Sollen Christinnen eine Kopfbedeckung tragen?
Die Frage, ob Christinnen in der Gemeindeversammlung eine Kopfbedeckung tragen sollen, wird sehr unterschiedlich beantwortet. Besonders sich als bibeltreu sehende Evangelikale betrachten diese Anweisung von Paulus im 1. Korintherbrief als ein wichtiges Gebot für christliche Frauen. Wie hat das der Apostel gemeint?

1 Die Anweisung von Paulus im Kontext
Es geht um folgenden Text:
Ich lobe euch aber, daß ihr in allem meiner gedenkt und die Überlieferungen, wie ich sie euch überliefert habe, festhaltet. Ich will aber, daß ihr wißt, daß der Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, das Haupt der Frau aber der Mann, des Christus Haupt aber Gott. Jeder Mann, der betet oder weissagt und [dabei etwas] auf dem Haupt hat, entehrt sein Haupt. Jede Frau aber, die mit unverhülltem Haupt betet oder weissagt, entehrt ihr Haupt; denn sie ist ein und dasselbe wie die Geschorene. Denn wenn eine Frau sich nicht verhüllt, so werde [ihr] auch [das Haar] abgeschnitten; wenn es aber für eine Frau schändlich ist, daß [ihr das Haar] abgeschnitten oder geschoren wird, so soll sie sich verhüllen. Denn der Mann freilich soll sich das Haupt nicht verhüllen, da er Gottes Bild und Abglanz ist; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; denn der Mann wurde auch nicht um der Frau willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen. Darum soll die Frau eine Macht auf dem Haupt haben, um der Engel willen. Dennoch ist im Herrn weder die Frau ohne den Mann, noch der Mann ohne die Frau. Denn wie die Frau vom Mann ist, so ist auch der Mann durch die Frau; alles aber von Gott. Urteilt bei euch selbst: Ist es anständig, daß eine Frau unverhüllt zu Gott betet? Oder lehrt euch nicht selbst die Natur, daß, wenn ein Mann langes Haar hat, es eine Schande für ihn ist, wenn aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist? Denn das Haar ist ihr anstatt eines Schleiers gegeben. Wenn es aber jemand für gut hält, streitsüchtig zu sein, [so soll er wissen:] wir haben eine derartige Gewohnheit nicht, auch nicht die Gemeinden Gottes. (1. Korinther 11,2–16)
2 Sollen alle Frauen oder nur Ehefrauen eine Kopfbedeckung tragen?
Eine entscheidende Frage zum Verständnis dieser Stelle ist, ob Paulus verheiratete Frauen meint oder ganz allgemein jede Frau. Mann und Frau auf jeden Mann und jede Frau zu beziehen, also nicht auf Eheleute, wirft Fragen auf, die nicht sinnvoll beantwortet werden können. Wer sollte konkret das Haupt einer unverheirateten Frau sein? Ihr Bruder, ihr Vater, ihr ungläubiger Vater oder Bruder, irgendein anderer Mann? Wem soll sie sich konkret unterordnen? Dass sich Frauen allgemein Männern unterordnen sollten, ist auch keine zufriedenstellende Lösung. Christen wissen, dass sie sich einander unterordnen sollen (Epheser 5,21). In demselben Brief in 1. Korinther 7,34 lobt Paulus unverheiratete Frauen, die sich ganz auf Gott und nicht auf einen Ehemann ausrichten. 1. Korinther 11,3 auf alle Frauen zu beziehen, wäre sehr unkonkret; ganz anders aber ist es, wenn es um die Ehe geht. Die Ehefrau soll sich dem Ehemann unterordnen. Das ist konkret und verständlich, ihr Haupt ist ihr Mann und nicht irgendein Mann. Der Gedanke, dass die Aussage „Gott ist das Haupt Christi“ ganz allgemein gültig ist, ändert hier nichts. Paulus will hier sagen, dass sich die Frauen ein Vorbild in Christus nehmen können, der selbst ein Haupt hat, nämlich Gott. Jeder muss sich unterordnen, die Ehefrau ihrem Ehemann, dieser dem Christus und dieser Gott. Das soll den Frauen, die sich zu frei sahen und Schwierigkeiten mit der Unterordnung hatten, eine Ermunterung sein. Ihre Männer müssen sich auch in der Unterordnung üben, nämlich Christus gegenüber.
