Jesus kommt bald wie­der – lehrt die Bibel Naherwartung?

Themenbereiche: Endzeit, Kontroverse Fragen

Vie­le Men­schen, die sich mit der Bibel beschäf­ti­gen, mei­nen, dass die Wie­der­kunft Jesu nahe bevor­stün­de, weil in unse­rer heu­ti­gen Zeit die Zei­chen der End­zeit deut­lich zu sehen sei­en. In die­sem Arti­kel wol­len wir eini­ge Bibel­stel­len, die wir in die­sem Zusam­men­hang für ent­schei­dend hal­ten, genau­er betrach­ten. Wir möch­ten zei­gen, war­um es nicht der christ­li­chen Gesin­nung ent­spricht, über den Zeit­punkt von Jesu zwei­tem Kom­men nach­zu­den­ken. Jesus ruft uns auf, ihm nach­zu­fol­gen, ihm in Demut und Gehor­sam treu zu die­nen. Wir wis­sen, dass er kommt – wann das sein wird, ist für uns nicht entscheidend.

Die Uhr zeigt, dass es fünf Minuten vor Zwölf ist: Wir befinden uns in der letzten Stunde des Tages. Sagt die Bibel das auch über die Wiederkunft Jesu?

1 Kön­nen wir wis­sen, wann Jesus unge­fähr wiederkommt?

Nach der Auf­er­ste­hung des Herrn, als die Jün­ger vol­ler Hoff­nung den Beginn des Got­tes­reichs erwar­te­ten, frag­ten sie ihn:

Herr, stellst du in die­ser Zeit für Isra­el das Reich wie­der her? Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zei­ten oder Zeit­punk­te zu wis­sen, die der Vater in sei­ner eige­nen Voll­macht fest­ge­setzt hat. Aber ihr wer­det Kraft emp­fan­gen, wenn der Hei­li­ge Geist auf euch gekom­men ist; und ihr wer­det mei­ne Zeu­gen sein, sowohl in Jeru­sa­lem als auch in ganz Judäa und Sama­ria und bis an das Ende der Erde. (Apos­tel­ge­schich­te 1,6–8)

Jesus weist sie mit sei­ner Ant­wort einer­seits auf den Auf­trag hin, den sie erfül­len soll­ten. Ande­rer­seits sagt er deut­lich, dass eine Beschäf­ti­gung mit der Zeit sei­ner Wie­der­kunft nicht ihre Sache ist. „Zei­ten“ und „Zeit­punk­te“ (grie­chisch „chro­nos“ und „kai­ros“) umfas­sen sowohl Zeit­räu­me als auch kon­kre­te Zeit­punk­te. Wenn Jesus nicht woll­te, dass sich die Apos­tel mit der Fra­ge nach Zei­ten oder auch nach kon­kre­ten Zeit­punk­ten sei­ner Wie­der­kunft beschäf­ti­gen, gilt es genau­so für uns heute.

Jesus hat­te sei­nen Jün­gern im Hin­blick auf die Wie­der­kunft schon frü­her gesagt:

Von jenem Tag aber und jener Stun­de weiß nie­mand, auch nicht die Engel in den Him­meln, auch nicht der Sohn, son­dern der Vater allein. (Mat­thä­us 24,36)

Den Zeit­punkt kennt also nicht ein­mal der Sohn selbst. Den­noch beru­fen sich eini­ge auf die Wor­te Jesu und sagen, dass wir zwar den Tag und die Stun­de nicht ken­nen, der unge­fäh­re Zeit­punkt aber den­noch erkenn­bar sei. Jesus mein­te aber nicht, dass er oder die Engel den Zeit­punkt nicht genau ken­nen, son­dern dass sie ihn über­haupt nicht ken­nen. Er macht das auch durch sei­ne Wor­te vom Dieb in der Nacht deutlich:

Wacht also! Denn ihr wisst nicht, an wel­chem Tag euer Herr kommt. Das aber erkennt: Wenn der Haus­herr gewusst hät­te, in wel­cher Wache der Dieb kommt, so hät­te er wohl gewacht und nicht zuge­las­sen, dass in sein Haus ein­ge­bro­chen wird. Des­halb seid auch ihr bereit! Denn in der Stun­de, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Men­schen. (Mat­thä­us 24,42–44)

Auch Petrus (2. Petrus 3,10) und Pau­lus ver­wen­den das Gleich­nis vom Dieb in der Nacht, um damit zu zei­gen, dass es unmög­lich ist, die Zeit des Kom­mens Jesu vorauszusehen:

Was aber die Zei­ten und Zeit­punk­te betrifft, Brü­der, so habt ihr nicht nötig, dass euch geschrie­ben wird. Denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: Frie­de und Sicher­heit!, dann kommt ein plötz­li­ches Ver­der­ben über sie, wie die Geburts­we­hen über die Schwan­ge­re; und sie wer­den nicht ent­flie­hen. Ihr aber, Brü­der, seid nicht in Fins­ter­nis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergrei­fe; denn ihr alle seid Söh­ne des Lich­tes und Söh­ne des Tages; wir gehö­ren nicht der Nacht und nicht der Fins­ter­nis. (1. Thes­sa­lo­ni­cher 5,1–5)

Die Par­al­le­le zu den Wor­ten Jesu macht deut­lich, dass „Tag und Stun­de“ ein­fach eine ande­re For­mu­lie­rung für „Zei­ten und Zeit­punk­te“ ist. Wir wis­sen nicht, wann der Herr kommt und wir kön­nen es auch nicht wis­sen. Für die Söh­ne des Lichts ist das auch nicht wich­tig. Statt­des­sen erwar­ten sie freu­dig den Tag des Herrn, da sie jeden Tag nach sei­nem Wil­len leben und bereit sind, ihn zu empfangen.

