Jesu Tod für uns – ein Opfer

Schlagwörter: Erlösung

Wie kön­nen wir ver­schie­de­ne Aus­drü­cke der Bibel, mit denen unse­re Erlö­sung durch Jesus Chris­tus beschrie­ben wird, rich­tig ver­ste­hen? Was bedeu­tet es, dass sich Jesus als Löse­geld für uns hin­ge­ge­ben hat? Wel­che Bedeu­tung hat das Blut Jesu? Was sagt all das über unser Leben als Chris­ten und unse­re Bezie­hung zu Gott? Mit die­sem Arti­kel wol­len wir dar­auf Ant­wort geben.

Die Sonne scheint in ein offenes und leeres Felsengrab und veranschaulicht die Auferstehung Jesu.

1 Jesu Tod, das Löse­geld für uns

Als Jesus am Weg nach Jeru­sa­lem war, tra­ten zwei sei­ner Jün­ger auf ihn zu und baten ihn um eine beson­de­re Stel­lung im kom­men­den Reich Got­tes. Jesus wies sei­ne Jün­ger dann dar­auf hin, was das Ziel sei­ner Sen­dung war:

Denn auch der Sohn des Men­schen ist nicht gekom­men, um bedient zu wer­den, son­dern um zu die­nen und sein Leben zu geben als Löse­geld für vie­le. (Mar­kus 10,45)

Ver­mut­lich nicht viel spä­ter, am Abend vor sei­nem Tod, fei­er­te Jesus im Kreis sei­ner Jün­ger sein letz­tes Pascha und stif­te­te sei­nen Jün­gern als blei­ben­des Ver­mächt­nis das Her­ren­mahl. Dabei wies er in den Wor­ten über Brot und Wein dar­auf hin, wie er selbst sei­nen Tod von Gott her deutete:

Und er nahm Brot, dank­te, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gege­ben wird. Dies tut zu mei­nem Gedächt­nis! Eben­so nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sag­te: Die­ser Kelch ist der neue Bund in mei­nem Blut, das für euch ver­gos­sen wird. (Lukas 22,19–20)

Für Jesus war es ganz klar, dass sein Tod mehr war als ein Zufall oder ein Miss­ge­schick. Jesus war sich auch bewusst, dass er nicht nur das Opfer eines Jus­tiz­mor­des war. Er hat sei­nen Leib und sein Blut für uns gegeben.

Er war von Gott gesandt, um sein Leben zu geben:

Dar­um liebt mich der Vater, weil ich mein Leben las­se, um es wie­der­zu­neh­men. Nie­mand nimmt es von mir, son­dern ich las­se es von mir selbst. Ich habe Voll­macht, es zu las­sen, und habe Voll­macht, es wie­der­zu­neh­men. Die­ses Gebot habe ich vom Vater emp­fan­gen. (Johan­nes 10,17–18)

Die Wor­te Jesu, dass er sein Leben von sich selbst lässt, bedeu­ten nicht, dass er sei­nen Tod gesucht hat. Er ist gekom­men, um jeden Men­schen zu erleuch­ten (Johan­nes 1,9). Er ist ger­ne gekom­men, um die, die zer­bro­che­nen Her­zens sind, zu hei­len, den Gefan­ge­nen Frei­heit zu schen­ken und “ein ange­neh­mes Jahr des Herrn aus­zu­ru­fen” (Lukas 4,18–19). Aber die Sei­nen nah­men ihn nicht an (Johan­nes 1,11). Sie erwi­der­ten die Lie­be und Men­schen­freund­lich­keit Got­tes (Titus 3,4), die ihnen in Jesus begeg­net ist, mit Hass und töd­li­cher Ver­ach­tung. Er aber hat der Bos­heit der Men­schen kei­nen Wider­stand geleis­tet (Jesa­ja 50,6; 53,7). Er hat, voll­kom­men in der Lie­be des Vaters gegrün­det, das Böse, das ihm sei­ne Fein­de ange­tan haben, bewusst an sich gesche­hen las­sen und so in Gutes ver­wan­delt und uns dadurch Befrei­ung geschenkt:

Ihr zwar, ihr hat­tet Böses gegen mich beab­sich­tigt; Gott aber hat­te beab­sich­tigt, es zum Guten zu wen­den … (Gene­sis 50,20)[1]

Dem Wil­len des Vaters gehor­sam hat er den Kelch ange­nom­men und getrun­ken, der durch das Erbar­men des Vaters zum Kelch des Neu­en Bun­des wur­de (Lukas 22,20). Dadurch drück­te er sei­ne Hin­ga­be an den Vater und sei­ne Lie­be zu den Men­schen aus. Er, des­sen Leben Lie­be und Hin­ga­be war, war gehor­sam bis in den Tod hinein:

Aber er mach­te sich selbst zu nichts und nahm Knechts­ge­stalt an, indem er den Men­schen gleich gewor­den ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befun­den, ernied­rig­te er sich selbst und wur­de gehor­sam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. (Phil­ip­per 2,7–8)

Sein Ziel war unse­re Freiheit:

Jesus ant­wor­te­te ihnen: Wahr­lich, wahr­lich, ich sage euch: Jeder, der die Sün­de tut, ist der Sün­de Skla­ve. … Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so wer­det ihr wirk­lich frei sein. (Johan­nes 8,34.36)

Im Diens­te die­ses Ziels hat Jesus auch sei­nen Tod gese­hen. Des­halb nann­te er sein Ster­ben ein „Löse­geld für vie­le“. Wer in der Anti­ke einen Skla­ven befrei­en woll­te, muss­te Löse­geld zah­len. Jesus starb für unse­re Frei­heit; dar­um ist sein Tod das Löse­geld für uns. Die Fra­ge, an wen das Löse­geld gezahlt wird, ist hier nicht das The­ma. Auch als Gott sein Volk Isra­el aus der Skla­ve­rei in Ägyp­ten „erwor­ben“[2] hat, hat sich die Fra­ge nach dem Emp­fän­ger des Kauf­prei­ses nicht gestellt. In die­sem Fall hat Jah­we im eigent­li­chen Sinn des Wor­tes nichts bezahlt. Für den bibli­schen Autor war wich­tig, wel­che Aus­wir­kung Got­tes Han­deln für sein Volk hat­te. Das Volk hat das­sel­be erlebt, was ein Skla­ve erlebt, der frei­ge­kauft wird. Das hat Gott mit sei­nem unter der Bedrü­ckung der Ägyp­ter schmach­ten­den Volk getan, und Jesus Chris­tus an der Menschheit.

In Psalm 49,16 spricht der Beter:

Doch Gott wird mich los­kau­fen aus dem Reich des Todes, ja er nimmt mich auf. (Ein­heits­über­set­zung)

Vol­ler Zuver­sicht blickt der Psal­mist auf die Befrei­ung vom Tod, auf die Auf­er­ste­hung, die ewi­ge Gemein­schaft mit Gott. Doch die Fra­ge nach dem Löse­geld, mit dem Gott ihn von der Gewalt des Todes aus­lö­sen wür­de, hat er nicht gestellt. Ver­mut­lich hät­te er sich über eine der­ar­ti­ge Fra­ge­stel­lung sehr gewundert.

An wen soll­te Jesus auch das Löse­geld gezahlt haben? An Satan?[3] Das wür­de einer­seits vor­aus­set­zen, dass Satan der recht­mä­ßi­ge Herr[4] der gefal­le­nen Mensch­heit wäre, und ande­rer­seits bedeu­ten, dass Gott Satan als eben­bür­ti­gen „Geschäfts­part­ner“ aner­ken­nen wür­de. Für den ers­ten Gedan­ken gibt es kei­ner­lei bibli­sche Grund­la­ge. Der zwei­te Gedan­ke (Satan als eben­bür­ti­gen Part­ner Got­tes zu sehen) ist Got­tes­läs­te­rung. Satan ist nicht mehr als ein Geschöpf Got­tes, das aus frei­er Ent­schei­dung gegen sei­nen Schöp­fer rebel­liert hat. Es besteht ein unend­lich gro­ßer Unter­schied zwi­schen den bei­den. Wer die­sen Rebel­len gegen Got­tes Lie­be auf einer auch nur annä­hernd glei­chen Ebe­ne wie den unend­li­chen Schöp­fer sieht, läs­tert Gott.

Soll­te Jesus das Löse­geld an Gott bezah­len? Soll­te Jesus die Men­schen aus der Gewalt Got­tes frei­kau­fen? Das wäre eine noch grö­ße­re Blas­phe­mie als der vori­ge Gedan­ke! Gott, der die Lie­be ist, soll­te die Men­schen in Skla­ve­rei halten?

Aber ver­langt nicht die Gerech­tig­keit Got­tes die gerech­te Stra­fe für die Sün­de? Und hat nicht Jesus in sei­nem Tod dadurch, dass er die gerech­te Stra­fe für alle Sün­den getra­gen hat, der Gerech­tig­keit Got­tes Genü­ge getan?

