Tri­ni­tät – Dreieinheit/Dreieinigkeit

Themenbereiche: Gott: Wer ist er?

War­um wir an „einen Gott in drei Per­so­nen“ glau­ben und was wir dar­un­ter ver­ste­hen, dar­über wol­len wir im fol­gen­den Arti­kel schrei­ben. Im Zusam­men­hang mit einem kur­zen Über­blick über die Dis­kus­si­on um das drei­ei­ne Wesen Got­tes in den ers­ten drei nach­christ­li­chen Jahr­hun­der­ten wol­len wir in ers­ter Linie anhand des Neu­en Tes­ta­ments erklä­ren, was wir glauben.

Die Sonne scheint durch die Wolken.

1 Mono­the­is­mus und tri­ni­ta­ri­sche Dis­kus­sio­nen in den ers­ten drei Jahr­hun­der­ten n. Chr.

In Jesus ist Gott uns sehr nahe gekom­men und hat sich uns als der drei­ei­ne Gott geof­fen­bart. Obwohl wir den Begriff Dreieinheit/Dreieinigkeit (bei­de Begrif­fe sehen wir als mög­lich) oder Tri­ni­tät in der Bibel nicht fin­den, ist die Hei­li­ge Schrift doch die Grund­la­ge der Tri­ni­täts­leh­re, weil sie auf dem Boden des alt­tes­ta­ment­li­chen Mono­the­is­mus im Neu­en Tes­ta­ment von Gott als Vater, Sohn und Hei­li­gem Geist spricht und wir auch Aus­sa­gen über die Bezie­hun­gen in Gott fin­den, zwi­schen den drei gött­li­chen Personen.

Das Ver­ständ­nis des Begrif­fes Per­son hat sei­nen Ursprung in der christ­li­chen Theo­lo­gie, in dem Bemü­hen, das Wesen Got­tes und Jesu ver­ständ­lich zu machen. Das ursprüng­li­che Ver­ständ­nis von Per­son war nicht mate­ri­ell und nicht die Beschrei­bung eines auto­no­men Sub­jekts. Kenn­zeich­nend für eine Per­son sind Bezie­hungs­fä­hig­keit, Lie­bes­fä­hig­keit und Kommunikation.

Die Offen­ba­rung des Wesens Got­tes zeigt sich uns als heils­ge­schicht­li­cher Pro­zess. In der Zeit des Alten Tes­ta­ments leg­te Gott die Grund­la­ge für das rich­ti­ge Ver­ständ­nis sei­nes Wesens: Er offen­bar­te sich als der allei­ni­ge Gott und durch das gan­ze Alte Tes­ta­ment zieht sich Got­tes Mah­nung, am Mono­the­is­mus unbe­irr­bar festzuhalten.

Höre, Isra­el: Der HERR ist unser Gott, der HERR allein! Und du sollst den HERRN, dei­nen Gott, lie­ben mit dei­nem gan­zen Her­zen und mit dei­ner gan­zen See­le und mit dei­ner gan­zen Kraft. (5. Mose 6,4–5)

So spricht der HERR, der König Isra­els und sein Erlö­ser, der HERR der Heer­scha­ren: Ich bin der Ers­te und bin der Letz­te, und außer mir gibt es kei­nen Gott. Und wer ist wie ich? Er rufe und ver­kün­de es und lege es mir dar! – Wer hat von Urzei­ten her das Kom­men­de hören las­sen? Und was ein­tre­ten wird, sol­len sie uns ver­kün­den! Erschreckt nicht und zit­tert nicht! Habe ich es dich nicht schon längst hören las­sen und (es dir) ver­kün­det? Und ihr seid mei­ne Zeu­gen: Gibt es einen Gott außer mir? Es gibt kei­nen Fels, ich ken­ne kei­nen. (Jesa­ja 44,6–8)

Die neu­tes­ta­ment­li­che Got­tes­of­fen­ba­rung ändert dar­an nichts, der Mono­the­is­mus ist unab­ding­ba­re Grund­la­ge für das rich­ti­ge Ver­ständ­nis der Dreieinigkeit.

In den tri­ni­ta­ri­schen Dis­kus­sio­nen der ers­ten Jahr­hun­der­te wur­de der rech­te Glau­be gegen Ver­su­che ver­tei­digt, ent­we­der die Ein­zig­keit oder die Drei­heit Got­tes extrem zu beto­nen und so das Geheim­nis des Wesens Got­tes auf der Ebe­ne des für uns Men­schen Fass­ba­ren zu erklären.