2 War­um spricht der Herr von erkenn­ba­ren Zeichen?

Vie­les von dem, was Jesus sei­nen Zeit­ge­nos­sen sag­te, gilt auch für alle nach­fol­gen­den Gene­ra­tio­nen. Sei­ne Ankün­di­gung der Zer­stö­rung Jeru­sa­lems[1] galt aller­dings in ers­ter Linie sei­nen Zuhö­rern, den Apos­teln. Die­se und die Chris­ten Judä­as soll­ten die Zei­chen, die der Kata­stro­phe vor­aus­ge­hen, erken­nen und ent­spre­chend han­deln. Es bewahrt uns vor vor­ei­li­gen Schlüs­sen, wenn wir zuerst dar­über nach­den­ken, was die­je­ni­gen ver­ste­hen soll­ten, zu denen Jesus gespro­chen hat. Dies gilt vor allem für die soge­nann­ten End­zeit­re­den in Mat­thä­us 24, Mar­kus 13 und Lukas 21.

2.1 Die Fra­ge der Jünger

Als er aber auf dem Ölberg saß, tra­ten sei­ne Jün­ger für sich allein zu ihm und spra­chen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zei­chen dei­ner Ankunft und der Voll­endung des Zeit­al­ters? (Mat­thä­us 24,3)

Woll­ten die Jün­ger tat­säch­lich wis­sen, wann ihr Herr wie­der­kommt? Wür­de das nicht vor­aus­set­zen, dass sie zu die­sem Zeit­punkt[2] schon ver­stan­den und ange­nom­men hat­ten, dass Jesus abge­lehnt, miss­han­delt und hin­ge­rich­tet wird und dann auf­er­steht, zum Vater geht und erst dann wie­der­kommt? Zwar kann das grie­chi­sche Wort „parou­sia“, das hier mit „Ankunft“ wie­der­ge­ge­ben wird, auch „Wie­der­kunft“ bedeu­ten, aber die Evan­ge­li­en zei­gen deut­lich, dass die Jün­ger nicht ein­mal die direk­ten Lei­den­s­an­kün­di­gun­gen ver­stan­den haben (Lukas 18,31–34). Daher konn­ten sie hier nicht an eine mög­li­che Wie­der­kunft den­ken, als sie Jesus nach dem Zei­chen sei­nes Kom­mens frag­ten. In ihrer Fra­ge ver­ban­den die Jün­ger das Kom­men Jesu mit dem sicht­ba­ren Beginn sei­ner Herr­schaft als Mes­si­as und unbe­strit­te­ner König Isra­els. Eben­so bezieht sich die Fra­ge nach der „Fül­le der Zeit“ nicht auf das Ende der Welt, son­dern auf die Herr­schaft des ver­hei­ße­nen Königs – den Beginn des neu­en, mes­sia­ni­schen Zeitalters.

In sei­ner Ant­wort sprach Jesus zunächst von den Zei­chen, die der Zer­stö­rung Jeru­sa­lems vor­aus­ge­hen. Anhand die­ser Zei­chen soll­ten die judäi­schen Chris­ten erken­nen, wann sein Tag kom­men wür­de, das heißt, wann sie die Stadt ver­las­sen müss­ten. Die Zer­stö­rung Jeru­sa­lems war ein Gericht über das Juden­tum, das den Mes­si­as ermor­det hat­te. In die­sem Gericht erscheint Jesus als der kom­men­de Rich­ter, der das unge­hor­sa­me Volk rich­tet. Aus­ge­hend von die­sem Ereig­nis spricht Jesus dann auch von sei­ner Wie­der­kunft, bei der er eben­falls als Rich­ter kom­men wird. Dafür wird es jedoch kei­ner­lei Vor­zei­chen geben.

2.2 Der Tag des Herrn

Es mag im ers­ten Moment unver­ständ­lich sein, war­um Jesus die Zer­stö­rung der Stadt als sein Kom­men oder sei­nen Tag bezeich­net. Zum Ver­ständ­nis des­sen ist es hilf­reich zu wis­sen, dass auch die alt­tes­ta­ment­li­chen Pro­phe­ten manch­mal mit den­sel­ben Aus­drü­cken das Gericht über das unge­hor­sa­me Volk verkündeten:

Wehe über den Tag! Denn nahe ist der Tag des HERRN, und er kommt wie eine Ver­wüs­tung vom All­mäch­ti­gen. (Joel 1,15)

So spricht der HERR: Unheil über Unheil, sie­he es kommt! Ein Ende kommt; es kommt das Ende, es erwacht gegen dich, Bewoh­ner des Lan­des. Es kommt die Zeit, nahe ist der Tag: Bestür­zung und nicht Jauch­zen auf den Ber­gen! (Hese­kiel 7,5–7)

Das Ende, das Hese­kiel ver­kün­det, ist das der Stadt und des Tem­pels. Sei­ne Wor­te erfüll­ten sich schon nach weni­gen Jah­ren: Jeru­sa­lem und der ers­te Tem­pel wur­den im Jah­re 586 v. Chr. durch die Baby­lo­ni­er zerstört.