Die griechischen Wörter für Frau (gyne, gynaikos ist ein grammatikalischer Fall von gyne) und für Mann (aner, andros ist ein grammatikalischer Fall von aner) bedeuten nicht nur allgemein Frau bzw. Mann, sondern auch Ehefrau bzw. Ehemann. Das sagen Wörterbücher[1] und kann auch sehr einfach an anderen Stellen gesehen werden. In z. B. Epheser 5,21–33 stehen diese Wörter eindeutig für Eheleute. Interessant ist bei Epheser 5 im Unterschied zu 1. Korinther 11, dass der Mann als Haupt der Frau bezeichnet wird, aber Christus nicht als Haupt des Mannes, sondern als Haupt der Gemeinde. Damit ist Christus auch das Haupt der Frau, und nicht nur des Mannes. Wenn Paulus im Epheserbrief vom „Haupt der Frau“ spricht, meint er damit das „Haupt der Ehefrauen“ und nicht aller Frauen. Christus ist das Haupt aller Christen, der Ehemänner, der Ehefrauen, aller Unverheirateten sowie Witwen und Witwer. Zur Veranschaulichung kann folgende Grafik dienen:
| 1. Korinther 11 | Epheser 5 |
|---|---|
| Christus | Christus |
| Haupt | Haupt |
| Mann | Gemeinde alle Männer und Frauen |
| Haupt | – |
| Frau | – |
Dasselbe meint er im Korintherbrief. Wenn Paulus in Vers 4 im Korintherbrief „jeder Mann“ und in Vers 5 „jede Frau“ sagt, meint er nicht alle Christen unabhängig davon, ob sie verheiratet sind oder nicht. Er gibt als Apostel eine Anweisung, wie sich „alle“ Ehefrauen bei einer Versammlung verhalten sollen. Ehefrauen sollen eine Kopfbedeckung tragen. Er möchte ausdrücken, dass es hier keine Ausnahmen geben soll.
3 Warum spielt Paulus auf die Schöpfungsordnung an?
Jemand könnte sagen, dass Paulus in den Versen 8 und 9 die Unterordnung der Frau mit der Schöpfungsordnung aus 1. Mose begründet und damit ganz grundsätzlich über Mann und Frau spricht. Dieser Einwand erscheint im ersten Moment schlüssig. Es stimmt, dass die Schöpfungsordnung nicht nur in der Ehe ihre Gültigkeit hat, sie drückt durchaus umfassender aus, dass die Frau dem Mann mit ihren etwas anderen Gaben von Gott eine Hilfe sein soll. Beide, Mann und Frau, sollen ihre Fähigkeiten in Ergänzung zueinander im Willen Gottes einsetzen. Das macht auch Sinn für Unverheiratete.
Trotzdem ist es eine Tatsache, dass Adam und Eva das erste Paar waren. Alle Menschen gehen auf sie zurück; vielleicht könnte man sagen, dass sie das Urbild der Ehe sind. Paulus spielt also in den Versen 8 und 9 auf die Schöpfungsordnung (im Sinne von Unterordnung) im Hinblick auf die Ehe an.
4 Was bedeutet „um der Engel willen“?
In Vers 10 spricht Paulus über Engel; auch hier geht es um den Gedanken der Schöpfungsordnung. Nach Strack und Billerbeck, die das Neue Testament mithilfe des Talmud und Midrasch erklären, gab es die jüdische Vorstellung, dass Engel „als die von Gott verordneten Hüter aller natürlichen Ordnungen in der Welt ein selbstverständliches Interesse daran haben, dass die Frau die uralte Schöpfungsordnung ihrer Unterstellung unter den Mann anerkennt“.[2]
Die Interpretation, dass Engel Christen zuschauen, um ihren Gehorsam zu sehen, ist nicht sinnvoll. Engel benötigen keine Zeichen, um sich am Gehorsam der Gläubigen zu erfreuen. Auch wenn sie nicht so wie Gott als Herzenskenner in die Gedanken der Menschen hineinschauen können, heißt das noch nicht, dass sie äußere Symbole benötigen, um zu erkennen, ob Christen gehorsam sind. Wenn wir als Menschen durch das Verhalten und Reden von jemand auf dessen Gesinnung schließen können, um wie viel mehr Engel. Dass Engel Äußeres nötig hätten, um etwas vom Herzen des Gläubigen zu erkennen, ist eine vereinfachende Sicht geistlicher Wirklichkeiten. Außerdem schreibt Paulus hier nicht, dass Engel Christen zuschauen würden. Er schreibt nur „um der Engel willen“.