Der Mon­ar­chia­nis­mus ver­such­te, die Ein­heit und Ein­zig­keit Got­tes dadurch zu erklä­ren, dass er die drei gött­li­chen Per­so­nen als drei Erschei­nungs­wei­sen (modi) des einen Got­tes erklär­te, er wur­de daher auch Moda­lis­mus genannt. Eine ande­re Bezeich­nung des Mon­ar­chia­nis­mus war Patri­pas­sia­nis­mus. Der Schöp­fer die­ses Begrif­fes woll­te wohl zei­gen, dass die Kon­se­quenz die­ser Leh­re wäre, dass Gott Vater am Kreuz gelit­ten hat und gestor­ben ist, was bei dem Glau­ben an einen all­mäch­ti­gen ewi­gen Gott absurd ist. Haupt­ver­tre­ter die­ser Leh­re waren Noe­tus von Smyr­na und Pra­xe­as im 2. Jh. und Sabel­li­us im 3. Jh. (daher auch Sabel­lia­nis­mus).

So wur­de es not­wen­dig, neben der Ein­zig­keit Got­tes auch die rea­len Unter­schie­de zwi­schen Vater, Sohn und Hei­li­gem Geist zu erläutern.

Der Sub­or­di­na­tia­nis­mus ver­such­te, die Tri­ni­tät als Stu­fen­ord­nung ver­ständ­lich zu machen. Gott Vater steht uner­reich­bar ganz „oben“. Ein bekann­ter Ver­tre­ter die­ser Leh­re war Orig­e­nes in der ers­ten Hälf­te des 3. Jh. Der Sub­or­di­na­tia­nis­mus besag­te, dass der Sohn und der Geist zwar gött­li­chen Wesens, aber doch Gott Vater klar unter­ge­ord­net sind. Die­se Leh­re wur­de im aus­ge­hen­den 3. Jh. und im frü­hen 4. Jh. von Ari­us wei­ter ent­wi­ckelt. Der Aria­nis­mus lehr­te, dass der Sohn am Anfang vom Vater geschaf­fen wur­de und dann zusam­men mit dem Vater die Welt geschaf­fen hat. Die Kon­se­quenz wäre, dass der Sohn ein geschaf­fe­nes Wesen und somit nicht Gott ist. Ein wei­te­rer Ver­tre­ter die­ser Leh­re war Euse­bi­us von Nikomedien.

Dage­gen erklär­te das Kon­zil von Niz­äa 325 die Wesens­gleich­heit des Soh­nes mit dem Vater („homoou­si­on to patri“) und das Kon­zil von Kon­stan­ti­no­pel 381 erklär­te neben der Bestä­ti­gung der For­mu­lie­run­gen von Niz­äa die Wesens­gleich­heit des Hei­li­gen Geis­tes mit dem Vater und dem Sohn. Die Tri­ni­täts­leh­re wur­de aber nicht auf den Kon­zi­len neu ein­ge­führt. Sie wird in vie­len früh­christ­li­chen Schrif­ten der ers­ten zwei Jahr­hun­der­te deut­lich bezeugt.

2 Zur Gott­heit Jesu

Das Neue Tes­ta­ment lehrt, dass Jesus gött­li­chen Wesens ist, ganz eins mit und doch ver­schie­den vom Vater:

[…] der Chris­tus ist, der über allem ist, Gott, geprie­sen in Ewig­keit. Amen. (Römer 9,5)[1]

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Die­ses war im Anfang bei Gott. Alles wur­de durch das­sel­be, und ohne das­sel­be wur­de auch nicht eines, das gewor­den ist. (Johan­nes 1,1–3)

Und das Wort wur­de Fleisch und wohn­te unter uns, und wir haben sei­ne Herr­lich­keit ange­schaut, eine Herr­lich­keit als eines Ein­ge­bo­re­nen vom Vater, vol­ler Gna­de und Wahr­heit. (Johan­nes 1,14)

Nie­mand hat Gott je gese­hen. Der ein­zi­ge, der Gott ist und am Her­zen des Vaters ruht, er hat Kun­de gebracht. (Johan­nes 1,18 Einheitsübersetzung)

In die­sen Ver­sen fin­den wir wesent­li­che Aus­sa­gen zu unse­rem The­ma. Sie spre­chen von der ewi­gen Exis­tenz und von der Gött­lich­keit der zwei­ten gött­li­chen Per­son, dem Sohn. „Wort“ – grie­chisch „Logos“ – ist die Bezeich­nung, die Johan­nes für den Sohn ver­wen­det. Vom „Wort“ wird gesagt, dass es sowohl Gott als auch bei Gott war, was einer­seits die Gleich­heit des Wesens und ande­rer­seits die Ver­schie­den­heit der Per­so­nen begründet.

