Hat Gott Jesus am Kreuz verlassen?

Schlagwörter: Erlösung

Es ist eine unter reli­giö­sen Men­schen weit ver­brei­te­te Ansicht über Erlö­sung, dass es für Gott unmög­lich sei, zugleich einer­seits gerecht zu sein und ande­rer­seits Sün­den unge­straft zu las­sen. Gott hät­te, auf­grund sei­ner Lie­be uns gegen­über, uns vor die­ser Stra­fe ret­ten wol­len, straf­te aber statt­des­sen sei­nen eige­nen Sohn, indem er ihn in der schwie­rigs­ten Situa­ti­on sei­nes Lebens – am Kreuz – ver­ließ, indem er ihn statt uns als Sün­der betrach­te­te. Die­se Auf­fas­sung über Jesu Tod wur­de (mit ein paar Abwei­chun­gen) stark durch die Theo­lo­gen Mar­tin Luther[1] und Johan­nes Cal­vin[2] geprägt. In vie­len reli­giö­sen Grup­pen wird die Erlö­sung mit einer Situa­ti­on, wie wir sie von Gerichts­pro­zes­sen ken­nen, ver­gli­chen, in denen der Rich­ter ver­pflich­tet ist, sich den Geset­zen des Staa­tes unter­zu­ord­nen und er als unge­recht gilt, wenn er einen Kri­mi­nel­len frei­spre­chen wür­de. Wir zeig­ten bereits im Arti­kel Got­tes Gerech­tig­keit und Ver­ge­bung, dass Got­tes Gerech­tig­keit eine ande­re ist, die nicht Stra­fe for­dert, wenn ein Sün­der sei­ne Sün­den bereut. Nun möch­ten wir uns eini­ge Bibel­stel­len genau­er anschau­en, die oft zur Unter­stüt­zung die­ser Ansicht ange­führt wer­den, dass Jesus, als Stra­fe für unse­re Sün­den, geist­lich von Gott ver­las­sen wor­den wäre.

Zwei Hände strecken sich zueinander aus, wie Gott sich nach dem Menschen ausstreckt.

1 Die letz­ten Wor­te Jesu am Kreuz

Eini­ge sei­ner letz­ten Wor­te, die Jesus sag­te, als er am Kreuz hing, fin­den wir in Mat­thä­us und Markus:

… Mein Gott, mein Gott, war­um hast du mich ver­las­sen? (Mat­thä­us 27,46b)

Jesus zitier­te die­se Wor­te aus Psalm 22. Der Zusam­men­hang des gesam­ten Psalms wird uns hel­fen, den Inhalt sei­ner Wor­te zu verstehen:

Wenn wir den Zusam­men­hang des Psalms näher betrach­ten, kön­nen wir sehen, dass ver­las­sen zu sein nicht heißt, geist­lich ver­las­sen zu sein, son­dern dem Leid aus­ge­setzt zu sein. Die Wor­te „war­um hast du mich ver­las­sen?“ waren kein ver­zwei­fel­ter Schrei ohne Ant­wort, son­dern ein Gebet, das erhört wurde.

In einer Situa­ti­on, in der es aus mensch­li­cher Sicht der Din­ge so schei­nen könn­te, als ob Gott Jesus ver­las­sen hät­te, bete­te Jesus die­ses Gebet aus vol­lem Ver­trau­en auf Got­tes Erret­tung. Sei­ne Wor­te zei­gen, dass das unver­dien­te Lei­den gerech­ter Men­schen ein wie­der­keh­ren­des The­ma in der Bibel ist und er als der voll­kom­men Gerech­te das Leid in Über­ein­stim­mung mit der Bot­schaft des Alten Tes­ta­men­tes erfuhr. Jesus hat­te nicht mehr die kör­per­li­che Kraft, den gesam­ten Psalm zu zitie­ren, aber die, die ihm zuhör­ten, kann­ten den Zusam­men­hang sei­ner Wor­te. Sie wuss­ten, dass Jesus mit die­sen Wor­ten sei­ne Gerech­tig­keit und Zuver­sicht auf Got­tes Erret­tung zum Aus­druck bringt. Das wird noch deut­li­cher, wenn wir die­se Wor­te mit Jesu letz­ten Wor­ten im Lukas­evan­ge­li­um ver­glei­chen, die vol­ler Zuver­sicht Gott gegen­über waren:

Und Jesus rief mit lau­ter Stim­me und sprach: Vater, in dei­ne Hän­de über­ge­be ich mei­nen Geist! (Lukas 23,46a)

Der Haupt­mann, der in der Nähe des Kreu­zes Jesu stand und sah, wie er starb, gab Zeug­nis über ihn:

Als aber der Haupt­mann, der ihm gegen­über dabei­stand, sah, dass er so ver­schied, sprach er: Wahr­haf­tig, die­ser Mensch war Got­tes Sohn!  (Mar­kus 15,39)

Ein Mensch, der von Gott ver­las­sen wur­de, wäre nicht von dem Haupt­mann als Sohn Got­tes erkannt wor­den. Wenn er ver­las­sen wor­den wäre, wäre Jesus nicht fähig gewe­sen, Zeug­nis in die­ser Wei­se able­gen zu kön­nen. In der Par­al­lel­stel­le in Lukas bezeugt der Haupt­mann, dass Jesus gerecht war (Lukas 23,47). Das macht auch deut­lich, dass Jesus nicht als Sün­der starb, der von Gott ver­las­sen wurde.