Das Bild eines „gespal­te­nen“ Got­tes, in dem Lie­be und stra­fen­de Gerech­tig­keit in einem Span­nungs­feld ste­hen, und der die­se Spal­tung nur durch das Hin­schlach­ten sei­nes Soh­nes über­win­den konn­te, ist ein Pro­dukt (un)menschlicher Phan­ta­sie, hat aber nichts mit dem Gott zu tun, den uns Jesus offen­bart hat.

Zuletzt aber sand­te er sei­nen Sohn zu ihnen, indem er sag­te: Sie wer­den sich vor mei­nem Sohn scheu­en! Als aber die Wein­gärt­ner den Sohn sahen, spra­chen sie unter­ein­an­der: Die­ser ist der Erbe. Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz neh­men! Und sie nah­men ihn, war­fen ihn zum Wein­berg hin­aus und töte­ten ihn. (Mat­thä­us 21,37–39)

Gott hat den Sohn gesandt, um uns, die wir durch unse­re Sün­den sei­ne Fein­de wur­den, mit sich zu ver­söh­nen, nicht um sei­nen eige­nen inne­ren Kon­flikt zwi­schen gerech­tem Zorn und erbar­men­der Lie­be aus­zu­glei­chen! Gott ist durch und durch Lie­be. Sei­ne Gerech­tig­keit ist nichts ande­res als sei­ne Treue zu sei­nen Ver­hei­ßun­gen der Erlö­sung und sei­ne sich selbst ver­schen­ken­de Lie­be. Des­we­gen rech­net er Sün­de nicht zu. Gera­de in der Hin­ga­be Jesu wur­de sie sicht­bar. Die­ser lie­ben­de Gehor­sam bis in den Tod hin­ein hat dem Vater gefallen.

Und des­we­gen war Gott Jesus gera­de in sei­nem Tod am allernächsten:

Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelas­sen, weil ich alle­zeit das ihm Wohl­ge­fäl­li­ge tue. (Johan­nes 8,29)

Sie­he, es kommt die Stun­de und ist gekom­men, dass ihr euch zer­streu­en wer­det, ein jeder in sei­ne Hei­mat und mich allein las­sen wer­det, doch ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. (Johan­nes 16,32)

dass Gott in Chris­tus war und die Welt mit sich ver­söhn­te, ihnen ihre Über­tre­tun­gen nicht zurech­ne­te und in uns das Wort von der Ver­söh­nung gelegt hat. (2. Korin­ther 5,19)

denn es gefiel der gan­zen Fül­le, in ihm zu woh­nen und durch ihn alles mit sich zu ver­söh­nen … (Kolos­ser 1,19–20)

Die­se Ver­se zei­gen, dass Jesus vom Vater nicht ver­las­sen wur­de, ja, es wird gera­de im Zusam­men­hang mit dem ver­söh­nen­den Han­deln Jesu betont, dass Gott in Chris­tus war, dass die gan­ze Fül­le Got­tes in ihm gewohnt hat.

Was bedeu­ten dann aber die Wor­te Jesu in Mat­thä­us 27,46?

Um die neun­te Stun­de aber schrie Jesus mit lau­ter Stim­me auf: Eli, Eli, lemá sabacht­há­ni? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, war­um hast du mich verlassen?

Wir haben die­se Wor­te, die Anfangs­wor­te von Psalm 22, im Zusam­men­hang des Psalms zu sehen. Inmit­ten einer Situa­ti­on äuße­rer Ver­zweif­lung, in der es scheint, dass Gott sei­nen Gerech­ten ver­las­sen hat, wen­det sich der ver­folg­te Gerech­te trotz­dem vol­ler Ver­trau­en an Gott, der ihn befreit. Der Psalm endet in Dank­bar­keit und Lobpreis:

Denn er hat nicht ver­ach­tet noch ver­ab­scheut das Elend des Elen­den, noch sein Ange­sicht vor ihm ver­bor­gen; und als er zu ihm schrie, hör­te er. (Psalm 22,25)

Es geht in Psalm 22 nicht dar­um, dass der Gerech­te durch (eige­ne oder frem­de) Sün­den von Gott getrennt war, son­dern dass böse Men­schen den Got­tes­fürch­ti­gen ver­folg­ten. Auch in Nöten und Bedräng­nis­sen, in denen nichts für die Gegen­wart Got­tes zu spre­chen scheint, ist Gott den Sei­nen ganz nahe.[5]

2 Jesus, das Paschalamm

Fegt den alten Sau­er­teig aus, damit ihr ein neu­er Teig seid, wie ihr unge­säu­ert seid! Denn auch unser Pas­sah, Chris­tus, ist geschlach­tet. Dar­um lasst uns Fest­fei­er hal­ten, nicht mit altem Sau­er­teig, auch nicht mit Sau­er­teig der Bos­heit und Schlech­tig­keit, son­dern mit Unge­säu­er­tem der Lau­ter­keit und Wahr­heit! (1. Korin­ther 5,7–8)

Mit die­sen Wor­ten hat Pau­lus die Gemein­de in Korinth ermahnt, als sie einen Men­schen, der in schwe­rer Sün­de gelebt hat, nicht aus der Gemein­de aus­ge­schlos­sen haben. Pau­lus hat die Sym­bo­lik des jüdi­schen Pas­cha­fes­tes, das zugleich auch das Fest der Unge­säu­er­ten Bro­te war, auf die Gemein­de über­tra­gen. Was woll­te er damit sagen?

Ein­mal ging es ihm um die Rein­heit der Gemein­de. So wie aller alter Sau­er­teig aus den Häu­sern der Israe­li­ten vor dem Fest ent­fernt wer­den muss­te, so ist auch alle Bos­heit und Schlech­tig­keit aus der Gemein­de Got­tes und aus dem Leben jedes ein­zel­nen Chris­ten zu entfernen.

Zum andern weist der Bezug auf Jesus als dem geschlach­te­ten Pas­cha­lamm auch auf die Befrei­ung hin. Das Pas­cha­fest war das Fest der Befrei­ung des Vol­kes Isra­el aus der Skla­ve­rei in Ägyp­ten. Unser Pas­cha­lamm, Jesus, hat uns aus der Skla­ve­rei der Sün­de befreit. Daher ist es für Chris­ten unmög­lich, in ihren frü­he­ren Sün­den zu blei­ben, und auch die Gemein­de kann nicht jeman­den in ihren Rei­hen dul­den, der die Befrei­ung, die Jesus uns schenkt, missachtet.

Es geht hier nicht um die Gedan­ken des Los­kaufs oder der Stra­fe für die Sün­den. Die­se Gedan­ken haben die Israe­li­ten nicht mit dem Pas­cha­lamm ver­bun­den. Das Pas­cha­lamm war kein Sünd­op­fer. Sei­ne Bedeu­tung ist im Zusam­men­hang mit der letz­ten Pla­ge, dem Tod der ägyp­ti­schen Erst­ge­bo­re­nen zu sehen. Wohin das Blut des Pas­cha­lam­mes gesprengt wur­de, kam der Ver­der­beren­gel nicht hin (Exodus 12,21–30). So war das Blut ein Schutz. Nach die­ser Pla­ge ist Isra­el aus Ägyp­ten aus­ge­zo­gen. So wur­de das Pascha zum Fest der Erret­tung, des Schut­zes, der Befrei­ung. Gott hol­te Isra­el aus der Skla­ve­rei in Ägyp­ten, damit sie ihm auch in geist­li­cher Frei­heit, frei von jedem heid­ni­schen Ein­fluss als hei­li­ges Volk dienten.

3 Jesus ist Opfer, Pries­ter, Gnadenstuhl

3.1 Jesus, das Opfer

An etli­chen Stel­len des Neu­en Tes­ta­ments wird der Tod Jesu mit einem Opfer verglichen:

… und wan­delt in Lie­be, wie auch der Chris­tus uns geliebt und sich selbst für uns hin­ge­ge­ben hat als Opfer­ga­be und Schlacht­op­fer, Gott zu einem duf­ten­den Wohl­ge­ruch. (Ephe­ser 5,2)

… der nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohen­pries­ter, zuerst für die eige­nen Sün­den Schlacht­op­fer dar­zu­brin­gen, dann für die des Vol­kes; denn dies hat er ein für alle­mal getan, als er sich selbst dar­ge­bracht hat. (Hebrä­er 7,27)

… wie viel mehr wird das Blut des Chris­tus, der sich selbst durch den ewi­gen Geist ohne Feh­ler Gott dar­ge­bracht hat, euer Gewis­sen rei­ni­gen von toten Wer­ken, damit ihr dem leben­di­gen Gott dient! (Hebrä­er 9,14)