In Jesus ist das Wort Mensch gewor­den, nicht der Vater oder der Hei­li­ge Geist sind Mensch gewor­den, son­dern der Sohn, der vom Vater Gezeug­te, der sei­nen ewi­gen Her­vor­gang im Vater hat und – weil gezeugt – ihm wesens­gleich ist. Für Vers 18 gibt es ver­schie­de­ne Text­va­ri­an­ten. Die meis­ten Bibel­über­set­zun­gen schrei­ben in Anleh­nung an jün­ge­re Hand­schrif­ten: „… der ein­zig­ge­zeug­te Sohn, der in des Vaters Schoß ist …“, aber der oben zitier­te Vers aus der Ein­heits­über­set­zung ent­spricht den ältes­ten und somit zuver­läs­sigs­ten Hand­schrif­ten, in denen die Gott­heit Jesu ein wei­te­res Mal deut­lich bezeugt ist.

Eine aus­führ­li­che Behand­lung der The­ma­tik der Gott­heit Jesu ist in dem sepa­ra­ten Arti­kel über die Gott­heit Jesu zu finden.

3 Zur Per­son­haf­tig­keit des Hei­li­gen Geistes

Wenn ihr mich liebt, wer­det ihr mei­ne Gebo­te hal­ten. Und ich wer­de den Vater bit­ten, und er wird euch einen ande­ren Bei­stand geben, der für immer bei euch blei­ben soll. Es ist der Geist der Wahr­heit, den die Welt nicht emp­fan­gen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird […] (Johan­nes 14,15–17 Einheitsübersetzung)

Das habe ich zu euch gesagt, wäh­rend ich noch bei euch bin. Der Bei­stand aber, der Hei­li­ge Geist, den der Vater in mei­nem Namen sen­den wird, der wird euch alles leh­ren und euch an alles erin­nern, was ich euch gesagt habe. (Johan­nes 14,25–26 Einheitsübersetzung)

Der Geist wird leh­ren und wird an das von Jesus Gesag­te erin­nern. Wenn Jesus so über den Hei­li­gen Geist spricht, offen­bart er uns den Geist als Per­son und nicht als eine unper­sön­li­che Kraft. Der Hei­li­ge Geist wird „ein ande­rer Bei­stand“ genannt, womit Jesus aus­drückt, dass der Geist als Per­son das Erlö­sungs­werk Jesu wei­ter­führt. Das hier ver­wen­de­te grie­chi­sche Wort „para­kle­tos“ kann auch mit „Hel­fer“ oder „Für­spre­cher“ über­setzt werden.

Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahr­heit, wird er euch in der gan­zen Wahr­heit lei­ten. Denn er wird nicht aus sich selbst her­aus reden, son­dern er wird reden, was er hört, und euch ver­kün­den, was kom­men wird. (Johan­nes 16,13 Einheitsübersetzung)

Die­se Bibel­stel­le ent­hält einen Hin­weis auf die Per­son­haf­tig­keit des Geis­tes, der nicht ins Deut­sche über­setz­bar ist: Geist, im grie­chi­schen pneu­ma, ist säch­li­chen Geschlechts, das dazu­ge­hö­ri­ge Pro­no­men aller­dings – ekei­nos – ist kein säch­li­ches, son­dern ein männ­li­ches Demons­tra­tiv­pro­no­men. Das natür­li­che Geschlecht hat hier das gram­ma­ti­sche ver­drängt. Zur Ver­deut­li­chung ein Bei­spiel als eine Aus­sa­ge über Jesus: Wenn er erstrahlt, das hel­le Licht … Immer wenn Jesus in den Abschieds­re­den im Johan­nes­evan­ge­li­um vom Kom­men des Hei­li­gen Geis­tes spricht, ste­hen die zwei Aus­drü­cke Geist und Bei­stand (im Grie­chi­schen männ­lich) nebeneinander.