Kurz vor sei­nem Tod drück­te Jesus aus, dass der Vater ihn nie­mals ver­las­sen würde:

Sie­he, es kommt die Stun­de und ist gekom­men, dass ihr euch zer­streu­en wer­det, ein jeder in sei­ne Hei­mat und mich allein las­sen wer­det; doch ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. (Johan­nes 16,32)

2 Er trug unse­re Sünden

Jesus erfüll­te die fol­gen­den Worte:

Jedoch unse­re Lei­den – er hat sie getra­gen, und unse­re Schmer­zen – er hat sie auf sich gela­den. Wir aber, wir hiel­ten ihn für bestraft, von Gott geschla­gen und nie­der­ge­beugt. Doch er war durch­bohrt um unse­rer Ver­ge­hen wil­len, zer­schla­gen um unse­rer Sün­den wil­len. Die Stra­fe lag auf ihm zu unserm Frie­den, und durch sei­ne Strie­men ist uns Hei­lung gewor­den. (Jesa­ja 53,4–5)

Die­ser Text gehört zu den vier Jesa­ja­pro­phe­ti­en (Jesa­ja 42,1–9; 49,1–13; 50,4–11; 52,13–53,12), in denen der Pro­phet den Mes­si­as „Knecht des Herrn (Got­tes­knecht)“ nennt. Schritt für Schritt wer­den der Cha­rak­ter und der Auf­trag des Knech­tes offen­bart. In sei­nem letz­ten Got­tes­knechts­lied, das oben zitiert wur­de, hören wir zum ers­ten Mal in der Bibel, dass der Mes­si­as unse­re Unge­rech­tig­keit und Trüb­sal tra­gen wird. Die Sün­den der Men­schen zu tra­gen heißt kei­nes­falls, dass er geist­lich von Gott getrennt wäre. Die Wor­te des Got­tes­knech­tes zei­gen, dass Gott ihm auch in sei­nem Leid nahe ist:

Aber der Herr, HERR, hilft mir. Dar­um bin ich nicht zuschan­den gewor­den, dar­um habe ich mein Gesicht hart wie Kie­sel­stein gemacht. Ich habe erkannt, dass ich nicht beschämt wer­de. Nahe ist, der mir Recht schafft: Wer will mit mir einen Rechts­streit füh­ren? Lasst uns zusam­men hin­tre­ten! Wer ist mein Rechts­geg­ner? Er tre­te her zu mir! (Jesa­ja 50,7–8)

Men­schen, die um ihn stan­den und ihn in sei­nem Lei­den beob­ach­te­ten, „hiel­ten ihn für bestraft, von Gott geschla­gen und nie­der­ge­beugt“ (Jesa­ja 53,4). Aber die Pro­phe­tie offen­bart, dass die­se Aus­le­gung falsch ist. Gott ist nicht der­je­ni­ge, der zorn­er­füllt sei­nen Knecht zer­malmt, son­dern der­je­ni­ge, der ihn der Bos­heit der Men­schen aus­setzt, indem er ihn in eine ver­dor­be­ne Welt mit einem guten Ziel sen­det. Der nächs­te Vers drückt das in fol­gen­den Wor­ten aus:

Wir alle irr­ten umher wie Scha­fe, wir wand­ten uns jeder auf sei­nen eige­nen Weg; aber der HERR ließ ihn tref­fen unser aller Schuld. (Jesa­ja 53,6)

Unse­re Ver­ge­hen wer­den nicht in magi­scher Wei­se von uns auf den Knecht über­tra­gen. Es gibt hier direk­te Aus­wir­kun­gen der Sün­den der Men­schen auf den Knecht. Er kommt in unse­re Welt, um uns mit Gott zu ver­söh­nen. Dadurch wird er aber auch mit der Bos­heit der Men­schen kon­fron­tiert und ihr ausgesetzt.

Wenn Jesa­ja 53,6 sagt, dass der Herr ihn unser aller Schuld tref­fen ließ, dann möch­te der Pro­phet aus­drü­cken, dass der Herr den Ein­fluss der Sün­den der Men­schen auf sei­nen Knecht in Kauf nahm und ganz bejah­te. Nichts auf die­ser Erde geschieht, ohne dass Gott es weiß und zulässt. In ähn­li­cher Wei­se beschreibt Pau­lus, dass Gott das Kom­men des  Gesetz­lo­sen zulas­sen wird:  Und des­halb sen­det ihnen Gott eine wirk­sa­me Kraft des Irr­wahns, dass sie der Lüge glau­ben (2. Thes­sa­lo­ni­cher 2,11). Im 21. Jahr­hun­dert in unse­rer west­lich gepräg­ten Welt klingt es eigen­ar­tig, wenn Got­tes Wir­ken in die­ser Wei­se dar­ge­stellt wird. Es ist jedoch eine Tat­sa­che, dass Juden manch­mal eine akti­ve Form gebrauch­ten, um aus­zu­drü­cken, dass Gott etwas zuließ. Damit mach­ten sie deut­lich, dass die Situa­ti­on nicht sei­nen Hän­den entglitt.