Aus­ge­hend von sei­ner Ankün­di­gung von der Zer­stö­rung des Tem­pels spricht auch Jesus gegen­über sei­nen Jün­gern vom Ende, und meint damit das Ende Jerusalems:

Wenn ihr aber von Krie­gen und Empö­run­gen hören wer­det, so erschreckt nicht; denn die­ses muss zuvor gesche­hen, aber das Ende ist nicht sogleich da. (Lukas 21,9)

Wenn ihr aber Jeru­sa­lem von Heer­scha­ren umzin­gelt seht, dann erkennt, dass sei­ne Ver­wüs­tung nahe gekom­men ist. Dann sol­len die Judäa auf die Ber­ge flie­hen und die in sei­ner Mit­te sind, dar­aus ent­wei­chen, und die auf dem Land sind, nicht dort hin­ein­kom­men. Denn dies sind die Tage der Rache, dass alles erfüllt wer­de, was geschrie­ben steht. (Lukas 21,20–22)

An ande­rer Stel­le nennt er das glei­che Ereig­nis den Tag des Men­schen­sohns, denn auch hier mahnt er zur Flucht, die beim Welt­ende kei­nen Sinn machen würde:

Eben­so wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Men­schen offen­bart wird. An jenem Tag – wer auf dem Dach sein wird und sein Gerät im Haus hat, der stei­ge nicht hin­ab, um es zu holen; und wer auf dem Feld ist, wen­de sich eben­so wenig zurück. (Lukas 17,30 f.)

2.3 Die Zer­stö­rung Jeru­sa­lems und des Tem­pels als Gerichtszeichen

Durch ihre Auf­leh­nung gegen das Gesetz ver­lo­ren die Israe­li­ten oft Got­tes Schutz. Wann aber war der Wider­stand Isra­els gegen Gott grö­ßer als zu der Zeit, in der er sei­nen ein­zi­gen, gelieb­ten Sohn zu ihnen sand­te, den sie abge­wie­sen haben? Und wer konn­te des­halb das kom­men­de Gericht kla­rer vor­aus­se­hen als der Men­schen­sohn selbst?

Und als er sich näher­te und die Stadt sah, wein­te er über sie und sprach: Wenn auch du an die­sem Tag erkannt hät­test, was zum Frie­den dient! Jetzt aber ist es vor dei­nen Augen ver­bor­gen. Denn Tage wer­den über dich kom­men, da wer­den dei­ne Fein­de einen Wall um dich auf­schüt­ten und dich umzin­geln und dich von allen Sei­ten ein­engen; und sie wer­den dich und dei­ne Kin­der in dir zu Boden wer­fen und wer­den in dir nicht einen Stein auf dem ande­ren las­sen, dafür, dass du die Zeit dei­ner Heim­su­chung nicht erkannt hast. (Lukas 19,41–44)

Jesus wies auch bei ande­ren Gele­gen­hei­ten auf die­ses Ereig­nis hin. So sagt er zu sei­nen Jüngern:

Wenn sie euch aber ver­fol­gen in die­ser Stadt, so flieht in die ande­re! Denn wahr­lich, ich sage euch, ihr wer­det mit den Städ­ten Isra­els nicht zu Ende sein, bis der Sohn des Men­schen gekom­men sein wird. (Mat­thä­us 10,23)

In den vor­her­ge­hen­den Ver­sen in Mat­thä­us 10,16–22 kün­digt Jesus ihnen schlim­me Ver­fol­gun­gen an, beson­ders durch ihre jüdi­schen Volks­ge­nos­sen. Er trös­tet sie damit, dass sie bis zu sei­nem Kom­men, näm­lich wenn Gott das Volk für die Ableh­nung des Mes­si­as rich­ten wird, immer eine Zuflucht fin­den wer­den. Hät­te er hier sei­ne Wie­der­kunft zu Leb­zei­ten sei­ner Jün­ger gemeint, dann hät­te er sich geirrt.[3] Es ist aber kein Irr­tum, son­dern Jesus hebt mit die­sem Wort die Bedeu­tung der Tem­pel­zer­stö­rung her­vor, die eini­ge der Jün­ger noch erle­ben wer­den. Das Gericht über Isra­el ist auch das Vor­zei­chen des End­ge­richts, das letzt­lich über alle Men­schen kom­men wird.