In der Apos­tel­ge­schich­te fin­den wir einen wei­te­ren Hin­weis auf die Per­son­haf­tig­keit des Geistes:

Ein Mann namens Hana­ni­as aber und sei­ne Frau Saphi­ra ver­kauf­ten zusam­men ein Grund­stück, und mit Ein­ver­ständ­nis sei­ner Frau behielt er etwas von dem Erlös für sich. Er brach­te nur einen Teil und leg­te ihn den Apos­teln zu Füßen. Da sag­te Petrus: Hana­ni­as, war­um hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Hei­li­gen Geist belügst und von dem Erlös des Grund­stücks etwas für dich behältst? Hät­te es nicht dein Eigen­tum blei­ben kön­nen, und konn­test du nicht auch nach dem Ver­kauf frei über den Erlös ver­fü­gen? War­um hast du in dei­nem Her­zen beschlos­sen, so etwas zu tun? Du hast nicht Men­schen belo­gen, son­dern Gott. (Apos­tel­ge­schich­te 5,1–4 Einheitsübersetzung)

Eine unper­sön­li­che Kraft kann man nicht belü­gen, nur ein rea­les Gegen­über kann man belü­gen, jeman­den, mit dem man eine Bezie­hung hat und dem gegen­über man zur Wahr­heit ver­pflich­tet ist. Das Neue Tes­ta­ment beschreibt die akti­ve Fort­füh­rung des Heils­plans durch den Hei­li­gen Geist, der spricht, offen­bart, sen­det, führt und hei­ligt. Die Schrei­ber sehen dar­in sei­ne Ent­schei­dun­gen: Er wählt aus, hält Din­ge für rich­tig oder erlaubt etwas nicht, er „teilt aus, wie er will“.[2]

4 Die Dreieinheit/Dreieinigkeit

Wenn der Bei­stand gekom­men ist, den ich euch von dem Vater sen­den wer­de, der Geist der Wahr­heit, der von dem Vater aus­geht, so wird der von mir zeu­gen. (Johan­nes 15,26)

Jesus wird den Bei­stand vom Vater sen­den – hier sind alle drei gött­li­chen Per­so­nen erwähnt. In Johan­nes 14,26 war es der Vater, der den Geist sen­den wird, hier kön­nen wir sehen, dass Jesus die­sel­be Auto­ri­tät hat.

Wenn aber jener, der Geist der Wahr­heit, gekom­men ist, wird er euch in die gan­ze Wahr­heit lei­ten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, son­dern was er hören wird, wird er reden, und das Kom­men­de wird er euch ver­kün­di­gen. Er wird mich ver­herr­li­chen, denn von dem Mei­nen wird er neh­men und euch ver­kün­di­gen. Alles, was der Vater hat, ist mein; dar­um sag­te ich, dass er von dem Mei­nen nimmt und euch ver­kün­di­gen wird. (Johan­nes 16,13–15)

Die­ses Zitat ist ein wei­te­rer Aus­druck der Ein­heit in Gott und auch des Wir­kens und der Auf­ein­an­der­be­zo­gen­heit der gött­li­chen Per­so­nen, was auf der Grund­la­ge der Offen­ba­rung des EINEN GOTTES die Ver­schie­den­heit der drei PERSONEN IN GOTT begründet.

Ähn­lich wie in Johan­nes 15,26 wer­den die drei Per­so­nen auch oft an ande­ren Stel­len zusam­men erwähnt. Die­se soge­nann­ten Tri­ni­täts­for­meln fin­det man in allen Evan­ge­li­en, in der Apos­tel­ge­schich­te, Offen­ba­rung und in den Brie­fen von fast allen Autoren. Auf die­se Wei­se lehrt das Neue Tes­ta­ment auch ohne spe­zi­el­le theo­lo­gi­sche Begrif­fe deut­lich das drei­ei­ne Wesen Got­tes.[3]

5 Der Her­vor­gang der Per­so­nen in der Trinität

Wann spre­chen wir von der ewi­gen Her­vor­gangs­wei­se des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes? Ist dies nur eine Aus­drucks­wei­se oder beschrei­ben die­se Wor­te tat­säch­lich das inne­re Wesen Got­tes? Wir müs­sen uns ein­ge­ste­hen, dass unse­re mensch­li­che Spra­che nicht voll­kom­men ist. Unser Ver­ständ­nis von Wör­tern ist das Ergeb­nis von Erfah­rung und Got­tes ewi­ges Wesen ist weit über aller mensch­li­chen Erfah­rung. Des­halb ist jede mensch­li­che Spra­che ein sehr unzu­läng­li­ches Instru­ment, um Gott zu beschrei­ben. Aber wir haben kein ande­res Mit­tel. Und Gott selbst gebrauch­te die mensch­li­che Spra­che, um sich uns zu offen­ba­ren, wohl wis­send, dass sei­ne Wor­te miss­ver­stan­den wer­den und sogar ver­dreht werden.