Mat­thä­us zitiert Jesa­ja 53 in sei­nem Evan­ge­li­um im Zusam­men­hang mit Jesu Heilungen:

Als es aber Abend gewor­den war, brach­ten sie vie­le Beses­se­ne zu ihm; und er trieb die Geis­ter aus mit sei­nem Wort, und er heil­te alle Lei­den­den, damit erfüllt wür­de, was durch den Pro­phe­ten Jesa­ja gere­det ist, der spricht: „Er selbst nahm unse­re Schwach­hei­ten und trug unse­re Krank­hei­ten.“ (Mat­thä­us 8,16–17)

Jesu Hei­lun­gen und Wun­der waren ein Zei­chen dafür, dass das Reich Got­tes nahe her­bei gekom­men ist, und drück­ten die geist­li­che Erneue­rung des gefal­le­nen Men­schen aus. Gott steht unse­rem Leid nicht gleich­gül­tig gegen­über. Er ernied­rig­te sich, indem er Mensch wur­de und uns dien­te. Das ist auch mit fol­gen­den Wor­ten gemeint: „Jedoch unse­re Lei­den – er hat sie getra­gen, und unse­re Schmer­zen – er hat sie auf sich gela­den“ (Jesa­ja 53,4). Er selbst wur­de nicht krank und wur­de auch nicht Sün­der, son­dern er ver­ließ sei­ne Herr­lich­keit, kam uns ganz nahe, um uns vom Lei­den und Tod zu befreien.

Jesu Ver­bun­den­heit mit der Mensch­heit ging sogar noch einen Schritt wei­ter. Obwohl er selbst kein Sün­der war, ließ er sich wie der schlimms­te Übel­tä­ter behan­deln. Trotz sei­ner Unschuld wur­de er als Ver­bre­cher und Geset­zes­über­tre­ter hin­ge­rich­tet. Jesa­ja beschreibt das mit den Wor­ten: „Die Stra­fe lag auf ihm zu unserm Frie­den“ (Jesa­ja 53,5). Jesus wur­de von den Men­schen in einer Wei­se bestraft, dass er wie ein von Got­tes Zorn Getrof­fe­ner erschien. Aber die­se Stra­fe kam nicht von Gott. Im Gegen­teil: Gott hat das Böse, das die Men­schen getan haben, zum Guten gewen­det. Sein Leid dient zu unse­rem Frie­den.[3]
Ähn­li­ches drückt Pau­lus auch im Gala­ter­brief aus:

Chris­tus hat uns los­ge­kauft von dem Fluch des Geset­zes, indem er ein Fluch für uns gewor­den ist – denn es steht geschrie­ben: „Ver­flucht ist jeder, der am Holz hängt!“ (Gala­ter 3,13)

Pau­lus bezog sich auf die alt­tes­ta­ment­li­che Stel­le im 5. Mose 21,22–23. In die­sem Text heißt es: “ […] Denn ein Auf­ge­häng­ter ist ein Fluch Got­tes.“ Pau­lus  lässt hier das Wort „Gott“ weg, weil Jesus gera­de nicht vom Vater am Kreuz ver­flucht wur­de, son­dern ihm in sei­nem Lei­den nahe war. Er wur­de nicht ein Sün­der, son­dern er litt WIE ein Sün­der. Der alt­tes­ta­ment­li­che Zusam­men­hang im 5. Mose 21 setzt vor­aus, dass der Hin­ge­rich­te­te gerech­ter­wei­se ver­ur­teilt wur­de – was aber im Fall Jesu nicht stimmte.

Eini­ge jüdi­sche Irr­leh­rer ver­such­ten die Chris­ten in Gala­ti­en dahin­ge­hend zu beein­flus­sen, dass sie das Gesetz hal­ten soll­ten, obwohl sie als Hei­den von Gott auf­grund ihres Glau­bens und ohne das Gesetz  ange­nom­men wur­den. Pau­lus warnt sie, dass wenn sie es jetzt begin­nen zu hal­ten, dass sie „aus der Gna­de gefal­len sind“ (Gala­ter 5,3–4). In die­sem Zusam­men­hang spricht Pau­lus über das Gesetz so, als ob es aus einer Ansamm­lung von Regeln bestehen wür­de und nicht auf Glau­ben gegrün­det wäre (Gala­ter 3,12). Wenn man das Gesetz in die­sem enge­ren Sinn betrach­tet, dann ver­dammt es jeden, „der nicht bleibt in allem, was im Buch des Geset­zes geschrie­ben ist“ (Gala­ter 3,10) und so gese­hen auch „jeder, der am Holz hängt“ – auch Christus.