Es ist nun nötig, dass die Abbil­der der himm­li­schen Din­ge hier­durch gerei­nigt wer­den, die himm­li­schen Din­ge selbst aber durch bes­se­re Schlacht­op­fer als die­se. Denn der Chris­tus ist nicht hin­ein­ge­gan­gen in ein mit Hän­den gemach­tes Hei­lig­tum, ein Gegen­bild des wah­ren, son­dern in den Him­mel selbst, um jetzt vor dem Ange­sicht Got­tes für uns zu erschei­nen, auch nicht, um sich selbst oft­mals zu opfern, wie der Hohe­pries­ter all­jähr­lich mit frem­dem Blut in das Hei­lig­tum hin­ein­geht – sonst hät­te er oft­mals lei­den müs­sen von Grund­le­gung der Welt an -; jetzt aber ist er ein­mal in der Voll­endung der Zeit­al­ter offen­bar gewor­den, um durch sein Opfer die Sün­de auf­zu­he­ben. Und wie es den Men­schen bestimmt ist, ein­mal zu ster­ben, danach aber das Gericht, so wird auch der Chris­tus, nach­dem er ein­mal geop­fert wor­den ist, um vie­ler Sün­den zu tra­gen, zum zwei­ten Male ohne Sün­de denen zum Heil erschei­nen, die ihn erwar­ten. (Hebrä­er 9,23–28)

Dar­um spricht er, als er in die Welt kommt: „Schlacht­op­fer und Opfer­ga­be hast du nicht gewollt, einen Leib aber hast du mir berei­tet; an Brand­op­fern und Sünd­op­fern hast du kein Wohl­ge­fal­len gefun­den. Da sprach ich: Sie­he, ich kom­me – in der Buchrol­le steht von mir geschrie­ben -, um dei­nen Wil­len, o Gott zu tun.“ Vor­her sagt er: „Schlacht­op­fer und Opfer­ga­ben und Brand­op­fer und Sünd­op­fer hast du nicht gewollt, auch kein Wohl­ge­fal­len dar­an gefun­den“ – die doch nach dem Gesetz dar­ge­bracht wer­den -; dann sprach er: „Sie­he, ich kom­me, um dei­nen Wil­len zu tun“ – er nimmt das Ers­te weg, um das Zwei­te auf­zu­rich­ten -. In die­sem Wil­len sind wir gehei­ligt durch das ein für alle­mal gesche­he­ne Opfer des Lei­bes Jesu Chris­ti. Und jeder Pries­ter steht täg­lich da, ver­rich­tet den Dienst und bringt oft die­sel­ben Schlacht­op­fer dar, die nie­mals Sün­den hin­weg­neh­men kön­nen. Die­ser aber hat ein Schlacht­op­fer für Sün­den dar­ge­bracht und sich für immer gesetzt zur Rech­ten Got­tes. Fort­an war­tet er, bis sei­ne Fein­de hin­ge­legt sind als Sche­mel sei­ner Füße. Denn mit einem Opfer hat er die, die gehei­ligt wer­den, für immer voll­kom­men gemacht. (Hebrä­er 10,5–14)

Die­se Stel­len fin­den sich vor allem im Brief an die Hebrä­er. Dort geht es dem Autor dar­um, sei­nen juden­christ­li­chen Lesern dar­zu­le­gen, dass durch die in Jesus erfolg­te Erlö­sung der alt­tes­ta­ment­li­che Opfer­kult hin­fäl­lig gewor­den ist. So ver­gleicht Bar­na­bas[6] den Tod Jesu mit den Opfern des Alten Bun­des, ins­be­son­de­re mit dem am Ver­söh­nungs­tag geschlach­te­ten, und stellt das Opfer Jesu als das­je­ni­ge dar, das im Gegen­satz zu den im Alten Bund dar­ge­brach­ten die Sün­den wirk­lich weg­neh­men konn­te. Was war der Kern des Opfers Jesu, dass es wirk­li­che Ver­ge­bung brin­gen konn­te? Bar­na­bas beant­wor­tet die­se Fra­ge mit einem Zitat aus Psalm 40:

„Sie­he, ich kom­me, um dei­nen Wil­len zu tun“ (Hebrä­er 10,9)

Der Tod Jesu war die kon­se­quen­te Fort­set­zung sei­nes hei­li­gen Lebens. Er kam, um Got­tes Wil­len zu tun, von sei­nem ers­ten bis zu sei­nem letz­ten Atem­zug hier auf die­ser Erde. Nicht der Tod oder das Blut in sich ist es, was uns ret­tet. Es ist sei­ne lie­ben­de Hin­ga­be, die zuerst in sei­ner Mensch­wer­dung, dann in sei­nem gehor­sa­men, sich selbst ver­schen­ken­den Leben sicht­bar wur­de. Sie erreich­te ihren Höhe­punkt in sei­nem Tod. Durch die­ses Gott wohl­ge­fäl­li­ge Opfer befreit er uns von unse­ren Sün­den, wenn wir sei­ne ver­ge­bungs­be­rei­te Hin­wen­dung zu uns Men­schen mit unse­rer Hin­wen­dung zu ihm beant­wor­ten. Wenn wir uns ihm im Glau­ben und in Demut anver­trau­en, kann er uns ver­ge­ben und uns umge­stal­ten, um für die ewi­ge Gemein­schaft mit Gott bereit zu sein.

Wenn Pau­lus in Ephe­ser 5,2 vom Opfer Jesu spricht, so haben wir die­se Aus­drucks­wei­se auch im Zusam­men­hang zu verstehen:

Seid nun Nach­ah­mer Got­tes als gelieb­te Kin­der! Und wan­delt in Lie­be, wie auch der Chris­tus uns geliebt und sich selbst für uns hin­ge­ge­ben hat als Opfer­ga­be und Schlacht­op­fer, Gott zu einem duf­ten­den Wohl­ge­ruch! (Ephe­ser 5,1–2)

Sei­ne Lie­be ist das Vor­bild für unse­re Lie­be, sei­ne Hin­ga­be das Bei­spiel für unse­re Hin­ga­be. Pau­lus führt dann im wei­te­ren Ver­lauf des Kapi­tels auch aus, wie die­ses Leben der Hin­ga­be kon­kret aus­schaut. Es ist ein Leben in Rein­heit, Beschei­den­heit, Nüch­tern­heit, Ehr­lich­keit, ein Leben, durch das Gott ver­herr­licht wird. Der Ver­gleich mit den Opfern drückt aus, wie sehr alles, was er getan hat, im Leben und im Tod Gott gefal­len und ihn ver­herr­licht hat.

Des­we­gen fin­den wir in der Bibel auch ver­schie­dent­lich Ver­glei­che unse­res christ­li­chen Lebens mit einem Opfer­dienst, ohne dass damit aus­ge­drückt wird, dass jeder Christ als Mär­ty­rer ster­ben soll.

Ich ermah­ne euch nun, Brü­der, durch die Erbar­mun­gen Got­tes, eure Lei­ber dar­zu­stel­len als ein leben­di­ges, hei­li­ges, Gott wohl­ge­fäl­li­ges Opfer, was euer ver­nünf­ti­ger Got­tes­dienst ist … (Römer 12,1)

Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes dar­brin­gen! Das ist: Frucht der Lip­pen, die sei­nen Namen beken­nen. Das Wohl­tun und Mit­tei­len aber ver­gesst nicht! Denn an sol­chen Opfern hat Gott Wohl­ge­fal­len. (Hebrä­er 13,15–16)

In die­sen Zusam­men­hang passt auch ein Wort aus dem ers­ten Johan­nes­brief, das die Opfer­ter­mi­no­lo­gie nicht verwendet:

Hier­an haben wir die Lie­be erkannt, dass er für uns sein Leben hin­ge­ge­ben hat; auch wir sind schul­dig, für die Brü­der das Leben hin­zu­ge­ben. (1. Johan­nes 3,16)

Wei­ters auch Ephe­ser 5,25–27:

Ihr Män­ner, liebt eure Frau­en, wie auch der Chris­tus die Gemein­de geliebt und sich selbst für sie hin­ge­ge­ben hat, um sie zu hei­li­gen, sie rei­ni­gend durch das Was­ser­bad im Wort, damit er die Gemein­de sich selbst ver­herr­licht dar­stell­te, die nicht Fle­cken oder Run­zel oder etwas der­glei­chen habe, son­dern dass sie hei­lig und tadel­los sei.

Wenn wir hier den Ver­gleich der Hin­ga­be Jesu mit der eines lie­be­vol­len Ehe­man­nes sehen, kön­nen wir erken­nen, dass das Wesent­li­che nicht der Tod ist, son­dern die Hin­ga­be, die er sei­ner Frau Tag für Tag erweist. Das Ziel der lie­ben­den Hin­ga­be des Ehe­man­nes ist nicht der Tod, son­dern das gemein­sa­me Leben. In einer gefähr­li­chen Situa­ti­on wird er aber bereit sein, sein Leben ein­zu­set­zen, um das sei­ner Frau zu ret­ten, so wie auch der gute Hir­te sein Leben für die Scha­fe gibt und nicht davon­läuft, wenn er den Wolf kom­men sieht (Johan­nes 10,11–12). So hat auch Jesus sein Leben für uns ein­ge­setzt und uns gerettet.

3.2 Jesus, der Priester

Im Hebrä­er­brief wird Jesus nicht nur mit dem Opfer des Ver­söh­nungs­ta­ges ver­gli­chen, son­dern auch mit dem Hohen­pries­ter, der an die­sem Tag das ein­zi­ge Mal im Jahr das Aller­hei­ligs­te betre­ten durfte.