5 Wann trugen Frauen in neutestamentlicher Zeit eine Kopfbedeckung?
Strack und Billerbeck erläutern zu 1. Kor. 11, dass verheiratete jüdische Frauen in der Öffentlichkeit immer (!) eine Kopfbedeckung bzw. eine spezielle Haartracht trugen, die die Macht über ihnen, nämlich ihre Männer, ausdrückte.[3] In Korinth gab es sicherlich auch Juden.
Über die griechische und römische Haartracht des 1. Jahrhunderts ist die Faktenlage nicht so eindeutig. Jedoch scheint es auch in der heidnischen Welt üblich gewesen zu sein, dass Ehefrauen ihr Verheiratetsein an ihrem Äußeren erkenntlich gemacht haben. Es gibt viele Darstellungen von Frauen mit Kopfbedeckungen, aber es ist nicht klar, ob das ausschließlich Ehefrauen so gehandhabt haben. Darstellungen alleine können das nicht beweisen.

Jedenfalls war die Sitte einer Kopfbedeckung für Ehefrauen bekannt, schon allein durch die Juden. Eine Reihe von Altertumswissenschaftlern sind der Ansicht, dass es im antiken Griechenland für eine verheiratete Frau üblich war, in der Öffentlichkeit eine Kopfbedeckung zu tragen.[4] Zeigte sie sich ohne Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit, galt dies als Ausdruck ehelicher Untreue.
6 Was bedeutet es, dass für Männer langes Haar eine Schande ist?
In Vers 14 sagt Paulus, dass langes Haar für Männer eine Schande ist. Hat er das ganz grundsätzlich für immer gemeint? Der Sohn Davids Absalom war in vielem gottlos, eigenartigerweise wird sein langes Haar aber nicht kritisiert.[5] Im Gegenteil, sogar gepriesen:
Von seiner Fußsohle bis zu seinem Scheitel war kein Makel an ihm. Und wenn er sein Haupt scheren ließ — es geschah nämlich am Ende jedes Jahres, daß er es scheren ließ, denn es war ihm zu schwer, so ließ er es scheren —, dann wog sein Haupthaar zweihundert Schekel nach königlichem Gewicht. (2. Samuel 14,25–26)
Noch mehr gilt das für Simson, der als Nasiräer seine Haare nie scheren ließ (Richter 13,5). Langes Haar scheint bei Nasiräern eine Symbolik für Hingabe zu sein (4. Mose 6,5).
Der Schwarze Obelisk vom assyrischen König Salmanassar III aus dem Jahr 825 v. Chr. zeigt Jehu, den König Israels, mit seiner Delegation, wie sie dem assyrischen König Tribut entrichten. Das lange Haar der Israeliten ist in diesem Reliefstein gut erkennbar.

Ein anderes Beispiel für Israeliten mit eher langem Haar ist eine Steinwandtafel im Palast des assyrischen Königs Tiglat‐Pileser III in Nimrud, die israelitische Gefangene der ostjordanischen Stadt Aschtarot zeigt, wie sie von einem assyrischen Soldaten abgeführt werden. Tiglat‐Pileser hatte den Norden und Osten Israels 734–732 v. Chr. erobert.

Wie passen diese Beispiele dazu, dass für einen Mann langes Haar eine Schande sein soll? Das Problem besteht aber nur, wenn man es als ein zeitlos geltendes Prinzip sieht. Der Begriff „Natur“ ist in Vers 14 nicht im üblichen Sinn zu verstehen, sondern drückt aus, dass etwas über einen langen Zeitraum zu einer gewohnten bzw. üblichen Sache, also natürlichen Sache wird. Man ist daran gewöhnt, das Männer eher kurzes und Frauen eher langes Haar haben. Langes Haar ist aber relativ. Nach Strack und Billerbeck trugen Männer zur Zeit Jesu halblanges Haar,[6] das wir heutzutage als lang empfinden würden. Sitten können sich über die Zeit ändern. Global gesehen ist es heute das Üblichste bzw. das Unauffälligste, wenn Männer kurze Haare tragen. Mit dem Ausdruck „Gewohnheit“, was einer Sitte oder einem Brauch bedeutungsmäßig nahesteht, beendet Paulus den Abschnitt über die Kopfbedeckung.
