Wur­de die Leh­re der Reinkar­na­ti­on aus der Bibel entfernt?

Die Bibel spricht an vie­len Stel­len von der ein­ma­li­gen Auf­er­ste­hung und dem Jüngs­ten Gericht. Gibt es Bewei­se für die Behaup­tung, dass die Leh­re von der Reinkar­na­ti­on aus der Bibel ent­fernt wurde?

1 Wur­de der Text der Bibel auf einem Kon­zil geändert?

Oft wird behaup­tet, dass die Leh­re der Reinkar­na­ti­on durch ein bestimm­tes Kon­zil aus der Bibel ent­fernt wur­de. Auch wenn vie­le gar nicht in der Lage sind, ein bestimm­tes Kon­zil zu benen­nen, wird doch am häu­figs­ten das zwei­te Kon­zil von Kon­stan­ti­no­pel (553 n. Chr.) oder das Kon­zil von Niz­äa (325 n. Chr.) genannt.

Zu der dama­li­gen Zeit gab es schon sehr vie­le Hand­schrif­ten der Tex­te des Neu­en Tes­ta­ments im gan­zen Römi­schen Reich (und dar­über hin­aus). Daher ist es nur schwer vor­stell­bar, wie es mög­lich gewe­sen sein soll­te, alle exis­tie­ren­den Manu­skrip­te ein­zu­sam­meln, um sie ent­spre­chend zu „kor­ri­gie­ren“.

Es gibt auch heu­te noch eine gro­ße Anzahl von Hand­schrif­ten aus der Zeit vor den Kon­zi­li­en, deren Text mit dem der heu­ti­gen Bibel über­ein­stimmt. (Hier eine klei­ne Aus­wahl der wich­tigs­ten die­ser Hand­schrif­ten.) Dazu kommt, dass das Neue Tes­ta­ment von Schrei­bern vor dem vier­ten Jahr­hun­dert reich­lich zitiert wur­de, sodass tau­sen­de Zita­te des Neu­en Tes­ta­ments aus der Zeit vor dem ers­ten Kon­zil existieren.

Der Ver­lauf der bei­den genann­ten Kon­zi­li­en ist durch His­to­ri­ker aus­rei­chend doku­men­tiert. Die Fra­ge der Reinkar­na­ti­on wur­de über­haupt nicht ange­spro­chen. Das zwei­te Kon­zil von Kon­stan­ti­no­pel (553 n. Chr.) ver­ur­teil­te zwar die von Orig­e­nes[1] ver­tre­te­ne Leh­re der Prä­exis­tenz der See­le vor der Emp­fäng­nis. Die Leh­re, dass die See­le immer wie­der neu inkar­niert, ist aber eine davon unter­schie­de­ne Leh­re, die beim Kon­zil nicht bespro­chen wurde.

2 Was sagen anti­ke Autoren und Kir­chen­vä­ter zur Reinkarnation?

Auch wenn vie­le den­ken, dass Orig­e­nes an die Reinkar­na­ti­on geglaubt hat, schreibt er selbst in sei­nem Kom­men­tar zum Matthäusevangelium:

„Es könn­te aber jemand sagen, dass Hero­des und eini­ge Leu­te aus dem Vol­ke der irri­gen Leh­re von der See­len­wan­de­rung anhin­gen, sodass sie mein­ten, der­je­ni­ge, der ein­mal Johan­nes war, sei (neu) gebo­ren wor­den und von den Toten als Jesus wie­der ins Leben gekom­men.“ (X,20)

„… Dabei scheint mir nicht die See­le Eli­as genannt zu wer­den; ich möch­te näm­lich nicht in die Lehr­mei­nung von der Wie­der­ein­kör­pe­rung ver­fal­len, wel­che der Kir­che Got­tes fremd ist und weder von den Apos­teln über­lie­fert ist, noch irgend­wo in den Schrif­ten erscheint.“ (XIII,1)

Meh­re­re Kir­chen­vä­ter und früh­christ­li­che Autoren bestä­ti­gen die­se Ansicht (z. B. Ire­nä­us: Gegen die Häre­si­en 2,33,1–2, Ter­tul­li­an: Apo­loge­ti­kum 48, Gre­gor von Nyssa: Abhand­lung über die Aus­stat­tung des Men­schen 28 etc.).

3 Die Leh­re der Bibel: Tod, Auf­er­ste­hung und Gericht

Wenn es so wäre, dass die Leh­re der Reinkar­na­ti­on aus der Bibel her­aus­ge­nom­men wur­de, dann hät­te es nicht genügt, nur eini­ge Tei­le aus der Bibel zu strei­chen. Das Neue Tes­ta­ment ist durch­drun­gen von der grund­sätz­li­chen Leh­re der Auf­er­ste­hung Jesu und unse­rer Auf­er­ste­hung. Das hät­te zur Fol­ge, dass alle Stel­len, die über die Auf­er­ste­hung (z. B. Johan­nes 5,28–29), das letz­te Gericht (z. B. 2. Korin­ther 5,10; Apos­tel­ge­schich­te 24,15), ewi­ges Leben oder ewi­ge Ver­damm­nis (z. B. Mat­thä­us 25,46) spre­chen, nach­träg­lich ein­ge­fügt wor­den wären. Die Leh­re über das letz­te Gericht wider­spricht klar dem Gedan­ken, dass wir wie­der­holt ver­kör­pert wer­den oder immer wie­der eine neue Chan­ce erhalten.