Der geist­li­che Zusam­men­hang die­ser bei­den „Gerichts­ta­ge“ wird z. B. in fol­gen­der Aus­sa­ge deutlich:

Denn der Sohn des Men­schen wird kom­men in der Herr­lich­keit sei­nes Vaters mit sei­nen Engeln, und dann wird er einem jeden ver­gel­ten nach sei­nem Tun. Wahr­lich, ich sage euch: Es sind eini­ge von denen, die hier ste­hen, die wer­den den Tod nicht schme­cken, bis sie den Sohn des Men­schen haben kom­men sehen in sei­nem Reich. (Mat­thä­us 16,27–28)

Ohne Zwei­fel spricht Jesus in Vers 27 vom Gericht bei sei­ner Wie­der­kunft. Es liegt daher nahe, dass es auch in Vers 28 um ein Gerichts­han­deln Jesu geht, das man­che der Jün­ger sogar noch erle­ben wer­den. Die­ses Gericht war die bereits erwähn­te Zer­stö­rung Jeru­sa­lems unge­fähr 40 Jah­re nach die­sem Wort Jesu. Zu die­ser Zeit waren man­che der Jün­ger schon gestor­ben, aber eini­ge waren noch am Leben.

3 Die Erfül­lung der Zeit, die letz­ten Tage, die letz­te Stunde

3.1 Die Erfül­lung der Zeit

Jesus spricht schon am Anfang sei­nes Wir­kens von der Erfül­lung der Zeit und mahnt sei­ne Zuhö­rer zur Umkehr:

Und nach­dem Johan­nes über­lie­fert war, kam Jesus nach Gali­läa und pre­dig­te das Evan­ge­li­um Got­tes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Got­tes ist nahe gekom­men. Tut Buße und glaubt an das Evan­ge­li­um! (Mar­kus 1,14–15)

Die Zeit war erfüllt – nicht, weil das Ende der Welt nahe war, son­dern weil in Jesus die Gna­de Got­tes unter ihnen erschie­nen ist. Für die Juden war es an der Zeit, die fal­schen Vor­stel­lun­gen über den Mes­si­as[4] und über ihre beson­de­re Stel­lung vor Gott[5] auf­zu­ge­ben. Sie soll­ten viel­mehr ler­nen, dem Herrn im Glau­ben, d. h. in tie­fem Ver­trau­en, zu dienen.

3.2 Die letz­ten Tage

Das Neue Tes­ta­ment zeigt uns, dass die letz­ten Tage mit dem Auf­tre­ten Jesu begon­nen haben.

Nach­dem Gott viel­fäl­tig und auf vie­ler­lei Wei­se ehe­mals zu den Vätern gere­det hat in den Pro­phe­ten, hat er am Ende die­ser Tage zu uns gere­det im Sohn, den er zum Erben aller Din­ge ein­ge­setzt hat, durch den er auch die Wel­ten gemacht hat. (Hebrä­er 1,1 f.)

Mit die­sen Wor­ten beginnt der Hebrä­er­brief[6]. Wir kön­nen dar­an sehen, dass nicht erst die Men­schen des 20. oder 21. Jahr­hun­derts, son­dern schon die ers­ten Chris­ten in der End­zeit leb­ten. Jesu Leben im voll­kom­me­nen Gehor­sam zeigt uns den Weg zum Vater, noch viel stär­ker als es die Pro­phe­ten vor­her taten. Dar­über hin­aus ist er als Sohn das Abbild des Wesens Got­tes. Er ist die stärks­te und somit letz­te Offen­ba­rung Got­tes in der Geschich­te. Das nächs­te heils­ge­schicht­li­che Ereig­nis wird sein zwei­tes Kom­men sein. Der Aus­druck „am Ende die­ser Tage“ muss im Zusam­men­hang der ver­schie­de­nen Epo­chen der Heils­ge­schich­te ver­stan­den wer­den. Er sagt nichts über die Dau­er die­ser Peri­ode aus.

Pau­lus schreibt an Timo­theus über die letz­ten Tage:

1 Dies aber wis­se, dass in den letz­ten Tagen schwe­re Zei­ten ein­tre­ten wer­den; 2 denn die Men­schen wer­den selbst­süch­tig sein, geld­lie­bend, prah­le­risch, hoch­mü­tig, Läs­te­rer, den Eltern unge­hor­sam, undank­bar, unhei­lig, 3 lieb­los, unver­söhn­lich, Ver­leum­der, unent­halt­sam, grau­sam, das Gute nicht lie­bend, 4 Ver­rä­ter, unbe­son­nen, auf­ge­bla­sen, mehr das Ver­gnü­gen lie­bend als Gott, 5 die eine Form der Gott­se­lig­keit haben, deren Kraft aber ver­leug­nen. Und von die­sen wen­de dich weg! (2.Timotheus 3,1–5)