Die Auf­ga­be der alt­tes­ta­ment­li­chen Pries­ter war die eines Mitt­lers zwi­schen Gott und den Men­schen. Sie soll­ten durch ihre Opfer die Anlie­gen der Men­schen vor Gott brin­gen, ins­be­son­de­re Opfer für die Sün­den dar­brin­gen, um dadurch die durch die Sün­den ent­stan­de­ne Kluft zwi­schen Gott und Mensch zu über­brü­cken. Da die Pries­ter aber selbst Sün­der waren, konn­ten sie die­se Auf­ga­be nur in sehr unvoll­kom­me­ner Wei­se erfül­len. Nur Jesus, der Gott und Mensch in einer Per­son ist, der als Mensch nie gesün­digt hat, konn­te die Brü­cke zwi­schen Gott und Mensch in voll­kom­me­ner Wei­se schla­gen. Er ist die Brü­cke zwi­schen Gott und Mensch, der ein­zi­ge Mittler:

Denn einer ist Gott, und einer ist Mitt­ler zwi­schen Gott und Men­schen, der Mensch Chris­tus Jesus, der sich selbst als Löse­geld für alle gab, als das Zeug­nis zur rech­ten Zeit. (1. Timo­theus 2,5–6)

Jesus steht als Mensch ganz auf unse­rer Sei­te. Er kennt uns in unse­rer Schwach­heit und unse­ren Versuchungen:

Denn wir haben nicht einen Hohen­pries­ter, der nicht Mit­leid[7] haben könn­te mit unse­ren Schwach­hei­ten, son­dern der in allem in glei­cher Wei­se wie wir ver­sucht wor­den ist, doch ohne Sün­de. (Hebrä­er 4,15)

Des­we­gen kann gera­de er uns in unse­ren Nöten und Schwä­chen hel­fen. Er hat trotz aller Ver­su­chun­gen nie gesün­digt und kann des­we­gen auch die Sün­de in unse­rem Leben über­win­den. Er ist ein hei­li­ger Hoherpriester:

Denn ein sol­cher Hoher­pries­ter geziem­te sich auch für uns: hei­lig, sünd­los, unbe­fleckt, abge­son­dert von den Sün­dern und höher als die Him­mel gewor­den, der nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohen­pries­ter, zuerst für die eige­nen Sün­den Schlacht­op­fer dar­zu­brin­gen, dann für die des Vol­kes; denn dies hat er ein für alle Mal getan, als er sich selbst dar­ge­bracht hat. (Hebrä­er 7,26–27)

Er hat in sei­ner Auf­er­ste­hung den Tod über­wun­den und lebt in alle Ewigkeit:

Daher kann er die auch völ­lig ret­ten, die sich durch ihn Gott nahen, weil er immer lebt, um sich für sie zu ver­wen­den. (Hebrä­er 7,25)

Jesus ist der Imma­nu­el, der „Gott mit uns“ (Mat­thä­us 1,23) . Er ist Gott, der Mensch gewor­den ist:

Und das Wort wur­de Fleisch und wohn­te unter uns, und wir haben sei­ne Herr­lich­keit ange­schaut, eine Herr­lich­keit als eines Ein­ge­bo­re­nen vom Vater, vol­ler Gna­de und Wahr­heit. (Johan­nes 1,14)

3.3 Jesus, der Gnadenstuhl

Im Neu­en Tes­ta­ment wird das Bild des alt­tes­ta­ment­li­chen Ver­söh­nungs­ta­ges (sie­he Levi­ti­kus 16) in ver­schie­dens­ter Wei­se ver­wen­det, um unter­schied­li­che Aspek­te des Erlö­sungs­wer­kes Jesu aus­zu­drü­cken. So wird Jesus nicht nur als Opfer, als Pries­ter, son­dern auch als Gna­den­stuhl dargestellt.

Pau­lus schreibt im Römerbrief:

Jetzt aber ist ohne Gesetz Got­tes Gerech­tig­keit offen­bart wor­den, bezeugt durch das Gesetz und die Pro­phe­ten: Got­tes Gerech­tig­keit aber durch Glau­ben an Jesus Chris­tus für alle, die glau­ben. Denn es ist kein Unter­schied, denn alle haben gesün­digt und erlan­gen nicht die Herr­lich­keit Got­tes und wer­den umsonst gerecht­fer­tigt durch sei­ne Gna­de, durch die Erlö­sung, die in Chris­tus Jesus ist. Ihn hat Gott hin­ge­stellt als einen Gna­den­stuhl[8] in sei­nem Blut durch den Glau­ben[9] zum Erweis sei­ner Gerech­tig­keit wegen des Hin­ge­hen­las­sens der vor­her gesche­he­nen Sün­den unter der Nach­sicht Got­tes; zum Erweis sei­ner Gerech­tig­keit in der jet­zi­gen Zeit, dass er gerecht sei und den recht­fer­ti­ge, der des Glau­bens an Jesus ist. (Römer 3,21–26)

Pau­lus bezeich­net hier Jesus als „Gna­den­stuhl“ (laut Elber­fel­der Über­set­zung 1905), im Grie­chi­schen „hilas­ter­ion“. Das weist auf den Deckel der Bun­des­la­de im alt­tes­ta­ment­li­chen Kult hin, auf den der Hohe­pries­ter am Ver­söh­nungs­tag das Blut des als Sünd­op­fer geschlach­te­ten Bockes gesprengt hat (ver­glei­che dazu Levi­ti­kus 16,15–16). Die­ser Deckel wur­de von Luther „Gna­den­stuhl“ genannt. Das Spren­gen des Blu­tes auf die­sen Deckel sym­bo­li­sier­te die Ver­söh­nung, die Gott dem Volk Isra­el schenk­te, Rei­ni­gung von den Sün­den, wie wir es in Levi­ti­kus 16,30 aus­ge­drückt finden:

Denn an die­sem Tage geschieht eure Ver­söh­nung, dass ihr gerei­nigt wer­det; von allen euren Sün­den wer­det ihr gerei­nigt vor dem HERRN. (Levi­ti­kus 16,30; Luther 1912)

Das auf den Deckel gespreng­te Blut steht für das Leben, das Gott schenkt.[10]

Der Text von Römer 3,25.26a spricht also davon, dass Gott Jesus zur Stät­te der Begeg­nung mit Gott, sei­ner Offen­ba­rung und Ver­söh­nung ein­ge­setzt hat. In ihm hat sich Gott selbst geof­fen­bart. Sein Blut ist das ewi­ge Leben, das uns durch ihn zuteil wird. Wir emp­fan­gen die­ses Leben, wenn wir ihm glau­ben und ihm fol­gen. Gott selbst hat sich also in Jesu Tod und Auf­er­we­ckung als der Begeg­nen­de und Ver­söh­nen­de kund­ge­macht.[11]

Da wir nun einen gro­ßen Hohen­pries­ter haben, der durch die Him­mel gegan­gen ist, Jesus, den Sohn Got­tes, so lasst uns das Bekennt­nis fest­hal­ten! Denn wir haben nicht einen Hohen­pries­ter, der nicht Mit­leid haben könn­te mit unse­ren Schwach­hei­ten, son­dern der in allem in glei­cher Wei­se wie wir ver­sucht wor­den ist, doch ohne Sün­de. Lasst uns nun mit Frei­mü­tig­keit hin­zu­tre­ten zum Thron der Gna­de, damit wir Barm­her­zig­keit emp­fan­gen und Gna­de fin­den zur recht­zei­ti­gen Hil­fe! (Hebrä­er 4,14–16)

Die Tat­sa­che, dass uns Jesus im Neu­en Tes­ta­ment sowohl als Hoher­pries­ter als auch als Opfer und sogar als Deckel der Bun­des­la­de vor­ge­stellt wird, zeigt, dass hier die ver­schie­de­nen Aspek­te des jüdi­schen Ritus des Ver­söh­nungs­ta­ges auf Jesus über­tra­gen wer­den, dass in ihm unse­re Ver­söh­nung mit Gott gesche­hen ist, aber auch, dass wir kei­nes die­ser Bil­der zu wört­lich ver­ste­hen sollten.

Der manch­mal ange­führ­te Ver­gleich Jesu mit dem in die Wüs­te geschick­ten Bock, auf den der Hohe­pries­ter die Sün­den des Vol­kes „gelegt“ hat (Levi­ti­kus 16,21–22), fin­det sich hin­ge­gen im Neu­en Tes­ta­ment nicht. Auch im Alten Tes­ta­ment geschah die Ver­söh­nung durch den geop­fer­ten Bock, nicht durch den in die Wüs­te gesand­ten. Die­ser Bock „für Asasel“ (Levi­ti­kus 16,8) soll­te eine Illus­tra­ti­on der Weg­schaf­fung der Sün­den sein, nicht mehr. Jesus ist nicht unser Sün­den­bock, er ist unser Pries­ter und Herr.

