­dern durch die Bezie­hung jedes ein­zel­nen Chris­ten zu Gott, der sei­ne Gemein­de durch die Lei­tung des Hei­li­gen Geis­tes erbaut.

3 Zusam­men­fas­sung

Aus dem Neu­en Tes­ta­ment sehen wir, wie die ers­ten Chris­ten Kir­che ver­stan­den und gelebt haben. Die Kir­che war kei­ne von Men­schen gegrün­de­te und von einer Hier­ar­chie zusam­men gehal­te­ne Orga­ni­sa­ti­on, wo man zu Ver­an­stal­tun­gen ein­lädt. Kla­re Kenn­zei­chen der Kir­che sind die Lie­be der Chris­ten unter­ein­an­der, das Stre­ben nach tie­fer Ein­heit, das gemein­sa­me Rin­gen um ein hei­li­ges Leben und das Fest­hal­ten an der Leh­re der Apostel.

Gott ist in Jesus Mensch gewor­den, um uns die Augen zu öff­nen dafür, wie wir mit unse­rem Leben vor Gott ste­hen und wie sehr Gott möch­te, dass wir uns Ihm zuwen­den, damit er uns unse­re Schuld ver­ge­ben und ewi­ges Leben schen­ken kann. Die Lie­be, Ein­heit und Hei­lig­keit in der Gemein­de sind ein Vor­ge­schmack des Him­mels. Sie sind die Frucht des­sen, dass jeder ein­zel­ne Christ sein Leben in den Dienst Got­tes stellt und Got­tes Geist in sei­nem Leben wir­ken lässt.


Fußnoten

  1. Uns ist bewusst, dass wir aus der Ety­mo­lo­gie des Wor­tes „ekkle­sia“ allein nicht zu viel ent­neh­men dür­fen, da die­ses Wort auch für nor­ma­le Bür­ger­ver­samm­lun­gen einer Stadt ver­wen­det wird (ver­glei­che dazu auch Apos­tel­ge­schich­te 19,40), doch wird der Aspekt des aus der Welt Her­aus­ge­ru­fen­seins auch von ver­schie­de­nen Stel­len des Neu­en Tes­ta­ments betont, z. B.: Apos­tel­ge­schich­te 2,40; Phil 2,15.
  2. Nor­bert Brox: Kir­chen­ge­schich­te des Alter­tums; Düs­sel­dorf 3. Auf­la­ge 1989, S. 106.


Uns ist bewusst, dass wir aus der Ety­mo­lo­gie des Wor­tes „ekkle­sia“ allein nicht zu viel ent­neh­men dür­fen, da die­ses Wort auch für nor­ma­le Bür­ger­ver­samm­lun­gen einer Stadt ver­wen­det wird (ver­glei­che dazu auch Apos­tel­ge­schich­te 19,40), doch wird der Aspekt des aus der Welt Her­aus­ge­ru­fen­seins auch von ver­schie­de­nen Stel­len des Neu­en Tes­ta­ments betont, z. B.: Apos­tel­ge­schich­te 2,40; Phil 2,15.

Nor­bert Brox: Kir­chen­ge­schich­te des Alter­tums; Düs­sel­dorf 3. Auf­la­ge 1989, S. 106.