Zusam­men­fas­send kann gesagt werden:

Chris­tus erlös­te uns vom Fluch des Geset­zes durch das Anneh­men des Kreu­zes. Die Kreu­zi­gung selbst war eine Todes­art, die für einen ver­ur­teil­ten Ver­bre­cher bestimmt war. Von Men­schen ver­ach­tet und sogar „ver­flucht“ – ent­spre­chend den zitier­ten Ver­sen zeig­te er uns, was es heißt, aus Glau­ben zu leben, und hat uns frei gemacht vom Gesetz. Die Gala­ter, die dar­in ver­sucht waren, ihre Zuver­sicht im Gesetz zu suchen, müs­sen durch die­se Gedan­ken beschämt wor­den sein.  Wäh­rend er die Unge­rech­tig­keit der Men­schen trug, büß­te er nicht sei­ne eige­ne Gerech­tig­keit ein.

… Durch sei­ne Erkennt­nis wird der Gerech­te, mein Knecht, den Vie­len zur Gerech­tig­keit ver­hel­fen, und ihre Sün­den wird er sich selbst auf­la­den. (Jesa­ja 53,11b)

Jesus ver­lor nie Got­tes Gunst und Gegen­wart in sei­nem Leben. Ohne Got­tes Hil­fe, ver­las­sen in der schwie­rigs­ten Situa­ti­on sei­nes Lebens, um allein dar­in zu kämp­fen, wäre er eher ein Held als ein Mann des Glau­bens gewe­sen. Das war nie­mals sei­ne Absicht. Jesu Zeug­nis war, dass wir mit Gott und nur mit Gott allen Ver­su­chun­gen und Anfech­tun­gen wider­ste­hen kön­nen. Wie hät­te Jesus kämp­fen und mit Got­tes Hil­fe anneh­men kön­nen, dass er sich in eine extrem schwe­re Situa­ti­on bege­ben soll­te, von der er wis­sen konn­te, dass Gott ihn ver­las­sen würde?
Jesus sagte:

Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelas­sen, weil ich alle­zeit das ihm Wohl­ge­fäl­li­ge tue. (Johan­nes 8,29)

Wäre es nicht die größ­te Unge­rech­tig­keit, einen völ­lig unschul­di­gen sünd­lo­sen Men­schen zu verlassen?

Denn der HERR liebt Recht und wird sei­ne From­men nicht ver­las­sen; ewig wer­den sie bewahrt (Psalm 37,28a)

Soll­te Got­tes Gerech­tig­keit durch die größ­te Unge­rech­tig­keit erfüllt wer­den? Im Alten Tes­ta­ment offen­bart Gott sei­ne Abscheu über Men­schen­op­fer (Jere­mia 7,31). Die Vor­stel­lung, dass Jesu Lei­den und sein Tod Gott in sei­ner Gerech­tig­keit befrie­dig­te und er ihn sogar noch ver­las­sen haben soll, kommt die­ser heid­ni­schen Pra­xis mit ihrem Gedan­ken­gut nahe.

3 War­um hat Jesus gelitten?

Wenn Gott in Jesu Lei­den immer mit ihm war, war­um hat er das Leid dann über­haupt zuge­las­sen? War­um war es Got­tes Wil­le? Der Tod Jesu wird in der Bibel als Kon­se­quenz der Bos­heit der Men­schen und Ableh­nung sei­nes Rufes zur Umkehr gese­hen (Johan­nes 1,10–11; Mat­thä­us 21,33–41). In der gefal­le­nen Welt ist es nicht mög­lich, in der Wahr­heit zu leben, ohne Leid zu erfah­ren (2. Timo­theus 3,12).

Gott wäre stark genug gewe­sen, Jesus vor aller Bos­heit der Men­schen zu bewah­ren, aber er wuss­te, dass das für uns nicht das Bes­te gewe­sen wäre. Eine böse Absicht (Jesus zu töten) kann nie­mals etwas Gutes her­vor­brin­gen (Erlö­sung), son­dern die Ant­wort Jesu – wie er sein Lei­den und sei­nen Tod getra­gen hat – eröff­net uns den Weg zurück zu Gott.

In sei­nem Leid ertrug er einen sehr schwe­ren Kampf. Er mied die­sen Kampf nicht, son­dern Gott gab ihm durch Demut und Gebet die Kraft, ihn zu bestehen.

Der hat in den Tagen sei­nes Flei­sches sowohl Bit­ten als auch Fle­hen mit star­kem Geschrei und Trä­nen dem dar­ge­bracht, der ihn aus dem Tod ret­ten kann, und ist um sei­ner Got­tes­furcht wil­len erhört wor­den, und lern­te, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehor­sam; und voll­endet ist er allen, die ihm gehor­chen, der Urhe­ber ewi­gen Heils gewor­den (Hebrä­er 5,7–9)

Durch sei­ne Auf­er­ste­hung und Ver­herr­li­chung hilft uns Jesus nun, die glei­che Gesin­nung in unse­ren Kämp­fen zu haben – unse­re Schwach­hei­ten anzu­neh­men und mit sei­ner Hil­fe fähig zu sein, sie zu tragen.

denn wor­in er selbst gelit­ten hat, als er ver­sucht wor­den ist, kann er denen hel­fen, die ver­sucht wer­den. (Hebrä­er 2,18)