Exkurs 1: Das Blut Jesu

Bei der Ein­set­zung des Her­ren­mah­les wies Jesus auf sein „Blut des Bun­des, das für vie­le ver­gos­sen wird zur Ver­ge­bung der Sün­den“ hin (Mat­thä­us 26,28). Sei­nem Bei­spiel fol­gend fin­den wir auch zahl­rei­che Hin­wei­se auf das Blut Jesu in den Schrif­ten der Apos­tel, wie etwa in fol­gen­den Stellen:

Ihn hat Gott hin­ge­stellt als einen Gna­den­stuhl  in sei­nem Blut durch den Glau­ben zum Erweis sei­ner Gerech­tig­keit wegen des Hin­ge­hen­las­sens der vor­her gesche­he­nen Sün­den. (Römer 3,25)

In ihm haben wir die Erlö­sung durch sein Blut, die Ver­ge­bung der Ver­ge­hun­gen, nach dem Reich­tum sei­ner Gna­de. (Ephe­ser 1,7)

… indem er Frie­den gemacht hat durch das Blut sei­nes Kreu­zes … (Kolos­ser 1,20)

… wie viel mehr wird das Blut des Chris­tus, der sich selbst durch den ewi­gen Geist als Opfer ohne Feh­ler Gott dar­ge­bracht hat, euer Gewis­sen rei­ni­gen von toten Wer­ken, damit ihr dem leben­di­gen Gott dient! (Hebrä­er 9,14)

… son­dern mit dem kost­ba­ren Blut Chris­ti als eines Lam­mes ohne Feh­ler und ohne Fle­cken. (1. Petrus 1,19)

Wenn wir aber im Licht wan­deln, wie er im Licht ist, haben wir Gemein­schaft mit­ein­an­der, und das Blut Jesu, sei­nes Soh­nes, rei­nigt uns von jeder Sün­de. (1. Johan­nes 1,7)

Und sie sin­gen ein neu­es Lied und sagen: Du bist wür­dig, das Buch zu neh­men und sei­ne Sie­gel zu öff­nen; denn du bist geschlach­tet wor­den und hast durch dein Blut Men­schen für Gott erkauft aus jedem Stamm und jeder Spra­che und jedem Volk und jeder Nati­on (Offen­ba­rung 5,9)

Und sie haben ihn über­wun­den wegen des Blu­tes des Lam­mes und wegen des Wor­tes ihres Zeug­nis­ses, und sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod! (Offen­ba­rung 12,11)

Die­se unvoll­stän­di­ge Aus­wahl neu­tes­ta­ment­li­cher Stel­len über das Blut Jesu zeigt die gro­ße Bedeu­tung, die die Apos­tel dem Blut Jesu bei­gemes­sen haben. Durch das Blut haben wir die Erlö­sung, die Ver­ge­bung der Sün­den, sind wir erkauft, gerei­nigt. Durch das Blut des Lam­mes über­win­den wir. Es ist offen­sicht­lich, dass mit dem Blut hier nicht die Kör­per­flüs­sig­keit gemeint ist, wie auch die For­mu­lie­rung „durch das Blut sei­nes Kreu­zes“ in Kolos­ser 1,20 zeigt, da bei der Hin­rich­tungs­art der Kreu­zi­gung, so grau­sam sie war, der Blut­ver­lust im Ver­gleich zu ande­ren Hin­rich­tun­gen (z. B. Ent­haup­tung) nicht so stark war.

Zur Ver­deut­li­chung mögen zwei alt­tes­ta­ment­li­che Stel­len helfen:

Denn das Leben aller Wesen aus Fleisch ist das Blut, das dar­in ist. Ich habe zu den Israe­li­ten gesagt: Das Blut irgend­ei­nes Wesens aus Fleisch dürft ihr nicht genie­ßen; denn das Leben aller Wesen aus Fleisch ist ihr Blut. (Levi­ti­kus 17,14 – Einheitsübersetzung)

Doch beherr­sche dich und genie­ße kein Blut; denn Blut ist Lebens­kraft und du sollst nicht zusam­men mit dem Fleisch die Lebens­kraft ver­zeh­ren. (Deu­te­ro­no­mi­um 12,23 – Einheitsübersetzung)

In die­sen bei­den Stel­len geht es nicht um das Blut eines Men­schen, es geht um das Blut von Tie­ren. Das alt­tes­ta­ment­li­che Ver­bot des Blut­ge­nus­ses wird damit begrün­det, dass das Leben aller Wesen im Blut ist bzw. dass das Blut das Leben (oder die Lebens­kraft, wie es die Ein­heits­über­set­zung aus­drückt) ist. Die­se Bezie­hung zwi­schen Blut und Leben liegt ver­mut­lich auch der Bedeu­tung des Blu­tes in den alt­tes­ta­ment­li­chen Opfern zugrun­de, wie das auch in Levi­ti­kus 17,11 aus­ge­drückt wird:

Denn das Leben[12] des Flei­sches ist im Blut, und ich selbst habe es euch auf den Altar gege­ben, Ver­söh­nung[13] für eure See­len zu erwir­ken. Denn das Blut ist es, das Süh­nung tut durch das Leben [in ihm].

Was die Sün­de tot gemacht hat, das macht Gott leben­dig. Das Blut dient als Sym­bol für die Leben schaf­fen­de Kraft Gottes.

Die­ser Gedan­ke hilft uns auch, den Wert des Blu­tes Jesu zu ver­ste­hen. Jesus war nicht nur Mensch. In ihm ist Gott als Mensch zu uns gekom­men. Das Blut als Sym­bol des Lebens ist somit auch ein Sym­bol des gött­li­chen Lebens, das uns in Jesus geschenkt ist. Durch den Glau­ben an ihn öff­nen wir uns für das uns in sei­ner Hin­ga­be geschenk­te Leben, das von Gott kommt. Die­ses hei­ligt uns und macht uns zu neu­en Men­schen, die zu Got­tes Ehre leben.

Da sei­ne gött­li­che Kraft uns alles zum Leben und zur Gott­se­lig­keit geschenkt hat durch die Erkennt­nis des­sen, der uns beru­fen hat durch sei­ne eige­ne Herr­lich­keit und Tugend, durch die er uns die kost­ba­ren und größ­ten Ver­hei­ßun­gen geschenkt hat, damit ihr durch sie Teil­ha­ber der gött­li­chen Natur[14] wer­det, die ihr dem Ver­der­ben, das durch die Begier­de in der Welt ist, ent­flo­hen seid. (2. Petrus 1,3–4)

Jesu Blut steht auch für sein Leben, das er für uns hin­ge­ge­ben hat. Er hat sein Blut ver­gos­sen, das heißt, er hat sich selbst ganz und gar für uns hin­ge­ge­ben, bis in den Tod hin­ein. Durch sei­ne Hin­ga­be haben wir die Ver­ge­bung, sind wir gerei­nigt, schenkt er uns die Kraft zur Überwindung.

Dass das Blut der Opfer­tie­re nicht den stell­ver­tre­ten­den Tod für die Opfern­den aus­drü­cken soll, zeigt auch, dass Tie­re nicht nur bei Sünd­op­fern, son­dern auch bei Dank­op­fern geschlach­tet wur­den. Wenn das Blut den stell­ver­tre­ten­den Tod für die Schuld des Opfern­den aus­drückt, passt das nicht zu Opfern, die nicht im Zusam­men­hang mit Sün­de ste­hen, son­dern die aus rei­ner Dank­bar­keit her­aus gesche­hen sind. Fer­ner ist zu beach­ten, dass der Gedan­ke vom stell­ver­tre­ten­den Tod des Opfer­tie­res beim Sünd­op­fer ganz armer Israe­li­ten nicht mehr gege­ben wäre, da die­ses laut Levi­ti­kus 5,11 aus einem Zehn­tel Efa[15] Fein­mehl bestand. Wenn wir aber das Opfer als Gabe sehen, so konn­te bei armen Leu­ten das Blut auch durch Mehl ersetzt wer­den.[16]

Doch spricht nicht Hebrä­er 9,22 davon, dass es zur Sün­den­ver­ge­bung unbe­dingt not­wen­dig ist, dass Blut ver­gos­sen wird? Es heißt dort:

… und fast alle Din­ge wer­den mit Blut gerei­nigt nach dem Gesetz, und ohne Blut­ver­gie­ßen gibt es kei­ne Vergebung.

Der Aus­druck „nach dem Gesetz“ deu­tet dar­auf hin, dass es dem Autor hier nicht dar­um geht, einen uni­ver­sa­len Grund­satz der Sün­den­ver­ge­bung zu for­mu­lie­ren, dem zufol­ge Gott ohne Blut­ver­gie­ßen nicht ver­ge­ben kön­ne. Bar­na­bas weist hier dar­auf hin, dass das Blut im alt­tes­ta­ment­li­chen Kult eine gro­ße Rol­le spiel­te und auch Sün­den­ver­ge­bung im Regel­fall mit Blut­ver­gie­ßen ver­bun­den war. Wir fin­den auch im Alten Tes­ta­ment Bei­spie­le, wo Gott die Sün­den ohne jedes Blut­ver­gie­ßen ver­ge­ben hat, etwa in den Sünd­op­fern der Ärms­ten (Levi­ti­kus 5,11) oder nach der Sün­de Davids, wo der Pro­phet Nathan dem Sün­der ohne jedes Opfer die Ver­ge­bung zuge­spro­chen hat (2. Samu­el 12,13). Auch in den Psal­men 32 und 103, die Gott wegen sei­ner Ver­ge­bung loben, wer­den Opfer und Blut­ver­gie­ßen mit kei­nem Wort erwähnt.