Beson­ders Hebrä­er 9,27 schließt die Leh­re der Reinkar­na­ti­on ganz klar aus:

Und wie es den Men­schen gesetzt ist, ein­mal [2]zu ster­ben, danach aber das Gericht, … (Hebrä­er 9,27, ELB)

Die ältes­te Hand­schrift, die die­se ein­deu­ti­ge Aus­sa­ge ent­hält, ist der Papy­rus 46, geschrie­ben im zwei­ten Jahr­hun­dert, lan­ge vor den Kon­zi­li­en von Niz­äa und Konstantinopel.

Seit der Zeit der Auf­klä­rung ist die Bibel nicht mehr nur für den „Kle­rus“ da. Die moder­ne kri­ti­sche Bibel­wis­sen­schaft (unter ande­rem Archäo­lo­gie, Text­kri­tik) hät­te über­haupt kein Inter­es­se dar­an, es zu ver­schwei­gen, wenn nur eine Spur der Leh­re der Reinkar­na­ti­on in alten Bibel­hand­schrif­ten zu fin­den wäre. (Es gäbe genü­gend For­scher, die sich über den Ruhm freu­en wür­den, den sie durch eine der­ar­ti­ge Sen­sa­ti­on erlan­gen könnten.)

4 Fin­det man in den Schrift­rol­len vom Toten Meer etwas über Reinkarnation?

Als die Hand­schrif­ten vom Toten Meer (Qum­ran) ent­deckt wur­den, hoff­ten vie­le Leu­te, dass die Leh­re der Reinkar­na­ti­on nun end­lich bewie­sen wer­den könn­te. Die dort gefun­de­nen Hand­schrif­ten wur­den in der Zwi­schen­zeit schon alle ver­öf­fent­licht und sind für jeden zugäng­lich. Sie ent­hal­ten Schrif­ten einer jüdi­schen Gemein­schaft, deren Jen­seits­vor­stel­lun­gen mit der Leh­re des Alten Tes­ta­ments über­ein­stim­men, wo das Leben auf der Erde klar mit dem Tod been­det wird (z. B. 2. Samu­el 12,22–23; 1. Köni­ge 2,1–2; 1. Mose 25,8) und die Gerech­ten auf­er­ste­hen und zu Gott kom­men wer­den (z. B. Dani­el 12,2–3).

5 War­um es sich lohnt, selbst in der Bibel zu lesen

Wir möch­ten jeden, der die Wahr­heit sucht, dazu ermun­tern, die Bibel mit einem offe­nen Her­zen zu lesen, auch dann, wenn er Zwei­fel an ihrer Echt­heit hat. Wir glau­ben und haben es auch per­sön­lich erfah­ren, dass die Wor­te Jesu sehr tief berüh­ren und unser Leben und unser Den­ken erneu­ern, wenn wir uns für sie öff­nen und bereit sind, sie zu uns spre­chen zu lassen.


Fußnoten

  1. Orig­e­nes war ein in grie­chi­scher Spra­che schrei­ben­der christlich‐theologischer Autor, Bibel­aus­le­ger, Glau­bens­ver­tei­di­ger, Leh­rer und aske­ti­scher Autor. (Wiki­pe­dia: Orig­e­nes[21.09.2026])
  2. Im Grie­chi­schen steht hier ein Zahlwort.


Orig­e­nes war ein in grie­chi­scher Spra­che schrei­ben­der christlich‐theologischer Autor, Bibel­aus­le­ger, Glau­bens­ver­tei­di­ger, Leh­rer und aske­ti­scher Autor. (Wiki­pe­dia: Orig­e­nes[21.09.2026])

Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden; die das Gute getan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben zur Auferstehung des Gerichts. (Johannes 5,28–29)

Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib ‹vollbracht›, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses. (2. Korinther 5,10)

... und die Hoffnung zu Gott habe, die auch selbst diese hegen, dass eine Auferstehung der Gerechten wie der Ungerechten sein wird. (Apostelgeschichte 24,15)

Und diese werden hingehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben. (Matthäus 25,46)

Im Grie­chi­schen steht hier ein Zahlwort.

Da sagte er: Als das Kind noch lebte, habe ich gefastet und geweint, weil ich [mir] sagte: Wer weiß, [vielleicht] wird der HERR mir gnädig sein, und das Kind bleibt am Leben. Jetzt aber, da es tot ist, wozu sollte ich denn fasten? Kann ich es [etwa] noch zurückbringen? Ich gehe [einmal] zu ihm, aber es wird nicht zu mir zurückkehren. (2. Samuel 12,22–23, ELB)

Als nun die Tage Davids herannahten, daß er sterben sollte, befahl er seinem Sohn Salomo und sagte: Ich gehe [nun] den Weg aller Welt. So sei stark und erweise dich als Mann! (1. Könige 2,1–2, ELB)

Und Abraham verschied und starb in gutem Alter, alt und [der Tage] satt, und wurde versammelt zu seinen Völkern. (1. Mose 25,8, ELB)

Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen: die einen zu ewigem Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu. Und die Verständigen werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste; und die, welche die vielen zur Gerechtigkeit gewiesen haben, [leuchten] wie die Sterne immer und ewig. (Daniel 12,2–3, ELB)