Als Chris­ten erfah­ren wir auch manch­mal Leid, aber mit sei­ner Hil­fe wird das Leid nicht zu einer uner­träg­li­chen Last. Die Tat­sa­che, dass Jesus so viel erlit­ten hat und alle Schwie­rig­kei­ten über­wun­den hat, ist ein Trost für uns und stärkt unser Ver­trau­en zu ihm – das Ver­trau­en, dass er immer mit uns ist – auch in den schwie­rigs­ten Situa­tio­nen. Er lädt uns ein:

Kommt her zu mir, alle ihr Müh­se­li­gen und Bela­de­nen! Und ich wer­de euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanft­mü­tig und von Her­zen demü­tig, und „ihr wer­det Ruhe fin­den für eure See­len“; denn mein Joch ist sanft, und mei­ne Last ist leicht. (Mat­thä­us 11,28–30)

Im Neu­en Tes­ta­ment gibt es vie­le Stel­len, die aus­drü­cken, dass Chris­ten zusam­men mit Chris­tus ster­ben (Mat­thä­us 16,24; Johan­nes 12,24–26; Römer 6,3–4; Gala­ter 5,24; Phil­ip­per 3,10; Kolos­ser 2,12).

… ich bin mit Chris­tus gekreu­zigt, und nicht mehr lebe ich, son­dern Chris­tus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glau­ben, und zwar im Glau­ben an den Sohn Got­tes, der mich geliebt und sich selbst für mich hin­ge­ge­ben hat.  (Gala­ter 2,19–20)

Der Tod Jesu war nicht ver­ge­bens. Der gekreu­zig­te und auf­er­stan­de­ne Chris­tus hilft uns, unse­ren Sün­den und welt­li­chen Zie­len zu ster­ben und ein neu­es Leben erfüllt von Freu­de leben zu kön­nen, das uns nie­mand mehr neh­men kann.

Und als sie ihnen vie­le Schlä­ge gege­ben hat­ten, war­fen sie sie ins Gefäng­nis und befah­len dem Ker­ker­meis­ter, sie sicher zu ver­wah­ren. Die­ser warf sie, als er sol­chen Befehl emp­fan­gen hat­te, in das inne­re Gefäng­nis und befes­tig­te ihre Füße im Block. Um Mit­ter­nacht aber bete­ten Pau­lus und Silas und lobs­an­gen Gott; und die Gefan­ge­nen hör­ten ihnen zu. (Apos­tel­ge­schich­te 16,23–25)

Denn die Lie­be Chris­ti drängt uns, da wir zu die­sem Urteil gekom­men sind, dass einer für alle gestor­ben ist und somit alle gestor­ben sind. Und für alle ist er gestor­ben, damit die, wel­che leben, nicht mehr sich selbst leben, son­dern dem, der für sie gestor­ben und auf­er­weckt wor­den ist. (2. Korin­ther 5,14–15)

Mehr über Jesu Tod ist im Arti­kel Jesu Tod für uns – ein Opfer zu finden.

4 Als gerecht gese­hen oder gerecht gemacht?

Am Anfang von die­sem Arti­kel beschrie­ben wir kurz das Erlö­sungs­ver­ständ­nis, wie es man­che Per­sön­lich­kei­ten, die auf die Geschich­te bedeu­ten­den Ein­fluss genom­men haben, ver­tra­ten. Aus unse­rer Erfah­rung wis­sen wir, dass die­ses Den­ken heut­zu­ta­ge vie­le Men­schen beein­flusst und ihr Ver­ständ­nis von Gott und von der Bekeh­rung formt. Wenn Jesus auf­grund eines gött­li­chen Prin­zips von „Gerech­tig­keit“, das Stra­fe ver­langt, gelit­ten hät­te, gestor­ben und von Gott getrennt wor­den wäre, dann wür­de der Auf­trag Jesu dar­in bestan­den haben, in Gott etwas zu bewir­ken, näm­lich, dass Gott uns nun anders sieht und behan­delt, nicht aber, dass er uns zu einer wirk­li­chen Ände­rung in unse­rem Leben füh­ren wür­de.[4] Anders aus­ge­drückt, die Kon­se­quenz der Erlö­sung wäre nicht, dass wir gerecht gemacht wer­den, son­dern wir nur als gerecht gese­hen wer­den, wie wenn Gott uns nun durch eine ande­re Bril­le anschau­en würde.