Auch im Neu­en Tes­ta­ment fin­den wir, dass Johan­nes die Ver­ge­bung der Sün­den ver­kün­det hat und als ein­zi­ge Bedin­gung die Umkehr, die durch das Zei­chen der Tau­fe aus­ge­drückt wur­de, ver­langt hat (Lukas 3,3–18).

Auch Jesus ver­gab Sün­den, ohne auf die Not­wen­dig­keit eines blu­ti­gen Opfers hin­zu­wei­sen, z. B. Mar­kus 2,1–11; Lukas 7,47–48. Jesus hat aber wie­der­holt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Gott uns nur dann ver­ge­ben kann, wenn auch wir ver­ge­bungs­be­reit sind, z. B. Mat­thä­us 6,14–15; 18,21–35.

Inter­es­sant ist auch eine Epi­so­de aus dem Leben Davids:

Und David ver­spür­te ein Ver­lan­gen und sag­te: Wer gibt mir Was­ser zu trin­ken aus der Zis­ter­ne von Beth­le­hem, die im Tor ist? Da dran­gen die drei Hel­den in das Heer­la­ger der Phi­lis­ter ein und schöpf­ten Was­ser aus der Zis­ter­ne von Beth­le­hem, die im Tor ist, und nah­men es mit und brach­ten es David. Aber er woll­te es nicht trin­ken, son­dern goss es als Trank­op­fer für den HERRN aus. Und er sag­te: Fern sei es von mir vor dem HERRN, dass ich das tue! Ist es nicht das Blut der Män­ner, die um ihr Leben hin­ge­gan­gen sind? Und er woll­te es nicht trin­ken. (2. Samu­el 23,15–17)

Die Hel­den Davids haben ihr Leben ein­ge­setzt, um David das gewünsch­te Was­ser zu brin­gen. Dar­um hat David die­ses Was­ser als Blut die­ser Män­ner bezeich­net. Die­se Män­ner haben ihr Blut für David gege­ben, ohne dass sie auch nur einen Trop­fen Blut ver­lo­ren haben.

Jesus hat sein Blut, sein Leben, für uns gege­ben. Der Wert der Erlö­sung liegt in der Lie­be, in der Hin­ga­be, in der Hei­lig­keit unse­res Herrn, in sei­nem Gehor­sam zum Vater. Die­ser Zusam­men­hang zwi­schen Blut, Leben und Gehor­sam wird auch aus Römer 5,9.18–19 sichtbar:

9 Viel­mehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerecht­fer­tigt sind, wer­den wir durch ihn vom Zorn geret­tet werden. …
18 Wie es nun durch eine Über­tre­tung für alle Men­schen zur Ver­damm­nis kam, so auch durch eine Gerech­tig­keit für alle Men­schen zur Recht­fer­ti­gung des Lebens. 19 Denn wie durch des einen Men­schen Unge­hor­sam die vie­len in die Stel­lung von Sün­dern ver­setzt wor­den sind, so wer­den auch durch den Gehor­sam des einen die vie­len in die Stel­lung von Gerechten 

Vers 9: Recht­fer­ti­gung durch Jesu Blut
Vers 18: Recht­fer­ti­gung durch Jesu Gerechtigkeit
Vers 19: Recht­fer­ti­gung durch Jesu Gehorsam

Das zeigt auch, dass es Gott nicht an ein paar Litern Kör­per­flüs­sig­keit liegt. Er ist kein blut­rüns­ti­ger Göt­ze, der durch ein bar­ba­ri­sches mör­de­ri­sches Ritu­al zufrie­den­ge­stellt wer­den muss. Er ist die Lie­be in Per­son und hat aus die­ser Lie­be her­aus sich selbst in sei­nem Sohn für uns hin­ge­ge­ben. Er war­tet dar­auf, dass wir die­se sei­ne Lie­be durch unse­re Lie­be und Hin­ga­be, die er in uns durch den Glau­ben bewir­ken will, erwidern.

Der Gott des Frie­dens aber, der den gro­ßen Hir­ten der Scha­fe aus den Toten her­auf­ge­führt hat durch das Blut eines ewi­gen Bun­des, unse­ren Herrn Jesus, voll­ende euch in allem Guten, damit ihr sei­nen Wil­len tut, indem er in uns schafft, was vor ihm wohl­ge­fäl­lig ist, durch Jesus Chris­tus, dem die Herr­lich­keit sei von Ewig­keit zu Ewig­keit! Amen (Hebrä­er 13,20–21)

Exkurs 2: Ein Menschenopfer?

Nicht nur Men­schen des 21. Jahr­hun­derts leh­nen Men­schen­op­fer als bar­ba­ri­schen Gräu­el ab. Bereits das Alte Tes­ta­ment unter­sag­te den Israe­li­ten der­ar­ti­ge Ritua­le auf das Strengste.

Als Bei­spiel sei hier nur Jere­mia 7,31 genannt:

Und sie haben die Höhen des Tofet gebaut, das im Tal Ben‐Hinnom ist, um ihre Söh­ne und ihre Töch­ter im Feu­er zu ver­bren­nen, was ich nicht gebo­ten habe und mir nie in den Sinn gekom­men ist.

Die bei den Kanaa­nä­ern ver­brei­te­ten Men­schen­op­fer waren den Israe­li­ten strikt ver­bo­ten. Sie wider­spra­chen dem Wil­len Got­tes abso­lut. Gott ist Der­ar­ti­ges nie in den Sinn gekom­men. Auch die Erzäh­lung vom Opfer Abra­hams in Gene­sis 22 soll­te zei­gen, dass Gott den Tod Isaaks nicht woll­te. Es ging viel­mehr um die Bereit­schaft Abra­hams, selbst auf den von Gott ver­hei­ße­nen Sohn zu ver­zich­ten, aber nicht um des­sen wirk­li­che Hinschlachtung:

Und er sprach: Stre­cke dei­ne Hand nicht aus nach dem Jun­gen, und tu ihm nichts! Denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürch­test, da du dei­nen Sohn, dei­nen ein­zi­gen, mir nicht vor­ent­hal­ten hast. (Gene­sis 22,12)

Abra­ham soll­te ler­nen, dass sein Sohn nicht sein Eigen­tum ist, son­dern der ihm von Gott geschenk­te Trä­ger der Ver­hei­ßung, den er ganz Gott zur Ver­fü­gung stel­len soll­te. Das drück­te er durch die Bereit­schaft aus, das Kost­bars­te zu geben. Die­se Gesin­nung war das Gott wohl­ge­fäl­li­ge Opfer. Dazu ruft Gott auch heu­te jeden Chris­ten auf:

Ich ermah­ne euch nun, Brü­der, durch die Erbar­mun­gen Got­tes, eure Lei­ber dar­zu­stel­len als ein leben­di­ges, hei­li­ges, Gott wohl­ge­fäl­li­ges Opfer, was euer ver­nünf­ti­ger Got­tes­dienst ist. (Römer 12,1)

Das ein­zi­ge Gott wohl­ge­fäl­li­ge „Men­schen­op­fer“, das im Alten Tes­ta­ment erwähnt wird, fin­den wir in Nume­ri 8:

Und Aaron soll die Levi­ten als Schwing­op­fer von den Söh­nen Isra­el vor dem HERRN dar­brin­gen, damit sie zum Ver­rich­ten des Diens­tes für den HERRN da sind. Und die Levi­ten sol­len ihre Hän­de auf den Kopf der Stie­re legen; und den einen sollst du als Sünd­op­fer und den ande­ren als Brand­op­fer dem HERRN opfern, um für die Levi­ten Süh­nung zu erwir­ken.[17] Und so sollst du die Levi­ten vor Aaron und vor sei­ne Söh­ne stel­len und sie dem HERRN als Schwing­op­fer dar­brin­gen. Und du sollst die Levi­ten aus der Mit­te der Söh­ne Isra­el aus­son­dern, damit die Levi­ten mir gehö­ren. Und danach sol­len die Levi­ten kom­men, um das Zelt der Begeg­nung zu bedie­nen. So sollst du sie rei­ni­gen und sie als Schwing­op­fer dar­brin­gen. (Nume­ri 8,11–15)

Die Levi­ten wer­den hier als ein Schwing­op­fer für Jah­we geop­fert. Das Schwing­op­fer bestand aber nicht in der Tötung der bei­den Stie­re, son­dern im Dienst der Levi­ten. Die Levi­ten waren das beson­de­re Eigen­tum Got­tes, ihr gan­zer Dienst war das Opfer, das Gott gefiel. Eine viel voll­kom­me­ne­re Opfer­ga­be als die Levi­ten, die wegen ihrer eige­nen Sün­den Opfer benö­tig­ten, war Jesus. Sein Dienst über­traf den der Levi­ten bei Weitem.

Auch wenn die Men­schen dem Ruf Jesu zur Bekeh­rung gefolgt wären und Jesus nicht von Ver­bre­chern ermor­det wor­den wäre, wäre sein Leben die voll­kom­me­ne Opfer­ga­be für die Erlö­sung der Welt gewe­sen, ein unblu­ti­ges Menschenopfer.