Lei­der waren durch alle Zeit­epo­chen hin­durch die meis­ten Men­schen selbst­süch­tig, geld­lie­bend, prah­le­risch, wie schon die Sint­flut­ge­schich­te lehrt. Pau­lus spricht hier nicht über eine Epo­che, die erst viel spä­ter begin­nen wür­de. Es hät­te kei­nen Sinn, an Timo­theus über die Ver­dor­ben­heit der Men­schen des 21. Jahr­hun­derts zu schrei­ben. Wie Vers 5 zeigt, leben ja bei­de schon in den letz­ten Tagen, denn Timo­theus soll sich von sol­chen Zeit­ge­nos­sen fern­hal­ten. In der Zeit nach Jesus wird es vie­le Men­schen geben, die sich Gott nahe füh­len und „ …die eine Form der Gott­se­lig­keit haben, aber deren Kraft ver­leug­nen“. Pau­lus sieht damit anhand der Ent­wick­lung in sei­ner eige­nen Zeit schon das Schein­chris­ten­tum vor­aus, des­sen Wur­zeln tat­säch­lich bis ins ers­te Jahr­hun­dert rei­chen. Das geht auch aus Kapi­tel 4,1–5 her­vor. Er warnt davor, dass sich vie­le Gläu­bi­ge oder am Glau­ben Inter­es­sier­te von der Wahr­heit abkeh­ren und sich Fabeln zuwen­den wer­den, und mahnt Timo­theus des­halb, unbe­irrt an der rich­ti­gen Leh­re fest­zu­hal­ten. Dass die­se Situa­ti­on nicht erst in spä­te­rer Zeit ein­trifft, son­dern in Ansät­zen schon in der Zeit des Pau­lus Rea­li­tät war, wird fer­ner aus 1. Timo­theus 4,1–11, 6,20 f. und Apos­tel­ge­schich­te 20,29 f. deutlich.

3.3 Die letz­te Stun­de und das Kom­men des Antichristen

Die Ver­dre­hung der christ­li­chen Leh­re ist auch der Hin­ter­grund, wenn der Apos­tel Johan­nes vom Kom­men des Anti­chris­ten spricht:

Kin­der, es ist die letz­te Stun­de, und wie ihr gehört habt, dass der Anti­christ kommt, so sind auch jetzt vie­le Anti­chris­ten auf­ge­tre­ten; daher wis­sen wir, dass es die letz­te Stun­de ist. (1.Johannes 2,18)

Johan­nes hat die Leser sei­nes Brie­fes nicht auf die bal­di­ge Wie­der­kunft Jesu ein­stim­men wol­len.[7] Dafür gibt es auch im Rest des Brie­fes kei­nen Anhalts­punkt. Das Auf­tre­ten der ers­ten Irr­leh­rer in den neu­tes­ta­ment­li­chen Gemein­den bestä­tigt die Wahr­haf­tig­keit der fol­gen­den Aus­sa­ge Jesu:

… Es ist unmög­lich, dass nicht Ver­füh­run­gen kom­men. Wehe aber dem, durch den sie kom­men! Es wäre ihm nütz­li­cher, wenn ein Mühl­stein um sei­nen Hals gelegt und er ins Meer gewor­fen wür­de, als dass er einem die­ser Klei­nen Anlass zur Sün­de gäbe! (Lukas 17,1–2)

Ver­füh­run­gen wer­den also kom­men. Die frü­hen Gemein­den wur­den vor allem durch das Wir­ken der Juda­is­ten[8] und den Ein­fluss der Gno­sis[9] bedroht. Selbst­er­dach­te Leh­ren gab es schon vor Jesus. Die Klar­heit sei­ner Wor­te und sein abso­lu­ter Wahr­heits­an­spruch haben jedoch auch die Ver­füh­run­gen viel raf­fi­nier­ter wer­den las­sen. Der Apos­tel Johan­nes zeigt uns in sei­nem Brief, dass neben den Dif­fe­ren­zen im Lehr­in­halt vor allem die feh­len­de Bru­der­lie­be ein siche­res Zeug­nis für die Falsch­heit der Irr­leh­rer ist. Dies gilt auch heu­te, sodass es für einen offe­nen Men­schen trotz vie­ler Irr­leh­ren mög­lich ist, zu beur­tei­len, ob eine Gemein­schaft den Gebo­ten Jesu treu folgt oder nicht.

4 Die Wie­der­kunft Jesu

Jesus hebt immer wie­der her­vor, wie wich­tig Auf­rich­tig­keit und Wach­sam­keit sind. In all den Wor­ten, die wir in den Evan­ge­li­en bezüg­lich der Wie­der­kunft fin­den, geht es nie um erkenn­ba­re Zei­chen, son­dern um ein Leben in Treue und Wahrhaftigkeit:

Es sei­en eure Len­den umgür­tet und die Lam­pen bren­nend; und ihr, seid Men­schen gleich, die auf ihren Herrn war­ten, wann er auf­bre­chen mag von der Hoch­zeit, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auf­ma­chen. Glück­se­lig jene Knech­te, die der Herr, wenn er kommt, wachend fin­den wird! Wahr­lich, ich sage euch: er wird sich umgür­ten und sie sich zu Tisch legen las­sen und wird hin­zu­tre­ten und sie bedie­nen. Und wenn er in der zwei­ten Wache kommt und in der drit­ten Wache kommt und fin­det sie so – glück­se­lig sind jene!  (Lukas 12,35–38)

Nur die auf­rich­ti­ge Lie­be zum Herrn bewahrt uns vor einem schein­hei­li­gen Leben. Das bekräf­tigt Jesus mit den anschlie­ßen­den Gleich­nis­sen vom Dieb in der Nacht[10] und dem treu­en und untreu­en Knecht:

Glück­se­lig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei sol­chem Tun fin­den wird! In Wahr­heit sage ich euch, dass er ihn über sei­ne gan­ze Habe set­zen wird.  Wenn aber jener Knecht in sei­nem Her­zen sagt: Mein Herr lässt sich Zeit mit dem Kom­men und anfängt, die Knech­te und Mäg­de zu schla­gen und zu essen und zu trin­ken und sich zu berau­schen, so wird der Herr jenes Knech­tes kom­men an einem Tag, an dem er es nicht erwar­tet, und in einer Stun­de, die er nicht weiß und wird ihn ent­zwei­schnei­den und ihm sei­nen Teil set­zen mit den Ungläu­bi­gen. (Lukas 12,43–46)

Jesus lehrt aus­drück­lich, dass es immer dar­auf ankommt, ihm gehor­sam und mit unge­teil­tem Her­zen zu die­nen. Wir dür­fen uns nicht von ande­ren Din­gen bin­den las­sen, ins­be­son­de­re nicht von unse­ren eige­nen Wünschen.

Dar­über hin­aus müs­sen wir uns vor Augen hal­ten, dass die aller­meis­ten Men­schen den Tag der Wie­der­kunft erle­ben, wenn sie ster­ben. Der untreue Knecht steht nicht für die letz­te Gene­ra­ti­on der Men­schen. Nach Selbst­ver­leug­nung und Gehor­sam zu stre­ben ist immer nötig, denn Wider­stand gegen die Gebo­te Got­tes führt schon bald zur Ver­här­tung des Her­zens. Wir sol­len nicht nach­sich­tig mit uns selbst sein und mei­nen, wir könn­ten ja spä­ter immer noch umkeh­ren. Das haben wir nicht in der Hand. Des­halb warnt Jesus sei­ne Gemein­den und spricht von sei­nem Kom­men, ohne zu mei­nen, dass sei­ne Wie­der­kunft auf Erden nahe bevorstünde:

Wach auf und stär­ke das Übri­ge, das im Begriff stand zu ster­ben! Denn ich habe vor mei­nem Gott dei­ne Wer­ke nicht als völ­lig befun­den. Den­ke nun dar­an, wie du emp­fan­gen und gehört hast, und bewah­re es und tue Buße! Wenn du nun nicht wachst, wer­de ich kom­men wie ein Dieb, und du wirst nicht wis­sen, zu wel­cher Stun­de ich über dich kom­men wer­de. (Offen­ba­rung 3,2 f.)

Das Bild vom Dieb benutzt Jesus hier, um die selbst­si­che­ren Gläu­bi­gen der Gemein­de von Sar­des zu war­nen, damit sie ihre Erret­tung nicht ver­lie­ren. Es ist unmög­lich, trotz War­nun­gen im Unge­hor­sam zu ver­har­ren und doch am Fest mit Jesus teilzuhaben.

4.1 Ein paar Wor­te zum Buch der Offenbarung

Eine der zen­tra­len Bot­schaf­ten des Buches der Offen­ba­rung ist die Auf­for­de­rung zu bedin­gungs­lo­ser Treue und Gehor­sam, selbst in Zei­ten schwe­rer Ver­fol­gung. Lei­der ist die­ses Buch seit vie­len Jahr­hun­der­ten Aus­gangs­punkt von Spe­ku­la­tio­nen über die Zeit der Wie­der­kunft. Es ist kein Zufall, dass vie­le frü­he­re und jet­zi­ge Aus­le­ger einen genau­en Ablauf der Geschich­te in die zahl­rei­chen Bil­der hin­ein­deu­ten. Die Zukunft oder sogar die Wie­der­kunft vor­aus­sa­gen zu kön­nen, ist für man­che sehr verlockend.

Chris­tus hat uns aber die Offen­ba­rung nicht als Quel­le für Spe­ku­la­tio­nen gege­ben, son­dern damit wir uns nicht von der Welt ver­füh­ren las­sen. Dies zeigt sich auch dar­an, dass Jesus die Gemein­de in Phil­adel­phia für ihren Gehor­sam lobt und ihnen ver­spricht, sie in der Stun­de der Ver­su­chung zu bewahren.

Weil du das Wort vom Har­ren auf mich bewahrt hast, wer­de auch ich dich bewah­ren vor der Stun­de der Ver­su­chung, die über den gan­zen Erd­kreis kom­men wird, um die zu ver­su­chen, die auf der Erde woh­nen. Ich kom­me bald. Hal­te fest, was du hast, damit nie­mand dei­nen Sie­ges­kranz neh­me! Wer über­win­det, den wer­de ich im Tem­pel mei­nes Got­tes zu einer Säu­le machen, und er wird nie mehr hin­aus­ge­hen; und ich wer­de auf ihn schrei­ben den Namen mei­nes Got­tes und den Namen der Stadt mei­nes Got­tes, des neu­en Jeru­sa­lem, das aus dem Him­mel her­ab­kommt von mei­nem Gott, und mei­nen neu­en Namen. Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemein­den sagt! (Offen­ba­rung 3,10–13)

4.2 „Ich kom­me bald“

Der Aus­spruch „ich kom­me bald“ ist hier wie auch über­haupt in der Offen­ba­rung als Ermu­ti­gung für die Gläu­bi­gen zu ver­ste­hen, am Gehor­sam unter allen Umstän­den fest­zu­hal­ten. Denn die Erlö­sung ist allen Gläu­bi­gen jeder­zeit nahe.