Jesus kam in die Welt, um den Vater zu offen­ba­ren. Des­halb kön­nen sei­ne Wor­te nicht nur Aus­drucks­wei­sen gemäß dem jüdi­schen Ver­ständ­nis sein. Offen­ba­rung bedeu­tet, dass Jesus uns Infor­ma­tio­nen über Got­tes Wesen gebracht hat. Jesus sprach über eine Bezie­hung wie zwi­schen Vater und Sohn. Dies kön­nen wir als Bild ver­ste­hen. Die­ses Bild beinhal­tet, dass der Vater den Sohn gezeugt hat. Anders­her­um ist es nicht mög­lich. Johan­nes nennt die zwei­te gött­li­che Per­son „Logos“, was „Wort“ bedeu­tet. Dies setzt vor­aus, dass jemand die­ses Wort spricht. Der Logos hat sei­nen Her­vor­gang im Vater.

Zwi­schen den drei Per­so­nen in Gott kann es kei­ne Unter­schie­de geben bezüg­lich ihrer gött­li­chen Eigen­schaf­ten (All­macht, All­ge­gen­wart, All­wis­sen­heit). Und es kann kei­ne grö­ße­re oder klei­ne­re Per­son in Gott geben. Wenn wir die Unter­schie­de in den Bezie­hun­gen ver­nach­läs­si­gen, bleibt kein Unter­schied bestehen. In die­sem Sin­ne wäre es nicht gut, von drei gött­li­chen Per­so­nen zu spre­chen, weil dies zu einer Vor­form des Moda­lis­mus führt. Die drei gött­li­chen Per­so­nen wür­den kei­ne Rea­li­tät in Gott sein, son­dern nur unter­schied­li­che For­men der Offenbarung.

Wei­ter­hin ist es nicht mög­lich zu sagen, dass eini­ge Aus­sa­gen in der Bibel bezüg­lich der Tri­ni­tät ein Aus­druck des jüdi­schen Den­kens sind. Johan­nes nennt Jesus den „ein­ge­bo­re­nen Gott“ (grie­chisch: mono­ge­nes the­os). Die­ser Aus­druck passt weder zum jüdi­schen noch zum grie­chi­schen Den­ken und ist in sich selbst unlo­gisch. Ent­we­der „ein­ge­bo­ren (gezeugt)“ oder „Gott selbst“. Des­halb haben eini­ge Abschrei­ber der Manu­skrip­te gedacht, dass man die­sen Aus­druck kor­ri­gie­ren muss (von „ein­ge­bo­re­ner Gott“ zu „ein­ge­bo­re­ner Sohn“). Damit haben sie lie­ber die Bibel als ihr Den­ken kor­ri­giert. Der Aus­druck „ein­ge­bo­re­ner Gott“ ist nur dann sinn­voll, wenn wir ihn auf den ewi­gen Her­vor­gang des Logos in der Drei­ein­heit bezie­hen. Der ewi­ge Her­vor­gang des Soh­nes ist ein ewi­ger Pro­zess außer­halb von Zeit und Raum. Ähn­lich wie die Son­ne stän­dig strahlt, ist das Her­vor­ge­hen des Soh­nes aus dem Vater ein Vor­gang ohne Anfang und Ende. Der Vater ist der ewi­ge Ursprung des Soh­nes. Bei­de haben Teil am einen und unteil­ba­ren Gott. Der Vor­rang des Vaters kann kein Ursprung in der Zeit sein, es kann auch kei­ner der Wich­tig­keit oder Kraft sein. Es ist nur ein Vor­rang im Ursprung.

Das wesent­li­che Merk­mal der Drei­ei­nig­keit ist, dass der ein­zi­ge Unter­schied in ihren Bezie­hun­gen zuein­an­der besteht, in allem ande­ren sind sie gleich. Das bedeu­tet, wenn wir sagen, dass der Vater uns liebt, dass dies auch die Lie­be des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes mit ein­schließt. Und wenn wir sagen, dass der Sohn in der Gemein­schaft derer, die ihn lie­ben, gegen­wär­tig ist, schließt dies mit ein, dass der Vater und der Hei­li­ge Geist gegen­wär­tig sind. Eben­so, wenn der Hei­li­ge Geist uns mit Kraft erfüllt, wis­sen wir, dass er zusam­men mit dem Vater und dem Sohn wirkt. Dass eine gemein­sa­me Hand­lung der drei gött­li­chen Per­so­nen einer Per­son zuge­schrie­ben wird, reflek­tiert die Rol­le der betref­fen­den Per­son in der Dreieinheit.