Exkurs 3: In wel­chem Sinn war der Tod Jesu notwendig?

Zahl­rei­che Stel­len des Neu­en Tes­ta­ments spre­chen über unse­re Erlö­sung durch den Tod Jesu. Doch heißt das, dass uns Gott ohne den Jus­tiz­mord an Jesus nicht hät­te erlö­sen kön­nen? Die Schrei­ber des Neu­en Tes­ta­ments gehen von der Tat­sa­che des Todes und der Auf­er­ste­hung Jesu aus. Spe­ku­la­tio­nen über alter­na­ti­ve Wege der Erlö­sung fin­den wir nicht. Wir möch­ten hier nur eini­ge Gedan­ken erwäh­nen, die uns zum Nach­den­ken füh­ren sollten.

Wir reden aber Weis­heit unter den Voll­kom­me­nen, jedoch nicht Weis­heit die­ses Zeit­al­ters, auch nicht der Fürs­ten die­ses Zeit­al­ters, die zunich­te wer­den, son­dern wir reden Got­tes Weis­heit in einem Geheim­nis, die ver­bor­ge­ne, die Gott vor­her­be­stimmt hat, vor den Zeit­al­tern, zu unse­rer Herr­lich­keit. Kei­ner von den Fürs­ten die­ses Zeit­al­ters hat sie erkannt – denn wenn sie sie erkannt hät­ten, so wür­den sie wohl den Herrn der Herr­lich­keit nicht gekreu­zigt haben – … (1. Korin­ther 2,6–8)

Hät­ten die „Fürs­ten die­ser Welt“ die Weis­heit Got­tes erkannt, hät­ten sie den Herrn der Herr­lich­keit nicht gekreu­zigt. Das heißt, dass es der Weis­heit Got­tes nicht wider­spro­chen hät­te, wenn Jesus am Leben geblie­ben wäre, denn es ging Gott um die Umkehr der Men­schen (1. Timo­theus 2,4). Hät­ten die jüdi­schen Füh­rer die Stim­me Got­tes in Jesus gehört und ihr gehorcht, hät­te das Volk Isra­el sei­nem Mes­si­as Glau­ben geschenkt, dann wäre die Erlö­sung dar­an gewiss nicht geschei­tert. Gott braucht nicht das Böse, um Gutes zu tun!

Und sol­len wir es etwa so machen, wie wir ver­läs­tert wer­den und wie eini­ge sagen, dass wir spre­chen: Lasst uns das Böse tun, damit das Gute kom­me? Deren Gericht ist gerecht. (Römer 3,8)

Auch Jesus drück­te klar aus, dass das Ziel sei­nes Kom­mens war, die Men­schen zu Gott zurück­zu­füh­ren, so etwa im Gleich­nis von den Weingärtnern:

Zuletzt aber sand­te er sei­nen Sohn zu ihnen, indem er sag­te: Sie wer­den sich vor mei­nem Sohn scheu­en! (Mat­thä­us 21,37)

oder in Mat­thä­us 23,37:

Jeru­sa­lem, Jeru­sa­lem, die da tötet die Pro­phe­ten und stei­nigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich dei­ne Kin­der ver­sam­meln wol­len, wie eine Hen­ne ihre Küken ver­sam­melt unter ihre Flü­gel, und ihr habt nicht gewollt!

Jesus war sich der Bos­heit der Men­schen, zu denen ihn der Vater gesandt hat­te, bewusst. Sei­ne Ant­wort auf die­se Bos­heit war Lie­be. Lie­be, die bereit war, in den Tod zu gehen. Doch wie viel bes­ser wäre es gewe­sen, hät­te die Lie­be Got­tes in Jesus ihre Ant­wort in der Lie­be der Men­schen gefun­den! Durch den Tod Jesu wer­den auch wir her­aus­ge­for­dert, unse­re Feind­schaft gegen Gott, unse­re Flucht vor ihm aufzugeben.

Lasst euch ver­söh­nen mit Gott! (2. Korin­ther 5,20)

Doch wie sind dann fol­gen­de Wor­te Jesu zu verstehen?

Ihr Unver­stän­di­gen und im Her­zen zu trä­ge, an alles zu glau­ben, was die Pro­phe­ten gere­det haben! Muss­te nicht der Chris­tus dies lei­den und in sei­ne Herr­lich­keit hin­ein­ge­hen? (Lukas 24,25–26)

Der Chris­tus muss­te durch Lei­den in sei­ne Herr­lich­keit ein­ge­hen. Nicht des­we­gen, weil er sein Blut ver­gie­ßen muss­te, um Gott zu ver­söh­nen und die Stra­fe für unse­re Sün­den zu bezah­len. Jesus woll­te die Herr­schaft Got­tes in die­ser Welt nicht mit Gewalt auf­rich­ten, son­dern durch Dienst und Hin­ga­be. Wenn der abso­lut Gute in die­se Welt kommt, die in Rebel­li­on gegen die Güte Got­tes lebt, und die Bösen nicht auf den Guten hören wol­len, ist deren Reak­ti­on Hass und Gewalt. Jesus blieb kon­se­quent in sei­ner Lie­be. Des­we­gen muss­te er den Weg des Lei­des und des Todes gehen, um so den Hass zu überwinden.

… den Fürs­ten des Lebens aber habt ihr getö­tet, den Gott aus den Toten auf­er­weckt hat, wovon wir Zeu­gen sind. … Gott aber hat so erfüllt, was er durch den Mund aller Pro­phe­ten vor­her ver­kün­digt hat, dass sein Chris­tus lei­den soll­te. So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sün­den aus­ge­tilgt wer­den, … (Apos­tel­ge­schich­te 3,15.18–19)

4 Jesus, der Sieger

Erst durch die Auf­er­ste­hung erhält der Tod Jesu sei­nen Sinn. Die Auf­er­ste­hung zeigt uns, dass Jesus nicht einer der zahl­rei­chen Idea­lis­ten war, die letzt­lich an der Bos­heit der Men­schen geschei­tert sind. Die Auf­er­ste­hung ist die gött­li­che Bestä­ti­gung, dass Jesus recht hat­te in sei­nen Wor­ten, in sei­nem Anspruch, der Mensch gewor­de­ne Gott zu sein. Die Auf­er­ste­hung zeigt uns, dass der Tod nicht das letz­te Wort hat, son­dern dass Jesus durch sei­ne Hin­ga­be bis in den Tod hin­ein den Tod über­wun­den hat. Er hat die Bos­heit der Sün­der ertra­gen, in der Ver­bin­dung mit ihm erfah­ren wir die Befrei­ung von der Sün­de:

Und euch, die ihr tot wart in den Ver­ge­hun­gen und in dem Unbe­schnit­ten­sein eures Flei­sches, hat er mit leben­dig gemacht mit ihm, indem er uns alle Ver­ge­hun­gen ver­ge­ben hat. Er hat die Hand­schrift[18] gegen uns gelöscht, die in Sat­zun­gen bestehen­de, die gegen uns war, und sie auch aus unse­rer Mit­te fort­ge­schafft, indem er sie ans Kreuz nagel­te; er hat die Gewal­ten und die Mäch­te völ­lig ent­waff­net und sie öffent­lich zur Schau gestellt. In ihm hat er den Tri­umph über sie gehal­ten. (Kolos­ser 2,13–15)

Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unse­ren Herrn Jesus Chris­tus! Daher, mei­ne gelieb­ten Brü­der, seid fest, uner­schüt­ter­lich, alle­zeit über­reich in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe im Herrn nicht ver­geb­lich ist! (1. Korin­ther 15,57–58)

Abschlie­ßend haben wir eini­ge Zita­te katho­li­scher und evan­ge­li­scher Autoren über ihre Ansich­ten bezüg­lich der Süh­ne­op­fer­leh­re zusammengestellt.