Die Bibel jeden­falls gibt uns Zeug­nis von einer wirk­lich sicht­ba­ren Lebens­än­de­rung durch die Erlö­sung, die uns Jesus brach­te. Als Chris­ten kön­nen wir nicht in gra­vie­ren­den Sün­den ver­haf­tet bleiben:

Oder wisst ihr nicht, dass Unge­rech­te das Reich Got­tes nicht erben wer­den? Irrt euch nicht! Weder Unzüch­ti­ge noch Göt­zen­die­ner noch Ehe­bre­cher noch Lust­kna­ben noch Kna­ben­schän­der noch Die­be noch Hab­süch­ti­ge noch Trun­ken­bol­de noch Läs­te­rer noch Räu­ber wer­den das Reich Got­tes erben. Und das sind man­che von euch gewe­sen; aber ihr seid abge­wa­schen, aber ihr seid gehei­ligt, aber ihr seid gerecht­fer­tigt wor­den durch den Namen des Herrn Jesus Chris­tus und durch den Geist unse­res Got­tes. (1. Korin­ther 6,9–11)

Jesus ist nicht gekom­men, uns „in unse­ren Sün­den“ zu erlö­sen, son­dern „von unse­ren Sün­den“ (Mat­thä­us 1,21). Er möch­te nicht nur unse­re Taten rei­ni­gen, son­dern auch unse­re Gedan­ken und Moti­ve, sodass wir ein Leben in Lie­be und Hin­ga­be leben können.

Die nun sein Wort auf­nah­men, lie­ßen sich tau­fen; und es wur­den an jenem Tag etwa drei­tau­send See­len hin­zu­ge­tan. Sie ver­harr­ten aber in der Leh­re der Apos­tel und in der Gemein­schaft, im Bre­chen des Bro­tes und in den Gebe­ten. Es kam aber über jede See­le Furcht, und es gescha­hen vie­le Wun­der und Zei­chen durch die Apos­tel. Alle Gläu­big gewor­de­nen aber waren bei­sam­men und hat­ten alles gemein­sam; und sie ver­kauf­ten die Güter und die Habe und ver­teil­ten sie an alle, je nach­dem einer bedürf­tig war. Täg­lich ver­harr­ten sie ein­mü­tig im Tem­pel und bra­chen zu Hau­se das Brot, nah­men Spei­se mit Jubel und Schlicht­heit des Her­zens, lob­ten Gott und hat­ten Gunst beim gan­zen Volk. Der Herr aber tat täg­lich hin­zu, die geret­tet wer­den soll­ten. (Apos­tel­ge­schich­te 2,41–47)

Kann Gott ver­ge­ben, ohne zu strafen?

Ohne eine tie­fe Lebens­än­de­rung und ohne Lie­be kön­nen wir kei­ne wirk­li­che Zuver­sicht auf das ewi­ge Leben haben. Die Quel­le unse­rer Zuver­sicht ist nicht unser eige­nes Werk, son­dern unse­re Bezie­hung zu Chris­tus.[5] Wenn wir nicht gerecht leben, kön­nen wir weder eine Bezie­hung zu ihm haben noch sie aufrechterhalten.

Und jetzt, mei­ne Kin­der, bleibt in ihm, damit wir, wenn er erscheint, die Zuver­sicht haben und bei sei­nem Kom­men nicht zu unse­rer Schan­de von ihm gerich­tet wer­den. Wenn ihr wisst, dass er gerecht ist, erkennt auch, dass jeder, der die Gerech­tig­keit tut, von Gott stammt. (1. Johan­nes 2,28–29 Einheitsübersetzung)

Jesus sag­te:

Ich bin der Wein­stock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hin­aus­ge­wor­fen wie die Rebe und ver­dorrt; und man sam­melt sie und wirft sie ins Feu­er, und sie ver­bren­nen. Wenn ihr in mir bleibt und mei­ne Wor­te in euch blei­ben, so wer­det ihr bit­ten, was ihr wollt, und es wird euch gesche­hen. (Johan­nes 15,5–7)

Jesus beschreibt die Bezie­hung zu ihm mit den Wor­ten „in mir zu blei­ben“. In Chris­tus zu sein heißt, erlöst zu sein. Nicht in ihm zu sein, bedeu­tet, hin­aus­ge­wor­fen zu wer­den und „zu ver­bren­nen“. In ähn­li­cher Wei­se schreibt der Apos­tel Johannes:

Wenn wir sagen, dass wir Gemein­schaft mit ihm haben, und wan­deln in der Fins­ter­nis, lügen wir und tun nicht die Wahr­heit. Wenn wir aber im Licht wan­deln, wie er im Licht ist, haben wir Gemein­schaft mit­ein­an­der, und das Blut Jesu, sei­nes Soh­nes, rei­nigt uns von jeder Sün­de. (1. Johan­nes 1,6–7)

Eine auf­rich­ti­ge Bezie­hung zu Jesus, durch die wir gerei­nigt wer­den, ist nur mög­lich, wenn wir im Licht wan­deln. Im Licht zu leben heißt nicht, sünd­los zu sein, son­dern in allen Berei­chen unse­res Lebens nach Hei­li­gung zu stre­ben, unse­re Sün­den Gott und ein­an­der zu beken­nen und uns von ihnen abzu­keh­ren. Das sind die unent­behr­li­chen Aus­wir­kun­gen der Erlö­sung in unse­rem Leben. Erlö­sung ist eine unver­dien­te Gabe, die in Chris­tus grund­ge­legt wur­de. Wenn wir sie anneh­men, kön­nen wir nicht unser altes, böses Leben fort­set­zen, weil es die Gemein­schaft mit ihm – und in ihm zu sein – unmög­lich machen würde.