Ins­ge­samt kön­nen wir sehen, dass das Neue Tes­ta­ment die Ein­heit und das gleich­zei­ti­ge Gegen­über Jesu zu sei­nem Vater offen­bart. Der Aus­druck „ein­zig­ge­zeugt“ (grie­chisch: mono­ge­nes) zeigt, dass der Sohn sein Dasein vom Vater emp­fan­gen hat, wobei kei­ne Aus­sa­ge über einen Zeit­punkt gemacht wird, son­dern über die Bezie­hung. Der Vater ist Ursprung des Soh­nes, der Sohn geht ewig aus dem Vater her­vor, ist daher wesens­gleich und gleich ewig. Der Hei­li­ge Geist ist vom Vater und vom Sohn in die Welt gesandt. Er hat sein Dasein in dem­sel­ben Ursprung, ist gleich ewig und ist in der­sel­ben Wei­se am inner­gött­li­chen Geben, Emp­fan­gen und Eins­sein beteiligt.

In 1. Timo­theus 6,15b-16 heißt es über Gott:

[…] der König der Köni­ge und Herr der Her­ren, der allein Unsterb­lich­keit hat und ein unzu­gäng­li­ches Licht bewohnt, den kei­ner der Men­schen gese­hen hat, auch nicht sehen kann. Dem sei Ehre und ewi­ge Macht! Amen

Die­se Stel­le spricht nicht nur über Got­tes Hei­lig­keit, son­dern auch über sei­ne Unbe­greif­lich­keit. Dass wir als Got­tes Geschöp­fe sein ewi­ges Wesen mit unse­rem Ver­stand nicht fas­sen kön­nen, kann kein Argu­ment gegen die Drei­ei­nig­keit sein. Got­tes Exis­tenz hat eine ande­re Dimen­si­on, als wir sie ken­nen. Er offen­bart sich uns in einem Geheim­nis, das mehr schenkt, als wir fra­gen und erwar­ten kön­nen. Daher sind wir dank­bar, dass Gott uns so viel von sich offen­bart hat. Selbst wenn wir sein Wesen in vol­ler Tie­fe jetzt noch nicht begrei­fen, sind uns doch die Lie­be und die Ein­heit, die ihm wesen­haft zu eigen sind, als Grund­la­ge für unser Leben und Han­deln hier und jetzt deut­lich vor Augen gestellt. Gott will, dass wir ihn ken­nen, damit eine wirk­li­che, leben­di­ge Bezie­hung zwi­schen ihm und sei­nen Kin­dern ent­ste­hen kann. Der Weg dahin steht allen Men­schen offen.