Fußnoten

  1. Sie­he dazu die Josefs­ge­schich­te (Gene­sis 37–50). Josef, der die Bos­heit sei­ner Brü­der erdul­de­te und ver­gab, blieb auch in sei­ner Ernied­ri­gung gehor­sam und got­tes­fürch­tig. So hat ihn Gott erhöht, und durch ihn hat Gott auch sei­nen Brü­dern in der Zeit der Hun­gers­not Ret­tung ver­schafft, obwohl sie ihn so schlecht behan­delt hatten.
  2. Exodus 15,16
  3. Das war eine im ers­ten Jahr­tau­send ver­brei­te­te Erklärung.
  4. Satan hat sich sei­ne Macht höchs­tens wider­recht­lich ange­eig­net. Er ist der “Fürst die­ser Welt” (z. B. in Johan­nes 12,31)
  5. Eine inter­es­san­te Par­al­le­le dazu ist Jesa­ja 53,3–4. Dort ist der Mes­si­as von den Men­schen ver­las­sen. Aber sie hiel­ten den Knecht Got­tes für von Gott geschla­gen und verlassen.
  6. Nach Ter­tul­li­an (Über die Ehr­bar­keit – De pudi­citia, 20) war Bar­na­bas der Autor des Hebräerbriefes.
  7. Das grie­chi­sche Wort “sym­pa­theo” bedeu­tet mit‐leiden, Mit­ge­fühl haben. Das meint etwas völ­lig ande­res und viel mehr als unser Wort “Sym­pa­thie”. Jesus begibt sich in unser Leid “hin­ein” und durch­lebt es mit uns.
  8. Wir haben an die­ser Stel­le den Text der revi­dier­ten Elber­fel­der Über­set­zung „Süh­ne­ort“ ent­spre­chend dem Text der Aus­ga­be von 1905 abge­än­dert. Die Über­set­zung „Süh­ne­ort“ impli­ziert den Gedan­ken, dass es dar­um geht, dass Gott für das ihm durch unse­re Sün­den zuge­füg­te Unrecht Kom­pen­sa­ti­on oder Satis­fak­ti­on erwar­tet. Ein Gedan­ke, der dem bibli­schen Den­ken fremd ist, in dem Gott es ist, der unse­re Sün­de weg­nimmt. Nicht Gott muss mit uns ver­söhnt wer­den, son­dern wir mit Gott. Der Begriff “Gna­den­stuhl” erin­nert auch an Hebrä­er 4,16.
  9. Wir fol­gen mit die­ser Über­set­zung dem Vor­schlag der Fuß­no­te der Elber­fel­der Bibel (ähn­lich auch die Über­set­zung von Kürz­in­ger und das Wör­ter­buch von Wal­ter Bauer).
  10. Sie­he dazu Exkurs 1 und Micha­el Rau, Im Blut ist das Leben! in: Deut­sches Pfar­rer­blatt, Heft 3/2002; Micha­el Rau: Im Blut ist das Leben!
  11. Ver­glei­che Stuhl­ma­cher, Peter: Zur neue­ren Exege­se von Römer 3,24–26. Stuhl­ma­cher sieht im Blut ein Sym­bol für die Lebens­hin­ga­be Jesu.
  12. Wir geben hier und noch zwei­mal in die­sem Vers das Wort “nefesch” nicht, wie die Elber­fel­der Über­set­zung mit “See­le”, son­dern mit “Leben” wie­der, was in die­sem Zusam­men­hang der Bedeu­tung die­ses Wor­tes entspricht.
  13. Wir geben das hebräi­sche Wort “kpr” im Piel mit “Ver­söh­nung wir­ken”, “ver­söh­nen” (mög­lich wäre auch die Bedeu­tung “rei­ni­gen”) wie­der, da die tra­di­tio­nel­le Über­set­zung “Süh­ne leis­ten” leicht mit der fal­schen Vor­stel­lung ver­bun­den wird, dass Gott zufrie­den­ge­stellt wer­den muss. Inter­es­san­te Gedan­ken dazu fin­den sich in: Deut­sches Pfar­rer­blatt, Heft 3/2002; Micha­el Rau: Im Blut ist das Leben!
  14. Der Aus­druck „Teil­ha­ber der gött­li­chen Natur“ meint natür­lich nicht, dass wir nicht mehr Men­schen sind, son­dern weist auf die enge Ver­bun­den­heit mit Gott hin, die uns in Jesus geschenkt ist.
  15. Ca. 2,2 Liter, nach ande­rer Erklä­rung 4 Liter.
  16. Als Bei­spiel sei hier auch die Geschich­te von Kain und Abel erwähnt, wo es sich nicht um Sünd­op­fer han­del­te, son­dern sie Gott eine Gabe dar­brin­gen woll­ten (Gene­sis 4,1–4;
  17. Oder bes­ser, wie in Fuß­no­te 13 erklärt, nach Luther 1912: die Levi­ten zu versöhnen.
  18. Das ist die wört­li­che Bedeu­tung des grie­chi­schen Aus­drucks „chei­ro­gra­phon“. Wir haben des­we­gen in die­sem Punkt die Über­set­zung der Elber­fel­der Bibel „Schuld­schein“ abgeändert.


Sie­he dazu die Josefs­ge­schich­te (Gene­sis 37–50). Josef, der die Bos­heit sei­ner Brü­der erdul­de­te und ver­gab, blieb auch in sei­ner Ernied­ri­gung gehor­sam und got­tes­fürch­tig. So hat ihn Gott erhöht, und durch ihn hat Gott auch sei­nen Brü­dern in der Zeit der Hun­gers­not Ret­tung ver­schafft, obwohl sie ihn so schlecht behan­delt hatten.

Exodus 15,16

Das war eine im ers­ten Jahr­tau­send ver­brei­te­te Erklärung.

Satan hat sich sei­ne Macht höchs­tens wider­recht­lich ange­eig­net. Er ist der “Fürst die­ser Welt” (z. B. in Johan­nes 12,31)

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Fern von meiner Rettung sind die Worte meines Gestöhns. Mein Gott, ich rufe bei Tage, und du antwortest nicht; und bei Nacht, und mir wird keine Ruhe. (Psalm 22,2–3)

Eine inter­es­san­te Par­al­le­le dazu ist Jesa­ja 53,3–4. Dort ist der Mes­si­as von den Men­schen ver­las­sen. Aber sie hiel­ten den Knecht Got­tes für von Gott geschla­gen und verlassen.

Nach Ter­tul­li­an (Über die Ehr­bar­keit – De pudi­citia, 20) war Bar­na­bas der Autor des Hebräerbriefes.

Das grie­chi­sche Wort “sym­pa­theo” bedeu­tet mit‐leiden, Mit­ge­fühl haben. Das meint etwas völ­lig ande­res und viel mehr als unser Wort “Sym­pa­thie”. Jesus begibt sich in unser Leid “hin­ein” und durch­lebt es mit uns.

Wir haben an die­ser Stel­le den Text der revi­dier­ten Elber­fel­der Über­set­zung „Süh­ne­ort“ ent­spre­chend dem Text der Aus­ga­be von 1905 abge­än­dert. Die Über­set­zung „Süh­ne­ort“ impli­ziert den Gedan­ken, dass es dar­um geht, dass Gott für das ihm durch unse­re Sün­den zuge­füg­te Unrecht Kom­pen­sa­ti­on oder Satis­fak­ti­on erwar­tet. Ein Gedan­ke, der dem bibli­schen Den­ken fremd ist, in dem Gott es ist, der unse­re Sün­de weg­nimmt. Nicht Gott muss mit uns ver­söhnt wer­den, son­dern wir mit Gott. Der Begriff “Gna­den­stuhl” erin­nert auch an Hebrä­er 4,16.

Wir fol­gen mit die­ser Über­set­zung dem Vor­schlag der Fuß­no­te der Elber­fel­der Bibel (ähn­lich auch die Über­set­zung von Kürz­in­ger und das Wör­ter­buch von Wal­ter Bauer).

Sie­he dazu Exkurs 1 und Micha­el Rau, Im Blut ist das Leben! in: Deut­sches Pfar­rer­blatt, Heft 3/2002; Micha­el Rau: Im Blut ist das Leben!

Ver­glei­che Stuhl­ma­cher, Peter: Zur neue­ren Exege­se von Römer 3,24–26. Stuhl­ma­cher sieht im Blut ein Sym­bol für die Lebens­hin­ga­be Jesu.

Wir geben hier und noch zwei­mal in die­sem Vers das Wort “nefesch” nicht, wie die Elber­fel­der Über­set­zung mit “See­le”, son­dern mit “Leben” wie­der, was in die­sem Zusam­men­hang der Bedeu­tung die­ses Wor­tes entspricht.

Wir geben das hebräi­sche Wort “kpr” im Piel mit “Ver­söh­nung wir­ken”, “ver­söh­nen” (mög­lich wäre auch die Bedeu­tung “rei­ni­gen”) wie­der, da die tra­di­tio­nel­le Über­set­zung “Süh­ne leis­ten” leicht mit der fal­schen Vor­stel­lung ver­bun­den wird, dass Gott zufrie­den­ge­stellt wer­den muss. Inter­es­san­te Gedan­ken dazu fin­den sich in: Deut­sches Pfar­rer­blatt, Heft 3/2002; Micha­el Rau: Im Blut ist das Leben!

Der Aus­druck „Teil­ha­ber der gött­li­chen Natur“ meint natür­lich nicht, dass wir nicht mehr Men­schen sind, son­dern weist auf die enge Ver­bun­den­heit mit Gott hin, die uns in Jesus geschenkt ist.

Ca. 2,2 Liter, nach ande­rer Erklä­rung 4 Liter.

Als Bei­spiel sei hier auch die Geschich­te von Kain und Abel erwähnt, wo es sich nicht um Sünd­op­fer han­del­te, son­dern sie Gott eine Gabe dar­brin­gen woll­ten (Gene­sis 4,1–4;

Oder bes­ser, wie in Fuß­no­te 13 erklärt, nach Luther 1912: die Levi­ten zu versöhnen.

Das ist die wört­li­che Bedeu­tung des grie­chi­schen Aus­drucks „chei­ro­gra­phon“. Wir haben des­we­gen in die­sem Punkt die Über­set­zung der Elber­fel­der Bibel „Schuld­schein“ abgeändert.