Aus ihm aber kommt es, dass ihr in Chris­tus Jesus seid, der uns gewor­den ist Weis­heit von Gott und Gerech­tig­keit und Hei­lig­keit und Erlö­sung (1. Korin­ther 1,30)

Jesus ist vom Tod auf­er­stan­den und setzt sei­ne Mitt­ler­schaft fort. Jeder, der sich Gott durch ihn nahen möch­te, wird alles erhal­ten, was er braucht, um sein Leben zu ändern, dar­in aus­zu­har­ren, und ans Ziel zu gelangen.

5 Schluss­fol­ge­rung

Die Bibel sagt uns immer wie­der und auf ver­schie­de­ne Wei­se, dass Jesus gestor­ben ist, um uns zu erlö­sen. Wie wir bereits gezeigt haben, ist aber das weit­ver­brei­te­te Ver­ständ­nis, dass Gott einen Unschul­di­gen an unse­rer Stel­le bestra­fen muss­te, um uns ohne Beein­träch­ti­gung sei­ner Gerech­tig­keit ver­ge­ben zu kön­nen, kei­ne Leh­re der Hei­li­gen Schrift und wirft ernst­haf­te Pro­ble­me auf. Stattdessen

Das Zen­trum der bibli­schen Bot­schaft ist die Wie­der­her­stel­lung der Bezie­hung zwi­schen Mensch und Gott, die auf­grund der vom Men­schen began­ge­nen Sün­den gebro­chen wur­de. Indem Gott uns in Jesus nahe kommt, macht er uns fähig, dass wir ihm nahen können.

Alles aber von Gott, der uns mit sich selbst ver­söhnt hat durch Chris­tus und uns den Dienst der Ver­söh­nung gege­ben hat, näm­lich dass Gott in Chris­tus war und die Welt mit sich selbst ver­söhn­te, ihnen ihre Über­tre­tun­gen nicht zurech­ne­te … (2. Korin­ther 5,18–19)

Durch die Mensch­wer­dung nahm Jesus unse­re Natur an. Er wur­de uns gleich in unse­ren Schwä­chen, Ver­su­chun­gen und Drangsa­len. Er iden­ti­fi­ziert sich mit unse­rer Schwach­heit. Das bedeu­tet, dass er auch das Lei­den und die Kreu­zi­gung auf sich nahm, als er von denen abge­lehnt wur­de, denen er hel­fen wollte.

Denn es geziem­te ihm, um des­sent­wil­len alle Din­ge und durch den alle Din­ge sind, indem er vie­le Söh­ne zur Herr­lich­keit führ­te, den Urhe­ber ihrer Ret­tung durch Lei­den voll­kom­men zu machen. (Hebrä­er 2,10)

Jetzt lädt er uns ein, den glei­chen Weg mit ihm zu gehen, den auch er nahm: die Schwach­hei­ten unse­rer ver­gäng­li­chen Men­schen­na­tur anzu­neh­men, doch durch Glau­ben, Lie­be und Demut stark zu sein. Er, der vom Tod auf­er­stand und mit dem Vater ver­herr­licht ist, ver­eint uns mit Gott und schenkt uns Ver­ge­bung und alles, was wir brau­chen, um in Ewig­keit mit ihm zu sein.

Es gäbe noch vie­les dazu zu sagen, was aber den Rah­men die­ses Arti­kels spren­gen wür­de. Wir wären dank­bar, dei­ne Gedan­ken und Fra­gen dazu zu erfah­ren, und wür­den uns freu­en, wenn wir die Mög­lich­keit hät­ten, mit dir dar­über tie­fer per­sön­lich ins Gespräch zu kommen.