Fußnoten

  1. Uns ist bewusst, dass es neben der von uns gewähl­ten Über­set­zung auch eine ande­re Über­set­zungs­mög­lich­keit gibt: […] aus denen dem Fleisch nach der Chris­tus ist. Gott, der über allem ist, sei geprie­sen in Ewig­keit. Amen. Bruce M. Metz­ger erwähnt in „A Tex­tu­al Com­men­ta­ry on the Greek New Tes­ta­ment“, 2. Auf­la­ge 1994, S. 460–461, fünf Grün­de, die er als „Min­der­heits­mei­nung“ des Her­aus­ge­ber­ko­mi­tees des „United Bible Socie­ties‘ Greek New Tes­ta­ment“ bezeich­net. Wir ver­su­chen die­se Grün­de in einer auch für Nicht­theo­lo­gen und der grie­chi­schen Spra­che unkun­di­gen Men­schen ver­ständ­li­chen Spra­che wie­der­zu­ge­ben. Die Min­der­heit bezieht den Lob­preis auf Chris­tus, der als Gott über allem steht. (1) Die Erklä­rung, die die­se Stel­le auf Chris­tus bezieht, ent­spricht der Struk­tur des Sat­zes, wäh­rend die Inter­pre­ta­ti­on, die den Schluß­teil von Vers 5 als Lob­preis auf Gott, den Vater bezieht, unge­schickt und unna­tür­lich ist. Die Neben­ein­an­der­stel­lung von „Chris­tus nach dem Fleisch“ mit „der ist (wört­lich: sei­end) […]“ scheint einen Wech­sel des Sub­jekts (von „Chris­tus“ zu „Gott“) unwahr­schein­lich zu machen. (2) Wenn der Teil­satz „der sei­end über allem Gott geprie­sen […]“ (so wört­lich im Grie­chi­schen) ein mit dem Vor­der­satz unver­bun­de­ner Lob­preis (Fach­leu­te nen­nen das „asyn­de­ti­sche Doxolo­gie“) an Gott den Vater ist, dann ist das Wort “sei­end” über­flüs­sig. Im Grie­chi­schen wür­de man das am ein­fachs­ten so aus­drü­cken: „der über allem Gott“ (ho epi pan­ton the­os). Das Par­ti­zip „sei­end“ weist dar­auf hin, dass der Teil­satz die Funk­ti­on eines Rela­tiv­sat­zes hat, und so Chris­tus als Gott über allem sei­end beschreibt. (Die­ses Argu­ment ist ohne Bibel­grie­chisch­kennt­nis­se nicht so leicht nach­voll­zieh­bar.) (3) Bei Pau­lus sind Lob­prei­sun­gen Got­tes (Doxolo­gien) nie­mals unver­bun­den, son­dern immer mit vor­her­ge­hen­den Wör­tern ver­knüpft: Römer 1,25; 2. Korin­ther 11,31; Gala­ter 1,5; 2. Timo­theus 4,18; Römer 11,36; Ephe­ser 3,21; Phil­ip­per 4,20; 1. Timo­theus 1,17. (4) Nicht nur in der Bibel, son­dern auch in semi­ti­schen Inschrif­ten außer­halb der Bibel sind Doxolo­gien, die nicht mit einem Vor­der­satz ver­bun­den sind, anders auf­ge­baut. Das Verb oder ein von einem Verb abge­lei­te­tes Adjek­tiv ste­hen immer vor dem Namen Got­tes, fol­gen die­sem aber nie, wie es in Römer 9,5 der Fall ist. (Z. B. Lukas 1,68: Geprie­sen sei der Herr, der Gott Isra­els […]. Hier beginnt der Lob­preis mit dem Wort „geprie­sen“.) (5) Im Licht des Zusam­men­hangs, in dem Pau­lus über sei­nen Schmerz über Isra­els Unglau­ben spricht, scheint es kei­ne psy­cho­lo­gi­sche Erklä­rung dafür zu geben, an die­ser Stel­le einen Lob­preis Got­tes ein­zu­fü­gen. Der ein­zi­ge Grund, den die Mehr­heit des Komi­tees dafür vor­ge­bracht hat, dass es sich hier um einen Lob­preis auf Gott, den Vater, hand­le, lau­tet: Nir­gend­wo sonst in sei­nen Brie­fen nennt Pau­lus Chris­tus „Gott“. Auch wenn nicht alle von der Min­der­heit genann­ten Grün­de die­sel­be Stär­ke haben, so sind die­se Grün­de über­zeu­gen­der als der ein­zi­ge von der Mehr­heit genann­te Grund. Zusätz­lich sei noch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass auch die Kir­chen­vä­ter Römer 9,5 fast ein­stim­mig auf Chris­tus bezo­gen haben.
  2. 1. Timo­theus 4,1; Hebrä­er 3,7; Offen­ba­rung 2,7 ff.; Ephe­ser 3,5; Apos­tel­ge­schich­te 13,2–4; Römer 8,14; 15,16; Apos­tel­ge­schich­te 15,28; 16,6–7; 1. Korin­ther 12,11 und ca. 50 ande­re Stel­len im Neu­en Tes­ta­ment, die das Wir­ken des Hei­li­gen Geis­tes als per­son­haft beschreiben.
  3. z. B. Mar­kus 1,9–11; Mat­thä­us 28,19; Apos­tel­ge­schich­te 2,33; 1. Korin­ther 12,4–6; 2. Korin­ther 13,13; Gala­ter 4,4–6; 1. Petrus 1,2; 1. Johan­nes 5,7–9; Judas 20–21 und vie­le wei­te­re Stellen.