Bei der Aus­le­gung die­ser Aus­sa­ge ist es wich­tig zu berück­sich­ti­gen, dass das Buch der Offen­ba­rung in der zwei­ten Hälf­te des ers­ten Jahr­hun­derts, also vor fast 2000 Jah­ren, ent­stan­den ist. Daher kann „bald“ auch in unse­rer Zeit nicht so ver­stan­den wer­den, als stün­de die Wie­der­kunft Jesu ein­deu­tig unmit­tel­bar bevor.

In Kapi­tel 3.2 haben wir erwähnt, dass das Juden­tum die Geschich­te in heils­ge­schicht­li­che Epo­chen unter­teilt hat. Dem­nach gab es bei­spiels­wei­se das Zeit­al­ter der Patri­ar­chen, der Rich­ter, dann die Zeit des König­reichs und so wei­ter, bis hin zum Kom­men der letz­ten Tage, die mit dem Wir­ken Jesu began­nen und seit­dem andauern.

Im Zusam­men­hang mit der Heils­ge­schich­te ist das nächs­te und zugleich letz­te Ereig­nis die Wie­der­kunft Jesu zusam­men mit der Auf­er­ste­hung und dem Jüngs­ten Gericht. Da die­ses nächs­te Ereig­nis „bald“ ein­tre­ten wird, ist es unab­hän­gig davon, ob bis dahin Jahr­zehn­te oder Jahr­hun­der­te ver­ge­hen. Des­halb konn­te der Apos­tel Pau­lus auch an die Chris­ten in Rom schrei­ben: „Die Nacht ist vor­ge­rückt, der Tag ist nahe“ (Römer 13,12).

Für die­je­ni­gen, die Jesus lie­ben und wirk­lich auf sein Kom­men war­ten, ist auch eine lan­ge Zeit kurz. Es ist wie ähn­lich wie bei Jakob, der sei­ne lang­jäh­ri­gen, schwe­ren Jah­re des Diens­tes für Rahel nur als weni­ge Tage empfand:

So dien­te Jakob für Rahel sie­ben Jah­re; und sie waren in sei­nen Augen wie eini­ge ‹weni­ge› Tage, weil er sie lieb­te. (1. Mose 29,20)

Eben­so ist für Jesus auf­grund sei­ner Lie­be zu uns der Tag unse­rer Begeg­nung mit ihm nahe:

Im Hau­se mei­nes Vaters sind vie­le Woh­nun­gen. Wenn es nicht so wäre, wür­de ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stät­te zu berei­ten? Und wenn ich hin­ge­he und euch eine Stät­te berei­te, so kom­me ich wie­der und wer­de euch zu mir neh­men, damit auch ihr seid, wo ich bin. (Johan­nes 14,2–3)

5 Schluss­wort

Es gibt noch vie­le ande­re Bibel­stel­len, in denen Jesus und die Apos­tel uns auf­ru­fen, die Leh­re rein zu bewah­ren und danach zu leben. Wir hof­fen, dass wir dir trotz unse­rer kur­zen und die­ses The­ma nur teil­wei­se erschöp­fen­den Gedan­ken hel­fen konn­ten, die Bibel­stel­len über die End­zeit tie­fer zu ver­ste­hen. Wir freu­en uns, inter­es­sier­te Men­schen ken­nen­zu­ler­nen, die ger­ne ihre Gedan­ken mit uns über die­se oder ande­re Fra­gen des Glau­bens aus­tau­schen möchten.