Fußnoten

  1. Luther, Mar­tin, Epistel‐Auslegung, Bd. 4, Der Gala­ter­brief, Hg. Her­mann Klein­knecht, Göt­tin­gen, 2. Auf­la­ge 1987, S. 168.
  2. Cal­vin schrieb in der Insti­tu­tio: “Aber der Wider­streit zwi­schen Gerech­tig­keit und Unge­rech­tig­keit ist unauf­hör­lich und unver­söhn­lich …” Insti­tu­tio II,XVI,3. “Es war ja nicht damit getan, dass Chris­tus bloß den leib­li­chen Tod gelit­ten hat, nein, er muss­te auch wirk­lich die gan­ze Här­te des gött­li­chen Gerichts emp­fin­den, um sei­nen Zorn abzu­wen­den und sei­nem gerech­ten Urteil genug­zu­tun” (Insti­tu­tio II, XVI,10; ver­glei­che II,XII,3.).
  3. Jesa­ja 53,10 “Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zer­schla­gen” (Elber­fel­der) wird in der Ein­heits­über­set­zung so wie­der­ge­ge­ben: “Doch der Herr fand Gefal­len an sei­nem zer­schla­ge­nen (Knecht).” Die­se Über­set­zung zeigt die geist­li­che Wirk­lich­keit. Der Knecht war bereit, zer­schla­gen zu wer­den. Gott fand Gefal­len an die­ser Gesin­nung der Lie­be und Hin­ga­be. Das wird auch durch die fol­gen­den Ver­se bestä­tigt: “Der Herr, HERR, hat mir das Ohr geöff­net, und ich, ich bin nicht wider­spens­tig gewe­sen, bin nicht zurück­ge­wi­chen. Ich bot mei­nen Rücken den Schla­gen­den und mei­ne Wan­gen den Rau­fen­den, mein Ange­sicht ver­barg ich nicht vor Schmä­hun­gen und Spei­chel” (Jesa­ja 50,5–6; Elberfelder).
  4. Eini­ge pro­tes­tan­ti­sche Bewe­gun­gen ver­tre­ten die Ansich­ten Luthers dazu: Ein christ­lich Wesen besteht nicht im äußer­li­chem Wan­del; es wan­delt auch den Men­schen nicht nach dem äußer­li­chen Stan­de, son­dern nach dem inner­li­chen, d.h., es gibt ein and­res Herz, einen and­ren Mut, Wil­len und Sinn, wel­cher die­sel­ben Wer­ke tut, die ein ande­rer ohne sol­chen Mut und Wil­len tut. Denn ein Christ weiß, dass es ganz am Glau­ben liegt. Dar­um gehet, ste­het, isset, trin­ket, klei­det, wir­ket und wan­delt er wie sonst ein gemei­ner Mann in sei­nem Stan­de, dass man nicht sei­nes Chris­ten­tums gewahr wird, wie Chris­tus Luk. 17,20f saget: „Das Reich Got­tes kommt nicht mit äußer­li­chen Gebär­den; man wird auch nicht sagen: Sie­he hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Got­tes ist inwen­dig in euch.“ (Weih­nachts­pos­til­le 1522: Luther Deutsch, Erg​.Bd. Luther­le­xi­kon, S. 57 f., vgl. WA 10I1,137,18–138,5).
  5. Sie­he auch Glau­be und Wer­ke.


Luther, Mar­tin, Epistel‐Auslegung, Bd. 4, Der Gala­ter­brief, Hg. Her­mann Klein­knecht, Göt­tin­gen, 2. Auf­la­ge 1987, S. 168.

Cal­vin schrieb in der Insti­tu­tio: “Aber der Wider­streit zwi­schen Gerech­tig­keit und Unge­rech­tig­keit ist unauf­hör­lich und unver­söhn­lich …” <a href=„http://www.calvin-institutio.de/display_page.php?elementId=23“>Institutio II,XVI</a>,3. “Es war ja nicht damit getan, dass Chris­tus bloß den leib­li­chen Tod gelit­ten hat, nein, er muss­te auch wirk­lich die gan­ze Här­te des gött­li­chen Gerichts emp­fin­den, um sei­nen Zorn abzu­wen­den und sei­nem gerech­ten Urteil genug­zu­tun” (Insti­tu­tio II, XVI,10; ver­glei­che II,XII,3.).

Jesa­ja 53,10 “Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zer­schla­gen” (Elber­fel­der) wird in der Ein­heits­über­set­zung so wie­der­ge­ge­ben: “Doch der Herr fand Gefal­len an sei­nem zer­schla­ge­nen (Knecht).” Die­se Über­set­zung zeigt die geist­li­che Wirk­lich­keit. Der Knecht war bereit, zer­schla­gen zu wer­den. Gott fand Gefal­len an die­ser Gesin­nung der Lie­be und Hin­ga­be. Das wird auch durch die fol­gen­den Ver­se bestä­tigt: “Der Herr, HERR, hat mir das Ohr geöff­net, und ich, ich bin nicht wider­spens­tig gewe­sen, bin nicht zurück­ge­wi­chen. Ich bot mei­nen Rücken den Schla­gen­den und mei­ne Wan­gen den Rau­fen­den, mein Ange­sicht ver­barg ich nicht vor Schmä­hun­gen und Spei­chel” (Jesa­ja 50,5–6; Elberfelder).

Eini­ge pro­tes­tan­ti­sche Bewe­gun­gen ver­tre­ten die Ansich­ten Luthers dazu: Ein christ­lich Wesen besteht nicht im äußer­li­chem Wan­del; es wan­delt auch den Men­schen nicht nach dem äußer­li­chen Stan­de, son­dern nach dem inner­li­chen, d.h., es gibt ein and­res Herz, einen and­ren Mut, Wil­len und Sinn, wel­cher die­sel­ben Wer­ke tut, die ein ande­rer ohne sol­chen Mut und Wil­len tut. Denn ein Christ weiß, dass es ganz am Glau­ben liegt. Dar­um gehet, ste­het, isset, trin­ket, klei­det, wir­ket und wan­delt er wie sonst ein gemei­ner Mann in sei­nem Stan­de, dass man nicht sei­nes Chris­ten­tums gewahr wird, wie Chris­tus Luk. 17,20f saget: „Das Reich Got­tes kommt nicht mit äußer­li­chen Gebär­den; man wird auch nicht sagen: Sie­he hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Got­tes ist inwen­dig in euch.“ (Weih­nachts­pos­til­le 1522: Luther Deutsch, Erg​.Bd. Luther­le­xi­kon, S. 57 f., vgl. WA 10I1,137,18–138,5).

Sie­he auch Glau­be und Wer­ke.