Uns ist bewusst, dass es neben der von uns gewähl­ten Über­set­zung auch eine ande­re Über­set­zungs­mög­lich­keit gibt: […] aus denen dem Fleisch nach der Chris­tus ist. Gott, der über allem ist, sei geprie­sen in Ewig­keit. Amen. Bruce M. Metz­ger erwähnt in „A Tex­tu­al Com­men­ta­ry on the Greek New Tes­ta­ment“, 2. Auf­la­ge 1994, S. 460–461, fünf Grün­de, die er als „Min­der­heits­mei­nung“ des Her­aus­ge­ber­ko­mi­tees des „United Bible Socie­ties‘ Greek New Tes­ta­ment“ bezeich­net. Wir ver­su­chen die­se Grün­de in einer auch für Nicht­theo­lo­gen und der grie­chi­schen Spra­che unkun­di­gen Men­schen ver­ständ­li­chen Spra­che wie­der­zu­ge­ben. Die Min­der­heit bezieht den Lob­preis auf Chris­tus, der als Gott über allem steht. (1) Die Erklä­rung, die die­se Stel­le auf Chris­tus bezieht, ent­spricht der Struk­tur des Sat­zes, wäh­rend die Inter­pre­ta­ti­on, die den Schluß­teil von Vers 5 als Lob­preis auf Gott, den Vater bezieht, unge­schickt und unna­tür­lich ist. Die Neben­ein­an­der­stel­lung von „Chris­tus nach dem Fleisch“ mit „der ist (wört­lich: sei­end) […]“ scheint einen Wech­sel des Sub­jekts (von „Chris­tus“ zu „Gott“) unwahr­schein­lich zu machen. (2) Wenn der Teil­satz „der sei­end über allem Gott geprie­sen […]“ (so wört­lich im Grie­chi­schen) ein mit dem Vor­der­satz unver­bun­de­ner Lob­preis (Fach­leu­te nen­nen das „asyn­de­ti­sche Doxolo­gie“) an Gott den Vater ist, dann ist das Wort “sei­end” über­flüs­sig. Im Grie­chi­schen wür­de man das am ein­fachs­ten so aus­drü­cken: „der über allem Gott“ (ho epi pan­ton the­os). Das Par­ti­zip „sei­end“ weist dar­auf hin, dass der Teil­satz die Funk­ti­on eines Rela­tiv­sat­zes hat, und so Chris­tus als Gott über allem sei­end beschreibt. (Die­ses Argu­ment ist ohne Bibel­grie­chisch­kennt­nis­se nicht so leicht nach­voll­zieh­bar.) (3) Bei Pau­lus sind Lob­prei­sun­gen Got­tes (Doxolo­gien) nie­mals unver­bun­den, son­dern immer mit vor­her­ge­hen­den Wör­tern ver­knüpft: Römer 1,25; 2. Korin­ther 11,31; Gala­ter 1,5; 2. Timo­theus 4,18; Römer 11,36; Ephe­ser 3,21; Phil­ip­per 4,20; 1. Timo­theus 1,17. (4) Nicht nur in der Bibel, son­dern auch in semi­ti­schen Inschrif­ten außer­halb der Bibel sind Doxolo­gien, die nicht mit einem Vor­der­satz ver­bun­den sind, anders auf­ge­baut. Das Verb oder ein von einem Verb abge­lei­te­tes Adjek­tiv ste­hen immer vor dem Namen Got­tes, fol­gen die­sem aber nie, wie es in Römer 9,5 der Fall ist. (Z. B. Lukas 1,68: Geprie­sen sei der Herr, der Gott Isra­els […]. Hier beginnt der Lob­preis mit dem Wort „geprie­sen“.) (5) Im Licht des Zusam­men­hangs, in dem Pau­lus über sei­nen Schmerz über Isra­els Unglau­ben spricht, scheint es kei­ne psy­cho­lo­gi­sche Erklä­rung dafür zu geben, an die­ser Stel­le einen Lob­preis Got­tes ein­zu­fü­gen. Der ein­zi­ge Grund, den die Mehr­heit des Komi­tees dafür vor­ge­bracht hat, dass es sich hier um einen Lob­preis auf Gott, den Vater, hand­le, lau­tet: Nir­gend­wo sonst in sei­nen Brie­fen nennt Pau­lus Chris­tus „Gott“. Auch wenn nicht alle von der Min­der­heit genann­ten Grün­de die­sel­be Stär­ke haben, so sind die­se Grün­de über­zeu­gen­der als der ein­zi­ge von der Mehr­heit genann­te Grund. Zusätz­lich sei noch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass auch die Kir­chen­vä­ter Römer 9,5 fast ein­stim­mig auf Chris­tus bezo­gen haben. 

1. Timo­theus 4,1; Hebrä­er 3,7; Offen­ba­rung 2,7 ff.; Ephe­ser 3,5; Apos­tel­ge­schich­te 13,2–4; Römer 8,14; 15,16; Apos­tel­ge­schich­te 15,28; 16,6–7; 1. Korin­ther 12,11 und ca. 50 ande­re Stel­len im Neu­en Tes­ta­ment, die das Wir­ken des Hei­li­gen Geis­tes als per­son­haft beschreiben.

z. B. Mar­kus 1,9–11; Mat­thä­us 28,19; Apos­tel­ge­schich­te 2,33; 1. Korin­ther 12,4–6; 2. Korin­ther 13,13; Gala­ter 4,4–6; 1. Petrus 1,2; 1. Johan­nes 5,7–9; Judas 20–21 und vie­le wei­te­re Stellen.