Fußnoten

  1. Jeru­sa­lem wur­de im Jahr 70, also 40 Jah­re nach der Kreu­zi­gung Jesu, durch die Römer im Krieg zerstört.
  2. Wahr­schein­lich im letz­ten Jahr sei­nes Wirkens.
  3. Die­se Ansicht ist unter libe­ra­len Theo­lo­gen ver­brei­tet. Sie wider­spricht aller­dings einer ande­ren fest ver­an­ker­ten Annah­me in der moder­nen Theo­lo­gie, näm­lich dass ein gro­ßer Teil der Wor­te Jesu in den Evan­ge­li­en in Wahr­heit Wor­te von Män­nern aus den Gemein­den des spä­ten ers­ten Jahr­hun­derts sei­en. So wird behaup­tet, die Chris­ten damals hät­ten geglaubt, dass Jesus noch zu ihrer Leb­zeit wie­der­kä­me. Da die­ses nicht geschah, habe man Jesu Wor­te umge­deu­tet oder ver­än­dert, um das Ver­zö­gern zu erklä­ren. War­um ein so dras­ti­scher Irr­tum wie in Mat­thä­us 10,23 nicht aus­ge­merzt wur­de, bleibt dann aller­dings unverständlich.
  4. Das hebräi­sche Wort Mes­si­as bedeu­tet auf Grie­chisch „Chris­tos“, auf Latein „Chris­tus“, auf Deutsch “der Gesalb­te“ – nach jüdi­scher Vor­stel­lung jemand, der zum König gesalbt wur­de. Die Erwar­tung eines star­ken poli­ti­schen Füh­rers, eines neu­en Davids, war groß.
  5. Sie­he dazu Lukas 3,7–9.
  6. Unge­fähr im Jah­re 65 geschrieben.
  7. Wenn man sich die Zeit als die gleich­mä­ßig ver­ge­hen­den Jah­re auf einem Zeit­strahl vor­stellt, könn­te man  mei­nen, Johan­nes habe gedacht, das Ende aller Zeit stün­de unmit­tel­bar bevor. Im jüdi­schen Den­ken jedoch ist der Inhalt der Zeit wich­ti­ger als ihre blo­ße Dau­er. Es hat kei­ne Bedeu­tung, wie lan­ge es noch dau­ert, bis Jesus wie­der­kommt. Zeit­li­che Begrif­fe wie Tag oder Stun­de darf man in sol­chen Zusam­men­hän­gen nicht wört­lich ver­ste­hen, als ob die letz­te Stun­de der letz­te Zeit­raum der letz­ten Tage sei­en, sowe­nig wie die letz­ten Tage das End­sta­di­um der letz­ten Zeit darstellen.
  8. Juden, die zwar Jesus für den Mes­si­as hiel­ten, jedoch das Ein­hal­ten des mosai­schen Geset­zes auch für Hei­den­chris­ten als not­wen­dig zum Heil ansahen.
  9. Sam­mel­be­griff für aus dem Grie­chen­tum stam­men­de Leh­ren, die in der mate­ri­el­len Exis­tenz den Grund für das Böse sahen. Gnos­ti­ker hat­ten Inter­es­se am Chris­ten­tum und ver­wen­de­ten christ­li­ches Voka­bu­lar, füll­ten die­ses aber mit eige­nen, der apos­to­li­schen Leh­re wider­spre­chen­den Inhalten.
  10. Lukas 12,39–40; sie­he auch unter 2.


Jeru­sa­lem wur­de im Jahr 70, also 40 Jah­re nach der Kreu­zi­gung Jesu, durch die Römer im Krieg zerstört.

Wahr­schein­lich im letz­ten Jahr sei­nes Wirkens.

Die­se Ansicht ist unter libe­ra­len Theo­lo­gen ver­brei­tet. Sie wider­spricht aller­dings einer ande­ren fest ver­an­ker­ten Annah­me in der moder­nen Theo­lo­gie, näm­lich dass ein gro­ßer Teil der Wor­te Jesu in den Evan­ge­li­en in Wahr­heit Wor­te von Män­nern aus den Gemein­den des spä­ten ers­ten Jahr­hun­derts sei­en. So wird behaup­tet, die Chris­ten damals hät­ten geglaubt, dass Jesus noch zu ihrer Leb­zeit wie­der­kä­me. Da die­ses nicht geschah, habe man Jesu Wor­te umge­deu­tet oder ver­än­dert, um das Ver­zö­gern zu erklä­ren. War­um ein so dras­ti­scher Irr­tum wie in Mat­thä­us 10,23 nicht aus­ge­merzt wur­de, bleibt dann aller­dings unverständlich.

Das hebräi­sche Wort Mes­si­as bedeu­tet auf Grie­chisch „Chris­tos“, auf Latein „Chris­tus“, auf Deutsch “der Gesalb­te“ – nach jüdi­scher Vor­stel­lung jemand, der zum König gesalbt wur­de. Die Erwar­tung eines star­ken poli­ti­schen Füh­rers, eines neu­en Davids, war groß.

Sie­he dazu Lukas 3,7–9.

Unge­fähr im Jah­re 65 geschrieben.

Wenn man sich die Zeit als die gleich­mä­ßig ver­ge­hen­den Jah­re auf einem Zeit­strahl vor­stellt, könn­te man  mei­nen, Johan­nes habe gedacht, das Ende aller Zeit stün­de unmit­tel­bar bevor. Im jüdi­schen Den­ken jedoch ist der Inhalt der Zeit wich­ti­ger als ihre blo­ße Dau­er. Es hat kei­ne Bedeu­tung, wie lan­ge es noch dau­ert, bis Jesus wie­der­kommt. Zeit­li­che Begrif­fe wie Tag oder Stun­de darf man in sol­chen Zusam­men­hän­gen nicht wört­lich ver­ste­hen, als ob die letz­te Stun­de der letz­te Zeit­raum der letz­ten Tage sei­en, sowe­nig wie die letz­ten Tage das End­sta­di­um der letz­ten Zeit darstellen.

Juden, die zwar Jesus für den Mes­si­as hiel­ten, jedoch das Ein­hal­ten des mosai­schen Geset­zes auch für Hei­den­chris­ten als not­wen­dig zum Heil ansahen.

Sam­mel­be­griff für aus dem Grie­chen­tum stam­men­de Leh­ren, die in der mate­ri­el­len Exis­tenz den Grund für das Böse sahen. Gnos­ti­ker hat­ten Inter­es­se am Chris­ten­tum und ver­wen­de­ten christ­li­ches Voka­bu­lar, füll­ten die­ses aber mit eige­nen, der apos­to­li­schen Leh­re wider­spre­chen­den Inhalten.

Lukas 12,39–40; sie­he auch unter 2.