7 Geht es um ein Kopftuch oder um eine Kopfbedeckung bzw. Haartracht?
Paulus verwendet verschiedene Ausdrücke wie „etwas auf dem Haupt haben“ und „verhülltes Haupt“, was üblicherweise mit einem Kopftuch in Verbindung gebracht wird. Andererseits spricht Paulus davon, dass Frauen langes Haar als Schleier gegeben ist. Das könnte darauf hinweisen, dass sich Ehefrauen ihr langes Haar auf ihren Kopf gebunden haben.
Strack und Billerbeck erklären, dass die Kopfbedeckung von jüdischen Ehefrauen eigentlich eine Haartracht war, wobei sich die Frauen ihr langes Haar mit Bändern, Schleifen und Tüchern auf ihrem Kopf zusammenbanden.[7] Dies ist eine verständliche Erklärung, aber ob man mit Sicherheit sagen kann, dass es in Korinth nicht um ein Kopftuch, sondern um eine Haartracht geht, bleibe dahingestellt.
8 Ist das Streiten oder das Tragen einer Kopfbedeckung eine Gewohnheit/Sitte?
Die Interpretation des Verses 16, dass manche Korinther vielleicht über diese Sache streiten werden und dies eine Gewohnheit sei, die Paulus und andere Gemeinden nicht haben, kann nicht richtig sein. Streitsucht ist Sünde und kann bei Christen nicht als eine Gewohnheit bezeichnet werden. Paulus würde die christliche Ethik auf ein Niveau bringen, das unvereinbar ist mit anderen Aussagen der Schrift (Titus 3,1–2, Jakobus 3,14–16 – die Elberfelder übersetzt mit Eigennutz, Jakobus 4,1 …). Paulus will hier mit diesem Schlusssatz zu diesem Abschnitt noch einmal zusammenfassend ausdrücken, dass er und die Gemeinden Gottes nicht die Gewohnheit haben, dass (Ehe-)Frauen keine Kopfbedeckung tragen. Der Satz würde also sinngemäß folgendermaßen lauten:
Wenn es aber jemand für gut hält, streitsüchtig zu sein, indem er darauf besteht, dass Frauen keine Kopfbedeckung tragen müssen (d. h. er mit uns darüber streiten will), so soll er wissen: Wir haben eine derartige Gewohnheit nicht, dass Ehefrauen in der Versammlung das Zeichen der Unterordnung unter den Ehemann ablegen und sich so über Gottes Ordnung hinwegsetzen.
Heutzutage haben wir in unserem Umfeld eine andere Gewohnheit/Sitte, die Zugehörigkeit in der Ehe zum Ausdruck zu bringen – den Ehering. Erscheint es uns nicht natürlich und selbstverständlich, dass Ehepaare am Ehering zu erkennen sind?
9 Was ist der Sinn von äußeren Zeichen?
Äußere Zeichen sind vor allem für die Gesellschaft wichtig. Wenn die Korinther Gäste hatten und diese Gäste sehen, dass die Frauen keine Kopfbedeckung tragen, wären sie vor den Kopf gestoßen: Ordnen sich Ehefrauen ihren Männern bei Christen nicht unter? Äußere Zeichen haben dort Sinn, wo sie verstanden werden. Wo Zeichen keinen bekannten Inhalt vermitteln, werden sie zu einer Formsache und die Einhaltung einer Zeichenhandlung zum Formalismus.
Des Weiteren kann die Frage gestellt werden, ob das Tragen einer Kopfbedeckung nicht den Formalismus fördert, wenn eine Frau zwar eine Kopfbedeckung in der Versammlung trägt, aber eine sündhafte Gesinnung hat – also äußerlich gehorsam zu sein scheint, aber innerlich ist sie ungehorsam. Soll ein äußeres Zeichen solch eine Bedeutung haben? Es wird häufig von einem ewigen christlichen Zeichen gesprochen, aber diesbezüglich ist zu sagen, dass Symbole im Christentum eine untergeordnete Rolle spielen. In anderen Religionen und auch im Namenschristentum stehen äußere Zeichen im Zentrum, der innere Gehorsam Gott gegenüber wird aber vernachlässigt bzw. das äußerlich Sichtbare versteckt heuchlerisch das Unsichtbare des Herzens.
10 Ist die Kopfbedeckung ein ewiges christliches Zeichen?
Um die Wichtigkeit des Tragens einer Kopfbedeckung zu untermauern, wird gelehrt, dass die Kopfbedeckung ein immerwährendes christliches Zeichen ist. Die Taufe und das Abendmahl gehen auf Worte Jesu zurück. Das ist in den Evangelien mehrfach bezeugt, wir haben auch viele Stellen im Neuen Testament, dass Christen diese Gebote Jesu befolgten. Der Sinn dieser Gebote und der mit ihnen verbundenen Zeichenhandlungen ist auch in sich sehr verständlich. Ganz anders hier bei der Kopfbedeckung. Es ist nicht verständlich, dass Frauen eine Kopfbedeckung nur beim Beten und Weissagen tragen sollen, sonst aber nicht. Also auch nicht in der Öffentlichkeit, wo es ja gerade wichtig wäre zu bezeugen, dass sich die Frau dem Mann unterordnet.
In diesem Zusammenhang wird häufig betont, dass es wichtig sei, der Schrift Folge zu leisten, auch wenn es für die heutige Gesellschaft unverständlich ist. Darin zeige sich die Bereitschaft, alles für Gott zu tun und seine Gebote zu befolgen. Aber worin besteht nun das Besondere, wenn christliche Frauen bei Versammlungen eine Kopfbedeckung tragen? Das tun alle Frauen bei solchen Zusammenkünften und damit ist es nicht sonderlich schwierig, dieses Gebot einzuhalten. In der Öffentlichkeit tragen sie keine Kopfbedeckung, wie Frauen in vielen westlichen Ländern das nicht tun.
Christliche Ehefrauen trugen eine Kopfbedeckung nicht nur bei den Gemeindezusammenkünften, sondern auch in der Öffentlichkeit (so wie es Jüdinnen taten). Dadurch drückten sie die Unterordnung ihren Männern gegenüber in der Gesellschaft aus. Die Kopfbedeckung nur in der Versammlung zu tragen, macht keinen Sinn. Die Glaubensgeschwister benötigen solche Zeichen nicht, da sie einander aufgrund enger Gemeinschaft sehr gut kennen. Christen sind Brüder und Schwestern, die einander geistlich unterstützen, einander ihre Sünden bekennen, besonders auch Gedanken und Gesinnungen. Sie sind damit nicht auf äußerliche Zeichen angewiesen.
11 Sollen Christinnen nur oder auch beim Weissagen/Gebet eine Kopfbedeckung tragen?
An dieser Stelle möchten wir noch auf die Frage eingehen, warum Paulus das bedeckte Haupt in einen Zusammenhang mit Gebet oder Weissagung bringt. Wie schon gesagt trugen christliche Ehefrauen in der Öffentlichkeit eine Art Kopfbedeckung, die sie als verheiratete Frauen kenntlich machte. Wenn sich manche in den Gemeindezusammenkünften zu frei verhielten und es nicht für nötig sahen, das Zeichen der Unterordnung unter ihren Ehemann in der Versammlung zu tragen, sah Paulus darin einen Mangel an Unterordnung unter Gottes Ordnung.
Diese falsche Haltung der mangelnden Unterordnung unter Gott war besonders unpassend und schädlich, wenn sich die betroffenen Schwestern an Gott wenden (Gebet) oder Worte von Gott zu anderen sprechen wollten (Weissagung). Falsche Haltungen hindern unsere Gebete und wir können nicht auf Gottes Führung bauen, wenn wir in der Gemeinde geistlich helfen wollen (was der Sinn der Weissagung ist). Es ging Paulus also nicht darum, dass Christinnen nur beim Weissagen und Gebet, sondern dass sie auch beim Weissagen und Gebet ihren Kopf bedecken.
Fußnoten
- Z. B. Bauer, W. (1963). Griechisch‐deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen Literatur (5. Aufl., S. 131, 334). Berlin: Verlag Alfred Töpelmann.
- Billerbeck, P. (1926). Die Briefe des Neuen Testaments und die Offenbarung Johannis. In H. L. Strack & P. Billerbeck (Hrsg.), Kommentar zum Neuen Testament. Aus Talmud und Midrasch (Bd. 3, 5. Aufl., S. 439). München: Beck.
- Billerbeck (1926), S. 427 und 435–436.
- Der amerikanische Altphilologe Preston T. Massey, der deutsche Prähistoriker Walther Bremer (1887–1926) und der Waliser Professor für antike Geschichte Lloyd Llewellyn‐Jones.
- Das Argument, Absalom sei kein gutes Beispiel bezüglich der Haartracht, weil er nicht gottesfürchtig war, ist hier nicht zielführend. Es geht nicht um eine ethische Frage, sondern um Gewohnheiten und Sitten.
- Billerbeck (1926), S. 440–441.
- Billerbeck (1926), S. 427–428.